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Full text of "Reisen in Europa, Asien, und Afrika, mit besonderer Rücksicht auf die ..."

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^ Im 

liiropa, Asien und Afrika, 
I 

erer RickBicht asf die «aterwiMeMduftlkbai 
VerUltelMe der betidleMiea UiUkr, 



i» 4hi Mu9m MSft bis tBMä 



Jfteph R»§9»egger. 

k. k. ••«•rf . Bwgmli «IC. 



■ It elaeai Atlas, 

MlhtthMid : §m§rmpki§ek§ mmd fmfma§H§€k§ Ktt«m , UfUfft t^n^ßt^ 



ERSTER BAND. 

Urtfe ni ffrir^taUO, Valrreffi^tr«, an uMU^iu 9^mm iil 
faifUt^m JUritfUik 

Zweiler Thelt 



STUTTOART. 

E. Sc bweizerbart*8che Verlaguli itiidl Miig. 

1843. 



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V 



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• • I • 



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REISE 






in 



firiechenland , Untereg^ypten , im 

nördlichen Syrien und sfldOstlichen 

Kleinasien, 



mit 



bcsoaderer Rocksicht auf die aaturwlflsenacbaft neben 
Verhiltnisae der betreffenden Lander, 



nnlrrnoBinfB in dtm Jahre 10S# » 



JF9sepk Rttssegger, 

k. k. ftscerr. BffrKiiMli etc. 



ZWEITER THEIL. 



» * . * t * I 



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STVTTAJJIT. 

E. Schweizerbart'sche Ver]a|^«b«udliinf,^ 
1843. 

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Sechster Absclinttt. 

Reisen und Aufenthalt am Taurui^, in den PaBchaliken 
Adana und Marasch. 



1) JLnkiinft su Olliek und erster Aufenthalt dasellist« 
tlberblfck der ber^mUnntochen Unternehninnffen In 
diesem Tlielle von Harnmnnfen. 

Äiu 19. Juni 1836 Nachmittags kamen wir mit unserer 
ziemlich zahlreichen Karawane in Giilek an und stiegen voi: 
dem erst im lezt verflossenen Jahre neu erbauten Hütten^ 
gebäude ab, welches in dem an Wäldern und Tiiften reichen 
Felsenthaie, am Fusse des hohen und noch mit tiefem Schnee 
bedeckten Bulgur Dagh *, einen eigeuthümlichen und uns 
lebhaft an die Heimath ennnernden Anblick darbot. Wir 
schlugen unser Lager, das aus neun Zelten bestand^ auf 
einer schönen, im frischen Grün prangenden Wiese unter« 
halb der Schmelzhütte auf**. In der Nähe befand sicH 
eine Quelle im Schatten gigantischer Nussbäume, die herr- 
liches Wasser führte und in ihrer Umgebung eine erfrischendq 
Kühle TCrbreitete. Die Wiese selbst bot uns hinlängliche 
Weide für unsere Pferde, die nach orientalischer Sitt^ 

* Bulgur Baj^h, das Walacbengebirge. 

^* Tafel 1. Ansicht d(*8 Taurus von der Icaramanischen KüBi4 
bei Kasaulie aus. — Tafel 2. Ansicht der ScbmelzMItte in Tbste rsn 
Gulek. — Tafel 4. Anticbt eines turkosianiacbeB Bauemhauacs. 

RowEOttca, Reben. l,Bil.2.Tlil. 31 



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472 

gfefesselt, an kleinen eisernen Pflöcken, die in den Boden 
)>;escblageii worden, in der Nähe der Zelte angebunden waren. 
Den Hintergrund des Thaies bildet der Bnlgur Dagh, indem 
er dasselbe gegen Nord und Nordwest schliesst. Seine unteren 
Cjehänge sind mit dichten Tannenwäldern bedeckt, in denen 
vereinzelt sich Cedem finden , weiche aber weiter hinauf 
die vorben*schende Banmart werden. Hoch über diese Wald- 
region, die sich bis zu 5000 Fuss Meereshöhe erhebt, steigen 
die kahlen, knppenartigen Gipfel des Buignr Dagh empor, 
unter denen der höchste, von^ uns Allah Tepessi oder Gipfel 
Gottes benannt, da das Gebirge auch den allgemeinen Na- 
men Allah D^p dd^r Gott^J$ Gfeßif^« trägt, über 10,000 
pariser Fuss Meereshöhe misst Am Fusse dieser höchsten 
Kuppen und bereits hoch über der Waidregion liegen die 
Bergbaue, welche die Bleierze zur Hütte nach Gulek liefern. 
An den höchsten Gehängen des Bulgur Dagh und besonders 
in den engen und tiefen Felsenschluchten des Allah Tepessi 
scnmilzi der Schnee h!e^ clöch bi)'(!en sich iiir^ieihds Gletscher. 
Gegen Ost fällt der Bulgur Öagh sehr steil in das thal des 
westlichen Arms des Seihnn ab, der, von den Plateau's des 
liin^ vbti Htcfinfä^ieri könnü<end , ii\i Hauptkette tischen 
dl^fti Buigdr Dagh ubd äaghil- Däg, wie der DseUhiin die 
Skt Hiifrdiidäs Dag dtii^cbbi-iciit. Sd isi; auch dää thäi vim 
ß&tf^ck gcg^h ÄÖrdö*t dufbh wenfgfer hohe fand ganz mit 
"WAfd bfedttkte Bii^e ^bscUfösi^eit , über diie man In Uirge- 
tkVv t^ki Sttindien liäth der von ÜBnAHift-Päscha neu ange- 
Kg^feii Wiifiihg Sfilek Bbghä:! gelangt, welchii die durch 
^ Tli^l fillir«hde)kftpt«ti'dsse, dien Sdii&ssel zu den Päilcbä- 
tik^h AiYähk fand Ma^a^ch, bieherrsfeht (Glegen We^t begrai^zt 
8di Thkt Vbn Güiek ^in mit Laufihöl^ bedebkter B^tgtti^^ 
riÄ iweife dei Bilgiir Dagh, über deu hiah in rffe Thäler «er 
UMdcfn Ati^e de^ Viiiuni gii^tangt. Geg'en Osteil sfnd dit; 
Bfergi^i ^ielfchfe Ua4 thal einschlieafseh , höfrer üiid ebenfalls 
(ÜMs üii); Lätrbhöte, iPbeils riiit ]^ädelhdl:fc h^etUt, biiter 
denen ich mehrere und ganz ausgezeichnet schön gewachsene 
Cedem beobachtete. Am Gehänge dieses Bergzuges und 
gerade dbDrhatb der Hütte befindet sith das Dorf Gttl^k 
-^"ler Goertete, von deftK^n sehr betficfatKchfer Qrosse naii 



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473 

ittnm etwAB bemerkt^ da «Üe frbrfgeHS gant otiMilMk aus- 
sehendem, hdlzeriitsn Uänser der forkenftaiviseti^ti BeftM^etnng 
zwischen bcrheir uKsd Achthefaubt^n Plataiieti nni OhntiAn^ 
men so versteckt uml von W^H^ebeii so nmraokC mittel, das« 
mau sie kaum fräber entdeckt, als bis mair diebt vor Amen 
steht. D^her erklärt es si^h auch , dass man iai Tauru« 
Wirklich off in die Lage komitit, eine ziemlich afafk be- 
völkerte Thalgegend auf den ersferi Blick fftr menschenleer 
anzusehen, bis man die Häuser zwischen den Bämnfen aus- 
findig macht. . \ ' 

Weiter östlich vom Dotk und inOOS; ven^ der Schmelz- . . * 
hiitfe erhebt sich atif hohen, steilen Fdsen die atte Cehueser« 
Burg, wie von einem Adlerhorste in das scbftneThal berab« 
MickeiKi, gross noch heute in Trämmern und Schutt Gegen 
Süden ist das Thal van Gulek offen und gestattet dfe Fem*' 
Sicht bis zur unbegranzteti See, beide Gehänge bevdlkertf 
und thefts mit Wald bedeckt, theils auch bebaut. 

Die Schmelzbutte von Guiek liegt unsern Bestfmnnnlgfe* 
zufolge , die sich asf die astroiramiseh bestimmfeff Po«kte" 
Adaua und KapMalo als Basis grihtden, in 32^41' 12^' östt, 
Länge von Paris und 37® 2' 80' nOrdl. Breite. 

Bey^ ich mich in das Detail der vreltern GMchletata 
meiner Reise am Taurus und insbesondere in das unserer 
bergmännisclien Unfersttehun^n dasefbst einlasse, sey es mir 
erlaubt, im Allgemeinen ein Wort hinsichtlieh dieses TeiValM 
zur Orienth'Ong des Lesers zu sagen. 

Mente Reisen am Taurus, jene mächtige Gebl^gs« 
erhebung, die in verschiedenen Verzweigungen naeb Novdeik 
und Soden und mit verschieden namigeii und zum Theil j^araK 
lelen Bergzhgen Kfeinai^en von Osten nach Westen durch« 
zieht, und deren Verhältnisse hinsichtlich derRfcfhtung, H5he 
und PhysfogiTomfe ich später im Detail schildern werde , biK 
schränken sieh auf das Terrain, welches die politischen ^ri»* 
ten der PaschaKke Adana und Maraseh einschliessea, dl« «aok 
der Schlacht von Koniah, durch kRAHiM-Pascha den TrUpj^eof 
des Grossherm am 2fl. Dezember 1632 geliefert, unter die 
Herrschaft lÜEHEMSD-ALfs gelangten und als Paseballk votf 
Adana «rntt Sjsrieii Toreint wurden. 

31* 



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472 



^^J!!;JL^"''^ '^ Tfcale. hUet 4.r B - eckt «ch gi. 

«^h^nri-^^J^^ ^"^^ "^ J^orrfwert «^ 's in die Geg^ 

' v^reh.rli#T!l*" ***" TaMe«^^ ^ten, jenseits M». 

ilietZh ^'*^*^ *"''~' ^ sr/ialilievoDDjärbekr 

^^(ffoT^Jr*****^* Bawart k* , ^y; wird das Terrain doreli 

*e kaiif * '^^ ^ ^^^'^ ' [raschalik von Aleppo begranit 

iiu^^ . *"^ *^*»ppeiiartf2r' ^ /i, d& Mkhemed-Ali zur Zctt 

ßofien ^^ ^^'^ '*^'»"' ^ /^^r^e geg^eiiüber stand, erlaubte« 

^^ AnH*"''*' ^'^ jieseGriiM^ 9^w^» Gebietes zu über- 

P«»1«er F ^^^^ * Äi «» «"^'' ^""^ JErgänzung meiner wi». 

* ^Pp^n "** ^ ' f^hao^o besonders iu geographischer Hin- 

^^Khavf^''' "^i bitte. Vbrigeiis wird diese Ergänzung durch 

^^ rfe»' ' ll^itii der kdaigl preussischen Offiziere, die spa^ 

'»de» '^''^odc d«* ScbUicht von Nissib, im Dienste der 

?^'^'^ *' *dM jMtitMtid^ Termin bereisten, geschehen, und 

'^'^ ' '*iwX MM^A "**' Sachkenutnlss errungenen wissen- 

^ J^aiUMkL RewUl«^ ^^^^ ''^'**^ werthvollen Forschun- 

' /«» "««««1« fkr Welt akUt entzogen bleiben. Von beson- 

denm #«f«^^,^ «jud Uif« AiifiiÄhmen des obern Euphrat- und 

T^r^^iftlM^f^ ii^Wrt^Twrftias bisher noch immer in grosses 



**^^ 4>isttiit i* s«*^*'*' T^rtiltt angegebenen Begranzimg 

^ M ^ n Ji^^ ^rJ«^t^ J"*^* ^^ **^*^ CÜlden, welches im Jahr 

•ä^S vV^vk Ok' lirx**'^'**^****^ ^^'^ Kreuzfahrer mit dem Für- 

^^'^'^^^^^-j^i^ ^v^ A^««^'^^^*^*^ wurde, im Jahr 1268 aber 

'^ **M#. ^\^,^^ ^ SArjÄ^^^i^ fiel and unter türkischer Herr- 

***^ -^ ^Hk*ä^ Jk«» ^%t*w^*«^* Kamen Karamauien oder Ka- 

*^*^Nk«j ^,;^ ^j^f,'^ ««b^v:$%WiuUcb xm» Kakam^m, dem Haupt- 

*'*«<. %^ >#*^^ <JltP/<9^ |X;5j4iiM WiMfrrsehte. Dieser Name^ging 

*<K*»^>#>^ ^.*i^V< R^*^«"**^ ^^-'^ ** Awtawjj: des 16. Jahrhunderts, 

^*^** ^V^ 5ö^*fk*MRM4*«i>^<^^ Ji^^^ Landes unter, und die Erin- 

*'^^:%e*«c4^ ^vM** W^ ^*K ** *^^*^ Karnen der Stadt Karaman 

^S<;*tv^ ^ oim ii^^urn vtt^r tt>4a«tittw haben dte Mineral- 

^■^^•^^» ^^.^^ ,^i;t* lurtt*«ji uiHi wiiWNr ]\ebeuj£welge die Aufinerk- 

**'**'*****s'v*^ Jvv >iWHrfMA«*<^** iui^U^« auf sieh g^^^gen. Die 



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475 

Entstebnng^ der klefDä^latisclien Grubenbaue auf Kupfer, Sil« 
ber, Blei und Eisen datirt sieb zum Theil io die alten Zel- 
ten der g^ilcchischen fferrachaft znriicli, und trotz dem stiiv- 
misehen Wechsel der Verhältnisse gingen selbige in der 
Folge der Jahrhunderte nie mehr ganz und samrat und son^ 
ders zu Grunde. Der gross te Tbeii derselben wurde bis auf 
die lezten Zeiten durch Griechen und Turkomanen betriebet) 
und wo auch diess durch die Eroberer des Landes, durch 
die Türken selbst geschah, immer war der Betrieb, in so 
fern er nicht durch BeihCtlfe der Enropäer Schwung erhielt, 
der Indolenz und Unkenntniss der Unternehmer angemessen, 
mangelhaft, unterbrochen und in einzelneif Lokalltaten nur 
von knrzer Dauer. So sehen wir die ausgedehnten Kupfer- 
und Bleibergwerke von Tökat bei Siwas im vollen Verfalle, 
bis sie in neuerer Zeit durch österreichische Bergleute, na- 
ter der Leitung des k. k. Bergrathes Paulini, im Interesse 
der Pfoi'te wieder anfgegrllFen wurden. So sehen wir den 
mehrere Stunden umfassenden Grubenbau auf silberhaltige 
Bleierze bei Maden * am anatoiischen Jda, in der Nähe von 
Adramitti, auf die höchst mangelhafte Durchsuchung der 
von den Genuesern zurückgelassenen Zechen beschrankt, und 
doch soll die Silbergewinnung daselbst noch in den Jahren 
um 1826 manchmal jährlich auf 2000 Mark Im Maximum** 
gestiegen seyn. So sehen wir die Grubenbaue am Taurus, 
im Paschalike von Djärbekr, die Knpfergruben von Maden 
Kapur, die Silbergruben von Kapän Maden oder Maden 6o- 
musch n. s. w. in einem elenden Betriebe, der sich, wie bei 
den meisten in den lezten Zügen liegenden Bergbanen, vor» 
züglicb anf eine Durchsuchnng alter Zechen beschränkt. Die 
Grubenbaue am Taurus in Karamanien oder in dem heutigen 
Paschalik Adana und Marasch kamen mit dem Besitze des 
Landes zu Anfang des Jahres 1S33 in die Hände der egyp- 
tischen Verwaltung. In den hohen Gebirgen des Kärraes Dagb, 
in dem nördlich von Siss gelegenen Distrikte Kossän-Oglä, 

* Maden, im Türkigchen : ^rs oder Grube; Maden-Uchi-Paschi, der 
Vorsteher eines Bergbau -Unternehmens. 

"** V. Paokesch: Erinnerungen aut Egypten und Kleinasien. S. Bd. 
S. 37«. 



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476 

|n Flna$g;efcfete des 'Dsebihiin^ trieben die 'eiQg;ehornen Tnr- 
J^ooiaiieii und Griechen schon seit alten Zeiten Eisenstein* 
JBIier^gbau Jind verschmolzen ihre gutartigen, reiebei» und leicht- 
'^19sigen £rze mit Holz in Sitlicliöfen. Dfl3 £isen g;ing aUi 
il^)del9WA9re von vorziiglicber Güte gröa^teotheils joerdwärto 
Mb^r .da9 Gebirge nach Kaisarieh (Casarea) um hohen £rd- 
•diiescb* So standen die Verhälitnisse vocfjt damals, uls idi 
4iese Grgieaden besuchte, und die egyptische YßtwsMnng 
4ialmi vvjeitors keinen positiven Täetl aji dieser industrjeUan 
(Jntiernebniung der Turiumianen, nur fing selbjg<e An, ihr lor 
t^esae ;ui en-^en. 

In der Fortsetznj^ des Karmes Dagli gegen .Südvvest^ 
J|i well^l^erj^iehiiiag er sich mit dem BulgurDagh durch die 
Sjchn^len Rüci^en und Kuppen des Baghir Dagh verbindet, 
üollen sich iörUscher Selts i^ 4em Distiikte^ genannt Kar- 
<Kta>P ^gluo SilJbergruben befinden, di^e ich ührigeos weder 
jfeijbst .sah, .noch lionnte ich über die näheren Vei'bältnisse 
4fi9»ßüißn je eine genügende AusMnft erhalten ; denn yi^Hß 
ausser dem fBereic^e der Augen und Hände des Turkomajuen 
•jj^egt^ .ist für ihn eine reine terra incogiüta. Diese Gruben- 
jiaue «lagen ,aujch ganz a.usser dem Bereiche der egyptischeD 
Aerr^haft An» Bulgur Dagh hingegen, in der Nä)ie voi^ 
«Güiek,, erregten die von den fiingebornen in früJiei'er Zeit be- 
triebenen jGrubenbaue auf Bleierze das Interesse des Vi2^e- 
^&ni£B to ^hobem Grade. Theils das nesterartige, unterbro- 
jcheiie imi «ebr verworrene Vorkommen dieser Bleierze an 
{Hndfttr sicb^ theils die Uidienntniss und die schwachen Geld- 
miUel der Unternebmer bewirkten,, das» dieser Grub.enhaa 
4rie eine bedeutende Ausdeluiung.eiii«alten hatte, sondern sich 
leinzig nur tauf dejD Betiieb nvehrerer und ganz kurzer StoL- 
Jlen hescibivnkte, den man jederzeit aogleich wieder einstellte^ 
j^bald 4ie anianglicbe Veredelui^ ausliess. Dazu kamen nach 
,^ weseutHcbeJHittdernisse, die den Betrieb sehr .ei«cb werk- 
ten, 4^^ höbe Loge der Grubsen an und für sich und di^ 
Schwierigkeit, die nöthigen Betriebsmnterialien hinauf, die 
'£rze berabzubringen , Potenzen, die sich unter einer Ver- 
ivaltuna:« w«^l'*^«» /inr/.ii«.w k^ine Garantie für personliches 

^^ kam es, dass 



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477 

M^BKfi^-A.Li JbrancktiE^ J^lei; daher Jj^in ii^n^ der 9^it9 
Jiese^ 7^r^^"*s Iidclisl; g^egen. Prpbi^veiTWclif , #e er d|irc^ 
yei^düiede^e d^r in §eln/e|B Pienste ^t^eqdeu EurQpli^r (ib- 
fuhrejD li?9s, i^ieaeii ijU dpn l^V^^^y die n^aj» häufig |tuf j/^i^ 
altep Salden Jieniiol|i9g]Pfi fan^, eitiem bed.eiijteo|dieiji (sel^iM nn 
ßlf^ aus; inaii wijea spgar au.cb einen gyo^sßiy Ai^beÜ i^lber 
IIP leztern iiach , kurz die ^chß erjregt^ d^ j[|itei*Qsse ißf 
«luier^ehioeadeu Mfiun^ (m böi^iaten Gi'^de, jU94 di^ ii^^Ft 
liebe folge war, dasct ßv i\ß W^e4^rau£(ift|^Q9e deji Jäl^ib^erg;» 
jbaiies ^m Bufgur Pagli bei Q^^»k be^pblp^s. W(^l>l wiß^eiMl» 
iisLSs er bei dieser jUnterjiehajLUJig ^uf eia^ yep^p^igß u|id«9err 
gipclie Dien^tleistimg .v.dii Seit^ dj^r /^ing^omßp Turjuigi^iif^y 
/seiujer Türken jiod Ä^'^^/^c »i<4^ r^.ui^n könue, Tve^4etß isf 
9i€!^, ^ie Htejbs iii ao|c|)pfi Jf^.U.^IP? M 4p.<? ßuropffier, diß ^iii 
jopiig^et] ode^ s^J^ j$09st ger^42 iu ^yptej9 auf^ißU^ii. D|ir 
is^ls .bpfaii4 sdcb scbon ß^t J^Liigerer^e^ e||igebpriiejrS<obvrei* 
zer, Nfunens Gi^sBEiaG t, ip Egypitßn, d^eii* d.ev 9llg|&.cklic|i^^ 
der W^&seii^ckaft leider zu frjih €0itns§e.Qe9 lind durch »ßiaß 
l^r^i^cJU^n ArbeJtejM riih|Q)i4^{$t .bekani|tM Ijl^ljieaisicheii Gfir 
lehrt^ Be^occiu ^)ach Sjeonaar b^lpit,^^ k^tp^ und ßlß leiAet^ 
In |C)iardu9i geslc^rb/eu i^ar, .nieder n^^b Egypten zurückr 
^Lehrte. Er |eg|te s!p|i apf fi|ine/ralo|gie ,i^pd g^^b au^cb ,ein Yerr 
z^icbui^ d^rj^n Egypt^p, a^ Si^^ai ^. ß. y^. yotkomtßßnißu 
Mi;ieralien hjeraaß. Dieser Slanu war detß V|zekwige wie 
gerufen, er AchicMe Uiii dl^er als iChßf fier Berg)bianfu*beit^ 
nach Gälek? wo er sieb etaUirte. i^ur Besorgung deß jHiitr 
tenwjeü^us sandte man ^ur^eZeit d^n^uf ^ilicsn g^bpruenPi^ 
monteser, Nameiis Borbani, dahin, dpr wc^ Egypten gekomr 
i^en und als frjiher,er Artilleri^eoffizipr im JPi^nst« fteinps Var 
terjandes iii 4^r Kanoqeogiesfiierej zu fCaico ivageateUt wian 
B^de waren filßo die Cbef^ des Etablissement^ und dm*Gb 
diese Stellung bestimmt^ iip harmonischen .Zi^9^9p,i|i^n\vU*kpii 
dasselbe eipporzubringen. jGinspej&q Stand demX^U'ub/Qab^e aU 
lein vor ; pr began^i luittelst einiger aus ^bQHejr mifgenau^ieiieir 

* £r sUib XU Tfiurtius au der Pc^t im J^yp 1^^. 

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478 

Türken eine Durchkuttung der alten Halden, g;ewaltigte ein 
paar alter Stollen und beschäftigte sich vorzuglich mit Ge- 
ivfnnung der am Ausgehenden zweier Lagei*stätten zu Tage 
liegenden Erze, eine blosse Abräumungsarbeit, durch die er 
aber In Verbindung mit den übrigen Arbeiten in kurzer Zelt 
einige tausend Zentner reicher Bleierze eroberte. Da er aus- 
serdem zur Herstellung eines Zechenhauses, das zugleich für 
ihn und seine Arbeiter als Wohnung diente, trotz der hohen 
Läge, Von mehr als 5000 Fuss über dem Meere, doch nur 
einen verhältnissmässig geringen Kosten auswies, so war die 
.legyptische Verwaltung anfänglich ganz zufiieden. Boreani, 
dev dem Ginsberg in intellektueller Beziehung weit überlegen 
und voll Bestreben war, sich die nöthigen Kenntnisse für sein 
iieugewähltes Fach zu verschaffen, entbehrte aber aller prak- 
tischen Erfahrungen darin und begann mit Herstellung eines 
ziemlich kostspieligen und nnzweckmässigen Hüttengebändes, 
leines Trockenpochwerkes für die Erze und der nöthigen Werk- 
Stätte^ anstatt dass er vorerst besser gethan hätte, nur ein 
paar hölzerne Hütten zu errichten, um seinen Ofen n. s. w. 
zu etabliren. CJm die Erze, die er sammt und sonders zu 
Mehl pochen Hess, zu verschmelzen, wählte er nach engli- 
scher Manier einen Flammenofen, gab demselben eine be~ 
deutende Grösse und eine ganz eigens von ihm gewählte 
Form, ohne von vorne herein sich überzeugt zu haben, ob 
sich denn diese Bleierae auch wirklich zur Behandlung im 
Flammofen eignen. Dureh diese Veranstaltungen sah sich 
Boreani genöthigt, bedeutende Zuschüsse von Seite der egyp- 
tiscben Verwaltung in Anspruch zu nehmen. Die Vollendung 
des Baues verzögerte sich theils wegen Mangel an Geld , so 
dass man den Besoldeten und den Arbeitern Monate lang 
ihr Guthaben vorenthielt, theils wegen der eigenthümlichen 
Ungeschicklichkeit, mit der die egyptische Verwaltung sich 
selbst bei allen ihren industriellen Unternehmungen die gröss- 
ten Hindemisse schuf, z. B. gänzlicher Mangel an Materia- 
lien im Momente, wenn man deren benöthigt, Überfluss dort, 
wo man deren nicht bedarf u. s. w. Dazu kamen zahllose 
Misshelligkeiten zwischen Boreani und G' -^^^ro, die sich 
einander wüthend verfolö:ten. RJ^-'- -^näer. 



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479 

Al6 sich bei Boream befanden, und derer, die beiden zug;1eich 
zu sciiaden sucliten ^ Icurz, die Veiivaltnng; sah ihre ohnehin 
zn hoch gespannten Erwartungen In der Zeit nicht erfüllt, 
in der sie es hoffte, und nie hätte sie geglaubt, dass so 
viele Umstände zur Verschmelzung von Bleierzen nothig wä- 
ren, die sie im Prubirtiegel so schnell schmelzen gesehen hatte. 

Man zweifelte ganz und gar an der Fähiglieit der bei- 
den Chefs und suchte auswärts Hülfe. Dieser Umstand war 
es vorzüglich, der unsere Sendung an den Taurus veranlasste. 

Zugleich mit dem Bergbaue am Bulgur Dagh leitete 
Ginsberg einen Schurfbau auf Braunkohlen bei Thor Ogia 
in der Nähe von Tarsus, aber ohne günstigen Erfolg. 

So standen die Verhältnisse zu Gülek im Sommer 1836, 
zu der Zeit, als wir ankamen, und der von Boreani erbaute 
Flammofen zur Verschmelzung der Bleierze war in so weit 
fertig, dass er nur noch nnszutrocknen brauchte, um mit 
den Schmelzversuchen beginnen zu können. 

Boreani, von der egyptischen Verwaltung nicht im min- 
desten auf unsere Ankunft vorbereitet, was zu thun von lez- 
terer wenigstens human gewesen wäre, war sichtbar über- 
rascht, als er uns plötzlich und gleich in solcher Masse vor 
sich sah. Ein nicht zu verargendes Misstrauen sprach sich 
von seiner Seite aus, das ich dadurch zu beheben bemüht 
war, dass ich ihm vorstellte: Wir seyen durchaus nicht ge* 
kommen, um Jemanden zu verdrängen, sondern unser Zweck 
seye nur im Interesse des Vizekönigs und der Wissenschaft 
die naturwissenschaftlichen und insbesondere bergmännischen 
Verhältnisse des Etablissements und seiner Umgebung zu 
untersuchen. 

Als Schutz für das Werk befand sich zu Gülek eine 
Garnison von 100 Mann der regulären egyptischen Truppen 
unter Kommando eines Kapitäns; zugleich war auch beim 
Werke ein eigner Nasir, Namens OsMAN-EflTendi, angestellt, 
der das ganze Rechnungswesen über sich hatte. Als wir 
das Lager bezogen hatten, begehrte ich eine militärische 
Wache, die mir auch sogleich gesandt wurde. Noch am 
Abend sandte mir Ginsberg sein Reitpferd, um zn ihm zu 
kommen, da er selbst wegen Krankheit sein Hau« nicht 



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480 

TerfaMen kosnte. Eni mm folgendea Morgea aber Etad ich 
Zeit, diesen Besuch zo nadien* Ich ritt eine Stnndk hmg 
de» iiteflen Berg; auf abscheaUcbem, stefDi^^eai Wege hioaii, 
passirte auiDches zwischen Bäonten and Reben yerateckte 
Hänsebea und hielt endlich vor dem^ welches GmssBaG be- 
wohnte. Teppiche waren aof der TerraasfC, die hohe Nn^- 
bämne beschatteten, ansgebratet, und daselbst sass ein al- 
ter, hagerer Mann mit langem Barte in orientalischer Klei- 
dung, den ich für alles eher, als ffir einen Schweizer an- 
gesehen hätte« Ich redete ihn in deutscher Sprache an, nnd 
.der Klang der Muttersprache ergriff ibn so, dass Thramen 
seinen Bart nezten. Da Ginsbsrg unter andern Reisen, die er 
in seiner Jugendzeit in Europa gemacht hatte, auch in mei- 
nem V.aterlande sich einige Zeit aufgehalten hatte, so enn^^ 
er in mir |Sriniierungen an mein Hdmathland, die mich durch 
einige Stiinden des Vormittags bei ihm festhielten. Nach 
GiNSBERG ritt ich zu Borbani, wo ich mit meinen Rd8^;e- 
f^hrten znsammentrajf. Sein Hans lag äusserst freundlich 
auf einf m Hugei am Fasse des Berges, au dessen Gehänge 
sich das J)otf Gülek zwischen Bäumen ausbreitet. Beide, 
sowohl GiNSBERG sls BoREAMi^ Icztcrcr Jedoch mit mehr Vor- 
aieht uad Wahl, sprachen sich auf das Leidenschaftlichste 
gegen einander aus und beschuldigten sich der empörend- 
sten Fakta. Einerseits war ich diesen Ton bereits aus 
Egypten gewohnt, andererseits jnteressirte mich die Sa.clie 
nur in so fern, als ich d$irans entnahm, dass iieide Theile 
Unrecht haben. 

Bei BoREANi sah Ich^nnter andern ein grosses Stäc^ 
metallisches Blei mit Glätte, welches man beim Grundgrabeo 
Jn der nahen Festung Gülek Boghäs gefunden hatte, und 
\v.elches folglich die Vermuthung erregte, dass auch in jener 
Zeit hier eine Bleihütte gestanden habeja möge. 

Bereits am zweiten Tage nach unserer Ankunft b^^foa 
ich mit einer genauen Untersuchung des damaligen Zustan- 
.des des Etablissements und wendete mich unter J^oRicAj^rs 
Führung a^uerst 2iur Hütte. Der zu den Verbuchen bestimno^te 

''uge^i 



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m 

Y/ßr.ieti, uod äherhauiM:, o^ne a^n yt^ivsen, ob die 3Ieiec7iB 
Bif^ ^ar Qefaaiidlupg im Fl^aminof/eii schicken , l)^ttß man ht' 
rj^Xs d^s Fundament fiir ,eUie;i zys^itejß .ßoldiep Ofen ansge- 
griihieiy .und al(les NöUiige Jt^i,ez.u yorgßriclitet Anf d^n er- 
sten Black jersah ich da? (]i)si,ctier,e ö^e^es Qdginp^n^, der 
Ojep .9.chien mjjr an npd für $|ch im ^ß-ß Päppelte zu grpss^ 
W iß^ iiß ^ir^^ezte ßr;&masse lUippvö^ljc.U zur ^I/eji1g;^ des 
beije.dem Ofan^iiisatze erford.e.vliptenßr.eiviinaterlals in einem 
eiitspreciienden Verbältpi^ .^telien k^nn^, ujnd Aß^^ wollte 
m/Hi di^? f3iaQtiiati?ie F^assungsvermogen ien Iji^rd^ ^fL"2 in 
AnapjrjLicJi nelw.e9, di,e JErzmasse ejnes E^nsata^s ao gross 
aieyji -w.örde^ daa9 »iß ,an imd fijlr sk^ in eiaem Fli^moienofen 
iiicjbit behandelt w^.d,eji köpne. AiiBs.erdei^ w^r der Oi'eR 
«gf^n ^llß PrUicipijen ei,«ier ökonomischen Qeniitziing Atß 
.Breoi^toff9 conatrairt 

D,aa moikinrÄrdigste bej .d,^r gap^n Giniichtuog üvar aber 
vi]7atr.ei]t]g .d«9 yfH^ Boreani ^(igebrachte Pochwerk und der 
Aw^lt be;ibsicbj^igiteAu.fbereitungsprocess. jEs (leatau.deii näm- 
UqU .zwei PAch>verke5 jedes mit 6 Stempeln, .deren jeder 
jS.eiii e.i»;^.(ves J^.etld 4ind seltnen eigen^en Satz luttte^ der aim 
einfHn iniQ^Fserartig .au^geböhiten Stein bestand. jDie reicbeo 
J^Y,zß.^ die zum XUefl über $.0 PvQce.nt ao Blei entbleiten^ 
WMi'deq tr^pckeii zu Mehl gepocht und diese? wurde zur Ver-* 
sc.l>me]znng b.ei SeMe ^esliir^t. Um die ärm.ern l^x^ß einem 
S.Ciparsitioasproc.eas^e .zur Er^eng^ing von Schlicben zu unter- 
^ieliien^ bje^bsiclui^e inan., diese F^rze ebenfalls trocken 
jji dieseip P.Ojchwe.rke.jp .zu pochen uqd die erhalte« 
i^jen {M.eble mit Wasser z^i ;ne.nge9 un^l dfinn ^em 
Scklf^mWfi'ocj^ß^e zu t)ntei:zie;i|e|i. Um dje beatisicliti^e Ein- 
richtung des leztenu erjs.und{g.te ic|i micii ui>te.r solchen Um- 
stäudep uiclxt 'iiyeh.r. JDie B^wegni^g dl^rJPoch werke geschab 
ilnr^h ^i;] noterschlä.cbrtige^ Kr.pp.fr.^.d 9 tWozu ipan 
d.fis ßrforderjicbe jKraftwasser ^\Lß dein mehrere Klaf- 
ter höher liegenden QerJ^iine hpr^bleitipt.e. Die 
^adweUe bewiegte die Stempel nicht uumittclbsvr, sondern 
pi^ttßlNr diirch ein Xeiqe$weg*s jeiinfaches Vprlegwerk. Bei 
eiaepi solcheji Pochwerke arbeiteten .3 bis 4 Mami^ ^ie Bo- 
)ELEAMi> Au^ßjage zufolge in 8 StflA^eu iijid :ffii.t j^ ^tepnpel.^ 



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482 

50 Zentner Erzmehl lieferten. Die Erae, welche von Faust- 
grösse bis znr Grösse von bedeutenden Felsblöcken von dem 
TJergbaue der Hütte übergeben wurden, wurden durch eine 
Ittasse von Türken in einer geräumigen und lichten Halle 
mit Schlegel und Eisen bis zur Haselnussgrösse gear- 
beitet, in welcher sie dem Pochwerke übergeben wurden. 
Unglaublich, aber wahr! Ein Pochwerk hatte 14 bis IS Mann 
nöthig , um auf oben angegebene Weise die Erze für das* 
selbe vorzubereiten, d. h. zu zerkleinern. 

Am 22. Juni ritt ich am frühesten Morgen, unter Fiih- 
rung des Nasirs von Gülek, Osman Effendi, mit meinen 
Reisegefährten zu den Grubenbauen auf dem Bulgur Dagh. 
Wir nahmen unsern Weg nordwestlich , und der schmale 
Felsenpfad führte uns bald durch Wald, bald durch tiefe 
Schluchten, bald an schwindelnden Abgründen hin. Unsere 
Pferde kletterten wie Ziegen, und die Sicherheit ihres Trit- 
tes sezte uns in Erstannen. Die Wälder bestehen vorherr- 
schend aus Tannen, unter denen man mehrere europäische 
Arten, als Fichten, Edeltannen und Weisstannen unterschei- 
det. Gemengt mit diesen sind Buchen, Eichen, Cedern und 
sehr grosse Wachholderbäume. Übiigens sind die Wälder 
daselbst licht, durchaus überständig, und ein ungemeiner 
IMangel von Holznachwuchs ist nicht zu verkennen, eine 
natürliche Folge des gänzlichen Mangels irgend einer Auf- 
sicht, wovon man auch gar nicht die entfernteste Idee hat. 
Nach einem fast dreistündigen Ritte hielten wir an einer 
frischen, hellen Quelle in einem prächtigen Alpenthaie. Wir 
waren bereits mehr als 4000 Fuss über das Meer erhaben^ 
noch umgaben uns stattliche Tannen und Cedernstämme und 
ein herrlicher Weidebodeu erstreckte sich bis zum Fnsse 
des nahe vor uns stehenden Allah Tepessi (der höchste Gi- 
pfel des Bulgur Dagh), der mit seinen kahlen, von alier 
Vegetation entblössten Kalkwänden, mit seinen tiefen, engen 
Schluchten und Spalten, mit seinen zerrissenen und phan- 
tastisch geformten Hörnern und Zinken und mit seinen mit 
altem schmutzigweissem Schnee ewig erfüllten Ruinen, als ein 
Koloss von mehr als 10,000 Fuss Meereshöhe auf uns herab- 
sah und uns ein treffliches Bild aus unsern heimathlichen 



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483 

Kalkalpen vor Ängen stellte. Ein klarer Bergntrom kam 
ans dem Gerolle der SehDeeriiinen hervor und durchzog 
das triftenreiche Thal, Tannen, hohe und steile Gebange 
mit Bergmähdern umgaben uns, und hätten nicht die Cedern 
lingsumher ihre Fächerzweige wie Regenschirme ausgebrei- 
tet, wir hätten es nimmer geglaubt, in Asien zu seyn. Wäh- 
rend unsere Pferde weideten, ruhten auch wir aus und such- 
ten nebenbei unter den Steinen Scorpione, deren wir eineo 
fanden , der über 3 Zoll Länge hatte« 

Vom Brunnen führt der Weg, den Ginsberg für Sanm- 
pferde sehr praktikabel hatte herstellen lassen, den Berg hinan 
Ins auf ein Joch, welches nahe an 5000 Fnss Meereshohe ha* 
ben mag * und das einem mit Vegetation bedeckten Gipfel 
des Bulgur Dagh, dem Enlk Tepessi (Kuhspitze, Kühhorn), 
dicht gegenüber steht. Rechts von nns erhob sich der Ma- 
den Tepessi cErzgipfel, Firzberg), der einen Vorsprung des 
Allah Tepessi bildet und mit dem Enik Tepessi ein tiefes, 
von steilen Bergmähdern eingefasstes Thal bildet, in wel- 
chem sich am untern Ende einige alte, am obern Ende aber, 
und dicht unter dem Gipfel des Maden Tepessi, die neuen 
Gruben sich befinden. Wir ritten den Ri\cken des Maden 
Tepessi hinan, zu beiden Seiten frei und in tiefe Thäler 
hinabsehend. Die Tannen verschwanden, die Cederu aber 
blieben noch in mächtigen Stämmen, bis wir den Rücken 
verliessen und uns der Weg links in das Thal durch steile 
Bergmähder zu den Gruben führte**. Ginsberg hatte an den 
Gruben zur Unterkunft für sich und die Arbeiter ein Zechen- 
haus erbaut, was zwar an und für sich schlecht genug, aber 
in einer Meereshöhe von nahe 6000 Fuss und nahe an der 

• Noch nicht im Besitze meiner Barometer, musste ich leider di^ 
sehr interessanten Erhöhungen des Tauraszug^es nur so ung^elilhr dnrdk 
Schätzung bestimmen. Obwohl darin sehr geübt, will ich jedoch für fohr 
Icrhafte Angaben in diesem Falle mich niclit verantwortlich machen. 

** Ich kenne für diese hochgelegenen und meü^^tens so sfeilen Wie- 
sen, dass sie durch anderes Vieh, als durch Schafe, gar nicht benuzt 
iverden können, keinen bessern Namen als Bergmahd, so wie man sei* 
bige in den Alpen nennt, weil das Gras daselbst oft mit der grössteu 
Lebensgefahr gem&ht wird, obgleich dies« hier am Tauru« wohl nicbl 
so haujfig der Fall seyn dürfte. 



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484' 

iJranze ewigen Schrtee'sf imiireritifi eirrfe erfrteiilicfce Unter* 
kiinft ist. fit der Nähe des Ifetrses rj^seft efhe httrlithe 
(Clueiie äuÄ d^mFelseH hervor. Die Re<;tofi des HöI^wifchÄCsr 
lag tief tfntär nris, iroch wat äet Schirce des lezten Whi- 
fers nicht geisjchmalzeii 3 liird Wo di^ss der Fatll ttar, er-» 
i^achte bereits eine heirlldre Alpeirflorä, d\6 ühdi^rm ßofal- 
wfker Kotscöf reiche Aiisbedtfc ga:^, und deren Detail aiii 
(ächfiiss^' dieses Bäiides hoh^s Interesse gdvVährt. Ttrlpen 
.und Hyacinthen, Schneegfockchen uud Sdgenantrfe Weliiti'atrb- 
ctieh blhhten Sdhoh frisch iinrf freudig dird gätben dem An- 
Ibficke deä 6ahzeh efneti ärrn^tlnbareii Zanbe^. Irt dei) nm-' 
liegenden thäl^jii findeiii Steh vifefö Hirsche, unä auf den Hö- 
hen deS tätifas haust der Stefnb^ck, rnftafit^fr in b^döuteA- 
deii Rudeln tiiii gärtz äfahttch der kaukasischen Species die- 
ser ii> fitfro|)a vef'S(^hvvind6ndeii tlillfrgattung. Cm das fiterg- 
haus, ähd daran sich änschltcji^s^nd , liegen ifodi mehrere, 
elende, auä Steinen und Erde aufgeführte Hüitten Aet Ar- 
beiter, derfen danmls 2S tv^reft. 

Spät käiii auch GmSBERG angeritten, tiiid Wii' verplan- 
Üärten an efh^m geidütlilichen Kaminfener deh Abend. Dto 
Wäfme tög ehiige Schlahgeh herbei, die miS am Herd^ 
Besucii ihachteh, von den BeWo(hnern aber als ganz unschäd- 
liche Thiei^e niüht geflirehtet ^erd^n Und daher ÄUch iifcfcC 
verfolgt Sind. 

Öie Kächt Vvurde gegen Morgen sehr emp'frndlieh kalt 
lind wir ^ehüzten uns nur schwer gegen den eisigen, dnrcti 
die iSpälten der Tbüreti nnd Fensterläden hereinziehendeu 
Wind. 

Am Morgen des dafauffoigenden Tages be^fuhr ieh mft 
(jliNSBERG die beiden offen stehenden Gruben. Die Ausdehaung* 
des Baues ist uoch von gar keiner Bedeutung; denn er kst 
er&(t begonnen und läan beschäftigte sich Hoeb vorzitglieh 
mit der Abräuninng der Erzlagerstätte über Tag. Wäa 
aber von Grutienbäü bereits zu sehen War, waf keineswegs 
zweckmässig und rationell eingeleitet, besonders war das 
ganze Häuergezähe unter aller Kiltik. Ich werde bei Ge-f 
legenheit der .Behandtung der geogriostlscheti Vei'hällaisse 



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485 

dieses Diiätnktes anf diesen Bergbau wieder ziiruckkoininen, 
daher ich hier vor der Hand das weitere Detail umgelie. 

Aneb auf dem gegenüber liegenden Thalgehänge, im 
2nge des Enik Tepessi, befinden sich alte Groben auf ver- 
wandten Lagerstätten , und man kann sie bis anf die Hohe 
des Bergrückens verfolgen. 

Gleich bei der ersten Besichtigung dieses Ber^baueK 
dringt Sich die Überaengnng anf, dass er von vorne herein 
Auf h5chst vagen Grundlagen basirt ist. Eine geiiäue geo- 
gnosttsthe Untersuchnng der Forma tiönsverhältnfsse ied 
umliegenden Gebirges tind insbesondere seiner Erzlager- 
stätte mangelt, und man weiss eigentlich nickt, was man 
hat. Die Göscliichte der Grubenbaue liegt im tiefsten Dun- 
kel, uiid man weiss also auch nicht, was man gehabt hat, 
um darauf seine gegenwärtige Hoffnung basireu, und die 
Idee, welche den gegenwärtigen Unternehmungen 7.u Grunde 
gelegt ist , rechtfertigen zu können. Was aber die Verhält« 
tiisse des geognostisfchen Vorkommens der in Bau genom- 
inenen Lagerstätte behiift, so gewann ich, so weit ich mich 
dersdben versichern konnte, die Üherzeugting , dass hier 
für Auffindung sdir anhaltender Erzlagerstätte wenig Kil- 
terieh vorhanden sind, und dass vielmehr alle Anzeigen da- 
hin geheii, dass man es hier nur mit sehr kurz absetzenden 
imd sehr gering aasgedehnten Erzmittein zu thun habe, dass 
der Moment leicht eintreten könne, in welchem man, beson- 
ders bei Mängel höchst energischer Auf:»öhliessung, woran bei 
Türken auch gar nicht zu denken ist, sammt und sonders 
der Et-^ie los würde, und dass also die so bedeutenden Aus- 
lagen .2ür Etäblirnng der Hütte, abgesehen vori det* Un- 
GränehbÄrkeit derselben. Voreilig und unüberlegt ait^gegeben 
wurden. Auch hinsichtlich der Ausfuhrung der vorgefaßten 
Ansteht ergebet sich bedeutende Mängel. Man ist z. B. 
nni dern Wege von Gülek zum Bergbau nach acht tnrko« 
tediiisch^m Gebrauche schnurgerade den steilsten Theil des 
BerJD^es hinan gejg^ängen , anstatt denselben Vom Brtinueh aus 
durch das Thal des EnIk T6pessi, den Maden Tepessi um- 
gehend, mit sanftem Aufsteigen den drftben tuzuf&faren« 



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486 

Kiemand war es eingefallen, anstatt der technischen Bflsn- 
g;ebiirt in der Butte zu Gülek, ein ordentliches und rationell 
ausg^eführtes nasses Pochwerk im Thale des Enik Tepessi, 
lind in der Nähe der Gruben zu etabliren, wodurch der 
höchst kostspielige Erztransport wäre erspart worden. Man 
hat, sowohl zum Behnfe des Bergbaues in Gülek, als zum 
Bedarf des Festnngsbanes zu Gülek Boghas, das Bedüifniss 
von Bretterschneidmühlen gefühlt, da bisher alle Schnitt- 
Sortimente durch Menschen mittelst kolossaler Handsägen 
auf einem eben so kostspieligen als zeitraubenden Wege er- 
zeugt wurden. Es blieb jedoch bei dem Wunsche; denn 
die Ausführung desselben scheiterte an den unverschämten An- 
forderungen eines Italieners, der sich für die Erbauung einer 
Sägmühle eine Belohnung von 200,000 Piaster bedungen hatte. 
Als Steiger bei den Gruben war ein Araber angestellt, der 
7 Jahre in Frankreich gelebt und den Auftrag hatte, sich 
an der Ecole des Mines zum Bergmanne auszubilden. Die 
Segnungen der Wissenschaft scheinen aber auf einen uu- 
fruchtbaren Boden gepflanzt worden zu seyn, den man übri« 
^ens auch sonderbar behandelte, indem Achmed -Effendi, so 
hiess dieser Mann, damals, als ich ihn das erstemal sah, 
gerade beschäftigt war, sich von einer guten Tracht Prügel 
zu erholen, die er seiner Ränke gegen Ginsbero halber und 
auf dessen Einschreiten, von Seite Ibrahim- Pasch a's ange- 
wiesen erhielt. — Ich bestieg mit ihm nach Besichtigung 
der Gruben die Spitze des Maden Tepessi, und wir genossen 
von Oben einen nnvergesslich schönen Anblick. Die grauen, 
kahlen Felswände des Allah Tepessi mit ihren steilen Schluch- 
ten und Schneefeldern lagen dicht an uns, und vor uns brei- 
teten sich die Vorberge des Tanrus, die Ebene von Tarsus 
lind die Bucht von Scanderun aus. 

Wir sahen unser Lager und die Hütte zu Gülek im . 
grünen Wiesengrunde des Thale^t tief zu unsern Füssen. 
Am Abend kehrten wir nach Gülek zurück. Die nächsten 
Tage hindurch wurde Holz für das Versuchsschmelzen her- 
beigebracht, und in der Hütte beschäftigte man sich mit 
Auswärmung des Flammenofens« 

Ich benuzte diese Pause, um über das bisher in Gülek 



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487^ 

Beobachtete an iBRAHiM-Pascha Bericht zu erstatten und ihm 
zugleich jene Vorschläge zu machen, die ich, so viel es in 
den wenigen Tagen meines Aufenthalts mir möglich ward, 
für sachgemäss erkannte. "Vor Allem machte ich ihn auf 
den gegenwärtigen Zustand des Grubenbaues am Milden Te- 
pessi aufmerksam. Ich stellte ihm vor, dass Ginsberg bis- 
her nur Abräumungsarbeit über Tag beti'ieben habe, und 
dass nur dadurch es ihm möglich wurde, an 12,000 Zentner 
Erze in dieser Zeit zu erobern. Jezt, da diese Abräumungs* 
arbeiten wegen Verschmälernhg der Veredlung nicht mehr 
betrieben werden können, ist man rein auf den Grubenbau 
hingewiesen, welcher, da bisher nichts geschah, als dass 
man ein paar alte, nur wenige Lachter tiefe Stollen ge- 
wältigte, nicht im Stande wäre, mehr als höchstens einige 
hundert Zentner Erze zu liefern. Man ist daher bereits in der 
Lage, auf eine grosse Erzeroberung vor der Hand nicht mehr 
rechnen zu dürfen, und man ist dem Zeitpunkte näher, als 
man glaubt, in welchem man eine fertige, kostspielige Hütten« 
anläge und keine Erze haben dürfte. Ich rieth ihm daher, 
im Falle er denn diesen Grubenbau ohne vorhergehende 
geognostische Untersuchung des ganzen Gebirges der Um- 
gebung durchaus betreiben wolle, keine Zeit mehr zu ver- 
lieren und die Aufschliessung mittelst eines Haupt^tollens 
im Streichen des Hauptlagers und durch Abquerungen in 
massigen Distanzen zur Verkreuzung der übrigen im han- 
gend und liegend vorliegenden Lager sogleich zu beginnen 
und mit Energie und Ausdauer rasch fortzuHihren. Ich be- 
zeichnete diess als das einzige Mittel, den Bau zu erhalten 
und den Nachhalt sicher zu stellen. Im Bezug der Hütte 
gestand ich offenherzig die Bedenken , die ich gegen die 
Behandlung dieser Bleierze in Flammenöfen trug, besonders 
in so unzweckmässig construirf en, wie der des Boreani warJ 
Auf jeden Fall rieth ich, den Bau des zweiten Flammen- 
ofens sogleich und in so lange zu sistiren, bis mit dem er- 
sten die Versuche abgeführt seyen. Ich machte ihn auf das 
Absurde der bestehenden Pochwerksmanipulation aufmerksam 
und trug darauf an, dass im Falle ein Poch- und Waschwerk 
denn auch wirklich erforderlich sich zeigeu sollte, mandoob 

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4S8 

ein auf yeniänftige Principlen basirtes bauen möge miil 
Evrar oiclit bei der Hütte, sondern so nahe als möglich aa 
des Grubenbauen. Uinsichtiieh der Gewinnung des in dem 
Bki der Erze enthalten seyn sollenden Silbers rietfa iefa, 
HO lauge mit den betreffenden Anstalten zu warten, bis 
man sich auch wirklich von diesem Silbergehalte überzeugt 
haben wurde. 

Hinsichtlich der bei df m Betriebe zu beobachtenden Öko- 
nomie legte ich Ibrahim - Pascha eine ReguHrung des Lehns 
der Arbeiter, deu Verhältnissen des Landes angemessen, 
vor, drang auf ihre pünktliche Bezahlung und beantragte 
die Verakkordirung mehrerer Arten tou Arbeiten, da ich 
dns Personal Tollkommen hiezu befähigt sah« So regn^ 
brte ich auch die Scheidung der Hüttenerze, Pocherze und 
des Tauben, schaffte die bisherige Arbeit mit Schlegel und 
£isen in d^ Scbeidkaue ab und führte die Handfaustel ein. 
Fei*ner SMiohte ich Ibrahim darauf aufmerksam , dass, wemi 
die umliegenden Forste nicht unt»* den besondem Schutz 
der Verwaltung gestellt werden, man eher, als man sich's 
vermutbet, Mangel an Brennmaterial haben werde. Ich ei^ 
warf daher ein Reglement sowohl für die Benutzung der 
umliegenden Forste, in so weit es der Augenblick an die 
Hand gab, als auch für die Holz- und Kohleniiefemng zur 
Hütte y die in einer gänzlichen Unordnung war. Ferner machte 
ich den Antrag zur fa'nchtuiig einer Sägmnhle bei Gwlek 
und wies, Im Fall der Bergbau sich heben sollte, auf die 
Nothwendigkeit ^uer Strasse tou der Hütte zu den Gruben« 
bauen hin. Unt^ manchen andern Gegenständen, die ich 
ausserdem in Auregung brachte, war auch die Einführung 
einer strengen Disciplin bei den Arbeitern , die aus Arabern, 
Tnrken und Europäern bestanden, Ton denen Leztere sich 
Yorredite anmassten, die mir mit der Idee der notkwendigen 
Ordnung und Förderung der Arbeit unverträglich schieueii* 
Zulezt suchte ich bei der österreichischen Regierung die 
Kachsendung noch mehrerer Arbeiter zu yeraulassen , wor- 
unter Ich als besonders nötbig zwei Runstzimmerer, einen 
P^hi- und Waschwerks* Steiger und einen Sduuelzm^ster 
liieMichnete« 



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48B 

MogÜdiy das8 Ich die glänze Sache zn sehr voti eieeill 
eoropAischen Gesichtspunkte aius betrachtete, und daes iek 
besser gethan haben würde, ganz kurz nur die Ertheäuiig 
^ner jfmfassenden Vollmacht zn verlangen, um seÜMt die HS»* 
Ihigen Verfiigungen treffen zu können ; denn ich hege fast 
die Überzeugung, dass IsRAHiM-Pascba von meinem ganz ine 
Detail gehenden Berichte Niclits yerstanden habe, Indem 
derselbe zuerst ins Französische und dann ins Türkische uber^ 
eezt wnrde , ivobei ohne Zweifei die Bedeutung der WorM 
ganz yerloren ging. 

Da die Herbeischaffung des nöthlgen Holzes zu BoRBAm'« 
Schmelzversttchen sidi ins Weite zog, so benazte ieh den 
^8. Juni zu einem Ritte nach der zwei Stunden entfernten 
Festung Gülek Boghas. Boreilni, Dr. Veit amd Achmbot 
£ffendi begleiteten mich. Wir ritten von der Hülte das steile 
Gehänge des Gebirges hinan, dessen Joch wir In einer Stunde 
erreichten und Ton wo ans wir in das Thal von Guiek Bo« 
ghas hinabsahen, welches durch den Rücken, auf welche^ 
die Ruinen der alten Genneser-Burg sich erheben, von dem 
Tbale Ton Gülek getrennt Ist. Das Thal von Gülek Eoghig 
ist ein Seltenzweig des Hauptthaies des westlichen Haaptarms 
des SeihAn, der welter östlich <Ue Gebirgskette von Nordet 
gegen Süden durehbrieht und sieh nach Adana wendet« Dnrah 
das Thal von G ülek Boghas führt schon seit alter Zeit die Hanpt^ 
Strasse aus Karamanlen in das Innere von Kleinasien, daher anitlt 
IBRAHIM-Pascfaa die Wichtigkeit dieses Platzes nicht verkannte; 
Von der Höhe des Joches, welches Gülek von Gülek Boghin 
(Pass Gülek) trennt, führte uns der Weg durch atthaltendM 
Wald In die kleine Ebene des Hanptthals hinab, wo man nrft 
Erbauung der Festung beschäftigt war. Die Arbeiten w*« 
ren Im vollsten Gange, und den erhaltenen Nachrichten zu- 
folge lagerten an der Festung 5000 Soldaten, die grösstentheila 
als Arbeiter bescbäft%;t wurden und deren Zelte die TImJ» 
ebene am Flusse bedeckten. Die Oberleitung des Ganzen 
fahrte der Kavalleriegeneral WsLi-Bey, und die technische 
Direktion des Festungsbaues selbst unterstand dem Obersteil 
^cnviZy dnem gebornen Polen, früher in russischen Diensten, 
demselben, welcher bei der Einnahme von St, Jeiind'A^re ßüß 

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4«0 

Crefangfener In die Hände der AHiirteri fiel. Oberst Schulz, 
eiii sehr gebildeter Offizier, war so gefällig, uns selbst bei 
fiesicbtfgnng der Festiingsarbeiten zu begleiten und uns auf 
die frenndschaftlichste Weise an die Hand zu gehen. Die 
Festung umfasste 7 Werke, nämlich zwei Thunne, einen 
um rechten, den andern am linken Thalgehänge, nebst 5 Bat^ 
terlen und einem grossen Blockhause. Die Batterien, nach 
dem Lunettensysteme arrangirt und in Vei^indnng mit den 
beiden Tfaüi-men, sperren das ganze Thal und somit die Pa£k 
nage vollkommen. Die Festung hat vor sich Vn der Entfer- 
nung von ein Paar Stunden nördlich die asiatisch-türkische 
Laiidesgränze und dicht hinter sich den Felsenpass von Gü^ 
lek, den eigentlichen Giilek Boghas, der, wieder von besann 
dem Werken vertheidigt, den Durchgang einer feindlichen 
Armee selbst fiir den Fall höchst schwielig machte, wenn 
schon die Festung verloren seyn sollte*^. 

Die Strasse, welche durch dieses Thal fuhrt, ist, wie 
gesagt, die einzige, die aus dem Innern Kleinasiens sich 
nach Karamanien zieht und auf der Artillerie passiren 
kann, und also jene, die als der Schlüssel zum Paschalik 
Ton Adaua zu betrachten ist und deren Vertheidigung eine 
Bedingung von höchster militärischer Wichtigkeit bildet 
Auf den übrigen Wegen, welche, denTauriis überschreitend, 
Karamanien mit dem angränzenden Theil Kleinasiens ver- 
binden, kann zwar auch hie und da Kavallerie passiren, 
und iBRAHiM-Pascha Ist daher auf den Gedanken gekommen, 
diese Passagen nnwegsamer zu machen, was bei der ohne- 
hin erbärmiichen Beschaffenheit derselben nicht viel brauchte, 
lind was er auch z. B. im Thale von Güsilltörreh bereits 
ausfuhren Hess. 

Nachdem wir unter einem Baume in der Nähe des Lager« 
der Truppen unser Frühstück genommen hatten, traten wir 
wieder unaern Rückweg an und ritteu südlich in den Pass 

* Die Festang; zu Guiek Boghas wurde bei der Occopation von 
Syrien durch die Truppen der AUiirten im J. 1841 von den egyptischeo 
Truppen, ohne Schwertstreich verlassen und von den grossherrlichen be- 
sezt, bei welcher Gelegenheit auch das montanistische Etablissement zu 
Gdlek ia die Hftnde der Pfort« fiei. 



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401 

Ton Galek. Am Eing^ang desselben gelang^ten ivir zur Douane, 
die Ton Amanten bewacht wurde und die, schrecklich wUd 
aussehend und bis an die Zahne bev\affnet, im Kreise bei* 
sammen sassen. Als sie uns sahen, luden sie uns ein, eine 
Tasse Kaffe mit ihnen zu nehmen und eine Pfeife zu rauchen^ 
3viras viir denn auch thaten. Einer dieser neuen Strassen* 
Freunde ritt mir sein Pferd Tor, das er über Stock und Stein 
im vollen Galopp bergauf und bergab tummelte. Allerdings 
ein Bevveis für die Güte des Thiers, den ich aber mit elaem 
eigenen Pferde ohne Noth nicht ausfuhren möchte. Nachdem 
er seine Kunst gezeigt, trug er mir das Pferd, einen yier* 
jährigen, fehlerfreien Hengst, von brauner Farbe zum Kaufe 
an und Hess mir endlich dasselbe für 1200 Piaster; ein 
2^weites Pferd kaufte AcHMSD-Effendl. 

Dicht an der Douane beginnt der Pass. Dieser war 
bereits im frühen Alterthume die Haupt-Passage durch die 
Tanruskette in Cilicien, und die Erbauung der durchfuhrendeo 
Strasse scheint sich in die frühen Zeiten der Assyrer und 
Babylonier zurückzndatiren, und vielleicht entstand sie in der 
Zeitperiode, die so manches Gi*ossartige schuf, unter der 
Regierung der Semiramis. Geschichtliche Belege thun dar, 
dass Aiese Strasse sowohl Xenophon bei seinem weltbe« 
rühmten Rückzuge, als Alexander mit seiner Armee ge- 
zogen ist. Die senkrechten Felswände, welche den Pass 
einschliessen , nähern sich einander an der engsten Stelle 
bis auf wenige Klafter, welche enge, einen höchst grossar- 
tlsren Eindruck machende Schlucht der im Sommer fast 
trockne Bergstrom und die schmale Strasse theilen. Man sieht 
durch den ganzen Felsenpass noch deutlich die Spuren des 
alten Weges, der sich beiläufig ft Fuss über dem gegen* 
wärtigen Bachbettc an der Felswand eingehauen hinzog, 
auch bemerkt man in den Felsen ausgehauen eine Säule 
und zwei Tafeln, welch leztere einst Inschriilen scheinen 
getragen zu haben, von denen ich aber nichts mehr aus» 
nehmen konnte *. Am rechten Gehänge der Feisaehlucht 

* Der aus dem Felsen gehauenen Säule erwähnt auch Niebunr in 
seinem Reisewerke, Bd. 3, S. 150, und deutet daraufhin, dass hier 
«ine heilige Stelle der alten Feueranbeter könne gewesen scyo. 



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492 

•liebt man ituf hoher Felsenknppe die Ruinen der alten Bar|f 
ton Gülek, die in cBe dunkle Schlneht hernieder sehen^ 
Me stoiBmen Zeugen jener Zeit, als Genua und Venedigs 
Ihre Herrschaft bis In diese Winkel von Asien ausdehnten 
und beide g;ewaltige Handels-Republiken nach dem Besitze 
lies schönen Orientes strebten, wo Genua's Nacht im 13. 
Jalirhunderte ihre höchste Stufe erreichte, von der sie der 
Eroberer von Konstantinopel, Mohammed IL, im 15. Jahr-» 
hunderte wieder herabwarf« 

Wir ritten Ton der En^ des Passes noch beiläufig 
eine Stmide Im Thale fort und wendeten uns dann rechts 
das steile Gehänfre hinan, wo uns ein schmaler, schwindein« 
der Pfad, bei dessen Passirun^ wir uns ganz auf die Sicher« 
heit unsrer Pferde verlassen mussten , zur Burg von Giilek 
Mnauffiihrte. Auf der Höhe fanden wir ein Paar tnrko- 
manische Bauernhäuser und einen egyptischen Wachposten ^ 
wir übergaben lezterm unsere Pferde und stiegen nun vollends 
fcu den Ruinen der alten Burg hinan. Von dem ganzen, 
einst sehr aosgedehnten Kastelle steht' nur noch das Thor 
nnd hie snd da der Rest einer Mauer, alles Übrige ist la 
Sdiutt zerfallen« Prachtvoll aber war die Femsicht, die 
wir von diesen Ruinen aus genossen. Die Strahlen der 
untergehenden Sonne rötheten die Schneegipfel und Felsen<*- 
kuppen des Taurus, dessen höchste Kette in weiter Aus« 
dehnung dicht an uns lag. Zunächst umgeben von Bergen 
mit dunkeln Tannenwäldern, hatten wir zu unsern Füssen 
die tiefe Schlucht des Gülek Boghäs, die Festung, das Lager 
txni sahen hinaus in die weite Ebeiie von Adana und Tarsus, 
am Horteotite das unabsehbare Meer. Es war einer jener 
heiligen Augenblicke, deren Eindruck sich der Erinnemng 
nie mehr entzieht« Östlich von uns und jenseits des Thaies 
von Giilek Boghäs erhoben sich die schroffen und kahlen 
Felsenspitzen de» Baghir Dagh in den Distrikten Milänginäh 
Oglu uud Karstan Oglü, in denen der westliche Hauptarm 
des Seifaun sich seinen Weg durch die Tauruskette ge-- 
brochen hat und südlich von Clundji-Kaleh in die Ebene von 
Adana tritt. 

Am %Q. Juni endlich war die Holzzufuhr in so weit 



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403 

gti\Bhen^ Abm Borcani zn seinem erite« Schmehvermtcbe 
flchrelten konnte. Abends nach Sonnenunierg^ang; war die 
Änfeaeruiig beschlossen. Jedoch schon am 4 Uhr Nach« 
mittags, als ich gerade aus dem Lager reiten wollte, sah 
ich den Schornstein der Hütte stark rauchen. Ich ging da* 
hin und fand Boreaki bereits in voller Arbeit« Er hatte 
den Ofen mit 35 Zentner Erz gefüllt, welche Masse über 
eines halben Fuss tief den Herd bedeckte, nnd obwohl die 
Feuerang noch keine Stunde gedauert haben konnte, so 
stand der Herd doch bereits schon in Rothglühhitze. Schweigen 
wäre nun auf meiner Seite verzeihlich gewesen. Mir schiea 
es jedoch zu unedel, und ich stellte Boreani vor, dass anter 
solchen Umständen und stände ihm der beste Flammenofen 
der Welt zu Gebote, der Prozess nicht gelingen könne und 
dass er seine Erze, Bleiglanz mit Zinkblende, Arsenikkies 
und phosphorsaurem Bleioxyd durchaus früher rösten müsse, 
bevor er sie ohne Zuschlag schmelzen könne. Vergebens! 
die Feuerung wurde fortgesezt und so erhöht, dass nach 
ein Paar Stunden Weissglühhitze eintrat, die, ohne das 
Erz zu wenden, erhalten wurde. Bald bildete sich ans der 
£rzmasse eine Schlackenkruste, die nicht mehr aufzulockern 
war und auf Boream^s Frage: was nun zu machen seyf 
konnte ich entschieden äussern, dass die ganze Campagne 
verdorben nnd kein anderes Mittel sey, als die Sache zu 
enden nnd mit einem neuen Ei'zeinsatze einen neuen, modi* 
fizirten Versuch einzuleiten. Man sezte jedoch die Feuerung 
fort, ohne natürlich einen andern Erfolg zu bewirken. Es 
war ein rein misslungener Versuch, der für Boreani eine 
sichere Weisung hätte seyn sollen, dass diess nicht der 
rechte Weg sey, den man zu gehen habe; statt jedoch einem 
freundlichen Worte Gehör zn geben nnd den Muth nicht 
zu verlieren, wurde er, sichtlich ergriffen durch Anstrengung 
und Verdrass am Misslingen, krank und verliess die Hütte^ 
nachdem er noch zum Nasir geäussert, dass diese Et*ze 
kein Mensch schmelzen könne. Lezterer jedoch voll Ver«- 
zwelflung und Furcht für eine unmögliche Sache so grosse 
Kosten verwendet zu haben, machte sich nun mit dem Haupt- 
mann der zu Gülek stationii*ten Kompagnie selbst über den 



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404 

verlassenen Ofen und sezte die rasende Feuerung; bis 5 Uhr 
Morg^ens fort. Die komische Scene endete damit, dass auch 
diese beide davonliefen, und der Schmelzer, am verloschenden 
Ofen sitzend und mit beiden Häuden seinen Kopf haltend, 
einschlief. 

BoREANi lag krank im Bette und wurde von meinem 
Freunde Dr. Veit behandelt. Auf des ersten» Ersuchen 
übernahm ich nun die Leitung der Arbeiten und Hess vor 
Allem den Ofen aufbrechen^ um seine Abkühlung zu be- 
schleunigen und die Schlackenmasse herausnehmen zu können. 
Ich hatte für mich die Überzeugung gewonnen, dass die 
zu Gebote stehenden Erze zur Behandlung im Flammenofeu 
sich durchaus nicht eignen, und dass man, sollte diess auch 
der Eall seyn , doch nur jederzeit so kleine Quantitäten in 
Arbeit nehmen könne, dass dieser Prozess in ökonomischer 
Beziehung unmöglich einen Vortheil beziffern dürfte. Mein 
Plan war, die Verschmelzung dieser Erze in einem Schacht- 
ofen vorzunehmen und sie dabei entweder geröstet in Arbeit 
zu nehmen oder einen Niederschlags-Prozess einzuleiten, 
je nachdem die Versuche auf das eine oder andere hin- 
weisen dürften. Anstatt jedoch diesen Plan sogleich in Aus- 
führung zu bringen und mit Bestimmtheit die gegenwärtige 
Methode der Verschmelzung mittelst Flammenöfen für un- 
thunlich zu erklären, fasste ich den unglücklichen Gedanken, 
selbst noch ein Paar Versuche zur Verschmelzung im Flamm- 
ofen zu machen, theils weil ich doch die Möglichkeit des 
Gelingens nicht so geradehin absprechen konnte, theils weil 
ich mich von dem Verhalten der Erze unter diesen Um- 
ständen, aber bei einer zweckmässigem Behandlung, näher 
überzeugen wollte. Welche unüberwindliche Schwierigkeiten 
man andrer Orten bei ähnlicher Behaudlung ähnlicher Erze 
in technischer und ökonomischer Beziehung erfuhr, das war 
^ir damals weder im Detail und noch weniger durch eigene 
Anschauung bekannt. Diesen Gedanken aufzufassen war von 
meiner Seite ein grosser Fehler, denn ich bedachte dabei 
nicht, in einem Lande zu leben, wo man den Werth eines 
jmisslungenen Versuches gar nicht zu würdigen versteht, 
.sondern die Ursache des Missliiigens stets den Kenntnissen 



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401 

dessen znr Last leg^^ der den Versueh ausfährt. Ich be* 
dachte nicht, von Menschen timg^eben zu seyn, denen unsere 
Gegenwart höclist lästige und unbequem war, und die Alle« 
aufboten, die Meinung Mehemed-Ali's zu unserem Nachtheil 
zu stimmen; kurz ich sah die Sache zu sehr von einem im 
geregelten Dienste gewohnten Gesichtspunkte an, ich hätte 
viel bestimmter zu Werke gehen und auf meine blosse Met* 
nung hin das ganze bisher beobachtete System, trotz der 
darauf verwendeten Kosten, beseitigen sollen. — Meine 
nächste Arbeit war nun, den durch die übertriebene Feuerung 
ohnehin ganz zerborstenen Ofen wieder herstellen zu lassen, 
wobei Ich ihm im Ganzen noch die von Boreani gegebene 
Gestalt Hess und nur einige Modifikationen in der Kon« 
8trnktion des Herdes anbrachte, der Sohle z* B. ein stärkeres 
Gefalle gegen das Stichioch, dem Herdgewölbe eine geringere 
Höhe etc. gab. 

Während diese Arbeiten vorgenommen wurden, besnchte 
ich den Grubenbau am Maden Tepessi, wo Gimsbbrg ein 
paar alte Stollen eröffnet hatte und wo ich auch l>ei einer 
dieser Exkursionen auf mehrere Mnrmelthiere stiess, aber 
keines habhaft werden konnte. 

Am 5. Juli kam endlich mein langersehnter Freund und 
Gefährte Pruckner mit dem Dolmetscher Suwatowsky, von 
ihrer Reise mit iBRAUiM-Pascha, in unserem^ Lager an, beide 
aber krank, erstrer am Fieber leidend, leztrer, von einem 
Pferde geschlagen, an einer Fusswuude. Zugleich erlialte 
ick Nachlicht ans Gülek Boghäs von Ibrahim -Pascha, der 
Dun auch daselbst angekommen war und mir sagen Hess, 
dass er am Fieber leide und den Arzt der Expedition, Ur« 
Veit, bei sich zu sehen wünsche, der folglich mit Achmso- 
Effendi sogleich dahin ritt Die Berichte Prdckners hin- 
sichtlich der Resultate seiner Reise mit iBRAuiM-Pascha be* 
schränkten sich vorherrschend auf geog^ostische Details^ 
▼on denen ich die interessantesten bereits in den geogno* 
«tischen Skizzen, das nördliche Syrien betreffend, mitge* 
theilt habe. 

Kurze Zeit, nachdem icli mich von t^RUCKNSR in Antiochia 
getrennt hatte, trat er mit lüRAuiM-Pascha die Landreii« 



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ToH ittrt Möfl AdaMt wa. 04 sein Refsesfiredc, die g«o« 
IfMfltisclie Untersttchong^ des diirehzog*eneB Terrains, sich 
«it der Reise-Metkode iBHimiMSy die von der Idee-ansgiii^, 
Mir sdinell riHrwarts za Icominaii ^ nielit recfat vertrage , so 
kminte den Beoliaelitiinf^ii sum Tlieil aucli die erforderliche 
Zeit nicht gewidmet werden. Man nah« den Weg über 
B^lan^ Alexandrette, wo ein zweitägiger Avfenihait fiir 
PavcnBR liiareichte, ihm ein sehr starkes Fieber sazasiehen, 
and iber Baias naeh Adana. Es wurde schnell gereist« 
laaiuiiii^Pascha pflegte dem Zöge stets voran zu r^ten nnd 
zwar, besonders im Oebirgshtnde , meist auf eimem Maal- 
tbierei Neben ihm gingen stets zwei Maaner, der eine rechts 
der andere MnlU) die mit dem Maalthiere gleichen Schritt 
halten 'oMisstea und aaf die er sich mit den Armen stiizte« 
Fnr die Verpflegung der beiden SUtreisenden war 
weniger als kümmerlich gesorgt; denn wäre nicht IsRAmus 
freondlkher Leibarzt Koons gewesen oder hätte niehtPRCCKNSR 
sieh ia der Feldküche des Generalissimns manchmal durch 
Xilst und Bestechung des Inhaltes eines Topfes versichert, 
so wärea die Geladenen oft in die ttnangenehBiste Verlegenheit 
gekommen* Übrigens litt iBRAmi selbst oft am Nötbigsten 
Mangel) ohne dass ilm eine solche Lage besonders zu affiziren 
schien 5 wie er ülierhanpt, was Ertragen von Entbehrungen 
«ad Strapazen aller Art betrifft^ im vollsten Sinne des Wortes 
Soldat ist» In Alexandrette, wo Prucknbr und &JWAT0W8Kf 
erkrankten, lless ihnen IsRAmM seinen eigenen Leibarzt 
aarück und sezte^ obwohl sdbst unwohl, seine Reise ohne 
denselben fort Ein schöner Zug! und ein Beweis mehr^ 
dass im Gemüthe des Orientalen sich die grössten Extreme 
die Hand bieten. Spät am Abend kam ein Bote von Dn 
Vbit aus Gülek Beghäs, durch den er mich fünr sich uad 
▲cHMBD-fiflhndl um Lebensmittel ersnobea Uess; dean Im 
Lager bRAum'a waren sie, sowie früher Prucknir aaf seiner 
Reise, auf die allerstrengste Diät gesezt, and nur durch die 
Gate eines Obersten , der sie In sein Zelt .aufnahm , hatten 
rie ein Unterkommen finden können. Da sich zaglelch 
laaAuuf bei Dr* Veit um eine Flasche alten Wein erkundigte» 
aa «naangelta Ich nicht^ eine Flasche Rheinwein beizulegen. 



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497 

«m 9^060 WdMieb eiilg:e((«ii ssn koomiM» De» fiivMa«iNnutai 
Fiebers y^egen rieth Dr. Vsir, dfeften Wein evst ttt Z»« 
Stande der Recoiivaletceiis es trinke»; «Hein bereit» den 
folgenden Tag konnte Ibrahim eicdit ^iderstekesy §ftiete 
in Beiseyn des Dokt4Hr8 die Flascliei versprAsb zwar, sidi 
mit den Oeruciie des Weins zu begnäge», trank ihn aber 
rasch ans. Die abgekartete Natnr eBip£and dadoreb ketne» 
üaehtbeU, Ibrahim genas , &nd es aber^ was aaek ivleder 
ebarakteristbeh ist, nicht der Unke werth, de» Doktor ßr 
seine Benfihttngen aueh nnr ein Wort de» Danke» z» sagen« 

In Gnlek Boghas wohnte IsRAHtM-Pascba in eiaer gao» 
schlechten Bretterbotte; ein eiofiacher Ten^icb nnd »in Sattd, 
der ihm zum Polster diente^ waren sein» ganze Einriehtaog» 
Da sase denn der Eroberer von Syrien den gaaaea Tagi 
theils in Geschäften, tbeils mit AeHMaB^Pascha-MainKU , der 
mit ihm dabin gekommen war, Sckaeh apielead^ wobei e» 
an leidetisehaftlichen Ausfallen nlebt iehite. Jeder Mensek 
hatte bei btAHiM freien Zntritt, er horte jeden an nnd ent* 
»chied auf der SFelle. 

Die Auswärnmng des Ofens war aas •» JaK geendet^ 
nnd ich schritt daher den daranf folgenden Tag nur Er« 
Öffnung meiner Schmelz- Versuche. Wahrend dieaer Z»tt 
y^nvAe eine Reihe ton Proben ausgeführt, mn den Silber* 
gehalt der Bleierze äuszumittein« Jedoch, weder in den 
Erzen, wie sie von der Grnbe käme») noch fci den Ofen- 
Räckständen des lezten ton BoasANi^abgefakrten Versnebe», 
nirgends war, nnl>edetttende Spnrea anagenomm o By Silber 
zu entdecken« Das anffaUende dieser Ersebelnong war 
nicht zu verkennen nad ich beschlos» sogleich, die Proben 
zu wiederholen nnd anf nassem und trocknem Wege di» 
Erze ztt untersuchen ; denn das» maa die egyptisebe Ver« 
Dvaltung versichert hatte, dass die Brz» von GUek elae« 
»ehr bedeutenden Antheil vt>n Silber enthielten, war »in» 
nicht abzuleugnende Thatsachou 

Wie mich Dr. Vzn! benaebrichtfgte^ »» War iBaamic^ 
Pascha jederzeit, wenn er von Borbami (ipraeh, siektlick 
»nfgeregt und konnte in seiner Weiae eine« Groll ^ den er 
g^egen ihn hegte, nicht verberge»« Boaai^ni nuieat» diesi 



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498 

erfahren haben, denn sein bisher freiindKches Benehmen 
War versebwnnden, tind er stellte sich uns in allen Fällen, 
tn denen i;v!r mit eiilander in Berührung kamen, g^ewiss 
feindselig entgegen. Diese unangenehme Spannung erstreckte 
sldi auch auf das europäische Hiittenpersonal , durchaus 
Malteser, die BoRfe^m angestellt hatte, und auf die seine 
Stimmung ge^n uns fibergegangen war, um so mehr , da 
ich strenger, als sie bisher gewohnt waren, darauf sah, dass 
die Arbeitszeiten von den europäischen Arbeitern so gut 
Inne gehalten werden mussten, wie von den arabischen und 
türkischen. Diese Änderung in unserm socialen Verhält- 
nisse war mir höchst unangenehm, und ich hätte gerne das 
Von-echt, die Arbeiten in der Hütte zu leiten, wieder an 
BoREAKi übergeben, wenn diess meines jezt im Gange stehenden 
Versuches halber hätte geschehen können. 

Am 7. Jnli Nachmittags Hess ich den Ofen mit dem 
ton BoRiEAKi selbst gewählten Erze, dasselbe, welches er 
angewandt hatte und von dem ich eine genaue Probe nahm, 
füllen, nur liess ich statt 35 Zentner 26 einsetzen und 
gleichförmig auf der Herdsohle vertheilen. Um Uhr be- 
gann die Röstung, die regelmässig unter stetem Umrühren 
ohne Anstand vor sich ging, nur dauerte sie des grossen 
Eraquantums halber lange. Nach fünf Stunden liess ich 
gepochtes Kohlenklein nachtragen und for^irte die lezte Pe- 
riode der Röstung durch stärkeres Feuer. Erst um 3 Uhr 
Morgens hörte die starke Entschwefelung auf und ich schritt 
isum Schmelzen. Das Erz wurde wieder, denk Zwecke ent- 
sprechend, auf dem Herde* angezogen 'und kurze Zeit nach 
Beginn des stärkern Feuers schmolz die Masse in der Nähe 
des Stichloches, dasselbe wurde geöffnet und einiges Blei 
abgelassen; hierauf jedoch stockte der Prozess, das Erz 
bildete eine teigige Masse, floss aber nicht, der Bleiver- 
brand war äusserst stark. Ich liess neuerdings Kohlenklein 
nachtragen, und da das Erz wieder sich zu entschwefelii 
begann. So liess ich niit stärkerm Feuer als früher und mit 
Zugabe von Kohle die Röstung von Neuem beginnen, die ich 
Ms um 2 Uhr Nachmittags am 8. Juli fortsezte. — Als ich 
keinen ScbweCelgernoh mehr empfand y Hess ich das Feuer 



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499 

wieder zur Schmdziiog; verstirkeD. Die Hitze wnrde bif 
zur heftigsten Weissgiuhliitze g^esteigert und in ei«eiii Gradi» 
erlialten, dass man bequem hätte Eisen schmelzen können^ 
vergebens, das Erz schmolz nicht. Es hilde|;e sich ei«^ 
teigige Masse, die starli dampfte, aber nicht mehr sii«| 
Schmelzen zu bringen war. $o liess ich die i^rbeit bis ip 
die Nacht furtsetzeu und endlicti, da wir nach SSstiindlgec, 
ununterbrochener Anstrengung uns vor Hitze, Müdigkeit und 
Schlaf nicht mehr halten konnten, den Ofen auslöschen. : 

So war also mein Versuch missglückt., ein. Umstaml^ 
der mir in einem dvilislrten Lande und zwischen civilisirten 
Menschen , ich will nicht einmal . sagen sacb verständigen, 
keinen Nachtheil gebracht hätte, da Jeder, der jemals Ver- 
suche gemacht hat, auch einen missglückten zu wüi'dlgey 
versteht, aber umgeben von theils.ganz unwissenden, tbejis mif 
übelwollenden Menschen, war unsere Lage sehr unaugenehnn. 

Ich hätte den Wink, den mir das Missglücken diesef 
Versuches gab, nun benützen und den ganzen Flammen» 
ofen-Prozess fiir" ungeeignet erklären sollen. Das Mitt^ 
des Gelingens, die Erbauung eines Schachtofens, stand in 
meinen Händen und hätte Ich sogleich damit begonnen ^ sq 
hätte ich bis zum Resultate meiner Bemühungen die Mei^ 
nung aller besser Denkenden für mich gehabt, und dahi^ 
konnten wir alle die höchsten Offiziere der egyptischen Ver^ 
waltung rechnen, die uns durchaus geneigt waren« Der 
Umstand jedoch , d^MSs , die Erze nach der erpiten Röst:uug 
zu schmelzen begannen, bestärkte mich in meiner fixen 
Idee, diese Schmelzung im Flammenofen doch |ipch weiter 
zu versuchen. 

Überzeugt nun, dass die Gestalt des Boreaniseben Ofenf 
zur Verschmelzung der Erze ohne Zuschlag sich ^durchaus 
nicht elg^e ; denn wäre uns die Schmeizaog nach voU? 
endeter Röstung auch wirklich gelungen^ so hätte sich daji 
Resultat in ökonomischer Beziehung des grosseii Zeit^Vevt 
branches und Brennmaterial-Bedarfes wegen, denn €|o<^b Biß 
Absurdum bervorgestellt, beschloss ich , einen ^gi^z neueu 
Flamnoen-Ofen^ aber von.yielge^ing^i;erßrö«^e, zu bauen» d|k 
so ungeheure Erzmassen auf demHeerde theils nicj^t 2^u band« 



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50^ 

haben, thtils z» ungleiGkCHtinfg der damiiiF einwirkendefi TemP- 
peratttf aimgesezt sind ; Ich besehloas, diesem Ofen eine Form 
so geben, wie sie an sekfien Orten stattfinden, wo raaA liereits 
seit I&ngerer Zdt Bleierze (aber nur ganz ref »e Blefglänze) 
In Flamnen^n zn Girte brf«^, z. B. in England, KämtheA 
etc., und sehicikte mfch an, in einem seleiien neu ItenstnilWen 
Hanraien-Ofen und mit geringern Erzmengen eine Reibe von 
ITeraoehen abznfiibren, um «lit oder ohne Zuschlage eine oko- 
noMteeh entsprecliende Schmelz- Methode l&r diese £rze 
«imznmittein. Als Reserre f&r das sichere Gelingen meiner 
Absieht .sah ich die Krbannng eines Schacht-Ofens an* 

In diesem Sinne wurden denn durch mich, den AA- 
jinikten nnd meine fibrigen Bergoffiziere, die mir auf das 
thatigste an die Hand gingen, Pläne zu einem neuen Ofen* 
hnn verfasst mid eine Reihe anaiyHscher Untersuchungen 
TorgeuMtmen, nm sowohl die Natur der Erze, als die der 
etwa erferdevliehen , zweehmSssigsten und wehlfeilsten Zu- 
neMSge ansznn^tleln, deren Detail jedoch nicht Gegenstand 
iroriiegenden Werkes seyn kann. 

Vor Allem jedoh wollte Ich JmtAiiiM-Pascha Berieht tiber 
die beiden missimgenen Versuche abstatten und seine Bewil-^ 
Kgung zu Sinleitung neuer Versnehe und zu Errichtung 
eines neuen Ofens im oben ausgesprochenen Sinne einhole« 
und ritt daher am 9. Juli in Begleitung von AcHMCD-Effendl 
und dem Masir von GAlek nach Gulek Boghäs. 

IsR^mBi-Pascha empfing uns sehr freundlich und unter« 
hielt sieh iiber das Vorgefallene mit einer herztfehen Offen- 
heit, die mich sehr anzog. Er eass, als wir eintraten, auf 
seinem Teppich, der am Boden ausgebreitet lag und unter- 
Mek sich mit AcnMED-Fascha-AIsMiKLi. Als ich a^f die Ein- 
ladnng, mich z« Ihm zn setzen, etwas zögerte, da sich die 
örientalisehe Methode, zu sitzen, mit der Natar unsrer engen 
Onifom-Beinkleider nicht recht verträgt, errieth er sogleich 
dfe Ursache meines Zaudems und befahl, laat lachend, einem 
seiner anwesenden Diener, in Ermangkmg eines Stuhls ^n 
ktehien, «wel Fuss hohen Tisch zu bringen, auf dem er zn 
npebea pflegte ond aaf welchem Ich mir es dann auch ganz 
bequem-OMeiiCe« Im LmrfeileeGesprflehes, das er mit yielef 



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YcrkobliivgeD besoditeD, 4ie in dm dorUgen Wildern he^ 
trieben wurden und unter der Aufisiciit eines Franzosen 
standen. Mit der Absicht der Kohlenerzen|^ng veriMind 
man aucb die Gewinnung von Theer. Man machte grosse, 
kreisrunde Platze, pflasterte sie sorgfaltig und so, dass 
die ganze Fläche gegen die Mitte zu abschussig war uud 
eine kegelförmige Vertiefnng bildete, in deren Mittelpunkt 
sich eine Grube befand, ebenfalls ausgemauert, und in der 
•Ich der Theer sammelte, der von Zeit zu Zelt in eine Vor- 
grübe abgelassen und ausgeschöpft wurde. Auf diesem 
Platz wurde der stehende Weiler wie gewöhnlich errichtet. 

Als ich in Golek angekommen war, tfaeilte ich Borsaki 
den Willen IsaAaiM-Pascha's mit, der sich entschieden dahin 
ausgesprochen hatte, dass die Schmelzversuche wiederholt 
werden sollten, aber dass dazu ein neuer Flammenofen nach 
jndUier Angabe konstruirt werde. Des geringem Kostet» 
halber fand ich es für angemessen , das Fundament des 
alten Flammenofens, zu benätzen, d^ obern Theil hingegen 
abtragen zu lassen, was ich ebenfalls Borsaki eröffnete, 
der diese MittbeUung, ohne eine Bemerkung darüber zu 
machen, anhörte. 

Mit diesen Arbeiten, deren spezielle Leitung ich Hrn. 
SzLABSY übertrug, wurde sogleich den darauf folgenden Tag 
angefangen. 

Am II. Juli kam die Nachricht in unser Lager, dass 
IsRAHiM-Pascha koinme. Gleich darauf zogen einige dreissig 
bewaffnete Amanten, die in ihrer prächtigen Palikaren-Tracbt 
sich höchst theatralisch ausnahmnn, den Berg von Gülek 
herab und hinter ihnen ritt IsRAHiM-Pascha auf seinem Manl- 
thiere, gestäzt auf zwei zur Seite gehende arabische Seis ^. 
Ich empfing den Pascha am Eingänge des Werkes, wo er 
abstieg und dann mit mir das ganze Etablissement besah. 
Dicht an der Hütte schlug Ibrahim sein Lager auf. Sein 
Zelt, nicht viel besser als das eines gemeinen Soldaten, stand 
mitten zwischen den grossen und schönen Zelten seiner 
Generalstabs-Offidere. Im Zelte war wieder, wie früher In 
4er Bretterhutte zu G&lek Boghas, auf dem Boden ein 
* Ms 4i^r ReMRMbt, Pfi^rdekoeclit 



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503 

länfacher Teppleh ausgebreitet und darauf ein Sattel, was 
die ganze Elnriehtung des Zeltes aosmaehte. Gebt anch 
diese £in£aehheit der Bediirfoisse vielleicht zu weit — bei 
eineoi Manne in der Stellung, in der sieh IBRAHIM-Pascha be- 
findet, ist sie auch vielleicht manchmal berechnet Efiekt za 
machen: so kann man doch nicht umhin, den Mann zu be- 
wundern, der sich freiwillig solchen Entbehrungen anssezt^ 
da er doch alle Gehiisse des Lebens sich verschaffeu konnte. 
Übrigens erklart diese Erscheinung einerseits die Cnbe» 
kaantschaft iBRAHiM-Pascha's mit allen den tausend Umstand« 
lichkejten des dvilisirten Lebens, die ihm bei sdner ange* 
wohnten, herumziehenden Lebensweise nur lästig fallen, 
andrerseits ist es sein Wille, so einfach als möglich aufzu- 
treten, um seinen ihn umgebenden und mehr Neigung zu 
luxuriösen Bequemlichkeiten habenden Offizieren stets als 
Beisj^l, stets als Muster eines Soldaten zu dienen, der 
sich von allem unnützen und die Freiheit beschräukendea 
Zeuge entäussert Übrigens herrschte in Ibrahims Lager 
eika lustiges Soldatenleben, die Amanten tanzten und schoasea 
nach dem Ziele, wobei sie eine grosse Geschicklichkeit ent- 
wickelten und wozu sie durch sehr ansehnliche Preise, die 
ihnen iBRAHiM-Pascha gab, angeeifert worden, ihre Tänze 
waren nicht ohne Grazie, zum Theil ähnlich den ungarischen 
Nationaltänzen. Sie tanzten mit Lebhaftigkeit und der diesen 
wilden Matursöhnen eigenen Behendigkeit. 

Als ich nach genau wiederholten Proben in dem Bleie 
der Güleker Erze neuerdings kein Silber fand, so zeigte 
ich, die Sache iBRAmM-Pascha an, der dadurch in die äbelste 
Laune kam und sogleich einen Hauptmann mit ein paar 
Soldaten zu den Grubenbauen schickte, um daselbst Erz- 
proben zu nehmen und mir dieselben zu einer noch einmal 
za wiederholenden Untersuchung zu bringen. Da anch diese 
Proben keinen Silbergehalt auswiesen, so war ich noth- 
wendigerweise in die unangenehme Lage versezt, den friiber 
ausgesprochenen Behauptungen Borkani's geradehin wider- 
sprechen zu müssen und dieselben für unrichtig zn erklären. 
Diese Lage wurde noch dadurch um so fataler, da Borsami 
von dem Tage an, an welchem ich da# Gewölbe des alteip 

RRME6QCR, Rrisea. 1. Dd. 2. Tbl. ZU 



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504 

naminenefens auf Befehl Ibrahim -Paseha's hatte einreis- 
Ben lassen, entsefaieden feindlich gegen mich auftrat. Er 
iängnete es ab, früher davon unterrichtet worden sn seyo, 
1>esdiwerte sich gegen diese eigenmächtige Behandlung, 
wie er sie nannte, bei lisRAHm-Pascha , bei dem Ylzekönig, 
ja schrieb darüber sogar an eine sehr hochgestellte Person 
In meinem Vaterlande. Er rechtfertigte das MissIIngen seines 
Versuches durch das darauf erfolgte MissIIngen des meinen, 
machte neue Antrage, die, an nnd für sich ungereimt, dock 
Buf iBRAHiM-Pascha Eindruck machten , dessen bisher herz- 
liches Benehmen gegen mich sichtlich kälter wurde. Ich 
fand es nicht angemessen gegen diese Umtriebe aufzutreten, 
da ich davon in keine offizielle Kenntniss mich gesezt sab, 
sondern sezte mit meinen ExpediUons-Gefahrten die Arbeitea 
fort, ohne mich darin irre machen zn lassen. Dabei mangelte 
es natürlich nicht an einer langen Reihe hScbst ärgeriicfaer, 
zum TheH auch komischer Auftritte, die zwischen Boreani 
und meinen Gefährten vorfielen. Ich miisste leztere nach 
Recht und Billigkeit in Schutz nehmen, Und es gelang mir 
stets wieder, die Ruhe herzustellen. Auf mein geradehin 
an BoRKAKi gerichtetes Anerbieten einer Zusammenkunft, 
um ohne jedes Mittel-Organ offen die in lezter Zelt zwisches 
vns eingetretenen Differenzen zu besprechen, erhielt ich 
keine Antwort. Als ich eines Tages in die Hütte kam und 
den dort anwesenden Maltesern, meist Maurer, ihre Arbett 
anweisen wollte, versagten mir dieselben geradezu den Ge- 
horsam. Die Nothwendigkelt, in diesem Falle entschieden 
aufzutreten, war gegeben, und Ich entliess sie sogleich sammt 
und sondere ans dem Dienste, zeigte IsKAHiM-Pascha diess 
an und bat ihn nm neue Arbeiter, deren er beim Festung»- 
bau zu Gülek in hinlänglicher Anzahl hatte, und die er. mir 
auch sogleich sandte. Auch von Ginsberg, der sich im 
Zechenfaause auf dem Bnignr Dagh aufhielt, bekam ich 
Nachricht, da)Hs seine Bergarbeitei* nicht mehr arbeiten wollten, 
und zuglcicSi übergaben mir diese selbst ein Gesuch, in 
welchem sie die Zusage höherer Rationen forderten. Lezteres 
wies ich ohne weiteres zurück, schrieb aber an Ginsbero, 
dass jezt der Zeitpunkt sey, die vorfallenden Bergätbeiten 



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505 

soglefeh ia Akkord tu geben und auf diese WHse deii 
Arbitern die Möglichkeit za eröffnen , sich durch grosaefe 
Anstrengung höhere Löhne zn erwerben^ wodurch ich sveli 
diesen Sturm vor der Hand beschwichtigte. Zugleich ging 
ich selbst zu Borsani, stellte ihn das Ungeeignete seines 
Benehmens vor und versicherte ihn, dass mir sehr daran 
li^;e, dass er wie früher als Chef des Etablissements auf- 
trete und ich die von hRAHiM mir .gegebene Volhnaekl nur 
auf die darch mich abzuführenden Versuche ausdehne. Auf 
diese Weise ward Alles wieder ins Geleise gebracht, ab 
Ibrahim- Pascha am 14. Jutt wieder nach QvlA BogUs 
abreiste *. 

Die Arbeiten gingen nun ruhig ihren Gang fort, und wir 
benuzten die Zwischenzeit zn geognostischen Exkursieaea 
in der nächsten Umgebung, in deren Falge wir Im Hinter« 
gründe des Thaies von Gulek im dichten Kallistein, der die 
herrschende Formation bildet, mächtige Lager von Eisen- 
stein fanden. Auf den Bergen, die das Thai zunächst wb*- 
gaben, war nun eine prächtige Vegetation erwacht, dunkeW 
rothe Pelafgotiien und viele andere schöne europäische 
Gartenblumen blühten im Freien, und das herrliche Land 
gestaltete sich nach und nach zum grossen Garten. Als wir 
einst Abends von einer dieser Exkursionen zurückkamen, 
fanden wir auf der Wiese in der Nähe unseres Lagers rine 
^osse Menge Menschen versammelt, es war 4ie Hochzeit 
eines arabischen Soldaten. Die Gäste waren im weiten Kreise 
nm ein Kienholz-Feuer gelagert, tranken Kaffe, rauchten 
und sahen den Tänzern zu, die sich im Kreise bewegten« 
Die Mui^k bestand In einer Tambourine und einer Pfeife, 
welche grässliche Töne von sich gab. Die Tänze waren 
absclieulich und ohne alle Grazie, ganz in der Art wie die 
in Egypten, Darstellungen der schmutzigsten Art. Besser 
waren ^ obwohl auch ohne Witz, mimische Darstellungen. 
£in Kerl mit einem langen Barte stellte den Pascha dar, 
ein anderer eine Art Bajazo. Lezterer führte ersterm die 

* Ich furchte allerdings sehr, ein geehrtes Puhlikum darch diese 
Detafls zu ermüden, aber ich kann sie zur Verstflndigung des Nach- 
ftfebend«^« iHchl lekbt uing<<heni 

33* 



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506 

Tänzer vor, von denen der Alte geneckt wurde. Die Torken 
BMhen diesem Spektakel bis zum Morgen zu, ja es wurde 
BOgar die folgende Nacht wiederliolt. 

Die lezten warmen Tage hatten den Schnee auf deu 
Crehangen des Maden Tepessi geschmolzen und seine Masse 
war nun auf die tiefen Schluchten und schattigen Gehänge 
des Allah Tepessi beschränkt, wo er auch das ganze Jahr 
hindurch Begen bleibt. Mir schien die Zeit gekommen, diese 
hockte Kuppe des Bulgur Dagh zu ersteigen, um eine 
weitere Übersicht über den cilicischen Tanrus zu erlangen, 
als mir bisher möglich war. Ich wählte dazu den 19. Juli, 
an welchem Tage ich mit Dr. Veit, Hrn. Kotschi und dem 
Arbeiter Mortsch Nachmittags vom Lager zu dem Zechen- 
lianse am Maden Tepessi hinaufritt, um dort die Nacht zu- 
zubringen. Der Schnee um das Berghans war verschwunden 
mnd dafür eine Fülle der herrlichsten Alpen-Flora erwacht. 
Ganze Flächen waren mit blühenden Tulpen und gelben 
Immortellen bedeckt, und unser Botaniker Kotschi hatte 
vollauf zu thun. 

Am 20ten um 4 Uhr Morgens gingen wir vom Zechen- 
hanse weg und nach den alten Gruben hinauf auf den Rücken 
des Maden Tepessi, der sich gegen Süd in das Thal herab- 
zieht. Oben, auf einem kleinen Plateau, trafen wir den 
Fusssteig, der über den Bulgur Dagh in die asiatische Türkei 
führt und verfolgten diesen in West, das ganze Südgehäuge 
der höchsten Kuppe des Maden Tepessi umgehend, bis auf 
die hohe, den Grubenbauen gegenüber liegende Scharte, 
von der aus wir in das nächste Alpenthal hinabsahen. Die 
Sonne ging auf, und es begann auch sogleich warm zu werden, 
obwohl es erst 5 Dhr war. Schöne Alpen umgaben uns 
«nd in unserer Nähe neidete eine Heerde Kamele. Einer- 
sdts lebhaft erinneii; an unsere heimathlichen Berge, hatte 
andrerseits dieser Anblick etwas acht asiatisches an sicli, 
and wir standen geraume Zelt, uns der schönen Scene freuend. 
Von der Schalte stiegen wir einen kleinen Fusssteig gerade 
zum Gipfel des Maden Tepessi hinan, den wir um 7 Uhr 
erreichten. Nun lagen die Kolosse der Centralkette ganz 
diebt vor uns, hohe kahle Kalk« und Schiefer-Massen in 



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507 

ieu abehtenetlichsten Formen zerrisseii, scbrofFe Winde» 
wechselnd mit tiefen, steilen Schlachten, in denen noch Schnee 
in grossen Massen lag. Zu unsern Fassen lagen tiefe Thäler 
mit kahlen Gehangen, knrz das Ganze bot eine Scene ans 
unsern süddeutschen Kalk-Uochalpen dar. Wer viel im Hoch- 
gebirge war, der weiss auch, wie eine so ganz andere Gestalt alle 
Bergformen und Lokalitäten, tou*. der Nähe angesehen, gewin- 
nen, und wie oft Berge in diesem Falle dem Bilde gar nicht 
mehr g!3ichen, das sie, in der Ferne erblickt, gaben« So 
standen wir denn auch und berathsehlagten uns, welche 
Ton den hohen Spitzen des Bnlgor Dagh, die uns um« 
gaben, denn auch die höchste sey. Alle schienen schwer 
za ersteigen, manche ganz unbesteiglich zu seyn. Einstimmig 
erkannten wir der Kuppe den Rang der höchsten Spitze zn, 
die wir schon von Ferne dafür angesehen und der wir den Namen 
Ailäh Tepessi gegeben hatten. Sie lag in geringer Ent« 
femuBg nördlich, etwas gegen Ost, vor uns und erhob sich^ 
ein gewaltiger auf seinem Scheitel mit Schnee bedeckter 
Dom, hoch aber uns. 

Wir wendeten uns nordwärts, gingen über ein weites 
Plateau zum entgegengesezten Gehänge des höchsten Rückens 
und trafen auf dem Wege dahin mehrere turkomanische 
Schafhirten , wahre Natnrkinder voll Kraft und Gesundheiti 
aber wild und scheu. Sie Hessen sich mit uns In kein Ge* 
sprach ein. Wir mochten jezt SOOO Fnss über dem Meero 
erreicht haben. Das Gehänge, welches wir hinansteigert, 
inussten, war sehr stell, doch fanden wir einen Fusssteigi 
der sich in einer engen Schlucht durch das Kalkfiteln- 
GeröUe hinanzog. Wir brauchten zwei volle Stunden, bis wir 
uns über die Ungeheuern Blöcke und kahlen Klippen hioanfr 
arbeiteten und auf eine kleine Scharte zwischen zwei hohen 
und senkrechten Wänden gelangten, auf der wir uns endlich 
am Fusse der höchsten Kuppe befanden. Wir waren bereits 
hoch in der Region des ewigen Schnees. Die lezte Partkl 
hatte uns etwas angestrengt, und wir ruhten daher auf der 
Scharte ans, wo wir in einer Vertiefung Schneewasser fanden» 
mit dem wir unsern brennenden Durst stillten. Das Ansebeil 
4er höchsten Kuppe war von unserm Standpunkte ans eb^ 



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50g 

nicht sehr einladend znr Emteignmg^ und als wir «acta aasae« 
und zweifelnd den Punkt sucliten, wo wir am leiciitesteit 
hinauf zu kommen heilten , gesellten sich an diesem Orte 
einer ewigen Stille, die nichts unterbricht als das fallai 
4er Steine von den Felswänden, das pfeifen eines aiifg;e« 
schreckten Steinbocks, oder der Sturz einer Lawine, zwd 
M&nner zu uns. Sie waren mit langen Flinten und Pfstolea 
bewaffnet und wir erkannten sie fiir Kurden, die oft als 
Jäger oder Räuber auf diesen Höhen herumstreifen« Wir 
fragen sie, A^-ohin sie gehen, worauf sie uns nach Norden 
zeigten und sagten, dass sie zwischen den dortigen Berg^ 
spitzen Steinböcke jagen wollten, worauf sie sich auch dahin 
entfernten. Sie mussten uns aber, was wir nicht bemerkten, 
umgangen haben ; denn als ich bald darauf gerade in der 
entg^engesezten Richtung von der, in welcher sie sich 
entfernt hatten, ganz allein am Gehänge hinaosstieg, um 
einen Ort zur Ersteigong der Kuppe aoszumittein, beoierktea 
meine Begleiter, die mir nachsahen, dass die beiden Kurden 
mir zwischen den Felsen zusprangen und schon ganz nahe 
an mir waren. Sie schrieen daher, ich sollte Acht geben 
und umkehren. Ich hielt sogleich an, nicht wissend, warum 
man rufe, da ich die zwei Kurden nicht beobachtete; nachdem 
ich aber zugleich den Ort gefunden hatte, der mir der ge^ 
eignetste zar Erst^gnng schien, rief ich die Übrigen hetbe^ 
die auch sogleich kamen, worauf sich unsere zwei nu*- 
heimlichen Fremden schnell entfernten ui>d eine steile SeMucht 
binaneilten, wo ich sie denn erst wieder zu Gesichte bekam« 
Die Besteignng der lezten und höchsten Kuppe Ist uo* 
gemetn beschwerlich. Wir hatten zur Rechten tiefe mit 
altem Schnee eifiillte Schliichten, von senkrechten und sehr 
hohen Fetswänden umgeben, an deren oberstem Rande w^ 
hinaufkletterten, theils auf Schnee, theils auf ganz glattett 
Schiefer-Platten , theils auf eitlem aus kleinen Stücken be^ 
•tehenden Stdngerötle, das unter jedem Fusstaitte wich und 
uns so erm&dete, dass ich mich niisht erinnere, jemals durek 
die Ersteigung einer oder der andern unsrer höchsten Alpeit« 
Spitzeu so angegriffen worden zu seyn. Unser arabischer 
Bi»dleater iBRAmn musste zuräckblelben, auch unsere tärkischen 



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909 

Arbeiter, die ich vom Grabeobau mitgeaomoien liAlfe, WKteik 
so ermüdet, dass sie kaum folgten konnten^ nur der juage 
Äbdaraebraan, einer nnserer £leven ans Kairo *j stieg mit 
der Leichtigkeit eioer Ziege. Um 11 Uhr Vormittags, alsu 
nachdem viir 7 Stunden, vom Bergbaiise auf dem Maden 
Tepesrt an, gestiegen waren, standen wir oder lagen wir 
vielmeb- ganz erschöpft auf der höchsten Kuppe des BuJgnp 
Dagh , auf der Spitze des Allah. Tepessi. Wir betanden 
ans, meiner Schätzung zufolge, in einer Meereshöhe von 
mehr als 10,000 Pariser Fuss. Die Spitze de» Allah Tepessi 
bildet eine kleine Plattform, die noch mit Schnee bedeckt 
war. Gegen Nord fäilt der Bulgur Dagh in die Hochebeoa 
des Innern von Kleinasien weit steiler ab, als auf der Sitd«« 
Seite, Er bildet senkrechte, fast überhangende Felswände 
von schwindelnder Höhe. 

Die Fernsicht von der Spitze des Allah Tepessi ist des 
Namens werth, den wir derselben gaben, sie ist wahrhaft 
göttlich nnd über jede Beschreibnng erhaben. Der ganze 
cilicische Taurus, von dem Meerbusen von Satalieh an bis 
m den Gebirgen bei Malatia und Djärbekr, wo der Euphrat 
die mächtige Kette durchbricht, lag vor uns. Die westliehen 
Taiirnsberge, der Enama Dagh und Allah Dagh hoben sich 
durch ihre schönen Formen heraus, erreichen aber an Höhe 
nicht den liulgur Dagh. Die östlichen Berge hingegen, 
der Baghir Dagh in den Distrikten von Milängini Ogl4 
und Karstan oder Karssan Oglu, sowie der Karmea Dagh 
bis zum Durdnn Dagh in den Distrikten Mustapba Agä, 
Tekete Qglüiund Kassan Oglu zeichnen sidi thells durch 
ihre scharfen, wilden, zerrissenen Formen ans, wie besonders 
der Baghir Dagh, theils steigen sie höher als der Bulguc 
Dagh empor, so nameatlieh die Kuppen des Karmea Dagb 
in Kassan Oglu. Wir sahen deutlich die Wendung der 
ciliclsehen Tauraskette am Baghir Dagh, wo dieselbe, je»» 
selts des westlichen Seibun-Passes, die OW. Riehtnag des 
Bnlgiir Dagh verlässt und sich mehr SN., eigentlich aus 
SW. in NO. wendet. Am äusamsten Punkte und nördlich 

* Jezt sQ seiner AusbilduBS in Gf«ts. 

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510 

dfeser Wenjung^ sahen wir aus der Ebene von Kalsari^h 
den dreizackigen Riesen, den mit ewigem Schnee bedeckten, 
Erdschiesch emporsteigen. Er erhebt sich zu einer Meeres« 
höhe von mehr als 12,000 Fuss und ist ohne Zweifel die 
höchste Kuppe von Kleinasien *. Westlich von ihm sahen 
wir bei Aic-Serai den schönen -vulkanischen Dom des Has- 
san Dagh mit seinen beiden Gipfeln und weiter in West 
breitete sich die Ebene von Koniah mit ihren See*n ans. 
Südlich lag uns das mittelländische Meer in unbegrenzter 
Weite. Wir sahen deutlich die Insel Cypern, die syrische 
Kiiste bis gegen Latakieh, den Libanon und die schönen 
Berge bei Skanderun. Alle Voralpen des Taurus in Süd 
und die nördlich sich anschliessenden Hochebenen Klein- 
Asiens, das Quellenland der Flusse, welche, die Tauruskette 
durchbrechend, dem Mittelmeere zueilen und zugleich der 
Wasserscheider zwischen diesen und dem schwarzen Meere, 
lagen wie eine Karte vor uns ausgebreitet, ein Meer von 
Bergen umgab uns, aus dem wir ihre einzelnen Formen 
kaum herauszufinden im Stande waren. Die Ebenen, welche 
nördlich vorlagen, besonders die um Erekli, schiften bebaut, 
weiterhin aber mehr steppenartig zu seyn. 

Den Rückweg vom Gipfel des Allah Tepessi nahm ich 
das westliche Gehänge herab und durch ein langes noch 
mit tiefem Schnee erfülltes Thal, durch das wir wieder auf 
die Scharbe gelangten, wo wir uns vor Ersteigung der 
höchsten Kuppe ausgeruht hatten. Ibrahim war schon früher 
dort angelangt, da er auf halbem Wege zurückkehrte, und 
tischte uns nun einige Erfrischungen auf, über, die wir mit 
einem wahren Heisshnnger hei*&eien. Ein Geräusch zur 
Rechten störte uns, wir sahen hin, und zwei grosse Stein- 
böcke standen auf Schussweite vor uns und sahen uns. neu- 
gierig an. Da unsere Gewehre leider ein paar Schritte 
aoitfernt lagen, so. mossten wir eine Bewegung machen; 
dadurch geschreckt, flohen sie mit Erstaunen erregendec 
Schnelle und Behendigkeit die fast senkrechte Felswand 
Auf Abtötsen derselben hinan, die wir früher gar nicht 

* Der Erdschiesch (Argäus) wurde zuerst von Hamilton erstiegen, 
und swar in neuester Zeit, nSmlieh in dem Zeiträume von 1636 bis 1887« 



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511 

bemerkt hatten and zu deren Erreicfaang^ sie die fareiitbaratei 
Sätze machten. Ich schickte ihnen zwar ein paar Kugpein 
nach, die aber ihr^ Eiie nur noch mehr beförderten. 
Spät am Abend kamen wir wieder zum Zechenhause, und 
zwar so müde durch unsere Bergreise, die volle 15 Stunden 
gedauert hatte, dass wir auch daselbst blieben. 

Um mir einen Platz für die einstige Errichtung einen 
Pochwerkes auszuersehen und um zugleich die Richtung 
und die Lokalitäten der von IsRAmM - Pascha genehmigten 
neuen Strasse von Gulek zum Bergbaue näher benrthellen 
zu können, sandten wir am 21. Juli Morgens unsere Pferde 
ins Lager hinab und gingen zu Fusse durch das Thal zwi- 
schen dem Maden und £nik T^pessi. Auf diesem Wege 
trafen wir mehret-e alte Gruben, die von den Eingebomen 
in verschiedenen Zeiten betrieben worden seyn mochten^ 
den Halden nach eine nur höchst unbedeutende Ausdehnung 
hatten und mit denen ebenfalls Bleiglänze, gemengt mit 
Zinkblende, phosphorsaurem Bleioxyd und andern fileisalzen^ 
gewonnen wurden. Ungefähr eine Stunde unterhalb des 
Zechenhauses fanden wir eine zur Anlage eines Pochwerkes 
in Verbindung mit einem kleinen Waschwerke ganz geeignete 
Stelle; mehr Schwierigkeiten sah ich der Errichtung einer 
Fahrstrasse von 10 Fuss Breite von da nach Gülek alch 
entgegenstellen. 

Das Thal erweiterte sich, ein herrlicher Weidebodca 
ist von dichten Tannen- und Cedem-Wäldern umschlossen» 
An einem Brunnen, wo wir auszuruhen beschlossen hatten^ 
trafen vrir eine Menge Weiber und Mädchen , die ihre 
Wäsche daselbst besorgten. Als sie uns sahen, erhoben sie 
ein gellendes Geschrei und winkten uns, ferne zu bleiben. 
Wir, wohl wissend, was der orientalische Anstand erfor-> 
dere, gehorchten und sezten uns In einiger Entfernuujf; 
unter einem Baum nieder. Kaum hatten wir Platz genommen, 
so entkleideten sich die meisten vor unseren Augen und 
wuschen sich; ein Akt, der mit den frühem Äusserungen 
ihrer Sittsamkeit nicht recht in Einklang zu stehen schien. 

Weiter thalabwärts hören die Cedera auf, und mit den 
Tannen mengen sich unsere Buchen imd Eichen. Daa 



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M 



S12 

Tli&l Vereng sich zn einer tiefen Fd^chtneki, die 
eine l^iinde lang nnd an manchen Orten kaum ober swei 
Klafter breit Ist. Es ist das jezt trockene Bett eines Berg* 
Stromes. Die Zweige der Bäume an beiden steilen Gehangen 
vereinen sich an den engern Stellen miteinander nnd bilden 
ein dichtes Lanbdach, so dass wir im kühlen Schatten nnsere 
Wanderung fortsezten. Der Wuchs der Banme tet in diesem 
Thale ungemein kräftig nnd wir sahen mehrere hohe nnd 
stämmige Gedem, die ein paar Fnss ober der* Wurzel S 
nnd 4 Fnss Im Durchmesser hatten. 

In 6ölek gingen unterdessen die Arbeiten bei der H&tte 
Vorwärts, der neue Flammofen war bereits zur Hälfte fertige 
tind SzLABET beschäftigte sich mit Versuchen zur AusmHte« 
lung der zweckmässigsten Zuschläge, wenn die Erze dnrdi* 
aus nicht ohne solche zu schmelzen seyn sollten. Den bis« 
her erhaltenen Resultaten zufolge war reiner Quarz odev 
gepulverter Feuerstein, welch leztem man in der Kreide 
um Gniek in Menge findet, jener Zuschlag, der die Schmel* 
zung am reinsten nnd schnellsten forderte. Da ich die von 
bRAHiM-Pascha mir anfgetragenen Bereisungen des Tanms 
ohne Verzug vollstrecken wollte, so schickte ich mich an^ 
zuerst den westlich von Giilek liegenden Theii zn durchretsen 
nnd wieder über Tharsus ^nruckzukehren. 



9) liereisMii^ Jenes THells des Tnams Im 

iler siuiAelisi westllclt tob Olliek lie«*« 

Diese Reise sollte meinem Antrage zufolge nur wenige 
Tage dauern, da sie auch nur die Untersuchung eines kleinen 
Terrains zur Aufgabe hatte. Ich übergab die Leitung der 
sämmtUchen, die Expedition betreffenden Arbeiten bei Berg 
nnd Hütte meinem Adjunkten Prucrner und sezte die frühen 
Morgenstnnden des 24. Juli zu unserer Abreise fest« Da 
aber die im Oriente gewohnüchefn Hindernisse eintraten xm4 
znlezt auch noch ein Maulthier mangelte, das ich dem zv 
Gftlek kommandirenden Hauptmann nur durch den kaiego^ 
rfechen Imperativ abndthigen konnte, so gelang es mir erst 
um Mütag, unsere kleine Karawane in Bewegung zu setzen. 
Mfeh bereiteten Dr. V«it, AcuMBB-Kaptan , der Nashr vnn 



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513 

GMk j OniAK<-Effendi, der Arbeiter Mvbtsgh^ zwei anUBcbB 
Bediente ond zwei Soldaten, Wir waren alle gnt beritten 
und hattet» noch 3 Lasttblere mit ihren Tfeibern mit 

Der W-eg fulirte ans über den Bergrücken, der das 
Thal von GiUek auf der Westseite begrenzt , nach dem 
Dorfe Gaensimi. Dasselbe liegt in eineni ganz mit Wald 
bedeckten Thale» Tannen, Bachen und Eichen stellen hier 
dicht aneinander upd wilde Reben, die ToUkommen geniess-* 
bare TrairifM tragen, schlingen mch In die höchsten Wipfel 
der Banme empor nnd TerUnden leztere unter sich, indeoi 
sie FestonS' bilden , die von Baum zu Baam reichen. Das 
Dorf liegt zwischen den Bäumen versteckt nnd besizt durch 
die Nähe der Schneegipfel des Bulgur Dagh , die über die 
dunkeln Wälder emporragen, eine wahrhaft reizende Lage. 
In dem Thale von Gaensinn bestanden damals die bedeiH 
tendsten Verkohlungen und Theersebweflereien des Bezirkes^ 
welchen Arbeiten ein Franzose vorstand. 

Auf dem Wege nach dem Dorfe verloren wir unsere 
Karawane, die wfar in den Schlachten und Wäldern dieses 
Terrains nur mit einiger Mühe vrieder fanden. Bei diesem 
Herumsudien stiessen wir auf «in Lager nomadisirendec 
Turkomanen in der Mähe eines alten, in Trünuner zerfalle^ 
neit Genneser Schlosses. Die gij^en Leute bracliten uns 
wieder auf den rechten Weg, den wir niia über einen steilen 
Blicken nach Südwest verfolgten« Wir gelangten auf eine 
bedeutende Höhe nnd mussten auf der andern Seite eben 
so steil wieder in eine tiefe Waldschlucbt hinab reiten. Der 
Weg fiilirte nnimterbrochen durch Pinien waidung; je tiefer 
wir kamen, desto felsiger, enger und wilder wurde die 
Schlucht, wir gelangten zwischen senkrechte Felswände von 
m^r ak 800 Fuss Höhe nitd standen plötzlich an eineVn 
refapsenden Bergstrom, der sich hier in einer nur wen%e 
Klafter bretten Kluft sein Bett gebrochen hat. £s war imt 
ostlidie Hanptarm des Cldnus. £ine acht Klafter lange und 
nur 4 Fuss breite Biileke von Holz, ohne Geländer, fiihHe 
auf das andere Ufer und unsere Pferde passirten sie , eib* 
wohl sie stark schaukelte, ohne alles Zagen. Das Dunkel 
der Schlucht, die wilden Febmassen, der reissende Bei^« 



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914 

gttom und eine nppi^e Vegetation, ein Gewirre von P&tfen, 
Tannen, Ölbäumen, Kiclien, Lorbeer, blühenden Myrtheti 
und Oleander machten diese Eindde, in die der Mensch 
noch nie die Axt gelegt hat, wo nur Panther, Schakale 
nnd Schlangen hausen, deren wir welche von bedeutender 
Grösse sahen, zu einem mir unvergessllchen Orte. Der Name, 
den diese Gegend fuhrt, nämlich Dschehenimm Deressi 
(Höllenwiese) , ist in gewisser Beziehung nicht ungeeignet. 
Das andere Gehänge, welches wir hinan reiten mussten, war 
Boeh steiler als das, welches wir herabkamen, und der fei* 
»ige Steg, der hinanfiihrt, ist selbst mit guten Pferden 
nicht ohne Gefahr zu passiren. Oben angelangt, trafen wir 
ein mit Wald und Weide bedecktes Plateau. Wir passirtett 
das Dorf Jokusch Paschi, das gegenwärtig verlassen war^ 
weil die Turkomanen in dieser Jahreszeit stets aussen auf 
ihren Feldern und Wiesen in Zelten leben, und lagerten in 
der Nähe eines andern Dorfes, Fakilär Köi, auf einer Wiese. 
Die Nacht war lau, heiter, sternenhell, wir Hessen daher 
kein Zeit schlagen, sondern schliefen im Freien, unter dem 
schonen, klaren Himmelszelte, dessen Sterne so freundlick 
auf nns herab blickten, .als wenn sie uns Grösse aus der 
fernen Hdmath bringen mochten. 

Als die Sonne die Schneehaube des Allah Tepessi 
rothete, der uns immer zur Rechten lag, sassen wir schon 
zn Pferde, ritten über eine waldige Anhöhe und gelangten 
fai ein beckenartiges Alpenthal von beiläufig 5 Stunden 
Durchmesser, in dessen Mitte auf einem steilen Felsen die 
Trümmer der alten Genueser Burg>>Nemmrun<< * sich erheben, 
während am Gehänge sich das heutige Dorf gleichen JXs^* 
mens ausbreitet. 

Nemrarun ist in gerader Richtung 6 Stunden Südwest« 
Uch von Giilek entfernt und liegt in einer äusserst frucht-* 
basen Gegend. Der Berg, welcher die Burg trägt, ist gan2 
umschlossen von Obst- und Weingärten, in denen die Haas- 
eben zerstreut liegen. Während unsere Pferde beschlagen 
wurden, gingen wirzuitiMusselim, einem würdigen Greisen, der 

* Xaf* 4« Apsicbt der Kreuzfabrerburg: zu Neaainriiii. 

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SIS 

QBS nach acht patriardialiseher Weise, umgeben Ton seinen 
Kindern, Enkeln und Urenkeln, bieder und herzlich empfing; 
Trotz der hohen Lage war die Temperatur der Luft bedeutend 
und betrug, als wir um S Uhr Kaclunittags wieder fortritten, 
24,5® Reaam. im Schatten. Unser Weg führte uns anfing- 
lieh über sanfte Anhöhen und durch Fruchtfelder, auf denen 
das Getreide sich unter der Last der schweren Aehren bog. 
Vach und nach senkte er sich einer Thalschlucht zu, und 
plötzlich sahen wir, in einer Tiefe von beiläufig 1000 Fussi 
zu unsem Füssen den westlichen Hauptaim des Cidnus. 
Das Thal öffnete sich unsern Blicken in die weite Ebene 
hinaus bis zum Meere. Das Cidnusthal ist hier, wie sein 
östlicher Nachbar, eine tiefe, enge Schlucht, umthürmt von 
ungeheuren Felsmassen und mit dichtem Wald erfüllt Die 
Ebene erschien wie durch ein Fernrohr gesehen, und der 
Anblick steht dem berühmten Krog-Kleven In Norwegen, 
wenn man von oben in die £bene des Tyri Fjord hinabsieht, 
näher als irgend einer dieser Art, den ich je genoss. Nur 
die üppige, prachtvolle Vegetation, die Oleandergebüsche 
im höchsten Bluthenreiz, erinnerten an Asiens glacklichea 
Himmel. Der Weg, der uns zum Cidnus in vielen Win- 
dungen über die Felswände hinabführte, ist einer der grauen- 
vollsten, die ich je passirte, und der Sturz eines Pferdes 
würde mit dem Leben bezahlt. Wäre ich allein gewesen^ 
80 wäre ich ohne Bedenken abgestiegen, aber da Oshan« 
£ffendi mit türkischem Phlegma ganz ruhig sitzen blieb^ 
80 war ich so eitel, es auch zu thun. Die Pferde gingen 
jedoch mit einer Sicherheit und Vorsicht, die Vertrauen ei»- 
flössten. Im Thale trafen wir eine verlassene Mühle, an 
der wir ausruhten. Grosse Nussbäume umgeben das Häus- 
chen, das halb in Trümmern * lag und am Ufer standen 
Weiden, von Reben und Epheu umschlungen. Die Gegend 
heisst Bambulg Deressi, die Baumwollenwiese. Ausser einigen 
grossen Schlangen, die wir au&cheuchten , regte sfch kein 
lebendes Wesen, und der Ort möchte sich dazu eignen, 
um durch bittere Erfahrungen aus dem Drange der Weit 
gelrieben in die stillste Einsamkeit zu flüchten. Der if est- 
liche Arm des Cidnus ist grösser , wasserreicher als der 



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616 

•fttitolie, wirpkssifften ihii i^ne Briofce und rtttefe lun andeni 
Gehftn^ drei Stunden lon^ wieder einen Berg liinan. Det 
Weg war so steil, dass unsere armen Lastthi^re last ^agen, 
und es «cIkni düstere Nadil war, als wir oben ankamen* 
Nielit weit von uns brannte dn Wald. Wir sdilngdn unser 
Lager. Der Mond war antergegangen und im Scheine däi 
brennenden Waldes zeichneten sieh die umliegenden Berge 
wnd B&udie rlesengross. Der hohen Lage wegen, liöbeir 
ttls die meisten Berge der Voralpeu, war die Nacht kalt 
Wir hörten Panther brfiHen, deren es hier viele gibt und 
deren N&he unsere Pferde unruhig machte. 

Frfih mm Morgen des 26. Juli brachen wir auf md 
vitten den Berg Wnab in ein schönes, weites ThiU, Deirataa« 
Deressi, die Müblenwiese, genannt , wo wir ein Lager v^ 
Tnrkomanen trafen. Der Weg führte uns weiter über sanfte 
Höhen, durch Auen, Wiesen und Gelrddefdder, an den 
Ruinen einer alten Burg vorüber bis auf die Höhe im 
Hintergninde des Thiales von GüsiH Törreh, welches i6ck 
Iron da tn Sfidost eretreckt. Anf dem Wege hatten wir 
bereits mehrere Else^ist^Iager im dichten Kalhsteine bei- 
t>baehtet und scblugen min , um die Eisensteine von GftsiH 
Törreh näher kennen txt lernen, unsern Weg dahin ^». 
Durch dieses Thal führt eine der flanptstrassen ans dem 
Pasc^halike Adana nach der asiatischen Türkei, die, so 
schlecht Sie auch an und für sich fst, doch im Nothfalle mit 
Artillerie passirt werden könnte. Gerade aus diesem Grunde 
laber und um die Anzahl der Passagen nur auf die über 
-Gülek BeghÄs tta beschränken, ging IßRAHiM-Pascba mit dem 
Gedanken um^ Ae Strasse durch Gösill Törreh unwegsam 
2« machen, was d«rch Abreissung der Brücken an und für 
Mich nicht «ohwer 2in bewirken war. 

Wir lagerten Mk Anfange ^^ Thaies bereits um 10 Uhr 
Vormittags, tmi der Nasir OsMAN-Effendi ritt sogieich fort^ 
tom in dem Hauptorte des Thal^, Im Dorfe AUah Oagh^ 
welchen Namen auch die Berge ringsumher führen, Jenlttode« 
isH finden, der uns den Weg scu den Eisensteinlageratatten 
%ttge^ könnte. Erst am Abend kam der Nasir zurück und 



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»17 

bracUe den Häuptling des Dorfes niit^ d^ sich vas als 
Fahrer anbot. 

Den andern Morgen ritten ivir thalafa bis zum Berg- 
strome, der das Thal durchfliesst« Wir hatten gar kefneü 
gebahnten Weg, sondern ritten durch dichtes Gebisehe, 
meist Rosen, und andere dornichte Sträocher, dem Fälnrer 
nach durch Dick und Dünn. JMein Brauner machte sich dabei 
das Vergnügen und ging mit mir durch, bei welcher tie^ 
legenheit ich in eine so innige Berührung mit der Schatten- 
seite der Rosengesträuche kam, dass mir das Blut über das 
Gesicht floss. Vom Baclie ritten wir wieder steil berga* 
zur Stelle, wo die Eisenerze sich finden sollten, fanden aber 
nichts als Serpentin, der durch Ausscheidungen von Eisen- 
oxyd stark rotli gefärbt war und ausserdem einige unbedeu- 
tende Klüfte Rotheisenstein. £s war ein Unglüc^stag, ge- 
tauschte Hoffnungen, ein zerkraztes Gesicht vereinten sieh 
noch mit dem Umstände, dass ich von einem ober mk* los- 
gegangenen Stein getroffen wurde und Dr. Vsit in der gi*ösi»> 
ten Gefahr war von einem solchen losgerissenen Felsstück 
todtgeschlagen zu werden. Wir verfolgten nnsem pfadlosen 
Weg, der uns über Rinnen * führte, in die man nicht ohne 
Granen hinabsehen konnte, trafen endlich wieder die Strasse 
und kamen ganz ermüdet im Dorfe Allah Dagh an« Es 
war gerade Erntezeit, und die Tui*komanen wai*en überall 
beschäftigt, ihr Getreide durch im Kreise laufende Pferde 
austreten zu lassen. Am Dorfe stehen riesenhafte Platanen^ 
in deren dunkeln Schatten ein hohes Gerüste erbaut und 
mit Brettern bedeckt war, worauf die Eingebomen in den 
wannen Sommernächten zu schlafen pflegen« Aach wUr 
hielten unsere Mittagsruhe auf einem soldien Geriist«, das 
Tolle Sicheiiieit vor allem Ungeziefer gibt, und empfingen 
den Besuch des Musselim von Allah Dagh. Derselbe, hier 
ist nämlich diese Würde erblich, war ein erst zwölffalnriger 
Knabe und die Freundlichkeit der Jugend verband sich bei 
ihm mit einem schaifen V eitstände. Er erschien in Geselle 
Schaft zweier alter Männer, die ihm ab Rathgeber stets 
zur Seite standen. In der Kühle des Abends ritten wir 
* Tiefe und enge, »teil sich im Haupttbal hinalisiebeiKle. Settlacklev. 



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518 

•V« ANah Dagb ab, wendeten uns südlich gegen die Ebene 
und besahen im Vorbeireiten die ausgedehnten Eisenstein« 
Niedertagen von Ssamszadlar , wo auch, die Lokalitat der 
Errichtung eines Etablissements sehr gunstig wäre. 

Unser Nachtlager schlugen wir eine Stunde südlicher 
mttten im Passe Matera auf. Die Strasse fuhrt zwischen 
Ewei mittelmässig hohen, aber senkrechten Felswänden 
durch, die wie ein Thor gestaltet sind und wahrhaft die 
Pforte des Taurus genannt werden könnten. Die hohen 
Gipfel des Bulgur Dagh, den Hintergrund der Landschaft 
Uldend, malten sich im Mondenlichte wunderschön. 

Am nächsten Morgen ritten wir durch das Felsenthor de9 
Passes von Matera hinans in die Ebene und zogen zwei 
Stunden durch hügeliges Land bis Elissoluk, wo die dort 
XU Tage brechenden warmen Quellen uns durch einige Zeit 
festhielten. 

Die Quellen, deren mehrere sind, liegen in einer 
beckenartigen Vertiefung des hligeligen Terrains, und da da* 
durch der Abflnss des Wassers,, welches sie liefern und dessen 
Menge nicht unbeträchtlich ist, erachwert wird, so bildet 
sich ein Sumpf, der vom dichten Oleander-Gebüsche umgeben 
Ist. Die Quellen treten im Gebiete der teiüären Mergel 
und Sandsteine hervor, welche das südliche Gehänge der 
karamanischen Tauruskette in ihrer ganzen Ersh*eckung aus 
Oat in West begleiten. Nachdem wir nicht ohne Mühe 
einen Zugang ausgemittelt hatten, untersuchten wir drei 
dieser Quellen etwas näher. Die Temperatur der Luft im 
Schatten war am 28. Juli um 8 Uhr Morgens bereits U^ 
BLy zwei der aus dem Sande hervordringenden Quellen 
aeigten eine Temperatur von 33^ R. und eine dritte, die 
man in einer Art Nische aufgefangen hatte, von 31® R. Im 
Wasser hatte, den vielen nnd grossen aufsteigenden Blasen 
infolge, rine starke Gasentwickelung statt. Ausser freier 
Kohlensäure, welche entwich, entwickelte sich viel Schwefel- 
waaserstoiF, dessen Geruch die Gegenwart der Quellen schon 
auf bedeutende Entfernung wahrnehmen Hess. Der Geschmack 
des Wassers ist schwach salzig, es sezt sehr viel Schlamm ab^ 
md der ganze Boden umher bedeckt sich mit efflprescirteu 



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619 

Sahen, unter denen vorwaltend Rodumk nie|t nn verfapoiV 
isf. Dai^ Wasser der dritten Quelle sest «nch iMthlensanraii 
Kalk in beträchtlidier Mengte ab, der dnrdi nebstbei mam^ 
gesebledenen Schwefel g^runlichgelb gefirbt emebeint* 

Von £lissolnk sandten wir, nm angekliidert sebneller 
reiten an können, unsere Lastpferde voraus naoh TbaiMi 
und wählten den Weg über die Ebene naeh Thor 0|^ 
Die Hitze stieg im Verlaufe des Tages auf eine für mm 
Doeh sehr lästige Höhe, und wir waren daher sehr froh, auf 
den Feldern vor Thor Ogla den Musselim-^dea Distriktea 
zu finden, der uns sogleich in sein Haas einlud, dessen «v 
frischende Kuhle uns höchst angenehm war» Wie gewöhn* 
lieh beim Einzüge in einen Ort wurde Dr. Vut, da. man 
im ganzen Oriente, wie bekannt, die Franken ohpehto für 
Hakims, Ärzte, hält, von Kranken iörmlich belagert. .Wif 
sahen, dass auch hier die Syphilis ihre Opfer bat und Miss« 
staltungen durch Vernachlässigung oder unvernünftige Be- 
handlung gerade nicht sehr selten sind. Übrigens scheint 
fast das halbe Dorf zur Verwandtschaft des Propheten zn 
geboren; denn viele der anwesenden Männer tragen grfiae 
Tnrbans und Hessen sich sehr wohlgefällig Scherlb nennen. 
Der Musselim nöthigte uns, bei ihm zu speisen. Schon die 
Art mit untergeschlagenen Beinen an einem niedem Tisi^hehea 
auf dem Boden zu sitzen, vertrieb mir allen Appetit, aber 
mit wirklichem Schauder erfüllten mich die mancheriei Knob* 
lauch-Saucen, die man uns zunh kleiogescknittinen Fleincbo 
yorsezte. 

Von Thor Oglu ritten wir nach dem Dprfe Daarie Köi, 
wo GiNSBSRo auf einem mächtigen Lager von blauem Tbon 
im tertiären Sandstein Bohrversuche auf Braunkohlen einge« 
leitet hatte, die nicht ohne Hoffnung waren, die man abeTt 
offenbar aus Mangel an Ausdauer in einer einmid begonnenei| 
Saehe, wieder einstellte« Wir untersuchten die slattfindenden 
Verhältnisse möglichst genau, und ich besdijoss, Isa^niMr 
Pascha zur Fortsetzung dieser sehr wichtigen Versuche zy 
bewegen. Ginsbsro hatte auf dem Thonlager einen 14 Fu4f 
tiefen Bohrschacht abgeteuft und war dann mit dem Bohr-^ 
loche 115 Fuss tief niedergegangen. Er fand das erste 

RinsMasii, ReiwH. 1. Bd %, Tbl. 34 



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820 

Tböidilgf^ m tfim mffißhMg md dutehfuhr Im weitern Ver« 
Inafe eine stete W^ehsetlag^eruii^ Ton Sandstein mit Thon; 
Le£terer fi^ plastisch, y6ll Cerithien und enthält häufig 
Spuren von Bi^annlcolkle.' Das Wasser war g^egenwärtig Im 
tei'Iäss^en BohrschAchte fibeir die Hängebank gestiegen. 
Sf^ses Braunkohlen führende Thonlager lässt sieh über 
Ta^ dem Stt^ichen nach eine Stunde weit entblösst Ter<^ 
folgen, verschwindet aber dann unter Allnvionen und Kultur- 
tioden. Aleine Ansicht ging dahin, nicht nur das bestehende 
Bobcrlöch zu einer grössern Tiefe niederzutreiben, sondern 
auteh an mehreren Stellen solche Bohrversuche einzuleiten; 
liber mein fromnüer Wünsch blieb, wie so mancher andere, 
iinerfSlIt. 

'Die Gegend von Damle Köl ober Dedalar nach Tbarans 
Ist sehr 8c6ön. Die weite Ebene wird zur Rechten vom 
Meere begränzt, während zur Linken die hohen Kqppen des 
finuma Dagh und Bulgnr Dagh, die Feisetispitzen des Bagblr 
Dagh und, Sber alle emporragend, der mit ewigem Schnee 
bedfeckte Allah T^petöl im sanften Roth der Abendsonne 
eine» würdev(jlten , heiligen Eindruck machen und Gefühle 
erregeri , die f&r den Moment alled Gemeine aus der Brust 
entfernen. Die Minarets von Tharsus und seine Gärten 
stiegen endlich auä dem Hügellände vor uns empor, doch 
wdtde es Nacht, bis wir daselbst anlangten und unser Lager 
in diem grossen 6at*ten des Gouverneurs ausserhalb der Stadt^ 
fh '8i^r Nähe der Wasserfälle des Cidnus, dessen beide Haupt- 
arme sich von Tharsus vereinen, aufschlugen. 

' Tfiärsus, b^liihmt als der Geburtsort des grossen Apostels, 
Enthält mehrere durch die Erinnerungen ans unserer Re^ 
ligionisgescfaieht» gebdligte Plätze. Die meisten beziehen 
sich* auf Et*e{gnisse aus dem Leben des heiligen Paulus *j 
imd dfe Steile, wo derselbe geboren seyn sollte ^ ist heut 
zu Tage mif einer Moschee beiiezt. Die jährlich in Thainsud 
erächeinend'<6Vi Fieber, deheh iVe Kirchhöfe eine Ausdehnung 
Verdanken, dife fast die der Stadt übertrifft, herrschten gerade 
sehr stark , taiid unei^r Nasir OsBlAN-Efiendi wurde so^t^ch 

* Tafel 6. Anyicbt der Moschee, errichtet auf der Geburtastelle dea ! 
lieiligen PikULua au Tharaua. 



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521 

davoti befallen. Dng^eaGhtet der Bevdlkernng dieses Platzes^ 
die aber 30,000 Menschen betragt nnd ungeachtet der Widi« 
tigkät des Platzes in militärischer Beziehung sowohl, als 
wegen seines Handels mit Cypem, befand sieh doeh zor Zelt 
unserer Anwesenheit weder ein Arzt, nodi eine Apotheke 
in der Stadt. Die Qnelle dieser, oft mit einem sehr b5s* 
artigen Charakter auftretenden Fieber dürfte wohl vorzuglieh 
in den fauligen Ausdünstungen des sumpfigen Terrains be- 
gründet seyn, welches ausschliesslich sein Vorhandensein ' 
dem Cidnus verdankt, der unterhalb seiner Fälle, die oberhalb 
der Stadt liegen, bis zum Meere nur sehr wenig Gefalle hat, 
häufig austritt und Pfützen bildet. Dazu gesellen sich in der 
Sommerazeit eine hohe Temperatur der Luft, starke Feuch- 
tigkeit derselben und eine über alle Vorstellung schlechte 
Gesundheits-Polizei. 

Am 30. Jnli zogen wir Kachmittags wieder von Tharsns 
ab und wendeten uns nördlich in die Berge des Taurus 
nach Gidek. Dahin fuhren von Tharsus z\vei Wege, der 
eine zieht sich durch die Thäler bis zum Brunnen Hülik 
Küjinin Paschi, der andere fuhrt über das Gebirge dahin, 
wo sich beide wieder vereinen. Der leztere Weg, der kürzere, 
bildet die Trümmer einer alten Romerstrasse, die einst über 
das ganze Gebirge gepflastert war, jezt aber so voll Löcher 
und loser Steinmassen ist, dass man bei ihrer Passimng 
einiger Aufmerksamkeit selbst bei Tage bedarf. Am Dorfe 
Belramli erreichten wir, 3 Stunden von Tharsus, den Fnss 
des Gebirges. Die Sonne ging unter, und als wir auf den 
höchsten Punkt der Strasse gelangten, wo noch die Trümmer 
einer Pforte stehen, durch die der Weg führte, war die Macht 
bereits eingebrochen. Wir hatten das schlechteste Stück 
des Weges noch vor uns und mussten uns beim Hinabreiten 
ganz auf unsere Pferde verlassen, die sehr viel Unruhe 
äusserten, woraus man auf die Nähe wilder Thiere schliessen 
konnte. Im Thale angelangt, trafen wir einen Brnnnen und 
beschlossen auszuruhen , in dem Momente aber, als wir ab* 
stiegen, fuhr ein Rudel aufgeschreckter wilder Schweine 
an uns vorüber, unsere Pferde waren nun nicht mehr z« 
haken, rissen aus und es verflossen ein paar Stunden, bis 

34* 

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522 

ivir wieder Alles in Ordnung^ brachten. Wir ritten nnn die 
gfanze Naclit durch und kamen, ausser dass OsMÄN-Effendi 
auf den Steinplatten oberhaljb dem Brunnen HiUik Kujinin 
Pasch! mit. seinem Pferde so stürzte, dass wir das Ärgste 
besorgten, ohne weitem Unfall am 31. Juli um 6 Uhr Morg^ens 
bei unsem Frennden im Lager zu Guiek an. 

Alles daselbst war wohl, der Flammofen war fertig, 
die mit den Erzen vorgenommenen Proben wiesen Gehalte 
an Blei von 55 bis 65 £- aus, dieses zeigte aber wiederholt 
keine Spur von Silber. Adjunkt Prockner hatte ausserdem 
seine freien Stunden dazu beniizt, einen sehr rationellen 
Entsumpfungsplan für Alexandrette und Tharsus zu entwerfen, 
der die besten Resultate ei-warten liess, der aber mit mehreren 
solchen Vorschlägen in den spätem Ereignissen der Taurus- 
Expedition unterging. 

Ich beschloss, meine von Ibrahim- Pascha mir angeordnete 
Bereisung des östlich von GuIek liegenden Theils des Taurus 
ohne Verzug folgen zu lassen und ti*af alle Anstalten dazu. 
Dem Adjunkten Pruckner übergab ich neuerdings die Leitung 
des ganzen Werkes und die Weisung, in ein paar Tagen 
die Auswärmung des Flammofens zu beginnen und nach Ver« 
lauf derselben das erste Probeschmelzeu mit einem Quantum 
von 10 Zentner Erze mit und ohne Zuschläge zu versuchen. 
Zugleich sandte ich an BooHOs-Bey und leRAHiM-Pascha die 
Belichte über die bergmännischen Resultate meiner lezten 
Reise, wobei ich nicht unterliess, die Aufmerksamkeit auf 
die Wiederbetreibung der Behrversuche auf Braunkohlen zu 
Thor Oglu hinzuleiten. 

Am Abend vor unserei* Abreise waren wir zur Hochzeit 
des Juss-Paschi oder Hauptmanns der hier stationirten Korn* 
pagnie geladen. Es wurde gewaltig getafelt, besonders was 
die Masse betiifTt. Da erschienen ganze gebratene Schafe, 
die ein Arnaute mit den Händen zerriss, wozu er seine 
weiten Hemdärmel hintern Rücken am Nacken zusammen- 
band und mit seinen Fäusten kannibalisch herumarbeitete. 
Kach Tisch erschienen Tänzer, die in ihren Bewegungen an 
wirklich ekelhafter Unanständigkeit sich zu überbieten suchten 



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523 

und uns zolezt eine so nnwillkommeDe Aufmerkramkelt so 
schenken begaimeii, dass wir uns entfernten, 

S> Beretevnir de« ttstllch von Ottleb lies^ndeM Tlieila #es 
eilteteelHsn Taimu Im Paseh«like Adana Mail Karaseh* 



Am 3. August Yormittags brachen wir von Gülek auf. 
Unsere Karawane bestand ausser mir aus dem Dolmetscher 
AcBMED-Kaptan, dem Bergoffizier Szlabst, Giksbbro mit seinem 
Bedienten, dem Arbeiter Mortsch, dem Bedienten Ibrahim 
und den nöthlgen Führern sammt Ihren Lastthieren, Wir 
kamen auf dem Wege nach Adana ziehend, in 3 Stunden an 
den sudöstlich .von Gülek liegenden Punkt, wo die Wege 
nach Gülek und Gülek Boghas sich* trennen und schlugen 
unser Lager an dem Brunnen Hfilik Küjlnin Paschi, wo wir 
eine grosse Anzahl egyptischer Truppen fanden, die nach 
Gülek Boghas bestimmt waren. Wir verliessen am nächsten 
Molken daselbst wieder die Berge des Taurus und betraten 
die anfangs hügelige, dann ganz flache Ebene von Adana 
und Tharsus, die sich östlich bis zum Dschihun und sudlich 
ans Meer erstreckt. Das Land bot in dieser Jahreszeil 
einen öden, traurigen, sonneverbrannten Anblick dar« 

Unser Weg führte uns an den Ruinen eines Kastells 
vorüber, an denen das stille Grabmahl eines Schechs sich 
1»efindet. Es ist eine einfache Kapelle mit einer Kuppel, 
zwei Steinhaufen bezeichnen in ihr die Ruhestätte des Heiligen 
und seines Sohnes, an der Wand hing eine Streitaxt neben 
einem Wasserschlauch. An den Ruinen der alten Kreuz* 
fahrerburg Kütükli, auf einem Hügel isolirt in der Ebene 
stehend, ruhten wir und sezten dann unsem Ritt über die 
grösstentheils unknltivirte , zum Theil mit Baumwolle be- 
pflanzte Ebene bis Adana fort, das wir Abends erreichten. 
Eine zahllose Menge von Störchen verkündete uns die Nähe 
der Menschen. Die Stadt selbst ist, wie fast alle orlen^ 
tauschen Städte dieses Ranges, schlecht gepflastert, unrein, 
hat enge Gassen und Häuser, die in hohem Grade verwahr- 
lost, mehr Ruinen gleichen. Die Lage der Stadt Ist zwar 
keineswegs reizend, bietet aber doch nicht uninteressante 
Partien dar. Als wir sie, aus Nordwest kommend, erblickten^ 



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S24 

lifttten wir ±nr Linken ilie schSoea Bei*g;g{pfd des Taomi^ 
zur Rechten das Meer nnd den Dscliebel Karadasch, dessen 
südlichster Vorsprang das Kap Maio bildet. Vor uns zum 
Hintergründe den Dschebel el Nur, arabisch der Berg des 
Lichtes, die Berge bei Messis an den Ufern des Dschihun. 
Wir durchritten die Stadt und schlugen unser Lager am 
östliehen Rande derselben, am rechten Ufer des Seihan auf, 
dessen beide Hauptarme sieh in der Ebene, ndrdlich der 
Stadt, zu einem bedeutenden Flusse vereinen, der Iiesonders 
«iir Zeit seines reichlichem Wasserstandes gross genug 
wäi'e, um mit bedeutenden Booten bis zn den Gebirgen be* 
fahren werden zn können. 

Wir blieben den 5. August in Adana, das auf uns, sot 
hellen Tage gesehen, einen noch weit erbärmlichei'n Ein*- 
druck machte, als Tharaus. Es ist auch viel kleiner als 
leztere Stadt nnd durfte kaum mehr als 5000 Einwohner 
enthalten» Seine Lage aber ist bedeutend gesunder als die 
von Tharsus, wozu wahrscheinlich der beträchtlich grossere 
nnd viel rascher als der Cidnns fliessende Strom viel liet- 
trägt. Übrigens war die Hitze in den Machmittagsstnnden 
höchst lästig. Wir hatten um 2 Uhr Nachmittags 37<> Reaam. 
in der Sonne und 32^ Reaum. im freien ^hatten. Das 
Wasser ded Seihun zeigte um dieselbe Zeit 22,3<^ R^anm. 
Adana ist der Sitz des vereinten Pasehaliks von Adana nnd 
Marasch und Achmed- Pascha-Menikli, den wir bereits aus 
Guiek Boghäs kannten, stand damals an der Spitze des 
Gouvernements. Seine Wohnung befand sich am linken 
Ufer des Seihun, über welchen in Adana eine schöne stei- 
nerne Brücke in 14 Bogen führt, ein Werk alter Kunst aas 
den Zeiten der Genueser-Kolonisation, durch die Türken aber, 
nach ihrem Gebrauche, so vernachläsi^gt, dass sie fast in 
Ruinen liegt. Wir besuchten Nachmittags den Pasdia, der 
uns sehr freundlich aufnahm und mir vor Allem die Nenig« 
keit mittheilte, dass Boreani mich neuerdings sowohl bei 
ihm selbst, als auch beim französischen Konsulate zu Thai'sas 
verklagt habe und dass der Gegenstand der Klage wieder 
die Abreissung seines Flammofens und die Erbauung des 
neoen scy» Da ich daraus sab, dass an eine eigentUdM 



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S2S 

iUdie u Gülek in dieser Besielimg. nlelit m .Aenlitfii sey 
und dass diese Störungen in meiner bevorstehenden Ab- 
«vesenheit besonders hindernd auf das Gelingen des gingen 
-Unternehmens wirken müssten, so eaUärte ich dem Pesehn, 
dass ich nur dann die mir zngetheilten fiergoffizieie sior 
Besorgung der Geschäfte der Expedition in Gülek zurück- 
lassen könne, wenn der Pascha sie in 'seinen unniittelbaren 
Schotte nehme und dahin wirke, dass sie in Befolgung dehr 
:iron mir zu erhaltenden Aufträge mit fioRBAtfi in keine. Bfe^ 
rnhrnng kämen, daher der Leztere, in Betreff .der von uns 
zu Gülek ahzufuhrenden Schmelzversuebe, ausser allen Ein- 
fluss zn setzen sey. Der Pascha verspraeh mir diese und 
«r hielt mehr Wort, als ich wollte; denn bald darauf em- 
pEng Boreami die gänzliche Enthebung von seinem Dienst- 
posten zn Giiiek, ehi Verfahren, auf das ich nie angettageu 
.hatte, das ich durchaus nicht billigte und von dem -ich. bei 
der Schwäche und Inconsequenz der egyptiichen Yerwal- 
tnng nnr die unangenehmsten Folgen, eine lange Kette jmk 
Intriken , vorhersah. BoRSAMrs leidenschaftliches Benehmen, 
sein Bestreben, im Gefühle beleidigter Eitelkeit mk M 
«ehaden, wo er niur Möglichkeit sah, das konnte niir uiolit 
angenehm seyn, aber andrerseits achtete i<b doch in ttun 
A&k unternehmenden, mit Energie handelnden Mann,, der, mit 
vielen Kenntnissen hn Allgemeinen ausgerisstet, voH eifrigefi 
Aesb'ebens war, sich auch im Detail auszubilden und der weit 
höher, und mir selbst gemuthlich naher stand, als Gikssmo, 
der durch seine, bei meinem gegenwärtigen Besuche beisi 
Pascha gegen Borbani angebrachten, boshaften Klugen und 
Anschuldigungen, die er nicht beweisen konnte, sehr. tu 
meinen Augen verlor. Die Zukunft lehrte, jbss idi damals 
ganz richtig geurtheilt luttte. 

Anf der Ruckkehr von AcHBisD^Pascha besuchten wir 
den Basar, der erbärmlich aussieht und nichts von Interesse 
darbietet Wir litten dureh die Wärme der lezten Tagt^ 
die in Verbindung mit .den salzigen D&nsten d^ nabeii 
Meeres unsere noch ungewohnte Haut stark affizirtiBj^nettei^ 
dingsan dem syrischen Sonnenausschlag, und die Fluthen dsb 
Seihon kamen uns daher am Ahcnd hödist gelegen. 



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520 

Ani 0. A'ogusi traten wir Nachmittags unsere Reise 
nach Kassan Ogla an. AcHMXD-Pascha gab uns als Fuhrw 
>einen Tscliausch des Musselim und einen Häuptling aas 
'KasMin Oglu, der gerade in Adana anwesend war und nach 
Hause zuruckhehrte. Er war ein Kurde, ein sehr schöner 
junger Mann, mit einer ausdrucksvollen, edelgezeichnetea 
Physiognomte, In seinem Kleide, aus dem in Syrien gewöhn* 
liehen bunten, schawlartigen Seidenzeng verfertigt, kam er mir, 
-zu Pticrde sitzend, im glänzenden Schmucke seiner Waffen, 
•wie dne Gestalt aus der Glanz-Periode der sarazenischen 
Heldenzeit vor. Die Verfassung der Bergdistrikte, welche 
die Nordgränze des damaligen Paschalikes Adana gegen die 
Besitzungen der Pforte in Kleinasien bilden, hatte etwas 
'Eigenthttmliches. Die Provinzen besassen einen gewissen 
Grad von Unabhängigkeit und die Macht des Pascha war 
-daselbst nicht so ausgedehnt, wie in den übrigen Distrikten. 
Die eigentlicbe Regierung befand sich in den Händen mäch- 
•tigerj «chon seit langen Reiten daselbst ansässiger Familieo, 
«von denen stets der Älteste die Zügel ergriff und die Stelle 
ieines Gouverneurs in seinem Distrikte bekleidete. Er blieb 
4er egyptischen Verwaltung als damaligen Oberherrn zhia- 
'bar und verantwortlich, übte hingegen in seiner Stellung 
au den Unterthanen die Rechte eines Grundherrn aus. Diese 
Macht blieb der Familie erblich, nnd es war also in gewisser 
'Beziehung das Verhältnlss einer aristokratischen Herrschaft. 
.Da diese aber hinsichtlich ihrer Ausübung den ünterthanea 
gegenüber keineswegs unbeschränkt war, sondern alle Ver- 
lumdlungen in einem Rathe der Stamm-Ältesten gepflogen 
wurden, desm das Oberhaupt der herrschenden Familie prä- 
«idirte, so leuchtete darin wieder das alte patriarchalische 
Prinzip der orientalischen Völker hervor. Diese Verfassung, 
die Lokal- Verhältnisse der Bergdistrikte als Gebirgsland, 
die kriegerische Stimmung der Bewohner, Ihre Anhänglichkeit 
AU die an ihrer Spitze stehenden Familien, machten die Be- 
liandlung^ dieser Provinzen für die egyptische Verwaltung 
nm 80 delikater, als diese Bezirke gerade an der Gränze 
ilagen und die Erhaltung einer guten Stimmung daselbst 
für die fifpitz^ngen Meusmso^Au's in Kleinasien eine wahre 



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527 

Lebenafirage war. Daher kam es, dasa diese Bezirke eine 
Meoge Vorreehte nad Beg^nsttg^nngen genossen, die den 
übrigen Unterthanen des Vizekönigs nicht zukamen, daher 
sah man in diesen Bei^distrikten einen Grad von Wohlstand, 
4er dem egyptischen Fellah nnbekannt Ist. Doch mangelte 
es bei dieser aristc^ratlsch-patriarchalischen Regiemngsweise 
nicht an blutigen Auftritten unter den Häuptlingen selbst 
und mit den kleinen Besatzungen, die Mshbubd-Ali zur 
Sicherung, Beobachtung des Landes und wohl auch zur Ver* 
hinderung des Fanstrechtes , bei der ganz mittelalterlich 
gestimmten Bevölkerung, In einige feste Platze zu legen für 
gnt fand. So befand sich zu Beilan, als Ginsbero vor ein paar 
Jahren Hassan Oglu bereiste, ein gewisser AcHMBD-Aga 
als Häuptling des Bezirkes. Er betrieb das Handwerk eines 
R&ubers Im Grossen, ermordete seinen Vater, beging aber- 
haupt die furchtbarsten Gränel, bis er von dem energischen 
iB&AHiM-Pascha zum Tode verurtheilt wurde. AcuMBD-Aga 
entfloh In die asiatische Türkei, machte aber mit den Seineu 
im verflossenen Jahre einen tiesuch In Beilan und ermordete 
die aus 300 bis 400 Amanten bestehende Besatzung; da er 
sich aber bei der gegen Ihn allgemein herrschenden Erbit- 
terung nicht halten konnte, zog er sich wieder In seinen 
Sdilupfwlnkel zurück, wo er bei meiner Anwesenheit in 
Kassan Ogin sich noch aufhielt 

Von Adana bis Siss erstreckt sich zwischen den Flüssen 
Selhun und Dschihun aus Süd In Nord bis zum Fusse des 
Karmes Dagh in Kassan Oglu eine ununterbrochene Gras- 
Ebene, eine Art Savanne. Diese Ebene wurde früher von 
den räuberischen Kurden in grossen Schaaren durchstreift. 
Sie zerstörten Dörfer und Städte und plünderten und mor- 
deten was ihnen in den Weg kam, so dass eine Reise von 
Adana nach Siss als ein grosses Wagestück erschien. 
Ibrahim's Säbel machte bald reine Bahn und jagte die wilden 
Kurden In Ihre Felsenschlösser am obern Euphrat und jen- 
seits desselben zurück, so dass man jezt diesen Weg ganz 
sicher ziehen kann. Im Sommer, wo die Ebene den höchst 
trostlosen Anblick einer wasserarmen, verbrannten Steppe 
darbietet, ist sie, wenige Plätze ausgenommen ^ ganz 



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«nbewohnt, In der Regenperiode des Winters btng^e|^*sldieii 
Turkomanen und fiiedliclier gestimmte Kurden mit ihrmt 
salillosen Ueerden anf dem grasreichen Weideboden in allen 
Aiolitungen. 

AcifBisD-Pascha gab uns EmpfeUnngssclireiben an den 
amenischen Patriarchen zu Sias, so wie an den Hän|itling 
^es Bezirlies Hassan Oglu zu Hudh mit und that überhaupt 
alles Mögliche, ivas unsem Reisezweck fordern konnte. 

Wir wählten von Adana aus den Weg. über Mc n ris , 
um den Dschihun zu sehen und zogen also anfanglich gerade 
in Ost Die unbebaute Ebene, bevdlkert von zahlreidiea 
Gazellen und Hirschen, dehnte sich in ermüdender Einför- 
migkeit vor uns aus. Die Nacht überraschte uns vor 
Messis, und da wir gerade einen Brunnen mit gutem Wasn» 
fanden, so blieben wir die Macht durch. Den nächsten 
Morgen erreichten wir in 1^ Stunden Messis am rechten 
Ufer des Dschihun, das also von Adana 6 Stunden in OOS. 
entfernt liegt. Dicht an unserer Route zur Rechten lag uns 
der Dschebel Karadasch mit dem Kap Malo und weiter 
südlich sahen wir die Küste Syriens mit dem Kap Chansir 
und dem Dschebel Okra bei Suedie aus dem Meere aich 
erheben. Messis ist ein grosses, von Türken bewxihntes 
Dorf, auf einem Hügel liegend. Eine grosse Brücke, ähn- 
lich der in Adana, führt auf das linke Ufer des Dschihun, 
der hier ungefähr eine Breite von 4S0 Fuss hat und eine 
bedeutende Tiefe zu besitzen scheint Er fliesst dur^ 
moorigen Grund, daher sein Wasser eine dunkle Farbe, 
ähnlich der des Cidnus, hat. In der Nähe von Messis und 
im Dorfe selbst trifft man die Trümmer grosser Gebäude 
und ein Haufwerk von Mauern, eine Menge grosser und 
schöner Granitsäulen, zum Theil mit romischen und g^riechi- 
«eben Inschriften. Der Granit ist der der Katarakten von 
Syene, der überhaupt sehr weit aus Egypten versandt worden 
«u seyn scheint. Wir trafen Kunstwerke aus ihm verfertigt 
in der ganzen Levante, in Griechenland und in Italien. Er 
ist so charakteristisch in seinem Ansehen, dass er nicht 
verkannt werden kann, und' ich kenne wenigstens im ganzen 
•Oriente^ so weit ich ihn bereiste, kein ^anderes V<] 



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520 

desselben, als am Sinai, am retlien Meere, sowolil in Ära» 
biea als in Egypten, und vorzuglich zu Syene, dem heutigen 
Assnan. Der Dsebihun fahrte bei den Alten den Namen 
Pyramus, und Messis steht auf dem Schutte des alten Mop- 
snesHa. Die Triunmer dieser Stadt bezeugen ihren einstigen 
-Glmz^ ihre beträchtliche Ausdehnimg, und Nachgrabungen 
kdnnten hier sehr interessante Resultate heribeifuhren. Der 
P^amns war nocii im Anfange des IS. Jahrhunderte bis 
nach M epsaestia hinauf und vielleicht noeh weiter scbiflfbar; 
denn Akma Kommsma * erzahlt: dass, als Tamkrso von An» 
üochia mit seiner Armee gegen Mqwnestia aufbrach, er 
einen Tlieil des Heefs zn Lande über Skandemn dahin 
cnafsddren Hess, während der andere den Seew^ einscUog 
nnd mit fialeeren den Fluss bis Mopauestia hinauffuhr. 

Von Messis^ erstreckt sich die Ebene zwischen dem 
Selhun nnd Dsebihun ununterbrochen in Nord bis Siss durch 
13 Stünden. Wir wählten den geraden Weg dahin und 
liessen die auf einem isolirten Berge in Ruinen liegende 
"Stadt Anabasa oder Anabat, türkisch Anazarba genannt, einige 
{Stunden östlich liegen. Anabasa war noch vor wenigen 
Jahren bewohnt, wurde aber von den Einwohnern, der 
räuberischen Einfalle der Kurden wegen, verlassen. Drei 
Stunden nördlich von Messis gelangten wir zu einem kur- 
dischen Kirchhof, der an einer Pfiitze liegt, deren Wasser, 
trotz des abschreckenden Anblickes, uns in der brennenden 
Hitze zur Labung diente. In geringer Entfernung liegt 
ostlich von diesem Punkte Schech Maran oder Elam Kaie, 
die Trümmer eines Kastells auf einem isolirten Felsen. 
Ton den Ruinen dieser Burg eraählen sich die Eingebomen 
wunderliche Dinge. Es sollen dort sehr grosse Schlangen 
existiren, die schon so manchen Wanderer gefressen haben, 
daher auch selten ein Turkomane zu bewegen ist, den nn« 
heimlichen Gang dahin zu wagen. Weiter nördlich zogen 
wir dicht an Tunimio Kalessi vorüber, ebenfalls BÜuinen 
eines Kastells auf einem in der weiten Ebene isolirten, spitzen 
fierg. Zur Rechten sahen wir jenseits des Dsebihun den 

« Aleiisd. Üb. XU. 

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530 

Dardan Dagh ood die Vorberge des Taoras, die sieb bei 
Manisch aus Nord in Süd erstrecken und den Taurus mit dem 
Giaur Dagh an der Nordg^ränze Syriens verbinden. Vor ans 
hatten ikit die Berge des Karmes Dagh mit den Felsen- 
spitzen von Siss im Vordergrunde, die weithin kenntlicli 
sind, da sie sich in vier neben einanderliegenden , selir 
spitzen nnd schai*f gezeichneten Pyramiden erheben, von 
deren Gipfeln die Ruinen des Kastells von Siss, wie die 
Wächter der Berge, in die weite £bene hinaus schauen. Za 
unsrer Linken hatten wir nahe an uns den Baghir Dagh, 
in weiterer Entfernung den Bulgur Dagh. An einer Stelle, 
welche Imamm Oglu genannt vnrd, und wo sich ein kurdi- 
scher Kirchhof an einem kleinen Bache befindet, lagerten 
wir uns nnd sezten erst am näclisten Morgen, 8. August, 
unsere Reise bis Siss fort. Die Entfernung betrug noch 
fun( Stunden, und die fruchtbare Ebene, nicht bebaut und 
nicht bewohnt, erstreckt sich bis eine halbe Stunde vor dem 
Berge von Siss. Anstatt lezteren westlich zu umreiten und 
dem Thale nach in die Stadt zu gelangen, die auf der Ost- 
seite des Berges liegt, auf dessen Spitze das Kastell steht, 
litten wir iiber den Bergrücken, der die Stadt südlich von 
der grossen Ebene trennt. Der Weg zieht sich durch ein 
beckenartiges Thal, umschlossen von kahlen und sehr spitzen 
Kalkkegeln, und als wir oben auf dem Grate ankamen, sahen 
wir erst die Stadt und das Thal von Siss zu unsem Füssen. 
Leztres erstreckt sich aus NO. in WS. in einer Länge 
von 4 bis 5 Stunden bei einer durchschnittlichen Breite einer 
Stunde. Am nördlichen Rande wird das Thal durch die Vor- 
berge des Karmes Dagh, den Distrikt von Kassan Oglu, be- 
grenzt, während es am südlichen Rande durch die wie eine 
Vormauer des Karmes Dagh emporsteigende Reihe von Fels- 
kuppen, deren Höhe wir gerade c^-reicht hatten, von dm* 
Ebene getrennt ist In O. öffnet sich das Thal in den Theil 
der Ebene, der sich am südlichen Gehänge des Karmes 
Dagh bis zum Dschihun ostwärts hinzieht, während es in 
West sich bis zu dem Bergstrome erstreckt, der aus Man- 
tasch Deressi kommt, südlich von Anabasa in den Dschihun 
sich ergiesst und der Bach von Siss genannt wird. Dieser 



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581 

Bach fliesst in geringer Entfernung westlidi der Stadt vor- 
iä>er. Seine Quellen liegen im Hintergrunde des Tbales 
Mantaseh Deressi, bei Tapan Ogln. Er ist von dem Tbale 
des östlichen Hauptarms des Seihnn durch den Bergrücken 
Ton Hndh getrennt und gehört dem südlichen Gehänge des 
Karmes Dagh an, während der erwähnte Arm des Seihnn 
am nördlichen Gehänge, jenseits Kassan Ogln, entspringt und 
die Hauptkette, wie der Dschihun, aus Nord in Süd fliessend, 
durchbricht Auf den meisten Karten fehlt dieser Hauptarm 
des Seihnn ganz. Die Trümmer der alten Krenzfahrerbui^ 
lagen wie ein Adlernest auf fast . nnersteigliehen Felsen 
dicht an unserer Linken. Das Thal von Siss ist stark be» 
wohnt nnd bebaut, die Stadt selbst ist klein und die dicht 
gestellten Häuser, die flachen Terrassendächer, die Cypressen 
und Sykomoren zwischen den Häusern, nebst einigen i;unden 
Kuppeln und halb verfallenen Minarets, geben ihr den eigent- 
lichen Typus einer wahrhaft orientalischen Stadt. Ein steiler 
Pfad führte uns in die Stadt hinab, deren Strassen, enge 
und schmutzig, sich steil am Berggehänge hinziehen. Am 
höchsten Punkte der terrassenarti^ sich erhebenden Häuser* 
reihen und unmittelbar am Fusse der Felsen, auf denen das 
Kastell sich erhebt, steht das armenische Kloster, wohin 
wir unsern Weg richteten *. Sowohl durch seine Ausdehnung, 
als durch die Grösse der Gebäude, aus denen es zusam- 
mengesezt ist und besonders durch das festungsartige Ansehen, 
gewährt dieses von einer Ringmauer umgebene Kloster, 
von der Thalebene aus angesehen, einen grossartigen 
und eigenthümlichen Eindruck. Das grösste der Kloster- 
gebäude ist die Kirche , die übrigen enthalten Magazine 
und Zimmer für die Mönche, deren damals sich 30 daselbst 
befanden. An ihrer Spitze steht der Patriarch von Sisa^ 
nächst denen von Erivan und Tauris der höchste der arme* 
nischen Kirche. Der gegenwärtige Patriarch Michael em- 
pfing uns im Prnnksaale des Klosters, der das oberste der 
Klostergebände einnimmt und von dessen Fenstern man eine 
herrliche Aussicht über das ganze Thal von Siss geniesst 
Das Innere dieses Saals überraschte mich durch seine 
* Tafel 5. Ansichl des Klosters der Armenier sa Siss. 



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BSS 

Ansttttuuff^ die ick hr Sim nkAt ^emtht bitte» fir M iswü» 
gan^ von Höh g^ezinmiert, aber inwendig; gemalt, wobei ober 
4en Fenstern nni Thuren ideale Landscbaften angebradil 
wurden y dat sckdiie Schnitzwerk ist sehr reich vergoldet 
und an den Wunden ringsherani waren DIvane angebracbt; 
Der Gesehmack der Versiemngen^ so wie jter Malereie«, ist 
nengriecMsch, Gold und Farben sind verschwendet, ohne 
etwas Schönes au schaffen. Der Saal selbst bat die Form 
eines Kreuses und im mittlem Theile desselben, getrennt 
durch ein Oelftnder vom übrigen Räume, sass dar Patriarch 
mit untergeschlagenen Beinen auf dem Divan. Er trug einen 
Manen Habit, darüber einen braunen Kaftan mit sdiwarzer 
Binde und eine sehr hohe, schwarze und einem umgekehrte« 
Kegel ähnliche Mutze, mit einem umgewundenen Tuche als 
Turban. Die Mönche waren in ihren Ordenskleidem, blaue 
HaUte, schwarze Kaftans mit Kaputzen aus Sommerzeug, 
rothe Fesse mit bimmelblauem Turbantuch. Der Patriarch, 
^in kleines braunes Männchen, von höchstens einigen fünfzig 
Jahren und mit klugen Augen, sprach nur türkisch und 
armenisch und empfing uns freundlich. Ich fibergab ihm, 
nachdem wir. auf dem Divan Platz genommen und die Ung«» 
weiligen orlentaHscIien Komplimente gewechselt hatten, das 
Empfehlungsschreiben AcuMED-Pascha's und unterhielt mich, 
während er sich dasselbe von seinem Sekretär entziffern 
Hess, mit dem anwesenden Bimbaschi * der in Garnison hier 
liegenden Amanten. Die Neugierde, uns Fremde zu sehen, 
führte nach und nach alle Mönche und eine Menge Arnauten 
iierbei, die uns aber nicht belästigten, sondern in bescheidener 
Entfernung stehen blieben. Der Kontrast der Mönche, fast 
durchaus schöne Männer mit grossen schwarzen Barten, in ihrer 
ernsten Ordenstracht, mit den im glänzenden Waifenselinuiek 
und In ihren Palikarenkostumen prangenden Amanten, war 
eine herrliche Augenweide. Die Frage des Patriarehen, 
ob er uns auch zu essen geben müsse, oder ob wir bloss die 
Wohnung in Ansprach neinnen, wozu er uns den Saal mit 
den beben und mit Aufwand dekorirten Nebenzhrimera an« 
¥rfes, überraschte mich; denn nie noch ward mir von der 
• Bimbftfldii, Bataütomcbef. 



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8SS 

Oaaifreiindsehaft des Oiientes dfesft Fragte gestellt ^Irorden. 
lek forderte nur die Wobnung und eraoebte den BimbaseU 
Ar die Herbeischaffnng der iiothigen Nahruagsinittel gegen 
Besahlung zn sorgen. Lezterer schickte nns sogleich Schafe 
vad Geflügel mehr als wir braocliten. Dieser Bereitwilligl^eit 
Zufolge ging auch der Patriareh in sich and sandte ans eiaa 
volle Ladnng Kaffe, Obst und Branntwein, was uns niebt 
nmuigenebm war, da wir derlei Gegenstände zur Reise nötblg 
hatten. Die Mönche selbst leben sehr einfach, Frucbl» 
baden ihr Hanptnahmngsmittel, wozu sie, wfe mir scbieni 
viel Branntwein trinken, den sie aus den hier waeiisenden 
Reben bereiten, während sie dieselben zur Erzeugung vofl 
Wein nicht bdlitttzen* £iner der Mouche liess es sich arh 
g^gen seyn, uns die Merkwürdigkeiten des Klosters za 
weisen, unter denen die Kirche obenan steht. £s ist eia 
sehones, würdiges Gebäude in byzantinischem Style, ohne 
Tburm und Glocke, an der^n Stelle auf dem Platze vor 
der Kinelie ein Brett befestigt ist^ dessen Ton, mit einem 
Hammer geschlagen, die Gläubigen versammelt Das Innere 
der Kirche ist g^eschmacklos mit Vergoldung und Malereien 
fiberladen, besonders die hölzernen Altäre, deren jeder*«B 
obern Ende einer grossen, verzierten Treppe sich befindet; 
Um das Presbyterium zu betreten, mussten wir unsere Stiefel 
ausziehen, und es wurden uns Pantoffeln gereicht. Die Frauen 
haben ihren eigenen, durch ein enges Gitter vom übrigen 
Räume getrennten Chor, eine im ganzen Oriente gewöhn- 
liehe Einrichtung. Die Gemälde sind von geringem Werth, 
nur In einer Seitenkapelle trafen wir eine Fusswaschung 
und ein Abendmahl aus der italienischen Schule, die durch 
einige ihrer vortrefflichen Köpfe Interesse erregen. Unser 
freondliclier Begleiter lud uns am Ende uosirer Runde zH 
sidi In seine Zelle, die rein und niedlich eingerichtet war und 
wo wir bei einer Tasse Kaffe eine lange Konversation hiel- 
ten. Um uns einen Begriff von seiner Gelehrsamkeit zu geben, 
brachte er uns zwei Bücher, deren Lektüre ihn gerade be^ 
schäftigte, das dne war der Tod Asstis von Gsssnkr, das 
andere Curtii7S, Leben Alexanders des Grossen, beide zu 
Venedig ins Armenische übersezt. Er hatte eine sehr richtige 



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S34 

TorsteHnng^ von der politisehen ElaifaelliiDg Europa^ 
genan nm die Ereignisse beim Tode nnsers angebetetoa 
MoDarchen, Sr. Mi^est&t Kaisers Franz, und ulierrasdilie 
uns mn so mehr tiaeli diesem , heilige Erinnemngen in ms 
henrormfenden Gegenstande, dnrcli die naire Frage, ob denn 
ttBsere Geistlichen noch nicht heirathen durften, ein Dmstaiid, 
der nnsern Armenier sehr beschäftigte und für d^i er selir 
eingenonm^in schien. Des frähem Aufenthaltes in Konstaa- 
tlnopel gedachte er mit vieler Wärme, äusserte sich aber 
ftber die Stellung seiner Glaubensbrnder zu den Anhängern 
des Islam mit einer Schonung und Klugheit, die s^nrnn 
Verstände Ehre machten. Vor der Besetzung dieser Proviss 
durch IsRAmM- Pascha, als die räuberischen Einfalle der 
Kurden noch ganz häufig waren, geschah es öfter, dass das 
Kloster von diesen Steppenrittern hart bedrängt wurde und 
sich durch hohe Summen loskaufen musste. Von dieaef 
Plage jezt befreit und wie alle Christen unter Mehsmed-'Ali'0 
Herrschaft kräftig gegen die Unbilden der Mnselmänner 
gesch&zt, ist es naturlich, dass auch hier von S^te der 
Geistlichen das Urtheil aber des Vizekdnigs Verwaltungs? 
System, das sie ohnediess auf seiner Schattenseite nicht 
kennen, nur günstig ausfiel. Nach einer stürmischen Regen* 
nacht^ brachen wir am Morgen des 10. August von Siss auf, 
ans nordwärts in die Gebirge von Kassan Oglu wendend. 
Als wir im Kloster Abschied nahmen, erregte der Umstand^ 
dass wfar die Kloster1>edienten mit Geld beschenkten, dep 
Neid der Mönche, und einige nahmen keinen Anstand, mm 
2u fragen, ob denn sie keinen Theil an der gegebenea 
Summe haben sollten? 

Die Hanptrichtung unserer Reiseroute von Siss nach 
Hudh * war fortwährend nördlich. Über das erste Gehänge 
der Vorberge des Karmes Dagh, das den nördlichmi Rand 
des Thaies von Siss bildet, fuhrt ein ausnehmend schlechter 
Weg, auf dem die Pferde genöthigt sind^, von Felsen za 
Felsen zu steigen , in das Thal von Mantäsoh D^ssL la 
der Nähe des Dorfes Gedikle, das in diesem Thale md 

* Blao sehe die Karte vom Taoras in den Paschaliken Adans wtM 
Marascb. J 



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facMHainr GeMeCe doifribei'vQii Adäaa gi^tlmnMnPhflebdlha 
M arasch liegt, liesichtigien srfr kn« 4Uuvf um 6Wge AutibMfe 
Yoa firarnükohle , die «iier wenig su verepreehear aehelMK 
¥<»! Gedikle föbrt der Weg den Tbale tnüam^ Ui aon 
Knde desselbea, wo, um nach iliidh su tuiBOittiei^ Min aaaiMk 
dlngs einen GeUrgsriiciben ersteigen amss. ünaer FOImr 
jedoch konnte dem Wansche aiebt widersteheo, eincteaeiacr 
Freande in Kara£rekli (ein seitwärts aad hock im GeUrgia 
liegendea DorO einen Aesuck im macheiK Wir verllaaacii 
daher nach ein paar Stundeay an der Mühfe dek BadacU 
Effendi, bis wohin wir wenigstens zehnmal darckden-gvosaea 
nnd relsaettden Berghach geritten waren, das Tkal- mid 
-ritten drei Stunden steil bergibi,* In dem Wahne, daas es 
so.seyn mönse, um nach Hudh sa Icommen» finlia Kam 
Erekli- angekommen, erfuhren wir, dass wir rein das Opfer 
der socialen Stimmnng unsers Führers wluren nnd den 
weilen nnd hSchst bescbwerfichen Umweg nur adaatwegtn 
gemacht hattem Übrigens wurden wir Yom Kli^ des JDotfaa 
mit Herzlicbkeit empfmigen; er liess ans.sogleidi fietloi 
ans seinem Hanse bringen tandnirter einem» Basme ausbieltai» 
es wurde Kaffe gebracht, Schafe wurden gdicalen' und iMm 
sah ics den guten Leuten an, dass sie die Eini^ehr des Frtmdi 
lings als Segen für ihr Usus betrachten. Überhaupt hatte 
ich Ursache die Turkomanen wahrend meines lialbjihrigMi 
Antentbaltes unter ihnen und in mancherlei Lagea Heb sA 
gewinnen. Im T&rken, an dessen Denkweise eine iUbereiiAe 
nnd misaT^ratandene Civilisation nocb nicht gnAttelt hal^ 
dessen chevaleresker Charakter, ein Nachklang der Altan 
Sarazenen-^it, noch nicht durch den Giftbanah verpestet 
ist, der von Stambal und den Divana einzebier Paichars. aoa- 
geht, liegt ein edler Stoffe Er steht geistig lUiediiger als 
der Araber, aber in- vieler Beziehung moralisch h&hei'k Er 
ist roh und unwissend^ aber häufig wahr, bieder and gerade M 
Wort und^ That. Je entfernter vom Treiben gtröaaerer StiUte^ 
desto weniger Fanatismus : bemerkte icli. Wie oft waiden wir 
von T&riiett in jenen Berges dringend gebeten, die Schwelle 
ihres Hauses zu betreten. Nie etat beleidigendes Wort gegen 
den Andersdenkenden ; Flauen nnd AIadeben:eradilanen'OMi 

RoMBUOBii, R«iaca. 1. Bd. 9. Tbl. 35 

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Aiviia^^'dfhrfVeiiHHing ebräid, i^er ste^wleAnr ieliH «nfl Uwe 
fflebräadie wbtet. CiiBere Gewehre ejrrBg^ten des ^Khija 
jind der ftbri|^en anweseii^s Tark<nnaheii Aafaieyksaimkeft 
ainri Aewoaidernng im böebsteti Gvndc. Sie bauen noch nie 
«PeriuisstMisschlSsser gesehen , und «venii "wir Ibnen zvtieb 
*ciii^6ewelir abfeuerten, bo erhoben si» ein Jaules JPreudeih 
'f^hveii iEnÜemangen der Orte sbid Ton 4eii Tuvkamanen 
sehr Mbwer zu erünbren, denn es lamugeü 4bnen ^nt 4ie 
iBeurtheilung des VerhälMBses z^iiseben Zelt und Raum. 
XHeselbeDistane^bt'der eine so 5, der andere-2u>1^ Stunden 
rnttf mndi ^ir kmiuten in Kara ErekU £.• B. nickt erfi»hi*aa, 
Iivie weit wirf noch nach Hudb baben, dem wir däobndiDn gane 
«iahe . waren. In zwei Stuadcm erveiehten wir des andern 
Tag^es, an obevnten Tfaeile de» Thalg;etiätf|fe8'bF}nreitMd, di^n 
Htiitergrnnd von Mantasch Deresai am tarkotnariiakthen D&tk 
Tapau Oglu. IMe Tbäler dieaea Thelb desTamia aebeineR 
rvldünehrfaewohut^abdie westBcbTonGAlek hegenden. Ao^fh 
661 nAv aiebr und mehr der sfchtbafie Wohlatand der Lttod- 
jente «auf, $je näher wir der Gränse kamen, je weiter wif 
«na VM 4ei» Oebtralipmikte »der Verwaltung •entfernten, ^t 
ideten Segen Wd «ribnehtendem Aulnebwuttge G^^t die Twiko^ 
«tn»en in ihren sctonen Taurusthälern bewahrt möge. 
Sie Leute, Männer so wie Frauen, sind nicht ^ar durchaus 
«te nelipner Menschebadilug) sendem 4sA% waren auch alle 
ftnsaerstvetDilieh'und anstinidig, vteletsugar pHiehllg gekleidet, 
«nd lyesöndejEa schienen die Männ^ aiot ^den Schm^k der 
Waffen, die sie förtwälirend tragen und nie «Uegen ^ viel 
«n halten. . fiberall kam man uns off'en und fretmdlieb ent- 
f;egeip, selbst diie Kinder, allerliebste, gesunde, niwttere 
'Wesen 'olt den AcMien der Lebensfriscbe auf Jen Wangen, 
«tcheuteb -aieh !r'Or uns Fremden liiebt 
''^ In Täpan iOglu eif obren wir, dass SAHMA^-B^y, der 
fläbptling von. Kassan Ogiu, ^dermalen i^cfa In Bndli mit 
meiner gannenFandlie aufkalte uind dert d^ Ernte auf seinen 
nnagaAehnten BesHzangen beiwohne. Wir iritten also wieder 
fast, drei Stunde» läi^ nletl das Gebfrg« Mnan «nd «rreicbten 
Irin sf^llr böeUlegpeiides und westlich steil in die Sdilucbt 
iba)cnilleben ttan^tarms das 5elknn abfalleades PUteau, 



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^53t 

wo zviisdieh B&umen efn%e iinanselinitehe , aber reinlfcbiB 
Häuschen zerstreut fieg^en , die der Bey mit seiner Tanifire 
bewohnte. Wir schlug^en unser Zelt unterhalb der \Vohnnngefti 
auf einer Wiese lauf und Hessen dem JBey unsere Ankunft 
melden. Kaum hatten wir uns bequem gemacht, so ersebienen 
die drei ältesten Söhne des Bey, heiTÜche Gestalten in der 
Tollsten Bläthe der Jugpendkraft, reich gekleidet und bewaffnet 
Sie benahmen sich mit vielem Anstand; doch der älteste 
von ihnen zeigte sich anfänglich etwas stolz, so dass icb 
es für angemessen fand, ihn sehr gleichgültig zu behandetn 
und gar nicht zu beachten, was auch sogleich wirkte ; denn 
er wurde dann eben so fi^euufflich wie seine Bruder. Df^ 
allen SAMMARA-Bey fanden wir in etnem dunkeln Ranme 
seincfr Hiitte sitzend. Wir hatten schon Platz ^enonmieii, 
als die Söhne noch immer voll Achtung vor ibretii Vat^ 
stehen blieben, so lange tiis er ihnen die Erlaubniss gab, 
sich zn setzen. Worauf der älteste Sohn zuei*st Platz nahm, 
dem dann erst die jSngerh folgten. Dieise kindllctie Ehr- 
furcht des Jüngern gegen den Altern ist eines der haupt- 
«ächlichsten Bande der bürgerlichen Ordnung, nicht nur bei 
den Turkomanen, sondern bei den niesten Völkern dc^ 
Orientes und überhaupt bei jenen, deren Verfassung ent- 
weder heutzutage iioch eine patriarchalische ist oder det 
das Prinzip der Herrschaft durch die Altesten und Ange* 
sebensten des Stammes bis herab auf die Familfenobe^h&npter 
zu Grunde liegt. Ich theilte SAMMARA-Bey den ^wedk meiner 
Reise mit, dem zu Folge Ich gesonnen war, den westtieWn 
Tbeil von Hassan Oglu zwischen der Centralkette des Baghtt 
Dagh nnd Karmto Dagh und dem östlichen Hauptarme des 
Settän, der unterhalb Hudh nnd westlidi von Mantäsch 
Deressi voruberfliesst, zu bereisen, um die Efsenminen und 
Elsenbfitten der Turkomanen näher kennen zu lernen. Der 
gute Alte versprach meiner Absicht nach Klüften zu ent- 
sprechen und trug einem seiner Söhne auf, mich auf dieset 
Reise zu begleiten, wodurch natürlich für meine und meiner 
Gefährten Sicherheit In einer Art gesorgt war, die die vollste 
Beruhigung gab. 

Schott während der lezCen Tkge mwerer Reist luilto 

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ieb sridi miwoh) g^ohtt iipd nor mit ^sAge^ Selbstb^heir- 
BAnag das anhaltende Retten ausgehaltea. Als ich aber von 
.Sammara^B^ in meia Zelt zurucbk^te, befiel mich ein so 
.betwbender Kopfscfamerz, (|ass ich unterlag und mich nicht 
.mehr axtt den Beinen Jialten konnte. Am 12. August er- 
reichte, mein Leiden, das mit Fieberhitze und Deliriuia yer- 
buudei) war, eine Höhe, die Besorguiss erregte* An ärzt- 
fUche Hiilfie war nicht zu Renken; denn der nächste Arzt, 
«dem ich mich hatte aavertraiien können, war mein Freund 
.JDf. YuT in Golek, der aber nicht ohne einen achttägigen 
«RiM durch Tag und Nacht in Hudh hätte anlangen können. 
,1a den M (m^tea der Besinn^g verlangte ic;h Bluteutziehung, 
fUnd es iprarde ein Turkomane b^rbeigebracht, der sich diesem 
Geschäfte unterzog. Er machte pir an den Schultern £in- 
Mhoftfe im die Haut und sog dann mittelst eines Horns, 
desseu ^ sich als.Schröpf^opf bediente,. eine Quantität Blut 
aus« Trotz der Wiederholung dieseir Operation fütüte ich 
keine. Erleichterung, und das Liegen in einem kleinen und 
«ffenrn Zielte machte qiein Leiden, da ich theils der Sonoen- 
bitze, tbeib dem starken Windzuge äusgesezt war, uuer- 
/trB^lieh, Von Seite SAMiiiARA-Bey s und seiner Söhne wurde 
.Hiir eine Aufmerksamkeit erwiesen, deren ich mich 9tets 
•d^kb^r erinnern werde, und die ihnen um so mehr Ehre 
.machte,, «da sie einepa Fremdlinge, einem Chiisten galt. 
Meine huiflose Lage ijni Zelte sehend, räumten sie mir eine 
•B^tte. ein, die, so schlecht sie auch war, mich doch vor 
.Wind schüzte und mir Kühlung gab. Da sich mein .Zustand 
nisht besierte, so beauftragte ich am 15. den B^gofGzier 
.SzLAiffix die Reise zu den Ei^eauninen mit Ginsbcrg und dem 
•einen 3|i»hv^ <les SAMMAi^A-Bey allein zu machen u.nd mich 
In Siss zu erwarten. Ich selbst blieb mit AcHMEo-Kaptan, 
•AfORTßCH und laRAuiM in Hudh zurück. Die Macht nach 
ihrer Abreiße wird mir unvergessfa'ch bleiben. Die Delirien 
wurden heftiger und ich kam nur kurz vor Mitternacht auf 
-eine kurze Zeit zur Besinnung. Ich fühlte mich in einem 
sonderbare« Zustande, trotz der Hitze, die in mir glubte, 
waren Füsse und Hände steif und kalt. Überzeugt, dass es 
4te leite .Jiacht meines Lehens aey, trug ich Mortsch auf, 



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SSO 

das Ndthig^e zu besorgten. Achmsd- Kapfan nn^ Ibkahim 
lagen ebenfalls krank anf Ihren Feldbetten und konnten sich' 
nieht regen, und Mortsch war also der einzige, der 4ie 
ganze Last der Krankenpflege mit nnersehiitterlicher Geduld, 
mit Liebe und Treue, durch Tag und Nacht trug. Als Ich 
ihn bat, mir meine Lieben im Heimafhlande zu grüssen, 
erfüllte mich der Gedanke, so ferne In diesem Winkel Ton' 
Asien ohne Hiilfe zu Grnnde zu gehen, mit unendMchem 
Schmerz, und Ich fiel wieder in das DeRriiim zurück. Da 
half sich denn endlich meine nngeschwachte Korperkraft 
selbst, und bald nach Mitternacht trat ein starker Scbweiss 
ein , den ich, wieder zu Sinnen gekommen, sorgfaltig unter- 
hielt, nnd ich war, ohne dass ich es ahnte, gerettet. Dem* 
Scbweisse folgte starker Ffeberfrost und diesem wieder 
Fieberhitze. Mein Leiden sprach sich nun als ein heftiges 
Wechseifieber ans, dessen Anfalle schnell auf einander folgten. 
SAMMARA-Bey hatte gehört, dass dar Arzt der Expedition' 
sich in Giilek befinde und sandte daher noch am 16. 
einen Kurrier, der Tag nnd Nacht reiten mnsste, dahin ab,* 
um Dr. Veit zu holen. Die Delirien stellten sieb Wieder 
ein, AcHMED-Kaptan und Ibrahim waren nicitt weniger leidend, 
Mortsch * konnte vor Anstrengung sich kaum mehr anf den 
Beinen halten, und unser Zustand war wirklich Erbarmen 
erregend< Da verfiel ich auf den Gedanken Chinin zu nehmen, 
von dem ich eine Quantität mftgenoihmen hatte nnd mit 
dessen Anwendung ich bisher aus Unkenntniss gezögert 
hatte. Am 21. August konnte ich schon wieder das Bett, 
d. h. meine Hängmatte, verlassen, auch Ibrahim ward besser 
durch einige Dosen Chinin, die ich ihm gab. AcnMEi^Kaptan'^ 
aber, der diese Hiilfe zurückwies, blieb in seiner leidenden 
Lage bis zum 23. , wo er sich denn auch zum Gebrauche 
dieses Heilmittels bequemte und schnell Besserung verspürte.' 
Am 2Si. Augnst kam Di". Veit mit meinem Bedienten 
Karl Dakiblon an. Da ich bereits so weit hergestellt war,' 

* Der treue» ergebene Mensch, den leh als werthen Freqnd be* 
trachtete, unterlag dem infernalischea Klima von Sennaar im Jahr 1837. ^ 
** AGHM£o-Kaptan starb im Jahr 1839, ein Opfer des Klima, an den. 
Ufern des weissen Flusses zwischen Sennaar und Kordofan. 



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itm Uk ii||ji4ef m Pfer4e sitzen k«mt#, m btddMoai ich 
df9 nich/iteii Ta^ nadi Siaa «bEOg^hea^ wo mich SsLiBir 
nodl QuisBEEo bereite erwurtet^s» 

Bei ^iner Durchreise 4iirch Adaa« erkniiAg^e sieb Dr. 
V^ im Uauptdepot des Milit^-Spieals der HaiiptetftdC des 
Paspbalikes tun eine l^letse QoaottlSt Chinin, da er sieb 
nicht mehr ednoerte) mir welches mitgegeben zü bsbes, 
«her es wajr keines zu findeni» So war also in Ttiaiiiis 
i^cht einoial eine Apotheke; in Adaoa war zwar eine solche, 
aber "ohü^ die in ditoem Lande der Ftelier nothjgste Arznei. 
Wieder ein Beweis, dass das Sanitätewiesen der egyptisi^ea 
\eriraltiing yiieUeicht g;an% vortrefflich w&re, wenn es n» 
k^iae KranlLen gäbe. 

Die von On Vkit aus Cjnlek mir mitgebrachten Nach« 
rjchte^ waren mir sehr unangenehm. Borbäni war abge- 
reist ntfd tüelt sich in Thajrsos auf. Pritckners beide eiste 
l^chmelzversucbe hatten zwar etwas Blei geliefert, aber 
wsfrsn mit solchen Umstanden verknüpft, dass sich der einge- 
schlageoe Weg. a^ ökonomisch uaanwendbar zeigte* Durch 
eine iphegceifllebe Nachlässigkeit der Verwaltung hattea 
die Bergarbeiter auf dem Maden «Tepessi durch acht Tage 
l^eiae ^ationea und keiu Öl • zum Geleuchte erhalte«, ob- 
wohl alles in Gälek vorräthig lag. In Folge dieses hatte 
sich das ßei^^rsonal ^port. Die drei Rädelsführer schössen 
auf den Nasir^ als er sich bei den Gruben sehen Hess, trafen 
ll^n aber, nicht u^d entflohen In die statische Türkeis Da 
diesen Gmständen zufolge meine Anwesenheit in Giilek 
dringend nöthig war, so beeilte ich meine Reise daliin so 
viel als nnoglicb. 

. Am. Morgen des 26. verliess ich mit Mortsch, iBRAmn 
tui^ meinem Tschausdi meine Gefthrten in Uudh. Wir 
nahmen den geraden Weg durch Mantasch Oeressl und 
Hessen Tiyän Oghi und. Kara £rf kli links auf den Gebirgen 
Hegeii. Das frohe Gefühl, das mich an diesem Tage beseelte, 
als ich durch die Auen von Platanen und bliihendem Oleander- 
Gebiscbe ritt, die den Grund des schönen Alpenthals er- 
f&lien, ein Gefnhl, das mein Braune thellte, der nach der 
langen Ruhe mehr tanzte als ging^ kann ich nicht beschreiben. 



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5M 

I 
I 

S^bfidh^Mch M €Hileii »iditK OotesiTor mir, «oT «mr fdf 4*JK 
dem Leben wieder gppgy»bea, trat naHtetütittd^ wM^r Ift 
sei« bimtes Treibe» ein^ und alle Uliffiioiigeii, elost: ^lücklicli 
mein HeinHBitb.laiid wi^er zu aeben, die leb in Bhidb akf 
erlfMsehen ansaht erwacbteji: mit neuer Glttth. * 

Nach-, einem achfaffimUgen Ritte langte« witr bei der. 
MoUe den HABscm-Eifendi an, aaf deren Oaeh wtr4te Kaahtf 
a^nbial^ten, und TagB darauf trafen wir tn Sias eim 

Oa» amenüM^he Klonter war toU gepfrepft von Jf enaeheii^ * 
die an$> der ganzen Ufldgebnng der Feiertage d6o Wdntee. 
wegien zusaaennepgehomnien waren. Wir qnartlrieR nte daher 
auf der Akane eines Privatbasses ein, wo wir aftdb arit* 
SzuiBRir- nnd GiKsasaa ensanimetitrafte. 

SfsuasY iUbergab mir seinen Relseberieht, d e neea aehTi 
iatecnssanten geognostlschen Tbeä leih in der geognnstMcheil 
Skizze des Tauros im Detail aufnebme nnd deisen itbrigeir 
Iphalt Ich im Na)cltfblgenden mittheilen werde. 

Am %9. kamea auch Dn Yzir und Acaian «^Kjiptaa 
T4)ii Hndh heilih an und am Morgen, des 311» Yeilt«siMti< 
mr 1^8$. Wir nmrftten dieasmal den Berg yron Si^ jnnA' 
schtog^a dei% geraden Weg naeh Adana- In Siidiveat ein.l 
Wir zogen am rechten V(br des Baehes ran Siss', itnserft 
frühere Roote östlich liegen lassend, den ersten. Tag bis 
Chan Deressl^ einem von kurdlscken Ranbern öftar hesuaitleti^ 
La^rplatze an einer Pfiitze. Westlich nnd nahe an hna l^Lg' 
der Baghir Dagb, wo im Diatrflcte Karstan Ogla. bei. 
Kassanbe die Turkomanen Eisenerze versebmelzen» Uni! 
Mitternacht brachen wir wieder auf, mnaaten: aber nach*, 
wenigen Stunden, da nnser alter OiNSBzao das anhaltendec 
Reiten nicht vertragen konnte, einige Zeit ansmhen. Der- 
Morgen war empfindtidi kalt, nnd es fiel staricer Than, s»: 
ciass wir vor Sonnenairfgang wieder nnsern Weg fortaeatc«* 
und Vormittags 10 Uhr am 51« in. Adana ankamen» Wir^ 
lagerten uns vor der Stadt in einem Garten,, nahe aoi reditfea 
Uler d^ Seihnnv AcnMEo-Pascha litt neuerdings .am ßeber, 
empfing aber^dkicb nnsecn. Besuch, nnd indem, er uns. die/ 
Wefla erimlfeenen Kachrichtain -anaveBlek bestfS^te^p «heilMl 
er mir die. ilngenehm0f.Kuude> mlfe^.dass; dleriKiiegsArigi^ 



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542 

SdMM^h^Btai^DiMlitbftid ran U K^tnoiiett vor Tharsn« bereit 
]l0gBf'Vim uns- nach Beirut zn bringen. 

in der NÄhe unaeivi Lagers zu Adama befand sich- ein 
fiSrfoheny Ton freigelassenen Negern belohnt. Die Söhne 
des heissen Südens ^ aus Darfur, Kordofnn und Sennaar, 
battea sich hier* ganz nach: dem Gebrauche ihres fernen 
Vatei^Iandes etabiirt and sich ihre Toguls^ runde aus Stroh 
und Reisig gefloehtene Bütten mit spitzen K«geldä<Aem, 
etitbaiit. Ak wir Abends über die -weit: ausgebreiteten Kirch- 
höfe Ten Adana gingen, fiel mir der entsetzliche und Ek«l 
esrragertde Leicheagpruch auf. Er kam daher, dass man die 
Geiroftnllieit* hat, die Leiehea fast gar nicht einzugraben, 
sondern eigentlich nur leicht mit £rde 2u bedecken.* Die sich in 
der warmen Jahreszeit auf diesen Leiehenfeldern entwidieln- 
dea XUasmen, in Verbindung mit den dumpfen, finster« 
Wobnongen der Einwohner, mit ihrer Faulheit, ihrer schlechten 
Nahrung, mit dem gänzlichen Mangel an brauchbaren Ärzten, 
Arzneien und' energisch von der Regiei*nng unterstazten 
Sttnitits^Yorsi^hriften , alles dieses zusammengenommen er^ 
U&ft Jiittlarngllch 7 wie sehr ansteckende Fieber, Typhos, 
Cest etc;, wenn nur die leiseste Anregung dazu sich ergibt, 
hier ein bereits rorbereitetes Feld finden. -i 

Um naeh Gülek zurückzukehren , wählten wir die ven 
Adananach Gülek Boghis führende Militärstrasse. Wir Ter« 
Itl^en Adana noch am Abende des 1. September und ritten 
über dieJEbene und die Vorberge des Taurns bis zum west- 
lichen Hauptarme des 'Seibun bei Eiäk-Tschaach-Haad , wo 
der Fluss ^uesehr bedeutende Wendung macht Wir durch- 
ritten ihn^ sezten>nach einer kurzen tRuhe unsei*e Reise fort 
midi erreichten *mit Tagesanbruch denselben Arm des Seihiin 
axNn. Zweitenmale. Wie der östliche Hauptarm entspiiagt, 
aiKh er am Hordgefaange des eilidschen Tauras, durchbricht 
die Kette «wischen dem Bulgur und Baghir Dagh und wendet 
sich gegen Adana,' wo er mit ^enem in der Ebene nördlich 
der . Stadt zusammenkömmt« Seine Wassermenge ist bei 
weitem >geringer als die des östlichen flauptarms und sein 
Bett am Rande der -Ebene ganz seicht. Wir darebritteiK 

Fl«fs.;Zttm.ZweiteiimaIe and trafen an jeinem rechten 



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S4S 

Ufm* Mtnaret- Chan , die Ruinen ef ner Moseliee imd ehies 
sehr g^rossen Caravanserafis. Dfe nrsprüngliclie Antag^e 
dieses Chans miiss sehr grossartig; g;ewesen seyn, denn noch 
siebt man nngebeare Gewdibe, Höfe nnd Magazine, aber 
alles im Yerfaii. Mitten im Gebäude wachsen Halme, der 
Epbeii nniSGhIing;t die grauen Manern, und wo einst stolze 
Araber wieherten, zischen jezt Schlangen. Diesen Gang 
^ehen Im Oriente alle öffentlichen Gebäude , höehstens 
Moscheen nnd Brunnen aosgenommen. Einmal erbaut, wer» 
den sie nie ausgebessert, und der Zahn der Zeit nagt unge- 
stört daran. Daher sind unter hundert Briicken nicht eehn 
in gutem Stande, daher liegen die Chane in Trümasem, daher' 
sind viele StRdte nur Ruinen-Haufen. Bei Minaret-Chan 
beginnen die eigentlichen Vorberge des Taurus, gemadele,' 
znm Theil mit Wald bedeckte Berge, welche mehr nnd 
mehr zu grösseren Höhen ansteigen, bis sie sich dem eigent- 
lichen Hochgebirge anschliesseu. Lezteres beginnt auf unserer 
iloote fast 6 Stunden nördlich von Minaret-Chan am Bmmieii' 
Thekalu-Oglu-Dschesmessi. Die Strasse fQhrt JTaselbst durch 
eine enge Schlucht, in der auf heben Felsen rechts und 
links die Trümmer alter Genueser Burgen und Warten sich 
erheben, die dem Bilde einen höchst pittoresken Ten er«- 
theiien. ' An dem schönen, von hohen Bänmen umschatteten 
Branneti von Tschadall Og;ln verliessen wir die nach Güleli • 
Bogbas fahrende Hauptstrasse und ritten links über dtie* 
Waldhöhe in das Thal von Gülek und kamen an der Schmelz« 
faötte um Mittag an. — Meine Geführten dasellvst hatten 
unter dieser Zeit das Lager abgebrochen und sich In das 
von BoREANi verlassene und bequeme Hans, wie alle iibrlgen 
ganz aus Holz gezimmert, gezogen. Der Gesundheltszn- ' 
stand 4er Expedition war bei meiner Ruckkehr nicht der 
erfreniicbste. Süwatowsky lag an der Ruhr auf den Tod 
krank *, PiRCHvrER litt am Nervenfieber , Voitavxk und Kotsghi 
hatten Bnistlelden. Wir, die Nenangekommenen selbst, 
waren säihmtiich Reconvalescenten , und besonders ich litt 
noch lange an Firber-Än fallen. So gewann unser neues 
Hans so ziemlich das Ansehen eines Spitals, und Freund 
YsiT katte. vollauf Arbeit 

* Er starb im Winter 1836 bu Quiek. 



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344. 



Viirkf)ipn^Uie^ In de^ Vlittlevii .d«a Ravuif)« iti|d.B|iv- 
Hlr Dagrlt in dem liisirfkte Hassan Og-lu* 

Am; li5.^ugual; hatte Hr« SziiAbsy mit Oinssbro Jnr»Fd)g6 
tttinesk Auftrages die Iteise zu den ElsenmigeD • aogfetreton 
mid dieselbe bis 2d. August iH)llepdet , an ^ weldiem Tage 
büeida' in fitss eintrafen und sich dort luit miv am dtfaut 
fsl08mle&.Tagfc wledier Teceinteo. Himsiohtlich der Loliali- 
8iff«n{(. fatttte ioh' die diesem Bande: beigegebene- Karte des 
Taun» naehzuseken.und fuge hier nur li^rz einen gedrängte 
Awug ans Si&LABBY*a Tagebuch bei , der ganz einfaich das 
Itinevar aefaier gemachten Reise enthält: 

' Am 15» August« Von. Hudh in. westlicher Riehtung 
uad'>UMt;steUen Berg Unab an das.llake Ufer- desi ostliehea 
Hauptarnm des Seihuu* Auf dteaem Wege getroffen, das 
Dorf l&oUtp, mA Ruineti. Das tiefe. Thal , durch welches 
derSeihua^ hier D)dk-Su genannt, .fiUesst^ menuen die £in- 
gefasrneil : Baehr Arrassi. Eine scUi^Ghte hölzerne Briieke 
fibfft.aBf das. rechte Ufer Unäber nach Feolie, dem Aaept- 
sitze des äkesten Sohnes. des SAMMbARi,*Bey und daher aach 
SammariiirOgiu. genannt Unterhalb des Dorfes Rnmeu 
eiuer^chrisdichen Kirche und oberhi^lb Huinen- eines- sehr 
festen Sohlasses aus dea- Zeiten der Kreuzfahrer. 8 Stunden 
sfidiich von Fecke liegt am. rechten Ufer des 8fiili»n das 
fe8(»ScMc6s;Beilen oder Beiten Köi. (Dorf Seilen), die Hanpt- 
BeaitauDg des SAiüMARA-Bey. Von Beilen fiihrt eine Strasse 
iu'Sidwest.imchden 10 Silitiden entfernten Kisengruben am 
lunik Tepessi, am linken Ufer des Seihun. 

Ain Ift* August* In WWS« nach dem Dorfs Kdselje 
undiv«iterin das Thal des Sapandere, der, vom. Hechgebirge 
kommend, sieh .In den Seihun mündete Am Dorfe Sapandere 
vereinen . sieht d«ff Sapandere und der Bach von Korumsza« 
In ctaer.Bfitfervuiig von Feke 3^ Stunden und von Sapaadiere 
^ Stunden.in SSW. kam SzLAB£Y.nach dem Dorfe Korumsza 
-imigleiehmuBigen Thale, fieivohnei!; Griecheu Und ArmeiHer« 

An» ir«. August. 6 Stunden in NNW. von Korumsza 
anCiiieuHoiie den Ceetralkette des Bagfaic Dagh, Übergangs-, 
punkt in die asiatische Türkei nach: Kaisarfeh;' Bis» Melier^ 



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ftiS 

zielit sfek die HanpAetCe wn Gülek' ans. tet West In Ost; 
hier aber wendet sie sieb scharf in NfK, so dass der Baghir- 
Oagk daselbst eine Art VongeUrge bildet. 

Am 1^ Angust» 1 Stniide NW. vnn KnmaMUi' tüL. 
den Scbmeteöfen in Arbarsohe nnil von da;, aj^ Stendeni 
NWW. B«eb de» Dorfe BagAiebadsehig. 

Am 19; Atugust. & Sftonden in W« nach dem Tbala 
Ti^ressi ««d «vom glejcfanamigfen Dorfe 2^ Stunden: naeb- 
dm Dorfe Maserle am Takiakdrpi, der Ba«h des Thslea: 
Tip DereMii 

Am ÜD. Aagmst« Rasttag an. den fiisenhMten! bei 
Maserle^ 

Am %l. A^ogttSt. 1 Stonde in> West vton Maflfirfe 
nach dem schönen und grossen Timle fti» Deresai, bafvöbi^' 
von nemadisirenden; Turkomanen^ % SdnideD dem ISiale 
naeh ia N. naeb deH Etaenminen am. CKUipo^h; Deroaai' Im 
Ceatmle. der beben Täurusk^tte. 

Am 22. August 5 Stnnden in SSOü dem TaktakArpt 
Ton Maserte aus naohgegangeii und nach. JumM auf deai' 
Hochgebirge: am reelutea Ufer des Taktakörpi. 

Am 2a. Aiugust 5 Stunden in SSO. an dka reckt« 
Ufer des Seihun im Tbaie Knmpükh Aii£ diesem Wege 
wui'de das Seiteiitiml Dsehimarkaare ToHer AlpentriAen 
(fHeec darclszegen. Es mundet sich weiter andiich im Bmxptr 
thale, des Srihun. Der Sethun wurde, im Thaie Kumpüki 
auf ekw» hölzerne» Bi*Ueke passirt. Er ist Mar selnr ' 
reich und könnte ohne sehr beträchtliche Kosten wi 
für Flösse falnbar gemacht werden. 

Asa 24bc Au giltst Duvch das Seitentbal dea Seihnn, 
Karai DisMihale. gtenannt, 4. Stunden in SSO. nach dkm Dmrfe. 
Ka^ afedej^e und . von ^ 2 Stunden iniMW. nach de« graaaev. 
Ekienoilflen; am lonik Tepessi, am linken Ufer des Seilran« 

A^ra; 25;; Attg;u»t« fta«ttag bei: den Efaemnittca •aas 
Imjik T^peUsi. 

Am 2» August; 8 Stunden in SSa nadk Sias. A» 
linken Ufer d#s grosrnn Baehes von Mantasch Oleressi; 

D.^r gSinse.GehiPgBtug^ den Szumby auf aainer Rotiie la^ 
ui^rav^n «tnieehtt tiefeiiigesobnitteatn TbÜemai uoteraaekiaj 



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Gd^eoheit hatte, gpebfirt einem Systeme von Schtefern, 
dichtem Kalkstein und Massen Euphotid-attiger Gesteine 
an, dessen nähere Bestimmung ich später versuchen werde. 
Eine Menge von Eisensteinlagerstätten, und unter den mannig- 
falt^fsten ^Verhältnissen auftretend , charakterisiren diese 
Formation. Die Eisenerze werden von den Bewohnern an 
vielen Punkten gewonnen und auf eine eigenthnmliche Weise 
vevsebmolzen. Die interessantesten Lokalitäten in dieser 
B«^ehung fand Szlabey zu Acharsche, Bagdschadschig, 
Maserle, Tipideressi und am Innik Tepessi. Ich werde, um 
die später folgende rein geognostische Übersicht dieses 
Theils des Taurus durch technische Details nicht zu unter- 
bnechen, leztere, in so ferne sie allgemeines Interesse haben 
divften, hier folgen lassen: 

Eine halbe Stunde westlich von Acharsche, oder von 
Komoisza 1^ Stunden, befindet sich iin Euphotidgebirge 
meist Serpentin, und in der Nähe des dichten Kalksteins des 
Centralr&ckens eine sehr mächtige Lagerstätte von Thon- 
eisenstein mit Eisenocker. Auf der Hohe des Berges zeigt 
das Lager nur die Mächtigkeit eines Fusses, nimmt aber 
dem Gehänge nach herab sehr an Ausdehnung zu. Die 
Erze geben gleich unter der Dammerde zu Tage, und die 
Einwohner von Korumsza gewinnen sie im Herbste, nach 
Beendigung ihrer Feldarbeiten, durch eine einfache Abraum« 
arbeit über Tags. Diese gewonnenen Erze werden nach 
Acharsche gebracht und dort im Laufe des Winters ge- 
sdimolzeu. 

In demselben Euphotidberge befinden sich mehrere 
solcher Lagerstätten, die dieselben Erze fuhren und ihrer 
Lage nach alle geeignet sind, durch Stollen sehr vortheilhaft 
aufgeschlossen werden zu können. Auch das zunächst die 
Lager begrenzende Nebengestein ist von Erzen imprägnirt, 
doeh des geringen Gehaltes wegen un bauwürdig. Der anf 
den Lagern selbst einbrechende Eisenstein ist höchst g^t- 
ar^, leichtflüssig und zeigte nach nnsern Untersuchungen 
einen Gehalt von 53 £ Roheisen, woraus sich an Gareisen 
, ein Gehalt von beiläufig 30 ^ berechnet. Bei der damals 
beitandenen Tagarbeit eroberte ein Mann des Tages im 



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547 

Dnrchscluiitt 3 Zentner £rze , bei weldier Arbelt sie sfch 
gewöhnlicher) aber äusserst sdilecht constiiiirter Breeli«* 
üveibenge bedienten. Znr Verschmelzung dieser Erze be* 
standen in Acharsche vier Öfen von folgender Konstruktloil. 
Der Ofen ist ans den hier gewöhnlichen Bansteiaen, Kalk- 
stein und Serpentin, aufgemauert und der Scbadit von innen 
mit Thon verschmiert. Die Lichte des Schachtes ist ein 
Kreis, nach unten wird derselbe konisch zusammengekogeii, 
der obere Durchmesser beträgt 3,5 Fuss, der untere 1,5 
und die ganze Schachthöhe ist gleich 12 Fuss. Die konisebüe 
Zosammenziehung des Schachtes erstreckt sich nur «nf das 
unterste Viertel seiner ganzen Höhe. Am Boden des Ge- 
stells, wenn man den unten verengten Raum des Schachtes 
so nennen will, ist anf einer Seite des Ofens eine 1 FoSti 
im O haltende Öffnung angebracht, durch welche am Ende 
jeder Campague das Stfick Elsen (die Sau, Wolf, Luppe 
n« 8. w. nach unsrer technischen Sprache) herausgenommen 
wird« Dieses Loch wird während der Schmelzung ver- 
mauert, und man lässt nur ganz am Boden eine kleine 
Öffnung als Stichloch offen. 

Die Form, aus Thon verfertigt, liegt 1 Fuss ober der 
Gestellsohle, die Öffnung ihres Rüssels ist ein Kreis von 
2,5 Zoll im Durchmesser. Die Form wird so eingelegt, 
dass die Richtung des Windes im Mittel des Gestelibodens 
anfstösst. Man schmelzt mit ü Düsen und runden Bälgen, 
durch Menschenkraft bewegt. Eine solche Thenform dauert 
bei beständigem Betiiebe anderthalb Monate« 

Dieser so konstrnirte Ofen wird vor der Campagne 
gehörig ausgewärmt, zur Schmelzung selbst aber mit Kien 
und Cedernholz angefüllt. Diese Stücke Holz erhalten, bei 
2 bis 3 Zoll Dicke, den obern Durchmesser des Ofen- 
schachtes oder 3,5 Fuss znr Länge, sind gut ausgetrocknet 
nnd werden so im Schachte eingelegt, dass sie sich im 
Mittelpunkte immer kreuzen und folglich die Lagen unter 
sich eine Spirale von unten nach oben bilden. Der Ofen wird 
unten angezündet und das Feuer durch 3 Tage, unter bestän- 
digem Nachfüllen des Holzes, unterhalten. Am dritten Tage 
lässt man das Feuer 3 Fuss unter den Gichtkranz des Ofen« 



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grmUBn fitteken 'imd okte aUen Znsdifaig^ 1 !FIms diociu 
JMe «bdgmi sWei Fiiis lim •Sehachte anf dkn firMK werden 
.«vMer iirit iEtk atiflgefiiilt rad JlieacB selbrt '«vkI Am 
-liber da» 'GkliliLraBSe des 'Ofens aiifgetkämit. Mm ivüd 
;dM iScMiriiMli «telei hli anf Jm Südiloch geadkbisseB «tid 
iiiaa flehtttte Aogelasaen. !Bd gntem fiange des Ofens kten 
.da« iüQ^ekMi der Eragichten aUe iswfei Stnmlea in^derlialt 
^iitfeiden, bd »scMedlteai ab^ nur aUe drei. Die Sdiladte 
tjffiflrtat.jdBlch dasSStfeUoch ytm seihst ab md nar tod Zelt 
.M Zeil wkd oad^^lfen. Alle swolf Steaideii wird iA 
fidhlrbch 'im Gestelle |;eBffnet and das nltt dSchlaeke ge- 
^Mengte 8laok4Siaeii, JiaH> mb uod halkgeMadit, beH&o% 
M Okktt oder iW7 Us G8 'Pfid. sdiwer, hei-aiu^erisseB, ^\me 
fedecii de« Chaig des Ofeas «a oaterbredieii. Die Schlaekfe 
Mi nieiaifsehr leiektfliMig, aber anch »ehr eisenrekh, so 
tdkwa 4cr Sekanäia^hgaog dek «dir luKsk «tdlt Bei eineaa 
•geien Ofeagaage, genlig Ers utid Holz, daaert die gattse 
rC-iuti^gae*eiii6a aokheo Ofens an ^ Moaate, Inacb welcker 
Zdt er einer radikalen Reparatur bedärC Die 6kkt hKt 
jvnt&rüdi ^ets tsehr Jidite mfd die Flanune sdilag^ heeh anf 
:«nd jswar biher an warmen Tagen als an Icalten« Oaft alte 
.4^ Ofim genommene Stfick £isen wird dner eigeien Fdsck- 
.arbeit natencogl» add zwar in gaas eigentbiimlich kaa- 
«etmirienHierden^. Dieselben werden aas demselben Materiale 
jgemaiiefft wie die Sdbmelzölen. Der horiaontale Oaerscludtt 
des Herds bildet ewe elHpttKhe FÜete, die siek naek yonfe 
fffässelaattg vereagt mid in der nkmlidien Richtaag stark 
f^ueigt ist Die grossle iomiUigige Läage des Herdes «der 
ia b Jst s T' ^S seine grösste Breite = 0' <H'. Über die 
JfiadieJes Herdes wird dn GewdUbe gespamit, ieaäen gröitster 
Akümi f c sroB 4er sckiefen HerdflSche 4' betragt Am 
dilntera Slide des Herdes befindet dek die S' breite lind F 
W koke ÖAi«% ef znm Eintragen der Keklee. Am vordem 
tEQde Uas« man dtte ft' l>i<dte «ad B' 6" ifobe Qffaueg 
^k 338 ftiiy um mGttelst daer üoiioke die glUienden Kohle« 

^ Man sehe die Zeichnung^ eines Frischberdf s in Korum«za. Grvtttf- 
%k« wa4 vwei vertikale Darehselmitlt. 



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DI« tiMiMtICB Vfl 

-emlreckl M«b um dieser Öibmf pr b Ms 
4et Sshacliunw «, wo Ae Breite im HmriBn t* hNiift 
INe cig Mt it ü ie Liiq:« dlMer VeMRgViif oder b v ist i» V 
tel deiMlbeii betrifft ite IMbe rom 4er Henl- 
«Möfte, mier ▼• k lO''. i Int Hb ^Wm^ Ar 
Jte Geiliiiifena I, k Mnffe|ren Üe ÖÜMMff sv AbfaaMviC 
4er SdriMke md MffMchidie ArbelCeeeMe, wo Aie u f rürbewto 
Sleee eiMge trag e o «ad die fertige Leppe beraaefeaeMMa 
wird. Der acbmehreum n^ cia S'' liefer Smmfi vea 1' lai 
O, liegt alber aa i «la a« k, aad aeia Bedaa ataiRt aehüf 
ffcgea leatera Paakt^ o. b» ffegca aie ArbeitMella Ma^^ aa« 
' Dia ¥ wf ila e h a ag dea aaa dea ScbaiekitM eiWtea* 
t wM jederaeit aacb f;;afit geeadet e r Stibawla Caapagwe 
d. \l wena la dea ScboMliöiea die Arodaklfdb 
Ist« Maa bedlcat eich bleea deaeelom Oebneee^ 
▼eoi Sebaielzefeti zn« Frlecbberde u beia e al wird« Die 
alad aacb Mer Toa Tben aad aleebea aebavf bf dea 
üead. Dieaer wird ba Begbra dee Preceneee dareh die öff- 
waug ef aiit klelaea Kohlea rea Oedera- «ad WacbboMer- 
Mala gaaz aagefbllt, wcidie darrb die Öflaaag gb 
aindet werdea. Weaa naa dleae Koble» voa 
Ma beUiafig in die Mitte dee Herdee gllbea, wird dae Oe* 
^liae tiagelaeaea. Maa aaiaMaert In der Öfleaag 1 4le f erii 
M, ^aaa aebea Hmt keia offener Raan daicibet bMbt Md 
4rigt dai StiM* BUea Ton Sebaielsefen bei k ao ein, dadi 
^dia alaa Hälfte desselbea ba SebaielsreaaM ai sa Uegea 
fcoBMBt. Die Öffinag gb rertrilt am Herde aagletob die 
SteHe dee Pocfases, daber aie wibread dea Preseaaea efiea 
bMbt, ef iter wird gcaehloeeen« Wean dae Eleea welal- 
gMht, ao wird ea aafgebrocbea aad jj^ewtadat, eia Akt, dar 
Mters wiederbolt wird aad wobei maa das Stade BMea haantr 
ao drebt, daaa jederzeit jenee finde deaeei bea 4a dto tirabe 
m aa M^gea keaual, welcbea fraker aaMarhalb 4eiaelbea 
«leb befiurf. Me viele ana dea Eiaea, weMea fibrigaab 
weia^;Mbt, nie scbaiilzt, abaieeseade SeUMdka, Jia* 
bei k ab. Bobaid der Friecber aebia Lappafir bleliiiglrt 



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SSO 

gar ansifcht, niinmi er sie' heraus und bänum^ sie auf dem 
Ambosse mil der Hand, um die noch beigenieng^te Schlacke 
auszupressen. Die Ausscbmiedung seines aus dieser Luppe 
erhaltenen Kolbens nimmt er in demselben Feuer iwährend 
dem nächsten Einsätze vor. Zur Yerfrisehung eines Stucks 
Eisen, vile es der Schmelzofen liefert und das befläufig 
68 Pfd« ^iegt, bedarf man bei dieser Frisohmethode an 
Kohlen so viel, als der Herd bei einmaliger Fällung fasst, 
•nämUcb nahe an HO Kub.-Fuss, woraus sich auf einen Zent- 
ner Stabeisen, blos für Yerfrischiing und Ausschmiedung, 
ein Kohienbedarf von beiläufig SS Kiib.-Fuss berechnet ! 
Da femer dieses anfänglich 68 Pfd. wiegende Stück Eiseo 
.nach Vollendete Frischung und Ausschmiedung nur 34 Pfd. 
StabeiseB liefert, so haben wir es bei diesem Prozesse mit 
einem Frischkalo von gerade 50 -J zu thun, welche beide 
Daten hinlänglich sind, um diesen Prozess zu beurtheilen. 
Übrigens ist das Eisen, welclies als Endresultat aus diesem 
Prozesse hervorgeht, vortrefflich. Die jährliche Produktion der 
zu Aeharsche bei Korumsza sich befindenden Schmelzöfen be- 
schränkt sich auf ungefähr 150 bis 200 Zentner Stahetsen, 
welches meist nach Kaisarieh in die asiatische Türkei ge- 
bracht wird. Der Verkaufspreis des Eisens ioco Acharsche ist SO 
Piaster oder 6 fl. K.-M. pr. Zentner, so dass der Werth einer 
* ganzen jährlichen Erzeugung an 1200 bis IGOO fi. oder 12,000 
bis 16,000 Plaster beträgt, woraus sich im Gegenhalt des Kalo, 
des Kohlenbedarfs etc. auf die Wohlfeilheit dpr.Materialieu^ 
Lebensmittel u. dgl. schliessen lässt Während des Pro- 
zesses bildet sieb am Herdgewölbe ein weisser, staubartiger 
Anflug. Leider ging das Quantum, welches Szlabry zu 
einer nähern Untersuchung davon sammelte, im Laufe der 
Reise verloren. Zur Erzeugung des Eisens wählen die Ein- 
wohner von Korumsza stets nur die reichsten und nach Er- 
fahrung leichtfliissigsten Erze, alle übiigen werden entweder 
gar nicht gewonnen oder auf die Halde geworfen. 

Einer kritischen Beleuchtung dieses Eisenprozesses ent- 
halte ich mich; denn, wie jeder Sachverständige sieht, so 
ist er wirklich unter aller Kritik und noch in tiefster Kiod- 
'heit Aus dem Schmebrnfen selbst geht schon, da auf die 



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«51 

Mgegehene Weisekeln eig^entliohefl Roheisen erzeugt weritif 
kann, halbgefrischtes, fast Stahl-artiges und mit selir yiel 
Schlacke gemengtes Eisen hervor, so.dass wir also in dem nach- 
folgenden Frischprozesse, in dessen Verlaufe das Eisen abef 
nie zum Schmelzen kommt, eigentlich nur ein Ausschweissen 
zu sehen haben, durch welches das Eisen seine friihere 
Stahl-artige Natur wieder verliert und weich wird. 

Wenn wir annehmen, dass beim Schmelzofen in einer 
Zeit von 12 Stunden 6mal Erz auf die Gicht kommt und 
zwar jedesmal nur 3 Zentner, was doch ein sehr geringer 
Anschlag ist, so hat man für die 12stiindige Schielet bei 
SOgtigen Erzen ein Quantum von 900 Pfd. Roheisen der 
Rechnung nach im Ofen, da aber ebige 50^ nur SOg- Stab* 
eisen ausweisen, so sezt sich dieses Eisenquantum von 900 
Pfd. auf 540 Pfd. Stabeisen herab. Ans jenem Quantuni 
von IS Zentner Erzen für eine 12stundige Schicht sehen 
wir, in Folge des Schmelzprozesses, 68 Pfd. Luppeneisen^ 
und am Schlüsse der ganzen Manipulation endlich 34 Pfd. 
Stabeisen hervorgehen, folglich verliert der fiuttenmanii 
von Korumsza auf 18 Zentner Erze 506 Pfd. an reinem Eisen^ 
oder fast 94§; was doch Alles ist, was man nur von einem 
schlechten Betriebe verlangen kann! Um bei Kommsza eine. 
Bütte zu etabliren, müsste man vor Allem die Erze eine 
halbe Stunde unterhalb Korumsza, transportiren, um den 
dortigen Bach als Kraftwasser benutzen zu können. Kalk- 
stein und Quarz findet sich, besonders erstrer in Menge, 
An Holz zur Verkohlung ist kein Mangel, besonders wenn 
dem freventlichen Anzünden der Wälder Einhalt gethan 
wird. Nur Kommunikation, Sicherheit des Eigenthums und 
der Segen einer weisen Verwaltung fehlen in dem wilden^ 
aber bezaubernd schönen Gebirgslande. In der Nähe von 
Bagdschädschig, eine halbe Stunde von diesem Orte und 
links der Strasse, welche nach Tipi Deressi fuhrt, werdep 
von den eingebornen Turkomanen Eisengruben betrieben. 
Das herrschende Felsgebilde ist * ein krystallinisch-körniger 
Kalkstein, der mit Serpentin und Hypersthen • Gesteinen 

** Man aelie dea Durclisdimtt der iüseaers • OsogfonMUoD va« 
Bagp-dflcbidochig. . , 

RvMBQGeR, Reinen. I. Bd. 9. Tbl. S6 



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Mi 

Vrechsellag^ert, trelche in Aet Kähe auch t&r steh fn bedeif. 
tetfder EntrvickltiD^ aoftreteh and zosammen taif eratettn 
tind mit Glimmersefai^fer den Häupfrücken des nahen Ba^ir 
Bagh daselbst konstitofren. H^<^st interessant ist die Sehfehten« 
Stellung; des mit Serpentin und Hypersthenfels weehselnden 
&6l4ifgen Kalkei. Die Gesteinslagen dieses Gebildes sind 
nämlich so geordnet, aU gingen sie von ehieth gemc^nsehaft« 
liehen Mittelpnnkte wie Strahlen nach allen Rlchtung;en ans. 
Ctitvitlk&rtiGh erlnn^'t man sich dabei an die konKei^trisch 
iiti^hllgi Textnr mancher Mineralkorper, und die Yermathung, 
itkm» hier Krystolllsatlon im Grossen das herrschende PHnsip 
Ai^r Anordnung der Gestehmlagen war, diingt sich auf. Nicht 
Hiinder wichtig sind ib gdbgnostischer Beziehung die in dieser 
tormatton, deren 'Glieder «inter sich entschieden kontern« 
j|>or%r isind, aiiflretenden besondem Lagerstätten. Sie bilden 
^rosi^) linsenärtige Körper, die theils die Gesteinslagen 
unter scharfen Winkeln durchsetzen, theils zwisclien ihneii 
selbst emgelagert sind. Ihre AusfBIlting Ist honglbtaserat''* 
artig und besteht aus Cläarzk&rnern und Bruchstucken von 
Qnarz, verbuiidto dlirch ein sehr eisenschüssige^ lind 'lockeret 
Thoncäment, das In Thonelsenstela iibergebt% In diesem 
KMglomerkte bricht brauMr Glaskopf ein. Leztrer «bildet 
in diesen Lagcirstätten selbsit t^ieder linsenartige Kftrper 
Von einer bedeutenden Ausdehnung im Sfreidien und Ver* 
flächen, in ^welcher ^r J^teilentveiSe durch Grubenbau auf 
mehr als 2Ü Lachter anfgeschloäsen ist. Die Mächtigkeit 
Aieser 1C6t[)fel' von Giaskopf Ist gerkige und iibersteigt nicht 
die ettigelr Zolle. Sie treteh Rowbhl am Hangenden , als 
am Liegenden, afät in der Mäthtigkelt d«r^Lagiei^stätte selbst 
auf. Im leztei'n Falle ist Druisenbüdung beim ^laskopfe 
häufig zu beobachten. Die Drusen elrstrecken sich im 8ti^ic*hen 
des Erzes trft beträchtlich weit, ihi*e Räume haben bis zu 
i Fuss Weite und sind mit den dem Glask'opf eigenthiim-- 
liehen Kfystali-artigen Formen begleitet. Mit seinem NebM- 
gestefn ist dieser Glaskopf, der stets rein und sehr haft ist, 
toge venvachsen, und am ftande der Körper, die er bildet, 
gah nciJ h t ' er «tch aieht sefaaif ab, aoniteni verliert sich 
vn.1 •-.^i;-.«-.^ . - .r -1 j^, LagerBtftIte. 



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553 

Fiele dfeser Li^i«t£tteii reiehen mit ihre« Ans^ehendt* 
itieiit zu Tage, ibr Verflachen ist sehr versehieden^ Ihr Streiches 
aber ist durehgehentls aus Ost in West geriebtet Die Am^ 
dehnung der Lagerstätte selbst, den» Streiehen and Ver^ 
fiädien nach, ist nicht bekannt; ihre Mächtigkeit betragt 
dort, wo sie zn Tage gehen^ wenigstens 1 FuflSj wird aber 
weiter ins Gebirge beträ4;htlieher. Der Winkel ihre» Ein» 
sebiessens beträgt meist 40^. 

Dans diese Lagerstätte einen sogenannten Gang-artigw 
Charakter an sich tragen, ist nicht zn läugnen, deeh kanf 
man sie aneh in diesem Falle füglich nur entweder als kon» 
temporär mit der ^ganzen Felsbildung, oder als MetamM^ 
phosen von Lagerstätten ansehen, deren AeBfnllHngMiatur 
fr&her eine andere war, nnd es ist daher ei'st eine Fragte 
ob diese Gangkonglomerate wohl auch reg^nerirte Febh 
bildnngen in der gewöhnlichen Bedeutnng dto Wortes eeyen* 
Von einer Ausfiillung dieser Gänge im rein mechaaiaehee 
Wege kann so wenig von oben als von Moten die Red# 
seyn; dennjdie Form derselben, ibreisolirte Stellung, sprechen 
¥0n vornherein dagegen. Sollten hier nfeht die in dem 
nahen Serpentin aufsetzenden und mit demselben ohne Zweifel 
koBtemperären Gänge von Quar^ mit Brauneisenstein einen 
Fingerzeig zu einer natnrgemässen Erklärung geben? So 
wie wir drusenartige Räume durch Verwitterung und über* 
iiaupt dureh Zerstörung* der Massen entstehen sehen, die 
sie einst erfüllten, so können ja audi auf ähnlidiem Wege 
«US festen Gesteinen, ohne eigentliche sMchanisehe Rege* 
neration^ Bildangen hervorgehen, die sich in ihrem ganstü 
Habitus auf den ersten BUek ats Trummergeataine präsee- 
iiren. Eine Erklärung, die um so mehr Stich hält, wenn aie^ 
wie in utiserm gegebenen Falle, vor dem Riditerstuhle der 
Chemie besteht. Ob sich nit^ht durch die Masse des Ge« 
bfrges diese Erz-führenden Lagerstätten dem Streichen nash 
oder in die Teufe wiederholen, ist zwar nicht bekannt, aber 
es ist wahrscheinlich. Der auf diesen Eisenerzen umge»» 
bende Grabenbau findet meist dort sein Ende, wo die Erae 

^ Mein verehrter Frevnd Berf^ratli HuDmoai ist gerade mit sehr 
selionen UnttrsncliuniB^n aber diesen GegftnMend bsmliiftiat* 

30* 



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654 

tüjlen, dhtber ^, wie in allen diesen FMIen, dm Meeter 
%M ilnregelmaseig^eit bildet nnd keine Ansdetinung Imt 
1^ stoUenmfiMige AnfsckUessang^ dieser Lagerst&tte, die iiiet 
eiitst stattfand nnd den Halden nacli bedeutend gewesen sey« 
mass, fallt fn die alte Zelt zurücli, vielleicht bis in die Zeiten 
byzantinischer nnd römischer fierrschafl;. Hentzuti^ be* 
sdiAftfgt man sich mit Abränmung der LagerstiUte itber 
Tags unil mit Steinbruch^mässlger Gewinnung des Eisen-r 
ÜMns mit Pickel und Keilhaue, eise ebenso l>^chwerlldie 
als langwierige Arbeit. 

Die gewonnenen, zwar reichen, aber strengfliissigen &?» 
tverden 2u Bagdsehadschig in zwei Öfen und im Verlaufe 
4es Winters ganz in der Art wie zu Acharsclie verschmokseii 
und das gewonnene Eisen ebenfalls meist nach Kaisarieh 
irertEairft. Da in der Umgegend sich kein Waid b^lndet, 
#o sehmelzt man nur mit niederm Gestrüppe und be«u^ zum 
ffVisAe^prozesse die kleinen und schlechten Kolüen von dem- 
selben Brennmateriale. Hier wäre allerdings Kraftwasser 
gfenug, aber der erwähnte Holzmangel stellt ein schwer za 
besiegendes Hinderniss jeder Gründung eines Etabliss^nents 
entgegen, in welchem Falle man auch nothgedrungen dneii 
TiefstoUen zur Untersuchung der Lagerstätte in grösserer 
Tenfe betr^lien musste. 

In dem schonen Thale Inn Deressi ^, 3 Stunden westlich 
Ten Maserle, am Berge Guliposch Deressi findet man sehr 
ireiche Eisenarz^Niederlagen. Das Thal zieht sich ans Süd 
In NonI zwei' Stonden wdt bis zum genannten Berge, 4er 
bereits zum Centrale des Baghir Dagh gehört und in der 
IHke der höchsten, über 10,00e Fuss ansteigenden Spilaßen 
dtessellien liegt Aus Süd in Nord gehend, trifft man zuerst 
Mf ^nen grobkörnigen, weisse, krystalllnischen Kalk. Er 
ist geseliiehlet Seine Lagen von 1 bis 1,5 Fuss Mächtigkeit 
streichen ans Ost in West und veriädien schwebend in 
1KI4« Die ganze Kalkmasse hat eine sichtbare Mächtigkeit 
iren lielläufig se Klafter und liegt auf einem wenigstens 60 
Ktafter mächtigen und nngeschiohteten Serpentin - l^o<A^ 

^ Man sehe den Dorcbschnitt der Eisen6teia-Aly1agerung:en am QifiK- 
f6«eli D^esd im ffiale In« DIressi. 



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55S 

Weiter in Nord wird dieser wieder wn weissem} aber fdii^ 
kdrnig^ein Kalke begranzt der*dentlieh gescbichtel: iai «od 
dessen GeStelnslagen den Serpentin sn unterteufen seheK 
tien. Zwisehen lezterm Kalk und dem Serpentin liegt das 
Haiipterzlager, bestehend aus Thoneisenstein mit braunem 
Giaskopf. In der Nähe dieses Eisensteins wird der Ser^ 
pentin sehr eisensehassig, der Kalk aber bleibt nnveriinderl. 
Der dieses Erzlager nördlich in seinem Liegenden, begrilv- 
zende feinkörnige, weisse Kalk ist sehr hart, hat ein an»- 
gezeichnet krystallinisehes Gefuge und ist dunue geschichtet. 
Die ganze Mächtigkeit dieses Kalkes betragt nicht mehr 
als 12 Klafter, daun folgt nördlich, als sein Liegendgestem, 
wieder Thoneisenstein mit Glaskopf unter denselben« Ver* 
Mitnissen wie auf dem Haupterzlager; doch sind die Erze 
daselbst bedeutend ärmer und die einst darauf umgegangeneii 
tirnbenbaue sind seit undenklicher Zeit ein^stellt. Im Liageo- 
den dieser zweiten Eisenstein- Ablagerung erhebt sich un- 
mittelbar das hohe und steil ansteigende Gebirge der Centra)- 
Kette* Man hat es, meiner Ansicht nach, hier mit Lagern 
zu thu», die an den Gesteinsgränzen auftreten und in Be* 
treff ihrer Bildung dem Serpentin näher als dem Kalke 
stehen durften. 

Das Haupt -Eisensteinlager, zwischen dem Serpentin 
und dem körnigen Kalk, reicht von der Höhe des Berges, 
wo seine Mächtigkeit 12 Fuss betri^;t, beinahe I Stunde 
weit dem Gehänge nach herab in» Thal, wo man noch Spuren 
von Erzen und besonders von Glaskopf findet, und wo einst 
bedeutender Grubenbau umgegangen ist. Die Mächtigkeit 
des Lagers verschmälert sich nach unten, so dass es wahr- 
«eheinlfeb in grösserer Teufe sich ganz ausschneidet« Dem 
Streichen nach ist die Ausdehnnng dieses Lagers unb^annt, 
aber auf jeden Fall scheint sie beträchtücb zu seyn. Der 
gegenwärtig durch die Bewohner der Dörfer Maserle vmi 
Tipi Deressi geführte und sehr beschränkte Abbau, ebenfalh 
Tagarbelt, besteht im obern Theile des Lagers, und zwar 
eine Viertelstunde unterhalb dem Gebirgsjoehe. Der sehr 
r^che und einen Gehalt von 60 { an Reheisen ausweisende 
Thoneisenstein ist ungeschiditety aber adur kleinstiinBi|;. 



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SSft 

Mitten 111 seiner Maisse sezt von oben nach nnten eine 6 
2olI mächtige 9 mit Glaskopf eifiillte Schramm-KIoft anf. 
^fe bildet in dei* Mitte aberetzende Druseni'äume, deren Wand« 
mit GtaRltopf in nierig^en nnd traubl^en Massen und mit 
erdigem Brannstein-Erz bekleidet sind. Der Glaskopf irt 
rein, sehr fest, in bedeutender Menge zu getvinnen, ?om 
Kebengestein scharf getrennt nnd nicht damit venvachsen. 
Die Tnrkomanen, ^velclie diie Erze gewinnen, werfen den 
-Glaskopf als zit strengflüssig auf die Halde und halten fnr 
flire Öfen nnr den reichsten und leichtflüssigsten Thonefsen- 
stein aus. Am Ausgehenden ist diese Erzlagerstätte nnr 
2 Fnss tief mit Dammerde bedeckt, welche ebenfalls sehr 
eisenschüssig ist. 

Zur Verschmelzang der Erze, die übrigens ganz M 
wie In Koriimsza geführt wird, bestehen zu Tipl Deressi 
%w*ei Öfen, und zu Maserle wird ein neuer erbaut. Der 
Hauptverschleuss dieser beiden Eisenwerke erstreckt sich auf 
Adana nnd dessen Umgebung. Die Menge und der hohe 
Cebalt dieses Eisensteins, die Leichtigkeit der Gewinnung 
imd die hinlängliche Quantität an Betiiebswasser sind aller* 
'dings Umstände, die zur Begründung eines Etablissements 
einladen dürften. Besondere Rücksicht verdient in dieser 
Beziehung die Lokalität von Maserle ; nicht so die von 
Tfpi Deressi, das zn entfernt von den Gruben und über'* 
liaopt zn ungelegen' liegt. Den Schmelz- and Frisch-Prozess 
betreibt man gegenwärtig an beiden Orten in Ermanginng 
des Holzes mit blossem Gestrüppe und den schlechten Kohlen 
davon, eine traurige Folge des gänzlichen Mangels an Forste 
ifvirthschaft, da in früherer Zeit auch hier, wie in Kornmsza, 
mit Holz geschmelzt wurde. Der Aussage der Einwohner 
gemäsB sollen sich ordentliche Waldbestände im Thale des 
Seihnn und in Entfernungen von 3 bis 12 Stunden befinden, 
wohin zu transportiren die Erze allerdings werth waren. 
Der Innik Tepessi liegt zwei Stunden nordwestlich vom 
Doife Kapäk Depe, im Thale Karä Dschale imd 1^ Stunden 
dstBch vom linken Ufer der Seihun. Die umliegenden 
'Berge sowohl , als der Innik Tepessi selbst bestehen ans 
«grauem, dlehtem Kttlksteiii, der aa der OstscMe des Thaies 



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ft57 

geaehleiA^ ist Hiebt ßo^ aber m der Westseite desselbm^ 
KQ «ich die {Srube^ befindep. Die Schtchten des Kalkstein^ 
slreielieu NO. in SW. und jfallep in NW. Oer Knik d^ 
Westseite ist äberall, wo er zu Tage geht, sehr eisrar 
schussig, und dieser Eisengehalt nimmt endlich so xu, da$9 
der Kiükstein selbst in der Nähe des grossen Jtr^nneisen- 
steinlagers in dieseu Eisenstein übergeht. Dieses Braust 
eisensteitt-Lager im dichten Kalksteine des innik Tepessf 
zeigt sowohl hinsichtlich seineir Mächtigkeit, i^ls Auch in 
s^er Ansdehnuog dem Streichen und Verflachen naeh eiili 
Entwicklung, die ungeheuer ist und nach Stunden gemcMHMiii 
werden kann. Es ist ein Stock-artiger Körper v^n Siseu? 
erz, der einen ganzen Berg bildet, oder ?ielmehr eia iunigfiff 
Sbisaiumentreffen mehrerer solcher Stock*artiger Lagerstätte«. 
Der Eisengehalt dieser Erze ist durchgehends sehr betrüohl^ 
lieh und nach unserer Dntersiichvng an &0f iind dariiber 
an Roheisea ausweisend, was einem ftnantum von 30 § SehmiMr 
eisen so ziejniich entspricht An der fliüdwestllchen $eit# 
des Innik Tepessi und zwar im Mittel seiner Höhe beändet 
sieh in einem sehr eisenschüssigen Kalksteine eine grosse» 
zum Theil durch d|e Natur gebildete Höhlfu Ihr Eingang 
bat bei einer Weite von 1,.7 Klafter an 8 KUfter Höhe« 
welche Höhe aber sehr schnell zunimmt, so dsss sie wenige 
Klafter innerhalb des Einganges schon 20 Klafter betragt 
Sie is^ mit einer Menge Seitenkanale versehen, die wieder 
zu ähnlichen Räumen führen. Im Anfange der Höhle ist 
der dtcbte Kalkstein das herrsehende Crebilde. Wetter nach 
Innen wird er eisenschüssiger und geht endlich ganz in 
Brauneisenstein über, so dass der innere Raum der Höhle 
ganz im schönsten Erze ansteht Den Boden der wassert 
losen Höhle bedecken grosse, herabgefallene Blöcke ^on 
Braan^sensteln. Von Thierknechen fand Herr Szabkv seinef 
Angabe nach kein Anzeichen. Die Wände der Höhte sind 
faäofig mit einer dünnen und eisenschüssigen Kruste be^ 
kleidet, aber ohne Stalaktiten. Die ganjse Aasdehnmg de# 
Höhle ist noch unbekannt. Vor ungefähr ^0 Jahren wiird« 
von den matiegenden Dorfbewehnarn aus dieser Höhle viel 
firz Kevsonaet^j^^elne ^tacke Fest aber aolt 4ie8eai Betriebt 



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W8 

#bi %Dde gemacht haben« Die Ene waHea danuda im Ktifik 
Tepe geachmelzt Vor einem Jahre maehle ein Bfen» a«a 
KoramSza einen neuen Versach» seine Sehmelznng acheiterte 
aber aua leicht begreiflichen Gründen an der Strengfluaaigkeit 
dieser Erze. 

Die Nähe des znm Theil fnr Flösse aebon fahrbare« 
Seihnns, die Waldungen an seinen Ufern, die grosse Maaae 
reicher ^senerze und die ganzen so sehr günstigen LolLat 
Verhaltniase machen den Innik Tepessi zn einem der rüde* 
aicbtswertbesten Punkte, und die Etabiirung einer Hütte am 
Seihnn dürfte eine der geeignetsten Unternehmungen^ ^^IPh 
zu denen die Verhältnisse dieses Terrains einladen. Die 
Stadt Sias ist vom Innik Tepesd nur 8 Stunden entfernt Der 
Winter sezt dem Betriebe, da er nur sehr gelinde ist, kein 
Hindemisa in den Weg. 

In der Nähe yon Korumsza und Bagdschadschig be* 
zeichnet num den Centralrücken des Taurus mit dem ver- 
führerischen Namen Knpferberg (Baghir Dagh), und es sollen 
auch an mehreren jStellen Kupfererze , besondere Kupfer- 
kiese, einbrechen, woran ich nicht zweifle. Szlabst sah 
jedoch selbst keinen solchen Punkt Auch sollen sidi § 
Stunden von Bagdschadschig, am Berge bei Kalakoi, Bleierze 
finden. Auch die sah Szlabst nldit selbst, da er die Stelle, 
wo aie sich finden , schon lange passirt hatte , als man ihm 
davon die Aazeige machte. 

J&) SweKer Anfenthalt «« Ciülek^ Vweamum^ tfev 
Expedition, lillckreise nacli Beirut* 

Als ich am 2. Sept. wieder in Gülek eingetroffen war, 
war es mein Erstes, die durch Umtriebe verschiedener Art 
und durch die strafbare Nachlässigkeit des Nasirs herbei» 
geführten Unruhen von Seite der Arbeiter zu beschwichtigea 
und die entstandenen Differenzen anszugleichen. Ich nahm, 
daher vor Allem den-Nasir vor und gab ihm, da er nichts 
an seiner Vertbeidigung sagen konnte, was wahr gewesen 
wpire» nicht nur einen tüchtigen Verweis, sondern drohte ihm 
liuch^ die Sache an IsRAmM-Päscha zu berichten, tineDrohungy 
MC d«C»n Fo%en ihm mit Recht hange war^ da er acteea 



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559 

Berrn and fiebfeter hinttnglich kannte. Zugleich sandte 
ich eine Ordonnanz zn den Grubeng^ebäuden, Hess die Arbeiten, 
folglich ancb den Verdienst der Arbeiter, sogleich einstellen, 
und befahl leztern, sich ohne Verzag bei mir einzufinden, 
um sich über das Vorgefallene zu rechtfertigen. Als die 
Bergarbeiter kamen^ lag ich an einem sehr heftigen Fieber« 
anfialie leidend im Bette und war körperlich zu schwach, 
um mich aufrecht erhalten zu können. Sie waren nach 
Landessitte sämmtlicb mit Flinten, Pistolen und ihren Hand« 
jars bewaffnet, daher AcHMSo-Kaptan , der, ohne seinem 
Muthe nahe' treten zu wollen, kein Freund von solchen 
Scenen war, vorschlug, sie früher entwaffnen zu lassen, 
bevor Ich sie zu mir rufen Hesse. Wobl wissend, dass jeder, 
auch der leiseste Anstrich von Furcht, in einem solchen 
Falle das Übel grösser macht und ich auch mit Recht for 
meine Person nichts Arges besorgte, verwarf ich diesen Vor- 
schlag. Als sie in meine Stube traten, bloss ich sie ganz 
nahe an mich herankommen und mein Bett umgeben, um 
leichter mit ihnen sprechen zu können, zu welchem Zweck 
denn auch AcHMSD-Kaptan als Dolmetscher in den engen 
Kreis mit beigezogen wurde. Auf die Frage, welche Grunde 
sie zu dem, was geschehen war, bewogen haben, brachen 
sie in laute Klagen gegen den Nasir aus, der sie bei jeder 
Gelegenheit verkürze und ihnen so schlechtes Getreide gebe, 
dass sie es gar nicht geniessen könnten. Auf die Anfor- 
derung, jene zu bezeichnen, welche den Hauptanlass za 
ihrem Benehmen gegen den Nasir gegeben hätten, versicherten 
sie mich, dass diess jene drei gewesen seyen, welche in die . 
Türkei entflohen wären, und dass auch diese nur aus Muth« 
willen ihre Gewehre abgefeuert hätten, aber keineswegs In 
der Absicht den Nasir zu verletzen. Ich trug ihnen daher 
auf, sieh ruhig wieder an ihre Arbeit zn begeben, was sie 
auch ohne alle Widerrede thaten. Den ganzen Vorfall 
z^gte ich übrigens AcHMED-Pascha an und drang auf Ver- 
setzung des Nasirs, dessen Schmutzigkeit den Auftritt ver- 
anlasst hatte. GiNSBERo benahm sich bei dieser Geschichte 
ohne alle Energie und Hess sich von den Arbeitern zu sehr 
betiiören. Die Versüße, welche Pmokku in meiner 



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560 

^Lhwmienluit akgefährt hatte, um die Erse im Flaimnofea 
zn sohnelxen, waren eamiQtilch yeranglückt Bei dmii lestea 
Aener Veninehe brachte er zwar die ganze Masse zum 
Jäobmeizen. Diese bildete jedoch eine schwere und stein- 
artige mit regulloischem Blei gemengte Schlacke, aas der 
sieh das Blei nicht sepsrirte. Dieser Fall bewog mich, den 
lezten Vetisach selbst noch einmal zu wiederholen« Zu dkasem 
Zwecke brachte ich in der Form des Ofens einige Verän- 
derungen an, um den grossen Brennmaterial* Aufwand b^ 
diesen Seimielznngen herabzusetzen und die grösstmögliche 
Bitte erzeugen zn können, deren man etwa zufallig be- 
jiärfeo serfite. ^Vas Quantum Erze, welches ich zu diesen^ 
.Vetrsuelie eintragen liess, betrug nicht mehr als 5 Zentner^ 
AcHMED-Pascha , der sich gerade in Giilek Boghas befand 
und Oberst Schulz waren zugegen* Auch dieser Versuch 
laisslang. Nun besehloss ioh die Reihe der mit der Ver- 
sehmelzung dieser Erze im Flammofen vorgenommenen 
Versuebe und that das, was ich schon längst hätte thun 
soUeu, ieli schritt zur Erbauung eines Schachtofens, nm die 
£rze, entweder im gerösteten Zustande oder mit Brauneisen* 
stein, der in der Nähe von Giilek bricht, auf Niederschlag^ 
durchzustechen» 

Vor Allem war es daher nöthig, bRAHiM-Pascha den 
Sachbestand vorzulegen, ihm von dem neuen Ofenbau, als 
Hauptbediogung des Gelingens, die gehörige Ansicht bei* 
anbringen und seine Bewilligung hiezu eilizuholen. Eine 
Abschrift des an ihn in Betreif dieses Gegenstandes ge- 
sandten Berichtes überreichte ich durch BooHOS-Bey aucb 
4eni Vizeköoig. In diesem Berichte gab ich vorerst eine 
kurze Übersicht meiner lezten Reise in den ösdich von 
4äUek sieh befindenden Theil des Taurus und beantragte 
4le Errichtung einer anfanglich nur ganz kleinen und auf 
«inen heben Ofmi mit den nöthigen Frischfeuem hesohränk* 
Mw Eisenhütte im Thale- des Seihun am Innik Tepessi. 
Sollte sich ein solches Etablissement als vortheilhaft er- 
steisen, so schlug idi vor, ein zweites in Korumsza.zu er« 
TifliHten und so wie bei erstem voi*züglieh auf Sitabeisen* 
firaeogung^ bei kzterm mehr auf Darstettmig von gaaz 



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ftOI 

^orfHniiTen Gioffiwaaren, besonders Cteeehirren, kiiisiiwlrliesy 
welcher AiÜkel bei efnfg^er 'kaufmaiiiitocbeii Spekulation da* 
selbst ein onermeßsUcbea ji'eld des Abaatxes xat sich tiitte. 

Der Hauptge^enstand meiner Antrag« war jedoch der 
Bletberg;bau am Biilgiir Dagli und sehie kin&ii^e Bewirth^ 
sdmCtong. in dieser Beslehung^ hob ich folg^ende Punkte 
faeiTor: 

1) Eine lange Reihe von Versuchen hat dargethan, dass 
fioREANi's von ¥«>i*nhei'ein gezahlte imd Ton mir welter Ter* 
folgte Methode die Giileker Erze In Flammdfen zn schmelzen, 
«Is öhonooiiBch tftiTortheilhaft im besdtigen sey vnd dass 
nian diese «-Verschmelznng In JSohaehtöfen mit f^presster 
Lnft Tomefamen und daz«i die Erze entweder geröstet an» 
wenden oder auf Niederschlag behandeln müsse. 

^) Da Ich im Auftrage iBRAnm-PasdiaVi mich in Ksrzsai 
nach Beirut zu begeben imd Im weitem Anftrage des Vize» 
könfga selbst mit Beginn des Winters in Ejgypten eiasnfriden 
habe, um nach Oberegypten z« reisen, so bin leh i^zwongen, 
die Expecfition zu trennen Um midi Im Falle eines meias 
Person betreibenden üngliickes vierireten zn sehen und dis 
Oberieitsng^der Expedition «logieicJi meine» Adjunkten PancK« 
KKR «hergeben zu können, bescbloss ich, dass denelbto misk 
begleiten sollte. Ausser Ihm bestimmte ich noch die HIL 
Dn VviT, KoTscni, A€HM£n4Captan , den Arbeiter Mostscb 
find meinen europaischen Bedienten zn «einen Begleitern« 
Lntei' den in Gülek zururkbleibrnden, nämlich den Hfl» 

SZLABfiT, VoiTANEK, SOWATOWSKY-^ doU Arbeitern PiRCHNSRy 

LANGcifER und RsicHHARD, wählte ich die beiden ersten nur 
Leitung der Geschäfte bis zu meiner fiuckkehr, die im nieh* 
sten Frähfafar hätte stattfinden sollen, und zwar teauftragts 
ich Hrn. Sslabby mit der Leitung des Ofeniianes nnd der 
Hnttenat4>elteii, Hrn. VoiTAaEx mit der Lettong des B«q;bauea» 
3) BerBan des Ofens sofite während meiner Abwesenhsit 
fldch auf die Fnndamentbaue, die Herstellung des flanpi-Maner» 
Werkes, die Verfertigung des Gebläses undOebläae^Sadesnnd 
€^es PoehWerkes mit zwei Stossherden im Thale xwischen 
dem £»nlk und Maden Tepemi ibesehsänken, wfthssad Jol^dM 
eigentlichen Anshait des Ofann Us am SMiaer 44rr . 



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562 

Adfonkten ftnknnft zu ?erschieben beantragte. Zar Aus- 
fnhmng obenerwähnter Aufgabe sollten die Herren Szlabet 
und VoiTAKBK von nur die genauesten, ins kleinste DetaO 
gehenden Instruktionen sammt Zeichnungen und Modellen, 
falls sie nothwendig seyen, erhalten. Ginsbero sollte in 
seiner gegenwärtigen Stellung, seiner Lokalkenntnisse halber, 
und da er, wie Süwatowskt, der türkischen Sprache mächtig 
war, VoiTANEK zur Seite bleiben. 

4) Da durch diese Verfügungen die zurückbleibenden 
Expeditions^Mitglieder einer hdhern Verantwortung ausge- 
Bezt werden und die für die Zukunft von Ihnen geforderten 
Leistungen ausser allen Verhältnissen mit ihrer gegenwär- 
tigen untergeordneten Stellung stehen, so beantragte ich 
für dieselben, mit Ausnahme der Arbeiter, . eine höhere Be- 
zahlung, da ihre bisher bezogene sich von der der ge- 
wöhnlichen Arbeiter nicht unterschied, was mir unbillig schien. 
Diese höhere Bezahlung sollte, wenn sie sich anders zu 
einer langem Dienstzeit ' entschliessen würden , mit Ende 
unseres ersten Kontrakts-Terrains, nämlich am 1. April 18S7, 
eintreten. Sollten bis dahin weder ich nooh mein Adjunkt 
nach Gülek zurückgekehrt seyn, so erachtete ich es für 
zweckmässig, dass sich die HH. Szlabet und Voitanek selbst 
auf eine kurze Zeit nach Alexandria begeben sollten , um 
daselbst mit BooHos-Bey und unter dem unmittelbaren Ein- 
flüsse des k. k. österr. Generalkonsulates den neuen Ron- 
trakt abzuschliessen. 

5) Von den in Gülek der Expedition zur Verwendung 
zugetheilten egyptischen Eleven beantragte ich die fahig- 
«ten in Bälde nach Europa und zwar nach Österreich zu 
senden, wo sie zuerst eine allgemeine, auf ihren künftigen 
Beruf hinwirkende Ausbildung erhalten und dann die Berg- 
Akademie in Schemnitz besuchen sollten. Als Dolmetscher 
und Quasi-Hofmeister schlug ich vor, AcHMED-Kaptan mitzu- 
senden, der sich zu dieser Stelle mehr als ein anderer ge- 
eignet hätte. 

6) Um die in Gülek Zurückbleibenden hinsichtlich ärzt- 
licher Hülfe sicher gestellt zu sehen, begehrte ich die Ab- 
sendung dnes brauchbaren europäisdien Arztes dahin. 



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(OS 

7) Din Im nächsten Fruhjalire mit der Yersehmelzmi^ 
der yorräthlgen Erze nicht länger angehalten zu neyn^ be« 
zeichnete ich den baldigen Transport derselben vom Berge 
zur Hütte als erste Bedingung, beantragte die Herbeischaf* 
fang des ndthigen üuantams an Kohlen im Laufe des Winters 
und die Gewinnung der durch die Proben sich als die zweck« 
massigsten erweisenden Zuschläge, wozu wir Kalli, Quam 
und Brauneisenstein ganz in der Nähe der Hätte hatten. 

8) Zorn Schlüsse forderte ich die ndthigen Sustentatiou»i 
Gelder, sowohl für den zurückbleibenden Theil der Expe^ 
ditton, als für mich und meine Begleiter zur beTorsteben*« 
den Reise. 

In Betreff der zukunftigen Verwaltung des Werkes 
machte ich in einem eigenen Berichte. IBHAHIM-Pascba auf 
das Ungeeignete der bisherigen Wirthschaft aufmerksam . 
und bezeichnete als uaerlässliche Bedingungen zur Erreichan|^ 
eines günstigen Resultates: die richtige Bezahlung der 
Arbeiter in den festgesezten Terminen, die Verabfoignng 
brauchbarer Nahrungsmittel, die Einsicht in die Werks« 
reehnungen des Nasirs von Seite der HH. Szlabey und 
VoiTANEK, den ndthigen militärischen Schutz zu Gülek durch 
eine Besatzung von wenigstens hundert Mann, die Errich* 
tung einiger kleiner Wohnungen für das Aufsichtspersonal 
an der Butte selbst etc. 

Die den HH. Slabey und Voitamsk hinsichtlich ihrer 
Aufgabe, sowohl in technischer als administrativer Beden« 
tung, erthdlte Instruktion wurde ins kleinste Detail ausge« 
dehnt. Die nöthigen Pläne, Zeichnungen und Voranschläge 
wurden entworfen und beiderseitig mehrmals durchgegangen. 
Kurz, ich glaubte im Einverständnisse mit sämmtlichen Ex« 
peditions-Mitgliedern Alles gethan zu haben, um den sichern 
Fortgang der Arbeiten zu Gülek während meiner Abwesenheit 
garantirt zu sehen. 

Mit den Grundgrabungen zu dem neuen Schachtofenbau 
liess ich in meiner Anwesenheit beginneu. In so weit sich 
aus den bisherigen Versuchen auf die Natur der Ei*ze,hin« 
sichtlich ihrer Verschmelzung urtheilen liess, schien mir als 
Form des neuen Schachtofens die des Oberharzer Bleihoch^' 



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904 

•featf gfti» {^eigiftet; lob trUitte dabei' dieselbe afe GIrand- 
lege meiner weitern fiestimatengen und beantragte äne 
Scbaehthöfae v^n *M Wiener Fusb, um für den Fall, wen« 
die Verschndenng aof Ntederseiiiag sich besser bewähren 
seilte, als die HenchmiAtMng der gerösteten Erze für sieii, 
imd vian hiesn in Ermanglung Ten Frischsctilaeken und äba? 
üdieti Elsen -iialtigett Hatten -Produkten Ebenense selbst 
anwenden musste, in keine Verlegenlieit za kommen *.. Da 
bereits ein beträcklliiAes ttnantum Erze bei der Hütte steh 
lEerrittbig befand, So begann man eine Partie davon in of- 
fenen Ilanfen zn Terrdsten, weldier Vei*siieb nach Wunsch 
gelang. Auch worden noch während meiner Anwesenbett 
die Hotz-Sertimente znm Bau des^ Gebiaserades aosgesueht, 
yofgeriehlet und die weitere Verarbeitung begonnen. In 
Tbamns lagen seit efadger Zeit ein Paar grosse und gaas 
«eae Spitzbaige, die too der Verwaltung dabin gesandt 
waren, vorrätbig. Da. dieselben auf jeden Fall uoa in 
Gttiek bessere IHenste kisten kommen, wenn aoeh nur aus- 
bolfiweise, so lie« lob sie dahin* bringen. 

So waren denn alle Vorkehrungen getroffen, die ieh 
fir nötbig eraehtete unsere Aufgabe zn lösen, nur .war der 
Mangel brauchbarer Arbiter fidilbar, sowohl zum Baue de« 
Ofens selbst, als noch mehr zu Versehung der Schmelzer« 
dienste, wenn bereits dieser Ofen Im Gange seyn sollte» 
Binaicbtlfeb erstrer eniuebte ich AeHnsD-Pascha um die Ver- 
abfolgnng der notbigen Maurer aus dem beim Festungs- 
baue zu Gülek Boghis in Arbelt stehendem Personale, Iq 
fi^reff d^ Schiaeker jedodi, so wie miger der Poch- nad 
Was€hwerks:*Manipul«tion kundiger Arbeiter, wandte leli 
Bileh an Se« Darddancht den Präsidenten der k. k. Hof- 
kammer, im Münz* und Bergwesen, Hrn. Fürsten von Loa- 
xowiTz$ der auch die Gnade hatte, mein Ansuchen auf das 
Thätigste zu unterstutzen. 

ActticBD-Pa8clia<^Mi«uu.i beiorderte im Laufe dieser Vor- 
arbeiten den Zweck der Ex^iiion so, daas leb mich m 

* Ich erinnere an die Verschmelzung ähnlicher Bleierze zu Kuszk- 
bcTg^ in Bannst Meine Bemerk^ingeii ilber den Kupfer-, Blei- und Siib«iv 
InSaRMt KäAtytsse» Archiv n. R. Bd. IX, S. 433 «te. 



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365- 

den sefaSnsten Heffnongea bereehtigt g^anbie* Er vtrfogte 
die Yerkohlungen und Theerschwellereien aaf meioeB Antrag 
ans den Wäldern in der Umgebung von Gnldi nach Gisilltdrreh 
nnd bestimmte die Benützung jener ausadüiesdieh für die 
Hatte, er versprach für die Herbesscbaffttog des beantragte» 
Kohlenquantums zur Hütte im Laufe des Winters, für den 
Transport der Erze von den Gruben dahtn und überhaupt 
für Alles nöthige Sorge zu tragen, versah die zurückbleibendeii 
Expeditions-Mitglieder zum Zwecke ihrer Dienstreisen mit 
gnten Reitpferden und wies eniUch^ obwohl nach Jangen 
und ermüdenden Verhandlungen, die nöthigcn Gelder an^ 
sowohl zur Bezahlung der Lohnrückstande an die Arbeiter^ 
als für die Expedition selbst Auf die. genaue Erfdilang des 
leztem Umstanden rausste ich um so mehr dringen und fest 
bei den ausgesprochenen Forderungen bestehen, als ich die 
Überzeugung gewonnen hatte, dass wir ohne eine Expeditiaus« 
kasse oder ohne bestimmte und terminwelse In vorans s« 
vergütende Verpflegungsgelder sammt und sonders un4 
in aller Bälde an allem Köthigen, sogar am gewöbnliehsteii 
Lebensunterhalte, Mangel leiden wurden. 

Die wenigen freien Stunden, welche uns die BcBorgong 
unserer Geschäfte und zum Theil auch Krankheiten üheN 
liessea (denn ich z. B. konnte mieh von meinen Wechsel« 
fiebern nicht eher befreien, als bis durch meine folgende Reise 
eine totale Änderung des Klima eintrat), henüzten wir zu 
unsem wissenschaftlichen Arbeiten. Dahin gehorte vorzngt 
Hch, ausser der geognostiscben Untersuchung der Umgebung 
nnd der Reihe von Versuchen zur Lösung unserer hütteur 
männiachen Au%abe, auch vor Allem die Entwerf ung einer 
mögliehst genauen Karte des von uns bereisten DistriktM. 
des Taurns, eine Arbeit, deren Resultat um so lolinender 
seyn »osste, da alle Karten jenes Landes, die mir bisbar 
zu Gesichte kamen, entsetzlich falsch sind mid ein tatal 
unrichtiges Bild des Landes geben, besonders hinsichtlich 
des Laufes und der Richtung des Gydnus, des Seihwi ttQ4 
des Dsehihnn^ mit denen man ganz willkürlich verfuhr, Sie 
alle entspringen am nördlichen Abhänge der Ceutralbetta dm 
eilicischen Taurus und durchbrechen dieselbe, so daas dieae um 



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S6A 

etg;entlldi ab die südliche Vormaner des girossen Plateau*« 
erscheint, welches das Innere Kleinasiens bildet and im 
schneebedeckten Erdscliiesch seine grösste Höhe erreicht 
Durch die Bestimmung der Mittagslinie der Schmelzbütte 
211 Guiek war es nns auch möglich durch eine Rdhe von 
Beobachtungen einen Werth für die Abweichung der Magset- 
nadel auszumitteln« Wir fanden dieselbe im Durchschnitte 
Im Monate September des Jahrs 1S36 zu Gülek gleich 7^ 
W westlich. 

Unter diesen Arbeiten verfloss uns beinahe der ganze 
Monat September, Achmed -Pascha benachrichtigte mich, 
däss die Brigg Schach baas Dschihaad zur Reise bereit 
auf der Rhode von Tharsus, d. h« bei Kasanlie, vor Ankec 
lieg^, und so kam denn der Tag unserer Abreise immer 
näher, kh trennte mich schwer von Gülek. Die unendlich 
grosse Alpennatur zog mich an. Wenn ich am frühen Morgen 
vor unser hölzernes Ilauschen hinaustrat und der Gipfel des 
Allih Tepessi in den ersten Strahlen des Morgenrothes 
glühte, die Glocken der weidenden Heerden vom Thale heraofn 
tönten und der Rostrauch von der Hütte herüberzog, konnte 
Ich es nicht glauben. In einem fernen Theile Asiens zu stehen. 
Alles war so bekannt, so heimathlich. Seit Boreanx's Ab* 
reise war mehr Ruhe in unser Geschäftsleben eingetreten, 
und Alles ging seinen festen, sichern Gang, um so mehr erstaunte 
ich, ein Hinderniss, das sich der Trennung der Expedition 
entgegenstellte, dort zu finden, wo ich es nicht vermuthete. 
Als nämlich der Tag der Abreise herankam, weigerten sieh 
einige der zum Zurückbleiben zu Gülek bestimmten Mitgliedes 
der Expedition, aufgeregt durch das thörichte Gesehwätn 
Eines aus ihrer Mitte, meiner Weisung Folge zu leiten und 
nur durch das entschiedenste Entgegentreten von meiner 
Seite war es möglich, sie eines Bessern zu belehren, anf 
den Weg ihrer Pflicht zurückzuführen und so auch dieses. 
Hinderniss zu besiegen. Die Anforderungen des französischeii 
Konsulates zu Tharsus, das sich der Ofengeschichte BoasAsirfe 
annahm und mich zur Verantwortung aufforderte, wies ieii 
so kurz als möglich und ohne weitere Erklärung znrücl^ 
te 1^ von einer Behörde ausgingen , mit der ich in gas 



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keiner Beruhmiig stand. Ünkngehelimer waren die häufiger 
werdenden Waldbrande, die so überhand nahmen, dass wir 
man'ehe Nacht' unsere schSnsteii Walder In der Nahe der 
Hiitte an mehreren Orten brennen sahen. Ein rnrchtbareft 
Übel, dem wir durch eigenes Bertiiihen nicht steuern konnten 
und dessen' Abhiilfe von der Stupidität und Langsamkeit der 
Verwaltung nicht zu erwarten stand. — ' Leztere' machte 
auch durch den NasiV ih den'lezten Tagen unserer Anwesenheit 
einen neuen Versocli, die Expedition anstatt mit den notliigen 
Verpflegungsgeldern, entweder als Pausclialien oder zur 
unbeschrankten Disposition, wie bisher, mit Naturalllefernngen 
oder sogenannten Taims, zu versehen. Dadurch wären wir 
gewolinllchen egyptischen Beamtet! gleich, allen den Un- 
annehmlichkeiten, Verlegenheiten und Entbehrungen ausge- 
sezt worden / denen diese aüsgesezt sind. Auch diese Zu- 
muthung wies Ich daher, als unwürdig der Expedition, aufs 
neue zui-ück, worauf wieder Alles beim Alten blieb. 

Der 25. September war der Tag unsrer Abreise. Das 
stehende Sprichwort des Orientes: ^^dn sollst nie an dem 
Tage abreisen, an dem du es zu thun gesonnen bist<<, hätte 
sich bald neuerdings bewährt, und erst spät am Abend waren 
wir zum Aufbi 'che bereit. Wir trennten uns von unseni 
Gefährten in der HöfFnuug, sie In einigen Monaten wieder 
zn sehen; alles war äo vetanstaftet, dass an dem Gelingen 
des Unternehmens, bei "gehöiiger Auffassung der* Tendenz 
der Expedition von Seite der Mitglieder und bei zweck- 
mässiger, energischer Unterstützung von Seite der Verwal- 
tung, nicht zu zweifeln war. Doch es kam alles anders, und 
ich sah weder den Taurns, noch meine Leute wieder. 

Heller Mondenschein und brennende Wälder leuchteten* 
uns durch die' Schluchten des Taunis herab. E^' war Mitter- 
nacht vorüber, als' vnr am Brunnen Hülük-I^iijinin-Paschi 
Anlangten und einige Stunden ausruhten. Am 26. erreichten 
wir I« glühender ■ Mittagshitze Tarsus , dessen Fieber- 
Atmosphäre wir noch denselben Abend verliessen, um einige 
Standen darauf bei Kusanlie an der Meeresküste vom Pferde 
za Stelgen und uns von !Neuem dem treulosen Elemente, 
dessen blasser, weiter Spiegel Im Mondeulichte vor uns 

RoKRROfiCR, Reicen. l.Bd.2.TItl. .(7 



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fMi8 

acbimmerte, f^izuver^raiieiu leb stand laBf:e vor iiB^erm ZeUe, 
Im, Anblicke d«r schonen Seene vertieft, Bilder der Vei^gaiig?»- 
heit {|;ing^en an mir vorüber^ und am dunkeln ^Horizonte lag 
dje Zukunft im dichten Schleier aqf den Wogen, die ßln leichter 
Il^achtwind zu beben begann. Die Schatten der>&elte bildeten 
magische Gruppen auf der weiten, dürren Ebene ; im Noeden 
f;lanzten. die Schneegipfel d^s Taurus, im Süden stieg ein 
Gewitter anf. Blitze zuckten in den schwarzen Wolken^ 
Ihr Glanz wetteiferte mit dem Mondenlichte. Seitdem Winde 
wuchs die Mächt der Wellen, die braunen Wogen bedeck- 
ten sich mit weissem Schaum, die Brandung tobte« In einiger 
Entreiunng wiegte sich der Schach baas Dschihaad mit 
seinen. Feuerschlündea auf den Wellen, neben ihm zwei 
friedliche, kleine Brigjgps. £s war eine der interessantesten 
Kustßnlandschaften in nächtlicher Gewitter- und Mond- 
Beleuchtung, die mir je vorgekommen waren. 

Am nächsten Morgen besuchte un9 der Kommandant 
der Kriegsbrigg Schach baas Dschihaad, ÜASSAN-Kaptan, 
einer der manierlichsten Türken, die ich je kennen lemte. 
£r sprach fertig italienisch, und man sah seinem Benehmen 
den U^igang mit Europaern an. Während wir traulich im 
Zelte beisammen sassen, kam der Naslr von Gälek auf seinem 
Braunen angejagt. Er iiherreichte mir ein Schreiben Achveik 
JPasdia'S, worin derselbe mich ersuchte, in Zukunft die Korre- 
spondenz türkisch zu fuhren , da man mir eigens desslialb 
^i|ien D^lmeisclier für die Sprache' gegeben hätte. Dagegen 
war nl^htjs einzuwenden, und schon hatte ich das Wort: „Peki^ 
(schon) alfi .Be\?eis meiner türkischen Sprachkenntnisse und 
meiner Bereitwilligkeit ansgesprochen^ als d^r Ifaair ein 
zweites Schreiben aus den Falten .seiner Jacke hervorholte. 
Dasselbe war inhaltsschwerer; denn es. enthielt nichts.weniger 
als die Nachricht, dass iB^AHiM-Pascha befohlen habe, so- 
gleich wieder nach Gülek zurückzukehren und dort zu verv> 
bleiben. Ich war versteinert* M£H£mei>-Ali hatte mir die 
Weisung gegeben, im Winter von 1636 auf 1837 0beregypten 
zu bereisen, iBRAHiM-Pascha hatte mir den Auftrag gegeben, 
sogleich nach Syrien zu reisen, AcHM£D-Paseba hatte zur 
Reise dahin alles besorgt, das Kriegsschiff,, die Gelder, die 



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500 

RÖikig^en Anwdsun i^ e ii, Ifait hat Mb von mtr getroSeMn 
Anstalten gebilligt, hat mieii mit Sack und Pack nach 
KaaanHeh geschickt, niid auf einhial ohne Gruüd Gfegenordre. 
Die Sache kan mir sehr verdächtig vor, nml Ich schrieb daher 
an ÄcnvED-Paacba, daaa ich mich aber diesen Afiftra|^ nicht 
genng wundem könne und es mir sehr anfffille, dass Ibiiahim^ 
Pascha nicht unmittelbar mir deaaelben gegeben habe, am 
so mehr, da er recht gut ge^vnsst, dass die Expedition in ihrer 
Stellang von vornherein sich ndr nach seiner eigenen oder 
des Vizekönigs Ordre richi?en k5nne. Ich stellte ihm vor, 
dass der ältere Auftrag des Vizekdnigs vorliege, dass dcN 
sellie nicht beseitigt werden könne und dürfe, ausser auf 
dessen eigene und ausdr&ckliche Weisung« So laage daher 
diese nicht erfeige, mibse ich durehans auf der unge* 
hfnderten Fortsetzung meiner Reise bestehen«. Während 
AcuHED-Kaptan sich anschickte, diese Antwort im Torkische 
zu übersetzen, und mit wichtiger Miene aich auf seine nnter- 
geschlagenen Beine niederlless und lebhafte Debatten aber 
diesen Gegenstand g^hotten werden, kam plötzlich ^in ge- 
waltiger WIndstoss und warf unser grosses und schweres 
Zeit iiber nnsem Köjifen so iHsch zusammen, dass wir, AUe 
zu Boden geworfen, darunter wie begral^en lagen. 

Das Verfahren Actasu-Päscha's hatte eii»e lange Ver<- 
zogerung unserer Abreise von dem langweiligen KasanUi» 
zur Folge. Der Orientale udd ngme^tlich der Türke keaat 
den hohen Werth der Zeit z« wenig, tim das moraiil^ 
Tödt^nde solcher VersanhinIsse zu wiirA'gea. Das Sprich- 
wort: ,,Zeit ist 6eld<< ist ihm reia uabekanat, daher sdie« 
wir, besonders in der Geschichte der leztcfii Tage, sa häufig 
die Erscheinung^ dass er mit seinen Unternehmungen M 
selten zur rechten Zeit kommt, sondern entweder zu spat 
oder zu friib. Zum Gluck hatten wir unsere Reitpferde bei 
uns, so dass wir ungehindert Ausflüge in die Umgebavg 
machen konnten. 

in den Nächten hattißn wir.dftem Donmerwetter mit 
Regen, und am Morgen des 28. September war der ganaif 
Rncken des Taurus mit neuem Schnee bedeckt, Dje £bene 
der Küste ist längs dem Tabruamit einer Reibe von Ruinen 

37* 

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570 

kleiner KasteHe in nicht bedentcnden £ntfeniiingeii Ton rto- 
ander bedeckt Sie erheben sich auf kldnen, isoBrt in der 
Ebene stehenden Hügeln, das Haaptgebirge nnd respHMfe 
die Küste wie einen Saum von Festungen begleitend. DieM 
Kastelle stammen noch aus den 2^ten der Genucser mid 
Kreuzfahrer und liegen heutzutage sammtlich in Trümmern; 
so die Ruinen von Kara Divar (schwarze Mauer), von Abti 
du baas, von TermSil etc. Sie sind ein Beweis, welche« 
militärischen Werth der Küstensaum von Karamanien filr 
seine christlichen Beherrscher einst hatte. In Kasanlie er- 
hielten wir auch zuerst Nachricht von der Ankunft mehrerer 
europäischer und amerikanischer Kriegsschiffe zu Alexandria, 
die sich an die Küste von Syrien begeben haUen, von der 
Besetzung mehrerer wichtiger Gouverneurs- Posten durdl 
Seeoffiziere, ein wegen der Heterogenität des Faches nicht 
6ehr glückliches Manöver, femer von der Befestigung der 
egyptischen Küste bei Alexandria und von Anlegung einer 
Probeeisenbahn etc. 

Als ich am 29. September mit Prückner Nachmittags 
der Küste entlang in Ost spazieren ritt, um die Mündung des 
Cydnus aufzusuchen, sahen wir in einiger Entfernung vom 
Kap Chanzir eine Wasserhose aus dem Meere sich erliebea« 
Wir hatten damals in SSW. starke und dichte Hufen- 
tvolken. Die Wasserhose erschien zuerst in SW. Eine 
ganz weisse Wolke, die über dem Meere schwebte, verbaMl 
sich mit lezterm durch eine lange Röhre. Die Erschefnang 
zog ffloh längs der Gebirge der syrischen Küste hin und Y4Sr- 
filchwand endlich hinter dem Vorgebirge. 

Der Cydnus Ist an seiner Mündung nur wenige Ktailter 
breit, aber sehr tief. Sein fast stehendes Wasser Ist sehwftHfe- 
llch-gt'ün und entwickelt einen durchdringend fauligen lle- 
rneh, der die ganze Gegend umher, theils ein vortreffltdhs 
Kulturland, theils mit cuchtem Schilfe bewachsen, verperiftL 

Am folgenden Tage erhielt ich ein Schreiben *'mm 
AcHMED-Pascha, worin mir derselbe erklärte, dass er jUISb 
Reise zu den Kohlen-Minen des Libanon nicht mekf'flfar 
nöthig erachte. Da aber auch dieses Schreiben Mcfat wun 
iBRAHiM-Pascha unmittelbar ausging und die frühere Wdra^g 



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571 

des Vizekönigs uiclit aufliob, so wiederliolte icli meine schon 
zuerst gegebene Antwort und bestand auf der Abreise. Wir 
hatten nun jeden Abend das Spelitakel, die Wälder ainTaiinm 
in der Entfernung brennen zu sehen. Sie werden von den 
Turkomanen, um Weide für ihr Vieb zu erhalten, angezün- 
det, und da sie diess vorziiglich da thun, wo junger Nacb- 
wuelis die Gehänge deckt, so wird durch diesen Frevel der 
Waldbestand in den Gebirgen so recht eigentlich mit der 
Wurzel ausgerottet , wovon sich auch die schrecklichen 
Folgen allenthalben zeigen. Übrigens gab der Anblick 
dieser Waldbrände, deren Widerschein den weiten Spiegel 
des Meeres röthete, die grossaiHgste Illumination, die man 
nur sehen kann. In der Kacht vom 1. auf den 2. Oktober 
kam ^in Kurrier AcHMED-Pascha's an, der mir die Bewilli- 
-gong zur Abreise brachte. Nun aber fand ÜASSAN-Kaptan, 
der Kommandant des Schaach baas Dschihaad, Anstände 
abzusegeln, da keine besondere Ordre für ihn beilag. Ich 
schrieb daher wieder an AcHMED-Pascha, um auch dieses 
Hindemiss zu beseitigen. 

Am 3. Oktober schifften wir alle unsere EiFekten ein, 
und den Tag darauf erklärte uns ÜAssAN-Kaptan, der selbst 
ärgerlich wurde über diese rücksichtslose Zeitverschwen- 
dung, dass er uns auf seine Verantwortung auch ohne Ordre 
des AcHMED-Pascha nach Beirut bringen wolle. Wir be- 
gaben uns daher am 4. Oktober an Bord des reinlichen und 
sehr bequem eingerichteten Schiffes. Abends um 9 Uhr, in 
dem Momente, als ein günstiger Nord sich erhob, kam auch 
die Ordre AcHMED-Paschas an, die ÜASSAN-Kaptan die Be- 
willigung brachte, nach Beirut zu segeln. Um Mitternacht, 
als die Kiiste im bleichen Mondenliclite vor uns lag, die 
Waldbrände am Taurus leuchteten und der Nord das Meer 
spielend bewegte, hallte der Donner unserer Kanonen von 
den Bergen wieder, ihnen den lezten Gruss sagend, die 
weissen Segel blähten sich, Berge und Küste flohen hinter 
uns, die Schueegipfel senkten sich ins Meer, wir verliessen 
Kleinasien. 

Wir passirten auf unserer Reise Cypern ganz nahe, so 
dass wir die Küste deutlich nebea uns zur Rechten sahen; 



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»72 

ein starkes Gewitter, das am 0. sich in der Nacht äuiLibaiioii 
entlud, brachte uns Sturm, der aber unsere Reise unr. be- 
flügelte. Am Abend des 7. befandetr wir «hs schon auf 
der Rhede von Beirut, so dass wir die Uberüahrt iu außer- 
ordentlich liurzer Zeit gemacht hatten. Doch conträrer Wind 
erhob sich, noch bevor wir Anker werfen 'krauten, und .wir 
inussten in der Nacht wieder das Weite sncliien. Da» Meer 
ging S6hr hoch, und die Bewegungen des: Scfliiffte waren 
stäVk, doch hindertM sie nicht die Beuiani^ng,üif gewöhn- 
liches 'Abendgebet zu verrichten, nur dass einigemal bd 
dem an und fiir sich tief ergreifenden Momente, wenn die 
Muselmänner bei ihrem Allah heper (Gott ist der Grösste, 
der Erhabenste) mit heiliger Hingebung auf ihr Antlitz 
'Sturzen, sich kleine Störungen ergaben, die das Feierlidie 
VIes Momentes nicht sehr erhoben, so dass wir uns zur Erhal- 
tung des gebührenden Ernstes einige Gewalt anthun mussten. 
Der Wind wurde in der Nacht plötzlich so stark, *dass er 
uns einige Segel, die nicht schnell genug eingezogen werden 
konnten, zernss. Am Morgen des 8. Oktober näherten wii* 
mm wieder dem Lande und warfen um Mittag bei gänz- 
4icher Windstille dicht am Lazarethe von Beirut unsei'e Anker. 



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Siebenter Absclinttt 

Wissenschaftliche Resultate der Bereisung des 
Taurus in Karamanien. 



1) tfber fcHmailscIie und inet<Mirol<»ffUclie VerkHUaiMe 
de« Iiandes* 

Wie wir bei Darleg;ung des geologisdi-pbysiognomisdien 
Habitas von Karamanien sehen werden, so geht aus dem 
Bilde, das wir durch den Totaieindruck des ganzen Landes 
erlialten, sogleich hervor, dass sich dasselbe natui^emass 
in zwei von einander getrennte Partien scheidet, in die des 
Gebirgslandes und in die der Ebene. Ersteres umfasst das 
Terrain des Taurnisi und zwar die Theile desselben, die wir 
unter den Namen : Bulgur Dägh *, Bagliir Dagfa nnd Kai*mes 
Dagh bereits kennen. Die Berge der bohen Centralkette 
dieses. Gebirgszoges ertieben sich zum Theil über 10,000 
Paris. Fuss über die Meeresfläciie und gehören daher im 
strengsten Sinne des Wortes in die Reihe der Hochgebirge, 
wie die Alpen, Pyrenäen etc. Diese Centralkette fällt nörd« 
lieh sehr steil in die Hochebenen ab, welche dem Innern 
Kleinasiens und den übrigen Systemen der Taurusvei*zwei* 
gD0g angeboren und nicht in das Bereich unserer Forschnn^ 
gen fielen, da politiscbe Grunde damals, als ich Karamanien 
bereiste, eine sehatfe Granze zwischen den Besitzungen 
Meuem£d • Ali s 'tttid denen des Suitaus gezogen hatten/ 

^ Der Bulgur Dägli liat in dem an seiner Nordseite lirg;endcu Laude 
den Namen: Top* Dügli, ' 



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574 

Sudlieh hingegen^ gegen das Mitteltneer uud den gebirgigen 
Theil des Landes bildend, der im Altertliume unter dem 
Namen Cilicien begriffen wurde, sehliessen sich längs der 
ganzen Centralkette Bergreihen au, weniger hoch und scharf 
geformt, jiingern Formationen angehörend, höchstens zu 
4000 Fuss über das Meer ansteigend und meist mit einer 
üppigen Vegetation, zum Theil mit Waldungen bedeckt. 
Diese Bergreihen, die Rolle unsrer Voralpen zum Theil 
spielend, verlaufen sich durch ein niederea Hügelland in 
die das Gebiet der Küste bildenden weiten Ebenen .am 
Cydnus, Seihun und Dschihun, die, entlang den beiden lezteru 
Flüssen, sich an 14 Stunden weit ins Innere des Landes er- 
strecken, so z. B. die £hene zwischen dem Kap Malo 
und der Stadt Siss. 

Zwei so sehr in ihren Charakteren verschiedene Loka- 
litäten, wie das Gebirgsland, besonders das Hochgebirge 
und die Ebene, besonders eine Küsteuebene, müssen anch 
uothwendig hinsichtlich des daselbst herrschenden Klimans 
ganz verschiedenen Einflüssen unterliegen. 

Der Taurus in Karamanien, in dem heutigen vereinten 
Paschalike von Adana und Marasch, in einer nördlichen 
Breite von 36 und 37 Graden und an einigen Punkten des 
Centrale sich über die Grenze des ewigen Schnee*s erhebend, 
zeigt als Hochgebirgsland eine merkwürdige Verbindung 
des Klimas der südlichsten Theile von Europa mit der 
Uatlhheit des Nordens. Während in der Zeit des Sommers 
(der Wechsel der Jahreszeiten trifft fast mit dem des ge- 
mässigten Theils Europas zusammen) eine glühende Hitze 
die Thäler erfüllt, dieselbe oft mehr als 30^ Reaum. im Schatten 
beträgt und in den somiigeren Thälern am Rande d«r 
Ebene im Februar Tulpen, Hyazinthen, Anemonen, Euphorbien 
blühen, im März Mandel-, Birn-, Mispelbäume etc. Blütbeu 
tragen, erfüllt die Thäler und Scliluchten des Hochgebirges 
noch tiefer Schnee, der in Meereshöhen von 5000 bis (lOOO 
Fuss noch im Juli liegt und auf dem Rücken . des Allah 
Tepessi z. B. nie ganz verschwindet. Zu ^intab an der 
syrischen Grenze z. B. beobachtete Ainsworth am 15. Ja^iuar 
183Ü um 7 Uhr des Morgens eine Temperatur von — 12^ 



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575 

Reantn. und fand anf den Hügeln von Marasch im Febniar 
desselben Jahres noch zwei bis drei Fnss tiefen Schnee, 
der so fest war, dass er die Pferde trug. 

Die Menge der feuchten Niederschläge der Atmosphäre, 
besonders in der 2eit unsers Winters, in dem Hochgebiige 
Söhnee^ am Rande der Ebene Regen, bedingt einen grossen 
Keichthum an Wasser, der unter Mitwirkung einer grossen 
8ommei*bitze und eines häufig klaren Himmels eine kräftige 
lind üppige Vegetation hervon*uft, die zwar hinsichtlich einer 
phantastischen Pracht keineswegs eine tropische genannt 
^Verden kann, aber alle Fülle in sich fasst, die dem ge« 
luässigten Süden eigen ist Ein schönes, blnmenreiches 
Land , wo neben der Tanne der Lorbeer grünt und die 
Uebe zu den Wipfeln riesenhafter Platanen sich empor- 
Hcfawingt und Oleander und Myrthen alle Bäche einfassen. — 
So wie das Klima der höher liegenden Thäler des Centrale 
sich durch grössere Rauhheit mehr dem Nordischen nähert, 
so ist das der Ebenen, die sich längs dem Taurns, ihn aus West 
in Ost begleitend, hinziehen und das Küstenland bilden, mehr 
das des warmen Südens. Eine grosse Trockenheit der Luft, 
grossere Seltenheit atmosphärischer Niederschläge, starke aus- 
trocknende Winde bedingen an einigen Orten der Ebene einen 
grossen Mangel an Wasser, der einige dieser Landstriche, z. 
B. die Ebene von Siss, in der j(itit des Sommers in eine form- 
liehe Steppe .umwandelt. Die Hitze in den Ebenen steigt Im 
Sommer manchmal zu ein^r tropischen Höhe und erhebt sich 
sogar bis zu 35 und 36^ Reaum. im Schatten. Sie erhält sich 
aber nicht, wie zwischen den Wendekreisen der Fall ist, 
Monate lang in einem solchen Extreme zu denselben Stun<« 
den .des Tages, sondern sie sinkt durch die plötzlich/ Toa 
den Gebirgen her in die Ebenen. yordringenden Winde oft 
schnell -wieder herab. Nordwinde und Schneestürme iil der 
Zeit unsers Winters, vom hohen Rücken des Taurns kdnt* 
mend, siod, erstre häufig, leztere nicht tremkl. Überhavpt 
übt der Taurns auf die Ebenen von Karamanien denselben 
Eiufliiss aus, w i« es der Giaur Diigh, der Akma Dagh und 
die Berge vcr^^Äutab auC die Ebenen bei Antiochia und 
Aleppo thun, auf denen ebenfalls strenge Winter, in deren 



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S76 

Veriäüf das Themwnietier unter — 9 nnd ~i 10« Reaom. 
aidkt, bichi gerade so sehr ^Itea sind. 

Regelmässig uads durch längere Zeit fortgeführte Be* 
obächtmigeh iiber Lufidmck und Lnfttenperatar, Aeseii 
Tfaeil von Kanuhanlen betreffend , sind mir nicht beliannt, 
noeh weniger Be<Aachtoiigen über den Gang der Feuchtig« 
keR in der Atmosphäre. Wahrhaft schmerzlich war es mir 
daber, durcb den ganziicheh Mangel an den gerade zu die« 
seni Zwecke jiothigen Instrumenten (indem ich dieselben erst 
äkk ich vom Taurüs nach Beirut zuriickkehrte, daselbst vor- 
fond)^ nieh nicht in die Lage gesezt zu sehen , diese fühl« 
bai^ Lücke auszufüllen. Da Ainsworth * viele Hohenbe« 
afinmungen mittelst des Barometers in seinem schätzbaren 
Werke anfahrt, so scheinen wenigstens vereinzelte Beob« 
aehtungen über Luftdruck voi*zuIiegen, das Detail derselben 
ist aller nicht bekannt gegeben. 

In Betreff des Ganges der Lufttemperatur im AUge-» 
meinen zeigt Karamanien im Gegenhalt von Ländern , die 
oiiter derselben nördlichen Breite liegen, z. B. die Nord- 
kfiste von Afrika, bei Algier und Tunis, wo an ersterm 
Orte £e mittlere Temperatur des Jahres 21,28^, am zweiten 
Ä0,14<> Cent.** oder 17,02 und 16,11<> nach Reaum. beträgt, 
die demnach der von Kairo nahe kommt, eine bedeutende 
Abweichung, die wohl rein in der Lokalität, in dem Unter- 
schiede zwischen dem GebSrgslande und der Ebene der 
Kitste unter dem Einflüsse naher Wüsten begründet ist. 
WlBS. jedoch den Gang der täglichen Lufttemperatur anbe- 
langt, so unterliegt dieselbe dem gewöhnlichen Naturgesetze« 
Die: Temperatur erreicht nämlich täglich ein Maximum in 
ima ersten Stunden des Nachmittags und ein Minimum in 
ibnr Zeit des Sonnenaufganges. 

V' in den Monaten Juni und Juli 1836 wurde von mir 
und Hm. ftö^üBSY einie Reihe voii Thermomete^-Beobachtun-* 
gen gemacht, deren SesnÜate ieh in nachfolgender Tabelle 
übergebe. 

'^ Beseal'clies in Asuyria, Babyloma and Clialdaea etc. liondon 1838» 
"r*^ Jk, V. HtTMBDLDT , Fragoiente einer QeobgiGl" J«ad KUmatologio 
Asiens. Berlin 1832. 



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stark. SO. 

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S81 

Ans diesen Beobaebtnngen . ergfkt sieh für den Ort 
Giilek, nnd für die Monate Juni und Juli eine mittlere 
Temperatur der Luft am Tage im Schatten Ton 2i,7^ R&nm., 
in der Sonf^e yon 30,1^ Reanm, Wir sehen daraus die 
grosse Sommerhitze, welche in einem Thale stattfindet^ 
dessen Winter rauher ist, als der des nordischen Englandst, 
und sehen ferner, dass die im Juli herrschende Temperatur 
die des Monats Juni um ein Bedeutendes ubertrifll« 

Was die Feuchtigkeit der Ahnosphare onbeiaiigt, so 
kann Ich nur allgemeine Behauptungen hinstellen. Der 
Zustand der Luft an der Küste, unter dem Einflüsse des 
nahen Meers, ist der Lokalitat nnd in den Sommermonaten 
der herrschenden grossen Tagesliltze angemessen, namlkh 
am Tage trocken und in der Nacht, wenn das VermSgen 
der Luft, Dünste in sich anfzunehmen, durch Herabsetzunj; 
der Temperatur ein Grösstes geworden ist, feucht, nnd starke 
Thaue sind daher häufig. Weiter von der Küste entfernt, 
vermindert sich der Einfluss des Meeres mehr und mehr, 
und die Ebenen, Mangel leidend an fliessendem Wasser, 
sowie an Frequenz atmosphärischer Niedersdiläge, werde« 
im Sommer förmlich zu Steppen, die ein verdorrtes, sonnen* 
verbranntes Ansehen gewähren, so die Ebene um Atta2iarbl^ 
Siss etc. 

Anders verhält es sich mit dem Gebirgslande , welches 
den nördlichen Saum der Ebenen Karamaniens bildet« Die 
hohen Bergspitzen, ein von der Natur sowohl dem Wolkeit'^ 
zuge aus Nord, als dem aus Süd entgegengestellter DanNa^ 
bilden einen natürlichen Anziehungspunkt der Wolkenmassen, 
die aus jenen Richtungen kommen. Starke und anhalt^ide 
Regen, besonders im Anfange des Winters und im Frühjahr, 
sind häufig und bedingen den. grossen Wasserreichthum des 
herrlichen Gebirgslandes und die üppige Vegetation, welche 
die Gehänge der Taurasthäler begleitet. Die Luft ist scharf 
nnd trocken, die den Gebirgsländern eigenen starken Wtn4e 
reinigen sie und machen sie der Gesundheit znträglicb. 

Ini Laufe desSommecs sind Südwinde die vorherrschen- 
den nnd. besonders Winde ans. Südost, so hatten wir sä 
Guiek in. den Monaten Juni nnd Juli: 



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582 

11 N. und NISO. 
^ SO. und SSO. 

Im Winter faingef^en herrschen Torwalteiid Nord-» uod 
besonders Nordifvtesi^lnde, die häufig 2u Stärmen anwachsen 
jnnd den : Seefahi*em auf den offenen Bheden der Küste ge^ 
iahrlieh sind. Die Witterung in . den SommeroMMiaten ist 
bei grosser Hitze meüst konstant schon, wenn nicht die 
Südwinde Vom Meere Gewitter bringen. Die Gewitter ans 
Mord .'dringen seltner iu die Ebenen des Kustehlaades vor, 
sorideru entleeren sich meist an d^n Beiden des Tanro^ 
sehr häufig in ihrem Zuge der Kette desselben folgend. 

In all den Thälern des Taurns, welche ich durchwanderte 
und. .die fast ausschliesslich im Gebiete der harten Kreide nnd 
in Kalkstein nnd Schiefern Hegen, die zum Theil der Grau- 
wackenformation angehören dürften, fand ich nirgends Kre- 
tinismus, sondern überall gab mir der miffallend schone 
Menschenschlag einen Beweis von dem wohlthätigen Ein- 
flüsse des Kllma's auf den menschlichen Organismus, Ob- 
wohl der. Wechsel der täglichen Temperatur sehr beträcht- 
lich ist, '.beträchtlich er als in .den Alpen, nnd einer Tages- 
temperatur von mehr als ZO^ Reaum. oft sehr kühle Nächte 
und kalte Morgen folgen, die Menschen im Freien schlafen 
und den Hals stets unbedeckt tragen, sind doch Kröpfe und 
vetwandte abnorme Formen eine ausserordentliche Selten- 
heit, und es dürfte dieses einen Beweis abgeben, dass nicht 
der schnelle Wechsel der Temperatur iii unsern Alpenthälern 
/lUeiii diese Erscheinung bedingt, sondern dass andere Ursachen 
.vorliegen müssen, die vielleicht zum Tlieil In der Lebens- 
weise, in Elgenthümlichkeiten des. Trinkwassers etc. ihren 
Gtund finden, dürften. 

Das Klima der Küste, die grosse Hitze des Tages im 
Sommer^ die feuchte, mit salzigen Dunsten des nahen Meeres 
geschwängerte Luft, scheinen der Gesundheit der Menschen^ 
auch der Eingebomen, nicht zuträglich zu seyn. Wechisiel*- 
fieber sind in den Ebenen häufig und in einigen Orten, be^ 
sonders in Adana und Tarsus , sind sie so verbreitet , dass 
ihnen fast Niemand entgeht. Sie nehmen auch in den genann- 
ten beiden Orten oft einen sehr gefährlichen Charakter au, 



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583 

wie die . uii^elieuer aui^edehnteH Kirchliofe der beiden 
Städte auf eine tnmrige Weise daHbun. Die Pest ist 
den Dlitrili^teti der K&rte gar nieht fremd , doch lialte 
irJl sie.fiteUi.lur. eipjgesclileppt aus andern Orten, wo sie 
gerade lierm^lit;) ubd durcliaos nicht f&r. eine durdi das 
kerracKende Klima von. vpi*iie hierein hervorgerufene Kranit- 
hc^ faul JRalif 18$8-7f8;29 herrachte die Pest in Tarsus 
und unter^ den Op£^m, diei fi^ien^ waren auch Ginsbek« und 
Nowak, ein spi^ter; au£f , Ostreich angekommeaes Mitglied 
derTaumsexpeditjaii. Dasa als Grundursache der häufigen 
und einen bösartigen Charakter annehmenden Fieber die 
fauUgen Ausdiinstongen des Cydnus, der In der Nähe seiner 
Mündung ein stellendes Gewässer bildet, ferner die Sümpfe 
und ^Lagunen' an der Küste, eine wichtige Rolle spielen, 
dürfte wohl nicht zu läiignen seyn, aber nicht minder wirk- 
sam in dieser Beziehung, glaube ich, sind die Miasmen, die 
der Kulturboden der Ebene dadurch liefert, dass er in der 
Hitze des Sommers ausdorrt, zerspiingt, tiefe Klüfte bildet 
und darauf durch die anhaltenden und starken Regen 
des Winters, wählend deren es auf dem Hochgebirge schneit, 
wieder in* einen Schlammboden verwandelt und durch Feuch- 
tigkeit in Verbindung mit Wärme eine energische Zer- 
setzung seiner organischen Bestandtheile eingeleitet wird« 
Die Unreinlicbkeit, die ,in den Städten herrscht, das Elend 
und die schlechte iNahvnng der sti^rkc^U) Garnisonen, beson- 
ders in Adana,: nnt^r d^r ^uch .die Fieber meist in besonders 
hohem Gradciwuthei^,. diese Elemente helfen die Krankheit 
verbreiten... Durch /sie. ist der Stpif: gegeben, der durch dei) 
leisesten Ipopuls .voq aussen auf jene furchtbare Höhe po* 
tenzirt whrd^ .Die Pest des Jalires 1629 gelangte aus :detf 
Ebene, du^cb .naciiV'eisbat*e Ansteckung, bis nach Gülek und 
herrschte dort,;yiid ,in den umliegenden Dorfern eipige Zeit 
lang; jed^h Uir bösartiger Charakt^ hatte sich, wahrschein- 
lich; ,durch^die holie I^age.des^ Qrtea, durch das an und für 
sieb gesunde K^inpui: daselbst,, g^n^ildert, und yiele von jenen, 
die befallen wurden, kon iijtev, gerettet, werden«. \ 

Dissenterie kann einem Lande, das schnellem und 

Kii«Nr.aiirn, ReiKcit. I. B«!. *2. ThI. S8 



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584 

starkem Wechsel der Temperatar ausgeseKt Ist und wo die 
Menschen hei einer Kahmn^, die Yorherrschend ans Obil 
«fld Milch he-steltf, häu6g die Nächte im Freien znbringeii 
und sieh starken VerkiiliiuDgen prelsg-eben , nicht mangek* 
Doch tritt die^e Krankheit nicht so rapid anf, wie im hohen 
Süden, ebenfalls eine Mildeningj deren Ursache ohne Zweifel 
in den klimatischen Differenzen sich be^pnindet. Bekanntlich 
ist he! hartnackigen Fiebern und Dissenterien kein Mittel 
wirksamer als ein sclineüer nnd starker Wechsel desKltma'^ 
Dieses Mittel ist dem Bewohner der Ebenen Käramanieiia 
dnrch die Kähe des llüchgeblrges gegeben^ nnd daher scheu 
wir, nicht hios allein um der grössern Hitze zu entgehen^ 
die Menschen ans Tarsus nndAdana in den Sommermonaien 
häutig; In die nahen Gebirge sicli begeben und dort In der 
reinen Alpenhift Schntz und Rettung finden. Die Cholem 
besuchte jene Gegenden auf ihrer indisch -europäischen 
Wanderung, stieg im Hochgebirge zu Meereshöhen Ton Z bis 
4000 Paris, Fnss empor^ wurde aber nicht heimisch^ wen%^ 
stens nicht in ihrem bösartigen Charakter, 

Die egyp tische Ophthalmie zeigt sich mancbmal unter 
den die Garnisonen der Städte nnd Festungen bildenden 
Truppen, da aber diese grösstentbeils ausEgyptern bestehen 
und diese Krankheit sich unter den Eingebornen^ besonders 
im Gebirgslandc^ nicht zeigt, wenigstens nur höchst verein- 
zelt auf tritt j so ist es wahnscbeinlicherj dass die Leidenden 
diese Krankheit aus ihrem Heimathlande mitbringen^ ab 
das» sie selbst au Ort und Stelle sich ausbildet^ Audi 
mangelt meiner Ansicht nach im Icztern Falle ein© der 
Hauptgrundtirsachcn^ nämlich der salzige Staub des Kulhir^ 
landes, der in Egjpten zur Hervorrnfnug dieser Krankhdt 
eine solche Hanptrolle spielt, und es diirffc ^ie miiilcr<^ 
Jahrestemperatur nicht hoch genug mii die ^^f^^rrr^ lior 
salzigen Dunste in der Atmosphäre nicht iin« 
iim einerseits den Körper zu dieser Kr^ ' 

und zu bestimmen ^ andrerseits i 
wirkendes Hanptagens aufssutrete^ 




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5S3 

9mUm ▼«rlUUiliMNMi der Mok^g&mm^ «einer VeMronnaüoiiea« 

Da» Platea» von AnMiieir, die höchste Erhebimg Mittet* 
asiens arvriscfaeif dien kas^scheii und schwarzen Meere, er^ 
scbefnt'als elb mächtiger Gebirgtetoick . Tnlkamscher Ent^ 
stehnng^, der anf «iine» RneiLen die weffe Ebene hat, 
welefee den AraraA, den benrmriqfewdaiten' Pankt diesed 
Platean's, tr%t In ihtmxt fie&ten Pmkte, kn Thale des 
Aras, lieg;t dfese Ebene 27M Fnss über dem Meere, nnd 
der Ararat selbst stei^^ in zmt fiipfelsj als iprosser Ararai zn 
16,069 nnd als kleiner Ariiract zti 12,932 Fuss iiber das Niveau 
des Meeres an« Ewiger Schnee nnd Gletscher bedecken den 
hohen Rücken des dnrcb die Khel geheiligten Berges. Das 
Platean, da» er bekernckt, filK In Nord in das Thal des 
Knr ab, jenseiüs welcitem sich der mächtige Kaukasus mit 
seinen Riesen^ dem Eiboros nnd Kasbek, eriiebt nnd als 
Gürtel zwischen den käspiscken nnd schwarzen Meere' sich 
aus Ost in West erstreckt In SU fiLHt das Platean Ar- 
meniens in das Cfenrilenlasd des Tigris und Euphrat ab, nnd 
wie in Nord der Kaukosns, erbten sich hier in Sud der 
Tanrus nnd Antttaurtis^. inächt^ Geblrgssysteme, die Klein- 
asien ans Ost in West dailebisieben, sich in lezterer Richtung 
bis za den Vergeblrg^il des Archipels nnd des schwarzetl 
Meeres erstrecken, in Q^ hingegen, durch ekie' Reibe sich 
anschliessende Gebirgszuge im dks Tafelland vcfu Iran , Ibl 
Süden ' des kasplschen Meeree, «ich binarfehen und wdler 
mit dem Bind« Kho nnd deii ithirfgen^ GeUrgssystemen Hoch- 
indienk iMck verbinden. — Die wdUcfaen Randgebirge dev 
HochMbencf ton Arnienien liod die 'westlichen Toiif Aserbeid«* 
scdian gehel'en bereits zuih Zuge deä Taurus nnd sind eigent^t 
lieb *als< sein estlicher Anfangspunkt tn betrachten. Deit 
Tanrun scriroU wie» der Antitaurus gehen unmittelbar vod 
dem gro^Mu 6ebiif;s8toeke Armeniens am nad erstrecken 
sick als änfingliche Parallel-Ketteil, der Antütarus nördlich,' 
der Tauniri südlich Vom Eupbra4h-Th*l6 a«s' Nordost in Süd- 
weist; #eiiei< westUok kin^gen ändern beide Gebir^ysteme 
iven Zng^ der Antiteurus erstreckt sich ai«s Ost in West 
gngeh: das MiCrmeifa. nnd sehwai^e Meer hin, der Tanrwi 

38* 

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580 

hintrHpg;«ii*liMt-Bfch' in gielcher RieMangf «b die ^Siuf koste 
Kteinasfens. Der Antifathms erbtelt zmti ' gftiäsen Theflin 
neuerer Zeit den Mamen- Aga Dagh; seine Bei^e sieben 
denen des Taonis, sieines «udtiefaern Naohbars, an- Höhe sehr 
nacb and er ti*agt miehr den Charakter «neriVoralpenk^ley 
^fahrend dem Tavrus der einer Ceiiträlhette.zubtaiin^«. Der 
Hatq^tziig des Antifivms geht Ybn Armenien aus Aber Slw9« 
nnd Tokait gegen; Angora, bildet am AUab Oagh ^ -nerdoset- 
lieh von Kutajel^ seine lezfe Erhebung Ton] B^entilog i»^ 
verliert sich dann in '. den Kiistenliergen des sühwairzen' nnd 
Mannora-Meerbs. Er ^eiidet. zahlreicher Sieitientweige f. fai 
Kord und Süd aus, die bedeutende. Flnssthäler einschliesseii, 
Ton denen die des Sagaria^ desGüsilllrmak^fdesJescbiU oder 
Jekiltlrmak und des Koälu.Hissir wohl die bedeutendatOn 
seyn düiften. Alle die bedeutendem Flütoe^ die dem Gebirgs- 
Systeme des Taorus angehörlBn^ entspringen auf der Hi>diebene, 
die das Innere -Kleinasiens^ den höchsten Erhebnogs-^ucken 
dieses Landes^ bildet vasA die sioh vom obern Eupihratthale 
^egen West bis zu dem Gelnrgszuge erstreckt, der aber 
Koniab und Kutajeh ans SO. in NW» den Teu#iis mit ddn 
Antitaurus verbindet. Diese Flüsse durebbreehen den Hampt- 
zug desAutitaui^ns, der das nördliche Randgebirge- dieser 
Hochebene 'bildet 'und wenden sich dem schwarzen .vaä 
M^rmora-Meere eu. — Den südlichen Rand dieses grossdi 
P(ate&u*s, da^ kidi gegten^Ost zum ^ngen Buj^Hrattbaleivar« 
schmSflek^ ^eg^b Wekt hfiigegen «ieli ierweitßvt^l liei; AkstaS 
am Öüsill^ImAtc uA^-'bei Ds^hösg^ seinö gifössiet Brefe 
erfeidit 'Jind^'iani 'obenörwäbntAn dueraug^« vonii^ebii^pi 
zwischei/ dem Taiiru^^nd' Antita;unis^Mbei/Koniak näiilSU^ 
Hjehi, ' i^lötzIfefrTeivdet,! bildet der Tminifiuv)tE«-Ke^i|aMp 
defiflochebeAe^^onrAriHenien und am WeatrJmde**¥OBi hpflfil 
beidsdian. 8efileiIiiioßtkette):ei}stl*ecfcl>sfdi/v^.deH 
Bassirfs v^n^ Ot-mMh «ndt'Wäi/, dib er ^mbebliesot^n 
IfeH' ans Novd^(/1ii> «Sudwest dbbri Aigahal^i Mta 
I^atbekr, zwiscbei^ dentf :QuelIertlande/^des:T%riarr 
Flussthale de» Eephi'at bis z«m Dnrebbruche - 
Rifm-K«1eh; daseibist aber uiidimebr.ttOfAi ^vesflic 
Bostan und am Duroltbruehe des vvestlichen SUhi 



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587 

der Tannis, der Dun die Siidkiiste Kieinasiens bis In die 
€i^g;etid'voii Smyrna am Ai*cbipel*9leer bi»g;leitet, eine. mehr 
ost-i;!' estliche Richtoni^ an^ Iii diesem seineni . Ceatralzitge 
liegten seine hoelisten he9vorrag;enden Punkte, die die Gränze 
des ewigen Schnees (in dieser Breite 10,Qee Par« Fuss) 
fiberstelg^en und die sich :nieist zwischen dem DiHSchbrudie 
des Eitphrat und dem des Cydnus befinden. Der Taarus 
tr&gt hentzutaige in seiner LängMerstreckong durch mehr als 
16 Längengrade verschiedene Namen, häufig yecdnstaltet, 
häufig verwechselt, JedoA' nicht immer durch .die Schuld 
der Rektenden; denn die £ingeboriien selbst bezeiehneii die* 
selbe Partie oft mit ganz verschiedenen Namen. So z. B. 
bezeichnet der höchst, verlässliche Reisende Ainsworth die 
Kette des Taurus oberhalb Adana nnd Tharsus mit dem 
g^enerischen Namen Ramadan Qghi, wälii*end ich dieselbe nie 
anders als Bulgür Dagh und Baghir Dagii nennen hörte. Ich 
behalte- datier in solchen Fällen die von mir erhobenen Be^ 
nennungen bei, ohne die Riehtigkeit der von ändern Rei* 
senden angegebenen besteeilen zu wollen. Der Centralzug des 
Ta.arus, die Paraltelkettedes Antitaurus, sendet, ebenfalls 
unter ganz verschiedenen Namen, verschiedene Zweige, so« 
wohl in Nord in die Hochebene Kieinasiens^ als in Süd zur 
Küste des MitteliAeeres aus. Der bedeutendste der erstem, 
der das wesälclm Küstengebirgisland Kieinasiens am Archi- 
pel-Meere von dem Plateau trennt, welches das Innere Klein- 
asiens bildet, ist «die grosse JBergkette , weiche* den Taums 
mit dqm Antitanrus an ihren westlichen Enden .in Yerbin-» 
dnng^ sezt^ die Kettd, di^t sieh ^ann Südost tn' Nordwest von 
Koniah über Kntajeti lind Bruibsa anis Marmora-Meer zieht, 
die den westlichsten Rsmd- des grossen Pläteao's bildet und 
deren nordwestiielwter Punkt ' der Olymp bei Brussa ist 
yjön dlesei^ Ketle <aiis< gelten in« Süd^vcist viele Zweige, die 
das Gebirgsland der Küste, die'tklassischen Berge bei Tvoja^ 
Pergamoi^'niid^Smyrba^ konstitaii^/ 90 wie ein Hauplzweig 
deraeifi^n, den^Elma Dagh, zwischen Konlah nnd Kntafeh 
sich in Novdostierstredit'^« die mittelbare Verbindung des 
Taurus mit dem Autitanrus bei Angöra am Ku^h Dagh 
bewirkt und den Theil des grossen Plateau's, der den hohen 



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»88 

finiscbiesch bei Kafsariefa «oisAt, 4^ dberefluiiq^tUei im 
Gknlll Irmak von dem Flußgebiete des Sagaria, d. i.* voi 
dem novdwestttchstea Thell des Plateau's zwiadiea den 
Taurus und Antitannis, namUch Toa der Hochebene Toa 
Kati^eb trenat. Der. bedeatendate der aadiichen Zweige des 
Taurus lat der Ditrdüit.Dagh, der weattcb Tom Eophcat 
iram Durebbroche des Dscbihitn an sich ia Säd eratreebl^ 
Ewischen Maimaeb nnd itMadb aioh imit dopi Giaur ^er 
Jawur Dagb ye^btodet, der der Ammmm der Alten ist.^ 
Von diesean igefat» wieder. ebi^JSweig'iaMUck, «der AfanaDagb 
eda* Rbosua der Alten, der welterUn ab M naea. Dagb, ab 
lOschebel Okrab etc» daa Knatenland Ton Syrien am Orontea 
bildet nnd dessen weitere Verzweigung und Verbindung mit 
dem LibanoRznge wir bereits kennen. Der Giaur Dagli» 
der die nördliehste Granze Syriens darstellt, ist eine siid- 
liehe ParallellLette des Taums, er erstreckt sich fast aas 
West in Ost, tiftt oberhalb Aintab in das Flnssgebiet des 
Kapbrats ein, der ihn bei Rum Kalöh durchlnricht und sezt 
östlich dieses Flusses, den Sudrand der Terrasse von Djar» 
bekr, das Quellenland des Tigris, bildend, als Karadsdija 
Daghli, Dschebel Tur (Taunw?) und ISaärem Dagh über 
Mardin und Nistbin** bis in das Flussgdbiet des Tigris, 
awisehen Dsebesirah und Mossul fort Das sudlich dieser 
sttdlicheii Parallelkette des Taurus liegende Hügelland, die 
Hi^lreibeB des Sindaebjar, Babel etc. verliert sich weiter« 
hin in den Ebenen Mesopotamiens, zwischen dem Euphrat 
und Tigris. 

1 Unter den:Fliissen, welche dem Systeme des Taums 
fin^ehören, sind der Tigris, der Euphrat, der Dschihun und 
der SoSmui die bedeuteadaten, die^ilbrie^n, meist blosse K&sten- 
fliisse^ kahen zwar zum Theil hiahen geschichtlichen Werth> 
aliler .aijeht jene für die Erkenntniss der Sin^ur des LanAoi 
tiqbe Bedeutung wie die genamitea» ;. jii 

Bm aseUenload 4es Tigrb gehört dem Ceatrdaage ;M 
Taliiwkiaä und zwar dem Theile, der östlich vom DurcUbnäoft^ 
des Eapturat den Nordrand der Terrasse voa> Djarh«|» 

• * Man »ehe die Rkrte de« Tauru« in Karamanien. ' •-•/• 

..*'** Zassmmeii den JidcniM der AUen bildead. 



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UMet JJieses merkwürdige GeUet-, to wie aaeh 4at 
Terrain de^ oliera Eophratlaiifee und des Tigrislaufes bis 
Mossnl, ist uns erst durch den Verfasser der liöelist wertli^ 
ToHen Briefe ul>er Zlisttnde und BegebentieHea ia der Türkei 
In den Jahren IS» bis 1839, Berlin 1841, mk goögra^ 
plilsolier Bestivtatbeit bekannl. Seinen Untersaefanogfen zu- 
folge ist das Gebirgslaed) in welchem der Tigris oder Scbatt 
entspringt, toIi dem obem Eopbrat auf S Seiten amschlossett, 
und seiäe Quellen iiegen zum Theil nnr aweitaüseadi Sdlnritte 
von dem Ufer dieses Stromes entfernt, niit weleliem sich 
seine Wasser erst SdO Meilen Iveiter yenaisehea. Der grosse 
See, welcher hoch iiber dar Ebene von- Karpnl Und dicht 
am Ursprünge des Tigris liegt, steht jedeeb in gar keiner 
Verbindung mit diesem Strome, der bei Argana Maden ans 
dem Gebirge tritt, an den Mauern von Djarkekr (oder Kara 
Amid) vorüberfliesst, däsdbsf bereits för Flösse schiffbar ist 
und sich weiterhin in der fruchtbaren Ebene mit dem Batt- 
man, der mehr Wasser führt als der Tigris, vereint. Er Ist 
ein sehr reissender Strom Und seine Geschwindigkeit swiseheii 
Djarbekr und Dschesirah dürfte im Durcliselinltte 6 bis 7 
Fnss aaf die Sekunde betragen. Der Tigris gebort daher 
rein dem südlichen dehäöge des Taurns an. Nicht so 4ie 
fibrigen der genannten ffUisse, die sämmtllch am Nordg»- 
häng^ des Tanrns auf dem grossen Plateau des Innern vo« 
Kleinasien entspringen, die Centralkette, den südlichen Rand 
dieses Plateau's, dorebbrechea nnd mit Ananahtme des £u- 
phrat dem Mtttelmeei« zueilen. 

Der Euphrat, dessen weit verzweigtes Quellenhnd dem 
Hanptgebirgsstocke von Aimeoien angehört, fliesat bis in 
die Gegend von Palu in Südwest am Nardgehibige des Tann» 
liin und tritt ilaselbst in die Berge des Centralznges ein, 
den er. nan, beHfiufig ans Noi*d in Sud fliessend, dnrcbbricbl. 
Bei Samsat tritt .er wieder in die Ebene aus wilden Fela- 
schluobtea berw>r, dringt wieder in das Gehh*ge ein und 
^war in den €iiaur Dagh, die südiiohe Pärallelkette dea 
Taurus, durchbricht auch diese und tritt endlicb bei Rum 
Kalih in das Hügelland von Nissib und weiterhiu In die 
Ebenen Meaopotamieas ein. An dem Gebirgssee von 



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«90 

'Karpiit imiflit^st der ßiiphrat mUteii in der Ceotralkette gwnz 
nahe die Quellen des Tig^ris in einem eiig;en Boigra, wo- 
riiber ich so eben das Nähere niltgetheUt habe. 

Der Dscbihtin * entspringt am Nordgeliänge des Tamis 
am Sehen* Dagh. Seine gewaltige Hanptquelhe liegt dicht 
bei Et Bostan ^ und ein Fluss von 20 Schritt BreHb vnd 
^ bis 4 Fuss Tiefe tritt dort auf äinmal zu Tage. Gleich 
darauf niimnt er den Ztrfl^oss einett> fant! ebenso, grossen 
Quelle aiif^ die an dem Wege ron Jarpufls'lMgt, and iweiler^ 
hin- veretnien/sich' mit ihui'nodi dref'6(ai4ce^Bächä ans^Nord, 
Ost und West, so dass er 4 Stunden unterhalb seiner Quelle 
schon einen sebr bedeutenden Fluss bildet. Er diirehbiielit 
die Tauroskette am östlichen Ende des Karmes Dagh, südwestl. 
von El Bostan, und eilt als theHweise schiffbarer Fluss dem 
«nitteliändlsohen Meere zu. 

Der Seihun entstieht durch die Vereinignng zweier be- 
deutender Seitenarme; beide entspringen an der Nordseite 
des Taurus auf dem grossen Plateau des Innern von Klein- 
asien, und zwar der östliche in der Nähe des Erdschiesdi, 
der wtetliclie weiter in West in der Nähe des obei*n Giisill 
Irmak^ Der östliche Arm des* Seihun durchbricht den Taiurus 
bei Htidh, der westliche hing^en in der Gegend von Ulund- 
scbi Kaleh; beide treten In die Ebene von Adana ein und 
ergiessen sich an der Südküste ins Mittelmeer. . Beide sind 
für Flösse in der Regenzelt, . wenigstens zum Thell, schiffbar. 

Auch einige andere Flüsse der Küste entspiingen am 
Nordgehänge des Taurus, sie Sind aber von geringerer Be- 
deutung. . 

' Aus dem Gesagten .erlieUt also , dass das eigentliche 
'Qnellenland der Flü»ae.'Kleinasiens auf dem grossen Plateau 
liegt', welches ^^das • Innere des Landes bildet und die 
Centrklerhebang desselben iijt, das aqs Oisit in West sich 
Ziviseben dem Taurns und Antitatiras hrinziefat, den T^s 
ides gdnzen Landes darstellt und alle, seine Flttssgebietei^.als 
deren eigentliche Wiege dasselbe zum grössten Theile be- 
titabhtet werden kann, beherrscht. ... 

* Dscliihuii das Wotall. . - .. . ' 

-' '^"*' Briefe tiber Zu»(aiule und Begcbeuliciteii ia dei^ Türkei. 



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501 

Blntelne Zweigte der beiden grossen Randgebirge, des 
Antitannis' in Norden nnd des Tatirns in^S&deh, sprftigen 
als mächtige 'Yorgebii^e in diese -Hocliebene Tt>r und durch- 
sefawärmeA sfe-W t^rschlederten Riehhingen," 'vorzugifch aber 
:^fiid vereinzelte, isolirt auf der Ebene stehende, tntkanische 
Hervorragnngen* interessant , dte sicii* als öiBchVf^ 'Gifbirgs- 
stöcke ansspredien und* unter denen der £rdscliiesch bei 
Kaisarleh tfnd' der flassäii Dagh bei Akserai die wic^itig- 
steü sind'*'. • '- •' * '' • ' 

Um das hier gegebene Biid des * Gebirgssyätetns von 
Kleinasien zn ergänzen, gebe i(eh, in Ermanglung eigener 
Beobachtungen, ein Vei*zeichnissbärometr. gemessenei^Meeres- 
Höhen, nach^den Angaben von Ainsworth und BkR^Hiius. 

Nach Bbroumj« und meinen Solifltznngen-: 

Paiis* E^M. 

Gipfel des Erdschiesch bei Kaisarieh . . . ..' 12,290 

Scbneegranze am Erdschiesch, auf dem Plateau 9964 

(um 3700 Fuss niederer als am Ararat)« 

Gipfel desgrossen Ararat. Plateau von Armenien 1,6,069 

^ ^ kleinen Ararat. ^, „ ,, . 12,202 

Ebene am Ararat. Aras-Thal » ^ » . v . ^7^^ 

. Schneegränzc am Ararat. « ,, ,> .;. 13,S00 

Dorf Ka^a.kl^ am Ararat oberhalb Erivap* Plfi^^ 

teau von Armenien ... v •••,•. - 4148 
Allah Tepessi, höchster Gipfel desBulgur D«^b,, 

imTaurus nach mein. Schätzung^, wenigstens * 10,000 
Kammhöhe des Centralzuges des Taurus am Aklp 

Dagh . . ... 2700 

Kammhöbe des Centralzuges df^ Tsiiirus am Kara ; 

Bei . •. • •. v ',•.•.•.-.••' r' r : ^^^^ 
Gipfel di^a Ka&o Be)i aiMDleh yi^ir^ivr^; Taurus. . , ,.6^00 
,, >, Asi Kur (Niphates) nach Schätzung . <^ 

wenigstens . . . .., • . .,, . ?':• .• •.. 4P>P®® 
Gipfel df^]pa8;hir. D^g^ f^?,^|i jmfin^r .Sdiä,tz^iig, . 

weiügstens • . . . . . . . • • • : • • . .^M^O 

* Grundriis' (fer '6^ogri*pTi!6 ton 'tir. 'H.* BKRCHAif». Breslau 1841*, S. 
336 etc. • • • •"' ' ' :' 



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9M 

AvrU«Fiiis. 
Terrassenebene ?on Djarbakr, Durchschnitt . 

Tanr^s ^ . . S^M 

. K^ulturthal von Alendab mtt dem Se» vpn Gt^JL* 

9eb<k-GkaL Xaiiro^ 4190 

Ebene ftm S4was. Antitänrtis ^ StfO 

^ „ Baulns. >> .««... S180 

TM des GüsOl Irroalc bei Tokat. Antitam^ ^^^ 

Amasiah am Jeschil Irmak. Antitaurus . • 1070 

Qs^mandscblk am Qii^m Irmak i» . : • • 860 

Ebene ypn lUisadeh am Erdschiesch. Plateau. 3940 
Gipfel des flj^^wtn JJlagb bei Ak-Serai m( 4em 

Piajtenu . 7500 

b. Nach Jümwürth's Me8suiig»en io . engl. Foss. 

Kammhöhen des Taurus und Antitaurus. Bei 

Maden Gomusch ..../•.•;' 5053 
Kammholien des Taurus und Antitaurus. Bei 

Dawah Bofni . . 4453 

Kammhöhen des Taurus und Antitaurus. Bei 

Khutei 8379 

Kammhöhen des Taurus u« Antitaurus am fritl 

Dagh . 4808 

Kammhöhen des Tanrns und Antitaurus an den 

Bergen bei Ajeii . . 5650 

Kammhöhen des Taurus und Antitaurus. Bei 

Sellskt 4250 

Kammhöhen des Taurus und Antitaurus am Kara 

Bei . ..... . ...... . 6790 

Kammhöh^n des Taurus und Antitaurus aD) "" 

Chamlu Bei 5200 

Kammhöhen des Taurus und Antitaurus am Aklo 

Dagh ,,.... 11900 

"fibene von Djarbekr, Tauras ...... 3500 

Thal von Äleiidah und See GordscWk-OoH; Ktii* 

' turlaud. Taurns Üäa 

i^Vuphtba^res Thal bei Dawah Boihj mit tmcn 

Seiteii2uflu5se des Eu^Urat. Taurus tSlO 



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^ ' Engl. fiwt. 

Karput Ple rombche Carcatblocerta, £beoe, 

Kultorland^ Tanrus ........ 5033 

Hügel bei KirnteL Tauros . 3379 

Hochland zwischeo Maden Gomusch und dem 

Gul Dagh. Taairus ........ 2280 

Arab-Kir .im £nphratthal ...•«... 3530 

Thal von Berastik jenseits dem Ajeli* Eapbrat- 

Thal ... ^ ...•••• • «»5 

Fruchtbare Ebene von Diwrigf. Eupbrat-Thal .3116 

Silvas. Hügelland ^ . . . 3894 

Kotn£. ^ ^ ... ^ ..... .. 4050 

Thal von Kar£m am Chamla Bei . • , . , . 3328 

Kulturebene von Baulus 3338 

Tokat am Jeschfl ilnnak . 1577 

Amasia am ,> ^ ......... 1048 

Asi Kur, nach Schätzung. Gipfel . . . . 10,000* 

Werfen wir einen allgemeinen Uberhlick auf die geo- 
gnostischen Verhältnisse dieses ganzen Terrains , so sehen 
wir zwei mächtige Emporhebungen 9 von denen die eine, 
das Tafelland von Armenien, als der Hauptgebirgsst^ck an* 
gesehen werden kann, von dem aus der Taurus und Anti- 
tanrus, wie Zweige, in West sich erstrecken, die andere, 
das grosse Plateau des Innern von Kleioasien bildend, stellt 
sich uns als Typus, als Grundform dieses ganzen Landes 
dar, am Nordrande wi& am Südrande, begränzt durch zwei 
grosse Gebirgsketten, den Taurus und Antitaurus. Beide 
Emporhebungen tragen vulkanisch^ Charakter entschieden 
an sich, der sich besonders .an ihren ilervorragungeii 
gai>z unläugbar ausspricht. 80 ^beii «rir den Ararat «am 
Südrande ,4er armenischen Hoo^ehfuie, die bei 7 Meile» 
Breite an 14 Meilen Läi\ge n^isoit, ganz aus ächt> vuikapi- 
schen Gesteinen, aus X>ava axnd Tjrachyten^ hest^hep, re^n :^ 
gantischer Trümmerhaufe, dNurcb Treuer axnfg/^fiut Wpjchen 
* ßB^amxus^ci^ivAmkbxfin 4«r Jbitf^b<»iAn«fffWOB«i% in dii Reihe 
seiner D«tea anfgenommen zu habcjQ^ da «aif «djeselben jedoch bei der 
Reduktion d^ englischen Fussmasges .auf daß altfransiösieiche nicht stimmten, 
htA sogar einige sehr bedeutende Differenzen ei'gaben, so führte tcn 
Atrvftwdjmi^s Angaben in engl. Füssen ihrer anveränilerteB ÖriginaliCftt an. 



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SM 

Veräi]defung;en,f)ieser Koloss noch fortwährend unterworfen 
ist, zeigten die neuesten Ereignisse ini'Jahr 1810^ wo in 
Folge eines heftigen Efdheb^ns ein ganzer theil seines 
Gipfels einsti|rzfe. Ähnliche vulkanische H^iSrorragungen 
sehen wir auf dem grossen, kleinasiatische.n Pläteäu. Der 
isolirte Erdschiesch (Arghi Ddgh, Argäus der Aften) hei 
Käisarieh , der Ki^tniinationspiinkt von Kleinäsiien , bestellt 
ganz aus vulkanischen Gestehieu, Lava und Trachyten, und 
auf seinem^ Gipfel zeigen* sich iwei alte Krater. * Das ^anze 
Wäfeau biä zum Quei'gebirgszuge 'hei Kutajeh'ünd' Koniah 
und darüber hinaus, in die Ebene von Särdis und an die 
kuste von Smyina, tragt den Charakter der Vulkataität un- 
läügbar an sich; so erhebt sich bei Ak-Serai, Westlich von 
Erdschiesch, der zweigipfelige , schone Hassan Dagh, ein 
Trachytdoni, deslsen einer oben scliief abgeschnittener Kegel- 
Tiipfel einen weiten Krater besizt, aus dem wieder die Spitze 
eines Eruptiotiskegels heiyorragt. Ihn ' uingebeh mehrere 
kleinere vulkaulische Kegel, die nach der Bildung des Pla- 
teau's Ausbrüche gehabt haben«^ Ein mächtiger 'Lavastrom 
hat 'sich aus einem dieser Kegel ergossen, lirid ähnliche 
Lavaströme lassen sich an vielen Punkten des Plateairs nach- 
weisen. Auch der runde, 300 Schritte im Durchmesser hal- 
tjende iind über 20Ö Fuss tief gefundene See von Obruk, in der 
jVähe des Hassan Dagh, scheint ein Krater gewesen zu seyn. 
So wie sich auf diesen l^lateau's ' der Charakter der 
Vulkjanität klar ausspricht und sich häufig durch Produkte 
därtllut, die den Erzeugnissen dejr heutzutage noch tjiatigen 
Vulkane vollkommen gleich ztt' i^tellen sind, so sehen wir 
inileirCfentralzugert des Taurus und AntitauVui^ in den Grund- 
feildungen ihrei- Felsformatibn mehr den plutonischen Charakter 
fierrächen, der sich durüh das Hervortreteri sogehannter ab- 
iiorrtier Gösteine , als (Sränit, Gneisö , Porphyre ,'' 'Basalte, 
ttiduolithe, Gi-ünstelue, Aögitge^tefile*^ Hypersthenfels, Ser- 
'(>entii{, Euphbtide etcr'ausspriöht '* ^ ' * ' * 
'' ;• So sehen wir als Grundgebh^e Granit, Gneiss und 
'Glunmei*schiefer bei Maden Gömüsch, am Chainlü Bei (Tsciiam- 
,l\\ itj^ei), Kuscl^anli Dagh, Aklo .^agh und Duiciun Dagh, 
in welch Ifizterm Gebirge auch ,Quarzfels, Thonschiefer, 



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595 

Ckloritschiefep, Talkscliiefmr und HertAlende rCSestdne in 
grosser Entwfcklniig' auftreten. 

Wir sehen FeMspäth und AugU;ge3teifie mit Basalten» 
Dfoiiten und Doleriten ;an den:Baäremm-Hügeln, am Gnk 
Dagh bei:Arab-Kir, am Ajeli.JDag^ bei Dlwrigf, am Dawah 
Boinf, auf der Terrasse y.vin Djarbekr, am Kara Daghli, bei: 
Khntel vnd ia. der ganzen Kette' des Giaur Dagh uqd seiner 
^elienzweige bis Rum Kaleh am Enphrat, . 

Diallager Gesteine, Serpentine, Euphotide und vervrfindte 
FdsbilduDgen treten vorzüglich auf: ..am Dnmbii Dagh, bei. 
Argana und. Maden Kapur, am Kara Bei, am Chamin Be|^ 
am Kuschänii Dagh, am Bulgur Dagh, Bagh£r Dagh, Karm^ 
Dagh, am Aga Dagh bei Marasch und an den Fortsetzungen 
des Giauv Dagh gegen Süd in Syrien, nämlich am Akmn; 
Dagh, Dschebel Beilau, Mussa Dagh, Dschebel Qkrah etc,^ 
Diese abnormen Felsablagerungen , • die Centralmassen der 
einzelnen Züge des Taurus und Autitaurus bildend? yrerdea 
meist bedeckt von alten Kalken und Schiefern, vielleicht 
der ältesten . Grauwa^kenpeiiode angehörend, vielleicht si-: 
lurisch. Ferner von harter, unterer Kreide und von weisser, 
oberer Kreide, erstre in einer kolossalen Entwicklung, theils, 
die Voralpen, theils die Centralzüge selbst bildend und in 
hohen und scharfen Bergformen zu- g^OO und 9000 ^ ^<^; 
Meereshöhe ansteigend. Den fland der Vorfoerge, den Saui^, 
der Ki'istenebenen mnd zum TheU. OMch. inniger Hotchebenpn, 
bilden tertUlreAb)4gQi*nngen, besonders j^t^un^qblen-fiihrfvdei 
SandsteiiiQ^.UMJf ]^e|che. endMf^h.,Pilu\ioi^eii . Uii4.^1nvi9n^njj 
Meer?sbijdungen und Siisswass^r-AI^Iagieruiigf n au/s vefsel^e^; 
det|en Z^tqn und in veri^chiedenen forfien fq^gen. und, mc^^ 
die . herrscjbenden .Geist^lnc^ der l^h^nßn, n^d i1,ire^ w^elligeii, 
UügeJi)ai\des bild^>; , . .r ,:['... . : .*! 

JBei. der^ivnn, falgei^den J)^rst^jl(l^ng de^ g^agnqstisc^ffi^ 
Detajk M^hfiknke ,\ck.]aaifih .vM||;.aMf den Theil von Klein- 
asien, dei^cnieine JEleis^^u^^sst^, des^n .y#rj|^l^|j|;niss^^ iii^ 
Bereiche .m^^iner eigenen A^^b^^"qS»i^g^^ ^^^ Af^X :tM..&r^t 
lieber;Bezi^l|ung/si9^ajuf jc^nep Tbeil KAramai)iens.^^^^ 
den das heutige vereinte Pascbalik von Adana und Marasch 
umfasst und der bei den Alten unter dem Namen. Cilicien 



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50« 

k^;rilfeii wtirtej Wir haben es däb«r ii«n vorsflglieh inft 
der Struktur des cilieisehen Tawras, des Bulgnr, Bagfair 
und KKMes Dagfhy M i/rte Mi der der s&dl!ch vorltegenden 
K&sten^beiie des^ MilteliMeres za thnn, Üin Ütese Unter- 
svehang^ Aaturg^ittSss äti die der Orän^^gebirg« de» nSrdlichen 
Syrien«^ des Akmtk Bag^fc nnd Giaar Dagfi^ anzareihen, gehe 
feh daher afi das Kfisteng^ebfeC von Skandenia znrick nnd 
verweise hinsichtlkh dies g^eo^dsttschen Details der übrigen, 
Ton mir selbst taicht besueiiten Distrikte desTanms, des Fluss- 
gebietes deä EnphraC und Tigris, der Gebirge von Kordlstan, 
Armenien nnd NerdwMesapotanilen et^« auf Ainsworth's werth- 
ToHe und umfassende Forsebungen *. 

Mein Adjunkt Prückner, der mit iBRAHiM-Pascha die 
Landreise von Antiochia nach Gnlek zu machen bestimmt 
war, sie auch zum Theil machte, aber In Skandemn Krank- 
heit halber zurfickbleiben musste, fand die Berge um Beilan 
nnd Skanderiin, den Dschebel Beilan und den ihm so be- 
nannten Gttsell Dagh, beide Fortsetzungen des Akma Dagh 
in Sud, bestehend aus harter, dichter Kreide, einem grauen 
festen Kalkstein mit Dnrchbruchen von Dforiten und Eupho- 
itden; die^^Ebenen hingegen, erfSttt mit den l>ereits bekannten 
Tertiär-lJMdungen Nordsyrieus, mit Sandsteinen/ Susswasser- 
kalk, Grobkalk, Thon und Mergeln, welcli« Ablagerungen, 
erföHt mit organischen Resten ihrer Periode, zu sehr be- 
deutenden Hohlen sich erhellen; Mehrere der SUsswasser- 
kalkbilduttgen, die'PaucKNKR auf seiner Röute fand, gehören 
den allei^iingsten Formen an, denn'Sfef iBhi'eik^häafig Blatt- 
abdrneke von Baumarten, die hoch 1»eatzvitage in Ihrem 
Terrain gedeihen. Efne sehr Wichtige 'RoUe • spielen die 
dtbritischeh und Euphotid^Gestef ne. So stehen am Dscheliel 
Beilan sehr Hornblende-reiche Gesteine die^r Art fn großer 
Chtidcklting an ntnl reichen am Gehftnge de^^ Gebildes bis 
zur^küste hei tSkanderuri hinab. Kegel^hnige Auflagemiigen 
von t^ftllremSändsteitachflirakterisirett jene Gegend; ob diese 
Fbrtn^ nufa ursprihigKche Ablagemngsforitfeii dieses Meeres- 
giefblldes^ herbeigefiihrt durch den Im^ils -Von Ströniungen 

.^ IVan sehe meine geognostisclic Karte des Taurus in Karamanirn 
uiicl des Pascliatiks von Al^po. * '" ' * 



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«rr 

öder Folgen too Enperbebonge» der aboontieii^ 4ie Omnd« 
läge bildendem Oestdneii ffeyen, dleas su beBttmiMn, will lull 
nicht verBttcbei»» Die Ge^biebeder Bftche rfiigs nm Skandenii» 
bestehen in Brachstfteken von Serpentin, Gr&nstein, Kalk,- 
Quans, HomblendegeBteiifeii ete. als Kriteriein der berrsehen- 
den Formationen. - 

« Bei dem Dorfofiadecbioisnianli briebt in Dtallage-relebeai 
Serpenttne sehr viel Bronzit. Besonders tnleressant aber 
ist das Terrain von Keipak am Akrea Dagh, wo fai einer 
Ansdehnnn^ von nngefthr 6 SUmden die sogenannten pln- 
tonfsehen Felsgebilde zu wahrhaft vnlkanisclien Formen iti* 
engster Beziehung stehen. Zwischen Serwdn K&lassi und' 
Keipak stosst man nämlich zuerst anf einen blasigen und 
sehr eisenschüssigen Trachyt^ der die Gehänge der dortigen 
Berge bedeckt und von Trummergesteinen iiberlagert wird,* 
die Brachstücke von Dioiii^ Dolerit, Opal, Hornsteln, Quatz 
und Jaspis, in einem dioritartigen Teige eingeschlossen, 
enthalten und ein sehr schönes Ansehen gewähren. Der« 
Trachyt bedeckt, wenigstens scheinbar, den Diorit, der die 
hodisten Berge zusammensezt Auf den Höhen, wo der 
Trachyt entblosst zu Tage geht, trägt er einen etftschleden 
vulkanischen Charakter an sich. An mandien Stellen häbeff 
die Felsen daS Ansehen grosser Rosthanfen, so tiLuschend,* 
dass man fast meinen sollte, noch dringe der Raach ans 
ihnen hervor. Weiterhin findet man auf den Trachyten^ 
Trummergesteine von denselben EinscbKkiMen , wie ftliher 
erwIAnt, nur habien Ae anstatt einen dloritlscbenTeig^ ^ineir 
solchen von Hornstdn. Am Dt)tfe Artotscholo, etWäs sfid-^ 
lieh von Reipak,'beobachtet man ita d^n dortigen tracfaytitichen 
Konglom<ifdten viele langgezogene^ kkfHre und fast boritdntAl 
Hegende Höhlen, die wie Blasenräonie aussehen and dereif 
Wände lAifk^Miiem starken Anflügd Von äalpetersaureita Kali 
überzögen kd<). Von Baias lif s hi d^ iMtris/beit Witikel^b^f 
Bucbt ' f&n ^MlleMn int aita^ t\v!»& Ais dstlieb tMr ^SMte 
liegende^ G^bi^gi^labdes^ it» Akmii 6ird G4aür I>ajghy^ bH 
zur MeereiA.iis(ä mlles ai^fe€tebip<^Mbnlfe» 9ebtt«ilai!ij, von da 
an aber gegen A|as^ bereits an dar l^of diVestkäSlIe ties Meer- 
busens liegend und in der ganzen Umgebung von Knrdkulak, 



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ii6r4U<^ imd nordöatllch 41e9es Pttiiktea im UmtLreid« einige 
StandeM, UMet ein flichwurzw «iid portieei ßMtdil, eine 
teflaHi^iehe Waoke> niedere und siwlte B^rge, hi^kg ab 
isdiite Kegel la^d^nEbeneti sich erliehead^ > 

tDi:Q|ierge id^nttauptziigeavdesGiAuf iiiid'.Akiiift D««lt, 
bei den Einwohnern auch unter dem Namen JBasaleiti beHauHl 
iiiid;'iii.eiiiz«toe^ Gir^j^p^H gaii^z verßehiM^M Namieiii.tragend, 
it'ytk aJk H«a(aAii Dagh'*' iff rdöstUdr vo(ii Kelp^k ; ab fiMÜ 
Dagb ö^tlM^b YQU K^ip.ak;.aU Gi$icb# Pagh s&dwe8tli<M^ vou 
deüdselbeii . Qrte , stcfigen giegen , Nprd gauis aaehte aM^ Ihr 
nördliches Gehänge bilde«, i^her wild .zeiTiaseue Felamasaeu, 
die Tvon Ferne dß». Ansebe^.y.on Mauenu habeui . , % . 

Die obenerwa)iiite bttsaltische' Wacke- iäl: sawobi . in 
Mulden,' als auch, mandelförmig aii den Gehängen der Berge 
durch Mergelschiefer bedeckt,, der sehr häu^g so. bituminös 
wird, dass er als Brandschiefejc ange^proclien. wjerd<ea kann. 
Die Mi^pge deT>Eiiisi^lüa9ß vpn Fahrun, welche .dle^ea .Fels- 
gebilde lunschliessf,. reihe» es i^iß Kohbnschietßriin, iind es 
scheint, dassjn diesem Terrain .zwischen de^n sogenannten 
pltttonischen Gßbildea, .aib Grundlage^ und der darüber ab- 
gel^agerteii^ harten Kreide, eine Ko^leiit>ildung ^u Tage geht, 
aitvar nicht in sehr a^sg^^)t1ter, ^berflocJi jdeutlici&er ßatwick- 
lon^«: £s scheint ^Ue^'diugs, da^ wir, ea. hier ipit wirklichen 
Emp9rheb.iingendMrchyul^nische,oderi^hulichp Kräfte zu thun 
hßkeüi,,4pm} die im (j^zeiV\J!^or4oiStri$äd.^est^treichei]den 
^ii^teid^er,. 4iasf9Sk l^itfin^in^öseii Meigqlschi|B)fers,»fiiia4 ^^ 
4ß»^ße^};ii,^z^^g^^ dw .has^tlsc^jif^j?, ,;Wf^;ke.!g^&<;fffat j,. ^eok- 
r^.^t ,g^f;^llt juudv — : wie.durqh^Feuer. gebiv^nnt,.. ,. » > 
„..,. An,eiwgepi ^Stplbli^ H dlepev .bitiimJa^iM^P J>Je«rgplschicfer 
fiifui^^^ij^r ,YQn , Bildungen .^qrtiärer Z^it lupd.zwar ypjriy^l- 
tp|i4'4«^ch Grobk^ Mecl^t, ^^ ;m Ik.»;!)' i 

. Zwei : |)is dr^i. Stunden jenseits, d^* EJiene^ ,ii;qn f^rdlf ulak 
2(i^h$,ein .<^eUli;g^i^g, .e^ 'J^h.ei^l dea Ds<^}i^be|l ^el Nur, der 
H^^l||tn€ihtuag; d^ Xf^ui^W ^^^ .^fen^^ Er f^e^tj^t ^ß^a dipb- 
teip„ gr^Mieni ^^llijftfiii, ^it Dni:c!ibiucheo xqi| Serpeqtii^ 
dieselbe F^rm^tl^n. dc^ip, ganzen Habitus; .^ack, wie wir sie 
z^m . TMÜ JwwTfSits, .an9. . jlem Tb#1^ 4p^\ Or^es. kennen. Sa 

'^ Widi^ m ycrwfiAftelnmit de«. Haffwili naft^, bei>^kj»ei^i. 



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bttlteht der gitnse GebirgaAättd , über wekhen die Sirasse 
Mieh Adana fihrt, aus Seipentin und zu beldea Seiten er- 
hebt- sich in steileo Wanden der Kalli. Schioffe Felspartien, 
f^eteske Thaier mit tiefen. SeUuchten und Waaserfallen 
chsmkterisireB auch hier (fie Physiognomie seiner Berge, 
dort wo er in grosser fintwiekhoig auftritt. 

JQngere Formalioneh' umgeben das Terrain, welches 
det Dschebel el Nur behem^iiibt, und bilden sowohl die Bhinen- 
Ebenen, als die der Küste*; An der Westseite der Bai 

* Za emfifehleo: 

AmswoRTH Researclies in Assyria, Balbylonia and Cbaldaea etc. 9 
desaen Baobaofahinfrcn ich zur Ergäntnnf; meiner Daten dort benutxe, 
wo dieselben durch' Mang^Ql eigfner A^acbfiuung nicht al« zareichend mir 
erscheinen. 
Memoir of a Survey of the Coast of Karamania. By Francis Bbaufort, 

Capt. of H. M. S. Frbobrikstein. London 1820. 
Correapondence ^et 'memoires d^n Vojragear en Orient, par Eoolwii Borb. 

2 Vol, Paria 1840« 
Alexaiixibr Jam. £0. Travels from India to England and a Jouruey 

. trough Persia Asia minor and Torkey. London 1834. 
BüCKiNGHAM, travels in Assyfia, Media, Persia etc. London 1827. 
Kbppbl, travels in Babylonia, Assyria, Media, Scythia. 3 Vol. London. 
Texibr, Voyage daua FA^.minewe. Paria 18J8. 
Bbrobaits, Annalen, Band 9 ; dber die Vulkane Armeniens, 
CaU4br, Voyage en Asie mineure, Syrie, Palestine etc. Im Ansänge 

Annales des Voyagcs. 1835. Märzheft. 

BKLArrcfiR, Voyage aox Indes orientales, par le Nord d'Europe, les pro- 

yinc. de Caucase, In Geoi^e, PArmenie et la Perse. Paris 1834. 

Aufsätze von VoSKOBoiNiKoy in dem Gomo^JonmaL St. Petersburg, 

(russisch) über: 

Salz, tertiäre Bildimgen und Bergwerke in dem Paschalike Karsk 

in Armenien. 1832. Nr. 7. 
Kupfer bei Agarak« 1830. Nr. 3. 
Salz am Eophrat 1828. Nr. 12. 

Geognostiscbe Untersuchungen bei Diadin. 1829. Nr. 8. 
Kupfer bei Galvan. 1830. Nr. 10. 
Bergwerke bei Daratschitschak. 183a. Nr. 3. 
Arsenik von Jadschi. 1830. Nr. 3. 
Saline von Dscherdscher. 1830. Nr. 3. 
Ambdbb Jaubbrt, Voyage en Amienie et Pei-sie. Paris. 
Bbrghaus, Annalen. Notizen von Texibr und Arvnoell, Band 15. 
Jam. BBAXfT. Journey tiougb a part of Armenia and Asia minor. In 
KiiuCQOBM, ReUeo. 1. B<i. 2. ThI. 39 



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von SkEBdeniB^ Md bertits 1 IMt Siflidi VM ASas liiUdt 
das Gesteift der Kirnte ela KoDglomcfat attSifleaeUeleitTW 
Ihoftifein Sandstifeiii, ein Meerefl-AUnTiuK mitM^ßdreft- ofil 
Landkoftchylieft lebender Artea, DiAin gebfiM das Konglo* 
»erat der Küste in Ost vsn AJas^ bei dem eis kalk%es 
Bindemittel obige Geschiebe an einem harten. Gesteine re- 
generirte, und welches in grosser. Menge. Madreporiten nnd 
Terscbiedene Trochusarten ei^sebUesst. In (der Nähe vm 
Aias selbst beobachtet map ganz ^eoes Alluvium; denn dicht 
an der Stadt befinden sich Straten eines Konglomerates, 
das aus Sandsteinbrachstücken, verbunden durch ein thonfg* 
kalkiges Cäment, besteht, voll von rezente« Koncbj^Uen 
ist und an einem Punkte Reste von Töpferwaaren ei^iält, 
die von einer alten Töpferei, einst in der Nähe gelegen, 
herstammen. Dieses Konglomerat dürfte wohl als eine fort- 
dauernde Bildung zu betrachten seyn« 

Bei Kastabulum , in der Nähe von Aias , durchbrechen 
ptutonische Gebilde, Feidspath und Augitgestefne, die jfingem 
darauf abgelagerten Sandsteine und Kalke. Der Sandstein 
bildet lange und niedere Rücken , merkwürdig wegen ihrer 
Regelmässigkeit und ihres Parallelismas; er ist ausgezeichnet 
geschichtet, und seine Hügelzüge erstrecken sich in Ost «nd 
West bis nach Kara Kapu, den sogenannten cilicisehen 
Thoren. Dieser Sandstein ist theils quarzig und dem Ansehen 
nach gleich dem millstone grit; oder er ist thonig, zerreib- 
lieh und von einer tiefbraunen Farbe. Die Schichten des- 
selben sind meist sanft in Nord geneigt und dort, wo er 
mit den plutonischen Felsgebilden in Beruhrang steht, nicht 

dem Journal of the geograph. Society, Bd. 6; London 1836. In 

BsRGHAVs Anoalen, Bd. 16. 
Geschichte der Kriegsereig^iiisse in der asiatischen Türkei, in den Jahren 

1828 und 1829. St. Petersburg 1836 (russisch). Auszog in Bbrg- 

HAV8 Annalen, Bd. 16. - 
Eichwald, Reise auf dem kaspischen IMeer und am Kankasna bis «na 

Ararat, in den Jahren 182& und 1826. 2. Bände. Stuttgart 1834 

und 1837. 
ScHLBGELMiLCH, Gcologic der Bambak-Berge im südlichen Theile von 

Georgien. Abhandlungen der Petersburger Akademi« (nurisch). 

In den Annalen von BERGRAim. Bd. 17. 



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Umr >l« toine Jttt tecten Tbonfliefa» ndt^wanl^H^ sond^tr «r 
Bau) fttali in< dieiMai^'f ldl< • sebr tft kngtllge Kbnki^lloiMi^ 
Absdnilennig;* telner Masse fcMiMüihleB,' vrie Wir sie iölmi 
aml dcf fibeaeidils Oroiitei bei Awmetuki keancn, und wie 
wir sie fa ' hocbMer. EnfewickUing^ rbei Thor Oglu iketisim 
lemM werdto^ wo ' dieser SttUdafiBinl in .grtmätir EhtwUkhmg 
auftritt^' BrsjifllKobleii fnftrt oiid deo Fuse des Javras ie 
elitär g*eoteeii 'MageiiersMecksn^ begleitet;: Am Kap .Male 
oder Ka|[i KamflAsck ersekeint diesto SanAiMs«, i» »Berblt» 
nifl^ nM'den Kjalketi, ourgiillg, «|id>)tleine Ad^m tod Kalkl 
Späth dringen in aetee Matae/ein. '»Afi ddniKielb^n -Vorge^ 
bii^ bißobaebtet jBaA' parallele:. La^en ^dieses Sandat^iis in 
fiädwtetiicher RlchftiiRg^ iki die AeeiJiinein fovtedtzen und läK 
mer^lij^n Hfelkfin iti StraMi ibn.;2.rbis S Fliss Bfäehti^kelt 
n^echseHagem/ Zaglfeirii aber liiad diese .(Scfaiebtea imannij^^ 
fakig'^eb'ogißnaad:^ekr&Bmt,'«nd.KwaBi8o stai^, däss wir 
in der:£ntfehiift^'vaii'bHläiifi|f M:Fnss dieselben, düfsnud 
aater flut «ineni'recbtäh. WfaikeL igfebogen isttthea«. Weitei* 
iu (Mt äUd nnir änle oitr.m^i Stünden ostMch i^&ä Ajaa 
liegen diese Sindistäiae -. anf . {ildlpilsebbn Felsgebtiden an& 
Sie biUed .daüelbst «fedenlä Jietten von' i-undllehen URgeln 
mit zwischenliegenden, weiten und flachen Thälernv breite 
bis an die Stedror bud 'blifenr: dasdbsi entweder üchroflfe 
Klippen' oder sanfte^ Iperbsdetel Crbebnngenw Am diesen 
Kfipp^n^ und beüanfig eine/lmlbel Stvnif teftGch ton Ajad, 
siebt man in diesem JäandstdM Sehkhtea von dicbtem Kalkr- 
Sterne"^, welebe mr einige 2bll JMKcMi^keit besitzen, auf- 
treten. Dieser JKalksteifl .Aal «bte meist bsaune Fjarbe, 
ebenen Bruch imd Ist reU irofi'Cerilliien, #elche Univalven, 
ohndiitt sehr charahjßeristisNöb. Ar dieses, ohne ZWetfel 
tertüre, Febgebiide sind* Ibei* fiiidet nian in diesem ftaül- 
stoisie danne Straten von Bcannkohle, und einige von den 
mekr tbonigen Lagen sind bedlsdbtBiit Efftereseeaz-Anliiieen 
1VWI nsdjginn AUaao, eiee Folg« deK ; fiMrtdauernden Zeih 
Setzungs-Prozesses der Braunkohle. 

. Bei nsehihun, der sidiisälwiestlhsh von Ajaa, an einer 

** MstfwwoRTtf^ÄTdf^e. E9 A^tfte' MaH KalbtHü wohl wahrscfieiit. 

39* 



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Ttn tun selMi gts eh affmeil'JiandajyHgey Üs^Mearte rgl eM J^ 
dmdiflfrisst eHi Teritrfny ^^asfen-.FalSfiikbiUe slcli (däMi: domi 
bUiiA s^rstSsbftmi ClnitAMr»«i8zelob»en,> daher «erUM^rikii 
aiiehdie grosse AnkMifiiKi^ voll fidnitlländ,' dw dteserTlnss 
ndft.siäh f&Hrt, und! didarch dti fimctdäueriidd md «tarke A»^ 
vaschen' deb AHaviuma inidtMT Nahe 'Setner Mfindniig;^ iUiiM 
den 8andigeii>ilugerd, et^nkliohelMinen^^iveMiatfliBtllehittiid 
«#estlieh tom 'Kap Mal^i^nd an dar alten «fealüdmt Bfiii^ 
dfoiig^. des SämMkmiX^ieBVPjrmkmi deir Altea> d|e>{KiMte 
bfldeb^ befinden sieh'grbsseSialzseen, Iiag;aiJen'jf>dle:eiBeii 
groBSf'n Thieil d^ KiedeniflgvelBnehmto; • ii! 

" < Bei Kara^Kapu r(daa'sefawiarze: Thar^ die. biWisc^fSii 
Tlrore^der Allen) undfün ^dier Nähe der fKMspaiii-<Aagll- 
Felsformätion deslssus, im Hintergrunde iderBäirvon Slca»> 
derun, ist.d^ erwähnte härtet und fitellentveise luigHi^ tib>> 
Igesonderte Sandstein ToIl!iy«n.Ostväea««Arteii^ (dte<>l&':sroi0er 
Menge umherliegen. Die Sngel bei^Knrd'Kolafc! l&ngiigea 
bildet/ KidhaMn ^.'t^rtiärbn /Reihe, der; ivinhYteBeinlldi 
«qmittribar ^liar Gruiidliig'e )enen . Sandstein hat. ! Ble iHigel 
ilehmeir d^n Theil de» HbtiM|itte:^aiiS!<N0j.iir<NWj:iela jmdl 
«ratreeken sidhyi kleine «nd ^itolli^i'Berge bttdend^^iäiach 1a 
Ae. nordlietaii lEbarien;: i •• i t'>.^>/' " .!. }- "-.^ w 

1 i: Die Ebene .Toa «Thahuf Owih. (das «Thal de#i Gräben) 
(trennt die HüfdreihenBeiriKtird Kulak :yor deib-Zuge das 
Daohebel elNiir (Berg deiiti^Liditäs), *der, Tvlerfwirbefl^ 
gesehen haben ,^ am > Kalkstein mit mäabtigeni ScrpentüF 
4>urcbbrnche« gebüdet m. ' "Die Riohtang des Dachebel ri 
BHnr^htansNofdoatiaSftdv^eät, und der C^alkstdii, wekher 
dte.vori^alteride^Fofmattön dieser Kette bildet, Uegt! daselM 
leateohiedan' i auf. dem* 'OsrtrifceniifSrhrenden Sandsteine «af « aad 
Ist daher- tertiäre AersMbii Kalkstein^ sl^h meist In ^?Me», 
aehroifen Fpraveii 'ansspi^eoHead, bildet am Rande derEbea^ 
'Wddie'^nDsohebet äl sPAan iu-Nord begränzt, isolirte feb- 
massanyaufiidbreweincir das alte Kastei Scbech Maraa oder 
£läm Kaleh liegt. .>.: . ^ . - 

• WestUch Tom Dsüiebel el Nur, längs dem Dadhihun 
uud >is fi^f,bei^uJG|g;efpe l$tu||;ide östlich von Aflana^ Uegt 
eine weite Fläche , die Ebene von Messfs,.. die ganz, aas 
«i: 



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kaB(gl4HMffite ||e$«i)hl^tVfrelcheBilolivf^o9^ Oiitveeii^aHisdilieflBt^ 
la der I|ab«-/if|to AdaoA. hii^egw vBf|i¥eiftlidL über Tacsoil 
biow» tedecken' M< 'bis M Eum. .inaohtig« Aüiivieiieii mH 
KuUarbodien, ^f eünndlageKrilkgerölii Msiteewfc, dieFels- 
ablagetungf»,, Üknin dein Jüeblmlen und ^bW DAcfiBni bedwfateii 
TerraiH nkk dadnreb dem.A«^ .etitzWhtn'iioa fcrat'airldeti 
Ufejni dQ0:Cyd9aar bei eXavsoa i^deder^tMi^ 
trete«;: liQiöiidUch.Y«» Taiviut fetteig;! tdaarFerräbi^Mofit gegoa- 
den TAura«. bip ä^ ündMdfeb eitffiiögfiliges.Läiid, donsU 
das, 4eii?;fiyd«i«s iiieb «ein tiefas, von Isenbrecfaten KalbwäiiiMt 
ctogeeiigtM }S0tti grub^ »Oidkl' an i dec Stodt almit .sieh ideff 
40 bt9i59 EiMt'bKeUfe Ftoa über i eine Bank von. Kälkkoiiw 
glomeve« ud MIdet eini.beilai]fi9 ^tt Fuss hab^, dnroh die 
umgebenden Gärten und diä.fernisn Schneegipfel desTaurotf 
maleriache Kaskade f,. so 3frieiiüherhisapt sein nerdttoh to» 
Tarsto' liegendes Elus^gebiet reich an .sdiönen Partien.^ i«k 
^fld romantisphen Charakter niedeve# Yeraipen Ist, der aber 
ungemein gnessattlg windy wie "SeineiScbluchten' 4:01 Hoeh-^ 
gebirge sdbst:dimefe»ohneidem Unterhalb der Stadt jedech 
erreicht der. Fluss: die iweiteKustenebene, verliert sdn st&r^ 
keres Gefalle und ivird stur imheHbringeiiden Pfiitze. An 
dem Falle des Cydmisisowoh}^ 4ls an der segeiiannten Grotte 
der SiebettseMäfer 1^"^ > bedecket obmerwakntes KalkstduH 
Konglomerat einen iterfiären Kalkstein. 

Verfolgt man das Tbrraiil' am Südrande des Uaurus voq 
Tarsus ians gegSen Nordy so betritt man, vrie schon, gesagt^ 
sehr bald bügeligds T^ivais, und iwaklt man zu dfeeseni Zwecke^ 
diD sogenannte alte RömerBtrasse^- die über den Rücken des 
Voralpenzuges nach dem Bninaed veniünlük KüjünfttPasoM 
führt, so (irfaält man bis- imAkitL Trümmern des römischen 
Bogen% vij^Ueioht einst ein ge^öbnliches Thor, um den Weg 
sni spernen,;. der auf dem Rücken dieses Zn^es, oberhalb denr- 

• Sehr gute Abbiidung in Garnes Syri«, the hojy l4apd and A«is 
minor. [iOndon, pag. 8. 

** Kkch der hisforia Septem döriäientinm ex cctypis Musei Victorif," 
Romae 1741, flllt der Schaöplata der Säge von den Siebenscblifern ia 
eine Grotte bei Epheein witer Kais» TiiBODonvai II. - r^- '* 



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cteeii : DurBolicRhüMt, il^v wb einen Typul^ tMr ^eögwm^dlien 
Lageniiipprfölge deft/^inzti» sUUhen* VortApeMmges gibi, 
ifetcker die lEbeiieii VoA'Tafsu« mä^A AiAWk in^^wAhkgttmt 

(Mak iudetHeh^lA^t waS läAem Wege tter Hafaptf^lMa* 
tlolnlsM|(e^ metcMt Mfl^teamnitttfafeik deh 'fefttlvM fifMottgen, 
tbMU döir(4jBetler»iMr: KreMerfeihe^ angehttmi «Aärfttrir» 
>t . JMrvesate F^miMioiiüvg^ aördiichi vbn Hfttsus^ b^fitebt 
«isiiesiiQiKMigeKg^hrLeaide^ wdckmaA ^kierat; voii iCalldH^lä« 
Boeoiie.iiBdl INftgtflflfiMrtigeiiJ Kalkiiteiti4fcoii^lomek^ät6lti ^ 
UMtil ifviU; )deren fieMhiebe «lisäcblieiuilkb «M ^KätisKleiit 
be*teh(fB. Dfeae Trämme^eBteffiiciUegeiiiMif 'dioXt^m, gmtieiiij 
"■^£^%^in <>nd Cerithien'fiifareiideni KalkisMiie ftoff den 
wititärMii AUftgerangett Ton= Herbei > imd Gypb * folg^o. Deir 
Ccypa/ist etetmeeweiss^ körnigtihid bl&tinrig Ite OeAl^e. Nach 
tioer 'tLi^Clü^enden muL! isbrasl^en Ebene' kommt man sw 
dito zWeitfeni'EöEtoatioBsaiüge^ dbenfiilla bägeliges Land< 
•:' ' Dateibat beajbadifetsianMBu obevat einen gmnen, ^btig 
hdrten Kalkstein vmi uBebiEHienii\Bäidhe, er tat znaarameii* 
g^aatet aba Kordllelir und Polypeii-Maaate, deren stenrfor*^ 
maigm Quecachnitte . im ttuerbmcbe. dea Oesfelna nldit za 
Tnfrkeosen sind. Die ObärflSehe dleteii Kailkatelnb iat banfig 
wnlleijfQrmig gefurcht ^ ein Beiieiar,- daaa er als an&marini«* 
8^» Gebilde den Meerasatpinbn^en ufird der Wettenwitkang 
ausgesezt war. Unter dtasem Kalkafebie) lic^^ grüne, braun* 
gyäne uadi gelbe Meirgel und Kaitmei^gel' Ton weisalicb- 
gt^itter > Farben iDie> emtem sind tbonig-kalkig imd erdig, 
dii^ awMten fest' und fiihi^n keine fossile Reste. Diellugel 
iMben käu% ^ae boniadha Farm und aind theila mit Strauob* 
KrbU, tlneiia init/KnAäirknd. bedeckt 

' fted^tend bähere Hugiei i usd B#iige Ton. (einigen hundert 
^wi^ Meeveahöbe! bildei :der dritte Formatianaz'ug;,^ der den 
andijcberi . Elisa 4iea\TAiiite! in dei* Enstreckung nefareree 
Meilen ohne Unterbrechung begleitet. Die obersten Lagen 
bitdeb Sandsteine, th^tU fest, tiieils erdig und zerreiblicli, 
häufig, in rhomboidale Massen . i^bgesondert^ so dass die aiit- 
]p|oj|ate Oberftäcbe das Anaehfn eine^ Straaaenpflaatera hat. 
Kugelige KonkrMionen', von auaaeiofdmtfidMr Gfcöaae 



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00» 

wdftmter^ Mai täMg. Si# bcartehM ans dknMdben SAüdsteiiie, 
der aber eine feato, ^uaraige Mane bildet ud von aussen 
meist mit einer sckwarzen, aehr risenscbiisslg^en Kruste um* 
gelten Istb Während der Sandstein der Verw!tterun{( sehr 
aiu^esesst ist nnd su Sand zerfallt, bleiben diese Massen 
anverandert li^n und^bilden oft die sonderbarsten Grup« 
pimngen. Sehr häufig finden sich in diesem Sandsteine 
Arten von Ostrea und Avicula, und unter erstem eine wahr- 
hafte Östren gigantea in wohlerhaitenen Exemplaren von 
1 bis 1,5 Fass Länge, In diesem Sandsteine, wenn er, 
was Sfter statt hat, mit Thon* und Lehmstraten weehselt, 
findet sich mit lestem zusammen Braonkohle, jedoch in lieiaer 
mir beliannten bedeutenden Entwicklung. In den untersten 
Schicliten wird der an und für sich weisse, braune, gelblich* 
bratine und graue Sandstein mehr eisenschüssig und bildet 
theils dunkelbraune Sandsteine derselben Konsistenz, theiis 
wird er durch losen, gelben und rothen, sehr eisenschüssigen 
Sand vertreten. Unter dem Sandsteine endlich folgen thonige 
Kalke, Mergel, Thon und Lehm, welche Bildungen unter 
fücli wechsellagei*n und von denen leztere Braunkohlen fuhren* 

Bisher bewegten wir uns noch immer im tertiären Ge« 
biete. Mit den thonigen Kalken, dem Meißel, Thon und 
Lehm aber schliesst die Tci*tiärreihe und die Formation 4er 
Kreide beginnt. . 

llir gehört der vierte Formationszug an, dessen Berge 
sehen die eigentliche Masse der Yoralpen bilden, die sich 
häufig zu mehr, als 2900 Fuss Meereshöbe erhebt und mit 
der Masse der Central- öder Hoehalpen in engster geogno* 
stiseiier Verbindung steht. Die Formen dieser Berge sind 
iibrigens sanft und gerundet, langgezogene Kuppen, mit 
tiefen, aber nicht durch scharfe Felswände eingefassten 
Thälem. Die Berge, Ibeils kahl und felsig wie der Karst, 
theils mit Vegetation, besondet^s mit Wald, bedeckt. 

Meiner Ansicht nach, die freilich noch sehr weiterer Be- 
gründung bedarf nnd die ich vorzüglich erst nach Bestimmung 
der mitgebrachten organischen Reste dieser Foi*mation als 
gegeben betrachten kann, gehört die ganze Formation dieses 
Venilpenzngesder ebem Ki'eide an. Zu oberst liegt ein bKuer 



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000 

aiitiiffaetti8€lief KaH»ieiii^ feil imdl UbMhmig, »etot dwW 
gefärbt. Därmiter folg«» SeUcbten einet wessen, tiieHs 
feilten, theils erdigen und mehr Kreide- (in der gew&bniiehai 
Wortbedeutung) älinlichen Kalkstdns, der die Versteine* 
rungen der obem Kreide ganz ausgezeichnet fnlirt. Auch 
dieser Kalkstein nimmt zum Theil ^in feinlidmiges Gefuge 
au. An der Gränze dieser Kreide-Bildung und auf dem 
höchsten Rucken unseres Voralpenzuges, namentlich in der 
Nähe des erwähnten romischen Bogen«, tritt ein merkw&r» 
diges Felsgebilde auf, nämlich eine Art l^alkthonschiefeiv 
der stellenweise sich sehr glimmerreich zeigt. An derNord- 
seite und in den Thälem, welche die Voralpen von den 
H<ichalpen trennen, wird dieser Kalkthonschiefer neuerdisgs 
von oberer Kreide bedeckt, weiterhin aber und bi dem Tecraln 
der eigentlichen Hochalpen gewinnt der Kalkstein einen 
ganz andern Charakter und gehört entschieden einer andern 
Periode, ' nämlich , wie ich mit Ainsworth glaube, der der 
untern oder sogenannten harten Kreide an. Wenn es er- 
laubt ist, aus Analogien zu sdiliessen, so glautie ich hier, 
wo obere und untere Kreide sidi in einer Entwiekluog .Yoa 
seltener Mächtigkeit die Hand bieten und wir in diesem 
Kalkthonschiefer ein Mittelglied zwischen beiden Formationen 
sehen, an ähnliche Vorkommen in Italien erinnern zu dmrfmi, 
an Formen des Macigno der Apenninen z. B. und an die 
Kreideberge um Volterra in Toskana. Diesem nach scheint 
unser Kalkthonschiefer, der übrigens, wenn auch glintm«r- 
liältig, doch immer einen gewissen Mergel-artigai Charakter an 
sich trägt und mit dem Kalkthonschiefer unserer süddeutschen 
Centralalpenkette, wahrscheinlich das älteste Grauwacken« 
gefailde, nicht zu verwechseln ist, hier als oberstes Glidl 
dier untern oder harten Kreide aufzutreten, und wir scheinen 
es daher hier mit einer Art Durchbruch änes Gliedes der 
untern Kreidereihe durch die obere zu thun zu haben. — Die 
Kalke der Hochalpen am Taurns unterscheiden sich schon 
in der Form ihrer Berge wesentlich von denen der Voralpen. 
Sie haben den wahrhaften Alpen^Charakter, hoch bis tat 
Schneelioie und darüber ansteigend, bilden de thdls Dom»^ 
theils langgezogene Rücken, theils sdiroffie Hörner, enge 



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ScUbchtea too snkftfdiCM'PfiBwäiidan tw i^ ah IM» 
Fiim Hohe tingBrnAkUnmenj tn ien £rweitienitt|[«ti tiirer TMIer,' 
auf fliren wetten AlpetiphtMn's kleide, rmiAlitehe^ Berge, 
meist jüngere Aoflageraiigen , an tbren • Ctehangen , je nach 
dem Meig;nng8Winkel deraelbe», schroff, «nd kahl oder mit 
Wäldern Ton Platanen, Eiehen, TannettyCedem n. dgl. be* 
deckt, oder blühendes Weideland, wasserreich, an den Ufern 
der Borgte und Bergstrome alle Blnmenprasht entfaltend, die 
den gemässigtem Säden eigen ist -^ £slrt mit einem Worte 
das GeMel des Alpenkalkes, das wir nun vor uns haben. 

Bei £lissoInk treten ans den Mergeln uhd thonigen 
Kalken, die zwisclien den Ostreen^-Sandsteinen und der obem 
Kreide liegen, jene warmen Schwefelqnellen hervor, deren 
ich schon im vorigen. Abschnitte, ausführlich' g^acht habe« 

Der Intereiisanteste Punkt im Gebiete des Ostreent 
Sandsteins, der mit aeteen Mergeln, Thenep unit thonigw 
Kalken d|» leste Qlied in der TertUU'reih^ . am südlichen 
Gehänge des Taurus bSdet, 11^ am Dorfe Bammle Kfil 
bei Thor Oglu, westlich von Tarsus. Die Schichten des Sand- 
stdws liegen daselbst fast horisontal, höchstens mit einer sehr 
geringen Neigung in SO», mit dem Happtstreichen der dor- 
tigen Lagerungen überhaupt aus NO. in SW- Die Ma^se 
des Sandsteins weiss und weisslicfa-grau, die Qparzkömer 
durch ein kalki^-thoniges Cäment verbun4en, welches, wenn 
es vorherrschend ist, den Sandstein zum sandigen/ Mergel 
macht, tritt es aber mehr zurück, s^ "wird eine l^eselige 
Masse hänfig so iiberwiegend, dass ai^Ii ^r Sandstein fast 
in einen Ouar^eb von sandigem Gefiige umwandelt. Der 
vorherrschende Theil der Sandsteinma^se besteht aus ]SäBke|> 
eines sehr zerreiblichen und der Verw^eningsehr ausgesez,^ 
Sandsteins, mit welchem Bänke eines gleichen, aber sehr 
festen und nur in.maasige Stiicke zerfallenden wechsellagern« 
Die Sehlchtenköpfe stehen meist frei wie Bauern auf der 
sie umgebenden , leiohter zerstqrfaan^ Masse hetve^r und 
bilden raancbmal Sonderbare, phantastische Fe|sgrnppeiu Diese 
feste , quatzige 9and9tein-M:me bjldet aucli nesterförmi^e 
Einlagerungen in dem weniger festen, zerreiblichen Sand- 
stdne, und iiberhaapt ist diesi^r daselbst voU der berdts 



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««kim^Qr Knmtai^. z^m Tbeä von rieieoauMger Orte« 
M tbeil« jFiEiK^ tMto (tfUiptisds fwit die Fem von Hwieii. 
^rgen. habend. M diesen MoM interes« 
>«ftnleii Fomea Uldet a eine Konkretion 
• fön oftmelur db 1 Fues Dnrchmeaser^ elnei 
•kfigeirttiiden Kopf^ von item ^e Wal^li, 
.%^i Zoll hoch aus der ganzen eifömägen 
Miuiae hervorragend, ausgeben^ Scdche Ken< 
kretionsformen, oder viefanehr Kenkirelioofl- 
formen-Kombiaationen trifft man sehr häufig 
iroti mehr, als 1 Klafter LAf^e^ hd S*^ 
Funs grössttr Dicke. 
tHese Könkrietionen eritinern an die, wel^e inan in den 
Chf>dbkalken und Kreidek^k^n von Egypten und so aosge- 
eefehnet in den Sandsteinen toh Tinbien findet; sie ^d 
offenbar Wirkungen derselben tTrsacbe, nur in eineM grdssem 
Massstabe enttvickelt. Von einer Absonderung im 'gc^^ilM- 
binden Sinne des Wortes kann hier nicftt die Rede «ytt^ 
es ist efire Ansschefdting derselben Masse, aber nnter »odi- 
fizirten MischüngsverhSltnissen des mecliantoish«! Gemtngos, 
eine Konzenti'frung des Kiesel- vnd fiisenoiyd- oder Bisse- 
oxydul-^ebaltes in gciwissen Massen des SandsMns, auf 
jl^Isse t^ornien beschränkt, dieselben vfahrseheinlleh be- 
diligend. GefvMse Formen sage feh; denn von snifätligen 
fresfaltmigfen kftrni dort keine Rede seyn, viroeie sich durch 
Millionen von Indftiduen als dieselben wiederholen, im gleichen 
Verhältnisse ihrer Dimensionen. In eine« solchen FaHe 
Iraltet kein ZnfMj es herrscht ein Gesetz. Meiner Anhiebt nach 
lind fibereinstimmeüd mit Ehrenberqs sehdnen Untersnchungn 
def Kreide^Konkretionen aus Egypten hallen vHr es hier 
mit einem efgenth&mlfehen Krystallisatfoneakte en thnn, dem- 
stafolge in ehiem ans ^eh anbekannlett Zustande derMasee 
eich die gleitliartigee llieile derselben aneinander Teifami, 
ans der übrigen MiAiftre anssdieide« und besttmüle polye- 
üMsehe Formen ton mendtteh fielen SeHen Mden, deren 
r^^cifaiftssige Ketebinaffonen, ZwMingsgestalteB «tc jene 
AAüttdernngen ereeiigen, die sich siels auf die Grnndiotm 
zurückfuhren lassen und keine Unregelmässigkeiten sind. 

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''■tut- ^ikmi'»mJAtkn& ht\ -Btiininle Üiiy Wo derselbe mefA*« 

voll trefflich erhaltener Meereskonehyllen, wechselt, i^etefae 
Sträf^ii Üitii^-titt)^ A^ Mächtigkeit Wender Zolle haben und 
Stft^^l^ 'V6n 6raiitaktifale limi^hlfeäseil / aezt efii an '88 Fo^ 
tiiajehtfg^ Lagei* vöii Kohlehllitfen Atif, Äet it6lhC6rtthi^n 
ist uiAf ISpureii' V<rtt 6ratrokbbie führt/ Das Laret*'atretcfai 
l*h lind 'Tefffileht sehr jgerfinge In SO. Aer Untfersnchiings- 
tetie, dfe d^efbM aaf Braunkohlen uitternomnieii wurden, 
habe ich* schon im Vorige« Abschnitte erwähnt. ' ^ 

Bä SsiAmSzadlar, twisdien d^m Dorfe Allah S^gh und 
ThorÜglu, ebenfalls xVc^sfflch der Cydntis^Thäier, treten aiir 
der Grenze der nntern/ harten kreide and wahrschelnlüelt' 
ikt angM9irend, ^hr mäcfatlgo Äblagemngen von Rbth^ii^'^ 
stein und Brauneisenstein mit Rornstein auf. Sie streichen 
kbM'JiO. in SW. und bilden einen ganzen Zug kleinefBerg^; 
An den Qestelnsschdden beobachtet man viel von erdigen 
Blagneteisen iri dfirinen Lagen ausgeschieden, und die ganze 
MaS^affizArtdie Stkgnetnadel'so stark, dass man diese znr 
Orientifuhg nicht gebrauchen kann. 

'Wendet! wir uns, stets nach Nord vorschreitend, in 
ih&S Centhlle ^es Täurus sdlbst , so schien wir uns von ilinet 
niäclittgieA uiid iti hohen Bergen emporstrebenden Entwickiong 
der untern oiil^ hätten Kreide nmgeben. Auf den Rückeuf 
titt Berge , In den Thälem und als Beekenausfitflüng iilti 
sie häufig noch Immer vöp den tc^rtiären' Abiageran^n nitH 
den Gliedern det* ob^rn Kretde-Reihe bedeckt, die wir bereitl^ 
MmmtRch' kennen. Weiter gegen den* höchsten RS6ken des 
«Centralztt{g;es- im refisdifwKiden abet* diese bäch und nMi; 
die härte Kreide wird Veeiif^er Feuerstein föhrend, geidniii 
«lier ^inen' "seMteftrigen Chkkk4i^r; wii^ thdnig,^ SvechüeM 
h TrfeWt'seWf ^riHg itaächtf^i^n L'agen 'ttfit Thbnschli^er, deni 
jMoeh AMi$eMteri^läB2f^b,*dtfsglfidme 
deir. älteM'* gUiiittierrerchem Thonschieferis dinhgeli ütid fährt 
auf «liusgedeftnteh'nnd siiihr ihiächi^en Lagiirsfätteh ;' ton ver^^ 
s^hiedenen Fbr«cien, Rtolth^senstein, BrauneisensfdUj Glasko'pf^ 
Ehen<M^er etc:,' atf kuns ähgesezten Lajgerstätten aber und 
unter äusserst verworrenen Schichtungsverhältnissen Blelglanz, 



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lißkhlwde^ Ar9e»ikktf%;KV^fmlc^:ii. ^m^4»Sti^lt^nz, 

doqd.Ji^ur von ^rr.gfsringeiiu ;:...• . . . t* . 

: (. 1^0 ^iirphhruche abnonner felageUUf». dip. wir ^^cfMi 
aim {dem Gebiete 4er obemiJt^ide nod df^r Teiüjur^Jft«^ 
l^eiiiieD» iif^rden ta dem der b^tenK^id?? f^ius,aiial^4w 
Vecbältnisgen • in |iördl|chen Syrien ^ be«cMerp(,,})iMi% ««d 
iBäcbl%, y^rzogUch tritt, wie dqrt,; Serppiy^ iaigfi^^inp 
Bp?s?ijiffeft auf und steigt ip beü^/^ ^ergj^n emBQra.di^.maniMg)» 
faltigsten Störupgifn Jm Schjuchjteii^yatßm dea apgr^fKieiidw 
ge^bicbtften Gebildea bedingend. Der l$erj)entii|'* sp|f It in 
d^^.Tßrrain d^ri li^iften Kr^de/eipe sojvoblfiir ibre^tqu^tli% 
i|)s auch vielleicht ^r ibrefrzfiibrqngböpbBt wich^ge RoVf^ 
e||ie £|[lfl^eini9ng,..die diese Gegend untei^.tglei^B. geogi^ 
9ti3cbep^ Verbältniasen mit so vielen andexQ 4e)r.J^rde.th^ty 
wobei if^ auf ,die Erscheinungen binweiiej .die sieh- dav 
l^eoba^cliter im nördlichen Syrien, in Grif^^nliin^» W 
Monte Catinl^und Monte Cerboli in Tpsl^i^fift f^fc^ atifdr^ngi^ 
u^ die,d|BnSerBi?ntin, ßi^ibotldund Dia)||ieQfp!^^|^,^i4^ 
wahrhaft platonischen Cl^araktpr zu^ertheilen ifcbeAPf|9f: i^if. 
^egen d^n h9chateR K^ck^n des Centrale^ ^ ^(^pi^^nien 
di^e mächtigen Serpentin-Durcbbriiche .uird;.|jer;;dl¥l^einl^ 
Xho98<^biefera lyec^litscA^ n^elner A^^P^Ii W^hsdiw 

le^l€$ Glied unserer pnt€ii:n Kreide,, liegt ^ui^ oder J|ebfl<^)Si^ 
idelmehr an eine 44>^S^Fung von ^ThQnc|cÜefc^'>.wec)|febMI 
Vit ^rnigem, iifid dichtem Kaljke. und mit jGUmw^i^^^^fert 
9bi)^ mir bekannte fossile Reifte, die höchsten Gip^l det 
(leptralzugea, bildend, über die. Scbne^linie ;^isteigf|p|d ,1^14 
vfa^rsotieinlich eine Formation ^der «^fnannt^.fii^fEUigaiigpt 
j^eriode* Ob einige, diesc^r Scibiefer q^ ol^, ulf^l/^effi e|f^ 
grosse Theil der Centralfonpaflon.d^ T^urtvs in ^e ßj^jfß, 
vnaterer ältesten .(^r^wfi(^enrAblagf ^TPJflgen, zuqi. Xheil au<^ 
gleicht iifi 4ie Reihe siluriscber Bildungen ^u.f^abljWffey^ 
dariibei; wage. iiqh. nicht einmal jeipe Ven^o^^ung auas^nspjr^ 
chen^ doch schwer kann ich .nüich ^ntscbllessen.^ sie g^ns 
^ ,kr5(stallU)dschen Kemc^ des, Jaiiriifzilfi^ tfm(Pfi^Vh 
flu' deren Grenze sie allerding» eißp ftwa^ a/ci\^mlk»^ 
Stpllimg behaupten. ., // . - . . .*,jrii' 



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Dles«"krjMälltataehdb FMdgeMd»', ^Snndt, Goefas^ 
(UfiniiiefscMefcrMc. «ehen wir als i^ermtrtM!che8;6fundgestebi 
der^MKen Tatimeriiebiing ifl iitisetem' hier uns Voi^elegtai 
Terrain, lezteren etwa ausgenommen, meines Wissens nach 
g;ar nicht benrörtlreten, siis geb&ren mehr den Sstlichen Fort- 
setzung^en des Taums, S^^en den ffauptstoclL von Arme- 
nien hin/ ail. ;' * 

Heulen wir die Msher angegebenen Daten, als Bild cRn^ 
Hanptdnrchschnitts des sudlichen Randes des ctHcisehen Taiinis 
Toib MUteltheer^ bis zu dem höchsten Racken d^s Central- 
svges, aneinander, so erhalten wir aus Sud in Nord einen 
Typns der vorherrschend vorkommenden Felsg^bilde and ihrer 
Lag;erung;sfoIge von oben nach unten, dem sidi alle 
nachfolgenden Lokaldetails unterordnen lassen, n&mllch: . 
.^ . 1) Sand und' Mceresschutt. Jüngster Meere^and^ 

;3 1 stein und Meereskalk. S&sswasserbildungen. Grossten- 
.•= I theils fortdauernd. Organisehe Reste der hentigeti Z^t 
^' j und Trümmer von Kunstprodäkten enthaltend. • - ' 
9 \ 2) Kalkbreccien , Schutt-Konglomerate^ Nagelflne^ 

§t i aMg. Älterer Meeressandstein und Meeveskalk; 'Süss- 
i f wasser«*Bfldiingen. Organische Reste des beatigen 
< A . Mißeres. 

/ H) Dichter, grauer Kalkstein, mergelig mit Cerithle«; 

. • ^ 4) Mergd mit weissem, kdriiigem Gypse wechselndi 

' 5) Kerallen- und Polypen-Kalkstein. 
' ' •) firAge, grnne Mergel mit TertiäNVerstefne^ 

rangen. • • 

7) F«ste , welsslick-grüne Kalkmer gel, ohne sichiv 

j'iiare organische Reste. 
^'f I' . .i8) Ostreen-Sandstein. Ostrea gigantea nnd aildere 
d ./ Ai$t«m, so wie Avlculä in grosser Menge enthaltend, mit 
'£ \.KQhlenletien voll Cerithien und Braunkohlen ^f&hrend. 

9) fiiseiischiissiger Sand, ältere und Nagelflneartige 
Kälkkonglomerate, Sandstein' wechselnd mit- Thon und 
Mergelsliiateä) theils voll Ostreen, theils ia Menge ter- 
tiäre > Koncfayliea enthaltend, gleich denai ^aas deM 
llHener Bedien bei Baden. . r . 

10) Thonige Kklke,* wechselnd mltM^rgvInnd Thon- 
Straten. . 

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4^)dea: y»nit(Diiiftaiigan der:ob6rii Kr«Ue« FecwtfteiH* 
:^.'S' fiibmid; 

._:,.' IS) iUlktMvBcbider iHcd aoMeferiger.^ IhiHifger 
3 [: Kulk, lämni^ der Vfbralp^. * 
1^ I 14) Dichter, grauer Kalkstein, Feuerstein-führeDd^ 

5 i| I^After'voa Homateiii. Dnrehbr&cllie toniSeifenlUk Be- 
:j|: Igiander iH^chalpen. 

^ / . 1$) Scbieferiger Ka&steiB, zum Theil ih<Mrig, obae 
•g A Feuerstein: Serpentin-Ourclibrücbe. Auf i Lagern «nd 
^ f Gingen Bldierze., £isenfirze fahrend. VerWerrene 

I [ 16) KalkKtein mit Tlmnschiefer» i^echselnd; Um* 

6 V pentln^Durcbbrübh^ Der Kalk dicht, cBe Schiefer thonig. 
1^ . 1.7) Thonäcbiefer und Glimmeiacbiefer . tvieehselnd 

^r|\ mit körnigem und diebtem Kalke. 1.^ j 

^^ ) 18>KryatalliitiBehe6eUide,Gliflinieiisdiiefer,.Gn^is8, 
ägverMit. 

.y, Alit ateter Hfnweisang auf diente Lagfening»4Seh^niii 
9«ä|bB^i^W' ^^^ Detaiia der geegnostisdmiyepbäMolase'att, 
insofern sie die Struktur der Hochalpen und ihre. Verbftidung 
vM den.YiQffalpen betreffen, ntd beginne niii dem Bulgur 
Da^ bei Giilek und seinen zunächst aakgi*i»zeinlen Distrikten. 
In dem westUeben Tbeil^ dei^ Taums-^iüpeii, )lm Pasdia« 
lBk6; . Adana und naraedtlieh In der UmgelbuAg von Gi^ek, 
zeigen sich die nagelflueartigen Kalkstein-Konglomenateijjund 
dife Kalkbre<)€ieft., tvelche den jUtesteo Meei%sdilnvi|inen 
dieses Landes zuzurechnen seyn dürften, vieHeicbt aidh in 
4ie tertiäre Reihe übertreten^ als Decke der Kalkberge^ als 
Ansfiillong der Becken und Tbäler In ihrer grSnsteh Ent* 
.^ieklling. Die SeUcbten dieser Kenglomerato liefen grftssten- 
iheila horizontal, und doch treten sie als oberste Ablageirung 
jui. dem Saume des Centrälruckens und gans analog ^ den 
ahnlifl^en EiHeheinungen im nördlichen Pefapönneae, IIa zu 
AOttO und 4000 Futts Bfeeresböbe. empor. So Id dem. engen 
Felsenpasse von Gulek Boghas, in Jiem Cjdnus-TbUsrn! bei 
Dschehentar lUfeiai und Bambulg D^re4ai. i . 



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lit g«rfa^«ver %ntißf\dklmgy iet lliMs« meV, M^tt «Ich 
ifl des Ibehalpen Se TertfSr-Gebilde nni ^ Reihe der 
€>benir Kreide. Bei GftetMiliiii, efae Stoiide sndweafClIcli veli 
Guiek, bedeckt Ie2tere den g^nineo, diclileii Kalkstiehi deb 
Centrale in herizontalen Sehiciiten. Sie Weebsfelt ^aselbiit 
mit Straten eines reinen, dvakelg^ranen nnd schwarsen Fenei^ 
Steins, von 1 Zoll bis 1 Fnss M&ehtigkelt Die Kreide selbst 
ist gran, weiss, erdig nnd mMnnter sehr rein, so dass ihre 
Yerwendnug als Handelskreide keinem technischen -Blniief- 
nisse unterliegen wnrde. Sie ffihrt Versteinerungen, beson- 
ders refch an le^tern ist aber der gelbe, thonige und sehr 
donnschieferige Mergel, der sie liedeckt. 

Wendet man sich von Gnlek südöstlich gegen Adana, 
so bleibt man in dem granen, didifen Hlilkstein der Hoek- 
alpen bis eine hallte Stunde nördlich vom Brunnen BiH&k 
Knjnnln Pasehi. Auf dem Wege dahin sieht man an ^ti 
Bergen jener Felsbildung eine Menge kleiner Bohlen ^ wie 
von Meeresbrandung ausgeschlagen, und-dasie alle so xli 
sagen in einem Niveau liegen, so scheint man hier, wie an 
den Granitbergen einiger Punkte Norwegens, eine Linie vor 
sieh eu haben,* die de« alten Wasserstand des Meeres ite 
beselchnen scheint, der in diesem Falle gegen den heuflgehi 
eine Dliferenz von ein paar tausend Fuss nachweist, sey 
es nun durch Hebung des Landes oder durch Senkung dcfs 
Meeres. An dem bezeichneten Punkte vor dem Brunnen 
beginnen die Ablagerungen der Kreide- und Kreide-Mergel 
mit einer Masse von Veisteinertingen und unter denselben 
Verhältnissen wie in ',6aensinn. Die Kreide entwickelt sieh 
hier in einer Breite von 2 Stunden, worauf, sie bedeckend, 
umnittelbar der Ostreen^hrende Sandstein, von nocb grös- 
serer Entwicklung als bei Thor Oglu, aber ohne jene son- 
derbaren Konkretionsformen, folgt Dieser Sandstein tet- 
l&nft sich in der Richtung der Strasse nach Adana unmittel- 
bar in die Ebene, 

Der Festungsberg bei GSlek gehört^dem grauen, dickten 
KalkstelA dei^ Hochatpen an, dieser wird jedeeh von Straten 
eines ähnlichen Kalksteins bedeckt, der, w&hrend erstrer 
Feuerstein - und Verstelnerai^os sehelnt^ sehr hiuflg 



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m4 

FMervtfln-Nlereif mA nt^axiiacht Rette uiMehltesat^ ab 
KqhinadeümQii, Arten Vidit ^Ostrea, Anmonites und 'KorftHes. 
Kill 4Ui|iliches GeMide,' "wie an Orontes bei AntiofAia. In 
JcJ^ilie» .Iieckse9ltvtig!$ii Yerti^nngeti lagerte sieh, eine ganz 
jiigemttiche Su^awaaaerbildiiiig; ab, ein eiaenschüs^ger Kalt 
tuff mit Bläjttern itoqh lebender Ba^marten, ein Gebilde obiie 
bea^dem lokalen . geogmistl^ehen Wertb. 

Interessant i^nd hingegen die im grauen dichten Kalk- 
steine 1 Stunde nordöstlieh von Gfilek aufsetzenden Brann- 
et^enatein-Lager^tatten, wahrscheinlicfa Gänge. Sie streicben 
mit den Ge^teinslagen aua Ost in West nn4 fallen flack In 
Nord. Ihre Masse dringt auf feinen Spalten > sogenannten 
Haarkluften, sehr weit ins Nebengestein ein und erscheint 
ndanehmal, von der Hau]^asse aus, wie iiber die Oberflaehe 
des. Kalkes hingegossen; wie als wenn die Spidte ihren 
Inhalt nicht hfltte fassen können und derselbe* übergeflossen 
wäre« Ich dachte, bei diesem Anblieke unwillkürlich an 
Bildung durch Thermal- Wasser und an Thermal-Sedimente. 

Wendet man sicli von Gülek nördlich und steigt auf 
ilem Wege zu den Grubenbauen das Gehänge des Bulgor 
Oagh daselbst an, so beobachtet mau bis zum Brennen am 
; Fasse des Maden Tepessi nur den grauen, diditeu Kalk- 
istein der Hochalpen: des Taurus, mit wenig Feuerstein und 
;0rganisehen Resten. An jenem Punkte hingegen und an« 
dem pt5t^ich steil sich erhebenden Geliänge des Central- 
rrückeits des Bulgur Oagh beginnt eine andere Kalkbildiing. 
lOer Kalkstein flUirt keine Feuersteine mehr, Thon tritt in 
seine Masse, und sein sonst dem Körnigen sich näherndes 
Geiüge nimmt dadurch einen thonschieferartigen Charakter 
und eine; bläulich-schwarze Färbung an. Auf Lagera von 
höchstens 1 bis 2 Klafter Mächtigkeit tritt auch in diesem 
Kalke wirklicher Thotischiefer auf, von grauer und graulkh- 
grüuer Farbe und sehr dünnbläjtterigem Gefuge. Auf der 
Höhe des Maden Tepessi nimmt dieser Thonschiefer efaien 
mehr chloritischen Charakter an und steht mit ,ilem Kalke 
fganz in Beziehung der Wechsellagerung. Diese .Felsfor- 
mation ist herrschend Im ganzen Thale des £nik Tepessi, 
in der gtozen Umgebung lier Gruben am Maden Tepessi 



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4115 

nnd ab HauptgebiMe des gaiiaen Central-Rackras des Bulgnr 
Dagh, nur mit der Modfficatloo, dass an den höchsten Er- 
hebangen desselben, so z. B. am Allah Tepessi, der Thon- 
schiefer mehr glimmerschieferartig wird und der Kalk ein 
krystallinischköroiges Ansehen gewinnt. 

Der graue, dichte, Fenersteili führende K^lk ist regel- 
massig geschichtet, seine Schichten streichen ziemlich con- 
stant ans N. in S; nnd verflachen meist nnter Winkeln von 
15 bis 25 ^ in Ost. Der schiefrige und mit Thonschiefern 
wechselnde^ Bleierze fuhrende Kalk ist ebenfalls geschichtet, 
seine Schichten aber haben, qonform seiner Struktur, nur 
eine Mächtigkeit von 3 bis 5 Fuss. Ihre Richtung ist 
durchschnittlich ans N. in S., nach 2 h. bis 5 li., das 
Verflachen derselben Ist jedoch höchst verschiedeu, die 
Schichten sind mannigfaltig gebogen, gekrümmt, gebrochen, 
theils verworren durch einafider geworfen, theils konzen- 
trisch sich um Kerne in weiten, ungeregelt scheinenden, 
elliptisclien Umrissen anordnend*. Ich glaube kaum, dass 
der Name Schichtung in der gewöhnlichen Wortbedeutung 
>,als systemmässiges und verschiedene der Bildungs-Perioden 
bezeichnendes Aufeinanderfolgen der Felslagerungen <^ auf 
diese Gesteinslagen eigentlich anwendbar sey, sondern ich 
glaube, dass dieselbe und ihre sonderbare Anordnung, wie 
ülierhaupt bei schiefrigen Gesteinen, rein nur Folge eben 
ihrer sc^efrlgen Struktur und eines nach bestimmten Ge- 
setzen und In grossem Maasstabe statt gefundenen Krystalli- 
sationsprozesses seyn diirfte,.der dem Akte, welcher die 
Konkretionen im Kleinen bildet, in seiner Natur vielleicht sehr 
nahe steht Schenkt man diesen scheinbaren Verwirrungen 
der Gesfelnslagen nur einiges Augenmerk, so kann mau, 
besonders die konzentrischen Anordnungen derselben um 
bestimmite Kerne betrachtend, unmöglich annehmen, dass sie 
eine blosse Fdge mechanischer Störungen eines ursprunglioh 
anders ^^taltet gewesenen Schichten-Systems seyen, Folgen 
von Emporhebungeu u. s. w«; denn wer diese Annahme 

*^ Maa sehe die drei DuFchsdiiiitle von SthichtensteUttoseu am Eiiik 
Tepesai« Maden. Tepes^i und Allah Tepessi. 



Riis«eaaEii, RcUen. I. Ud. 3.Tlil. 40 

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nacht, mum die Folgea derselbea, dto henroi^pffCMg^iimi 
secundären Gestalten, auf Gviuidlbiweo zuriipkfghFfeii kduneo, 
deren iveitere Sntwicklung naqh Grandsätzen der Mechanik 
lind, mit mathematischer Schärfe sich nachweise« lasst; denn 
bei Umwandlungen in den Farmen ist die Mathematik eben 
80 vnumgänsliche Bedingung, wie bei Umwandi^ngeu in der 
Materie die Chemie, und Hjpotiiesen, die vor ihren Tribn- 
Mrien nicht Stich hallen, sind und bleiben schi^Ankend , bis 
jenes gelingt. Bei der Annahme eines Krystfillisatioaspro« 
eesses, der, wie wir anzunehmen vollen Grund haben, auch 
im festen Zustande der Körper, als wirkendes Agenjs,. nur 
selten in der Zeit eirfassbar, aufzutreten scheint» jh^ea wir 
das Wirken der Natur im Kleinen, wie z. B» bei der Bil- 
dung von Konkretionen, konzentrisch schaligen und strahli- 
gen Massen, bei vielen Süsswasserbildungen u* s. w. für 
URS und können es, bei mehr oder weniger stattgefundener 
Modification des festen Aggregat -Zustandes, z..B. a|i den 
Gesteins-Massen in Gestellen hoher Oefen, als in Zeit und 
Raum gegeben, auch nachweisen. 

In dem dichten, mit Thonschiefer wechselnden Kalke 
setzen im Thale zwischen dem £nik und Madeo Tepessi 
und besonders an des letztern westlichem Gehänge Lager- 
stätten auf, welche zusanmien mit ThattschiefQr, der besten- 
ders am Tage in einem aehr aufgelösten Zust^de sich 
befindet, Bleiglanz, Kiese, Bleisalze und Zuikblende fuhrep. 
Man kennt in der nächsten Umgebung des Maden Tepessi 
mehvere solcher Lagerstätten, die aber alle denselben Cha- 
rakter an fiäch tragen, nämlich den der Unsenßrmigeni Stöcke, 
sogenannte Nester, welche hei einer, sehr gperingen Auadeh- 
ming im Sireichen, «ft pur von wenigen .Klaftern^ eine 
Mächtigkeit, bis zui 2 Klaftern etotw^iekeln , jZiwisohc» den 
Geeteinslagen eingelagert, sind, und denselben veUfconunen 
conformliegeiu Eine Art Beslegy, gebildet durch die gänz- 
liche ! Auflösung des Thonsohiefers, der. diese Linsen «m- 
noUiesst, trennt .die Erze führende Masse stets vom Neben- 
gestein, und wahrscheinlich folgen im Streichen der Gesteins- 
Lagen stets mehrere solcher Linsen nacheinander, eine Art 
Lagerzug bildend, woriiber mir aber nähere EHfahrnngen 



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Gl? 

mMgelo. In der Nabe dieser ErxlageKitalte ond 2war Mtkt 
vaterlialli dem Zffchenhaqee sest in denselben Felsbildung 
ein KgelipiMi^^ Lager von derbem Schwerspathe avfj 
vfe\8^ im CSelbUfbe 9|clt zieheqd nnd zum Theii krummachaf 
lige Textnr ^^end, |^t Bleier4i|e. Man kann das Lager^ 
in einer Mae^figk^it ym 4 Fns9, defii Streichen nacb an 4 
bis 5 ip«ifter wf^l Y^ojge^. Di^ liHgeriiaga * Verbäknisse 
der Erzlagera^ttf^i a;q4 durcH die y^r^arrene Stellung der 
Gesiteinslagep^ zwjseh^n dßiff^n ^^ U^er^o» auasersi yerwor« 
ren. Sie sipd dnrch efne Menge von iiber Tags sichtbaren 
Verwerfungen trftiw^chfinlick äns^erst knrzabsetzend und 
eben dadurch fuf den ßergmaiin sehr acbwer au&zuiichten. 
Uebrigens yy4^P?^ diese Bleierzlagerstätten am Maden 
Tepeasi schon ^it sehr lauger j^eit Gegenstand bergtnänni* 
scher Betriebsamkeit, wenn lyiaii anders blossen Schatzgräber-; 
Arbeiten diesen Namen geben kann. Das Meiste in neuerer 
Zeit geschah unter d^r Regierung der ieztep Sultane, be- 
schränkte sich aber aii^li gröastentheils auf ein kenntnbslo« 
ses fleromsujcliei) nl^er Tags. Man scUug zwar ein paar 
StoUmi an, betrieb sie aber nur in so lange, als man auf 
dem Erzneate £rz9 ^n f;cqbern im Stande war. Dieser 
Umstand, yerbfiaiden mit d^r grossten denkbaren Unkenntniss, 
mit der SchläfrigH<si<^ d^r Yet-W^ltnng, die ohnehin eigentlich 
keinen unmittelbaren A||^hei| 411 diesem ll|lterQeh^l^^gel| 
nahm, und mit dcfp Mangel ^ll^r ^ubsidien, bewirkte, dasa 
man jeden dieser Baue niir f4nigfe Klafter we|t ins Gel^irge 
führte, dann ein^tf ilte ui^d f|in?n neuen begann, so dass für 
die ^gentliphf^ A^ifinchlie^uilg n{chts geschah. Während dem 
Kriegß SbnsifKQrAq's npilt deip ßultane, bis zur Schlapbt 
von Kpnfali, ii| deren Sipgesfolge die Biesitznahme des Pa* 
scbalikes Adaiia durcb erstem gehörte, gerieth dieses Un*- 
terne^n^en gf n^ in Verfall und wurde erst wieder da^m 
^g^dffpn, 4IS9 eigentlich durch Ginsbero angeregt, der 
unteriyelifAQpd^ Vizel^dnig.j^eiii Afigpnqierk darauf yf^x{^ mA 
^ f*¥gf94> sifbs IFA^ M^b 9ciifQm Im |>etall ec^i^^dit hi^be: m^n 
Cewj^ltigle ^^^Mer unter S^il^n Machudu angeschlagenen 
Stollen, b^e ^ipn feiner uifbed^ptenden Ansdehnuug. in 
einem ^f§qn)^e,4^ pntf^fp ^^f llen belei}c|itet man das erz- 

40* 



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618 

führende Lftg^er In einer Mäphtfgkeit von 4 bb 5 Fnss, nach 
2 h streicherid und in S&d-Ost flach fallend, bestehend ans 
Thon nnd Tlion^lchiefer mit fein eingesprengtem Bleiglanze, 
Pocherze von geringem Belange. Mit dem obern Stollen 
hatte man eine ganz andere Lagerstätte gefasst, sie aber 
auch sogleich innerhalb d^ lülnndloches wieder verloren, 
jedoch später wieder* durch eine westliche Äbqueniug vor 
Ort sowohl, als mittelst eines Gesenkes erbaut, am erstem 
Orte taub in 2 h streichend, am letztern Punlite in schönen 
Erzen anstehend nnd in einer Mächtigkeit von 3 Fuss. 
Ausser diesen beiden Stollen befinden sich mehrere solcher 
alter und verbrochener Aufschläge in der Nähe, keiner jedoch 
von nur irgend einer Ausdehnung. Wichtiger sind einige 
Abschürfungen solcher Bleierze fuhrenden Lagerstätten da- 
selbst, die ich daher auch, um sie näher zu erforschen, 
belegte. 

In Folge des weitern Betri(!bes stellten sieh die Erz- 
fuhrungs-Verhältnisse in den beiden Stollen gunstiger. Man 
erbautd im Gesenke des tiefern Stolleus in einer Mächtigkeit 
von 1 Fuss schöne Era^e in einer weichen, thonigen Masse, 
deren Müde den Betrieb sehr erleichterte. Auf dem obern 
Stollen einbaute man ein an 2 Klafter mächtiges Mittel mit 
den schönsten Erz^n; so fand mdn auch das Gesenke zu 
Sümpfe ganz in Erz anstehend; da aber> durch die fr&hern 
Arbeiten der ganze Bau eine höchst ungeregelte Gestalt 
erhalten hätte und dadurch soivohlj als durch die BrQchig- 
keit des Gesteins an und für sich, die Fortführung dieses 
Baues sehr gefährlich wurde^ so Hess ich, um sogleich von 
vorne herein radikal abzuhelfen, einen neuen Stoltto anf 
diesem edlen Lagei-zug hineintreiben und befahl den alten 
Bau zu versetzen. Den Betrieb, da die Hütte bereits durch 
die mit den alten Tagarbelteu gewonnenen Erze wüt -Vor- 
rath gedeckt war, reduzfirte ieh rein auf eine energische 
Attfschliessung, um nicht durch einen vorzeitigeii Abbau der 
getroffenen Mittel sich gleich Im Anfange wiedef von Erzen 
zn entblössen. Mit den öberil ' Stollen , dessen Feldort Ich 
nach Eröffnung des neuen Stollens als das einer Firsten- 
Strecke fortbetreiben liess, traf man auf eine Verwerfiing, 



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ei9i 

deren xoUkw^m» geaetKÜche Fomi ans don M8;escbUMsenen 
Bilde erhellt^ iowelehinnadfi« Erzlager, k dewen verworfeuea 




^ 



-• .y^ 



Trumm iiod b die beiden Verwerfen (Scbinierklüfte) bezeichr. 
net. Man fand die Fortsetzung des Lagers ohne Anstan4 
und zwar zum Glück wieder veredelt. 

Von dem Gipfel des Allah Tepessi hatte ich eine weite 
Femsicht über die dem Bulgur Dägh sich westlich und östlich 
anschliessenden Bergzüge des cilicischen Taurus. Der Nordabr 
fall des Taurus in diejülochebene Kleinasiens ist s^hr stejl; 
nicht wie am südlichen Gehänge schliesst sich dem Centrale eine 
breite Reihe von Voralpen an, sondern der Bulgur Dagh, 
wie der Baghir Dägh fallen mit ^an^ senkrechten, von engen 
Schluchten durchschnittenen und kahle, sc)iarfe Homer und 
Zacken tragenden Felswänden, auf denep mir Adler, Steiur* 
hjö/ßke und Gemsen leben, in die Ebene ab. Am Südgehänge 
beginaen die Cedernwälder bereits in Meereshöhen von 6000 
bis 7000 Fuss, und zu ihrep Füssen dehnt fAf\\ ein schön 
bewaldetes Alpenland aus ; ani Nordgehängp steht der Tau- 
rus als nackte Mauer da, und erst am Fusse derselbep breitet 
sich der grünende Teppich der Hochebene von Koniah, Ka- 
raman uud £rekli hin, welche Ebene in weitem Bogen wie- 
der von Bergen umschUssen wird und eine sclielnbare Län« 
genausdehnung von 15 Meilen, bei einer Breite von 6 Meilen 
besizt. Man sieht auf dieser Ebene mehrere' der vulkani- 
schen Durchbrüche in kegelförmigen Bergen sich erheben, 



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&10 

hoch Vber alle ater und eriltrer auch hochliMr ällb KitptrM 
und Hörnet des Taurus ragen dfe beiden 'fe«erg«borueii 
Riesen, der Erdscliiescli bei Kaisari^h und der schöne Hassan 
Dagh bei Ali-Serai empor. 

Von Guleli sich westlieh gegen die Gydnus-Tfaaler 
wendend, sieht man den dichten, grauen Kalkstein, der 
Feuerstein und Versteinerungen: Echinodermen, Osträa, Ko- 
rallen etc. fuhrt, fortwährend als Hanptfelsgebilde auf- 
treten ; er bildet kleine Plateau*s und tiefe , enge Thäler, 
finstere Schluchten mit reissenden Bergströroen, so die beiden 
Cydnns-Thäler: Dschehenim Deressi und Bambuig DeressL 
Bei Deirmann Deressi sezt derselbe und ein sehr nahe ver- 
wandter Kalkstein auf, ohne Versteinerungen, aber mit vielen 
und mächtigen Lagern von Brauneisenstein und Rotheisenstein, 
deren Masse so überwiegend wird, dass ganze Berge daraus 
zu bestehen scheinen. In der Nähe dieser Erzlager wird 
der Kalk schlefrig und erstre selbst werden von Thonschiefer 
begleitet. Südwestlich und ganz nahe folgen Im Gebiete 
^es Kalksteins mächtige Durchbräche von Serpentin. Der- 
selbe bildet das Übergangsjoch von Deirmann Deressi nach 
dem Thale von Giisill TöiTeh, dieselbe Felsbildung wie im 
Thale des Orontes und wie dort, am Tage in einem sehr 
ääfgelöisten Zustande und wie dort, auf untei^ordneten 
Lagerstätten, Chromeisen und andere Eisenerze führend. 
Diese Serpentin-Bildung, deren Gesteinslagen ans NO. in SW. 
streichen und auf ihren Ablösungen viel Eisenoxyd fuhren, 
hält durch das ganze Thal, mit geringen Unterbrechungen 
&^k Kalksteins, mit welchem Wechsellagerung statt zu finden 
selteint, bis zum Doi-fe Allah Dägh an. An mehreren Pnnk- 
fen beobachtet man im Serpentine Einlagerungen von Oliln- 
mer und Hornblendegesteinen. 'Südlüch des Serpentins von 
Güslll Torreh tritt wieder derselbe graue, dichte und schief- 
rfge KaikUtei^ auf, den Velr üSrdHch desselben sahen, und 
viie idvt Enthält er auch hichr wiedeir mächtige und zum 
Theii ^tee Berge bildende Lager von Brküiieisettsteih und 
Rotheisenstein mit Magneteisenstein. So bei Szamszädtar, 
wie bereits ei wähnt wurde. 

Am Fel^uthore bei Matera, zwei und eine halbe Stunde 



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031 

mdl6#h' vM AUali D%h, begfoMD die Ablagemiigen der 
dbem Kreide, vrelehe den Eisenerze führenden graven, dich- 
teo Kfribtelfl d«r untern Kreide hier unmittelbar bedeclien« 
Es erscheint zuerst ein weisser, meist erdiger und zerreib« 
lieher KäHcstein, der ausgezeichnet herizontal geschichtet 
ist. Dieser Kalk wechselt weiterhin mehrmals mit dünn- 
sehiefHgen und erdigen Mergeln Ton weisser und grauer 
Farbe, fteide Gebilde fuhren die Versteinerungen der obern 
Kreide, besonders Tiele Osträen» Kreide und Kreide-Mergel 
setzen im steten Wechsel noch S bis 4 Stunden fort, bis 
diese ganze Bildung endlich bei Thor Oglu durch eine steile 
Wand plötzlich abgeschnitten wird nnd die Formation ded 
Braunkohlen führenden Osträen-Sandsteins beginnt In den 
Thälern und Becken der rundlichen Hügel und Berge des 
obern Kreide-Terrains sieht man, wie in denen der untern 
und dem eigentlichen Centralzuge angehörenden Kreide, 
jenes nagelflneartige Konglomerat, jene Kalkbreccie anste- 
hen, die im Centrale des Tauras eine so grosse Rolle spielt; 
doch ist sie im Gebiete der obern Kreide-Reihe seltner er« 
scheinend, örtlich nie so ausgedehnt und nie in so mächtiger 
Entwicklung auftretend, als in dem der untern Kreidereihe. 
Die ausgedehnte Ablagerung des die Glieder der obern 
Kreiderdhe bedeckenden, Braunkohlen führenden, Osträen« 
Sandsteins zieht sich als ein breiter Gürtel längs dem gam 
zen Sudgehänge des Ta;urus hin. Diese hügeligen, welligen 
Sandsteinberge bilden einen ununterbrochenen Streifen von 
fast 15 Meilen Länge und 4 Meilen, oder 8 Stunden^ 
grösster Breite. Diesem Sandsteine ist, wie schon er« 
wähnt, die Absonderung in rhombische Stücke ganz dgen- 
thüodlieh angehörend ,' wodurdh seine Oberfläche hiufig das 
Ansehen von Strassen-Pflaster erhalt, so auch bei Thor Oglu* 
Bei Dedaiär, zwischen Thor Oglu und Tarsus, sehen 
wir wMea in diesem Sandsteine die Gebilde der obern 
Kreide noch einmal hervorbrechen. Auf der Höhe des flaeb^ 
gewölbten GebirgfihRückens nämlich beobachten wir wieder 
den grauen, dichten Kalkstein des Centrale und darauf Ab« 
lagei-ungen der obern, weissen und erdigen Kreide, die 
ganze Masse rfng^erum umgeben von Osträen fuhrendent 



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I»3 

Sandsteine. Die Seliiclitea des grbueil, dieht^e iUUües 
streichen aus NO. in S W. und BtÜken beinahe eenkreeht, die 
Schichten der obern Kreide hinj^egen liegten fast horizontal 
darauf. 

Um die geognostiscben Details dieses westlich des 
Seihun liegenden Theihi des Taurus zu ergänzen und so 
ein geognostisches Bild dieses Terrains in seiner Ganzheit zu 
geben, fiihre ich hier dV^ Beobachtungen An, tv^lche uns 
AiitswoRTH iibär einige Lolialitaten mittheilt 

Am Chan Kätläh Oglu beobachtete derselbe ein Tra- 
vertino- ähnliches Gebilde, welches die Mergel- und Kalk- 
Ablagerungen bedeckt und wahrscheinlich ein paralleles 
Sösswasser-Gebilde zu üns^rm am Festungsberge bei Giilek 
beobachteten Kalktuffe ist; 

Am Dorfe Duräk tritt körniger Gyps im eisenseh&ssigen 
Sande unsers Osträen-Sandsteins mit gemeinem Thone atif. 
Weiterhin wechseln Thon und Sand mit thonigen und eisen- 
sehüssigen Sandsteinen in dünnen Straten, mit rhombischer 
Absonderung. Darauf folgt Polypen -und Korallen^fuhrender 
Kalk. Die Polypen theils in Gruppen vereint, theils die 
ganze FeLsmasse bildend. Die Masse dieses Polypen-Kalkes 
wird von Klüften geringer Mächtigkeit durchsezt, weiche 
traubigen Gläskopf fuhren. Dieser Koraiten- oder Polypen- 
Kalk wechselt zu Unterst mit dunkelfarbigem Thon, der voll 
von Blvalven aus den Geschlechtern Tellina und Lucina ist. 

Am Chan Kussal Oglu liegt ebenfalls der ^sträen- 
Sandstein mit eisenschüssigem Sande unter dem Polypen- 
Kalke mit Thon-Straten, 

Unterhalb dem Chan-Saraschi liegt ein Cerithium^ and 
Conus-fnhrender Kalkstein auf dem Kreidegebilde der Cen- 
tralkette, wahrscheinlich das oberste GHed unserer Tertiär- 
llelhe am Taurus; denn zwischen ihm und der Kreide be- 
merkt man hie und da Zwiscbeiilagterungen von Kalkbreecie 
und schiefrigen Thonen. 

In dem Thale des Chan Kussäl Oglu steigt ein vor- 
herrschend Arten von Conus umscbliessender Kalkstein in 
hohen und schroffen Felsen empor, voll enger Risse, Schluch- 
ten und phantastischer Felsgestalten. Gegen Nord bedeckt 



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G28 

iliit ebensck&flslger Sandstein, der wieder von anserem Po* 
ljpeii4[alk oiierlagert i^ird, so aocli gegen Sud, nur dass 
in leztrer Richtong unter dem Polypen-Kalb: und eisenschüs- 
erigen Sandstein Sandstein^Konglomerate auftreten» 

In den Fluastholern des Urlindschah, des Seihün und 
des Solaklät treten die oft erwähnten nagelfloeartigen 
Kooglomerate In einer grossen Entwicklung auf. Sie um- 
scbliessen hier häufig Geschiebe von Bruchstiicken krystallini* 
scher Felsarten, ein Beweis, dass die Flutben, welche sie an- 
hängten, aus dem nordwärts der Kalk-Centralkette des Taurus 
Hegenden, plutonischen Terrain der Hochebene Kleinasiens 
kamen und ihren Weg fast in derselben Richtung mit den 
heutigen Flnssthälern nahmen. 

Stellen wir nun alle hier im Detail angeführten Daten 
über die geognostischen Verhältnisse des westlich vom Seihün 
liegenden Theiles des Taurus bildlich zusammen, so ergibt 
sieh der tabellarisch dargestellte Hauptdurchschnitt von der 
Küste des Mittelmeers bis zum Nordabfall des Central- 
Rückens ^ 

Nachdem wir die geognosfische Struktur der westlich 
vom Seihün liegenden Partie des Taurus kennen gelernt 
haben, werde ich bemüht seyn, in derselben Art die geo- 
gnostischen Verhältnisse der östlich vom Seihün in dem Pa- 
schaiike Adana und Marasch liegenden Partie des Taurus 
darzustellen, und beginne mit der Ebene zwischen der Mee- 
resküste bei Adana und Siss. 

Eine w^e Ebene erstreckt sich vom Meere zwischen 
dem Seihi^in und Dschihün bis zum Fusse des Taurus, bis 
2U seinen Vorbergen bei Siss. Sie wird südöstlich am Cap 
Malo vom Karadasch, östlich aber, jenseits des Dschihün 
vom Dschebel el Nur und von den Bergen bei Marasdi be- 
gränzt, Punkte, deren Struktur »wir theils bereits schon ken* 
nen, thfeils bald werden kemien lernen. Alluvium und Dilu- 
vium in unerforschter Mächtigkeit sind die Hauptformationen 
dieses Terrains, doch tritt an mehreren Punkten der Osträen- 
fdhrende Sandstein in ausgedehnten, welligen, niedem 

"^ Man seh« den Dsrcliaciimtt des Taurus? westlich vom Seiluin. 

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9%i 

flAgekagen hervor^ tindl einzelne bmnihbructi« idtei*tf[t«t4erelfce 
erheben sich als i^Ikte, schrofFe nnd kable Felsen, 4fe zn 
mehreren hundert Foss iber die Ebene ansteige und meist 
auf ihren Spitzeh die Ruinen alter Kurden «SieblSsser, tuK 
ftist halsbrecherischen Zugängen, tragen. So sehen wir die 
Kreide, wechselnd mit Mergeln, am Wege von Adana itaek 
Messiss, wo derselbe über einen flach gewölbten fticke» 
führt, zu Tage gehen , so sehen wir den Ostiien^Sandstefü 
ausgezeichnet bei Imamm Oglu und am Sudrande der Berge 
tdn 8^, lind so sehen wir enditeh die harte, grtrae HreMe, 
die wilden, isolirten Felsen von Tummio Kilessi, Atoazsrba, 
Scbech Marän und bei Sias selbst bilden, indem der ganze 
Festungsberg oberhalb dieser Stadt dieser Kalkbildung un- 
gehört, wenigstens grösstentheils, denn die obersten Schichten 
der Felsen von Siss, welche reich an Cent» nnd Ceritfaien* 
Arten sind, kann ich fiiglich nicht mit den untet^ri Sdlfefate«, 
ein versteinernngsloser, dichter, grauer nild Wettoet iLalk* 
Stein, in eine Klasse j^tellen. Der obere, V^k^tehieriiiigeii 
führende Kalk dürfte wohl der tertiären Reihe angdldren. 

Die Kalkberge bei Siss sind sehr verworren zerkläftet, 
nirgends zeigt sich eine eigentliche Schiehtun]^. Sie «tti^ 
schllessen am Rande des Taurus ein kleines Bä^^^ weletel 
mit dem nagelflneartigen Konglomerate A^t oft er%tähottMi 
Kalkbreccie erfiillt ist, und lokale, TraveiÜnd-ärtige Bfldott- 
gen, ohne Zweifel Thermen-Absätze, enthält. 

Wo hingegen die jüngere, weisse Kreide, wediiselnd aiit 
Mergeln, auf der Ebene hervortritt, ist sie ufrerall dentlieh 
^schichtet, und ihre Straten Streichen aifts NO. tand 9i 
In SW. und W., bei einem sehi* ischwebendeti VerflSehitt 
iu SO. und S. • ■' 

Im Norden von Sisä und in der ei*sten RMbe der Tinrofr- 
Voralpen, welche hier den Winkel ausfüllen, deä die Gett* 
tralkette dadurch mafcht, dass sie sfibh «Sstlic^h Vokü J3eih6ii 
plötzlich scharf hl N. btad danii tvieder fn O. "W^i^ti, M 
die harte, graue Kteidiii die vorfieit^hehde Feli^formatMb 
Jüngere Formattonea bfed^k^n Me. So fiiehen wii* M'M 
Ruinen der alten Burgen von Kara Siss Kiileh und AbM 
Kaleh den jungem, Conus« und Cerithien- Arten fMirendeq 



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«2» 

otid wfthraelteinlldi tertiären Kalk aiff Sändsteineii und nni- 
gvwandelten FebgebÜden Hegen; welch aSmmtliehe Ablag^- 
ran||;en wieder an einigen Orten dnrcli krystalliniaebe Felsge- 
bilde dtrrchM'ocben werden. 

Der Kalk, welcher die Berge nm Kara Sias und And&K 
KaMh hemm bildet, zeichnet sich dnrch sefite wilden Formen 
ans, er bildet scharfe, kahle, pyramidale Hörnern getrennt 
durch enge Schlvehten mit senkrechten Febwänden. 

Die Bandsteine sind unsern Osträen- Sandsteinen ganz 
älinlidi. Sie sind grobkörnig, sandig, thonig und wechseln 
uiit Straten von blauem Thon, welcher Brannkohlen fBhrt. 

Die umgewandelten Felsgebilde sind ein talkigscfaiefriger 
Thon, zum Theil mit Glimmer, eine Art rother Schieferthon 
und ein nagelflueartiges Kalk-Konglomerat. 

Die abnormen Felsgebilde hingegen sind Serpentin und 
Talkschiefer, spaltbar und thonig, mit Adern von Asbest 
nnd ein ganz eigenthümliches Trümmergestein, bestehend in 
Trihnnem eines grünen, diorltartigen Gesteins, verbunden 
durch einen blanlichweissen talkigthonigen Teig. 

Wir haben es hier, wie ich glaube, mit einer einfachen 
Lagerungsfolge tertiärer Gebilde, Kalk- und Sandstein, mit 
Tbon-Straten wechselnd, nnd mit Kalk - Konglomeraten zu 
thun, die theils auf der harten grauen Kreide, thells auf 
abnormen Felsgebilden aufliegen, welch leztere jene durch- 
brochen zu haben scheinen nnd welche auch vielleicht jene 
Umwandlongen in der untern, thonigen Reihe dieser ausge« 
dehnten Sandsteinformatfon , die sich bis Anazarba er«» 
streckt, herbeigeführt haben. Da jedoch Versteinerungen 
mangeln, so ist es allerdings möglich, dass jend umgewan- 
delten, thonigen Gesteine sammt ihr'en Konglomeraten' det' 
Krefde-Rethe angehöreh; f&r Jkfter jeioch als 'di^»ö halte 
ich sie nicht. 

SM^ man das G^brrge durch den KaM ftioghas in nörd- 
licher Richtttbg iVeiti^ hinan , so steht inan ^Wisbhen den 
hohen Bergeh d^r häirteh, gtänetk K^ide, derek l^chlchten 
senkrecht stehen nnd ans N. iti S. streichen, dä^ nagelflue- 
arflge Kalkkonglomerat in ungehenrer Btachtigkeit abgela- 
gert nnd zu bedeutender Meereshöhe steh erheben. Diese 



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a2« 

Nagelfltte, dureh ihren Wechsel mit nnsenn 9raiNikohleD- 
fährenden Osträen^Sandstein, ^e wir gleich sehen werden, 
eine entschieden tertiäre Stellung einnehmend , bildet das 
Übergangsjoch ans dem Bassin von Siss in das Älpenthal 
Ton Mantasch DeressL 

Steigt man in das Thal von Mantasch Deressi hinab, 
so erreicht man zwei Stunden nordostlich von Siss, auf dem 
Wege nach Hudh, eine mächtige Ablagerung von Sandstein, 
der am Dorfe Gedikle eine bassinartige Ausfüllung des 
Thaies zu bilden scheint. Der Sandstein, ganz identisch 
mit unserm Osti*äen-Sandstein, scheint hier mit dem nagel- 
flueartigen Kalkkonglomerale zu wechseln. Die Schichten 
beider streichen aus Ost in West und verflachen in Norden, 
also gegen das Centrale hin. 

In diesem Sandsteine beobachtet man dicht aii der 
Strasse, rechts derselben und eine weite Strecke in ein 
kleines, sich in Ost erstreckendes Seitenthal hinein, mehrere 
Lager von Braunkohle, die von Sand und Thon begleitet 
wird, welch lezterer zum Theil in Schieferthon umgewandelt 
ist und ein halb gebranntes Ansehen hat. Das bedeutendste 
dieser Flötze hat eine Mächtigkeit von 8 Zoll und fuhrt 
eine reine, hinlänglich brauchbare Braunkohle. Mehrere 
kleinere Flötze ziehen sich dicht unter der Dammerde hin 
und sind, als blosse Rasenläufer, höchstens von dieser selbst 
und zwar unmittelbar bedeckt. Zwischen diesen Kohlen- 
Flötzen liegt Sand und Thon, unter den angegebenen Ver- 
hältnissen. Da mir der Punkt nicht ohne bergmännische 
Wichtigkeit zn seyn schien, so ordnete ich bei Gedikle 
Schürfungen auf Braunkohlen an, das Resultat derselben 
blieb mir jedoch unbekannt. 

Veifolgt man das Thal von Mantasch Deressi weiter 
hinauf gegen Nord, so bemerkt man, dass der dichte Kalk- 
stein, die Hauptmasse der beiderseitigen ^Gebirge, mehr und 
mehr chloritisch wird, bald gelangt n^an. an ein mächtiges 
Serpentinlager und gleich darauf an einen ganzen Zug von 
Serpentin, der. wie am Orontes und westlich vom Seihün, 
dep Kalk durchsetzt und durch die sich wiederholenden 
gleidiartigen Lagerstätten, damit zn wechseln scheint. Der 



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Serpentin ist derselbe, Kie dort, nur zeichnet er iieh hier 
durch eine Menge von Kluften aus, die Mag^etelsen, Cbroui* 
eisen und Asbest fuhren. 

An der Mühle des ÜADSCHi-Effendi stosst maa wieder 
auf mächtige Ablagerungen des Ostraen- Sandsteins, der, 
wechselnd mit nagelflneartigen Kalkkonglomeraten alle Utem 
Felsgebilde nicht nur daselbst bedeckt, sondern als lierr«> 
sehende Ttial- und Becken- Atisfiillung bis in den tiefsten 
Hintei'grund vtfn Mantasch D^ressi , bis zur Terrasse von 
Hudh, bis an den Centralrücken des Karmes Dagh anhält 
und in Bergen zu 3000 bis 400Ö Fuss Meereshöhe ansteigt 

Diese Ablagerungen von Sandstein und Konglomeraten 
sind an vielen Punkten und auf weite Strecken von {Qngem 
Tertiär- und Diluvial-Gebilden bedeckt, welche aus Thon, 
Sand, sandigem Mergel, Sandstein und Schuttland bestehen. 
Die obern Bänke dieser Reihe führen Meeres-Conchylien, 
^wahrscheinlich den untern und dem Osträen-Sandstein ent- 
nommen, durch deren Zeratörung sie entstanden, ausserdem 
aber Süsswasser- und Land-Concbylien,. Holz von Dicotyle» 
denen der jetzigen Zeit, noch nicht versteinert und noch 
nicht verkohlt, Knochen jetzt lebender Landthiere u. s. w«, 
kurz alle Kennzeichen, dass sie aus Revolutionen der neuesten 
Zeit hervorgingen. Die Straten dieser Gebilde liegen fast 
horizontal, theils aber auch zeigen sie wellenförmige Bie- 
gungen in grossem Maasstabe und richten sich in der Form 
ihrer Ablagerung ganz nach der Oberflächen -Gestalt des 
unterliegenden Terrains. 

Auffallend zeigt sich auch hier wieder eine Eigenthfim- 
Ifchkeit des Taurus in dem Maasstabe seiner Thälerbllduug, 
durch dfe er sich z. B. von unsem suddeutschen Alpen scharf 
unterscheidet. Wir sehen nämlich im Taurus, d. h« in deni 
▼on mir bereisten Theile desselben, nirgends jene lang in 
feiner Richtung atrhaltenden und breiten Thäler wie in den 
Alpen, alle Thäler des Taurus sind mehr Schluchten^ und 
wo sich dieselben zu einer grossem Ausdehnung erweiterif, 
dort sind sie so mit den zu Bergen emporatelgendeu Abla- 
gerungen jüngerer Felsgebilde bedeckt, dass sie «uterbrocheii 
erscheinen und man nur mit Mähe ihre Fortsetzung aus 



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4f« G^irifre r^ Sfbl^chtm wkl SeiteBtbalern heffMsfiiidefc 
JU&nge«tbäler, la eioem i^rössern Maasstabe ausgebildet, num- 
geln fast ganz, und durch diese Umstände erscliwert aleii 
4as Studium 4er Terfain-Struktar selir bedeateud. Andrer« 
9aits, wenn es erlaubt seyn sollte, von der Grösse des Maas* 
Stabes der Jb^ilbildung: in irgend einem (lebirgaayrtenie ^ne 
Sfhhissfolge auf seip Älter, auf die Periode seines Herv^f^ 
tretens a)a Gebirge, durch £inporhebung, weim wir wo^eti, 
KB machen» so drai^ siph der Gedanice auf, dass der Taar«s 
wphl eine der jüngsten Emporhel>upg?n seyn durfte iHid 
dass dieselbe erst in ihrer gegeuwärtigen Vellendung nach er* 
folgter Ablagerung der tertiären Reihe und der ältesten 
Meeres-Dilnvionen vor sich gegangen sey, wofür auch dte 
Schiehtungs- Verhältnisse dieser Felsablagerungen sprechen 
durften. 

Im Hintergrunde von Mantäsch Oeressi, bei Tapän Oglii, 
erhebt sich steil das Thalgehänge, zum Central*Rücken em- 
porsteigend, und bildet eine kleine Hochebene, das Platea« 
von Hodh, das sich längs den hohen ßergen des granen, 
dichten Kalksteins, in geringer Breite aus Sfid-Ost in Nord« 
West, als eine Terrasse hinzieht und westlich fast senkrecht 
in das tiefe Thal des Seihun abfallt. Diese ganze, an den 
dichten Kalkstein sich östlich anlehnende stufenartige Er- 
hebung des Terrains gehört dem erwähnten Sandsteine vad 
dem Kalkkonglomerate an, welche beide hier zu mehr als 
4^0 Fuss Meereshöhe ansteigen und von jüngerq tertiäres 
Ablagerungen, Thon, thonigen Mergeln etc. bedeckt wo** 
deU) deren Schichten die sonderbarsteq fSruppirungen zeigen 
nnd mannigfaltige Biegungen und Brechungen erlitten haben» 
J)fte Ki^lkkonglomerate zeichnen ^ich hier durch die Grösse 
ihrer Geschiebe aus. 

Am Ostrande des Plafeau^s von Hndh erhebt sieb am 
Fnsse der Kalkberge ein Bergzug, der eine zweite, aber 
fiLlf^inere Terrasse darstellt, die sich über die Ebene vm 
ÜMdh vier- bis fünfhundert Fuss erhebt ufid zu obersf eine 
j^eine Hochebene bildet. In West, gegep Hudh nämllci^ 
fällt dieser Zug in einer flfenkr^phten Wf^^d ab, wodurch er 
dfts Ansehen einer Afauer geiyl^nt. Die^e ^vifflte Terraii^ 



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«S9 

gelMhrt gaM den jiuigera tertiären AUegemageQ a% vrekhe 
auf dem OstraeD-Sandateia und den nagelflaeartigen Konk 
g^oweraten ruhen, und da aie hinsichtlich der vielen Yerstei* 
nereugen, welche aie fuhren^ eine liochat auffiMIöide lieber* 
eiuatininiung mit den tertiären Bildungen den Wiener Eekr 
kena bei Baden zeigen, ao dass beide Formationen, so weit 
ea bei so lokalen Bildungen, wie die tertiäre^ sind, moglicli 
ist, für parallel gehalten werden können, so bestimmt si€|i 
das relative Alter unseiv Osträen -Sandsteins mit seinen 
Konglomeraten, Breccien und Thenen nach aufwärts so 
ziemlich scharf» 

Die Ablagerungen, weiche diese zweite Terrasse bei Hudh 
formiren, liegen auf dem uns bekannten nagelflueartigen 
Konglomerate, welches hier, ausser vorherrschend Kalkge- 
schiebe, auch solche von Roth- und Braunelsenstein enthält. 
Darauf folgt nun zu unterst ein thoniger, dichter, blaulich- 
grauer Mergel von beiläufig 3 Klafter Mächtigkeit und mit 
sehr wenig Verateineiiingen. Mitten in seiner Mächtigkeit 
hingegen sezt eine zwei bis drei Fuss mächtige Strate eines 
lockern, sehr zerreiblichen Sandsteins auf, der eine Masse 
Ton Konchylien enthält und zwar, ausser den der Zahl nach 
vorherrschenden Meeresthieren, auch Land - und Susswasser- 
Thiere. In diesem Sandsteine fand ich eine Sache, die etwas 
sehr Räthselhaftes an sich hat. Es ist nämlich ein Stäck- 
chen eines talkigen Gneisses, welches ganz die Form des 
untersten Thells eines Meisseis und auch fast die Grösse des- 
selben hat. In ^untenstehender Zeichnung habe ich dieses 
Gneiss-Stückchen in seiner natiirlichen Grösse ^abgebildet 





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6Sd 

und es bezdehnet a die vordere Ansteht nach der brdimi 
Seite, b die Qner-Ansicht naeh der schmälern Seite. Dass 
man es hier mit einem Kunstprodiakte zu thun hat, darM 
durfte man beim' Anblicke dieses Stückchens, Kelchto ge- 
genwärtig^ im k. k. Hofkammer-Mineralien-Kabitaete im Hanpl- 
Münzamts-Gebaude sich befindet, ivoht nicht zweifeln; dem 
die Gestalt ist sichtlich durch menschliche Arbeit erzeagt, 
die Form ist scharfkantig, die Ecken zeigen keine Spar iron 
Abrundung, so auch die Schneide. Der Stiel des Meisseb 
ist abgebrochen und ich konnte das zweite dazu gehörige 
Stück nicht finden. An der Aussenseite ist dieser Meissel 
wie mit einem grünlich blauen Schmelz überzogen, es schekit 
aber nur Politur zu seyn, die zum Theil noch gut erhaken, 
zum Theil aber sichtlicli abgerieben ist. Der Gnelss, ans 
dem der Meissel verfei*tigt ist, befindet sich in einem etwas 
aufgelösten Zustande. Was war einst dieser Gegenstand? 
und aus welcher Zeit stammt er? leztere Frage ist beson- 
ders interessant, da sich dieses Kunstprodukt in einer F^- 
mation eingeschlossen fand, welche den tertiären Bildongen 
des Wiener Beckens parallel steht Hhisiehtlich der Form 
erinnert mich dieses Kunstprodukt an die aus harten Steine» 
verfertigten Meissel unserer germanischen Vorfahren, die 
man in den ältesten Hünen-Gräbern und öfter auf Äckera 
im skandinavischen Norden Europas findet und die aus einer 
Zeit lange vor dem Gebrauche der Metalle in jenen Gegen- 
den herstammen. Sollte unser Mensch in der Periode, ak 
sich jene tertiären Ablagerungen bildeten, schon auf den 
höher liegenden Bergen und Plateau's Armeniens gelebt ha- 
ben? Die Schichten dieses blanen, thonigen Mergels streichen 
aus Ost in West und fallen in Nord, 

Auf diesem Mergel liegt in einer Mächtigkeit von 200 
Fuss eine Kalk-Nagelflue, grosse Ähnlichkeit mit der un- 
tersten zeigend. In den untersten Straten führt dieses Kon- 
glomerat Geschiebe zum Theil von ausserordentlicher Grosse, 
nach oben hingegen wird sie feinkörniger und fast saad- 
steinartig. 

Diese Nagelflue bedeckt ein grobkörniger und sehr fester 
Sandstein, dessen ganze Mächtigkeit beiläufig 36 Ftts 



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«81 

betragt. Erist.gefiteUclitet^seiM'Stiatea liegen fast horizontal, 
höchstens mit einer sehr geringen. Neigang in Nordest nnd 
toben oft nicht ttber 2 ZoU an Mächtigkeit. In diesem 
Sandsteine. HegeAzeniCrente Nester desselben Sandsteins, 
der sieh, von dem ihn. nmgelienden nur* durch seinen grossen 
GUuunergefaak Und :durch;seii|0 sehr feinkörnige und schief rige 
Textur unterscheidet, durch die er als ein wahrer Wetz- 
schiefer erachfiint. Offenbar sind diese .Sandsteitonester nichts 
anders als Konkretionen einer eignen Art Die Uaiiptaiasse 
des SajMlatelns besteht übrigens, vorheiwschemd aus Kalk« 
Körnern mit tvenigea Qnafzkömern, verbunden durch eüi 
nur in sehr geringer Entividclung auftretendes Kalkcäment. 
Unter den vielen Versteinerungen, die er führt, zeichnet sich 
besonders der Pecteu jacobaena durch die Menge atis, in 
der er i»ich findet. 

Auf diesen Sandstein folgt wieder blauer, dichter Mergel 
in einer Mächtigkeit von IS Fuss, dem Ansehen nach gleich 
mit dem früheren, doch enthält er mehr und besser erhaltene 
organisclle Reste, und darunter verkohlte Pflanzentheile. 

Darauf liegt wieder eine dünne, höchstens 3 Puss mäch' 
tige Strate von Sandstein und darauf folgt tvleder Mergel, 
aber in zt\'ei scharf getrennte Lagen gesondert. Die untere 
ist thonig, blauHch-grau, dicht im Gefuge und grossmuschllch 
im Bruche. Sie hat eine Mächtigkeit von 8 Fuss. Die obere 
Lage hingegen ist nur 4 Fuss mächtig, gelb von Farbe, 
sonst von gleicher Beschaffenheit mit der untern, fuhrt auch 
dieselben Vehjtelnerungen uiid verkohlte Piflanzenrcste. 

Alle diese w*echseln((en (Glieder von Sandsteinen und 
Mergeln bedeckt wieder unser nagelflueartiges Kalkkongio« 
merat und zwar In! sehr grosser, zum Thell mehrere hundert 
Fuss betragender Mächtigkeit und ausgezeichnet geschichtet. 

Im Tbale des Seihun, zwischen Hudh und Feke, ist das 
herrschende Gestein aller umliegenden Berge der graue, 
harte Kalkstein, Bassins und Thalgründe erfüllt mit Tertiär- 
und Piluyial-ßildungen, Bei Feke haben sich die Schichten 
des K|8ilkste^ns fast a|if, den Kopf gestellt; denn sie vei;- 
flä,chen sich in Nord,, ffegrenj. das Thai des Seihün unter 

RvsKKuitEK, Reiüvn. I.1M.2. ThI. 41 



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WlAeUi von 70 bis «0<^. Die MiUshtigkeit dieser SdhkbtQi 
^beträgt nngeßihr 1 Fnss. 

f Dieselbe Lag^raDgsfoIge beobachtet mau auf dem Wege 
ton Feke nacli Koeselje, uur dass hier Im grauen, diehlea 
Kalke die Dttvchbriiche des Serpentin wieder häufiger wer- 
den. Der Serpentin selbst zeigt ein scbiefrlges Gefoge und 
enthält häufig Lager von fiisenglimmer. Die tertiären Bil- 
dungen bestehen aus Sandsteinen, Konglomeraten und scliief- 
rlgen Mergeln. 

Zwischen Koeselje und Korumsza sind Diallage und 
Hypersthen- Gesteine mit vorherrschendem Serpentine die 
aussicbliesslieh anstehenden Felsbildungen. Der Serpentin 
zeigt, besonders in der Nähe von Korumsza, durch starke 
Zunahme von Eisengehalt braune Färbung in verscbiedoien 
Nuancen. Wendet man sich von Korumsza gerade gegen 
den Centralrucken des BagWr Dagb, dessen näcb>stes Haupt- 
joeh ungefähr Stnndeq nordwestlich liegt, so passirt man 
:i Stunden lang ein Terrain, wo nur iesc graue, harte Kalk- 
stein herrscht« Die Schiebten desselben liegen so verworren 
durcheinander, dass sich iiber ihre Richtung gar ni^chls All- 
gemeines sagen lässt. Auf diesen Kalkstein gelangt man 
in der zweiten ..Hälfte der ganzen Entfernung In das Gebiet 
eines sehr dünn geschichteten, schiefrigen Kalksteins, der mit 
Thonschiefer wechselt und mit ihm, gerade so wie am Bul- 
gur Dägh, die Masse des Hauptrückens bildet. Die Straten 
dieses schiefrigen Kalksteins haben nur eine Mächtigkeit 
von 1 bis 4 Fuss und zeigen in ihrer Lage die. sonderbarsten 
Grußpirungen : bald liegen sie horizontal, bald stehen sie 
senkrecht, bald krummen sie sich konzentrisch um einen 
Kern oder einen Stock scheinbar verworrener Schichten. 

Der Central-Rücken des Taurus bildet bei Korumsza 
ein Plateau, das über eine Stunde breit ist und in einer 
Me^reshShe von fiOOO bis 7000 Fuss liegt. Auf diesem 
X'läteau befinden sich in einer Linie aus Sud In Nord liegend, 
eine Menge Bingen-artiger, nach unten konisch zulaufender 
Vertiefungen, dte, öl)en 7 bis 8 Klafter im Durchmesser iveit 
sind. Diese £insenkungen sind zum Theil sehr tief, ihre 
Seltenwände falten sehr steil ab, und ihr Tiefstes ist mit 



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fl.13 

Schnee erßaXlty cleii dBe Sonme nte sehmelzt« Dia diese Ver- 
tfefiingen ^h woU in der Riohtniig der Geateinslagen, aber 
auf keiner besondern Lagerstatte befinden, die einst im Ab« 
ban g^estanden haben könnte) so ist dabei an das Vorhan- 
denseyii wlrkfidier BIng'en ttoM nicht stu denken, so auch 
nicht an vül&aniselie Erscheinungen, z. B. Krater, da nir- 
gends in der Nähe vulkanisches Gestein sich zeigt und auch 
der Kalk der Umgebung keine durch Feuer nachweisbare 
Umgestaltimg erlitten hat Entti^eder sfaid daher diese Vei*tie» 
fungen Folgen von Eihstiirzen des die Decke einer grossen 
unterirdischen ans Süd iri Kord sich ziehenden Spalte bil- 
denden Gesteins, oder wir haben eine Reihe von Stöcken^ 
einen Lagerzug roruns, dessen ausfüllende Masse versdiwnn- 
den ist. DIess klingt freilich sonderbai*, aber ich frage : Wo«* 
hin kam denn die Masse jenei' Geschiebe unsrer süddeut« 
sehen, nageljSneaitlgen Kalk- uiid Kiesel^Konglomerate, as 
deren Stelle Trir leere Räume, höchstens einen Theil der 
zn feinem Staub zerfallenen Masse des Geschiebeis beobach- 
ten, das durch eine von innen nach aussen vorschrei- 
tcnde, in ihren tli^achen ans noch gänzlich unbekannte Ver- 
witterung zerstört ist, so dass uns nur die leere Schale blieb*? 

Der Kalkstein des Centrale ist weiss und sehr krystal- 
liiiisch-kornig, zum Theil dolomitiseh. Der Thonschiefer 
grünlich grau, wenig glänzend und sehr dunnschfefrig. Das 
Joch selbst ist mit grobem Kalk-6ei*olle bedeckt. Der Ab*« 
fall des Gebirges in die asiatische Türkei ist hier ausnahms- 
weise sehr sanft, und die Waldregion zieht sich daselbst zu 
sehr bedeutenden Höhen empor. 

Der schief rige Kalkstein und Kalkthonschiefer, so wie 
der dichte Kalkstein, der mit Thonschiefern wechsellagert, 
enthalten viele und mächtige Lager von Rotheisenstein, 
Brauneisenstein, Thoneisenstein, Eisenocker und Glaskopf. 
So bei Acharsche, bei Korumsza, bei Bagds^hädscfaig, ais 
GSlipdsch.Deressi, bei Maserle, TipiDäressi, aminuil Tepesst 
u. 8.' w.' Meist finden sich diese Lägerstätjten, Sowohl im 

* Icli eriiinere nii meines scliStzbäreu Freuudes, des Bergrathes 
HEiDircGBK, bereit» ern^iKe, WMtKvAlle Porsdiungen« 

41* 



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634 

Kalke in der Nähe des Serpmtins, der die Kalke Anrdi- 
bricht, als im Serpentine selbst, und sind zum grossen TlieHe 
Gegenstand bergmännischer Bearbeitung von Seite der mn- 
liegenden Gebirgsbewohner. Über diese Lagerstatte, den 
Bergbau, der darauf umgeht, und den damit in Verbindtttig 
stehenden Hüttenbetrleb. habe ich bereits im 6. Abschnitte 
dieses Bandes ausfiihrliehe Details gegeben. 

Zwei Stunden westlich von ßagdschädschig setzen Im 
Glimmerschiefer der Taurus^Centralförmation zwei sehr in- 
teressante Lagerstätte Von kornigem Kalksteine auf*. 

Dieselben durchbrechen die Schichten des Glimmersdrie- 
fers, welche in einer Slächtigkeit von 6 Zoll bis 1 Fuss ans 
Süd in Nord streichen und in West gegen das Centrale 
verflachen, ohne sie zu durchsetzen, nnd tragen ihrem gan- 
zen Habitus nach den Charakter von Gängen ausgezeiiShnet 
an sich. Die totale Mächtigkeit dieser Gänge von krystal- 
linisch-körnlgem Kalke beträgt im Durchschnitte 9 Fuss, und 
in ihrem Streichen, den ganzen Berg durchefetzend, sind sie 
in einer Längenerstreckung von wenigstens 50 Lachter ent- 
blösst. Der körnige Kalk der Gänge selbst hat im Grossen 
Neigung zur schiefiigen Textur, er ist ebenCails gescbiclitet, 
und 'seine Schichten haben unter sich eine Mächtigkeit von 
1 Fuss bis 1,5 Fuss. Am Hangenden und Liegenden dieser 
Gänge ist der körnige Kalk mit dem Glimmerschiefer nicht 
nur ganz verwachsen, sondern er geht formlich in ihn über, 
und dieses Eindringen der Kalk-Masse in die des Glimmer- 
schiefers ist die einzige Veränderung, welche der leztere an 
der Gesteinsgränze erlitt. Besonders merkwürdig sind aber 
die ^vellenformigen Biegungen der Schichten dieses Kal- 
kes, die sehr scharfe Wendungen machen und in dieser 
Foiin sich zum höchsten Kamm des Gebirges hinauf er- 
strecken. Die Schichten des Glimmerschiefers hingegen liegen 
ganz regelmässig zu beiden Seiten des Kalkes, selbst in 
seiner unmittelbaren Nähe. Ist hier auch anzunehmen, dass^e 
Biegungen der ICalkschichten durch mechanischen Impukvbr 
sich gingen ? Allem Ansehen nach sind diese Kalkgänge offea- 
bar mit dem Glimmerschiefer, der sie umgibt, contempofir. 
* Durchschnitt des Gcbirg^es bei Bag^scb^^chig. . . 



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OS» 

' Wenri wir die Dfttai^ so Wie sie bisher fiber äks Gebiet 
des Tauros^ ostGch von SeUiuir, gegeben worden^ summaiiisch 
betrachten, so ergibt sich vodi Meere an über Adana lud 
Siss fegender Durchschnitt, s. nuten ^. Dabei ist jedoch zn be- 
merken, dass der scharfen Wendung der Ceiitralke(te halber, 
die. dieselbe plötzlich bei Korumsza mächt, der DurchsehnitI 
nicht in gerader Richtung genommen werden konnte. Wir 
haben daher im beiliegenden Durchschnitte vom Meere über 
Adana bis Hudh am Karmes Dagh die Richtung aus Sud in 
Nord, von Hudh an aber gegen das Centi*ale des Baghir 
Dagh die Richtung aus Ost in West aus, da die Richtungen 
der Gebirge, um sie in ein Ganzes zusammenfassen zu kön- 
nen, diese Wendung des Durchschnittes erforderten. 

Da ich jezt bemüht war, die geognostische Struktur des 
Taarus im Paschalike Adana und an der Gränze von Ma- 
rasch so viel als möglich im Detail darzustellen, und sowohl 
in Betreff der westlich vom Seihün gelegenen, als der öst- 
lieh dieses Flusses sich befindenden Gebirgspartie: so sey 
^ mir nun nur noch erlaubt, die zunächst der östlichen 
Partie sich anschliessenden Gegenden am Dschihün , das 
Gebirgsterrain von Marasch und den Durdun Dagh, als un- 
mittelbares Hauptverbindungsglied des Taurus mit den Ge- 
birgen des nördlichen Syriens, etwas näher zu betrachten; 
wobei ich mich grösstentheils auf Ainsworths schon vielfach 
erwähnte und schätzbare Beobachtungen beziehe. Im hüge- 
ligen Terrain von Kars sind die AUuviouen der Ebene durdi 
Kalk<-Gerölle und bei Kars selbst durch ein sandiges Kon- 
glomerat mit Kalligesöhieben bedeckt. Weiter in Nord folgen 
die tiefer liegenden Ablagerungen von Sand und Sandstein, 
die auf unserm nagelflueartigen Kon^omerate liegen. Tief 
eingeschnittene Gräben, von 500 bis 800 Fuss Tiefe, durch- 
ziehen dieses Terrain und bei Ajäm Boiaji bilden die Sand- 
steine hohe Felsenwände, welche sich daselbst in Ost, auf 
der andern Seite des Rückens aber in West neigen. Nörd- 
lich von Ajäm Boiaji dauert die Sandstein- und Konglomerkt- 
Formation fort, die daselbst die Ebene bildet, welche der 
Dschihün durchströmt. Drei isolirte Hügel von Kallistein, 

* Durchschoitt ^es Taurus. Östlich vom Seihün gelegene Partie. 



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von 50 bb MO Filsa über dlieEbeitc anstehend ^ erbeben 
äick. Nördlicdi Ten der Ebene um Knrtall beginnt ein fiel- 
Btger Distrikt^ der ganz der tertiären Zdt angehört. Zn nn- 
terst liegen anthnusitlsebe Kalktbon-^Straten , maoBigfiieh 
gekrümmt und gebogen, thells von dunkler, theils von Ucbt-i' 
grüner Farbe; darauf folgen Schichten von wefsnen und 
Uanen dichten Kalksteinen und Schiefern, regelmässig weob* 
aelnd mit grobsandigen Sandsteinen und Konglomeraten vea 
Kiesel geschiebeu , verbundeu durch ein kalkiges Cämefut. 
Unter den erst erwähnten Kalken und Schiefern liegen an- 
^ derwärts Sandsteine mit Versteinerungen der teiiföi^en Reihe, 
daher auch die ganze obige Gruppe dahin za zählen seyn dnrfite. 

Hinter Knrtäli beginnt das Terrain gegen den Diirdaa 
I>digh stark anzusteigen und in der unmittelbaren Nähe der 
aiUtbrazitisehen Schiefer beobachtet man die erwähnten ter- 
tiären Kalke mit ihren Schiefern abgeschnitten, eiaersmts 
durch den dichten Kalkstein, andrerseits durch die erwähn- 
ten untern l^andsteine. Ein Thal zieht sich von da dureiä 
dichten, festen Kalkstein, wechselnd mit Taiksclilefern; 
den ßurdun Oagh hinan und im Hintergründe steigt mau 
iibir weisse Kalkschiefer empor, welche der Kreide-R^he 
angehören dürften. Von diesem Punkte hat man eine herr- 
liche Ansicht des Ceutralrüekens des Durdun Dägh, dessen 
¥iiU zerrissene Spitzen sich ganz nahe nördlich, wie. eine 
Mauer erheben, während die an tausend Fnss tiefen Thäler, 
ilit dichtem Walde bedeckt, sich ^u den Füssen ausbrelteo. 

Das Centrale des Durdun Dägh besteht aus Giimiiier- 
und Talkscbiefera, über die sich, die höchsten Spitze» und 
Kämme bildend, duarz-Fefeen und ftoarz-Schiefer ablagern. 
Die Glijcder dieser krystallinischen Fels-Reihe blldeu mitef 
sich vielerlei Übergänge. Die Glimmer- uod Talk^Schiefer 
sind begleitet von untergeordneten Hornblendegesteinen, ro- 
fjben Schiefern, Thonschiefern, Chlorit-Schiefern und Schieler- 
Thon, sämmtlicbe Gebilde durchbrochen von Serpentin und 
Strahlsteiu*Fels, in Bergen von mächtiger Entwicklung und 
2ium Theil, wenigstens scheinbar, mit ihnen wechsellagerud* 
Auf Lagern und Gängen brechen in der Centralformatioii 
des Durdun Dagh Eisenoxyde und Eisenoxydhydrate^ Späth- 



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VUea^ela und Gmphilf, Gad^Iinit HimI ohne ZvndÜel viele 
int^ressattte MineralieB. 

BfA Anaftat berrscken die dttokeln Schiefer voc, sie 
sind jedoclt dnrcbgehenda in einem sehr zemezten Zustande» 
sehr eisenschüssig und in- dünne Dachschindel •> artige Ta« 
Mm serfallen oder vielmehr abgesondert. Die Geschiebe 
eines Baches, der sich von den höhern Bergen niederzieht^ 
benteheii ans Quar^ und Serpetttin. 

Dasselbe Verhaltniss findet im DistHkte von Dun Kaleh 
statte auch dort sind diese Schiefer oberflächlich äehr zeree^t^ 
und dieser Umstand, verbunden mit einer sehr geringen Nei- 
gntag des TtiTains, bedingt vorzüglich die stärkere Boden« 
Kultur dieses Landstriches. 

Das eine der beiden Kastelle von Dun Kaleh stellt auf 
blauem und schwarzem Schiefer, durch Quarz-Gänge in man* 
nigfacher Richtulig durchkreuzt, welche, wie auch bei Aua- 
bat, Graphit führen« Diese Schiefer fuhren Pflanzen-Reste 
und wechseln mit Qnarzfels, der auch meist die Gipfel der' 
umliegenden Berge bildet In der Nahe dieses Kastells er- 
hebt sieh an den t|narzigen Sdiiefem Serpentin mit Eisen- 
kiesen, und auf diesen folgt dunkelblauer Kalkslein, der 
schwarzen Feuerstein, (Cherl.) führt. Die'quarzigen Schleier 
selbst fuhren Glimmer und Lepidolit. Nach diteen Kalksteinen' 
tfifit man auf sehr zersezten Glimmerschiefer, dessen Schich-' 
ten welleufdrmig gekrümmt und gebogen sind und "worauf 
wieder die vorigen Schiefer folgieu. Der Glimmerstelifefer 
fahrt grosse Gänge von reinem, «Uchwelssem Quarz, der 
sidi zum technischen' Gebrauehe jedenfalls eignen würde. 

Meiner Ansicht nach befindet man sieh hier im Gebiete 
dl» Schiefer ans 'unsrer Grauwacken-Peiiode, die durch Ser- 
pentlii und Glimmerschiefer, als ältere Ablagerang, durchs 
brechen sind und zwischen denen beiden ein Streifen der 
alten, harten Kreide mit Feuei-stein muldenartig sich abge- 
lagert hatte. Das Terrain in der Umgebung des zweiten 
Kastells von Dun Kaleh ist eben und kultivirt. Nördlich 
erhebt sich in niedem Hügelzügen unser Osträeu-Sandstein, 
' dei* mch über die ganze Gegend bis zu den Bergen bei Ma- 
rasdi, bis zum Fusse des Agä Dägh, erstreckt. 



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438 

An der Westseite des Ag;& Dagh, qm Ufer des ütehi« 
liüii und in der Mähe der dortigen Briidiey erheben sich 
senkrecht aufgestellte fikhichf^i Ten Siriidsteiny ^wechselnd 
mit Konglomeraten^ darauf sieh horizontale Straiten derselben 
Felsgebiide ablagerten. 

Der Aga Dägh ersti^ckt sich in seiner grossen Airsdeh- 
nung aus Südwest in Nordost. In seiner grössten Erltöhnng 
steht er so zu sagen ganz IsoUrt; denn seine norddstHehe 
Fortsetzung ist ein niederer Hügelzug, der sidi nach Nordwest 
krümmt und sich an die Bergketten des Taurus ansefaliesst 

Die Berge bestehen aus Kreide-Mergeln und Sandstei- 
nen, welche auf Talkscbiefern und Diallage-Fels abgebi- 
gert sind. 

Zwischen dem Tbale, östlich von Marasch und dem 
Thale des Ak-Su ist ein niederes Hügelland, welches aus 
sehr zerseztem Talkschiefer uild Diallage-Fels besteht, und 
keine jungem Auflagerangen beobaditen lässt. — Dieses 
Terrain ist bewaldet. Der Giaur Dagh oder Amauus ver»* 
bindet sich mit dem Durdun Dagh südlich des Ak^fi». Übri- 
gens erstreckt siqh der Begriff >^Verbindung^< nur auf den 
Zug jüngerer Gebilde, welche zwischen den Centralformatio* 
neu der erwähnten beiden Gebirgsketten sich abgelagert 
haben, deren Fels-Natur eine verschiedene ist; denn der 
Giaur Dagh gehört dem Systeme der Serpentin- und Dialbige- 
Felsbildung an, wahrend der Durdun Dagh vorherrschend 
aus Glimmer- und Talkschiefem mit ftuarzfeb besteht, ämeii 
gehen sich die Richtungen Ihrer Centra^Rücken gerade ins 
Kreuz; denn der erstere erstreckt sich SW. — NO., der 
zweite liingegen SO. — NW- 

Das Thal des Ak-Su trennt östlich 'das Hügelland der 
Dialiage-Fetsformation von dem Gebiete eines harten J^alk«» 
Steins der Ki*eide-Reibe, der Arten von Ammonites, Belemni^ 
tes, Terebr^tula, Crinoideen und grosse Polypen enthält. 
Diese Kalksteine sind von Feldspatli und Augit-^Gesteinen 
durchbr<)chen , deren Züge sich bis in die Gegenden von 
Kilis, Ain-Tab und bis zum ]£uphrat erstrecken, und die wir 
grösstentheils schon kennen. Die uutem Bänke des Kalk- 
steins sind ohne fossile Reste, u^d das ganze Schicbtensystem 



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m9 

desselben ist mannig^faMg' gekrihnnit nnd weHenfSmig ge^ 
bogen. Die Feldspath-Augit-Felsmassen bilden zum TiMbil 
iü GipM der Bergriidten^ 90 zwei 'Stunden östlich des Thals 
des Akstf, tb^ils treten sie ntot niedrigen, "felsigen, diir Kaitor 
nnziigfthglieliefa Ebenen zn Tage, se bei Ufa Dschakll, oder 
sie bilden die Seitenwände der Thaler, «wie am Bekir Karij 
So, wö sie Pörzellai^-Jaspis nnd-Scbalstcän fuhren. 



S> lJekcf)rlieai«ll9e ■terS'lora ttmd; ITaiiiia des ißUiolseii^il 

Taitrus» 

Der Tannis und sein Gebiet ist ein blumenrelGhes Land 
im bucbstablickea Sinne des Woites. AUer der schSneii 
und interessaaten Kliider der Flora, die unter jenem milden 
Himmel gedeihen, hier in einer Art und Weise zu ged^iken, 
wie es der Standpunkt der Wissenschaft erfordert 5 ist und 
kaan nkfat mein Zweck seyn und um so weniger, da ohne- 
hin am Schlüsse dieses Bandes mifines Terehrten Freundes 
Dr. Fknzl von rein wissenschaftlichem Gesichtspunkte anf- 
gefasste Abhandlung trber die Flora des Taurus und des 
nördlichen Sj^ens folgt, der auch Abbildungen der von 
HDsrer Expedition efngesandten neuen Geschlechter und 
Arten beigegeben werden. Es handelt sieh also auch hier 
nur um ein mögKcltst klares Bild der Physiognomie des 
Ganzen, so genau der Laie es geben kann. 

Die Flora des ebenen Kästenlandes Ist wohl grtfSsten- 
thells die ntedHterane, die Flora des Hochlandes hhigegeii 
bringt, angemessen der geogr. Breite und den lokalen kllma« 
tischen Verhältnissen des Landes, die Flora des sttdüelieii 
Europa's mit der des Kaukasus und zum Tbeil auch der 
Gebirge Hockindiens nad P^rsiens In eine interessante Ver^ 
bindung, ausserdem ' viel Elgeuthümliches darbietend. Herr- 
lich in jeder Beziehung, selbst für den MIcht^Botaniker, ist 
die Alpenflora des Taurus, und gerade in diesem Theile, 
glaube ich, durfte die erwähnte und nachfolgende Abhand- 
lung des Dr. Fenzl hohes Interesse haben* 

Von früheren Forschungen Ist mir ausser denen von 
dem vortrefflichen TmmNiFORT wenig* bekannt, und in neuester 
Zelt ist es besonders Ainsworth, der diesem Gegenstände 



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eine besondlerB, l«Mer nwr ■» g««lfiagte Avteeffc«M>keit 

Eia friMmr Thutt des Taiinis «*d sebict Voribeif« W 
^eitaUet, wahrend sekie faSduste» Ricken und Kuppen, kahl 
md zum Tkeil mit ewlg^en Schnee bededlt , boeh über die 
Vegetatfonn-Grance enporrageD. An die Walddfetrikte dei 
KassiuSj.des Oaehebel Musaa, des Daehehd Be{lan, dfs 
Äkma Dagh und Oianr Dag;h;schliessen sich die des Dardan 
D&gfi an; bewaldet sind die Berg^e des Karmes Bi^ aif 
den Höhen und in den Thälern von Kassan Oglu ; bewaldet 
itfnd die Bei|g;e des Bulgur High und die Verberge des 
Baghfr Ddgh, h^enders iin Tliale des Seikim, die des Kava 
Bei, Chamln Bei, Ajell, die Berg;e bei Misibkt und Mardh. 
Nackt erheben sich hingegen die flöhen bei Argana, M 
des Kirtschu nnd Glil Dagh und mehrerer anderer. 

Die Wälder steigen am Taunus bis nahe zu eoeo Fass 
MeereshÖhe an, wo jedoch der Baum wachs bereits sehr 
kümmert und krappeHiaft wird. Das Kulturland erJiebt sich 
an ginstigen LokaiHäten nahe an 4000 Fuss, wo isodann die 
«loderem Alpen beginnen, wSlirend die Hoohalpen .ehM 
MeeresiiShe ran 7000* Fuss and seibat darüber, wie as 
Bnigor Dagh, erreichen.. Unter den Waldbäumen dfes fl»- 
birgslandes sihlt uns Ainsworth, ah die am hän6gstear Mk 
findenden, folgende auf: -r 

Cbuize Bestknde bildend: 
Flws Pinea. CKiercus infectoda. »* - 

JRiaasler bideppensisj Castanea Teaem« t« ' f*^- 

PMta Cedms (am Balgur und Oriius europaeo» • ■■** 

Baghir Dagh). ^ rotundifolia; »-^.w« 

Qaereos Cerris. Alniia cerdiMia. ..-' - •4.'<4 

y, pednnculata^ Coryins GohtriMu •«.•MW 

^ sessiflora. Cieer monspesanlMiiin.-iik''^?; 

y> Hex. Acer Psendoplatanea« -X*lP 

n Snber. Fraxinns parTMsBa. --m1^' 

yy Aegilops. yy lentiscifoBa etc. \ 

y^ contfera. 
Avi Saune der Wälder und einwhi stehend: « 

C^atottia ^liqna. MespUus pyraontba. *^' 

Cercis Siliqnastrum. Prunus Laurocerasns etc. 

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•4» 

Ati FVatmn Md ÜMieii: 
Tamarfx gdllca. Pfateous oviciitidh. 

Nerittm^ CHean4fr* AIom MhUfelfai ete. 

GesMiiicfa «yd Niederwald büdends 
Cupressiis aempervivei». DtantlMHi arbomiä« 

Juaipeme pbenieea. Clettatto orieutalia« 

y, macrocarpa. ^, Vitelba. 

Myirtas eoaüMnilik Cistos fncanas^ 

Pirtaeia Terebinthas. Jasminimi fraticans. 

Geofata scoparia. Lonicera PerfielymenlaHi. 

>> ' tinetoria. Rfaamnus Alatemna. 

Viburnum minus« „ PaUariis. 

Arbutas Uaedo. Peteriuiii spinosum. 

Hex A^uifolium. PMUyrea latifolia. 

Ostrya vulgaris» yy angustifolia. 

Dapbne pontka. Rhododeiidroii panticam. 

yy sericea« >y oMiximuai. 

Buxus semperviveBS. Erica arborea (bei Sisa). 

>> spino Eleagnus. >^ scoparia (am Oiwites). 

Bryonia cretiea. 

Unter den Kultarpflansen des Hochlandes heben sich 
besonders hervor : Weinreben, Feigenbäume, Mandel-, OBven-, 
Maulbeer-Bmme, Birnen, Äpfel, PflauoMu, Apriliose» und 
besonders Nussbäiime in gigantischer Grösse, 

Unter den Cerealien: Weizen, Triticum spelta, Bomleuni 
bexastichon, H. distichon etc. Zur Speise dienen dieWamehi 
von Astragalus christilaiiras und Crambe orientalis, zum'Oftrlaii 
und Färben werden benüzt: Rhus coturnus, Rhamnaa •et''^ 
tharticus und VaiantKa artieulata. 

Bnen gaiie amAern Charakter etttwiekeü die -Flor« der 
Ebenen am Tanrtis. 

Die erste Pflanae höherer Organisatlan, welche hi dbaa 
saodlgen Boden der Kästeaebeue Wareel fasst, ist eine Kri 
Calamus, so wie- an den Mundungen der Flusse einige Cy-< 
peraceen, welche auch mit einer Euphorbia, mit Apiom 
graveolens, ein%en Cruciferen und mit Oleander dve vor- 
herrschenden Repräsentanten der Pflanzenwelt auf jenem 
AUaiialfiodeB bilden. Auf den sandigen Higeln am Kap 



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Malo finden wir auch im Sande:. '"wtitiilinide .wilite :Beben, 
Geissblatt, Myrthen, Poterloin spinosum, während .weiter Ins 
Innere, awiselieaL Salieomibn und Salsolea, jiie Tamarix 
gallica, bis zu Bäomeli you 20 Fom Höbe. aafwa«baeiid,- weit 
sich ausbrütende . Gebincbe bildet . 

Die Vegetation dcfr Bianenebenen aber^. MweU der £b^e 
längs dem aüriHefaen Abhänge der Taurnakette^ als auch 
jener, weiche sich g^en den £uphrat hfnzi^en, trägli eine 
gewisse Ähnlichkeit mit der Vegetation der siidlicben Steppen 
Rnsslands und der Tartarei, besonders aber mit der dei* Ebenen 
von Bolichara an sich. Ich verweise auch in dieser Beziehung 
auf die nachfolgende, umfassende Abhandlung des Qi?«.Fskzl, 
die sehr viel Neues enthalten durfte und uns ein genaues Bild 
der Flora dieser Ebenen gibt. Im Allgemeinen zählt Ainswortu 
nter die am häufigsten auftretenden Pflanzen der Ebene: 
Astragalus christianna. Astragalus poterium« 

y, dumetorum. Oxytropis unp^ta, 

,, Tragaeantha* Mimosa agrestis etc.. 

Im Fruhlinge herrschen vorzüglich die Familien, der 
Amarylloideen. Melanthaceen japd 

Asphodeleen. eine Orchidee« 

Liliaceen. 

Im Semnfer hingegen sind vorherrschend die Genera: 
Cnicus. Thymus. 

Carduus. Slderitia. 

Gentaurea. Satureja. 

Calcitrapa. Origanum. 

Stachys. 

Merkwürdig für die Vegetation dieser Ebenen- ist der 
Mangel an Bämuen, der, wie ich glaube vorziiglich in der 
grossen Trockenheit eines Theils des Jahrs hindurch einemeits, 
andrerseits sieh in den heftigen Stürmen des Winters 
begründet Man kennt nach Ainsworth nur dne Speaies 
von Pyrus, eine Salix und einen Rnbns. Rhus Coriaria 
(Sumak) wächst an den Ufern des EuphraL 

In den Monaten Oktdber und November tritt in der 
Vegetation dieser Ebenen ein formlieher Stillstand ein. Ein 
falilgelber, durch die heftige Hitse des Sommers verbrannter 



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Teppich iehmt Mk 4ie Ebene Tor den Angen asi, und dM 
dnrren Pflanzen ranseben unter dem flaebtigen Tritte der 
Pferde. Doeb wenn mit Beginn dearWiateM die Re^eii 
aus dem Snden kommen, erwacht das PflansenlAen in seiner 
Tollsten ÜppigiLeit, die dnrre Ebene rerwandelt aicb in einen 
wogenden GraswaJd nnd viele Pftan^en tneiben, trotz der 
Sturme der Winterzelt, ihre Knospen, liommen aber nicht 
znr BInthe. Nodi beror sie von Schnee bedeckt werdet, 
erbeben sich die Zwiebel» nnd Knollen-Gewaclise, die wir- 
rend der ganzen Soramerbitze geschlafen hatten, im fdacben 
Grün, so die Geschlechter: 
Colcliicom. Ixia« 

Talipa. Arum etc. 

Crocns. 

Kaum schwindet der Schnee, den der nahe Taums aber 
sie hiugebreltet, so entfalten sie auch schon im Frühesten des 
Frühlings ihre Blnmen, prangen In der ganzen Farbenpracht, 
die ihnen die Natnr lieh, und geben dem Lande das Ansehen 
eines weiten, blumenreichen Gartens. 

Unter den Kulturpflanzen der £bene heben sich beson* 
ders hervor: 
Glycyrrhiza glabra. Euphorbia pyrrbus? 

M echinata. Platanna orientalis. 

MinoQsa agrestis. 

unter lezterm finden sich Exemplare von vielleicht mehr 
als tausendjährigem Alter und bis zu 40 Fuss im Umfang; 
die geheiligten Schutzbinme der Quellen. 

Unter den Granalien und Hülsenfrüchten erscMnen 
Weizen, Gerste. Vida INissoliana. 

Ervum Leus (Addes). Phaseolns mazimna. 

Cieer arietlnum cUumea). Helens Sorghum. 

Vicia Faba.* » bicolor. 

Lathyros' satfvna. Medkmgt^ sattva etc. 

Ferner geUMren zn den KnltnrpJBanzeh : . 
Cucumis citmllus. Hibisous escnlciitni (Bimia)« 

y,-' IWelo (Bntitcb)4 'Arien yoniCotttrhita etc. 

Solairan» ' Melongnna. 

Unter den Kultnrbftnmen zcicbwtnrrich an»: 
Oiea europaea (Seitun). Plstada officinarum. 



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IbHw nlta. 

PmIimi fimntttmü (Aman). 
Fton eariei^(Tiiii). 
Pannus Cerasüs. 

,/ armeniaea (Miseh- 
lulsch). 
Amyg^dalos persica. 
Pynis Mataäw 



Pyraa conuminis. 

y> Cydonfa. 
Comiis nmscuUi. 
Amygd&his cosmoirifls, 
Jugiana yegia. 
Corylua aveÜAna. 
R&sAmttna Zizipfaua. 
Fagus Castanea. 
Piniis Ceihbra? 



Ferner* mehrere Arten von Pfläntnen, MBssb&trme etc. 

Der freien Garten- und Feldkultur werden feruer unter- 
zogen und auch wildwachsend gefunden: 



Nicotiana Tabacum. 
Sesainum Orientale. 
Ricinus communis. 
Cannabis sativa, 
Trigonella Foenuni graecum, 
Carthamus tinctorius. 
Gossypium herbaceum. 
Caparis spinosa. 
Borago officiualis. 
Malva rotundifolia. 
Rumex acetosa. 



Sisymbrium Nasturtium. 
Lycoperdon tuberosum. 
Satnreja liortensis. 
Sinapis orientalls. 
Tordylium syilacum. 
Asparagusi officinalis. 
Ärnm Coiocasia (der. Blätter 
zu Papier benüzt werden.) 
Astragalus alopecuroides. 
^> guttatus und 

mehrere Astragulus-Arten, 



darunter aach neu von Kotschi gefundene. Lawsouia inermis 
(Uepne). 2;um , Rothfärben der Fingernägel ii. s. m. a. 

Hinsichtlich der Fauna i^ Tavrpts Hpd der ihn begriMi- 
aendes Ebene« halte kh mich im Naclistehenden ganz an 
Ainsworth's Angaben, die den Charakter einer richtige» Ab- 
schauung und. der WahriMsIft in hohem (Irade an i^ieb tragen, 
wie ich mich, dessen so oütuberzeng^^. Hiafi^btlich :d^r sehr 
interessanten. Fische des Orontes im nördlichen Sg^.rie& folgt 
am Schlusise diieses Bandes «ine Abhandlung, dea;!!!!!* Hbciul, 
Kustos am hiesigen, kaiserl», Naiifralitfnl^aJiU»^ 9 i\ß . «09 
mamhes iDteressaiitenBd Neues gibt. UoifAssepdejre F^r« 
schungen in diesem Bereiche, so wiQ aii0h die. Fische, des 
£uphrat und Tigris betreifend, sind noch nachtriigli^b darch 
die fortdaaemden Siaaendilttgeii; dea Urii..KoTac»i^ meines 



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C4» 

früheren Reisegfefäbiten, za erwarten, ier sich g q i ig ii w agll g ^ 
in M08811I befindet »nd nach Bagdad zn gehen beabakhtigl 

Die Fanna des Tanms ist in gewissen Bezieiinngen, 
was ihre aUgemeine Physiognomie l>etrifft, allerdings bekaaiit; 
aber einzelne Tbeile derselben, z. B. die eigenthümlichea 
Formen der Nager, die eharakteristisch fnr dieses Land sind|y 
wurden noch wenig erforscht So wie überhaapt bei de« 
raschen Vorwärtsschreiten der Wissenschaft und ihrem g^gan- 
wärtigen hohen Standpunkte die Zeit im Allgemeinen vei^ 
über ist, nach £lephanten und andern Riesenthieren zn jagen, 
nnd wir hauptsächlich unser Augenmerk auf die kleinere 
Tbierwelt und vor Alleni auf die niederer stehenden Orgai- 
nismen zu richten haben, In denen sich uns eine neue, früher 
kaum geahnte Welt Ton Sdiopfungen äufschliesst 

Ich eröffne die Reihe der Fauna mit den SäugetblereM. 

Den Sagen der (lebräer zufolge sollen sich in den Di- 
strikten von Assyrien und Babylonien einst Aifen befunden 
haben ; diese Thiergattung ist jedoch jezt verechwunden. 

Die Arten der Flatterfuraer sind zahlreich und beson- 
ders von den Gattungen Rhinolopbns und Nyctenis. Erstere 
Gattung haust besonders in- alten Kastelleu, so am Euphral, 
wo AiNswoRTH dieselbe sich von Tenebrio molitor, Tenebrio 
obscui'us nnd Dermestes vulpinus? ernähren sah. 

Unter den Insektivoren fanden sich bisher nur: 
Erfuaceus auritus Pallas und ' Sorex puslllns. 

Bedeutender Ist die Anzahl der reissenden Thiere. Der 
Löwe aus den Niederungen des untern Euphrat und Tigris, 
die Felis venatica, vielleicht Varietät von F. jubata, nnd eine 
andere Katzenart aus der Gegend von Bagdad, mit nicht 
retraktllen Klauen^ ziehen zwar manchmal weit nördlich in 
die obern Flussgebiete, sind aber am Tannis niefat zn Hause. 
Gemein sind jedoch daselbst: 
Felis cbaus Goldenst ad, Fetts pardiua Oken, 

„ pardilsMEMMER) * *' 

und drei Arten der gemeinen Katze. 

fn den ****^'<ldlstrikten tausen Arten von Lynx, darunter 



Amito 1849. 



JDigitized byVjOOQlC 



84« 

4sr. didiwarTOriobte am ebern« Tigris und am' GiAiir Dagh, 
so vit^ auch die Katze von. Aleppo ond Felis Cäracal. 

Alis d^m Geschlechte Hyäne sollen sich zwei Arten im 
-Taurusgebiete befinden, eine kleine gestreifte und eine weisse. 
Ich habe jedoch weder die .eine, noch die andere gesehen. 
Häufig hingegen ist am Taurus aus dem üundegeschieclite 
der gemeine Wolf und in den Ebenea der tartarische Wolf. 
Ferner: 

Canis lycaon aal Sadschur, Cairis vulpes, 
. . » aureus selir häufig, ,> . corsac ain Euphrat , 

sowie mehrere Arten des Haushundes, worunter der grosse, 
prächtige. turkomanische und der Schäferbund. Kreuzungen 
von Hund und Woif, Hund und Fuchs sind nicht selten. 
Von Bären finden sich drei Arten, zwei schwarze und eine 
braune« Das interessante Herpestes Ichneumon Ouvier, der 
Honigdachs oder Gnllo mellivorus, Viverrä genetta und der 
Zobel? solleu sich naeh Ainsworth am Taurus finden. 

An den Flössen lebt die Lutra vulgaris. ~ 

Aus der Ordnung Rodentia stellt sich besonders an den 
Flüssen .der Castor fibei* : hervor. In den Gebirgswäldern 
leben ferner: 
Spermophilus eitlllus. Arctomys marniotta. 

Cricetos vulgaris und 
der gemeine, grosse Siebenschläfer. 

Ferner erscheinen aus den Nagern, auf den Ebenen: 
Dipus jerboa« Dipuspygmaeus und mehrere 

.j,; joculus. unJbuejstjmmte Spezies. 

„ , i^agitta. 

In den Ebenen von Kurdistan vorzüglich der Spalax 
typbkq. Am Ta^rufs veivchiedene Ai*ten von Mustela, z. B. 
Bl« : sarmf tica, M^ .mart^ : etc. 

In den Wäldern von Arän am Eiiphrat fand Aimsworth 
eine neue Art voji GerbUlus, bis zu 17 Zoll lang und ver- 
schieden von Gerbillus tamaricinus des Palcas. Aus dem 
Geschlechte Maus finden sich zahljceiche Avten und darunter 
eJRe peue von Bir am Eup}irat . Die. am ll^ufigstea vor- 
kommende Ratte scheint Mus decumanus zu «eyn. 

In den Wäldern finden sich Elchhörnd)^ .häufig und 



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647 

Bom Thell noch mbestiainite Arten. So auch TielelStachel« 
iehweine. Zwei bekannte Arten von Hasen: der tnrko« 
manische der Ebeneq and der Wfiatenhaae« Kauldckeii 
nad selten. 

Ans der Ordnung^ der Pachydermen zeidinen sich ans: 

Das wilde Schwein. 

Das wilde mesopotamische Pferd, vielleicht Eqnos khnr 
oder E. hemionus. 

Das zahme Pferd. Zwei prachtige Arten, nämlich das 
arabische und das turkomanische. Das schone, grosse, fenrlge 
anatolische Pferd scheint mir eine Kreuzung jener beiden 
Varietäten zu seyn. Die schönsten arabischen Pferde konimeii 
von den Ale Ufer des Euphrats bewohnenden Stämmen, so 
wie vorzüglich vom nördlichen Syrien. Daselbst sollen, den 
gewissenhaft geführten Stammbäumen der Araber zufolge, 
noch Abkömmlinge der Pferde des Propheten sich finden, 
vom edelsten Blute und reinster, tadelloser Rasse. Pferde 
von solch ausgezeichneter Gute und edler Rasse sind jedoch 
sehr schwer zu erhalten und sind immer verhältnissmässig 
zur sonstigen Wohlfeilheit des Landes auch an Ort und 
Stelle selbst theuer, indem manches Stück zu 12,000 bis 
14,000 Piaster * und darüber verkauft wird. 

Die Esel sind von vorzüglicher Schönheit nnd Grosse, 
meist von dunkler Farbe, schnell und leicht in ihren Be-' 
wegungen. 

Dnter den Widerkäuem steht das Kamel oben an. Man 
findet sowohl das arabische Gamelus dromedarios mit dnem 
Hocker, als das baktrisehe Cam. baktricanns mit zwei 
Höckern. Das gemeine turkomanische Kamel scheint aus 
der Kreuzung der beiden vorigen hervorgegangen zu seyn. 
Von dem arabischen Kamel unterscheidet man, wie in Egypten, 
jene zwei durch die Kultur des Menschen herangezogenen 
Varietäten, nämlich den Hegin, den leichtfussigen Bassgänger, 
nnd das gemeine Lastkamel. 

Von Cervideen sehen wir: Cervus dama. Den Erzäh- 
lungen der Einwohner zufolge Cervus elephas. Femer 
Cervus capreolus und auf den Ebenen mehrere Antilopen- 

« .1200 bi« 1400 IL K.*liL 
RvwMMUft, Sebf«. I. M. <. TU. .42 



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•48 

«rt«», besoMdera Antilope dorew, die oft, mifc Schale« 
s«»aiDineii weidend, beobachtet wi^d« Aus dem GesohlecklB 
der Hegen finden «teh viele Arien, so die frische, die 
kurdische, die Angoraziege nnd unter den ifvilden Ziegen 
anf den hö^hete« Gebirgen Capra ibex und Capra cancnaicus. 
Erstere Art ziemlich häufig. 

Unter den Schafen zeichnen sich besonders ans r das 
tartarische Schaf mit dem ungeheuren Fettoehwanz, dn 
Beduinen-Schaf, ähnlich dem unsern, nur mit wenig grossem 
Schwanz. Bei Assäss findet man auch Ovis Anirnon. 

Unter den Rindern haben wir Arten aus den GescIüechtMl 
Büffel, Bison, gemeiner Ochse. So schein wir den Bos bn- 
balns, den Odilen mit dem Böcker vom Euphrat und ein%e 
Tarietäten des zahmen, gewöhnlichen Rindes. 

Reihe der Vögel. 
Der Typus, der nördlichern^ der gebirg;lgen Gegenden ist 
hinsichtlich der Vögel ganz europaisch.. 

Auft der Ordnung Aeclfltrea sehen wir: 
YuUuf peircuiopterusv Falco mitvu;»* 

^ folvus«, jn tinouuiculusk 

Falco ossifragus«, ^ geptUia 

Yon CulQit;, 
Strix. hnJhc»., Striae paspseijn«^ 

jf flammea. „ uratensis. 

Ana; den Ordmutg der RaJbeo) 
C<Miviis ooraa. Gamliift pioib. 

19., ooroiML (Mahta g^aeoia. 

n cMmix^ Coraeiaft garruia^ 



nt 



mm^dttlflk 



f 



JEäne Art Stuwm» md snwm» deniuMgen wnspUadimiAirifV 

npchi mehrese mbesiinuni^ *. 

Anj» der 0:i^d)i«iig d<rr StugntSgel:' .t; 

Turdus musicus. R^set«» und^ tt t ltei r» 9iß^ 

9 merula. päifeN;he> ArtOttv . V ' 

n ruftts^ Ctnclua' aqnatfois. - *' 

;,. saKattÜs^ Eiofe AM EAotam 

Wenige Arten der Gattungen MotacUla und Silvki,^ 



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640 

meist europäische, ifvie ntiserfe Nacktig^alL Artifen von AAthas, 
Regiflifisr, kW^\ Taxitolä liind Troglodytes euri>tMiein; 

Aus der Ordnung; der Sperliiij^vögel : 
Alauda arvensis. Alanda tartaricH ff« td. i. 

„ cr\st^4«. £mberi2a liortulana. 

y, alpestris. » eitrinella et& 

jy ^lend'ra.- 
Melirere Arf^tf vbn Fringflla, und die meisfeii «ifmir enro- 
päifichen Sper!ing;e. 

Aus der Ordnung der Seiden vögels 
Pams major. Parus ater« 

Aus der Ordnung; der Klettervdg;el : 
Cueulua catiora». zwei Spezies Ton S^e^iil 

Jynx forqnilia« 

Aui^ der" Ordnaifg der Sclit^ebe^gel: 
Upupa epops; Merops caernio ceplMdu&: 

Heröps apia^er. 3 Arten vdn Akedoi 

Aus der Ordnung; der Scliwalben¥Ög;el : 
2 Speziell von Itinindo. Caprimulgus emropaeus^ 

Aii^d. Ofdn. der Taäben-Vög;ei : ungef. 1 4 Arten, darimter : 
Colnmba risona« Columba testaceo Incarmrta. 

Forskai. 
Ans der Ordnung; der Hühnervögel : 1 Spezies Lagopos 
vom obern Enphrat 

Perdix ftuncofinuA« Perdfx graeca. 

y, petrosa. Pterocles arenafius«' 

y^ eineresf. Syi'rhapteB Patiässii* 

» fufa. Phasianus Golchicns efc. 

Aus der Ordnung der Rennvögeh 
Otis tarda. 

Im sudRchen Mesopotamien finden sich die «ntbbcheik 
TrappeU'^Arten ;• w6 e^ch aber dfer in Assyrien ald efeltev voiv 
kommeiid von itiHsWoRTH anjgegebene Struthio camelus finden 
soll) ist mir unbekannt; Viete Arten von Charätfrins; 

Aus der Ordnung der Stelzvögel: 7 Arten von Ardea« 
Aus der Ordnung der Sumpfwader: Mehrere Arten von 
Tringa, z» & Tringa pvgnax, von Sqnatarola, 4 Arten von 
Scolopat. 

*%^ 

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Aus der Orduung der La»f «8^^^; ^^„ r^i,», etc. 

Aus der Ordnung der R"f' r«Sf':. „, 
Pelecanus onocrotalus «nd «'» "* '.'' "'efäl,, 10 Arten, 
Aus der Ordnung der Gänse-Vogel: ungeta 
darunter: Anas sirsaeir Forskai etc. 

Anas nigra. Mereus merganaer. 

„ clypeata. » 

Aus der Ordnung der Rurzfl-gler. 
^"'-rdrrtU der Kan.^-^-^ a^Eup.r. 

und wir habe» daher a«5KoT5CH.« £•«««"« ^u-.: 

Neue XU erwarte«. AU bc*..«dj b^^^^^^ p,. ferner » 

Arten von SiUim^ .„^„«1« »«» S«® **'? 

Cubitia barba '^ ,,^ daseibat auch 

Barbiis VI ' .tenartc*» «n*^ *''^~ 

findet rieb ftöcJi 



i tliid 



l^nd vle 



Hl 






u 41 



051 

Von BatracUern kennt man 7 Arteii. 

Reihe der Insekten. 
Die Entomol^^ des Tanrns-Distriktes ist nocli ein weites 
Feld für Forsclinng und es ist bisher in diesem Fache noch 
wenige geschehen. Der nngliickliche Dr. Hilfkr, der Wissen- 
schaft zu früh als Opfer gefallen, hat eine bedeutende Saramlong 
gemacht, die sehr viel Neues enthält, doch betrifft sie grSssten« 
theils das Gebiet des Enphrats und nimmt nur wenig Bezug 
auf unser eigentlich hier gegebenes Terrain. Im Ganzen 
stellt sich daraus Folgendes in ganz kurzem Auszüge hervor: 
In den trocknen Monaten sind yorhefrschend Arten tob 
Tmxalis, Locusta, Acridium. 

Mehrere Lepidopteren , besonders vom Genus Maniola. 

4 Arten von Pimelia. 

Mach der Regenzeit fand Dr. Hslfir: 

200 Coleopteren und 

darunter mehrere Arten, von denen man glaubte^ dass sie 

nur dem gemässigten und nördlichen Europa angehörten. 

So z. B. 40 Arten von Brachyelytros, 

5 Arten von Pselaphon, 
und darunter solche, welche ganz den Charakter der schwe« 
dischen an sich tragen. 

Femer fand Helfer auf den Ebenen: 
Carabus Hemprichei. 
Arten von Melasomfi, Pimeliarea, Coccinella sind häufig» 
ttni es finden sich atich : 

60 Arten von Curculio. 
4itteaer sEml die Arten von: 

fiifuellina und Lammellicornts. 

* rten von ApUodia Tiingegen sind wieder sehr gemein. 
n Frühling cliaiakterlsiren nebst Pimelaria mehrere 
^n BeternineT'a etc. 
i'hungen im Gebiete der Weichthiere und Strahl- 
' mir in Beti eft^ der cillcischen Küste und der Siiss- 
• cietis gar nicht bekannt "^^ 

•*e wisfif'riKciiarttii he KenntniM Kleinasiens ood namentlich 
iid »einer Vcrzwtii gangen siod in lezter Zelt» besonders ia 
Ziehung, eimge sehr schätzbare Schriften, sowohl in 




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f9S 

Ohne die Kenntiiiss iev fieBoblcfate «iM« Volkes dürfte 
wohl jedes UrtheÜ über dessen €haj?akter sehr «»»isher 
seyn. Das Sigendiainlicbe der Denk- und Handhuigsweise 
0«^ MaHoa ist das SuiQmaduni aller der EinzelnheiteB, die 
ifrir als sekhe, in unsern fieehaohiuiigan hes<teaiik^ aof 
Seit ni|d fiauin, »Biiwiglioh ^lUe aoffassen können» Wir 
■Knasen dieselben ki eiii Ganzes Tsusammeng^efaeyst suehen und 
finden die^ies? so g^laiibe ich ivenigstens, nur in der GesishieUe 
des Volkes «inzig- und allein« 

Cilicien, ein Thell des spätera ÜOFamaiilen, das heilige 
Pasdialik Adana und Marasch, hatte eigientlieh nie eine 
eigene Geschichte; denn es ivar nie hinsichtlich seines Auf- 
tretens auf dem Weltschauplutze ein fftr siieh abgeschlossenes 

Journalen zearstreot, als auch als selbstständrge M^erke erschienen, die mir 
«rat jeBt j^^ot^men sind und die ich mir if^v hier nluilitvägtieb 
aufzuführen erlaub^ s 

Proceedings of the g^oJAgletll spcpety in (lOibdon: 
Uam^tqn an^ Strifklaiid x>n th^ Argaei)« 9,nd Ha^an Pag^h^ Vol. ^, 
pag. 653; Vol. 2, pag. 651 ; Vol. 3, pag. 102 et 108 ; VoK 3, pag. 17. 
Transactions of the geological society in London: 
W. J. Hamilton andi H. E. Striokland on the Geology of the Western 
Part of Asia minor; 2 Series, Vol. 6, part. 1. London 1841. 
' 3 Serien Vol. 5, part. 3, 7. Abhandlung. STRicKLjkrni on the Geology 
of Smyma. 2 Series, Vol. 5, pag. 392^402. 388. 
W. J. Hamilton: Researrh^s in Asia minor, Pontus and Armenia, with 
fiome, accoiintes of Antiquities find G^ology^ «>s^4e during >& «IjQvr- 
ney in ISUf Ißä^, 183? «t<^. London 1841. 
JE^^jikK^f JpiVie^al nf a t,ou|r. in 44^ jninpr* I^on^on 18^3> 
Charles FsjLLOifJBs: A Journal of a seoond excursion in Asia minor, 
with an account of discovcries, made in ancient Lyci«^ London 1841. 
^. V. Ai^undell: Travels aqd Difcoverieß ip Asifi minor. I^ondoQ 1835. 
Fontanier: Voyage cn Orient, ^ans 1834. 
Sallö: Peregrinati<ons en Orient. Paris 1840. 
Madden: Travels in Turkey, Egyf^ I^iubift and Palffstin«. Lcwimi, 
Der YTerke von Beaufort and Ainsworth wurde schon früher ge- 
flacht; 80 auch der äJtern von Tovrnefort, Otjvibr etc. — Hamiltons und 
StbigkLands Forschungen haben ausgezeichneten Wertb. 



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sss 

Oaosta« Mdur odef weid|*e# dMia»g;lg ydn %eiiiiciifeaTtM^ 
groteores Retebdii) erobertes Land, Provina baM.^es tstnaft» 
tald 4m attdcm dioniinireiiden Staates ^ Terfli^Mt iseilie Che** 
schichte mit der andrer Reiche auf das innigste znsaniiieti, 
mad ts tkann ^her liier umnoglleh der Zwedc aeyn^ eine 
gttaaae Daratettang derselten jm fdbea ^ sondern nur efaia 
k«tfm6 Übersicht d^ w!chti{;8ften historischen Yera»dMing;ta 
aittufuhren^ 4ie ülier dieses Land) als politicfthen Thetf deii 
etoea oder andem Kdi^ers^ ergangen <a}Ad \ 

Wie IkbeAatipt die Clesdkiefate ton Mfttelasfeu and dnea 
Thalia des weatHdiea Asiens efsl mit dem gewaMgen nnd 
dMichgretfende« Anfih^en des Oyras beginnt^ ao «ath di« 
eesehielite Giiieieas. Trockene Kdnigs^Naweti «tnd wohl 
daa dlnzige, was wir ans der vorpersisohen Zeit Atitoen 
Laaidea wissen, dessen Schicksale mit denen dea gtosae» 
assyrladien Reiches, avi dessen Sehweite es lag md daa 
seine Arme nnmitleltNvr oder mlttelliar itarüber hinbrettcte, 
aaf daa innigste znsammeii fbilen. Wüde Sisytheii-Volke^ 

^ JkfK In der gesdhrclitliciheii Lit«ra(ar äie»ß^ Lali^s, als p^r^schs 
|[frleeikisdie^ rSsdsdie» ar^biMhe, christUdie) Ifirid^he aaft egyptis^Ae Be^ 
ailMin|r> liervoirrs^^ndaMn altera W«rlBe, nhd deD Leselm öhaehtir bekaml 
wad idi erlaote mir daher nur auf eiaige der raCercssantegten und neuesten 
Werke hiazudeuten, deren Darstellang sich vorauglkh auf die Geschichlf 
nnsere^ l*age besdirfinkt, als : 

La S^rrie sous le gouvemement de MfiHEMBO-ALi jusqu^en 1^40. iPar 
F. Pbaribr. Pari« 1842. 

VüftLgt datis TAtde rnfneure, en Iffesopoiaihie, k Mlkkiyr«, 6ti ^ffk etis., 

par M, Baptiafut Povjoutjw. 9 töl Srafs^Iles 18tl. 
Bws aimees dt riNaCeir» dH)ri«nt 1939*^^0. Pd^ant fcuitti a lliisMt^ 

^ la^errt de ührnnma^Au e« Sjnie eteS Asieniaeura lfi3S<>MlSdJi 

par £. ms CABAUvkm et £. Baurai«.«. 2 YqU Pari» 1S40. 
YojA^ en Hongde, • . • en Syvie, en Palestiae et en Sgj^ pa» W 

MARiiioi<rT, Pue de Ragase. 5 Tom. Paris 1837» 
JSd. HooGy n. D. Visit to Alexandria, Damascus and Jerusalem, during^ 

the auccess füll eampaign of iBRAMiM-Pascha» S Yol. London 1835. 
CL B. JBixiot: Travels in the three g^jpeat EUnpires of Anstaia > Riisnbp 

and Torlcef. 2 Vol. London 1838. 
Bfitfe über Zostäade and Begebenheiten » der Türkei a«8 dml Jäbren 

1836—1839. Berlin 1841. 



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054 

iiitd Caspier^, vitflleicht die heutigen Tarkomanen, diirdi- 
gtrelUtn die Ebenen am Taurua und seine Bergketten, doch 
Ikber ilir Treiben und Wirken liegt der dunkle Schleier der 
Mythe. 

. Als Cyrus 558 v. Chr. sich auf den Thron des in ra- 
flchem Wachsen begriffenen Meder- und Perserreiches sezte, 
mit sicherer Hand das Spiel ergriff, und seine siegreichen 
Waffen vom Kaukasus bis zum indischen Ozean, von den 
Schneegipfeln des Taurus bis zuirif Indus glänzten, da wurde 
es Tag in der Geschichte dieses Theiis von Asien. Alexan- 
der der Grosse schlug 333 v. Christns siegreich die Schlacht 
am Issus, und Cilicien wurde den Händen der Perser ent- 
rissen. £s ward anfanglich ^als erobertes Land eine Provinz 
jdes mazedonischen Länder-Kolosses, nach dem Tode Alexan- 
ders aber fiigenthum der Seleuciden und als solches syrische 
Provinz. Der erste Seleucide, Seleucus Nikator, der 280 
y. Chr. ermordet wurde, verlegte seine Residenz nach An- 
tiochia, unter seinen Waffen beugte sich der grosste Theil 
der mittelasiatischen Eroberungen Alexanders, und er führte 
9eine Heere bis zum Ganges. Des alten Hellas Geist wehte 
in der Schöpfung der ersten Seleuciden, Künste und Wis- 
senschaften blühten. Städte erhoben sich, heute noch gross 
in ihren Trümmern. Tarsus hatte seine hohe Schule für 
Philosophie und Philologie, durch Griechen gegründet. Zur 
Erhaltung eines genialen Werkes gehört im geringsten Falle 
iSinn für das Geniale, zur Erhaltung eines grossen Werkes 
im mindesten Falle Sinn fürs Grosse, Geist und Muth, beide 
mangelten, den spätem Seleuciden. Juden, Parther, Arme- 
nier rissen an dem schwächer und schwächer werdenden 
Körper, und Roms gewaltige Weltherrschaft schlug ihn end- 
lich ganz zu Boden, und Syrien mit Cflicien wurde unter 
Pompejus, 65 v. Chr., römische Provinz. Unter den römischen 
Kaisern erreichte Cilicien eine Stufe der Kultur, zu der es 

* Allg^emeine Weltg^escliichte vom Anfange der historischen Kennt- 
ttine bis auf ansere Zeiten , ron Karl v. RoTTfiCK. 9 Bände. Freitmrg; 
1839—1840. 

F«rtMitzun|* bis auf unsere Tage, von K. H. Hbruibs. Braun- 
schweig t841. 



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655 

sfch in den spätem Zeiten nfe mehr emporschwang'. Tarsns 
Hoehschnle stand in ihrer höchsten Blüthe und der grosste 
der Apostel des beseligenden Christenthums, Paulus, nannte 
sie seine Vaterstadt. Sieben Jahrhunderte der romischen 
Weltherrschaft sah der Taurus an sieh voriiber gehen. An- 
fing;licb Provinz des gesammten romischen Staaten-Kolosses, 
wurde Cilicien, als 330 n. Chr. Byzanz als Roms stolze Ne- 
benbuhlerin sich erhob , Eigenthnm des byzantinischen Rei- 
ches und blieb es während dem Drange der 375 n. Chr. 
beg^onnenen Völkerwanderung, bis endlich im 7. Jahrhunderte 
den entnervten Herrschern das Land durch die Söhne des 
glnhenden Süden, durch die Araber, entrissen wurde. Vom 
frisch entglühten Fanatismus angetrieben, eingössen sich die 
bratinen Stämme der Wüste unaufhaltsam über das damals 
blühende Syrien. Ihre Feldherren Kaied, Amru* und Abn 
Obeidah schlugen am 13. Juli 633 den byzantinischen Feld- 
herrn Werdan bei Ais-naddin und eroberten 634 die duftende 
Blume des Orientes, das herrliche Damascns. Noch einmal 
erhob sich Byzanz Macht, noch einmal fielen am Dschebei 
el Teltsch oder el Schech bei Tiberias die blutigen Würfe! 
635, doch von diesem Tage an erschien kein byzantinisches 
Heer mehr, und 640 waren die Araber Besitzer des ganzen 
Landes. 

Eroberer und Eroberte können in ihrer ursprünglichen, 
ihnen eigenthümlichen Individualität nicht neben einander 
bestehen. Sie nähern sich einander, ihre Charaktere ver- 
fliessen ineinander, und einer derselben, meist wohl der der 
erstem, wird vorherrschend. So war es anch in Syrien, das 
Volk wurde durch die Araber arabisch. Behielt es auch 
zum grossen Theil den durch Sekten-Geist und byzantinische 
Dogmen-Kriege desorganisirten Glauben seiner Väter bei, 
so nahm es doch arabische Sprache, arabische Sitten, ara- 
bische Denkweise in sich auf und blieb so bis auf den heu- 
tigen Tag. Den Arabern selbst aber stand eine wichtige 
Veränderung bevor. Auf der Bahn ihres Waffenrahms dran» 
gen sie nördlich bis zu den turkomanischen Völkern und 

* Den wir schon aus Egypten kennen. 

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trafen in den Oxim- nnd Jaxartes-Ländern mtt tärUschM 
Horden znsanmeuJ Wecbsekdtige Befefadnngen mtt wed^ 
selndem Glücke, gleicher kriegerischer Geist^ gegenseitige 
Verbindlichkeiten in den Zeiten des Friedens nnd des Krie- 
ges gegen einen dritten brachten diese Völker näher osd 
naher« ManAMso's Lehre fand Zugang bei den tnrklsdiai 
Völkem, sie wurde endlich auch bei ihnen die herf^bend^ 
sie trugen sie über die Hochgebirge Indiens in die Ganges* 
Lander, nichts melir trennte beide Völker, ab die Sprache, 
päd anch in dieser Beziehung geschah Annäherung. Dean 
die nentüriiisehe Sprache ging ans der armen alttürkisehen 
pur durch ihre Verbindung mit dem Persischen nnd Arabiaehea 
hervor. Schwache Kalifen nahmen keinen Anstand, torkiacke 
Truppen in Sold zu nehmen, mit türkischen Garden sich za 
umgeben, türkischen Beamten die ersten und höi^ten Std^ 
len anzuTcrtrauen, es war kein Krieg der V^affen mehr, es 
war eine Fehde der Prinzipien, ans der eiu neues Prinzip: 
das türkisch -arjübische, neue Reiche: arabiadie TorkiM« 
R^che hervorgingen. Die Kalifen wiederholten nnr die 
Geselchte der Prätorianer, sie schufen par Cor^e eine dmni« 
nirende Soldateska, die ihnen Schmach und Schande, Ihrem 
eigenen Stamme Rang nnd Hohheit bereitete.. Die Kalifate 
sanken, nnd Sultane bestlegen ihre blutbefleckten Throne; 
Mit jugendlicher Kraft erhob sich das türkischer arabische 
Sarazenenthum *, der alte arabische Lorbeer welkte andet 
Ufern des Nil, an den Gehängen des Libanon, in den Thif 
lern des Taurus, der ake arabische Waffienruhm zog. ^idft 
wieder in seine ursprüngliche Heimath, in die brennenden Vfjlf^ 
9tett zurück^ während an seinen Gränzea sein Vorfecbler^i^ 
nene Sarazene, mit frischem Waffenglatize sich frische JUad^^Ml 
brach. Arabische und türkische Herrscher stritten jott^.:^ 
selndem Glücke in ihrem jezt beiden eigenai 
Ober-Herrscliaft, Egypten erhielt seii^ SuUane^. 
l^ea herrsditen, wenn auch kurze Zelt,, lUierr 
der taduNnanischefirubererBfelek Schach o4ßr.| 

* Dm Wort Sarazenen bezeichnete antangüdi die 
aber «päter g;anz besonder« ba^Keioluiead auf ^i^, Ji 




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U7 

int^r^i^rf yßu M72 hld 14)99 Sjrrijen vnd l^leinairfeni 
nebst vielen miem Lsindern der früherea Kalifen ißt tur- 
kiae}ien QIierhepr9eliaf|;. flr war der g^rösate der aeld^stcbn^* 
kjsch^n Stultane. In dem ersten Auflodern dieser Sypasti« 
lag ^Mich ihr KuJaduatiQms-Fvjnl^t ; denn mit dem erhabeneq 
Daph/9lale^din gi«g auch da9 Seldschuke^n-Reich, unter Suk. 
ti^nav von weniger Kraft nnd Geist, «einem £j»de entgegen« 
Oi^ qpachtigsteii JStö^se erhielt dasselbe durch die Sturme 
der Kreuzfahrer, niKerlag jedoch denselben nicht. Sara^e- 
nisqhe^ Bitterthum mas« «ich mit christlicher Aufopferung^ 
beide hint^rgangen durch griechische List. Im Jahr 10.98 
wurd^ jdas Fürßtentbnm Antiochia begriuidet und der gamse 
Tbejil von CMicieq^ der daß heutige Pa^chalik Adana und 
Slara«^ umfasat, wurdj^ deniaelben einverleibt Kur% war 
der Bß^a^ Syriens und CUicißUK vp» Seite der Kren^fdJurjer-» 
Faraten« Innere Zwiste, beti^idigte Eitelkeit, getäiwqhtpt 
Giganputs; tiesfwn das «Gebäude einstürzen, da9 miit so noge« 
henre^ Kosten und Opfern aufgeführt war« U^nsonat w^rea 
denn, wenn wir den vorgehabten Zweck alMn betra^bteoi 
die Ja^weni^ von Ijifenachep.lebQu, die Syriens Boden deckte«^ 
die ifp anCopferndaten Ileldenkampfe au der geheiUgtea 
S^iy^ie ^elen^ nmaonst die Zertrümmerung des bäuslichßn 
Woh^staiHle^ des «beJÖlchen Friedens, die deai Kreuzes wiUea 
mit Bi^gei^tf^n^ hingegeben waren» 

J)«n Tode^sto^s gab der chriatÜchen Macht djer gro3^e 
Sa)fthned^ia) diie Biupne der orlen.taJi^chen Ritterschaft; Ki^hn 
ien l^lom^nt benutzend, bestieg der k^iegerijsche Kurde den 
ThfQn 4^ Fatimiten 1173 und, unterwaif ^ich Syrien und 
Egyptan, Oas Kranz sfank auf den Wäjlen der syrischen 
Sitä()t9 9 wA ^m Stelle nahm wie4er der Halbmond ein.^ 
Aan 1». Jnni X^^l Idachte da» Blut dar Chrlsten-ßitter auf 
den Manarn vw Pfeplemai» die |e»te Flamme in Syrien, 
wi^Jl^e dia Kreu*zuge heirvorf erufen hatten* In Kleinasi^A 
hei^^tiliAe noch die Seldachnkij?fibe DynaetJe^ d.oi?h auch ibr& 
Tftgfj waren gezÄhlt. Die Mocgalen hatten aicb«; ej» fnreht- 
bar gew^tlger Strom, aus den Tiefen Asiens unanfhaltsani 
aber Si^opA eigoa|9ea> Mord nnd Brand he^elehnete den 
Wf|^ dfsf^lb^n gj^d nichts kQnnte ihn hemmen^ bia er flieh, 



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658 

Im 13. Jahrhunderte an deutscher Tapferkeit brach md 
seine verheerenden FInthen, die schreckJichsten, die je ober 
Europa g^ekommen sind, zürfick nach Asiep wälzte. Eine 
Reihe von Kriegten der Mongolen mit allen Fürsten Asiens 
begann, in Folge deren auch alle die verschiedenen kleinem 
Türken-Reiche in Nichts zerfielen ; so wurde das Reich der 
seldschukischen Sultane 130S zerstört Nur die Sultane 
der Mameluken widerstanden diesem Sturme, und sie bildeten 
jenen Kern, aus dem später, da das Mongolen -Reich den 
Weg alles Irdischen gegangen war, das Sarazenenthum zwar 
neu hervorging, nie mehr aber sich zu jener ritterlichen 
Wurde, nie sich mehr zu jener intellektuellen Bedeutung 
enftporschwang, wie unter einigen der früheren Sultane. Den 
Hanptgewinn der Kreuzfahrer- Eroberungen im nördlichen 
Syrien und an der ganzen kleinasiatischen Küste hatten die 
Republiken Genua und Venedig. Mehrere der schönsten 
Inseln, viele der besten Seeplätze und eine Menge in Klein- 
Asien zerstreuter Festungen und Kastelle kamen in ihre 
Hände und bis ins Innere von Karamanien, ^s in die tiefeten 
Thäler des Taurus, dem Dschihün, Seihün und Cydnus nach 
aufwärts, erstreckte sich ihre ubers Land hin zerstrente 
Macht Wiederholte Einfalle der mongolischen Völker, mit 
denen die türkischen, wandernden Horden, Turkomanen nad 
Kurden, zumTheil in Eins verflossen, wiederholte Angriffs 
der Vorfechter des Islam zur See und zu Land, erschütterten 
die Colonien dieser mächtigen Handels-Republiken, ihre Bor- 
gen fielen, und heute heult der Schakal auf den wüsten Trftil- 
mern, wo einst die Flaggen von Venedig und Genua weh** 
ten. Im Jahre 1516 zerstörte Selim I. diese lezten Spuren 
ehristlicher Macht; er eroberte Egypten, Syrien und Kküi- 
Asien und fnachte Cilicien zur türkischen Provinz. Thdb 
zum Paschalike von Adana, theils zu dem von Marasdi itajp 
dem von Aleppo gehörend, blieb es im Besitze der homn 
Pforte, bis der mächtig gewordene Pascha von Egypten lei- 
nen Dnabhängigkeits-Kampf begann, dessen umständli ihA 
Verlauf ich am Ende dieses Werkes darstellen werde, ab 
Stellung, in die Mehemsd-Ali, theils durch ErobemngsnSt 
und getrieben durch eigenen , von Aussen hinlftngll^ 



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659 

angefacliten Trieb iMir Vergrösseruug, theib gezwungen durch 
ein trauriges Zusammentreffen der Umstände und durch die 
charaicterlose Politik der hohen Pforte, dem Sultan gegen- 
über sich yersezt hatte, erforderte die Bildung einer bedeu- 
tenden Seemacht. Alle Länder, die unter Mehemsi>-Ali*s 
Herrschaft standen, Egypten, Nubien, Arabien und Syrien 
zeichnen sich durch Uolzmangel aus. Aus dem tiefen Innern 
Afiika*s, aus den dortigen Tropenwäldem , konnte kein 
Schiffsbauholz bezogen werden, theils weil die dortigen 
Baumarten sich nicht hiezu eignen, theils weil die Entfernung 
zu gross ist und man keine Transportmittel hat. Die schönen 
Wälder in dem nördlichen Syrien und am Taurns, herrliche 
Baumstämme gebend und in geringer Eotfei-nung vom Meere 
liegend, mussten des Vizekönigs Aufmerksamkeit auf sich 
ziehen. Andreraeits gab ihm der Taurns, als der Schliissel 
von Syrien, die natürlichste und sicherste Gränzlinle für 
dieses Land, in dessen Besitz er sich dui*ch die Bezwingung 
des AsDALLA-Pascha von St. Jean d'Acre im Jahre 1832 
gesezt hatte. Rasch zog der tapfere kRAHm-Pascha nach 
dem nördlichen Theile von Syrien, besezte die Tauruspässe 
und warf sich mit seiner Armee nach Kleinasien , mit der 
Tendenz, seinen Siegeslauf nach Konstantinopel fortzusetzen. 
Ibrahim schlug, am 21. Dezember 1832 die Schlacht bei Ko* 
liiah, die Armee der Pforte, schlecht organisirt und noch 
schlechter kommandirt, unterlag. Keine Waffengewalt hätte 
meines Erachtens einem raschen Vorrücken Ibrahim's nach 
Konstantinopel Einhalt gethan. Alles war vorbereitet, die 
russische Hülfsai-mee hätte wahrscheinlich nicht sehneil ge- 
nug an Ort und Stelle seyn können: doch die Macht des 
Wortes der europäischen Mächte, die ihrer eignen Stellung 
halber diese entscheidende Demiithigung der Pforie nimmer 
zugeben konnten, fesselte den sieggewohnten Feldherrn in 
einem höchst wichtigen Momente, hinter sich sichere Erobe» 
rangen, vor sich den Thron der Sultane. Der Friede von 
1833 kam zu Stande und in Folge desselben fiel Meheiuso- 
Au nicht nur ganz Syrien , sondern auch Cilicien zu, und 
der hohe Rücken des Tauras und des Giaur Dägh wurde 
die Nordgränze seiner Besitzungen. Diese zu befestigeny 



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600 

Uar nun sein erster Sclirilit; denn von deiü Gedilnkie^, sich 
tum anabhängigen Metrschei* aufztii^eifert fthd das JocH der 
Pforte abÄtiächfitteln, konnte lind vroBte er^rtht äfigcsheh, 
seine politische Existerti fitng davon älr, er war M ttn^it 
gegangen, um tingeztrangefr iiitokeliren zu können. Die 
Militärstrasse ärt die NoTdgrän:Ke, die eine u&er Ädans^ die 
andere über Äin-tab, wurde hergestellt. Äntio^hia, Ain-fab, 
Aleppo, Märasch, Ädanä, Tarsuä u. s. \t. erhieltet! Ihre 
Garnisonen, und am nördlichen Ende ies wilden l'kstses tön 
6iilek ßoghäs erhob sich rasch eine grosse und starke Festung. 
Der Friede war kefrf klarer, heiterer Friede; t^ie Oifheil 
schwangere Gewitter-Wolken hing ei' &her de« Lande. 
Die Pfortö konnte die gewalFnefe Stellung flir^' ¥ä$iellen, 
in dessen Macht, ohne ft'emde Einmischung, eä lag, tifehf, 
ob er sie vernichten koltine, Sondern trarin er sier Veriiicliten 
fvolle, nicht angeben. Sie suchte ihn zu entwaffnen und durch 
flöten tu erringen, wäsf isie, däi* Schwert in der Hand, nimmer 
ftiefar von ihm eiYingen konnte, nämlich seine Demuthignfig. Die 
Verhältnisse zwischen MEi^feMED-ALt uild iet Pforte wurden 
immer gespannter, IfiüAnm's ArAiee stand an der Gränzej gegen- 
über war HAFiz-Paschä mit den Truppen des Stiltans. E^ fehlte 
nicht an gegenseitigen Herausforderungen. Die ägyptische 
Armee War durch Hunger und Elend allerÄrtentsietzftdh hBtah^ 
gekommen; doch ein tapferer, umsichtiger und nodi ungebeug- 
ter Feldherr, d€fr noclr nie besiegte 1brä«iä stand an der 
Spitze. Üie tfirkische Armee, besser versöi^t als cfie e^gyp- 
tische, hatte entschieden höheref physische Kraftj aber desto 
weniger moralische. Der eigensinnige, ito' Gnglncke ifittth- 
fose Hafiz, äciht türkisch denkend, gäh den RotHscblfigen 
der vortrefflichen preussischen Offiziere, die' iftni 2iur Sfeltc 
standen, kein Gehör. So kam der 24. Juni 1839. Die StErlaeht 
ßei Wissih Wurde gesclrlagen. Der Zustaud der egyptlistben 
Armee war so schlecht, dass iUd Momente, als sicfr schon 
der Siegeslorböer um ihre Stirne Wand, 409 Ai'aber mit 
SSack Und Pack, iKm ihf £lend' tii enden, ZU denr Besiegten 
übergingen. B^afiz vi6rkannte ganz und gar den richtigfen 
Bfoment des Angriffes, der Sieg fag sfcherfh' is^einer Hand^ 
docllf der gewandte baAmM entriss^ ihn deDf ütigewandten' 



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061 

FeMherrnv der sieh nieht mefcr am tolfeii wnsste, uad dlfc 
Armee de« St^ttuw vinrde au%eriebeiu Nicht lange naek 
diesem Unglücke folgte ein zweites, nicht minder bedeutsam 
de» und boehst folgenreiches, nämlich der In der Geschichte 
fast heispidlese, scbändttche Vermfb, dea AcBMtiK'Pascha, 
der tiirkfacbe Adariral, an seinem Herrn beging, indem er 
sammt der Flotte sich Mbhsmbd-Au überlieferte, der un&ber-' 
legt das 80 gefahiiiche Geschenk annahm» Nun traten die 
europäischen Machte entschieden für die Pforte auf^ die 
Znrnckg^e Aeae Flotte, die Raamung Ton Gilicien und gans 
Syrien, die Dnterwerfnng und Anerkennung der Oberhehelft 
des Saltan» waren die Bedingungen, unter denen man dch 
herbeiltesS) dem alten Vizekonige den erblichen Besitz von 
figypten, Nnbien und der I82«l eroberten Megevländer au-* 
zusagen. Mrbemed^Au verschob das eine von Tag z» Tag, 
uach gewohnter Welse Alles von der Zeit hoffend; daa an^ 
dere, vüelieicht im Vertrauen auf eine Macht, die Ihn mit 
Worten untersfnzte,. selilag er rund ab* Der Krieg begann 
wiedier, England nnd Öaten-eieh unterstuzten die Pflurte uAt 
gewaffneter Hand, Mekemed-Asi stand im Momente der Ge- 
fahr — aUein» Die Flamme des Aufruhrs wurde unter den 
Bergvölkern Syriens entzibidet;. Schnell wurden die Egyp- 
ter aus Syrien vertrieben, alle Seeplätze wurden von den 
AlUirten gönonraien, Cilicien räumte sich so zu sagen von 
selbsl, nnd biefala Lan&a? fielen wieder der Pforte zu, als 
Praviaaen^ von Pascha'a regiert Den weitem Verianf mnsa. 
die Zakunfti lehren. Gehen wir vrteder afuf nnsern eigentlich, 
zu: hehawdelndeiv Gegenstand zurück, näanBek an den Tanns 
und seint Gebiet». Das Interessanteste, wa» wir au» denn 
Dranga gesebiditlicher Ereignisse hn Laufe ven Jahriinn** 
derte» heriBorgeiMn sehen, bleibt immer der Mensch nnd steine» 
Sitelhing in der und zu der übrigen menschlichen Geaeü* 
scbnfit Viele: der VSIker, auf deren TVelbetf die Schneegiplafc 
denTanraa aeSt Jahrtausenden^ bemiedevsaften, sind nkht;. 
mdie. IMe gfoge», wie sSer kamen, al& verbantav sieb mil 
daderw Völttem nnd neuer eatstnaden^ sie vemeheranfa» auefe 
zm» Tfceli. Blnv wefebe' vrfv- beai z« Tutgei iw dmt^ TBälMtt> 
and: auf dear B^gea^ des 'Ehumsr aehen^, die« dfe Ebmeni 



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darchstreifen und in den Städten und Dörfern Wohnen, find: 
THrkomaiien, Türken, Kurden, Araber, Armenier, Levantiner 
und Enropfter. 

Die Turkomanen durften aller WahnBeheinlichkeit nach 
mit den Kaspiem, wekhe zur Zeit der Ausdehnung der 
Meder- und Penier-Herrsehaft in den Gegenden des kaspi- 
sehen Meeres nomadisirten , ein und dasselbe Volk seyn. 
Leztere gekoren in jedem Falle zvl den ältesten Bewohnern 
des Landes; denn schon vor Cyrns dehnten sie ihre Streif- 
mid Raubzüge nach Kleinasien aus. Die Turkomanen sind 
ferner ein Glied jener tärkischen Stämme, mit denen die 
Araber auf ihrem Eroberungszuge in den Oxus- und Jaxartes- 
Ländern zusammentrafen und die wenigstens zum Theil 
mit ihnen in Eins zusammenschmolzen. Der Turkomane ist 
von vorne herein, wie der Beduine, ein reiner Noraade, 
wie lezterer aber, z. B. in Egypten, fing auch er an in' 
neuerer Zeit sich anzusiedeln, nie jedoch ganz den Charak-^ 
ter seftaer ursprünglichen Freiheit ablegend. Wir sehen 
daher auch 'heut zu Tage, wie bei den Arabern, reine Waii- 
derstämme und solche Stämme, die in Dörfern leben, Feld- 
bau treiben und nur in der Weidezeit mit ihi-en Heerden 
entweder die weiten Ebenen durchziehen, oder sich aiit den 
Alpen aufhalten. Die Sprache aller Turkomanen ist die 
tärkische, die sie, wenigstens am Taurus, schön und in grosser 
Reinheit reden, so wie sie auch alle Anhänger der reinen 
Islams-Lefare sind, in ihrem Umgänge mit Andersdenkenden 
aber weniger Fanatismus entwickeln, als viele ihrer iibrigen 
Glaubens- Verwandten. Der in Dörfern wohnende Turkomane 
unterscheidet rieh von dem eigentlichen Türken in Nichts, 
und nur wenn er mit seinen Heerden ins Freie zieht, oder 
des Feldbaues, der Ernte wegen auf längere Zeit sein Dorf» 
verlasst und im Zelte lebt, erinnert er an seinen Ursprnng^ 
aus einem Wander-Tolke. Der nomadisirende TuAomane. 
hingegen ist, wie der Beduine, Sohn des Zeltes, die weite 
Weide-Ebene ist sein Heimathland, der klare Sternenhimmel' 
das Dach seines nnbegränzten Hauses* Ein freier Sinn tet 
dem Turkomanen durch die Lebensweise seiner Väter Ai^;e«. 
boren, und ihn zu erhalten ist ihm zur Natur gewoJrden, neine} 



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Frdtott za* bewAhren^ M Udo hSehatea SCrebeii« B«t(ia«g| 
bewaffnel, ist er gut bedtlen, and seine vortrefflicheii Pferde,, 
seine Kamele, seine Rinder lind Schafe sind seia gfuiser 
nnd zum Tlieil auch beträclitlieher Reichibum. . 0er Turko«. 
mane ist vokj nngebildet^.wie es als Naturmensch 8<^ae Le- 
bensweise mit sich bringt. Sclion von Körper» ahgeh&rtet; 
für Strapazen aller Art, zeig;t er zwar weniger in^ektudle; 
Anlage und Fähigkeit als der. Araber, ist aber starken Gei- 
stes, muthig, entschlossen, und in seiner ganzen Denkweise 
liegt etwas Chevalereskes, daher man wohl häufig den FaU' 
findet, dass ganze Stämme sich dem Räuberbandwerke hin<^ 
geben, selten es aber s|ch ereignet, dass ein Diebstahl vor* 
fiUlt, Mrährend das Stehlen dem Araber, und vorzüglieh dem, 
au der Gräiize der XüvUisation stehenden, zur Natur gewor-^ 
den ist. Ausserdem ist der Turkomane massig, lebt nur yom 
Ertrage seiner Heerden, keusch wie der Beduine, gastfrei 
gegen jeden Fremden ohne Unterschied des Volkes und dea 
Glaubeus, treu seinem gegebenen Worte und ferne von jener 
List und jenen Tücken, die den Araber charakterisiren, so^ 
.bald er ausser seinem Lager steht und nicht durch die ihoi 
heiligen Gesetze der Gastfreundschaft gebunden ist. Der* 
Turkomane ist kriegerisch und ein guter Soldat imKamp£a 
auf seine Faust, in Masse jedoch nur dann, wenn er gut 
kommandirt wird, eine Erscheinung, die wobt so ziemliek 
allgemein seyn düifte. Ihre Lager unterstehen den Befehle» 
ihrer Häuptlinge, deren Macht wenig beschränkt ist, nnd die 
meist den ältesten Familien des Stammes angehören, wo*, 
durch eine Ai*t aristokratischen Verhältnisses entsteht, wel^ 
ches auch auf die Turkomanen überging, die sich anede« 
delten und die der Herrschaft ihrer Beys unterstehen« Qe* 
gend und Stamm fuhren den Namen desselben, dem noelt 
der Name de$ Vaters des Häuptlings mit dem Beisatze Oglu 
(Sohn) sugesezt wird. Diesem Häuptlinge kömmt es zuy 
die Lasten, welche die Verwaltung des Landes aufiwlegt^ 
derselben zu leisten, wogegen er sf^iee ünterthaneB besteuerti 
Die 4andhabung der polizeiliclien Ordnung,, die Entscheidung 
in Rechtfällen und StreitigkeUen geschieht theils durcb 
Machtspruch des Häiiptliiigs, theils sind sip, nach den alieu 

RuAftcoacK, Reinen. I. Bd. t. Thl. 4^ 



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^m f0mimhF\%tmm^ iltti «fr as^rli hH itm Dniii«ii ^m& KuH-^n 
tr tmAnfu Au der ^fidiAa Ateltl Urr lUufdli^ «M 4«r 
jMletfrtt, Att^riiehciiiten und rrjchst«« Funltle, i^m m^nm 
[Wbie «Tbrvdaibfek tafillL Er bf der Befitwr «HsM aber^ 
p, dwi In munclie« DbtrikteB^ )(, & I0 KMMt« 
WO m meiner ZcU ^a««aii4'B«-; dWe Wurde IwklH« 
•obr brtraditlklt Ul. Kr ixt drr Lrhciuilierr und 4le 
fn tind JieM«^ Lrlitnitft|p*r, dir feirh fiir titr Ertlieiltiai; 
Lrlint* mit lliin ab sritii* Vaj«tU*n, in der |C«iiini Be- 
de» Wortei^ \erbifitleii. Uli*ftrr Lrrhenilirrr Im dM 
lil*Or||ftji mtsclieti drin ultpffttea LandeAlirrfn uiij den 
llljBfiitlirhMi Volk^t er tat der Bnttnirrtr, der die Abcnben 
I Tri{[eEidi*^ drijcni;^c, ^niideui tm Mfimeiite drr firfabr Hnea 
pilfriffra fim Aoaüru dir thati|riite HiitCe rri^artrt wird; or 
iiWag<|[fTti aber attrb drijeiüps, der tUelit nur die aii«in}^ 
Laiidert*ieti Mdbit bcxi^^t, »oQdrni als Lettemi» 
ilier ^rMMte BmiUuit^eii verfii|;t; ihm Mad «rJn« VaaaU 
ir, Ibitt atrbifo uka lui Kämpft* £tif Seite, ibn xa 
lat ibre Hfliiiit^ er i^aebt für die SicherbeU dem 
if er flprlebt iiiid übt dajt Reebt Ln seinem Distrikte, 
II« Br na tieaiiich der Verfa^iiitj^ mn^tm^nmvn^ im niiU 
crbdieii Getate. Selue Madit Ist anr diirrb die Iteli* 
uad diircb Uerbommi^a beacJiraJibl; Haber alad Fille 
oiTeneni Widemt aride bri Bedrvckiiiijea der Vaiallen 
Uire Lehr nähern*» iiltlit aebr aeJteti, uad di^aer Fall 
t» B. im Jahr 13^14 bei der Vertrelbifof im beryeb<> 
AciMao-Af^A aus BcÜrn tu Kaaaaa Oglii statt, ^u sicll 
itticba VaAalkn df^^elben mit Freud« disa Toa der e|r%p~ 
M Verwaltiiui^ abgeaandlr^n AraadiW toaeliliiaseiu Die* 
Feadabifltein der Tttrliomanen am Tauma, deren anaäa« 
KeldbM treiiiendrr Theil nitU Um^ '^ ' V^umm 

g^nwom Bevo{kcntiijc büdet^ «%tinJr v uem 



,g nach der Eesitj^aabme 



uud nie bütete 
klbascbntfikfiag die»« 

ebe BefÄll,erf 
ein Aict^ iiei u. 



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|lfiirtA»fcMlMlim Ifometi edeataKÄelier VMwr/ OügMMttrf 
4mf BeraHrang Hüter den illesten und ang^esebenslen 9mA^ 
h%nMahftBm des Stamnia, wobei tiiells der Kerttn ab M e hl ' 
aebnnr cttent, mehr steh aker an das Herka mMwi felMÜMa 
wM« Die TnriBomanen, «lit ibren Heerden ein w eid c ietel ü i 
Land dnrehzlehend und niebt, wie die Bedninen^ in WAMe» 
sich hentni treibend, sind, mit diesen TergUehen, in einem 
heben Grade von Wohlstand« Ihre Heerden geben Ihnen 
niebt nnr das Nöthig;e des Unterhaltes, sondern sie gfebsn 
Ihnen ancb dnrch den Verkanf der Hänte nnd deS'Pieiseksa 
die Mittel an die Hand, sich daAr mit Wisiffen^ GebeMty 
Kleidnngsstficlien ete. zn versorgen, IJberdiesa ▼erfet^gen 
dfe Fraoon) denen ohnehin die Besorgung des ganzen Han»- 
Wesens obMegt, Teppiche aus Wolle, •^vekhe im gttnze» 
Lande allgemein im Oebranche stehen. Wie der Beduine 
des eigentlichen Wianderstnmms in ungesftgeltem Stolae anf 
seine unbeschränkte Freiheit seinen ansässigen, arabisebaii 
Mitbmder basst nnd ihn verfolgt, so auch steht iler waiK 
dernde TuAomane dem ansässigen, dem tnrhomanisdieil 
Bauern, feindlich gegen&ber. Im nfirdliehen Syrfen zielien an 
40,^00- Mann Turkomanen umher, die im Winter ani den 
dortigen Ebenen ihre Heerden weiden, im Sommer h fng e ges 
sich in die Thäier nnd Vodberge des Tanrns begeben nnd 
besonders auf der grasreicben Ebene von Messis, Sisi^ Ana^ 
carba nnd Adana nomadisiren. Bei der steten nnd stariior 
Bewegung im Freien, bei der hohen Besehrilmknng derBe^ 
dfirfnisse von Kindesbeinen an und bei der sorgenlosen he* 
bensweise iberbaupt ist es sehr natBrÜcb, nnter den Tnrke^ 
manen Lmite von hohem Alter sn sehen und Greise, dte 
nber hundert Jahre zählen und noch anfrecbt, wie kräfttge 
Sttftmme, stehen, sind nIeiHn Seltenes. 

Der ansässige, in Ddrfem wohnende Turkomane, «bei' 
dessen Verzfige Im Gegenhake zum Araber idi sehen Mtgt* 
mal sprach, ist desselben Stammes, derselben Spradie^ ie9' 
selben Gfaebens, hat fast dieselben Sittai und flwcli hM 
dieselbe bftrgerliclie Verfassung; Jedes Dorf, nanehmil 
meiirere zusammen, ja ganze Distrikte, z. B. Rnssan Ogta; 
haben ihr Oberhaupt und unterstehen demselben in einer Art 



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wieder fiadkm. An 4» Spitse atebt der H&apttiag^ m« ikni^ 
alteftleB:, ugeaehMsIctn und i«iehetee FMiUie, dem sdne 
Wunde erbveehUSek uftUt. Er tot der BerifMr eeieee CNbte^ 
Eigettthoma, dea In. uuuiehe« DiaMktes, b^ B» ta Kaeieii 
Ogln, wo zu meiner Zelt SAMiURA-Bey diese Würde beklei* 
dete, sehr beträctitlich ist Er ist der Leheiwherr und die 
übrigen sind seine Lehentrager, die sieb für die ErtbeUung^ 
des Lebena mitibm als seine Vasallen, in der ganzen Be* 
deatiing^ des Wortes, verbinden. Dieser Lehensherr ist daa 
Mittel-Organ zwischen dem obersten. Landesherm und dem 
eigentlichen Volke, er ist der Besteuerte, der die Abgaben 
Tragende, derjenige, von dem im Momente der Gefahr eine& 
Angriffes f on Aussen die thätigste Hülfe erwartet wird ; er 
ist hingegen aber auch, deijenlge, der nicht nur die ausge-' 
dehntesten Ländereien selbst besizt, sondern als Lehens- 
herr über grosse Besitzungen verfügt; ihm sind seine VasaU 
len zinsbar, ihm stehen sie im Kampfe znr Seite, ihn za 
schützen ist ihre Pflicht, er wacht för die Sicherheit des 
Landes, er spricht nnd^ übt das Recht in seinem Distrikte, 
und zwar so ziemlich der Verfassung angemessen, im mit* 
telalterlichen Geiste. Seine Macht Ist nnr durch die Reli* 
gion und durch Herkommen beschränkt; daher sind Fälle 
von offenem Widerstände bei Bedrückungen der Vasallen 
durch ilire Lehensherren nicht sehr selten, und dieser Fall 
fand z^ B. im Jahr 1834 bei der Vertreibung des berüch« 
tigten AcHMED-Aga aus Beilen In Kassan Oglo statt, wo sich 
sammdiche Vasallen desselben mit Freude den von der egyp* 
fischen Verwaltung abgesandten Amanten anschlössen. Die- 
ses Feudalsystem der Turkomanen am Taurus, deren ansäs- 
siger, Feldbau treibendier Thell weit aas die stärkste Masse 
der ganzen Bevölkerung bildet, wurde von der egyptischen 
Verwaltung nach der Besitznahme des Landes 1832 sehr 
mpektlrt^ und sie kntete sieh weislich^, dnen Schritt durch 
Machtbeschränkuttg dieser Lehensherren «t thun, der die^ 
gansBe iMegeiiscbe, in Waffen geborene und emogeae tnr- 
komanisebe Bevölkerung gegen sie hätte zam Kampfe reiben 
koBtten, ein Akt, tter um so gefährlicher gewesen wäre, da 

43* 



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jMera Volk ^ efude 4te Ineserate LftndesgrAma beW^iit Md 
^0 Ten-äin Für sieh hat, das es gegen jeden offienen Ang^riff 
In Masse scbüzt und in welchem es h&chstens durch einen 
Jahrzehnte dauernden, den Sieger ei'schöpfenden Gueiilias- 
Kri^ aufgerieben ond erdritcltt werden iiönnle. 

Der Türke aii$ Sultan Seum*s Zelt ist der Eroberet* des 
Landes und als solcher zerstreut über dasselbe. Weniger 
als Bürger oder Bauer auftretend, ist er eÄ vielmehr, 
der ausschliesslich die höchsten Stellen des Staates als 
Militär und Beamter bekleidet. Aus verschiedenen Zweigen 
der türkischen Nation abstammend, durcli mehr als ein Jahr- 
tausend in innigster Berührung mit dem Araber, durch Jahr- 
hunderte langfortgesezten Kampf HeiT des Landes und in lezter 
Zeit durch Clvilisation par force in Pantalons und Gehrock 
gesteckt, ist eigentlich sein früherer Charakter verschwunden, 
und die Zeit des sarazenischen Ritterthums liegt sehr weit 
hinter ihm. Er ist nicht bedeutend durch seine Masse, son- 
dern durch die Stellung, die ilim einst das Glück dier Waffen 
verschaffte und in der man ihn nui; mit Mühe bisher auf- 
recht erhielt. Wo sich seine Nationalität, ohnehin grössten- 
tlieils "in seinem Glauhen begründet, noch erhielt, gleicht er 
dem Turkomanen, der den Pfiug für das Wanderleben ein- 
tauschte, und zeigt keine besondere Individualität. Wie bei 
diesem ist der edle Stoff, der in ihm von vornherein liegt, 
keineswegs verschwunden; es ist aber bei dem unberech- 
heten Haschen nach Formen, bei der unüberlegten Zerstö- 
rung seiner religiösen Impulse, seiner heiligsten Erinnerungen, 
ohne ihm Besseres zu geben, zu befürchten, dass es geschieht, 
lind zwar um so eher, je mehr man bemüht ist, sich in Ei- 
trcmen zu bewegen und zwischen einer bei den Haaren heiHbei- 
gezogenen Clvilisation und einem barbarischen Kopfab- 
schneidersysteme keinen Mittelweg einschlägt. 

Eine zweite, ganz selbstständig und in eigenthümticher 
Individnalität auftretenide Nation sind die Kurden, Sie 
ataipmen aus dem. benachbarten Kurdistan und theilen sich, 
wie die Turkomanen, in nomadisirende Kurden und in an- 
sässige, Sie sind das geschichtlich nachweisbare älteste 



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66) 

Volk, Welehes das GeUrgslaod swiacken Annealen iiii4 Peniefi 
von ]AeT bewolmte und oeiRe Stretfznge in die Macbbaü^ 
läader auadelmte; Wir fiifden aie bereits in dem Chäidäer 
Bgrosos, in dem Armenier Mariaba, in Strabo, XaiAoPROff 
etc« erw&lmt. Ihrer Beltgion nach gehört der gröaste Thelt 
dar Karden zur mohammedanischen Sekte der Verehrer des 
Ali, der geringere Theil sind nestorianische Christen, die 
den. beiden Patriarchen zuK«djanissi und Roban Ormes unter- 
stehen, deren Würde vom Onkel auf den Neffen erblich ist 
Erstere haben als Allsten viel des Unbequemen abgelegt, 
was der eigentliche, reine Mohammedauismus mit sich bringt; 
sie. nehmen es z. B. mit dem Besuche der Moscheen und 
de^ vorgescbriebenen Gebeten gar nicht genau , sie fasten 
nicht, pilgern nicht nach Mekka etc.* Man schäzt die. Stärke 
der knxdisehen Nation gegenwärtig auf 3 Millionen Seelen^ 
worunter ungefähr 100,000 nestorianische Christen seyn 
mögen« Die nomadisirenden Kurden sowohl, wie die aiv- 
sässigen, sind in ihrem b&rgerliehen Verbände unter sich sehr 
den Tmrkomanen älmlich. Erstere, deren Horden in den 
Ebenen am Taurus und auf denen des uördlicken Syriens 
bis gegen l)amaskus sti*eifen, haben ihre Häuptlinge gans 
nach der Art der wandernden Turkomauen« Die. Wander^ 
2üge der Kurden erstrecken sich, früher besonders, in die 
Ebeaea .am Dschihun, und zwischen Siss, Anazarba, Mesais 
und Adana sollen sie ^ur Zeit der Besitznahme des Landes 
dui:ch iBRAHiM^Pascha in ganzen Regimentern erschienen seyn 
und das Land höchst unsicher gemacht haben, bis sie 
sein kräftiger Arm in ihre Berge zurückjagte. Die ansäs- 
sigen* Kurden hai>en hinsichtlich ihrer Verfassung das Feudal- 
system der. ansässigen Turkomanen und wohnen, in Dörfern 
und Städten, mitunter von bedeutender Ausdehnung. Die 
krie^rische Stellung , in der sie sich von jeher befanden, 
bedingte die Befestigung ihrer Wohnplätze, und ihre Lehens« 
harren, die eigentlich adeligen Familien des Laudes, hausten 
in festen Burgen auf fast unzugänglichen Bergen und Felsen. 
Daher man eine Menge fester Schlösser in zum Theil höchst 
pittoresken Lagen sieht. Im Ganzen unterstehen sie aber 
schon seit langer Zeit der, hohen Pforte, nur. hat ihrf 



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iDftterwefAiiig eoni groiseii Thell nur Bhe wmdmll^ A«a«ii* 
-tMng. «ei Gclegertheii^sleztailCrkg«« derBfoite-«^ dna 
Visekönigfe von Eg^yfiten, i« Jinlir }S38, eiopSrteit siteii die 
Kwdeii; beionders am Kaavann Ihi^b, gegen die Macht der 
Pforte, indem sie sich der vorgesohiieiiehen EeknillnMig 
4iirclNuia af«ht unterwerfen wollten. Ein Tlieil Jes dannrin 
TO« HAViz-Pasdia koamandirten und asm Tanrna Btatbnirlen 
Armeekoiys machte gegen die Karden einen Feidmig in idie 
fiebiiige iron Kurdistan, und die damals, bei ÜAneJPaMIlMi 
Jkefindlichen l^ftnigl. prenasisoben Offiziere begleitelen Aem 
KooimaaArenden. Einehöokat anklebende Sehildenmg^ dieses 
Feldzages lesen wir in dem mehrmals citfrten Werlse: „Briafia 
liber Zustände nad fiegebenheiten lo der Täfkel. Ana 4em 
Jahren 16S5 bia isai^. Berlin 1841, 8. »t etc,«^ w^erans 
«ngleieh die milttärische Bedeatung der fiesten KmrdenachiosBBr 
«ttd des kleinen Krieges, :den jenes Gebirgslaad aUaia an^ 
^sig macht, klar benroi^eht. Die SchensaHehkeitra^ die 
dabei vorüden^ darf man d)6tt tnrkisdwn €liarakter ntolit 
mnascbliesriieb zar Last legen, es waren Handlnngen xobei^ 
gereizter Bfeaachen , wie «aa sie so nieht gar .asltan bmA 
bei goiitteten VSIkem antriftt, wenn Felsea gatilrmt werd^a 
messen, Erbitterung den Menocben eatmenschl and er Jsldi 
in eine Alt Wahnsinn mit Gewalt hineinarbeitet. Diese&uedeii«- 
fcriege sind atdit zu vergleichen mit i^n egjiptiBclian Sldaven^ 
Jagden in Sudan; denn in Kurdistan standen aich fiewaffaate 
f;egeanber, ia Sudan aber Irt ea eine Vertilgung weihileaer 
ülensehen. Die Karden sind ein ausgezeichnet aah3ner 
Heascheuschlag, vorzüglieh die Mäaner^ weniger die Frauen, 
•da ihre Ciesiehtazuge, zu stark und maanlich, jenen Charakter 
aanfter Weiblichkeit nioht an sich tragen ^ der ihrem -Qe^ 
«chiechte solche Zaubermacht entheiltw Krieg und. RaobM 
.da Hauptgeschäft der Kurden, und von frühester Jagend an 
in dea Waffen geübt vaati in Waffen groas geworden, tat 
der Kurde ein vortrefflicher Soldat in seiner Art und Weiae 
Krieg zu fuhren, voll Math und Abhaltung gegen Strapazen 
nHer Art Wie alle Völker, die noch in einem gewisaen 
Naturzastande sich befinden, ist er ajber fuim iKamirfeiip 
gnschlosseaan leihen, wenig:. gcnigimt;deiff.alch.jds:filie4 



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-diiet Wbmt n 4eriEM, 4to rfa wirkt «nd aeliaifl) und aii 
«okhM tm KioiMeaCeKiier tuhi^ so sielwn , Üt ^egeo selM 
Mmtar; «r kennt im Kampfe nur ieine periönliehe Kmft, 
mal Ae «r nicta allein Terlimt ENe Ronieii «lad TertreflUcli 
4i6rttten «od fechten M Pferd mit der Lanse sehr gut« 8fe 
•etreilen aber attch, beaendera in den Gebirgen, bu Fuaa 
und beAenen sidi »asser der Lance mit grosser Gesdüds^ 
liebkeit dea fiiibeia, der Keale aad dea Selüeaagewebni, 
«reich lezterea meiat in Lantenb&chsen besteht Übrigeaa 
teben nieiuioh Steingevrehre, und liesoadeirs sind gnte Waihn 
^er Stein ihrer ffiUiptlinge. Ihre Frauen sind wahre Ana- 
*Eonen; in Waffen genbt und an Muth den Minnem gieicli^ 
nah amn irie gieicb diesen in dem Kriege 1888 Terwegea 
gegen die tirkisehen Truppen kämpfen. Rilterltelie Waffen- 
-inat- paart «idi fest imnmr mit Hang zu Poesie und Gesang, 
te auch l>ei den Kurden. Sie haben ihre eigene Sprache, 
die sich in m^nrnre Dialekte theüt and weder nrft dar araU- 
seilen noch mit der persisdiett Ähnlichkeit liesitasen sott. 
Durch den Umgang mit Türken ist jedoch die tOrhiscIie 
'Sprache bei ilmen allgemein geworden; die sie aber weder 
rein noch widdkilngend reden. Der Znstand der Anarchie^ 
in dem aie fest bestandig leben, die fortwährenden Kampfe 
ihrer Hinpitilttge nnd Lehensbcfren unter sich ^ hat aie la 
gtwiasBi fieaiehttttg demorailstrt Sie üben eWar, wie.alli 
üemaden^Vdlker, die Tugend der Gastfeeandsclmit in hohem 
Gv»de, doch ist im Gänsen ihr Charakter treulos, Verrath 
undliiat ist fhoeu gleichbedeatead mit Klugheit, Mord und 
iliwUust gleichbedeutend mit Krieg und Math. 

Ein hodist interessanter Stamm der knrdisdien Nation 
sind die Jeaidls. Ungef&hr 900,000 Seelen stark und mit 
den Karden dieselbe Sprnehe redend, wohnen sie vorzüglich 
am Stadschar Dagh, am Nordrande Von Mesopotamien. Ihre 
Sitten sind von denen der gewöhnllGben Kurden bedeutend 
tetschieden, den gr^teslen Unterschied aber bildet ihre reli- 
giöse Meinung, durch die sie in den Augen der rechtgläu- 
bigen Mohammedaner ein wahrer Gräuel aind. Da sie selbst 
die Dogmen ihrer Religion so geheim als möglieh bdlen 
msisie mit dem Schleier des tiefeten G«heimniassif bedecken, 



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.H^ Ist .63 mi^nWhj Mm über sie «od Vbmn ^fflüste« 4li 
i^l^ernsteo Fi4>eln tei lIoilaHfe »M $ 4fe su yomiebfiea flidi 
die. Tiirki^ii ^clien aiui Bimss zum Verdienste Mi^eetuuMi. 
(lew^is» aber ist es^ dass sie keine, i'elees 'MebamoMdaMr 
sind,, sondern dass sie gre^tantbeils eine in ihmni Gmad- 
lebrea auf die Meinungen der alton Parflen,. anf die Lduren 
^oes Zproasters etc. surnckfuhrbare Religion beJ^en, die 
sieb später mit dem J^bergiauben der .benachbarten Völker 
und mit dem, der aus eigener Erfindang kam, bereiebmetc 
Die Türken tl^eilen sie in. roehi'ere Sekten und .nntemeheldw: 
iScbamsIs. ji^w Sonneaanbeler, Scheitanis oder. Teufelsan<* 
beter, Katbeiis od^* \Värgei% firstere läsrt man aus den 
Feueranbetern bervorgeben, die i^weiten soUen Verehrer des 
bösen Prinzipes, des Ariman aus dem Zendtavesta,. des Typbea 
der alten Egypter und ohne Zweifel ebenfalls persischer Abr 
leitnng seyn. Der djcbteste, gebeimniasvoilate Scbleier deckt 
die dn^e Sek^e, die yielfeicbt ibrer ganzen Stelbmg nach 
nnd mit einigen AlodSlikatiwen mit den bekannte« Asm»^ 
mnen verwechselt seyn dik*fte. Es ist hier, da die JealAi 
nicht den Tl^ejl des Tavrns bewohnen, von dem i^faier 
aosttchliesslich zu spre^en habe, auch nicht an Ort und 
Stelle, mich weiter damit zu befassen, und ich verweise anf 
einige deif in Betreff dieses Gegenstandes bestehenden Scbiif* 
ten '*' und vfßrde bei Syrien wieder auf sie zurücfckemoien. 

Was Industrie betrifft, stehen die Kurden den Tntks^ 
n^anen so z^iiMich gleich. Ihr Handel erstreckt sieh, abgi^ 
rechnet einige orientalische Natur-Produkte, vorzüglich aal 
den Verkauf ihres Viehes, der nicht uobetra^lieb ist, indem 
panches Jahr aus Kurdistan allein über eine AfilUo» Schi^e 
nach Konstaiitinopel transportirt wurden. An Knnstarzeng** 
»issen sehen wir bei Ihnen grosstentheils nur die. zu ihrem 
eigenen Bedarfe erzeugten Wollen- und Seidenzeuge, be» 
sonders erstere. ; 

Eine dritte, am clliclschen Taurus auftretende Nation 

* B. V. Hammer: Geschichte der Assassinen. Stuttgart 1818. 
Rousseau: Memoires sur les Ismaelis et Nosairis de Syrie. * 

Baphstin VovsöVLAt : Voyagc da«« TAsie mineur ctc 1^0 oben*. ■ ' * 
F* Fs9iBS:.lis£l)mftsoi«i je gimvciKnevfQt ite MsHsnfin-Aunte. mtätm 



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«eiiQii «Bit 4Mi^ 8;i»mii AH^Hbnoie au9 der ayrisehea Wßste 
manoimftal bta In ias' Gebiet de» ebern Suphrftta stoeifeii^ 
steoiiieii die sich ^erfindenden Ai^er ave der nettesten Zeit^ 
haoptsäcMieh ans der Periode der Besetzung dieses Landes 
durdi dKe e^ptische Armee, deren Soldaten wolü den be«* 
d^teadsten Tbeil der am ciKdschen Tannis wohnhafte* 
Arator ansmaeheo^ Dieselben bilden daselbst, wie die ana^ 
toliacben und europüsck^i Türken , keine durch besondere 
Nationalität fnr ^th abg^escliloosene Vottamaase, sondern sie 
«ind mit den- Türken als die Eroberer des Landes darüber 
hin aerstreut and gehören dnrchgehends dem Soldaten«- 
Staude an; denn unter den Clvilbediensteten dürften- fdeh 
nur Kopten, aber keine oder doeh nur sehr weni^ Afaber 
befinden. 

Wichtiger hing^egen für unser Terrain als Nation sind 
die Arwienier. Sie bewohnen als ältestes Volk ihr Stamm- 
land Afmea}en, und haben sich durch Jahrtausende im Kamfdh 
mit Barbarei und Unwissenheit, im Drange blutiger Kriege, als 
gesittet Volk erhalten. Türken und Araber gingen von dem 
6lanä(punkte,.auf den rie Waffenmhm und Wissenschaft er- 
hoben, mit Riesenschritten zurück, die Armenier blieben, wenn 
auch unteijockt, geistig hodi gestellt 2u allen ihren (Hientar 
lisdienJi^aehbarn, und sind, was tieiates-Kultur betrifft, nnatrel«- 
tlg das gegenwärtig ausgezeichnetate Volk des Orientes. Lange 
R^gionsstreitigkeiten über Dogtoen, die als reine Glaubens- 
Artikd sieh jeder Forschung' des aum Wissen streb^iden 
Geistes entaieheo, Stteite, dfe nie am einem entseliledenea 
Kesttltate fahren , wdl sie rein subjektiv sind , Kriege mit 
dea Nachbarn und unter rtch, durch Jahrhunderte daulBrn^ 
der Druck roher Völker, selbst ihre Stellung^ als händet* 
treibendes Volk, zerstreut über einen, bedeutenden Strich 
der Erde, haben sie in einem Grade listig und versdimizt 
gemsjcht, daas dieser hervortretende Charakter, selbst den 
Griechen gegenüber, fast sprichwörtlich geworden ist Hin- 
gegen tritt in Ihrer ganzen Lebensweise ein gewisser ao- 
geb<nraei: Anstand, eine nidit. ^u verkennende Humanitaf^ 
Sim fiivJQlrdiiMngjiiid Refatlicbkeit gana entachledea hmrvor^ 



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071 

«üd mmA taf Mf, im wAnkt Ovtancliieto TMdit nxtUBkai 
mih&mmkwitj ariMiiiflBlie, grietUscke wmI md km t läitiBlRhe 
JUMw im Oviflntos teaneheiu Die AroMnier Mäm mni 
MMteUktBibte «igie«e>B{ir4die, TOnivomhefeifii eim UrapftiAe, 
te naaefer Zeit biiigegien sehr geiMiigt mit der türktedieii, 
«■kUsdiea mni fmalHckea Sfuradie. SKb sindl dBUctaii» 
IHitlitoa, nnd 9war ihefletf aie aleli in kaflidliBciMi «»4 aia- 
4inii8clM*eder nicht vnirte Armenier^ v#d lier Z^ der dintM- 
rfoKiMlLea Kirelieaversaniiiilnng im Jalir tftM. Dte nicM 
«nirteii ArmeDier fliad bei weil^Mi der zailirtieiiew Tbeil 
«nd nhtentfeben eig^enen, vem Papate g^ane unaiibättglgen 
JBstiii^ndien, denen ang^caelienstCT im KlMter fitseluaiaaia 
M Eiira» reridirt. Am eüiciadien TMras iat ▼draftgadi 
darlliatriltt wn Sias, wo ebenftdia im durttgMmMter einer 
ihrer angeaebensten Pätriarcben aich befindet, nnd zum TbeH 
iHiah 4er IHstril^t iron Kaaaan Ogln, tob Armenleni keivohiit, 
4te. vorherraeheod mit der BcbiMWH^ dea Landea steh be» 
abbiftigen niid ven deeMahammedanern aehrg^eoelitet werde«. 
lUnfrfebllLeb ibrer boi^Berttcben Steliimfi^ üntemtebea ate al« 
iUjafl den nnmittelbarea Befehlen der tilrbiadieif Bdh6rdeD| 
mhdd unter der Hervnebirft der Plerle, ala unter di» des 
Via^oniga Ton E^pten, in ihrem Fämliimileben Mngegea 
Ungen nie ganz an den ach&Den, alten, patrinreiiidinehen 
rannen. Die vielen in ihrer Spraebei gedrucktem BAAtr, 
«mniater die Bibel oben ansteht, il»e Kloaterodiitiett nnd 
•iUoaterbiebdm<^erden, Tierbreiten aelbat unter dar goineiaani 
maaae dea Volkes, daa zum groaaen Tiieile leaea mid acbreiben 
iouui, einen gewfasen SinA Toh Bifdmig^, de» man inerigdbens 
HaUbat in manebem Lande Bnröpn'a auchen würde» JB^aonders 
4rilt dieaa in den Bewohnern des eigentUehe» Armeiilemi 
tervar, weniger in den Armeniern am ciH^ehen Tantns, 
Üt dank tnrkiachen Druck tiefer gentettt i^nd. 

Anaaer diesen, viN'herrschiend im tiebiete des Tanma 
Innerhalb der 6ra«zen den Paaebaiikea Adana nnd Hfai«Bcb, 
«nftretfettden Völkern finden aieh daaelbnt noeh eingebnrne 
imTanliaer, Rafaa ven ▼ersebiedenen Kationen nnd Ohmbans* 
inainna^Btt, imren Annniiljedeck eu beacfairaakt iat,^ wm mir 
^1, nnifnpbteitMi. van einer £nt9iMclilniig nnlhalatüidigur 



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B7S 

IfaAoilalilil «predmi za kfinmm So «ebra wit (BriedbM 
ia Täte», Jidhna mri in «liiifrea Dorfeni mm Kmbm l^gH 
s. B/in-MiiHnittma, das fast ffanz TiNi fiiieeiien bewahat ial^ 
iliegroHitollttib Bergan treibttiy Koptea, ah SeU^iben^ 
Recbaotigaf obrer y ak faetotemdcr federfianlen Tiirkeii, aia 
llaiNielsleiilein AdhuiavAd: Tarsus. Jniea ebesfaDs datteihsl» 

fai sehr geringer Anzahl findet/sieh «nd zwar aaaseUfcs»' 
HA in üarrsss, Adbrna und G&Iek der Boropacr, ausser 
ein pamr' Koosalatsa^enten, dftvebRus BeeeMete der Staate» 
verwaltaiig^ mMs FnaBZosen mid ItaKever. 

Zar £ett ab Gfliden, handich das Pasehalik Adaaa» Mt 
einem TilieHe des 'Pamiialikes von 1iai*asek, ab Provlns 
amnittBlbaT der Pfeife nsterstaDd, litt das Volk imler aUcw 
faiUnzohfimnlfchketteb imd J}a«htbeilen, m^ekbe die kimlnlk 
Staffott der Pfovte wd basonderb die der Paseka's In dieil 
Provinzen ]^aoz Iiesond^rs beseiebnen nnd die elinebiB i^ 
f emein iHskamt -sind. Die Boivreniettrfti, ikur dknaif bMadit| 
sieb «s beiheiebern, and au jKesem Zwecke rieh aller MttMl 
bedienend) die sieh ihnen darboten, nnd mit andern Worten 
ganz 4as Sjwtem befolgend, welches die Pforte psgen wlb^ 
selbst beobachtete, kimnerten sich wenig um Anfrediterbak 
toBg der Ovdmng und nm die penteliche Siebet heil det 
ihnen anvertrauten IJnterdianen. Diese Nacblässigk«il und 
Scbwadie der Verwalteng^ in Verbindnag mit dar f ebdehmt 
der Bewohner des TwmiiSy mit dem Feudabynlem end den 
snm Th^ darauf sich gvindendcn Kam|Kfen der TuriuNaane»* 
Haiqiilioge miter sich, die Nabe nnd hänlgen £infiile der 
Ktorden» alle diene Elemtete nnnmmen fikhrten im Lande 
eise ITwdehevheit herbei, die eine fietee von Adana neoh 
Sias zu einem sehr gewagten Unternehmen , eiiie Reiae In 
iHe Gebirge von Kassan Ogln fiut ganz uimiisf&hrbar arnehr 
ten, daher diese Linder, obwohl an den Küsten des Itfittel- 
aieeres hegend, doch so lange Zeit Caat ganz onbelmmit nnd 
wisBenschafldioher Forschung udengaiiglich bBeben. 

ffinsichtHoh der SteUnng des Volkes und respektive dOT 
tsfkomanbchen Lehenstrager zur Verwaltung des Sultans^ 
als obersten Lehenshenrn, svaven eakebiesw^ die Abgaben^ 
ab aobbe^ .'wekte Mmkend antöefaKiBkteo, aondeitt d|«i Alt 



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»74 

ttiid Welse^ "Wie ste erhtiben worden» Dtme liesB tergranxcstf- 
losesten Willkür offene Schranken nni gab tJrsaebe zar 
lautesten Unzofriedenheit Die Abgraben bestanden nur in 
der Grnndsteuei', die von allen Cnterthaoen erhoben wurdö, 
in der Kopfsteuer , der nnr die Rajas unterzogen wurden 
und indirekt in den für Ein- und Ausfuhr einzelner Artikel 
bestimmten Aufla£>en. Weit jedoch übertraf den Betiag 
jener Steoeni der <fer zalillnseu mtd unter den verschieden' 
üten Namen ohne alle Controle u&d in vollendeter Will* 
kürlichkeit aufer legeten Abgaben und Ei^pressuDg'en der 
schmutzigsten Art. Daber die Keihe beständiger Re?olte 
und namenloser Vaxatiüncn. So kam es, dass eigendidi 
das Land vor der Besitznabme dnrck Mehbmed-Ali 18^t 
sich in einem fortwährenden Zustande von Anarchie befand. 
Er und sein tapferer Sohn IßRAHm bi achte» jedoch durcli 
ihr kräftiges und entschiedenes Auftreten die verwori-eneii 
Verhältnisse bald in Ordnung. Die Kurden wurden in tbre 
Berge znr&ckgejagt und ^enöthigt, ihre fortdauernden Besuche 
in den Ebenen von Anazaiba etc. in einem fdedliehens 
Massstabe abzustatten, dieturkomani.schen Häuptlinge wurden 
durch Waffengewalt und durch das warnende Beispiel einiger 
herabgeschlagener Köpfe eines Bessern belehrt und zur Rofae 
verwiesen. Allgemeine Sicherheit herrschte , und z^ur Zelt 
meiner Anwesenheit konnte Jeder af iein das Land in allen Rlctt- 
langen durchreisen. Die militärische Wichtigkeit dieser Gi'äii£- 
provinz erkennend, wandte Ibkäuim alle Mittel au, ihr die häehste 
Bedeutung in jenem Begriffe zu gehen. Es worden die er^ 
wähnten zwei Mtlitärstrassen gebaut, die Festung Gnkk 
Boghis erhob sich rasch, Garntsouen wurden au alle bed«A- 
tenderen Plätze verthetlt, mehrere tausend Meoschen faodrn 
durch |ene Arbeiten^ durch den Betneb des Bergbanesi, d^r 
Theerschwälereien und anderer Dntei-nehmuivgen diesaf Alt 
Ihren Unterhalt, und durch die Entwickiungjeuer milttariitf ^f 
Kraft erhielt das Land nicht nur nach Aussen cfnei 
Stellung, sondern es garanttrte sich dadurch^'-*' 
jind Sicherheit im Innern. Ungeachtet 
stellenden Mittel versäumte jedncHr"^ 
kSnigs nieht^ die Bewohner des Tai' 



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•79 

sn bdA a ddri ^ mfe-'nu» ert in den änAtn Am to|i$r^tok6ideii 
Ländern za sehen nicht gewohnt war* Die mächtigpen Tarko^ 
maöen-Hauptiinge, die sich der Sache des Vizekönigs ange^ 
schlössen hatten, wurden unangefochten in ihren Besitzungen 
vnd Rechten belassen, sie blieben die Lehensherren, wie 
früher auf ihren festen Burgen, das Mittelorgan zwiseheir 
dem Volke und dem Vizekönige. Doch fand man es für 
gut, iu mehrere Plätze ilirer Distrikte, meist befestigt acho» 
durch ihre natiiriiche Lage, Besatzungen zu legen, z* B«. 
Beilen, SIss etc., die, stets sie beobachtend, jeden Augenblick 
bereit waren, im Herzen ihres eigenen Landes geg;en sie 
zu agiren, so wie es die Umstände erfordern wiirden. Auf 
diese Weise hielt er die Mächtigen des Volkes bestandig. 
in Schach, gewann sie durch Auszeichnungen, durch Beweise 
seiner Gnade persönlich für sich nnd baute sich auf dieaeL 
Weise einen moralischen Damm gegen das stete Andringeo: 
der Pforte. 

Wie richtig auch IsRAmM-Paseha das Volk am Tauni» 
betirtheille , bewies mir eine interessante Äusserung, die er 
mir in Autiochia. machte, als ich mich von ihm. trennte, nm 
niich eben an den Taurus zu begeben, er sagte nämlich: 
»(iebeh Sie Acht In Behandlung der Leute zu Gälek, mit deae^ 
sie nothwendigerWeise in Berührung kommen müssen« -Es 
ist schwer, mit ihnen umzugehen, sie sind leicht zum Auf- 
stände gebracht, und Ruhe ist dort sehr wichtig.« Die grossen* 
Auslagen der egyptischen Verwaltungforderten eine Erhöhung 
der Abgaben. Diese fand statt und doch war znr Zeit meiner 
Anwesenheit ein gewisser Wohlstand am Taurus nicht Ztt 
verkennen, der vorzügKcb durch die Aufhebung der von dem 
Pasclia und seinen Beamten ausgehenden willkürlichen Besten«, 
rongen nnd Erpressungen begünstigt wurde^ wozu wohl daa 
Meiste die edle Persönlichkeit des AcHMED-Pascha-MzNiKu, des 
Gonvertieurs von Adana, beitrug: einer der vorzügiichstea 
Of6ziere des Vizekönigs, und einer von den Wenigen, di4 
ihm wahrhaft treu ergeben waren ; denn in dem Geiste der 
cgyptischen Verwaltung war diess gerade nicht gelegen, 
^it wir klar und deutlich sehen, wenn wir einen Blici änfi 
das entsetzliche Elend in Egypten selbst werfen. 



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dm ii> der fimadsleiler,'!» tef KopfäteuerdctriU^ In detf 
Persenftlsteiier, In den Zdtlen und Taxen, ad aniwerdav 
kestaitd d«8 MoBopolfli3pBteiii, tmr nickt in einer nodrackendeir 
Fönn vAiB {« Egypten. iW Volk wan* M diesen Aniag» 
Mfrteden, «riiMmte die Wohleliat d^ {lersftnUehen Stolw- 
Ih^ die in gaoa&en Lande, herrsehte^ wvnsc&te sieb keines- 
tteipi' Unter die Hemcbafi der Pforte* znriick und'üben^« 
MBinPa^a*«: RBchAliekkelt Mrte man. nur cto» Stinmei 

Ükjrlgens sachte doeh die Verwalteng das Abgabtth 
^Btem iminer meiir dem eg^yptisclien anzupassen^ S0 f&lirte 
ÄinH die Beelenening der Netzen bringenden Bäume, z« B, 
tot Ollvdnbätime, ein, ging aber aas: VorslGiil nicht weiter, 
«nd es katm nanetie Eiiirichtnng', die in Egypten bd dem 
SMül Vieh faerabgewürdigten Fellah ohne Seliwierigkeltvor 
sieh ging? bei den Bewohnern des Taurus nie znr Äusfuh- 
mng, z. B. die gänzliche Aofhebung des Grundeigenthums, 
^e EluzidiUHg der^ Moscheen und milden Sllftung»-CKiter, 
nnd Tor attem nie die Rekrutimng 1» dem schreckKclieii' 
llaa^tabe, indem sie in Egypte» stattfiind. 

Die Kopfsteaer der Rajas musste von )eglicheni[ IndiW^ 
#n«m vom 15. Lelvensjahre an gezahlt werden und befrag 
per Kopf 7 bis 9 Piaster oder 42 Bis 54 kr. Konv.^oize. 

Die Pei^sonalstener wurde von Jedem erheben^ wessen 
Dfctttbens er auch immer war. Aneh diese Abgabe werde 
rom 15^ Lebensjahre an entrichtet und betrug per Kopf j&hr^ 
Heb Ton 15 bis zu 500 Piaster, oder von 1 fl« 31^ kr. bis 
5i0^ il. Konv.-Miinze. 

Die Ein- mid Ausfuhr-Zolle wairen am Rigas nul an 
annenisohe Kaiifleute verpachtet. Besondere Rucksiebt wurde 
M Entrichtong dieser Zölle auf' europäische HtedeMente 
•ad enrDpUsehe Schiflb genommei^ Sie bezahlten Kar alle 
ins Tarife aufgenommenen Waaren von 1 bis 1,5 J, voO' 
Aeaen nicht im Tairife aufjge»ommenen 3^; dfe infändiacben 
Kanfleate hingegen nuisstett 4^ finr alle Airtikel äaCriehten. 
^elfsbe Händais vortheQe kammi TcarzugÜefa den Konsvfa» 
ind Konsulat»' Agenten zu, dafamr a»eh die häuigen Bewer-' 
bungen um selche Stellen, odbst wenn sie nicfal bezahlt 



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uMmt. Am tat BaMelM ^OTfiOUte fn4 «N^dtate «^ 
EnlsiAtvi^ ciaer Art Veraehmgootennr atelt, die aidi ▼op« 
luglkii aber mr anf Tbfeve Ijeadidnkte ; m zaliUe auw fM 
OdisMiabis^l Piaster Oft* 18kr.M8«fl.6 kr.Krair^Msa.)| 
warea de ahar ^mi Sobkacbim baatimait, M bia 9a Piaatof 
ader • bia 1 fl. Kainr.-'llae^ etc. So ffarea aiicfa aii£Üiniiehq 
WctaB bete iaiaadisoben Traiiaporte aile GtenalteD, BrcMN 
iMteriaUea, Fatüer liir Tbiere ele* elacr eigawea Abgabat 
an daa Baarieiea der Siadteaaterworfieii^ «arfjiar die HavoNr 
fktt waren für ibreo Hausbedarf daron befreit» 

Wäre Ciliden als eine für sich besteheod« und nfch^ 
mit Syrten vereinte Provfuz nacb dem System regiert worden^ 
das der schlaue Vizekönig den kriegerischen Bergbewohnertf 
g^egenfiber daselbst beobachtete, ich glaube kaum, diuto die; 
Bevölkerung dieses Landes geneigt gewesen wäre, sich def. 
Herrschaft des Vizekönigs zu entziehen; aber so wurde es^- 
als politisch zu Syrien gehörend, in dem Strudel der Ereig- 
nisse fortgerissen, die In lezter Zeit aber dieses Land er- 
gingen. Syrten, das unglückliche Land, demoralisirt durclr 
türkischen 6ruck und verarmt durch das Aussaugesylstem 
seiner Pascha's, war seit dem Jahre 18S1 der Schauplatz' 
förtdaaernder Revolutionen und Kriege, das Opfer Ihrer ver- 
heerenden Einwirkungen^ Bewohnt von vielen unter sich 
ganz verschiedenen, entfli^mmt durch Fanatismus und /remdef 
£inflfisterungen einander feindlich gegenüberstehender Vol- 
lem, war es eine wahre l^ndgnibe für unselige B&rger« 
kriege, welche die Pforte so wenig als die egyptische Ver- 
waltung radikal zu enden bemüht waren, welche sie viielmeht 
beirazteuj um eine Partei durdh die andere fn Schlich zur 
hahen. ErmutMgt durch diese Differenzen, durch die da« 
Land In einen Zustand von Schwäche verfiel, d^r schotf 
etwas mehr wagen Hess, kam es, dass das System der' 
ägyptischen Verwaltung sich in Syrien weit egyptlscher aüs^ 
sprach) als es am Taurus der Fall war. Die Eintreibung 
Aer Abgaben vonr etoem schon von vorne hereiti veirarmtea 
Volke geschah schonungsloa^ mit Bfärte und* 1ViU1|Lfir,. voi; 
Allem aber war ea das verhasate R^rutirungsaystemi votf 



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tSTB 

Atm vi&t Taürufc eleafiilb .verachoiit bUafes wcicheb la^itar 
iHe 'Geiitiither entflammte, jene erneuerten blutigen Riäge 
In Huran, Hebi*ony am Libanon etc. hervorrief, glühenden 
Haas gegen die egyptis^fae Regie=rung in dde. Herten der 
Bergbewohner brachte, der endlich bei dem mächtigen Im- 
pillae von Anasen , nach der. Schlacht von Mi^ib , immer 
mehr anwuchs, bis* der Aufruhr In voUe Flammen aiiabrach 
hihI Syrien und roitihmCiHcien dem Vizekonlge 1841 ehtiiaten 
wurdii, auf welche firdgniaae wir bei Syrien znrackkommen 
werden. 

Dater der A-egide der Innern Ruhe und des Innern Frie- 
dens, dessen sich Cilicien durch wenige Jahre unter der, 
Herrschaft Mehkmed-Ali*s zu eifreuen hatte, geschahen zwar, 
ausser Baumwollen-Kultureu , keine Unternehmungen von 
besonders lan^wirthschaftlichem oder industriellem Werthe, 
jedoch blühte das Land im Gegenhalt des frühern anarchi- 
flehen Zustandes empor und der, der gerade ans Egyptea 
kam und Zeuge des dortigen, bis zum höchsten Grade 
gesteigerten £lendes gewesen war, konnte sich eines gewis- 
sen Wonnegefühls nicht enthalten, den schönen, wohlgenähr- 
ten, turkomanischeu Bauer in glänzenden Waffen inmitten 
seiner wogenden Kornfelder zu sehen. Da der grösste 
Theil.von Cilicien Gebirgsland oder Weideebene ist, so ist 
auch Viehzucht die vorherrschende Erwerbsquelle des dor- 
tigen Volkes. Unzählige Mengen der schönsteh Rinder, 
Pferde Scliafe und Ziegen weiden im Sommer auf den 
herrlichen Alpen des Taurns, im Winter auf den weiten 
Ebenen und geben den Bewohnern nicht nur die Jiöthige 
Kahrung, sondern bilden auch einen beträchtlichen «Handels- 
Artikel, Der Feldbau lieferte höchstens den Bedarf des 
Landes, besonders in der Zeit, als eine beträchtliche Tmppen- 
2ahl in Giilek, Adana etc« stationirt war. Von industriellen 
Cntemehmungen, mit Ausnahme der Eisenproduktion und der 
Erzeugung von Wollen-, Baumwollen- und Seidenzeugen 
konnte ich nichts in Erfahrung bringen. Auch der Handel, 
grösstentheils in den Händen levantinischer Kaufleute, war 
bescbränkt auf Friichte, Oel, Tabak, Honig und oben erwähnte 



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6T9 

Ktinsferaeu^nisse, von dijnen aber ein grosser Tiiefl, und 
nAmentlicIi auch die Produktion an Baumwolle in neuerer 
Zeit, als Monopol betrachtet wurden. 

Vorzuglich waren es egyptische und griechische Han- 
delsscinffe, welche auf der Rhede von Tarsus bei Kasanlie 
erschienen, selten sah man daselbst die östreichische Flagge 
und noch seltener Schiffe andrer europäischer Nationen. Sie 
brachten für die Landesprodukte Manufnktur-Erzengnisse, 
Wein, WafFeii und verschiedene europäische Industrieerzeug- 
nisse. Im Ganzen jedoch war die Schiflfahrt sehr beschränkt 
und die Rhede meist leer und öde, da Tarsus so wie Ad<ana, 
als Hauptstädte der Provinz, zwar für den inländischen 
Handel Bedeutung haben, Im Betreif des Welthandels aber 
eigentlich ausser seinem Bereiche liegen. So geht der inr 
dische und persische Waai'enzug theils über Damaskus oder 
ijber Aleppo und Antiochia ans Mittelmeer, theils weiter östlich 
durch Armenien nach Trapezunt ans schwarze Meer, selten 
dass eine aus Syrien nach Konstantinopel über Konja gehende 
Karavane Adana oder Tarsus berührt, noch seltener, dass 
persische Karavanen sich nach Cilicien verlieren. Der Cyd- 
nus, Seihün und Dschihün könnten, und zwar mit nicht so 
sehr bedeutenden Kosten, wenigstens flössbar gemacht wer- 
den, wodut*ch dem Lande ein ausserordentlicher Vortheil in 
der Weise zuginge, dass die schönen Wälder in den Taurus- 
Thälem benutzbar und ihr Holz bringbar gemacht würde, 
während es gegenwärtig als todtliegendes Kapital verfault, 
indem die Holzgewinnung sich auf die die Buclit von Skan- 
derun zunächst umgebenden Wälder beschränkt, die andrer*- 
seits durch die Art und Weise, wie man sie in Anspruch 
nimmt, sichtbar leiden. Solche Ansichten liegen jedoch nicht 
in dem Geiste weder einer türkischen noch einer egyptischen 
Verwaltung, sie verwechseln stets Benützen und Verwüste- 
und wo die Idee von Staat und Nation, die Idee ein/ 
maneu Stellung des Landesherrn zum Unterthan ' 
mangelt, da kann auch von der Idee einer Seh 
Staatseigenthum zur Wohlfahrt künftiger Gesc^ 
Rede seyn; denn es ist rein nur eine Wir* 
genblickes. 

Ritsft£8SCR, Reihen , 1. Bd. 2. Till. 44 * 



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«80 

Eine zweite, der Lage dea Landes, seinen sieb darbti^ 
tenden Kommunikations - Mitteln nnd seinem wenigsteas 
tbeil weise betrachtliehen Waldstande zufolge, bedeutende 
Erwerbsquelle wäre für den Taurus unstreitig der BergiMUL 
Die Gebirge von Kassait Oglu und die bei Szamszadfanr 
enthalten eine Menge mächtiger Lagerstatten des herrlichstei 
Eisensteins, zum Theil in der Nähe bedeutender Waldungei, 
zum Theil sogar in der Nähe des flössbaren Selfaün gelegea. 
Die Berge des Bulgur Dagh und des Baghir Dagh fuhrci 
Bleierze, und längs dem ganzen südlichen Abhänge des Tan- 
ms zieht sich eine braunkoblenfiibrende Tertiär-Formation 
hin, in der man das Vorkommen dieses Brennstoffes be- 
reits an zwei Punkten, zu Thor Oglu und Gedikle , nach- 
gewiesen hat. 

Beim Bergbau, als industrielles Unternehmen betrachtet, 
stellen sich zwei Haupt-Momente als conditio sine qua oon 
seines Gelingens hervor, nämlich Ausdauer in einem ratiooell- 
dorchdachten und rationell begonnenen Platte und eine an- 
unterbrochene Stetigkeit seiner Subsidien; beide jedoch un- 
bekannte Grössen fiir Verwaltungs-Systeme, wie das türki- 
sche und egyptische sind. In sofeme es aber unter solchen 
Drucke möglich war, hatten doch schon seit alten Zeiten 
Private, besonders Griechen, an verschiedenen Punkten den 
Taurus in Kleinasien, wie wir bereits gesehen haben, ihr 
Glück in Bergbau-Unternehmungen versucht und zum Thal 
licht ohne Erfolg. 

So gaben laut Ainsworths Nachrichten vom Jahre ISZi 
md 1837 die Gruben von Maden Gomiisch und Kapan Maden 
jährlich 19.50 Zentner Blei mit 10 Zentner Silber. Die 
Bleiglänze waren früher daselbst silberreicher. 

Die Gruben zu Maden Kapur bei Arganä lieferten ans 
't4k im Betriebe stehenden Stollen jährlich 22,500 englische 
Zentiter Kupfererze. Die Feinkupferarbeit allein gescbab 
mit einem Metall -Verluste von 2.5 bis 35^, so dass aus 
dem Roh - Metall * kaum 1 £ Feinkopfer ausgebracht wurde. 

Über den Betrieb der Eisenstein- und Blei-Gmben im 

* SoUte doch wo^l wahrscheinlich y^Erz'* heissen. 

\ 



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f Ü Mf l i w Tmntm bftbe Idi bereits In Detail genprerbeiiy 
mJ SM 4tm fJasse« geht herror, ilaas «Mtreltif ei« eelir 
ktficMidMr MiMral-ReidiUHin in Sdioaew lies Tavnn 
nM, aber aach aaeh laage rahea wM, bis es elaer erleach* 
tetea Regferaaf geüagaa 4irfte, Jareh Bef5r4 er aay Toa 
Prifst-Daliiaebnaagea, Jarcb krifügea Schals mmi Oaler* 
iWMai^ derseibea 4ea Sehali sa nh e bea , toi dHa Natar 
toelbef ale4erfele|{t hat. 



44* 

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Achter AbscliiiUt. 

Reisen in Mittel-Syrien und Rückreise nach Egypten. 



1) Reise Ton Belmt sa den SteinkoMen-lHIiieit auf dem 
lilliAiioii und von dort nach Baalbeck« 

Auf unserer Rückreise von Karamanien waren wir am 
8. Oktober 1836 wieder in Beirut eingetroffen. Nachdem 
die gewöhnlichen Rückfragen an unsere Korvette des Ge- 
sundheitspasses wegen von der Sanitäts-Behörde gemacht 
worden waren und die Antwort befriedigend ausfiel, schifiteii 
wir uns sogleich aus und nahmen unser Quartier wieder bei 
unserm freundliehen Signore Battista, der sich unterdessen 
ein grösseres Lokal erwirthschaftet hatte, das wirklich 
nebst einem sehr guten und sehr billigen Tische alle Bequem- 
lichkeiten darbot, die man von einer orientalischen Stadt 
nur fordern konnte. Kaum waren wir ans Land gestiegen, 
so erhielten wir auch schon Nachricht, dass sich in einigen 
der benachbarten Libanon-Dörfer Pestfalle ergeben hatten. 
Da die Absperre der Stadt gegen die benachbarten und so 
stark compromittirten Bergbewohner nicht sehr sorgfältig 
gehandhabt wurde, so wird das Lächerliche der strengen 
Handhabung der Sanitäts- Vorschriften gegen auswärtige 
Schiffe, die ans Ländern kommen, wo keine Pest ist, zum 
neuen Beweise, dass man nicht recht wusste, was mau 



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683 

wollte. Äof g;enaiiere Nachfrage, wie es sich denn etgent- 
licfi mit diesen PestßLIIen verhalte, erfuhren wir, dass die 
Gefahr bereits vorüber sey und man seit längerer Zeit von 
keinem Falle wisse, und wir beschlossen daher auch, unsere 
Reise über Baalbeck nach Damaskus so bald als möglich 
anzutreten. Diese Absicht jedoch wurde in ihrer Ausführung 
noch um ein paar Tage, nur diessmal auf eine sehr ange- 
nehme Weise, vei-zogert. Es war nämlich der grösste Theil 
meiner Instrumente aus Alexandria angekommen und ihre 
Auspackung, Adjustirung, die Verglelchung der Barometer 
und Thermometer, die übrigens auf das Genaueste kon*e- 
spondirten, nahm unsere ganze Thätigkeit in Anspruch. 
Von allen diesen Instrumenten^, deren ich in der Einleitnng 
zu diesem Bande im Detail erwähnte, waren auf der weiten 
Reise von Wien über Alexandria nach Beirut nur zwei 
Stücke, nämlich ein gewöhnlicher Taschenthermometer und 
ein Thermometer zum Höhenmessen, zerbrochen, alle andern 
waren im besten Zustande angekommen, und ich begann am 
10. Oktober^ 1836 die Reihe umständlicher Beobachtungen 
über Luftdruck, Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftelek* 
trizität, Winde etc., die ich bis zum 15. Januar 1839, an 
welchem Tage Ich sie in Beirut, wo ich sie begonnen hatte, 
beschloss, ununterbrochen fortsezte, und zwar sehr häufig, 
wenn ein längerer Aufenthalt an Ort und Stelle es erlaubte^ 
von Stunde zu Stunde durch Tag und Nacht. Durch wie- 
derholte und genau korrespondirende Barometerbeobach* 
tungen bestimmte ich, so genau als es diese Methode mög* 
lieh macht, die Höhe meines Zimmers in der Lokanda des 
Battista, wo meine Instrumente aufgestellt waren, über dem 
Meere und fand sie im Durchschnitte gleich 60 Paiiser Fuss. 
An dieses Ergebniss schliessen sich die folgenden Beobach« 
tungen in Mittel-Syrien an, da fernerhin mir korrespondirende 
Beobachtungen an der Meeresküste Syriens nicht mehr zu 
Gebote standen. 

Yon Beirut aus schrieb ich an Ibrahim -Pascha, der sich 
damals in Tripolis aufhielt^ theilte ihm meine Absicht, mich 
sogleich zu den Steinkohlengruben auf den Libanon zu bei- 
geben , mit, und trat am 12. Oktober meine Reise dahin an. 



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«84 

Der Uinstaiid, dass der Ciouvemear mir statt den Ter- 
laugten Reitpferden Maulesel schickte, ich jedoch diese 
Thiere, vrenn auch viel sicheren Schrittes, ihrer unaussteh- 
lichen Bosheit halber nicht leiden konnte und auf der Ver- 
abfolgiing von Pferden bestand, die Ich denn auch erhielt, 
verzögerte den Aufbruch unserer Karavane bto Nachniittags. 
Meine Gesellsiihaft bestand In meinem Ädju/ikten, den Herren 
Dr. Vkit, KoTscui und AcHMED-Kaptan, dem Arbeiter Monrsca, 
meinem Bedienten Karl und dem Diener Ibrahim, als Lager- 
wächter und Spassmacher liefen die beiden grossen Hunde 
Kaplan und Ahsslan mit, die wir von Gülek aus mitgenom* 
men hatten. 

Wir ritten von Beirut aus längs der Kaste gerade den 
Libanon zu. Unser Weg fiihrte uns anfanglich zwischen 
den schönen Gärten und Pflanzungen hin, die sich längs 
dem Demetrius-Berge und über die Küstenebene fast bis zun 
Gehänge des Gebirges hinziehen und eine Menge allerliebster 
Landhäuschen umgeben. Wir passirten die einst schön ge- 
wesene, nun fast in Rainen liegende Brücke übe( den Nacher 
el Beirut und kamen im Momente des Sonnenunterganges 
am Fusse des Libanon an. 

Wir litten den steilen Felsenpfad am Gehänge des 
Sannin hinauf. Beirut lag wie ein schöner Garten in einer 
zauberhaften Abendbeleuchtung zu unsern Füssen. Von den 
vielen vor Anker liegenden Schiffen, unter denen wir unsere 
auf unsere Rückkehr wartende Korvette deutlich ausnahmen, 
lief gerade ein Dreimaster mit seinen vollen weissen Segeh 
aus, vor sich die strahlende Sonnenscheibe, die sich Ins 
Meer senkte, hinter sich einen langen Lichtstreif, der immer 
länger Mtkd länger wurde. Das Bild war in einem ungemein 
lebendigen Tone gegeben und über das Ganze ergoss sich 
die Farbenpracht eines Lichtes, das in einem solchen Maas- 
stabe nur der wai*me Süden kennt. Zur Rechten hatten wir 
das weite, unbegränzte Meer, zur Linken das in Terrassen 
sich erhebende Gehänge des Gebirges, besezt mit Maulbeer- 
Pflanzungen und Weing^ärten, zwischen welchen sich in der 
ganzen Ausdehnung des Libanon, so weit man ihn von Beirat 
aus übersieht, eine Menge Klöster, Kirchen und Dörfer der 



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«85 

Maronilen erheben. Wir ivaren still In den hehren Anblick 
versunken, als der Ton der Glocken, die zum Äbendg;ebete 
in den Klöstern geläutet wurden, über Berg und Thal hin- 
schwebte und warm zu unsera Herzen drang. Der lange 
entbehrte, von Kindheit an gewohnte Klang, der uns Chri- 
sten im Geiste des Friedens und der Eintracht zum Gebete 
ruft, ergriif uns in dieser berrlichen Natur in einer Weise, 
die sich nicht schildern lässt. 

Der Mond war aufgegangen, und wir hatten die Höhe 
eiiies kleinen Thals erreicht. Wir waren von wilden, kahlen 
Felsen umgeben; mühsam war dem steinigen Terrain, das 
unserm Karste nicht unähnlich war, durch Kultur Fleck fiir 
Fleck abgerungen, und gigantisch stiegen im täuschenden 
Mondenlichte die Gipfel des Sannin und Kennise vor uns 
empor. Es war bereits tief in der Nacht, als wir im Ma* 
roniten-Dorfe Dschuähr anlangten. Die lezte Strecke des 
Weges war für unsere Pferde sehr beschwerlich gewesen; 
denn wir mussteu über die gemauerten Garten-Teri-assen 
des Dorfes sehr steil hinan reiten, bis wir auf einer dersel- 
ben zwischen Maulbeerbäumen ein Plätzchen fanden, um 
unser Nachtlager aufzuschlagen. Die freundlichen Einwoh* 
ner erschienen sogleich, brachten uns eine (Menge der köst- 
lichsten Trauben uqd schlickten sich auch dazu an, den Rest 
der Nacht mit uns durchzuplaudem, woran sie jedoch durch 
Ufisere schläfrigen Gesichter gehindert wurden. 

Die Nacht war auf der Meereshöhe von '2060 Pariser 
Fttss, in welcher Dschuähr liegt, empfindlich kalt, und qfir 
waren froh, als der Alorgen anbrach. Die Gegend um das 
Dorf, so wie überhaupt alle höher liegenden Gegenden des 
Libanon, hat einen öden, unserm Karste, wie schon gesagt, 
nicht unähnlichen Änsti*ich« Die Berge sind kahl, wie abge- 
brannt, mehr steinig als felsig. Der Charakter des höhern Liba* 
faon wird dadurch ganz eigenthümlich einförmig, er ist von 
dem des Taurus sehr nnd noch mehr von dem der Alpen 
verschieden. IMe Berge sind gerundet und in Ihren Formen 
alle einander ähnlich. Mit Ausnahme des Dschebel Makmel 
bciTrlpoHs sieht man keine scharfen Homer und Spitzen, 
sondern nur langgezogene Rücken. Nur die Thäler, welche 



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68G 

iininittölliar zur Küste führen, haben wildpittoreske Felspar- 
tien lind sind tief und enge, die höher liegenden Thäler 
sind hinsichtlich ihrer Ausdehnung unbedeutend und einför- 
mig, wie die Berge, welche sie einschliessen, Thäler von 
grosi^er Ausdehnung in Länge und Breite fehlen ganz. Die 
Dörfer der Maroniten und Drusen sind an den Gehängen 
und auf den Höhen der Berge ringsherum zerstreut* Die 
Häuser und Kirchen, mit Ausnahme der Burgen der Emire 
ilieser Bergvölker und der mitunter sehr bedeutenden Klö- 
ster, sind klein und, wie diese, durchaus aus bebauenen Oua- 
dersteinen mit Pfeilern und Terrassen roh, |tber solid, auf- 
geführt. Die kleinern Kirchen, Filiale der grössern Klöster, 
sind meist mit flachen Dächern versehen, auf denen sich ein 
kleines Thürmchen erhebt, \vas offen ist und in dessen Mitte 
die Glocke hängt. Den Felsen ist jedes nur im mindesten 
hiezu geeignete Plätzchen zur Kultur abgezwungen, welche 
sich auf die Anpflanzung von Maulbeerbäumen, Feigenbäu- 
men und Weinreben, die alle hier trefflich gedeihen, be- 
schränkt. Hie und da sieht man aa den Gehängen der 
Thäler kleine und isolirte, oft nur aus wenigen Bäumen 
bestehende Wäldchen von Pinien, die, nebst den Cedern, 
die einzigen Bäume am Libanon sind, w eiche, ohne Kultur ge- 
deihend, als eigentliche Waldbäume auftreten. Die dunkel- 
grauen Klöster, Kirchen und Burgen nehmen sich zwischen 
dem hellen und frischen Grün der Pinien und umgeben von 
den terrassenartig angebrachten Pflanzungen sehr malerisch, 
ahj^r auch ganz eigenthümlich fremdartig aus. 

Wir brachen fri'ih am Morgen des 13. Oktobers in 
Dschuähr auf und ritten durch die Dörfer Bed-miri und 
Isfev und an dem grossen, auf einem hohen Berge liegenden, 
Kloster Mar Ishaya vorüber, nach Soleima, einer der scliön- 
«ten Emirsburgen des Libanon, welche der Familie des Emir 
Beschir gehört. Der Weg von Dschuähr dahin ist über jede 
Vorstellung schlecht, und wir muasten, um von der tiefen 
Schlucht des Nacher * el Soleima, des nördlichen Seiten* 
arms des Nacher el Beirut , nach Soleima oder Selima 
Jiinauf zu kommen, eine ganze Stunde lang über eine steinerne 

* Nacher. syrisch: der Fluss. 



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ß87 

Treppe reiten. Die Stufen waren znm Tiieil förmliche Feb* 
«lassen, deren Erkletterung unseren Pferden nicht wenig 
Mühe machte, und unsere Lastthiere stürzten mehrmals un- 
ter ihren Ladungen zusammen. Auf allen Bergen ringsherum, 
auf den höchsten Rücken derselben wie in den tiefsten 
Schlnchten, liegen kleine Kl^erchen mit ihren Kirchen, 
deren erstere als die Filiale der grössern Klöster , nur von 
einen oder zwei Geistlichen bewohnt werden. 

Der Palast in Soleima, bewohnt von Emir Haidar, einem 
nahen Verwandten des Emir Bkschir, ist ein grosses, statt^. 
liches, im maurischen Geschmacke aufgefülirtes Gebäude, 
mit hohen Bogenfenstern, Thürmen und platten Dächern, 
ein zwar nicht symmetiisches, aber doch dem Auge wohlthu- 
«ndes Ganzes bildend. Als wir den steilen Pfad durch das 
Dorf hinauf ritten, versammelte sich ein grosser Thell der 
Einwohner auf den Dächern ihrer Häuser und auf den Gar- 
tenmauern, um uns Reisende zn sehen. Die mehr als ge-* 
wohnliche Schönheit des Menschenschlags, hier durchaus 
Drusen, war wirklich auffallend. Die Gesichter einzelner 
Mädchen und Frauen, edle Formen mit brennend schwarzen 
Augen, waren so schön, dass sie selbst ihr sonderbarer, 
phantastischer Kopfpntz nicht entstellte. Sie tragen nämlich 
auf dem Scheitel ein bei zwei Fuss langes, häufig aus Sil- 
berblech gearbeitetes und ein wenig nach vorne geneigtes 
Hörn, über das sie einen Schleier werfen, der das Hörn 
und sie mit bedeckt Die Schleier waren diessmal zurück- 
geschlagen und die schönen Besitzerinnen der kolossalen 
Hörner nahmen keinen Anstand, sich mit uns im Momente 
des Vorüberreitens recht freundlich zu unterhalten und em- 
pfii^en unsere in einem entsetzlichen Arabisch angebrach- 
ten Galanteiien mit einer Liebenswürdigkeit, die ein arabi- 
scher Reisender, in dem Maase deutsch redend, wie wir 
das Arabische maltraitirten, in vielen unserer Dörfer vielleicht 
nicht zu rühmen hätte. Nach einer kurzen Ruhe In Soleima 
brachen wir wieder auf und ritten zu den nur ^ Stunde 
entfernten Kohlengruben von Makia ain el Bed, die auf der 
Höhe des Bergrückens von Soleima in einem beckenartigen 
Thale und mitten in einem Pinien- Walde liegen. Das Thal 



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688 

von Makla ain el Bed zieht sieh gerade am Fusse des Ken- 
nise hin und mündet, sich sudlich wendend, in dem TImle 
des südlichen Seitenarms des Nacher el Beirut. Hoch über 
das Thal ragt an seinem nördlichen Ende dhs in einer 
Meereshöhe von 3844 Pariser Fuss liegende Dorf Korneil 
mit seinem schönen Schlosse empor, das eine herrliche Lage 
besizt und ebenfalls der Familie des EmirBeschir angehört*. 
Wir schlugen unser Zelt in der Nähe der Stollen anf. 
Reges Leben herrschte an den Gruben, viele Arbeiter sah 
man beschäftigt, und anf den ersten Blick musste ein berg- 
männisches Auge erkennen, dass hier ein geordneter, mit 
Sachkenntniss und Energie geleiteter Betrieb stattfindet 
Kaum Tvaren Tvir in unserm Zelte zurecht gekommen, so 
erschien der hier kommandirende Kaimakan^ mit seinem 
Rechnungsführer, denen beiden man es wohl ansah, dass sie 
an dem entsprechenden, schönen Ansehen des Etablissements 
keine Schuld tragen. Bald darauf traten auch ein paar liohe 
nordische Gestalten mit blonden Haaren und blauen Augen 
ein. Der eine war der mir später als Freund so werth ge- 
wordene engfische Ingenieur Brattel, der andere Captain*^ 
Richard Hornhill, beide von der egyptischen Verwaltung 
engagirt, um den Betrieb der Steinkohlen-Minen am Libanon 
in technischer Beziehung zu leiten. Wer die Mehrzahl der 
Europäer kennt, die man im Oriente, besonders aber in 
Egypten, findet, der wird es begreifen, wie wohl es thut, 
einmal ein paar biedere, von Sachkenntniss und Sinn für ihr 
Fach durchdrungene Männer zu finden. Das empfand auch 
Ich in der Gesellschaft dieser vortrefflichen Leute, mit de- 
nen wir sogleich bekannt wurden. Wir befuhren noch den- 
selben Abend die Gruben von Makla ain el ffed und fanden 
den Betrieb sehr rationell und den Anforderungen der berg- 
männischen Technik entsprechend eingerichtet f. 

"* Tafel 11 und 12. Zwei Ansichten der Emirabnrg za KornetI auf 
dem Libanon. 

^ Kaimakan türkisch, in arabischer Aussprache Ai-ma*aa, beKeichnel 
Oberstlieutnant, auch Vorsteher einer Gemeinde, eines Dorfes, einer Stndt. 
*** Captain hier in der Bedeutung: Ober8teig;er. 
t Die Gruben von Makla ain el Bed fanden im J. 1838 ein son- 
derbares Ende. Auf meinen Vorschlag bin besehloss nämlich der Vice- 



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669 

In der Nacht kamen, von der Liebenswürdigkeit unserer 
Htthner angezogen, so viele Schakale zum Zelte und machten 

köttig eiaen Schmelzvemuch mit den im Jora-Kallie des Libanon eiQ" 
brechenden reichen Spatb^^und ockerig^en Brauneisensteinen vorzunehmen« 
Ohne sirh vorerst um einen im Eisenhuttenwesen erfahrenen Menschen 
umzusehen, in welcher Beziehung ich den Herrn Szlabey von unserer 
Expedition vorgeschlagen hatte, rief Mbhbmed-Ali den Ingenieur Brattbl 
aarfa Kairo ab, hiess ihn daseHist einen hoben Ofen bauen und lies« die 
Erze aus Sjrien, die Kohlen aas England zu diesem Zweeke dahin brin- 
gen. Brattbl, der sich vorher nie mit einer solchen Arbeit befasat 
hatte, kam dadurch allerdings in nicht geringe Verlegenheit, doch half 
ihm seine hohe technische Ausbildung heraus , und als ich im J. 1838 
aus dem Innern von Afrika zu rück nach Egypten kam, war sein in Kairo 
gfbauter hoher Ofen bereits fertig und die kostspieligen Versuche ba- 
gannen, scheiterten aber später ebenfalls, wie meine Untemehmungtas 
an der Unkenntniss der Verwaltung und an den schändlichen Umtriebe« 
der vielen Gegner. Für die Zeit von Brattels Abwesenheit vom Liba- 
non wurde der obenerwähnte Kaimakan mit dem Betriebe der Steinkohlen- 
Gruben bei Korneil beauftragt; dennHornhill war bereits, der Plackereien 
aatt, nach England znrdckgegangen. Der türkische Offizier, deaa die 
Groben ein Gräuel waren, sass den ganzen Tag vor 'einem der StoUea- 
Mondlöcher und rauchte, oder raunte wie ein Besessener mit seinem 
Pferde über Berg und Thal« von Grube zu Grube. Eine naturliche Folge 
davon war, dass die Lieferung an Kohlen im Geg^nhalte der frühem 
Produktion sehr zurnckblieb. DaKcss denn IsRAHiM-Pascha denKaimakaa 
holen, verwies ihm strenge seine Nachlässigkeit (dass aoeh Unkenntniss 
hier im Spiele seyn könnte, das fiel selbst dem Ibhahim nicht bei) and 
trug ihm auf, gerade so viel Kohlen zu liefern, als früher der Ing^is ge* 
liefert hatte. Der Kaimakan, seinen Herren wohl kennend, rannte zur 
Grube zurück und fuhr zum ersten Male in seinem Leben an. Zu seinem 
Erstaunen sah er gleich schon im Anfange der Grube eine Menge von Kohlen 
anstehen, die man seines Erachtens heransznnehmen vergessen hatte. 
Der böse Stern, der an diesem Tage der Grube aufgegangen war, wellte 
aber, dass gerade die Pfeiler, welche man Sicherheit halber stehen liess» 
es waren, welche die Aufmerksamkeit des türkischen Otlfiziers so sehr 
fesselten. Trinmphirend und triefend vom Schweisse trat er ans Tages- 
licht und befahl keuchend den Arbeitern, sogleich die Kohlen heraiiszu-* 
holen, die er ihnen näher bezeichnete« Gesagt, gethan und — die Grube 
stürzte zusammen und gerieth in Brand. So waren denn wieder {abre- 
lange Muhe, Anstrengung und eine grosse Summe Geldes^ welche die 
Unternehmung gekostet hatte, um sie einem Standpunkte zuzufuhi-en, aof 
welchem sicherer Gewinn zu erwarten war, das Opfer von Unkenntniss 
der obern Leiter der Verwaltung in diesem Fache und von der effektiven 
Dummheit des Kaimakans, und die ganze Geschichte gab wieder eisen 



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090 

einen solchen Larni, dass tvir g;enothigt waren eine Salvß 
XU geben, um sie etwas in Respekt zu erhalten. Den daraaf 
folgenden Tag beschäftigte ich mich mit Brattel ^n den Koh- 
len-Minen, am 15. aber Hess ich unser Lager daselbst ab- 
brechen, um mich zu Brattel nach Kg|fneil hinauf zu ziehen, 
wo derselbe in der Emirsburg wohnte. 

Während diess geschah, ritt ich mit Brattel zu euier 
zweiten Kohlengrube, 2^ Stunden von Makla ain el Bed ent- 
fernt und in geognostischer Beziehung höchst interessant 
Ein dritter Kohlenbau liegt noch etwas weiter von da, war aber 
damals noch von keiner besondern Bedeutung, daher wir ibd 
auch nicht besuchten, sondern uns daför auf einem felsigen 
und schlechten Wege nach dem Thale von Mar Hanna «I 
Kennise, dasselbe, welches der südliche Seitenarm ^es 
Nacher el Beirut durchströmt, Wendeten. Wir durchzogen i 
einige bedeutende Dörfer, theils von Drusen, theils von Ma- 
roniten bewohnt, trafen schöne Pinienwälder und kletterten 
mit unsem Pferden das steile Gehänge des Kennisse, zu den 
dortigen Steinkohlengruben, den vierten, die wir In diesem 
Revier trafen, hinan. Der Weg führte in engen Windungen 
die Felswand hinauf. Dr. Veit ritt gerade vor mir, als an 
einer Felsecke sein Pferd plötzlich, vielleicht durch irgend 
Etwas erschreckt, einige Schritte schnell zurücktritt nnd 
mein Pferd dadurch so an den Rand des Abgrundes drückte, 
dass ich nichts mehr vor mir sah, als einen Sturz, vor dem 
mir mit Recht schwindelte. In dieser Verlegenheit, ohne ji 
die Folgen vorher bestimmen zu können, da der Raum zn Ji 
beschränkt war, forcirte ich mein Pferd, das klng genug \ 
war, sich so zwischen den Fels und das andere Pferd liinein 1 
zu zwängen, dass ich mit einer leichten Kontusion am Sehen- j 
kel davon kam und daraus die Lehre zog, dass man sich 
auf solchen Wegen stets in einer bescheidenen Entfernung 
vom Vormanne halten miisse. Die Kohlengruben von Mar 
Hanna el Kennise liegen in der Nähe des Dorfes Ktail und 
in einer Meereshöhe von 1800 Pariser Fuss. Sie haben nicht 
jene Ausdehnung wie die zu Makla ain el Bed und sind 

Beweis, dass noch der Zeitpunkt nicht gekommen scy, dass der Orientale 
den kündigten Europäer entbehren könne. t 



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auch in anderer Beziehung von geringerer Bedeutung, indeni 
({ie Kohlen, die sie liefern, so voll Schwefelkies sind und dieser 
so schwer auszuhalten ist, dass sie wohl schwerlich einer an* 
dem technischen Verwendung, als höchstens zum ganz gewdhn-^ 
liehen 'Brennmaterial, unteraogen werden können. Ich befuhr 
mit Brattel die Gruben, die wie jene zu Mahla ain el Bed 
erst mit dem Beginne des Jahrs 1835 in Betrieb gekommen 
sind. An lezterm Orte erlaubten es die damaligen Verhält- 
nisse der Kohlenlager, täglich mit einem Manne 2 bis S 
Zentner Kohlen zu erobern, so dass mit der bestehenden 
Belegung von ungefähr 40 Mann täglich an 100 Zentner 
Kohlen zu Tage gefördert wurden. Die Fracht der Kohlen 
von Makia ain el Bed bis Beirut kam der Verwaltung auf 
4^ Para pr. Okka *, folglich pr. Kantar auf 25 Piaster oder 
2 6. ^Q kr. Konv.-Mze.y zu stehen. Für den Wiener Zentner 
berechnet sich daher die Fracht auf diesem 9 Stunden lau« 
gen W^e auf beiläufig 30 kr. Konv.-Mze. Um diese aller* 
dings sehr beträchtlichen Kosten herabzusetzen, verfiel man 
auf den Gedanken, eine Eisenbahn auf dieser Strecke an- 
zulegen, ein Gedanke, dem das Terrain, ein sehr wildes, 
durch tiefe Schluchten zerrissenes Gebirgsland, ungeheure 
Schwierigkeiten entgegensezte, und es blieb daher auch bei 
der Idee. 

£s war bereits der Abend angebrochen, als wir die 
Kohlengruben von Mar Hanna verliessen. Wir wollten noch 
ein Lager von bituminösem Holz besehen, welches oberhalb 
der Gruben am Gehänge des Dschebel Matein aufsezt. Um 
dahin zu kommen, mussten wir neuerdings einen abscheuli- 
chen Weg passiren, der uns durch einige Dörfer führte, wo 
uns die Einwohner überall mit frischen Feigen beschenkten, 
die daselbst von vorzüglicher Güte sind. Die Nacht über- 
raschte uns, da wir noch mit unsern geognostischen Be- 
scbauungen beschäftigt waren, und da wir, um nach Komeil zu 
kommen, nur die Aussicht vor uns hatten, ein paar Stunden 



*^ Eine Okka ist nahe = 2^ Wiener Pfund. Ein Kantar Kohlen am 
Libanon — 220 Okka oder = 495 Wiener Pfunde. 



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kl rabenschwarser Naeht an den Fekwinden, die das süd«» 
westliche Geliänge des Dscbebel el Kennise bliden, auf eiae« 
fttrcbterlichen We^ hin zu reiten, so bUeb aus allerdings 
in anserer Lage so Manches zu wiinscben übrig. Wir ses« 
ten uns jedoch getrost zu Pferde, Brattel, als unser Fuhrer, 
Toran. Anfanglich ging das Ding ganz gut, endlich aber 
wurde der Anblick des senkrechten Abgrundes zu unßnn 
Linken, in Dunkel der Nacht und durch die grauen Mebd, 
die aus der tiefen Tiefe Jes Thals sii^ zu uns langsam er* 
hoben, «o grauenvoll, die müden und sonst so TortreffUchea 
Pferde begannen auf den scharfen Felsen so zu stolpen, 
und die Idee eines Weges nach unsem europaischen Be» 
grlifen h5rte so ganz und gar auf, dass wir es gerattes 
fapden, abzusteigen und die andere Hälfte des halsbrecher»* 
sehen Weges, die Pferde hinter uns nachsdlleppend , za 
Fasse zurückzulegen. Todtmude kamen wir spat in dar 
Eorfrsburg zu Korneil an, wo wir, bei Brattsl Yortreflfliek 
aufgenommen, noch lange znsammensassen, bis wir in unsena 
im Garten aufgeschlagenen Zelte die nothige Ruhe auchtea. 
Kaum waren wir Ton den Muhen des Tages eingeschluBh 
nert, so öffnete sich die Zeltwand und ein Fremder ia 
orientalischer Kleidung trat ein, ein reisender Kaufmann, der 
sein Zelt dicht an dem unsem aufgeschlagen hatte. Sogleich 
erwacht, lässt sich's denken, dass er sich nicht des freund* 
lichsten Grusses um solche Zeit zu erfreuen hatte, er ent- 
schuldigte sich jedoch damit, dass er nicht mehr schlafen 
könne und nur zu wissen wünsche, wie viel Uhr es sey. 
Das war denn doch für unsere Geduld zu viel, daher ihia 
auch die gegebene Antwort so wenig gefiel, dasser oMhr 
aus dem Zelte flog, als ging. Die ganze Geschichte war 
80 adit arabisch und machte uns noch lange vielen Spass. 
Den folgenden Tag brachten wir noch in komeil zu. Im 
Schlosse befand sich damals ein zehnjähriger Neffe des 
Emir Beschir mit seinen Schwestern, ein paar sehr hubsehea 
Mädchen, von denen die eine Braut war. in der Nähe des 
Schlosses befindet sich auf einem Hugd das Grab eines 
Emirs aus der Familie. Von diesem Punkte aus geniesst 
man eine wirklich prachtvolle Femsicht über einen grossen 



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603 

Tbeil des Libanon und des Küstenlandes von Beirat, bis 
hin zu dem nnabsebbaren Meeresspiegel. 

Am 17. Oktober brachen ifviv unter Brattki.s Begleitung 
Ton Korneil auf und wendeten uns zuerst nordöstlich nach 
den Kohlengruben von BsedBin, ^ Stunde von Korneil ent» 
femt *. Nachdem wir diese Grube, die fünfte von denen, die 
damals auf dem Libanon im Betriebe standen, besehen hatten, 
ritten wir über den nördlichen Seitenarm des Nacher el Beit- 
rat, d. h. über den Macher el Soleima und durch das Dorf 
Mitein das kahle, aus grösstentheils vegetationslosen Stein- 
Platten bestehende und sehr steile Gehäuge des Bergrückens 
hinan, welcher das Thal von Mitein und Soleima von der 
tiefen Thal-Schlucht trennt, durch welche der Nacher el 
Kelb, der am Dschebel Sannin entspringt, dem Meere zueilt 
Auf der Höhe dieses Bergrückens und 3823 Pariser Fuss 
über dem Meere liegt das kleine Maroniten-Dorf Mar Tak 
haia el Marusch sammt seinem niedlichen Kirchlein, in einer 
ungemein schönen Lage, mit ganz freier Aussicht aufs Meer 
und umgeben von den Gipfeln des Sannin und Kennise« 
Durch dieses Dorf führt die von Beirut nach Baalbeck fah- 
rende Hauptstrasse über den Libanon. Wie alle andern 
Strassen des Gebirges von Syrien ist auch diese nur für 
Saum- und Reitthiere zu passiren, daher man sich hinsichtlich 
der Beortheilung des Weges durch das Wort »Hauptstrasse^ 
nicht irre machen lassen darf. Wir liessen im Schatten 
riesenhafter £ichen, die das Kirchlein umgeben, unsere kleine 
Kar^vane zurück und ritten über das Joch hinüber In Nord- 
ost nach dem Seiten-Thale des Nacher el Kelb, in dessen 
Hintergründe bei dem Dorfe Merdschibah und fast in der 
gleichen Höhe mit Mar Tak hala el Marus^^h von den Be- 
wohnern der benachbarten Dörfer ein bedeutender Bergbau 
auf Eisenstein geführt wird, der auf Nestern und stockformi- 
gen Räumen im dichten, harten Kalksteine des Libanon 
einbricht. Der bei diesen Gruben, die \ Stunde nordöstlich 
von Mar Takhala el Marusch liegen, eroberte Eisenstein, 

* Von allen diesen Kohlengruben am Libanon wird im foig«ndett 
Abschnitte das Nähere mitgetheilt. 



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«94 

meist Spatheisenstein und ockeriger Brauneisenstein, wird in 
den benachbarten Orten ganz in der Art und Weise ver- 
scliniolzen, die wir sclion am Taurus und zwar besonders 
in Kassan Oglu fanden' und audi näher beschrieben habeu. 
Diese Eisensteine sind sehr reich, sehr leichtflüssig und 
geben vortreffliches Eisen. Sie haben daher alle Eigenscliaf- 
ten eines vorzüglichen Erzes. Die Gewinnung derselben ist 
leicht und es stehen ihr keine Hindernisse entgegen, in- 
dessen ist der Grubenbau, der auf diesen Stöcken umgeht, in 
einer Art schlecht, die nicht zu beschreiben ist, und man 
glaubt wirklich eher, das Labyrinth eines Maulwurfs als 
'eine bergmännische Unternehmung vor sich zu haben» Die 
Erzeugung ist unbedeutend, und es müsste, wollte man an- 
ders die Sache, wie sie es vvirklich verdient, in einem grös- 
sern Maasstabe bett'eiben, an der Küste selbst eine Hütte 
errichtet werden, zu der einerseits die Erze durch das Thal 
des Nacher el Kelb *, andrerseits die Kohlen und das nöthige 
Holz aus der Umgebung von Korneil gebracht werdea könu- 
tien. Ich zweifle jedoch sehr, ob man die erforderliche Holz- 
menge, besonders wenn die Steinkohlen auch verkoaxt nicht 
zu gebrauchen seyn sollten, wie ich vermuthe, im ganzen 
Libanon auftreiben könne, so dass die Begründung eines 
solchen Etablissenients allerdings sehr grosse Schwierigkel- 
ten finden würde und man nothwendigerweise darauf denken 
müsste, den grösseren Holzreichthum des nördlichen Syriens, 
die Wälder zwischen Latakia und Antiochia und die bei 
Alexandrette, auf eine möglichst wohlfeile Weise hiezu zu 
benützen« Auf jeden Fall ist der vom Vizekönige einge- 
schlagene Weg, diese Erze nach Kairo bringen zu lassen 
und sie daselbst mit englischen Steinkohlen zu verschmelzen, 
wohl der ungeeignetste, den man wählen kann. 

In der Nähe von Merdschibah und in derselben Schlucht, 
die im Thale des Nacher el Kelb mündet, liegt das grosse, 
griechisch unirte Kloster Mar Hanna el Schuwahr, wo sich 
eine arabische Buchdruckerei befindet. Sie ist in einem 
schlechten Zustande, lieferte seit ihrem Beginne in den ersten 



** Hundeflusw. 



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Jähren des vorigen Jahrbufaderte I^GaBtetr^hcils mir dbfrlMi<^ 
tische Sdhriften und solche, die auf die KdntroTerikWQth 
der moi^gettKndifichen Chrfsteä Bezugs hebnien, ist jedo4sh 
als die erfite Druckerei in deii türkischen Landern und als 
gegenivärtig' noch die einzige : in Syädn von grosistem Iiiter- 
esse. VoLNEY gibt unii iiber. den Uhspriing.dieser'Drnckerei 
sehr umständliche Auskunft'^. 

Von den Eisenstöfngrirbeti ritten vi^t wieder nach fkfar 
Tak hala el Marusch zurück , beük*Iaubteii uns von unsenh 
werthen Freunde Brattel, der in seine JCmlrsburg znriück^ 
eilte und schlugen unter deii Eichen nnser Nachtquartier 
auf. Noch ans ÄbCnile l)esuchten Tvir die kleine Kirche an 
nnserni Zelte, von deren Plattform ans wir eitit hlerrliclie 
Aussicht genossen. Das Innere war sehr einfach und rehy, 
ohne Bilder an den Wänden und ohne Betstühle. Aih A^r^ 
war ein MaHenbild angebracht, vor dem mehrere 'Messbächer 
fn arabischer Sprache lagen. 

Fi*uhe am nächsten Morgen brachen wir auf und ritten 
bei vier Stunden lang die lezte H6he des Libanon^ hinan.; Der 
Morgen war schön und kalt, und ich glaubte iA utisern Alpen 
an einem schönen Herbstmorgen eine der Taü^mhöhen zn 
passiren, so sehr erinnerte mich alleä an das schöne,' fertie 
Vaterland. Der Weg führte anfähgflich Aber ganz kahle 
Kälkfelsen, die uns in phantastischen Gruppiruiig^n umgaben, 
später aber, als wir das Plateau erreichten, das unilttelbar 
amTusse des Joches sich befindet, welchem zwlsch^h dem 
DschebelSannin nnd d Keiinise liegt tirid das wir zu passireii 
hatten, gelangten wir wieder auf Alperibodbti, der zum Thefl 
eiiie schöne Weidö bildet, zuni Thelflttt Wudhdi'ndem Rho- 
dodendron maximutn' bedeekf ist Viele reisendfe Kaufläute, 
mit ihren Waaren zwischen Beirut, Bäal^eck und Damaskus 
hin und herziehend, begegneten Hiiis' urt'd ga'Ken der *St!ehe 
Leben, ütti 11 Ühf erreichten wir das liöchÄte'Jbch. Wfr 
befanden uns in einer Meereshöhe vbii ii4[85 Paris. Fu^ft 

* VocjiBY Reise 'iMelt Symnt Ulf« Eg:ypt(<ii;' Mnä 1788^ i.«Baa^^ 
S. 141 etc. 

RcMROCM, ReiaefL I. JM- S. Tbl 45 . . J 



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4MMi •bliQbcn Isi^.taiif dem äofaöiieii Punkte^ «oi um d^ 
hurtYtdnon AMkkA.zn er&ciuen , dier sieb uns daifböl:*. h 
fWiösti ulid ISoidwieat ^ahai wir über dieilire8tliclm.'Vorberge 
dfis.Iiibanoli..bii an idie Kiste, und ;fern an «HvHzonte vw- 
«iflteki ssioh A|ear> und HimmaL la Nord und Nordost hattet 
iirir die wKoppän. des, I^Anniii, in SüdWcist die des Km- 
nisse dicht zur Seite, die CeDtralriohtmig des höehstea 
]^Uiai^p^rRif<;t^QP^ ergafe flfi^jb ms. hier aus No^dd^t. in Siid- 
fl^reßt,:, l,fl,SiW jHpji Q«t{hiagegßu. Jag w unsera Füaiten i)ß 
i)rup]^l|are u]>d,he))a4&tßJEh€^^ Ton Cölesyrieq, die Hocbefeenc 
4^^ii\}^^ie^y^ Bas^U^ßc]^ diß' si^ in Süd, fvo «ie den Namfa 
y^f^bi^^qs; Bei^^a^ füji^^ty.is^v idei: Xbi^}sohlueht yßf:en^y welcjie 
4fr Leoptei^, .he»tzut^ge.]^[a<;b0r!Kasimieb) jacher el Tbaiii 
iu^,]^A9b9r I^it^fin^ g^n^i^/^t^durq^stromt, welcbier Floss i^ 
jpp^4Uc^.Aron.>ßi^r i>99i Alijtteh^e^r e;7gi^ss<; i^d dessen Thal, 
.fK[Hl/^f^ie§:4^en .p8pbßl?eliel»Te)ts^b o.d^i^ el.Sjebeph yom W^oiiw 
trennt, den Namen >>unteres Bek^^<< fübtt« . Jenseits; dk^er 
3^^joejci,.pbp,i].e ^r][ie)^t sipl^idf^r AntHibai^ojH, die Gebirgskette, 
\^^cb^, y o;p ^ pi^cheliel ^l .^^e/;h . aus sieb in Nordost. . ei€)bt) 
^iSj de.sic^.Jr^.dje.i^bene^ ypn Ham^ und Hoema Yerliert. 
j)ie .B.erg^e des vAifti{ib^^^^ als die des Liba- 

.non^: aber von ^gj^eicb ej^^förpilgifni Auisdruck.dßr. Form, s}pd 
j^ch^ nie^derer ^ ;9ur am p^hebei el Scbecb, an dieser eigent^ 
jj^clien Stammwura^el des JLiibanon und Antilibanon, erhebea 
^^clis^eine^Kuppeii hoch über, ^^^ des Libanon, 

^jnd in li^ren Schluchten mit.eykigem Schnee bedeckt, haben 
j^jEien S9h^en, sefir^dUtoresken ^usdfuoj^ in ihrer Form und 
l^tj^ig^ep^'bis.zu >^€{i^ig^tens «000 Paris. Fuss Meßi>eshöhe,an^ 
j(^er}4^)bjlick,d^^, Pjs(^^ ani Schlu$|se der |ie- 

b^ptf{i,^^o(^ Wf^nig^evöikerljei^ Ebene, iistung^en^ein impo- 
^^n^ .y;id{ if(^|^e^]^e^^p^a(|sei^ m^t ihren tiefen, «choeeerfüIUep 
^p^Iachtenj^ ^ch|^n.,m^jl; ,dem- .warmeB südlichen Fa^benton 
^r übrjg^a tandpdiaft.,,€4nen äM/^isßrst qcbonen Kontrast. 
J^y^rfh. jseif e .•9ll|it f|ip)iQgfn,d^n JB;<9rgi^, beherrschende Uölie 
steht er wie ein Riese da, der seine beiden mächtigen Arme, 
dani Libanon und AatUibaaoii^ nach Norden aasbreilwt. ~ 

* Tafel <l#. Ansicht des Antilibanon vem LAafcoa aiifc. 

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Vbn A«i/öäte des LihfliiAn V9i^g ritten «rlr Itrfj fStuhdeii 
mdb SacUM. i' Auf ^äem Wege daKin paäsirtett ^^fr eftiige 
MaronfteiJ-IIOrfcheif urit ihren klebieii und freundlichen Kirchs 
lein. Die Möliehe in Ihren schwarzen Ordensideidern au« 
Sommerzeug 'Md mit 'Kapiize»)' gaiiz ähnlich den Eremiten 
ans Ip&berer Zelt , waren gerade mit der Ernte der Feld- 
firilehte besi$h%ftlgt^ d.'h; sie sucltten mühsam In den SfMilten 
der kahlen Felsmassen, wo sieh ein Bischen Krde abgesecl 
hatte^ die Fr«elile ihrer Bemühungen, tnsofeme sie die Natnv 
begünstigt hatte.' Das Leben dieser Mönche Ist überhaiipt 
Im wahreir ^uhe ein Leben der Entsagung und selbsiaAf- 
erlegter EirCbeMrüttg.; Zurückgetreten aus dem Treiben A%t 
Welt \n deii Rasm stiller Betrachtung, durch nichts nntei^ 
brechen als durcN müherolle Arbeit,' haben sie allem ent^ 
sagt, was das Leben ^dAn macht und leben weit mehr Inl 
Geiste der tknen vsn Ihren Stiftern gegebenen rein religfisen 
Tendenz, als diess im Abendlande der Fall ist. Daher in 
Ihren Klöstent nirgends jene Beweise von Reichthum und 
Überfluss, aber Im Oegehtheile auch nirgends jene Beweise 
von wahrliaft' wissenschaftlichem Streben mit seiner wohl- 
thatige» Riiekwirfcittig auf Erziehung, wie wir sie hie utMl 
da ia abendländlfli^hen Klüstem ge|>aart sehen. 

Das StädtcheW Sachle *, in der Geschichte des lezteil 
Feldzuges bekannt geworden durch den Umstand, dass iBRAmM- 
Pascha in der kritischen Periode seines Rückzuges lange 
daselbst sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte, liegt am 
östlicheu Fasse des Libanon, an der Mündung eines kleinen 
Thaies am Rande der Hoclicbene von Baalbeck und in einer 
Meereshöhe von 2900 Paris. Fuss. Die Anzahl * der Ein- 
wohner düri%e an 0000 betragen. Sie sind durchaus Christen 
und zwar gr5ssientht>lls unirte Griechen und Maroniten. Von 
der Habe des Weges angesehen, nimmt sich Sachle mit 
seinen fünf kieineiJ Kirchen, seinen niedlichen, weissge- 
tünchten und mit jplatten Dächern versehenen Räuschen, dte 
durch Gürten von einander getrennt sind, vorzüglich aber 

^ tnM 7. Aiiki«ht Her lltadt Siteble Um Libanon. 

45 t 



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60S 

dnneh den seboiien Pappelhain am unterii Rnik de» Städtchens 
alleriiehst aus. In der Nähe von SacUe^bei Kfei-ak, Hegt 
aA eider Moschee ein Grab, das als Noah'^ Giikb bezeichnet 
fvird und worüber Hn v« Schubbrt in seiitec Reise in. das 
Morgenland Näheres mittheilt 3.. Bd.^ S. 340. 

Wir lagerten, am Rande der Thalebene, wo auch die 
egyptische Artillerie, die damals in Sacble stationirt war, 
^n Lager aufgeschlagen hatte. Ein sehr gesprächiger Fran- 
zose, der, seiner Äusserung nach, sich hier befahd,.um arabisch 
zu lernen, besuchte uns« Nach einem Tage, wie der heutige, 
au dem sich uns die I^atur in einer Solchen Grösse entfaltet 
hatte, will das Gemüth allein und ungestört seyn., es war 
uns daher des Fremden unaufhaltsam ,dahin rauschendes 
Gespräch störend, und überdiess war auch der Abend, wir 
hatten hellen Mondschein, zu schön ,, um ruhig liegen zu 
bleiben, so dass wir wieder aufsassän und nach dem drei 
Stunden entfernten Dorfe Budnei ritten , welche/s ebenfalls 
Iq einem Seitenthale des östlichen Libanw-Gehänges und 
am Rande der .Ebene von Baalbeck liegt,..: 

Am 19* Oktober ging es endlich auf Baalbeek zu. Auf 
Alles, was uns aufetiess, waren wir gespannt;* denn wir 
litten einem schönen Momente entgegen, in welchem wir das 
Perrlichste fsehen sollten, was HfUas. klassische Baukunst 
auf syrischen Boden verpflanzte. Die Trümmer von Palmira*, 
imppnirend durch ^ ihre riesenhafte Ausdehnung;, sollen an 
(Schönheit in der Ausfuhrung und an Grösse einzelner Theile 
^enen von Baalbeck nachstehen, so wie diese überhaupt unter 
all den griechischen Monumenten auf griechischem, klein- 
asiatischem und sizilischem Boden keines über /sich haben, 
als die Tempel der Akropolis von Athen. I^as Thal von 
Baalbeck wird gegen Nord immer weiter und das Terrain 
steigt stark an. Die Thalebene von Cölesyrien bietet nämlich 
die Elgenthümlichkeit dar, dass sie gueerdurch beiläufig 
iu der Breite von Deir el Achmar, . drei Stunden nördlich von 
Baalbeck, einen Rücken bildet, der einen W.assertheiler dar- 
stellt. Alle Bäche nordwärts desselben gehören dem Fluss- 
gebiete des Orontes oder Macher el Assi, die südwärts aber 

* Arabisch : Tadmor. 



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0fO 

ima Fknfe^dUelfr lies'Ledntes oder Nacher KftBhnleii am 
Die Hodhebeiif^'hat fdfgUdi eine doppelte, dachfSrmig^ Nei- 
gung^, nämlich nördlich von Deir el Achmar gegen Nord, 
südlick Aeste O^tes oder dgentlieli südlich des Wässer- 
tbeilem ^eg«b )8M. ^ 

Auf UBsisrni Wege voiiSäehle naeh Baalbeck fielen uni 
im Ha»*ptthale mehtere kleine ,' zerstreute Higel auf^ die 
kÖBstlich iind (Gräber .Ell seyn scheinen, so dasä es vieht 
ohne Intereta^'Wiri&, Nachgrabungen anzosteilen. 'Als vttt 
nns niHieioen Vorspihing des Gebirges bogen, stund plötzlieh 
der höchste GUpfel des Libanofa, der 'Dschebel Mjtkmel, In 
Mordivest riri dos. ^ Vntät all den Libanon^Bergen macht 
der MakiHel den' schönsten Eindruck dorch seine seharfen 
nnd spitzto^Fornfte«. Er war mit Schnee bedebkt und seine 
Spitze strahlte im Glänze des Morgenrothes der Sonne, die 
sieh über den Antflibanoo herauf erhob. Fast zu g^chev 
Zeit erblickten wir in Nordost, am Fusse des Antllibaitoni 
die Akropblis von Baalbeck, und so war es also ein und di«p* 
selbe Momentj llidem wir das Erhabenste und Schönste vor 
nnserm Auge hatten, was die Kunst auf Syriens Boden bildete 
und was die« Natur dort schuf, nämlich Baalbecks Tempel 
und die schneebedeektaoi Felspyramiden des Makmel and 
el Schech.. 

Wir. Heimsen .die Qiuellen des Leontes bei Temnin Fokit 
und Teil. Hoss-bein.juad Gehänge des Makmel znr Linkeii 
liegen ilnd zogen -^ueer über die Ebene, unsere Blicke auf 
Baalbeck gerichtet,, voll Sehnsucht nach den Herrlichkeiten^ 
die. uns dort erWart^en. Lange konnten wir aus der Ferne 
uns in den .Trümnierhaufen der Akropolis der alten Sonnen^ 
Stadt nicht zurechtfinden, wir sahen nur Kolossales, je 
naher, wir aber kamen, d<^sto mehr entfaltete sich ans dem 
verworrenen Bilde das Schöne, wir erblickten die sechs luftigen 
Säulen, die einzigen, die noch vom grossen Tempel übrig waren ; 
wir sahen den kleinern Tempel und lagerten uns endlich hm 
Mittag an einem kleinen Bache am westlichen Fusse der 
Akropolis yoo Qaalbeck, wo wir im Schatten eines Nussbaumes 
unser Zelt .aufschlugen. 



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Aiirentlialt di^solbst* 

In scilftipfem GegeasatBe stehes. diaa nite «BaiAeck ämi 
das neue nebeneinander. £rstres gross äüd herrlick nach 
ta:Trteiaern^ laatenls ein Bild' des- fil^nd/fea^hiafpesezl, nm 
alBben denl 6laiize eines lilassiaeheli AUadJuinial ein jaaUncff« 
%Mlas Bild dar Gegenwart z« • geben. vBadbeck, dais alte 
fiaalgäd und Baalhamon, BeA*8etoe8"undiBaahiife.der!Bihel, 
daa Helip^iotis der Griechen, duifte iAi Atabifuheii, ad0)Poco€u 
neiner Ansiekt nach richtig bemerkt^ ;teoh1 a^entBeh den 
Namen ^Baalbed^ das Haiis des Baal^' gefibrt. haben, hemr 
amn unser heutiges BaalheriL damas dwcht^^ üMe Rainen 
derpraehtteliatt Tempel, wie hingeEaiikertiauf die Kuppa 
eines Biigels, an dessen Fnnse sich einst die aite Stadt aas- 
kreiieie und das heutige! Baaibeck liegt, äbid^ oft beseUrieben 
imd gezeklinet So finden wir sehr ausfiihrHclie Ifaehrfchlea 
Ueviiber in den Werken Tan Wood^ Pocoolc, ^BfiiKnÄRDT, 
VoLMBT, ScnwBRT etc; uud in. vielen andern Schriften*. 
Pdgockk's Mittheilnngen verlieren sehr durch seine bildHoken 
Biirstetlungen, statt dadurch zu gewinnen; denn sie sind so 
imficktig, dass man bei ihfen AwbUdc^ Aarauf schwören 
könnte, er habe Baalbeck nie gesehen. Burckharut und 
BcflUBSRT aiod isf ihren Benehreibangdn einfach ,' wahr und 
gana Teriasslich. Toui£y ist voll Ptaintasie and Leben,; er 
tehildeffi; am sekenstcai, al»er nicht rhanpier am richtigstiewi 
Daridh die Trnnun^ der Akrsfolis onl zwiBchen' den noiraintel* 
gen Mausern des oeaen Baalbeok hing^b^od, bemerken- wir, 
daas das Ganze sioh siobtiicb in vier Perioden theiien- läast 
Der ältesten und eigendieh irofi'g;esokiohlliehtBi» Zeit dürften 
die knlassatsn Fnndamentbane ahgehören, welche die^ Kuppe 

I ' '* EoBBAr W0D0: Tlie ruin« «f Bnalbeci: Lenüon Itd?.' Weg^tt 
M9f r 4^«#fcHafelii eia PmdiHriiflc. ; . • '; ti 

KicHARD Pococük: Beaclireibung; d^» Mor^^enliindes^ ErUogen U6^ 

■■ • "'2. Ba. ,, ■ ' ' 

'• yöLWEr: Voyagc en Egypte et Sftie. Paris iW7. 1. BÄ: 

Dr. G. R V. Schubeat: Reise in das Mor^enlätod; ' 'Bri«n|^ 18M. 
3. Bd. etc. 



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4m HAiffc IbMan^ «M «H AJtNi|»tlis Jet I •ken/S «i i iwüM » 
trug;« Auf diesen Riesen -Fundamenten, in Ihnert'' Tbrtieri 
W^ueft WiMßiw nitcli die koloiwabten, ^ekke die Ehl^ auf- 
Wt^eiaen hat, aüMid einst dep Tdnpebldea^Baali, fdfcst'H^ni 
4e# HiouMla bei den akbn PhQnl^ietny.iBabylosieni -uaa 
H^Mem. DieBaldtempel^Bdl veraehlfruttleiiiuMl aaf Ihtai 
FoQdaiiieoten erhoben sich üHtor • MrotntaoIwrfHenrsibafil^ 
Mfelge den ^Fragmenten des'JfWAinir.TbM.'AbineoinAi. unlei 
dma KalaeffiAMTown Blua^^ jeiifi Pradhttem^el 'ler «Uiilma 
üMt) jene MeMtralackii gvieebiäctet BaiMins«, jeneedirtt 
etbirihenen Fonüen^ denen Tvnmnmir.wir heatantageianslanMOl 
Aw jeMr Zdlt atanimt «o^h dftrUeine Teäipei in disr fiegiead 
dterakea^gteinbiMiMS eiaehklbe Stunde sudttdlfnibBaalbccl^ 
Kilbb^tflhjris genannt, den nna BuRKUAna genda« 'beeefareUbll 
Der firaiiit seiner 8 Saelea Ist offenbar egyptlsob eider amUschA 
£a ist das charaktoriattsck sich anszetckaende Geateia-fht 
Katarakteif von Sieae .und 4es:Siniü/>da8' wifiau' iiekraden 
aientikhen. ßebanden des AUerthnmä ia' Byrlea iinkd -Kleiii» 
asien verwendet sehen. Roms luxuriöse Prachti nad' det 
dumb tfeaiiseben AufweAdaa^Cej^toytien-Terpflanate grie- 
ektoohe Kunstsinn aaaluw zwar aüt<dev,.abMhmcnden Kraft 
des OstrelclieQ and unter« den: blaiig;en:Andnatiig:e! der Arabai^ 
doch war Baalbeok. in. der ritterlkhen, Zdit der Saraaeneat 
haraaehaft a^eh immer eine "rckdie) .aiäditlge Sladt^/ataek 
In den Kinffen gegen die; Araber unter dem KaUfeuiOMMti 
in deli Zeiten der Kneunziige und -der anfitoglkslMa^lIemdiaft 
türkiseber Sultane, ausfeaieiehnet düruh Gelehiisamkeit uoM« 
fi|ab and Salafa-edi-dia ,. reich au deii'&iten der. Bfoegokiii« 
Einfalle im Beginne des fnafzeluiton JahrhuadeatsiAus.daeset 
dritlen Periode, derBlütheaeitldes Sarailaaeh-Rekboi) «eheU 
wir noch die beste der Mauera^.dieckien Raum eiasbhliesseif| 
ia welchem das heutige riBaalbeek iiressobwindet,^ die Reale 
mehrerer Thorö, ein Badaad zwai sehr beisch&digle If oscheeei 
Ans der vieMen Periode endlidbi, die Baalbdck* itbei* aieh erl 
gehen' sabj sdiea' wiit jfaesi'anrisellge JN^t hervorgegangen^ 
welches wir das beutige Baalbeck nennen. Wie eine Satyre 
steht es peben den Triimmern . .einer gltinzenäfen Yorzeit| 
als Beweis für die WirkyAgjeft itjirkischei* Herrschaft und 



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KfÄDkheltc«/:-^- : ' '^'•• 

t n Kacll niemeii? Bestinmangeii liegt die Stadt BaalbMÜ 
kl M»6 Parii^f 6s8 M äereshShe ^ Bei«%ekoBraen in jedet 
BftBiehim)[[{.toAlhrerif filieren Bedeutung, ist die Stadt kMä 
«id hlrt . durch, die Rainen ihrer' ehemM^^en Crrösae gaM 
dtts Anseben «Ines Trumnerhanfens. :Ke dfirfte kaumftOM 
fiiawohaer aaM^i, die grösstebtheUs ana MutuaUs und Chrtsten 
hnteben. Ihr firwerbszweig beatebt raatTii^il fn^erfeiu 
tigilttg' und Järibing; verschiedener b4iiiawelle«ler 'Zeuge) iv 
Verfertigung von Seidenwaiuren und in Betreihnng von Vt^il^ 
buchte Wobei : sieh Pferde «nd Maäklesel ; durch ih^ = gviä ^hd^ 
fändtere Schöt^dt und Crüte sbhr «äszeidMien/ Als fcdi im 
Bäklbeck tnlch.bi^fand, lag. gerade eine, starke AbtheilnBif 
el^ptisober Kavallerie daselbst in Garnison, die, weirigiteito 
jeäe, wekbe kh in syrischen Garnisonen statiönirt sab, die 
sehön^ Eigen thümlkhktit darbot , dass gansc Escadrolieil 
gleichfarbige Pferde: hattda «nd iiberbaupt sehr gut ^berBt^ 
leä waren: ^'. 

Kaum waren wir abgestiegen, so gingen wir auch sohoe^ 
ien flüg^l ' zur Akvepolis hinauf. Das erste,: was uns aiufiM 
und' uuser Erstaunen im b&ehsten Grade Erregte, waren dib 
riesenhaften Cluäder , ails denen das Fundahient aufgef&hil 
Ist. Wir sahen .ifoilunfter Parallelepipede, die, bei einer Länge 
vwi 65 Fus&y einb Breite vba 10 Fuss und ehie H&be von 
13 Fuss Wienier Mass. habön, so dass ein solohör Stein 
etoen körperlichen Inhalt < von 14,520 Kub.-Fuss besizt .und 
iaktk 12,OÖO Zentner wie^n mag. Das Gestein, iem dieae 
Massen entnonmen sind, bricht, wie wir sehen werden, in 
der Nähe von Baalbeek und 'ist der Kalkstein des Anti* 
llbanon, der, meiner Ansicht nach, der Kreidereihe angehören 
dinft^. Er ist dicht und fest, von gelblich-weisser Farbe. 
Sein GefSge geht ins Körnige. über, in welchem Falle er 
Politiir-fäbig: und ^nm eigentlichen Marmor wird. Aus lefr- 
term Materiale sind auch die Tempel gebaut, indem man 

. '^ V* SqiUJBBRT gibt f^ie Meereshöhe zn 3572 Paris. Fass, woraus 
^geii oieipe Bestiinmung eipe Differenz von -{- 76 Paris. Fnss sicli er- 
gibt. Das arithmetische Mittel aas beiden Angaben ist = 3534 Paris. Foas. 



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Ztt Ifiti^n Ae beste Qualität dbs kälkstelhs 'mit Sö'rgsam^^ 
aussochte. 'Granit und Syenit-Triinimer', Worunter Säülen- 
schäfte, sämnjtlfch aus Eg;ypten oder' At'äbfen * stan^niend. 
finden sich in Baalbeck nur wenige, lihd|äucb dort, wie bei 
allen alten Bauwerken In GHeclienland, Italien lindf Ägypten' 
die ich fastallel zu sehen' Cfeleg^enhett hatte, scheinen dieise 
Gesteine nur zu Besondiern Tempelverzleruhgdn , 66tterblt- 
dem, Sftttlen und dgl. verwendet worden zti'seyn ; denrt' ihrer all- 
gem^tnen Ahwendtin^ als Tempel-Baiiniätätläl 'scheint die 
fnr* danialfge Itnlfismittel so sehr schwielige' Bearbeitung 
derselben entgegengi^statiden ^li' h'äbien. * Ei'st in is/pateren 
Zeiten, z. B. bei s^arazentschen Bauten," tvie dte Moschi^e 
des Salah-ed-dln auf dem Mokattkm bei Kaird^ i^vurdb '^fe 
Anwendung' des ägyptischen Granites nnd S^enftes kUgenieine^, 
und da' Ist es tioch ferst die Frage ^ ob' di'ese^äülen flnfsch 
zu diesem Zwecke ' bearbeitet* worden siiid', oder ob mart Äie 
nicht von verschiedenen älterti'ßatriverken zusatntij^saihlhelte. 
AufTallend war mhr bbim Anblicke dei^ Fundameiites' die 
Vormauei^, welche Sich einst um einen Theil desselben wichet At 
herumgezogen zu haben und ^war um den geg'en l^ord 
gewendeten. Dadurch bfldete sich ein tiefer Graben km 
Fusse des Fnndamentek, In welchen iiian von aussen durch 
die Vormäner mittelst ganz schmaler und niederer Thür« 
Öffnungen eiiitreteh konnte. An Peitungswerkfe 'ist hiebef, 
glaube ich, nicht zu denken, denn eine solche IMfaubr hStte 
hothwendigerweise die Verth'eldigung des Fundamenteä,'äls 
eigentliche Festung, eher gehindert «nd gefährdet , als 'be- 
fördert. Überhaupt scheint mir diese Vormauer, die debi 
Ansehen nach eine Höhe von St) Puss, bei etnei^ Dicke* vbil 
7 bis 8 Puss gehabt haben mag*, nicht eiiieir neaern Pe- 
riode anzugehören, sondern ich möchte fast gtätiben, dasis 
der' 4Ä Puss breite und 207 Puss längs dem 4S bis 54 Fuss 
hohen Fundamente des Tempels sich hinziehetide Raum öder 
eigentlich Graben, dessien eine Seite* dieses Fundament, die 
andere die erwähnte Vormauer bildet. In der Zeit des alten 

* Die Geiuuiigkeit der Maaer^Dimensidneti: «rill icii Igo^de nicht 
verbürgen, weil ich bei ihrer Angabe das Gedäebtnii» sa Hülfe 
nelmcii lUiiMk 



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M^ffifi$ff^ flllfl yff^ fWl». noch mr!Mt^ 4er |tAiiie#ivv 
8f4)itfi^. diflf p flfj^ent 4iAb0,;ffif;,?»?Ude Tliiere, 4ji)8elb9|t.ai^ 

^|e ,pn^ia(i^||jc)iefl, die ^»if^ 4/^ Gytjtcir WiU^u flen Aieptleff g^ ^ 

zp^ret^Q zu JimeQf, .^ ...,,, ; , « . . i* . i 

.,^1, Pw Fuiidafiißpt 4er Alu'Pfielis. yra ,!^^ | 

l^pJlffifjl^^ welche^ iBir je yorl^tm^ ifnd die S^eiii-Miiflseii 
i^^n Cj^Qj^n-jAfau^rn bei Tyrißth und 4ie afu Pnyi » * 
Aklie|i Tef^cliwipd^ii geg^ diee^ Gis^i^Dten. {)er pbejie TM ^ 
Rieses fundameotea bMdet eiue Plaltfenn in Cfeetait ejiwM i 
J8pi;^cffteo yiereeM/is dßssf^n l&qgster Dun^liineeaer l^OO ^ 
P^iriaer Fua^ . betrag)fc. AMf^teWF J?*attf<>Tm* iftwid die , 
Ä^krofoijia mit ihren Pra^ht-Teifipj^lii^, »m* deren jriimmm i 
iel^ a|if die eii^atige Cxfsten;^ voiv vi^r J^mjipeigebanden ach^ear 
fen zp dürfen glaube« An^ dlea^o jedopb akid e^ yorz&gU4 ; 
nur «wei T^nyeil} 4i^ durch die ^^u^dehaung;^ ihrefi Jim» ^ 
^ durch die Pracht^ die aie noch beute fai ihren Trümni^ j 
fintfaiten^ una^jr gffuzes EJrst^uHen mit Recht eqregen; Aß i 
eine, kleini^re aber g;a4iz vollendete) war ein Tempel dtr i 
l^onne> des Baal**; de^r andere, viel grösaere, wi^r ein ?» \ 
ikwff d^ lu ftUep Gpttbeiten von Ueliopolia geweiht Jw 
y^ha SMlfcnf dip noi^h i^evt§ daatelien aU die beugen alt^ 
JSerrMchk^t, Meiateratncke eini^ vollendeten SchönheitaalinKy i 
)^il4eten mit ihren, übrigen schpn längjft g^stürzt^ Gefährt^ i 
fja^ Perislg^l dies^,Pa^^beona. D;e längste Seite des gfW^ i 
Tempela betrog nn i(MIO. Wii^p* Fnaa, und das Gebäude a^ I 
^ erhobiteni Fundan^ente^ so dn^ eine Treppe zum Bßvpt- i 
Eingangs, der ^uf der Qptsei^f sich befand, empof fuhif^ 
Jnner|)Mb,4^ Äussern Portikus befand 9i<:h ein <i^weit9r,.i0r 
jpjerer Porti^^us. 4Jle Säulen dieses Gebäudes gebi^n dff 
iogenanpten horiqtbjscheo Ordniui^ au nnd sind mit; hö^bisii^ff 

* fTafd 0. Aasicfat der Rdineo der Akropoün tmi Blialbeck^ voa 
Steiilbmehe aus geseUen. 

Tafel 8. . AnBicht aas dem Innern des Sonnentempels m BaallMet 
^ Daher Heliopolis der Griechen. 



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HcOie iefa» <jedeh Säule^tetraglrtiiNit Kapital 78 Fim- ft 
ZfiU'WklnßriJiaAi M TrFuM'fiitfrehtaiefliMr. Alke dieM 
SSnleiiibtüteh^ttiaMiivfilsaem' llbnaor def .nalieft SMohfufik^f 
dkr. i&btsriia«p| . .das Afateidai dMaea TfempeHiAate Ifefevtöc 
J«de«)flMiift;lit4uB .dcel^tifekto auf eiM sehr afamreieti« 
Art.igi^gt;^dia Mdi« aiieipander g«fiigteti finden wttfde» 
natiüidi;lga|]a')^bi*i)i;8e9cIil0Br<k]i, iso: dato gana i^oUkamnlM 
mim^Qm^wßithminamehe : deaScbaftea auf ^Ae andere pMlte. 
bi diwiaiitte eUieln^adeii diimer Mdekt Kreiaa&ßh^il befimlfl 
8ldk.ehiiJiooli}t^taf4i{bia ii'' Title Jbci '6'' DufcHmemeri^ it 
welches maQ<«^enfidlb«iMft höteemenZapftia Md^ ivahreliii 
mah^iidttirsetta)^.die jiacfaatfoiglsndci SeHaftflacke urit .'Ihrem 
telafireebeildifiis'Ziöch^ dttfaufiMfte ui^d antrieb^ a^ daaa-'niM 
Ati Zbpfoft gflticbaani' ab eine Kkunser diente« iBet dsea 
awcttettÜLrfr dlnr:8QiudFj|zqfMuaiBe»fii|^Bg brakbte«iali;daa li«db 
Biir/attftiiloiiriderMdiBttKreiflrMfibeiiah, wihrenilAnii aa des 
gcg^iiiifcemtebtlQdefliblsibeii idec Öfftuing^ dea Lochea «tottpM^ 
dMsad/^ .fil0hHti^c|Bi bei A^arMtkiag dea Slackea aelM 
stetned.lUeML .Wra^fScbeijkliBli wurdte die KjreM&cbett iü 
Akte d^iJi^saoisneiiffigiiig; igeitohniiert; denn ea'acheiiit 'ala 
wann« die Rapfen, eidgcriebeti^tvordea tvareiw Diese ^obödhat 
einfaabh Wbiüer'dtr ZBsMmiaeidljguBg'^ In iVerihindbng «It dets 
AdfaäsicMi)>^der. Jbfdd«i):^aBi gieiMui auf «ioander ii^g^ndei 
KffeUflä£]f»^ iinternakibc, .beivirhten. ein^a Zuaamnienhalt daa 
SetiafiMSicIlieiapeilialMlar .iroB. 9ofeher Featii^il:, daas neh 
mdbr^bi^degimoaststimten Sadlei'tab, belidanratdie S«ba(il0 
ganil 9dlliQlfeiil:>and< däriZuaammetibak ibfeff Sivatkt iMtk 
dea ^niattigfciirjflipiils^ der doch die ffd^ci' deä fttoraee etatf 
73 Fiitti: liäigreb^and. 7 FiisB didkidi Harmwrsättle aatlMeiidi^ 
a^ywr.äluWjnaiobtiMifgidboiii^tinmirde. kh gliuabte v«a fiinf? 
mMimliaaii^ iacddber Saaleay dke idaa Petlakjd bilddten^ iM 
Bm^erbknilligirBtb»^ Träimner und AateiehieB ihrer Piedeatale 
£[e9di«ft:a|i .hab«li|. glaube fläiBriioh attcb^ daaa Ihi-e Aflaabl 
QOgfceich ^«Mr )f|ewcB«n«iid dieses RanttteoBi nie .Tiilkodet 
ivQiideii>/iat.j glaiibia>!ittber. iiiabt>, tniie Aiond IiiHDsHABr ^ .und 
|l4^ratb;;$0HUBi;aT ni^inett, date dift HieseifquaderaleiBe dea 



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7M 

Fuidaiilfiites iir8)irung;lich zu Sauletischafteit 'bestimmt wcirdeH 
seyen ; denn abgeseEien davon, dass Ich die^iüA Fuitilaiiieiit 
f&r weit älter,' als alle Säulen mv ßaalbeck baltei Ist fa das 
Gestein de«^bei] ein ganz andrer Kalkstem, i«ie d^r d«# 
Säulen* und bei weitem nicitt sa niarmorardg;, itnt eliieifa 
Worte «lebt so schön; eudllcb bestellen ja die Sc^häfee der 
Säulen aus Stiicken und zwar jeder Schaft aas Si: Stacken, 
vnd main kann doch nicht leicht varanssetzeti^ riass der 
Steinbitner Monolithe von solchen ]iesei)hafteii> Dltnenslanen 
krtoht und* behaut, um sie später wieder In Stiicl£a 2ü sehn ei dm. 
Von einer Zäsanmicnklamineriiiig der Schaftstücke dbr Säulen. 
Me VoLNBlr angibt, konnte ich mciits bemeikeivL < 

Während von dem Pantheon nur jene sechs athemclMai 
Säulen Vereinzelnt empuirag^en, ist der Tempel des ' Baal 
noch in Tränimeni so edmlten ^^ das» man Im Stande Ist^ 
seine Umrisse und sehie Ausstattung ganz und vollkomniea 
zu beurüidlen und zu bewundem. Nach dem Dilbetle unseta 
treflflielien Burkuarbt, auf dessen Schilderungen man tolks 
Vertrauen haben kann^ Ist der Somientempel inPalmyra mmA 
siaem grossem Massstabe ausgeführt, er produzirt sich aber 
nicht so schon 3 da er durch die Hütten der Araber g^aiir 
terbaut ist, auch ist seine Skulptur nicht su reicli^ wie die 
des Tempels in Baal heck. Dass dieser herrliche Bau aus 
den Triimmern des Pantheons hervorgegart gen seyii soll, 
aus denen ihn einige in späterer Zeit zusammen gefngt wissen 
wollen, ist eine illusorisch hingeworfene Behauptung, die keifte 
Wahrscheiniichkeit für sich hat; denn erstens zeigt di 
«rste Bück, der in technischer Beziehung auf das Panih 
geworfen wird, dass es unter allen seinen' Baudemenl 
vielleicht kein dnziges gehabt haben kann, was bei Anrruhm 
des Sonnentempeis, dem ganz andere DiaaensiotKjn eu Grün 
liegen ) hätte benüzt werden können; zweitens beurkutii 
der Anblick dieses herrlichen Meisterwerkes der grfeehfselt' 
Baukunst, dieser hoclist vollendeten Skuiptnrcrti^ jene 
von Symmetrie, den ich in dem Masse und bls^l^ 
Detail bei keinem Werke des AlterthuMS ma 
sah, dass man liier vor keinem Stückwerk« 
Grösse stehe, sondern dass mau ein Orig^ 



1 



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jogle 



707 

habe, .weicht)' sitlbftt gproBs. g^ebc^nj noch naeb vielm Jab^ 
hundertea^. iVfMiii auch in Trümmer lieg'ehd, im unerborgten 
Glänzte, fortlebt. J¥on dem Pdrttkus, det 36 oder S8 Siuleil 
gewählt: babeii mag^, «tdi^n nur noch 16 Säalen, von denea 
jede im Schalte .46: Puds, im Kapital aber 5 Fosa 8 Zoll 
Wiener .]Mas$^f^fo}gli6h zusammen 51 Fnss 8 Zoll hoch iKt« 
Auch, sie ;sind Alle, von korinthischer Ordnung und halten 
im Dmrchmßss^r vob 6 zu 5 Fusa. Wie die des Paatheona, 
aua Ma^*mdr aag^efertigt, sind sie hinsichtlich Ihrer Ausffih^ 
cung' nicht tiinder achdn, nicht minder edel. Besonders herrlich 
nra^s* dei'tPIafoad oder das Gewölbe g;ewesen aeyn, was den 
eigentlichen Tempel > deckte; denn man kann darauf von der 
sell^toen Pracht det Skulpturen an dem Gewölbe schliesaen^ 
welehes ieh Portikua bedeckt und deren Laubwerk mit einer 
solcheh Syd[imetriti arrangirt Ist, dass zu jedem Blatte, welches 
maa an. irgend einer Stelle auf dieser Seite der Tempel* 
wand ibcizSeüßhltet^ das* Gegeastiick auf. der andern Seite und 
auf^iden- ZoU'genau ari der korrespondirenden, Stelle zu fin« 
den iat.' Ich sah in einem der kostbaren Pllaster, welehe 
die vier .Ecken des Innern des Tempels bilden, eine Wendel- 
tilelqpej ao ainnreich und mit. solchem Aufwände von Kunal 
angebracht, ddss sie allein Gegenstand des Studiums eines 
Bauverst&ndigeh {st: So. ist aueh das Portal des SMneiir 
tempels ein wahres Meisterstttck der korinthischen Baukunst^ 
ein .'Ideid wen Symmetrie, . daa Schönste in der Ausführung, 
was sioft vliilleioht je geliefert . hat oder was uns vielmehr 
von ikr> geblieben' ist. Der Schlussstein. des Portala ist durch 
dasEa^bebdn Uu Jahr 17i^9fost einen Fusa herabgesunken und 
machte ciich.ih seiniJr gegenH^ärtigen Lage, wie wir aus deif 
Ansicht dea Itaneitodea Sounentempeb aehen, aehr malerisch, 
aber auchiJhlnsichtiichi der .Skulptur ist dieser Schlussstein 
von. grossem Ktmatwierth« Ein Adler,. imit zwei Genien zur 
Seite^ &tudierr,Haüptgegenstand. der Darstellung, an den 
Seiten. Rebeii^Festona niit Anloretehen zwischen den Blättern« 
filne:;Giiuppe,i ebenafet imeisterbaft ausgefiihrt, als reich an 
Phantaäi^^l.ßehi? dft, wenn loh in später Zeit vor deu Pracht-. 
monumenten.Egypteiis» aland^ fiihete mich die Erinnerung au 
Baalbecks Tempel aariiok. Sehr verschieden ist derEhidruek, 



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TOS 

B^nerii^ hier * «ufiul«Mtei6lldi* f > von ' jetteul y * diti i ivr fr kMett . Äiteh 
Kdttit) iikht Mo«^ twch Ifatod) ^b fli.> B. .KaiPyVanoldi^ 
taifg|iirei>; mMmt In deneti-^ lii«w«k^eii dlenemldfel iti -Ihver 
Ud^steii ¥o]lendirag auftritt, wie in ^ton^T^iftii^ Voft Tbebesi 
Tenlyt«^ Esne, Katabecbe, Pbilad^^^.^ Mii^Iit lti'46r igimMii 
Darstellutig ein erttöter^ fihMerer' Geist. •■Mahfiiaieht es n 
den Teeipfeln selbst, di^s der- Schleier d«s MysttefeitMi^ dM 
GtittM^eii* endurolidriD^Heh nmfing^^^idask UM dieifiMtMt 
&räei»liaild'«Bd er ste ^eh\f fTnrditeteals KeMöi .Dei^ MiQiaaii 
wdti Itä eg^i^tisehen Tempel dureh diebi> iaMriiläcfaci) Wamm 
jgtmkkt der Gottheit efdr&ckt; im grteohiselieH)Teiii|]Ielit«iiide 
cfr w ihr emporgehoben, beseligtet dtifch'^ihiie>jG8ttlldildM^ 
dfekMr vor Htm stand. 'Midi sehaudali:e) «M doli eiuWia 
gfrftsipeni FelsenteiApeil von Ibsainbtfl'belni trögierischefi SoHelne 
desiFaokellichte« vor die vier hinter dem'Opfdrsteih sitsendea 
6Mtei%llder hlnirat^ und ich sab jdebh> hui« fltembildeip v«r 
ttlr ttnd bewunderte dariMi ttur'd1el)aIte,nnnsei'd]^<*Ge8dbidite 
t»«mttS^egMg^iie Kunst* g^sser ¥ftlher. a Was^' dius^te lAer 
Biensseh tfihlen) der In^ dip«en Steinbltdem: «hinfe>iG3ttev/Bah, 
dte Ihn vemiehten konnten, wann sie wollten?' Ber qgüy 
lisehe Kultus und' die von liim gewedite-Kunst^i sduilca 
Werke vim stnihlend^ Prt^t, die sieb jedoefa'siets nnii' 
srtmi KeUssalai ab zum Istbetlsch Sdlidaen->liiiineigtki4t^ 
gfledkisefaira Tempel, der sieb auf den Trümmern tteif UMa 
Bkaltempeta erhob^. und M auch in. 4^ieleil: den I Tempel, ^Ae 
tHrneehi heutzutage, wenn auch nurlnlTrJIttmeräjiibj^iMfelHlV' 
kndy Sizfflett etc. bewundent, stfattiöti allei AiiftUMigf «tti 
Kunst entftiltet sieh Im fr^esten^^ edehrten^^ iyu6iaiv#iki|PI 
rfehis wirkt druckend mf den eei8t^aroHi<A[yrnicktBi)Ü4M( 
d«a etenkfttb mit Banffem , lüihüi nliiniiiri iih lUllrfiiiiannt 
das in den egypttseben Me^menfen sMk vbknndl'hussprtclil^j^hi 
vrir hinsehen. leb will daiiit kefoiem |ilarll>efibn)j 
wefttt wir eine sokbe Ideenfiille ' andere «b^iikmdftil 
ver de» andern den Verzug hineiditfiehariß Kv'PM'^ 
demi In dieser Beatebnng stehen isie vrebl ^beide |;lelM»t 
da, jth apredhe nur von demi v^neUedoliiH JSin 
sie auf am SeiHMh berwrbiMgeii^ ise itii(ie> 



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VerdcbieAaies nhtt itiia dcMikf, Wi>hii tnäh d^n'MftißbtlefDMk 
tttid ^ekin man Sali tk Maria' Mkg^ttre in Rom lietrfft, ohn^ 
dass tnan delMWcigeh der gi'othfetbc^n erder dferiWlienlacheil Bäti^- 
kunst, d6t eiiieli auf RedtiMfifai^ d^r andern, deti ¥orztig^ gibt. 
6le Batidtefne ^n'Baiilbecks Tempdn wui*deh Ton Antt- 
libanon^ mid 2War ganz^ ans der TCSbe, g;eboIt. Eifiei^ def 
^rossteir Steinbrüche befindet Mch eine bdibe Stunde sfid^ 
ivestliiih Tön der' Stadt nbd dicht an der Sträsäe, tveleb\e 
Von 'Baalbeck nach Damasktisf&hrt.* lii diesem JStetnbnK^ii^ 
sifeht mati ndcb einen jener 6ig;attten Hegten, ans deiien die 
Alten das Thndam^nt ihres Baaltempels aiifinihrten. Er M 
in technischer Beziehung sehi* interessant; denn in seiner 
Beschänting^ erhält man manehen Aufschluss Aber die Art and 
Weise, in -welcher derlei' ungeheure Massen von den Alten 
gebaudhabt tvnrdeto. Es sey in naehstehender Zeiebnültg: 




g der Schüttböden ödet* die Sohle' des Steinbmches, auf der 
mah eiüe, taugllehe StHtie Vet^prechende Batik des Kalk^ 
Steins dnr(;h Abtaütfiarbelt Von oben weitär verfolgte.' FanA 
man das Gestein in erfördet^lther Ganzheit, sTo schrliC man 
Kur AUsbr&stung oder Anssciii%mmung eiü^ solchem Paraf- 
ielepTpeds Voll 65 Foss Länge, bei t6 Fus^ Birefte und IS 
FuM Hölie. Man maebie Zuerst d}e obere Seite ab in ihrer 
ganzen B^^tte von denä darauf liegenden (Sestehie ef fref, 
damt sobrimiiile man die beiden ElidAaehen ao nnd bd los 
und maehte den Stein anch auf der ganzen Rftebsette fret^ 
der es dadurch von allen Seiten \vurde, indem 6r nur mit 
der nntem Fläche c d noch mit dem festen Gesteine In Ver- 
bindong atand« Ikiveh die von der Natnr gegebene Nelgmig 
der GesteiHseMehteii war auch iNe Lage dleaea StelM iron 



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710 

rVunhereiti eine genei^e mfl ntßixi brauchte itlso nur bei der 
Losscbrämmuiig; des Steins von unten onterznlegen, so gönnte 
man ihn ohne allen Anstand ui|id wenn man nur wollte auf 
Walzen legen« Diess scheint auch bei; den Alten die Ab- 
sicht gewesen zu seyn; .denn soviel vvir aus einigen Abbit 
billigen in den Felsengräbern Oberegyptens wiftsen, so geschah 
der Transport dieser Steinliolosse durchaus auf Walzen und 
.^war mittelst thierischer Kraft, nämlich durch Ochsen ** Zu 
4t€iser Absicht scheinen auch die Scbnämipe an der untern 
Fläche dßs Steins selbst angebracht ;worden zu seyn, durch 
die man vorzuglich das Ausgleite^ der Walzen verhinderte. 
Die Löcher an den längern. Seitenflächen des Steins, die 
:nur lyenige Zolle tief sin^, aber in einer Reihe ringsherum 
aUrh ziehßn^ dienten wahrscheinlich: als Angriifsmittel für die 
Hebebä^me, pm diese Kolosse theils zu bewegen, theils während 
der Bewegung in einer gegebenen Richtung inne zu erhalten. 
Von Interesse sind auch die vielen und grossen uuter- 
ii*dischen Gewölbe in der Akropolis zu Baalbeck. Sie ziehen 
sich weit in das Fundament hinein, wenn auch nicht gerade 
in den Theil desselben, den wir für den ältesten halten, 
und hinsichtlich ihrer einstigen Bestimmung scheint man 
überhaupt, da man ihrer in den meisten Werken, diesen 
Gegenstand beriihrend, fast gar nicht erwähnt sieht, noch 
wenig nachgedacht zu haben. 

.^,,. Jedes Land hat ßp gewiss fl^iue Eigenthumlichkeiten, 
sdjuf; Merkwürdigkeiten, wie map s^t, die z>var oft dess- 
|^9gj|ßn. nicht so mejrk würdig, weqig^tem^^ nicht das Merk- 
.würdl|g8te des Landes sind. Häufig, aber haben solche Gegen- 
stände hohen Werth durch die geschichtlichen Erinnerungen, 
d|e;aich an sie knüpfen, und schon desswe^en ist es sehr oft 
lind mjt Rffcbt des Reisenden wichtigstes Änliegc;n,, derglei- 
chen Plätze zu besehen , die sehoi;! hMndcrtmal besehen, 

r.v\ ^ . Pf lobt uninteressaiike Kötizen öbir derlei Gcgeaatände findet m«D 
ifi, ^|ner ,ii^ir vor Kurzem zugeJfpinmenen AbhaiMlInng yon .Fbrvusg; Oo 
lhe,£Q^ip^eriiigof theancient Egyptiansiu the London Journal and reper- 
tory^o^ ärta, sciences aiid Manufactures/lS41. Oktober. Nrd. 118,19. 7oI. 
und in: 

. Dämoisbav: Voyage en Syrie et dans les desertes« Paria 1833 et«. 
I. ^WausTBD: Reisen nach ler Stadt der Kalifen. Pforzbetm 1841. 



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711 

faimclertmal besclirieben worden sind. Dahin geliören z.B. am 
Libanon die alten Cedern , die eigentlich als ein Wallfahrts- 
platz betrf^chtet werden iniis^en. Sie zu besuchen , war schon 
lauge mein Streben, was von Baalbeck aus nun am leich- 
testen verwirklicht werden konnte. 

Am Morgen des 21. Oktobers ritt ich mit Kotscm, 
MoRTscH, meinem Bedienten, einem Führer, einem Manne, 
der den Barometer trug, und dem Mucker, der unsere Pferde 
und MauUbiere besorgte, aus unserm kleinen Lager fort. 
Wir zogen über die Thalebene 1^ Stunden in NW. zu einer 
ganz freisteheuden Säule mitten im Thale. Ihr Schaft ist 
ungefähr 25 Fuss hoch und besteht aus 15 Stücken, selbst 
das Kapital ist zusammengesezt, und das Ganze produzirt sich, 
besonders in den Augen dessen, der von Baalheck kommt, 
als ein elendes Machwerk. Wie diese Säule *dahin kam 
lind warum 9 das ist mir unbekannt, wahrscheinlich ist sie 
ein Kind der Laune aus schlechten Trümmern, in Baalbeck 
gefunden, schlecht auf ihrem gegenwärtigen Standpunkte 
zusammengesezt. Wir sezten von da in gleicher Richtung 
unsern Weg weiter li Stunden bis ziim Kloster Deir 
el Achmar (das rothe Kloster) fort, wo wir unsere Pferde 
etwas ausruhen Hessen. Dieses, ganz kleine Kloster, 
von dem Ich eigentlich nicht einmal weiss, ob es damals, 
als wir dort waren, auch bewohnt war, liegt am Rande der 
Thalebene und am östlichen behänge des Makmel, der sich 
von da au stell erhebt *, 

^ Woher der Name ^^Makmel^ eig;entlich kommt ^ kann ich nicht 
«ag^n, denn von den Eing^ebonien hdrte ich diese Kup|>e des Libanon 
nie so nennen, und g^beu wir forschend nach der Quelle dieses Namens 
in den Karten zurück, so finden wir ihn zuerst durch den verdienst- 
vollen Reisenden Ehrenberg in die Geographie eingeführt. Das ganze 
Gebirge heisst eigentlich Dschebel Liban, d. i. Libanon, und der Theil 
oberhalb der Cedern, ^oiu anch unser Makmel gerechnet werden kann, 
heisst Dschebel Arneto. Da jedoch der Name j^Makme^* in die Karten 
von Syrien und zwar in die besten , die wir bisher haben , in die von 
Bbaghaus und Kobjivsoiv, aufgenommen wurde und sein Name die Auto- 
rität eines Mannes für sich hat, der zur Angabe dieses Namens seine 
guten Gründe gehabt haben mag, so hütete auch ich mich, daran etwas 
zu ändern, weil ich eine Änderung hier auch durchaus nicht für wcsent- 
lith erachte. 

Rvkm:o<;»:i(, ReiNeii. l.Bd.^.TItl. 46 



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Cedern zii bleiben, denn es ^ey die Jahreszetf schon zu seht 
vorgerückt und die Nächte seyen in solchen Höhen bereits 
nnansstehlfch kalt. Mich so leicht von einem vorgesezten 
Plane abschrecken zu lassen, war nie meine Schwäche, und 
wir sassen daher auf und ritten vorwärts. Wir ritten deil 
Weg nach Tripolis, der ganz gerade das steile Gehänge 
hinanführt Mit Anbruch der Nacht und t2 Stunden nach 
nnserm Aufbruche von Ainete gelangten wir auf das höchste 
Joch des Libanon, aber das unser Weg uns führte und 
das, nreinen Schätzungen und Vergleichen mit gemessenen 
Stationen zufolge (denn hier selbst eine Messung vorza<^ 
nehmen, hinderten mich Nacht und Wetter), eine Meeres* 
höhe von 7000 Par. Fnss besitzen mag. Schon als wir noch 
auf der östlichen Seite unter die Höhe heran kamen , fing 
es an zu regnen und etwas zu schneien, dabei ging eilt 
starker, kalter Wind, der aber auf der Höhe selbst so eisig 
wurde, dass wir es nicht mehr zu Pferde aushalten konnten, 
sondern absteigen mussten, um uns durch Gehen nur etwas 
zu erwärmen* Doch gerade dieser Wind, vom nahen Meere 
kommend, fegte den Himmel rein, und da in demselben Mo- 
mente der Mond von den dicken Wolken befreit wurde, die 
Ihn bisher uns verhüllten, so konnten wir uns zur Rechten 
am westlichen Gehänge des Makmel einen dunkeln Wald* 
fleck ausnehmen, auf den unser Führer mit den vor Frost 
steifen Fingern hinwies und sagte : >,Sieh, die Cedern^ ! Wir 
wendeten uns nun dahin, doch brauchten wir, um über das 
feisichte Terrain hinabzukommen, wobei wir den Weg ver« 
fehlten und unsere Pferde stets führen, mussten, eine volle 
Stunde, bis wir an den Cedern selbst anlangten, so dass wir 
also die Cedern 10 Stunden von Baalbeck entfernt annehmen 
können^ wovon wir 3 Stunden von Baalbeck nach Deir el 
Achmar, 4 Stunden von da nach Ainete, 2 Stunden von 
Ainete auf die Höhe und 1 Stunde zu den Cedern zu rech- 
nen haben. Die Cedern liegen am westlichen Gehänge des 
Libanon, oder genauer am südwestlichen Gehänge des Mak- 
mel, der höchsten Spitze dieses Gebirges ; oberhalb Tripolis^ 
in einer Meereshöhe von (lOOO Paris. Fuss, nördlich der 
Strasse, welche von Baalbeek nach Tripolis führt, in einem 

4Ö* 

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714 

weiten, kesselförmigeii Thale, ein sogenanntes Kaar, das 
nur Weide für Schafe und Ziegen an den Gehängen, für 
Pferde nnd Rinder an der Thalsohle darbietet, aber ausser 
tieii Cedern nicht einen Baum oder Strauch von Bedeutung; 
hemerken lässt Die Gegend um die Cedern ist dalier äus- 
serst leblos und öde; denn die menschlichen Wohnungen 
beginnen erst etwa 1 Stunde unterhalb den Cedern, in den 
paradiesischen Tbalschluchten, welche sich au die Meeres- 
küste bei Tripolis hin erstrecken und die ihrer herrlichen 
Lage, ihres milden Himmels wegen mit Recht berühmten 
Ortschaften B*scherre, Eden, Kannobin, Siwah und so viele 
andere enthalten. 

Ein sonderbar eigenthümliches Gefühl bemeisterte sich 
meiner, das ich einen helligen Schauer nennen möchte, als 
ich im Lichte« des Mondscheins und des nun ganz heiter 
gewordenen Sternenhimmels in das Dunkel der Cedern ein- 
trat und mein Pferd an dem nächsten Stamme anhängte. 
Die Eindrücke der Schilderungen, die uns von diesen Gegen- 
ständen in früher Jugend gegeben werden, sind es eigent- 
lich zum Theii, die diese Gemüthsaffekte hervorrufen; denn 
sie werden durch den Moment der wirklichen Anschauung 
wieder erweckt, aber erweckt in einer andersfühlenden Brust 
Es ist nicht mehr das kindliche Anstaunen des Knaben, es 
Ist der Ernst des Mannes, der den Gegenstand im hellen 
Tageslichte beleuchtet sieht, den der Knabe im rosigen 
Lichte der Morgenröthe seines kindlich-frommen Herzens 
sah, und während dfeser schwelgte in der Macht des Glaubens, 
dürstet jener an der Quelle des Wissens. So standen sie 
denn vor mir, die alten heiligen Bäume, die Jahrtausende 
an sich vorübergehen, die von ihrem erhabenen Standpunkte 
aus Völker glänzen nnd verschwinden sahen , die schon 
lebten als Baalbecks und Palmyra's Prachtmonumente sich 
erhoben und die noch leben, dai<«der Araber seine schmutzige 
Hütte an die edle korinthische Säule klebt. 

Das ganze Cedcrnwäldclien erhebt sich auf einem steinigen 
Hügel und besteht in Summe aus 300 bis 400 Stämmen, 
theils den Resten eines Waldes, der wahrscheinlich einst das 
ganze Thal erfüllte, thelis den jüngsten Nachkommen der 



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TI5 

greisen EMerti, die in Ihrer Mitte stellen. Von obigen 300 
bis 400 Stämmen sind die meisten in einem Alter von ein 
paar hundert JWhren, mehrere mögen 400 bis 80Ö Jahre 
zählen und zahn sind gams alte, unter denen sich wieder 
sieben, theib durch ihre besondere Grösse, theils durch ihr 
besonders altes Ansehen auszeichnen. Das Alter der lezten 
wird sehr verschieden geschäzt: denn von einer genauen 
Altersbestimmung Iiann bei Stämmen keine Rede seyn, die 
zum Theil nur m^hr aus einem Stück Rinde bestehen, wel- 
ches durch seine Lebenskraft den ganzen Baum erhält. 
Dass diese Stämme ein paar Jahrtausende zählen, möchte 
auch ich wohl annehmen, besonders wenn ich Ihre Grösse, 
ihre Dicke, den steinigen Boden, auf dem und die hohe, 
windige Lage, in der sie gedeihen, berücksichtige. Schön 
sind diese Nestore der Pflanzenwelt gerade nicht, aber 
ehrwürdig sind sie in hohem Grade. Man sieht in den 
Wäldern am Tanrus viele geradere und überhaupt schönere 
Cedern, während die am Libanon ein mehr krüppelhafles 
Ansehen haben. Alle alten Stämme tlieilen sich in mehrere, 
doch da diese Theilung erst 4 bis 6 Fuss über dem Wurzel*- 
stocke statt hat, so sind sie in ihrem wahren Umfange noch 
so ziemlich genau messbar, und ich fand den Umfang des 
grössten jener sieben Bäume gleich 45 Wiener Fuss, was 
freilich erst die Hälfte des Umfanges des grössten Boabab 
(Adansonia digitata) beträgt, den ich später im tropischen 
Afiika sak Die Höhe dieser alten Cedern des Libanon 
ist nicht bedeutend und dürfte 50 Fuss wohl kaum über- 
steigen. Die ältesten Bäume stehen in der Richtung Nord- 
Süd auf dem Rücken des Hügels, und vier davon bilden die 
Ecken eines regelmässigen Vierecks, in welchem unser 
Lagerfeuer loderte und wo wir die mir unvergessliche Nacht 
zubrachten * 

Kann man die riesenhaften Adansonien die Dickhäuter 
der Pflanzenwelt nennen, so kamen mir die Cedern, die 
sns umgaben, wie Polypen vor, die ihre Riesenarme über 

* Eine sehr gelung^ene Abbildung dieser alten Bäume befindet sich 
in Syria and tho holy Land etc. by Bartlbtt, Will. Pürser, ,Johw 
Carnk etc. 1. Vol., pag. 65. London. 



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7M 

«M in mancherlei iUclitnngen lirennCen, was ben^ndera fcei 
dem flackernden Scbeiu des Lagerfeuers fast etwas Geister^ 
liaftes hatte. Die Nacht war kühl, aber h^i weitem niclil[ 
so sehr,/ als mich die Leute von Ainete furcliien g^natht 
hatten, und wir würden sie noch besser zugebtacht haben^ 
wenn für unsern Magen besser gesorgt worden wäre. Nach« 
dem wir uns in Anschauung der Cedern erschöpft hatten, for- 
derte der Körper, angestrengt durch den anhaltenden Aitt, 
seine Rechte, der Korb ward geöffnet und siehe : der Kaffis 
war ganz vergessen, und statt drei Flasdien Wein hatte 
mein Bedienter das unselige Malheur, drei Flasdien Öl 
eingepackt zu haben. So bestaud denn unsere ganze Tafel 
in ]3rod, Rosinen, Wasser «nd OL In solchen Momenten^ 
wie eine erste Nacht unter den Cedern, muss der Mensch i 
iiber alles Gemeine erhaben seyu, und dieser Gedanke allein ' 
rettete den Unglücklichen, der uns so mitspielte, dass ich 
meine gerechten Zweifel an seiner Intelllg^iz nicht miver^ 
holen aussprach. Ich hüllte mich tief In meinen Mantel and 
legte mich dicht ans Feuer, Mortsch wälzte sich brummend 
neben mir, zwar nicht auf Lorbeeren, doch auf Cedernstreu, 
die er sich ge.'^ammelt, Kotschi sass am Feuer und schrieb; 
denn selbst der Anblick der drei Öiflaschen konnte den 
Aufschwung seiner Muse nicht mehr hemmen; im dunkeln 
Schatten einer alten Ceder endlich lehnte 'der vierte, der 
Stifter des Unheils und dachte über das Geschehene nacb^ 
wie einst Nabuchodonosor , als er Heu frass, au seine 
früheren Diners gedacht haben mag. 

Noch vor Tagesgrauen waren wir schon wieder auf 
den Beinen. Vor Allem besahen wir uns nun die Cedern 
genauer, massen sie und machten ein paar Barometer-Beob- 
achtungen zur Ausmittlung der Meereshöhe . unserer Station« 
Die alten Bäume, deren Stämme kaum mehr aus etwas andersi 
als aus der blossen Rinde bestanden, grünten nicht nur recht 
frisch und üppig, sondern standen sogar in voller Blüthe^ 
ein wahrhaft schönes Bild eines jugendlichen Greises h« 
Gegenhalt eines greisen Jünglings, und ein Beweis, dass 
diese Cedern vielleicht noch manches Jahrhundert durchleben 
können, bevor sie, wenn man ihre Ruhe nicht stört, der 



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717 

Zdt znm Opfer fallen. Von den Cedern sieht man über 
die niederem Vori>erge frei auf» Meer hinaus, und auf der 
Kustenfabrt zwischen Tripolis und Dschebeli miiss man sie 
auch vom Meere aus als einen schwarzen Fleck am kahlen- 
und fahlen Gehänge des Makmd, unterhalb seiner höchsten 
Spitze, ausnehmen können. 

Um 7 Uhr brachen wir wieder auf und ritten auf die 
Höhe des Libanon zurück, die wir den Abend vorher, von 
Baalbeck heraufkommend, überschritten hatten. Dort Uessea 
wir unsere Pferde , um sie zu schonen , und schickten uns 
an^ den uns zur Linken, das heisst nördlicli unsers Weges, 
liegenden höchsten Gipfel des Makmel zu besteigen. Man. 
kann übrigens auch zu Pferd recht gut auf alle die um-« 
Begenden Gipfel des Gebirges gelangen, denn, wenige Stellea 
ansgeuomnoien, ist der Rücken keineswegs so scharf, wie er^ 
von unten herauf angesehen, erscheint. 

Nach zwei Stunden, die ^ir dem Rücken entlang hinauf^ 
stiegen, gelangten wir auf jene Spitze des Makmel, die, 
von Baalbeck herauf angesehen, als die höchste erscheint 
and die, meinen Beobachtungen zufolge, eine Meereshöhe 
von 8400 Paris. Fuss hat. JNoch lagen grosse Massen vor-: 
jährigen Schnees in allen Vertiefungen umher und zum Theil 
auch auf den Rücken, und der Aussage unsers Führers und 
der Bewohner von Baalbeck zufolge geht der Schnee auf 
diesen Höhen nie ganz weg. Die Schneelinie scheint also 
am Libanon etwas tiefer zu liegen, als am Taurus, und auf 
jeden Fall tiefer, als es eigentlich der geographischen Breite 
Knkommt, in welcher der Libanon liegt. Ungefähr zwei 
Stunden nördlichersahen wir im Zuge des Dschebel Arneto 
einen Gipfel von ähnlicher Form, wie der Makmel, aber 
dem genommenen Höhenwinkel zufolge beiläufig um 40Q 
Par. Fuss höher als dieser. Diese Spitze des Dschebel 
Arneto also, nordwestlich oberhalb Eden liegend und gerade 
nördlich von den Cedern, ist der eigentlich höchste Punkt 
des ganzen Libanon, dem mithin eine Meereshöhe von 8800. 
Paris. Fuss zukommt. Ich halte diese Kuppe noch niederer, 
Als die höchste Spitze des Dschebel el Schech oder el Teltscb 
im Zuge des Auülibanon, die in jedem Falle die Meereshöhe 



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71S 

von 9000 Piiris. Fuss iJbersteig^en durfte* Die Zeit wiiHe 
uits zu kurz, lim noch die erwäluite Kuppe des Arneto zu 
besteigen ; man kann übrigens vom Makmel ans ganz bequem, 
seilest zu Pferde, dahin gelangen. Unsere Fernsicht, die 
sonst bei günstiger Witterung aiisserordeDtlich schön seyii 
sollte, war vom Gipfel des Makmel aus sehr beschränkt; 
denn WolKen batteii sich iir jeder Richtung über Meet und 
Land gelagert. Kaum sahen vih den Libanon und Anti- 
Hhanon bis zu ihren Ausläufern in dien nördlich vorliegenden 
Ebenen bei Hoemms und im Waddi el Hossn (Waddi el 
Hussän oder auch schlechtweg el Djunie, ilie Ebene, genannt), 
kanm konnten wir die Bei*ge bei Tripolis und das Meer 
selbst deiitiich ausnehmen. Wie ein schöner Farbenteppieh 
aber lag das Thal von Baalbeck zu unsern Füssen* Auf 
der Höhe des Makmel ging der Wind so furchtbav kalt, 
obwohl die Temperatur der Luft nur -f §^ Reanm. betrug, 
dass ich kaum mieiir beim Zusammenlegen ; meines Baro- 
meters im Stande war, die Schrauben ordentlich aiizuzi^eo. 
Wir traten daher schleunig unsern Rückweg wieder an, ver- 
irrten uns zwischen Aiiiete und Deir el Achmar noch ein 
paarmal^ und kamen erst um 9 Uiir Nachts in unsemi Lager 
zii Baalbeck wieder an. 

Am 23. Oktober verliessen wir Baaibeck, um uns nach 
Damaskus zu begeben. Wir ritten an den Steinbruche» 
vorüber und das Westgehänge des Antilibanon hinan, pas- 
sirtCQ mehrere ganz malerisch liegende Dörfer, warfen noch 
manchon Blick auf Baalbecka prächtige Tempel und auf den 
schneebedeckten Makmel zurück und verloren uns gegen 
Abend in den hochliegenden Thälern des Gebirges. Der 
Antilibanon bildet in seiner ganzen Erstreckung nördlich des 
Dschebel el Schech einen fast eine Tagereise breiten Rücken, 
der aus einer Menge kleiner Plateaus besteht, die zum Theil 
selir bedeutende ßergspitzen tragen , zum Tlieil von tiefen 
Thälern durchschnitten werden und ein nicht unbedeu- 
tendes Gebirgsland für sich konstitalren. Der westliche 
Abfall des Antilibanon, d. h. der Abfall in die Ebene 
Von Baalbeck, ist stell und nicht sehr fruchtbar, die Plateaus 
und Tliäler auf deia breiten Ge1)irgsrücken hingegen prangen 
in einer herrlichen Vegetation, tbeils ein schönes Weideland, 



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719 

thefls kultmrt, biiig;eg<^ii sind die Berggehäng^e auch aaf 
der Höhe des Gebirges meist baumlos uad ausser . aie«- 
denn Grase hSchstead mit Strauehweric und Z^wecgeielie» 
bedeckt. Gegen Ost fallt der Antiliban^a terrassenförmig, 
gegen die grosse, syrische Wiiste ab, und erat der leate- Ab« 
fall dieser lezten Stufe in die hochliegende Ebene von ; Dar. 
maskus, n&mlich der östUche Abfall des Dschebel Salehieh, 
ist if^leder steil und prall.. Diese klonen Plateaus ond Tha-^ 
ler, weldie den'eigentliehen Hauptrudten des Antilibanmi 
bilden, dessen mittlerer Langen-Durchschnitt sich von'dieiBi 
Hanptstocke des Dschebel el Schech iiber Sebdäni hl|i er-» 
strecken dürfte, sind der SammeUPIatz einer Menge voir 
Bächen und Fliisschen, die sich grösstentheils Ober d^n.pst« 
liehen Abhang In: die Ebene yon DaaMuskus ergiessen. viii4 
doli, nachdem sie schon auf dem AntUibanon. selbst hi iill 
den Thalern und kleinen Ebenen eine höchst gesegnete Ve-< 
getatton hervorgerufen haben, in der Umgebung' der >heiiit 
gen Stadt jenes Paradies des Morgenlandes schufeq., dt^ 
Mir nun bald kennen lernen. Kcrden. Dler Antiliban^n *mir 
ferscheidet sich daher wesentlich in seiner Physiognomie 
vom Libanon; denn während leztener mit beiderseits steilen 
Gehängen als hoher und verhältnissmässlg zur Höhe sqhma- 
ier Rücken mit tiefen und engen Seiteuthälern , wie ein^ 
Mauer, emporsteigt und gegen Nord immer höher win^i j^ 
seine bedeutendste Höhe dicht an sdnem nördlichen Ende 
erreicht, erhebt sich erstrer als ein breiter Rii^ken n|it 
Hochebenen und Hochthälern, fällt nur ^gen W^t steilj 
^egeii Ost abfer stufenweise und^saqfter'ab und Wird gegen 
Nord ifnmer breiter und . niederer, bis er sich endlich ii|(4^u 
Ebenen verliert, wähl*^nd er seine höchste Erhebung an 9ei- 
neni Siidende, oder eigentlich art seinem Anfangspunkte, aM 
<iem grossen Gebirgsstocke des Dschebel el Scheoh oderel 
Teltsch, besizt. 

Wir erreichten den höchsten Punkt des westlichen Ruiit 
des des Antilibanon oberhalb der Ebene von .Baalbeck mit 
Anbruch der Nacht. Meiner Scbätiiiing nach dürfte das 
Vbergangsjoch die Meereshöhe von 4000 Paiiser Fuss kaum 
übersteigen. Der Weg senkte sich von da wieder und 



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fQhrte uns fast etae Stunde lang bfs in ein weites ThmL 
Aaf der ^nzen Strecke hatten wir znr Linken eih Teiles 
dehittge, zur Rechten einen tiefen Abgprund, hi welcheai 
an Bergstrom bravste, so dass man, In dem tnigerfewheii 
Dunliel der Nacht auf schmalem Felsenpfad zu Pferde sitzend, 
wohl einiges Granen verspüren konnte, ohne gerade furcht- 
sam zn seyn. Wh: lagerten uns spät an dem Bergstrome 
und in der Nähe des bedeutenden Dorfes el Sorcheia (der, 
dte, das Kleine). Wir hatten auf dem Wege von hente 
«ndf besonders auf der Höhe des Joches, Ober das wir den 
westlichen Rand des Antilibanon erstiegen hatten und das 
hl gerader Richtung 4 bis 5 Stunden südostlich von Baal- 
beck liegt, eine Menge von Ruinen getroffen und darunter 
Reste von ebenso nmfangreiehen als stattlichen Gebäuden. 
Ich bin zu wenig Alterthumsforscher, um bestibnmen za 
kSnnen, welcher Stadt diese Reste angehSren, dass aber 
läer eine betriichtliche Stadt, analog denen, von weldiea 
vrir an mehreren Punkten Reste auf dem Chalaka bei Aleppo 
tfc^dlen, gestanden habe, das dürfte denn wohl nicht zu be* 
zvirelfetn seyn. 

Am nächsten Morgen zogen vdr Sorcheia vorüber, was 
allerliebst, zwischen Gruppen von Silber- nnd italienischen 
Pappeln va*the!lt, an einem Bergstrome liegt, der dem Bärrada 
zueilt. Überhaupt sind für den Antilibanon jene beiden Pappel- 
Arten* höchst charakteristisch, und man trifft sie zu ganz 
diehten Wäldchen gehäaft in allen stark bewässei'ten Thä^ 
lern und anfallen von Bächen durchzogenen Hochebenen 
dieses Gebii^Rüekens. {He Pappeln umgeben jede Ort* 
Schaft auf dem Antilibanon und verrathen IhrDaseyn schon 
auf grosse Feme. Sie spielen also liier ganz jene Rolle, 
die am Taurus die herrlichen Platanen- und Ndssbänne 
spfeten, nnd da sie am Antililianon, und zwar an seinen Ba- 
chen nnd Bergströmen, als herrschende Baumart atiftreten 
und vrild wachsen, so vertreten sie auf ihrem Terrain aneh 
die Fichten, Tannen und Cedern auf den Hohen des Taurvs 
und die Pinien am Libanon , wodurch von sich selbst daes 

* Popokis ^atata und Popuhis aiba, WiVDKv^ 

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so sehr Veiwliiedeiie im Obamkter der fLtuidsfelifiAta> all4 
jedem dieser drei Gebirge auffallt, io so ferne deracJUba 
durch den Baumschlag bestimmt wird. 

Der Weg stieg tod unserm Nachtlager wieder fortv?älH 
rend an, and die Quellen des Barrada, des bedeatendsften de« 
8 f liisse, welche die paradiesischen Garten von Daaiaskiis be« 
wässern, scheinen mir bedeutend höher zu liegen .ala da4 
Joch des westlichen Randes des Antilibanon, über das wie 
gestern gekommen waren« Wir liessen diese. Quellen^ Ai» 
el Hawra Ajun tat genannt, am Dorfe NebU Schjit dieht 
an unserer Route liegen und betraten bald darauf das herr?» 
liehe Thal von Sebdäni, Ardt el Sebdani, das schönste Tiial 
des Antilibanon. Dicht ^or uns hatten wir die schneebsdeck« 
ten Spitzen des Dschebel el Scfaecfa, zur Rechtan diei zaoki^ 
gen Hörner des Dschebel es Sebdäni, zwiscke» denen die 
gerade .Strasse von Damaskus nadi Beirut hiailier in die 
Ebene des obem Bekaa oder B'kaa .fahrt Das Thal selbafc 
schwelgt, trotz seiner hslEen Lage, iu Frncbtbarkeit wnli 
gleicht durch die vielen und ausgedehnten Pflanaung^o von 
Rebeu- und Maulbeerbäumen einem grossen Garten« HaB 
schön gebaute und mit ansehnlichen Häusern versehend DivrC 
Sebdäni liegt, meinen Bestiaimungen zufolge^ in etaer Mee- 
reshöhe von 4024 Pariser Fuss und ist £ast durchgehends 
von Chiisten bewohnt Sebdäni treibt nicht unbetiüchtBchen 
Handel nnt Seide» 

Als wir, um aaszumhen, einen der Gärten betraten, idie 
Am W^;e lagen und dessen Thor gerade ofkn stand, kan 
der Herr des Gartens sammt seiner Frau und verlangte^ 
dass wir uns weiter begeben sollten. Eine solche Unfreund- 
lichkeit an einem Orte, wo sidi kein Harem befand, war 
mir im Oriente noch nicht voi^ekomineii , und wir sagten 
daher dem Maroniten, dass es uns sebr leid thue, eine Rohheii 
nnd einen Mangel von Gastfreundschaft zueitst bei Christeii 
gegen Christen zu erfahren, da wir sie bei Türken niemals 
getroffen hätten. Diess wirkte, der Alte und mme Theure, 
<lie sich so leidenschaftlich gebärdet hatte, dass unsere 
Hunde Miene machten, sie anzupacken^ ww'den plötzlich 
freundlich und überhäufteu uns zulezt noch mit Milch und 



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7M 

kftstlidien Trauben, ohne dafür Etwts anzanelmcii, was viel 
war, detiu Oeschenken kann der Orientale im Ganzen nkhi 
so leicbt widerstehen. Es war gerade Mittag und wirkat- 
Uk^ im Schatten eine Temperatur Ton 18,6^ Reäum. Auf 
MiMem Wege weiter durch das Thai des Bä^rada passirten 
wir ein paar am Wege liegende Dörfer, die in Berghads 
Karte gut bezeichnet sind und gelangten endlich in das 
tiefei»e Thal des Barrada, wo sich derselbe mehr in Ost 
wiBtidet und die östlichen Randgebirge deti Antillbanon ge- 
^n Damaskus hin in stüfenartigen Absätzen zu dnrchkre- 
eben beginnt. Der erste und interessanteste dieser Durch- 
IrOche ist der Engpass des- Barrada ,>el Suk^^^ genaant 
Der* Anfang dieses herrlichen Passes liegt am sädöstlicben 
Ende der Ebene >>Ardt es Sebdäni<<, in einer Meereshohe voo 
SS40 Pariser Fuss, also niederer als die Stadt Baalbeck. 
In der Kahe des Eingangs in die tiefe Felsenschlueht bildet 
der Barrada unterhalb der Strasse einen äusserst nieditcben 
Wasserfall, der zwar durchaus nichts Grossartiges an sich 
bat, aber sehr yiel malerische Schönheit besizt. Der Anblick 
des. Engpasses des Barrada ist aber selbst für einen Sohn 
der Alpen imponirend. Der Fluss hat sich seinen Weg 
durch eine enge und sehr tiefe Schlucht gebahnt, an deren 
beiden Seiten die wilden Kalkwände kahl und senkrecht 
einige hundert Fuss hoch emporsteigen« Den mitunter anf 
wenige Klafter verengten Raum der Schlucht th^en Fluss 
und Strasse. Mei'kwürdiger Weise hat die Kunst diesen 
vmk der Natur hoch gefeierten Platz ebenfalls zu ihrem 
Wohnsitze gewählt, indem man in den Felswänden des Pas- 
ses, vorzüglich aber In der nördlichen Wand, das ist die 
am linken Ufer des Barrada, eine Menge von Katakomben 
anbrachte, und diese Stelle dadurch zur Nekropolis irgend 
einer bedeutenden und in der Nälie gelegenen Stadt, viel- 
leicht von Abila, umwandelte. Eine erhabenere Rücksicht 
für die Ruhe der Todten hätte man nicht nennen können; 
denn wer die lautlose, dunkle Schlucht des Barrada sah, 

* el Suk, der Marlit; daher el Suk el Barrada. der Markt de» 
Barrada. 



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723 

der miiss gestehen, dass in dem Gedanken, dort seinen lez- 
ten Schlaf zu schlafen, ungemein viel Poesie Jiegt. Übrigens 
sind diese Felsengräber ganz in der Art ausgebrochen und 
ausgearbeitet, wie wir sie häufig in Palästina und an andern 
Plätzen Syriens treffen, so auch z. B., wiewohl in modifi« 
zirter Form, bei Suedie, Antiochia etc. Viele der Gruft- 
Höhlen in der Felswand sind durch schöne Portale geziert, 
an'Yielen Stellen der Wand sieht man Hautereliefs , Stie- 
gen in der Felsmasse ausgehauen und nuii zum Thell herab- 
gestürzt, und ausserdem beweisen eine Menge Säulentruni» 
mer und Reste von Gebäuden, dass hier sehr beträchtliche 
Bauanlagen einst stattgefunden haben miissen. Diese son- 
derbaren Behausungen der Todten in der wilden Felsschlucht 
machen einen unverlöschlichen Eindruck, und hart nur konn- 
ten wir uns von. dem zauberhaften Anblick trennen, doch 
die Nacht brach an und ein Gewitfer. stieg auf, wir mussten 
eilen. Am untern Ende des Passes führte uns eine schone 
Bogenbrücke, eine der besterhalteuen , die ich im Oriente 
sah, auf das rechte Ufer des Bärrada, der in seinem Laufe 
den Pass herab mehrere pittoreske Wasserfalle bildet. Plötz- 
lich öffnete sich uns wieder das Thal, Vegetation verdrängte 
die kahlen Felsmassen, und die Wohnungen der Lebenden 
ti'aten wieder an die Stelle der der Todten. Wir passii-ten 
mehrere Dörfer, niedlich zwischen Kreidehügeln liegend, 
und sdiUigen endlich auf den Garten-Terrassen des Dorfes 
el Suk* unser kleines Lager auf. 

Es. regnete in der Nacht, besonders stark aber am 
Morgen. Da wir jedoch uns vorgenommen hatten als heute, 
25. Oktober, Damaskus zeitlich zu erreichen, so brachen wir 
dennoch auf. Nach einer kurzen Strecke waren wir durch 
und durch nass, und kaum konnten wir unsere Gewehre in 
so weit schützen, dass sie uns nicht ganz unbrauchbar wur- 
den« Wir p^sirten mehrere schön gelegene Dörfer, Hessen 
links die Stelle, wo einst Abila, die Hauptstadt von Abilene, 

^ el Sak zd unter geh eiden von dem g^rossen Dorf^ el Suk el 
Barrada, welches weiter Fluss- abwärts unterhalb dem alten Abile 
liegt. 



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724 

stand niTct rechts nüf einem Berg^e A0i?ls Grab sich befindet. 
Daselbst sollen auch Triimmer eines alten Tempels seyn< 

Diese Dörfer sind dem Namen nach anf der Berohaus^ 
liehen Karte ziemlich gut angegeben, nur seiie ich die Ent- 
fernungen jener Orte von ehiander, die unterhalb dem Eng« 
passe des Ban*ada liegfen, für etwas zu bedeutend, und in 
dem Verhältnisse die Entfernungen jener Punkte, die ober' 
halb dem ^asse liegen, für etwas zu geringe an, ein Fehler, 
der sich wahrscheinlich durch eine etwas zu westlich ange- 
nommene Position des Engpasses ergeben haben dürfte« 
Wir ritten über die schöne Hochebene von el Djedide und 
erwarteten am grossen Dorfe Dumar die des schlechten 
Weges und des heftigen Regens wegen zurückgebliebene 
Karavane. — Die vielfache Zertheilung des Bärrada und 
die vielen Seitenzudüsse, die derselbe im Thale von Dümar 
erhält, bedingen einen Wasser-Reichthum und dadurch eine 
Fülle der Vegetation, die micli staunen machten. Die Gär* 
ten, welche ganze Bäche '6es herrlichsten und klarsten 
Wassers durchströmen, sehen fast mehr tropischen, Urwäl- 
dern, als Gärten ähnlich, und ich sah einzelne Pappelgnip- 
pen, die durch Schlingpflanzen wirklich undurchdringlich 
waren. Was könnte hier der Boden leisten, wenn der 
Mensch Hand anlegen wollte! 

Wir mochten noch ein paar Stunden über Dümar hinaus 
geritten seyn, so gelangten wir durch den Engpass Rabnh, 
den lezten Durchbruch des Bärrada, bevor er sich in die 
grosse östliche Ebene stürzt, zu den Östlichsten Randbergen 
des Antilibanon. Wir wendeten uns links atA Gehänge des 
Dschebel Rabach oder Dschebel es Salehleh hin, wo der 
Weg in den Kreidefelsen, 100 Klaftei* lang und 2 Klafter 
tief, künstlich ausgebrochen, hinab in die Ebene führt. Am 
Anfange dieses Strassendurchbruches steht anf hoher Fel- 
{lenecke aussen, wie eine Warte, weit ins weite Land hinaas 
schattend, eine Moschee mit dem Gmbe eines Heiligen, 
„Kubbet el Massr^. Ein rascher Galopp brachte uns dahin, 
wir sahen hinab in die Gärten von el Gbuta, und Staunen 
lähmte unsere Sprache; denn zu unsern Füssen lag das 
durch Poesie und Religion der Moslims hochgebenedeite, 



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7% 

durch die Notar znm Paradies gesdiaffi^e, das alte, liolllge 
DamaslLUfiK« 

SeegegeDden diMgenommeny die ohnediess einen gane 
andern Cliaraliter an sicii trag;en, diirfte die Ansicht Toa 
Damaskus vom Salehieh herab wohl unter die schönsten 
Punkte gehören, die man irgendwo trifft. Im Rucken die 
malerischen Berge des Antilibanon, wie eine Mauer sich 
erliebend, breitet sich plötzlich die weite Ebene Tor den 
Augen aus. Der dem Gebirge zunächst liegende Theil der- 
selben, el Ghuta genannt, ist ein grosser mit den herrlichsten 
Fruchtbäumen dicht besezter Garten^ dessen Umfang wenig* 
stens 10 Meilen betragen muss. Acht Bäche und Fliisschen, 
grösstentheils Arme und Zweige des Barrada, ziehen sich 
in den mannigfaltigsten Richtungen zwischen den dichtbe- 
laubten Bäumen und wie breite Silber-Bänder über die blu- 
menreichen Wiesen hin , und mitten in diesem herrlichen 
Grlin, mitten in diesem schönsten der Gärten liegt Damas- 
kus, in der Form eines Kreuzes ausgebreitet und an Grösse 
Aleppo iibertreffend. Damaskus, nach der duftenden Poesie 
des Morgenlandes von den Genien des Wahren, Schönen 
und Guten für die Blume der Erde, für das irdische Paradies 
erklärt, ist im Ganzen wie in allen seinen Theilen rein 
orientalische Stadt, da ist keine Pfuscherei des Abendlandes 
in Form wie in Stoff, alles ist originell, ein Bild aus Tau- 
send und einer Nacht, eine würdige Khalifen-Stadt. Elite 
fruchtbare Ebene umschliesst weiterhin den herrlichen Gar- 
ten von Damaskus, die sich in Ost, jenseits der Terrain- 
Einsenkung, welche zwischen dem Dschebel Utala Satire 
und dem Dschebel es Szaffa alle Wasser von el Ghuta 
aufnimmt und dadurch den See „Bacher el Merdschi^ bildet, 
in die weite Hügelfläche der grossen syrischen Wüste ver- 
liert. Dahin gehen die Karawanen-Wege nach Palmira, 
Bagdad etc. In Süd schliesst sich ef Ghuta an das schöne 
Hauran oder Huran an, jener iii neuester Zeit durch dfen 
Aufstand der dortigen drusischen Bevölkerung gegen die 
ägyptische Verwaltung so bekannt gewordene Landstrich« 
Gegen Nord trennt der Dschebel Kassium, auf dessen Hö- 
hen nach den Sagen der Morgenländer sich eimt der erste 



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726 

Todfall ereig^iBte, der^ erste Mord be^aR^en wnrde, als Abri 
dort durch seines Bruders Hand fiel, die Ebene el Ghota 
yon den Ebenen, die sich weiter nordwärts gegen Homs 
Mitziehen und den Äntilibanon von dieser Seite begränzen» 

. Von Kubbet el Nassr fuhrt der Weg das Gehänge des 
.lezteQ Abfalls des Äntilibanon herab nach der Stadt Sale- 
hieh, welche am westlichen Rande des grossen Gartens von 
Damaskus liegt und wohl eigentlich als eine Vorstadt davon 
zu betrachten ist Auf dem Wege nach Salehieh wurde 
ich durch den Anblick des ersten Chameleons überrascht, 
das gerade in guter Laune sein Festkleid angezogen iiMte 
und gfänzend im herrlichsten Gelbgrün mitten auf der Strasse 
saAS. Ich sprang vom Pferde und fing es, denn ich war 
noch zu neu in diesen wärmern Klimaten und zwischen ihren 
phantastischen Schöpfungen, als dass ich ruhig hätte daran 
vorbei reiten können. Von Salehieh fuhrt der Weg zur 
Stadt fortwährend zwischen Lehmmauern durch die Gärten ^ 
Jiin, eine gut gepflasterte, aber nicht sehr gut erhaltene 
Strasse. So kamen wir denn an einem der Thore des stol- 
zen Damaskus * an, das jedoch, schon vorlängst aus den 
Angeln gefallen, heute noch ganz ruhig mitten auf der 
Strasse lag, zum Beweise, dass es. auch in dieser Stellung i 
seinen Zweck erfüllt. Einen glänzenden Beweis für die | 
polizeiliche Ordnung, die durch Mehemed-Ali'^ und Ibrahim- 
Paschas kräftige Hand in einem Orte eingefühi*t wurde, 
dessen muhamedauische Bevölkerung sich durch einen an 
Wahnsinn gränzenden Fanatismus und Verfolgungsgeist ge- 
^en Christen von jeher ausgezeichnet hat, erhielten wir 
durch unsern ungestörten £hi^ug zu Damaskus , der mit 
Nebenumständen verknüpft war, die uns früher die g;rössten 
Unftimehmlichkeiten zugezogen haben würden, jezt aber 
nichts mehr zu bedeuten hatten. Früher war es keinem 
Christen erlaubt, in Damaskus zu Pferde zu erscheinen, 

* Damaskus wird von den Arabern ,)Scliamm'^ genannt ^ eine Be- 
nennung, mit der dieselben auch Syrien überhaupt bezeichnen; daher 
Itfissterständnisse, besonders von Seite der Anfänger in der arabisHieu 
Sprache, 'in dieser Bexiebang ziemlich hünüg sind. 



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T27 

OBd Doch vor wentg^en Jahren uiamteii Fremde am Thore 
vom Pferde steigen and ihren Einzog; entweder zu Fosae 
oder anf Eseln halten, wobei sie noch allen Lästerungen 
des Pöbels ansg;esezt waren. Als Ibrahim - Pascha das 
Reiten zu Pferde jedem frei stellte, wessen Glaubens er 
aach sey, beschwerten sich die Altgläubigen Mosllms bei 
ihm und stellten ihm vor: ^dass es sich denn doch nicht 
schicke, dass Christen zu Pferde sässeii, indem sie in dieser 
Stellung höher als jene von ihnen waren, welche zu Fusse 
gehen oder auf Eseln reiten<<. Ibrahim« Pascha antwortetex 
in seiner gewohnten Weise schnell: ^dem ist leicht abzu« 
helfen. Ihr Moslims müsst also alle auf Kamelen reiten <<« 
Seit dieser Zeit ist es nun gewöhnlich, in Damaskus Christen 
und vor allen natürlich Franken ganz ungehindert zu Pferde 
hin nnd her ziehen zu sehen ; doch ist das Volk noch nicht 
so sehr an diesen Anblick gewöhnt, dass derselbe gar kein 
Aufsehen erregen sollte. So war es auch bei uns. Kaum 
hatten wir die langen und engen Strassen der Stadt betre» 
ten, so wurden wir auch von Gaffern umgeben. Voraus 
führte ein Araber unsere zwei grossen Schäferhunde vom 
Tanrus, den Ahsslan und den Kaplan, die wiithende Blicke 
auf die Gassenhunde schleuderten, die sich ihnen näherten; 
denn sie hatten auch ihr eigenes Publikum, das sich mehr 
und mehr um • sie häufte. Plötzlich musste einer dieser 
Damascener dem Ahsslan zu nahe gekommen seyn^ denn 
er erwischte ihn beim Bein und rüttelte ihn fürchterlich. 
Dieser Eingriff in die Freiheit der Hunde-Republik von Da^ 
maskus war das Signal zu einem allgemeinen HundeaujbtaDd. 
Aus allen Strassen und Häusern stürzten mit entsetzlichem 
Geheul und Gebell die Bestien herbet Unsere beiden Kim» 
pen bissen, ihrer Namen würdig, mit Löwenmuth um fticb, 
unsere Araber schlugen mit grossen Knfitteln in die Meuten, 
wir ritten den einen oder andern der Rädelsführer über un4 
über, doch kaum gelang es uns, unsere Tierbelnigen Refse* 
Gefährten zu befreien. Ein lachendes Publikum unter Vor- 
tritt eines langen Zuges von Gassenbuben eineraeitB, andrer* 
seits eine unabsehbare Meute von Hunden mit betäubendem 
Gebell verfolgten, uns. den gaiuen weiten Weg his Ina Hospis 

RPMMMU, RdM«. I. SU. *2. TU. 47 



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TW 

4erifrMliflAM«r9 tw hinter ms die Th&rea «idi rsddoflM« 
md 1109 di9 Crenndliebste Anfirahme ward, 

SwHPfliQlie Mönche im fr^kischen Ho^fee waren 
Spunier, M&uiier te den besten Jahren, nicht ohne Kennt" 
frisa^ 'itnd :äns9erst fefiUlig. Man wies uns Tier sehr hubsdie 
ißtamßt an und versorgte uns auf das bereitwilligste mit 
ulle«! Kothfgen. Der Tisch im Kloster war gut, besonders 
«b^r wur d^ Wein vortrefflidi und dem besten Cipro 
fthnlK^h. 

Wer In Palastina und überhaupt in Syrien gereist hat, 
it^ kann die Wohlthat dieser Conrente gei'dss nicht genug 
leben. Oi^ frankischen Und überhaupt christlichen Klöster 
«liehen J^diem offen, und jeder fronde Christ indet dort 
Wobmittg, Tisch, Pflege, HUfe, und zwar nicht blos für eh 
liaar Tage, sondern, wie In Jerusalem z. B., sogar durdi 
mehrere Wochen. Auf lezteres haben eigentlick freäieh 
nur Ae Christen derselben Glaubenssekte, der das Kloster 
migebört,. Anspruch; doch ich selbst sah solche von andnr 
Meipiuig diurch mehrere Wochen z. B. im Convente zu .Je* 
msalem sich au Aalten, ohne dass sie anders behandelt 
worden wären, als wie man den Katholiken daselbst beg^ 
net. F&r Kost und W<^nung wird Nichts gefordert Dass 
der bemittelte B^sende nicht so unzart denkt, dafür auch 
«iehtS 241 geben, ist wohl natürlich ; aber solcher, ^e nichts 
geben Jböimen, sind in jenem Lande der Pilger bedeataid 
Oiehiv Dabei sind die Zuflüsse der fräokisdien Klöster «eK 
dctf Ansddbaong des Prtotestantismus und sdt dem Beglin 
der pdlitbohen Umwälzungen in Spanien und Pertugsl, wm» 
dnrek diese JLSnder ganz ziAlnngsunfähig geworden stal^ 
aMsersfcjsq^heli, imd während die griediisdien und' aiili 
lAiehen Klöster unter die reichsten Institute dieser AH lü 
iMßtttW gtohfiren, dfirfte l)ei den frankischen oder katbill* 
•ehen JKlöateni wtobl das Gegentheil statt haben. Die gutta 
CModiche« üftnuten sns sogleich eiqe Menge Fremde^ IIa 
a{e lu' ihren Afaueitn: hebaHbergt haben, erkundigten 'SUllMi 
sie jeet Mirfln, was sie madien etc. Es waren bekarftJto 
Halmn jd^nter, übmr die wir wohl An^nnft' zn' 
wii|aatan» : Aich ^n Cioarone, der Kabass des 

... . * . .« 



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7211 

meldete sich. Ein dickköpfiger LeVantiner mit einem bII- ^. 
berbescblagetien Rohre, mit dem er von Zelt zu Zeit auf 
den Boden stiess, um bei den Anwesenden d^n Respekt 
rege zu erhalten, was aher unsere beiden ungeschlachten 
Taurisker so übel deuteten, dass er schleunigst von dieser 
Manier abgehen musste* £r versprach uns alles Herrliche 
zu zeigen, vi^as Damaskus aufzuweisen hat, und wir bestell- 
ten ihn daher auf den folgenden Tag , da den heutigen hin« 
dnrch der Regen, dessen Bekanntschaft wir schon in unserm 
Nachtquartiere gemacht hatten, immerfort anhielt 

Unser Plan war eigentlich, von Damaskus nach Palmyrä 
zu gehen, was nur 3 Tagereisen oder, genauer angegeben^ 
35 Stunden von dort in der grossen, syrischen Wüste ent? 
fernt liegt. Da sich jedoch das Gerficht verbreitete, IbrahiM'« 
Pascha werde nach Beirut kommen, und ich ihn selbst spre« 
eben wollte, so beschloss Ich, diese Reise vor der Hand 
aufzugeben und nach ein paar Tagen meinen Rückweg nach 
Beirut anzutreten. Meinen Beobachtungen zufolge dürfte 
die mittlere Meereshöhe von Damaskus zu 2304 Pariser 
Fuss anzunehmen und also nur um 175 Fuss geringer ab 
die von Jerusalem seyn, woraus sich erklärt, dass die Um- 
gebung der Stadt nicht immer ein so im frischen Grün pran- 
gender Garten, sondern sehr oft auch eine in tiefen Schnee 
gehüllte Winterlandschaft ist Daher die oft mitten' im 
Sommer nach starken Gewittern von den Schneefeldem des 
Dschebel el Teltsch herabströmenden eisigen Winde, daher 
die scharfen Winter auf den Plateauä von Damaskus vnd 
von Hauran, daher aber auch der seltene Wasserreichtham, 
der von allen Seiten der Ebene von Damaskus zuströmt 
und den wohl keine andere Stadt des Orientes in dem 
Masse aufzuweisen hat. Der Barrada und der in den Gär- 
ten von Damaskus selbst entspringende Findsdiah* Quell 
durchziehen in acht bedeutenden Bächen den herrlichen 
Garten, der die Stadt umgibt und bedhigen eine Pracht der 
Vegetation, von der man sich fast nur einen Begriff macheii 
kann, vrenn man tropische Pflanzenfiille kennt. Überall 
dringt das lebendigste Grün hervor, in allen Strassen, änk 
allen Plätzen, an allen Häusern, in allen Höfen, übenttl 

47* 

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730 

sprudelt der krystallene Quell aus Brunnen und bringt La- 
bung in des Sommers brennender Hitze. Doch unter dieser 
Pflanzen- und WasserfüIIe schlummert auch der Keim ud- 
zähliger Wechselfieber, die jedes Jahr die gesegnete Stadt 
heimsuchen; daher das Klima von Damaskus keineswegs 
als ein gesundes zu betrachten ist 

An geschichtlich und architektonisch interessanten 
Gebäuden hat Damaskus manches Schöne aufzuweisen. 
Man findet in der Stadt über 80 Moscheen, und darunter 
das herrlichste Kunstwerk, das der Islam aufzuweisen hat, 
die Moschee der Ommiaden. Dieser Prachttempel war der 
Ansicht des Herrn v. Schubert zufolge schon zu den Zeiten 
der Römer ein Tempel der Juno, wurde später in den Zeiten 
des morgenländischen Christenthums eine Kirche des heiligen 
Johannes oder der Maria und zulezt Moschee. Sie Ist in 
ihrer gegenwärtigen Form, wie man schon von aussen be- 
urtheilen kann, denn sie zu betreten ist keinem Christen 
als solchen erlaubt*, das höchste Meisterwerk der arabischen 
Baukunst, und als solches weltbekannt durch B. von Ham- 
mers Geschichte des osmanischen Reiches. In ihr wird der 
Meinung der Mohammedaner zufolge das Haupt des heiligen 
Johannes aufbewahrt Der Haupteingang ist vom Basar. 
Ein ferner sehr interessantes Gebäude ist die Kaufhalle 
des Basars. Auch sie stammt aus der Blüthezeit des Sara- 
zenenthums, aus der Zeit der Khalifen, und Ihr auf Säulen 
stehendes Kuppelgewölbe ist ein wahrhaft vollendetes Mei- 
sterwerk, so wie auc)i ihre Altane mit den Bogengängen 
sieh prachtvoll ausnimmt. Der Palast des Pascha hatte 
für mich von aussen wenig Imponirendes , schön aber Ist 
besonders einer der vielen Chane, der sogenannte grosse 
Chan, durch seine grossartige, wahrhaft giganteske Anlage**. 
Man zeigt in Damaskus ferner die Gräber einer Menge 

* Beschreibung und Gruodriss dieser Moschee findet man in Fo- 
, cogkb's Beschreibung des Morgenlandes, 2. Tbeil, S. 175. 

** Gelungene Abbildung dieses Chans in; Sjrria, Ihe boly Land 
and Asia minor etc. by Babtlett, Purssr, Carxib etc. 1. Vol., p. 40. 
London 1836. 



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731 

Helden, Heiliger und Gelehrter des Islams, daronter sind 
die nichtigsten die Gräber der Sultane Nur-eodin, Salah- 
KD-DiN, die zweier Gemahlinnen des Propheten und einer 
Menge der Zeitgenossen desselben. Aber auch hinsichtlich 
unsrer eigenen Religionsgeschichte ist Damaskus ein Orty 
der so manche heilige Ennnerung bewahrt. Hier "wurde 
nämlich Paulus aus einem Verfolger^ des Christenthums der 
erste und ritterlichste Vorkämpfer desselben. ■ So zeigte uns 
der Kabass des Klosters, der Grieche Giorgio Zjilraa, der 
uns als Cicerone begleitete, mehrere solcher Plätze, z. B. 
die Stelle, wo man Paulus in einem Korbe über die Mauern 
hinabliess, die Stelle vor der Stadt, wo er die Erscheinung 
sah und jene Stimme horte, die ihn auf den Weg'des wah- 
ren Glaubens brachte etc. Endlich f&hrte uns der Kabass, 
der mit einer solchen Grandezza vor uns einher stieg, dass 
selbst die ernsten Tiirken lachen mussten, in eine unterir« 
dische Kapelle in seiner Wohnung, ein ebenfalls durch den 
Aufenthalt des grossen Apostels geheiligter Ort. Hier, er- 
zählte er uns, sey vor Kurzem einem seiner Kinder, das in 
der Nacht hier schlief, Ananus erschienen und habe ihm, 
als es anfing zu schreien, einen Stein zum Kopf geworfen. 
Wir waren noch unentschieden, ob wir uns über seine Spitz- 
büberei ärgern oder iiber seine Dummheit lachen sollten, so 
bemerkte er unsern Unglauben und schien sich darfiber zu 
ärgern. Als wir ins Kloster znriickkamen, erzählte ich die 
Geschichte dem Prior, einem ebenso liebenswürdigen als ge- 
scheidten Mann. Dieser gab denn dem Kabass einen ordent- 
lichen Verweis, wie er Fremden dergleichen Albernheiten 
erzählen könne, und ich sehe, dass es demselben Kabass 
als Cicerone des Herrn v. Schubert, der nach mir Damas- 
kus besuchte, nicht besser ging. Damaskus ist eine uralte 
Stadt , denn als Amru sein erstes Zelt in Fostat aufschlug, an 
der Stelle, wo später sich nach und nach Kairo erhob, da* 
war Damaskus schon ein paar Jahrtausende alt. Kairo 
blähte mit dem Islam empor, Damaskus glänzte bereits als 
Stern erater Grösse, da man, noch nichts vom Islam wusste. 
Damaskus ist eigentlich für unsere Geschichte In Glanz 



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feherra, wir kenneii eaole kMp^ nie onbedeDteiidy wir kfm 
nea es pur gross un4 berrifcb. 

Dfe Stadt mag, den Y^rsicherpogen unterrichteter Ei^r ] 
wohner zufolge, gegenwärtig wohl nahe an 200,000 Etnwoh- | 
^ßK hahen, kann ihrer Grösse nach aber auch wohl 300,01)0 
fassen* Unter, erstrer Anzahl durften ai| 30,000 Christen 
und Jud^en seyn, die übrige Bevölkerung ist mMhaonedaiiiT .| 
«eher Helislon. Die Christen thei|en sich in die verschiede 
qen Sekten des Morgenlandes, die, wie iiberh^upt im Oriente, | 
sich mit- dem ihren Umtrieben entsprechenden Hasse verfoi^ | 



geUf Der vorherrschende Theil der christlichen Bevölkemiig ! 
besteht in kanboMscben Maroniten und Griechen, an ihrer 1 
Spütze der d^^nals angesehene und mit Recht gesch^te Ba<» ji 
kaiy^Bey. Zur Kemitnisi^ der Art und Welse, wie die Ter* | 
waltupg selbst auf die thörichste AJethode von der Wi^it des ! 
gegenseitigep Hass der Parteien, z. B. den zwischen Clui- 
9ten und Judeq, zu erregen und zu entflan^men die Verau- 
h^U3ung herbeiführte, gab die spätere Elrmordui^ des Pater 
Tp^BlAs, d^ß ich persönlich kannte, und die daraus^ hervor? 
gegitngene Verfolgung der Juden, so wie. die noch spatere 
Verfolgung, der Christen, als iBRAmM's starker Arm., der 
allein Ordnung in der von wildem Fanatismus, bewegten 
Stadt erhielt, durch die Allürten gelähmt wurde^ einen kla? 
Vßn Beleg. Die Beschuldigung, dai^ der geachtete Pater 
Thomas als Opfer religiöser Gebräuche der Juden fiel, halte 
icji, offen gesiagt, für einen haaren Unsinn und glaube viel- 
mehr, d&ss er, wenn nicht diirdi Privat-Rache, doch als 
Opfer des Parteibasses, ohne alle damit verbundene reU^ 
ffiöse Tepd^pz, zu Grunde ging, und dass vielleicht Juden und 
Türken,, als Anhänger eines andern Glaubens, den 
geringsten Theil an diesem Morde haben dürften. Gewiss 
ist es, dass die ganze Untersuchung von vorne, herein höchst 
qbereilt, unüberlegt und wahrhaft barbarisch geführt wurd<} 
wd dadurch die unseligsten Folgen herbeirief. 

9p schön, als Damaskus von aussen sich prodn^Elrt, ist 
^ nun gerade von innen nicht.. Die Strassen sind gut ge« 
Itfl^tert,. breft^^, g^rad^r, liiftig^r ß\s in K^iiro, das küaq 
einzige so schöne Strasse hat, wie die Hauptstrasse von 



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Damukoi Ist. Dier EitUBt leztrer Stadt sib j' sölidef , feisiter^ 
nicht' 8p biMtt gefbrurt, als iii der' RtfaptHtadt von Egyptert^ 
sie haben aber noch bei weitem ificfat jene SoII<Mt&t wie in 
Aleppo, das: ih einigen Quartleren als eine aus lauter Kaste!*- 
len zDsammengeseste Stadt erscheint In Alleppb Sind* die 
ansehnilcheren Hftnser durohatfs ans Cluäderstielnen aüfge-« 
führt, in. Damaskus sehen die meisten Hänser von aussei 
sehr unansehnlich ans, viele sind sogar nur a'ns Lehmelegetrt 
aufgeffihrt. Die Strassen- sind nielit so relti-wie in ÄIc^po,- 
»nd der Basar, als Bau betrachtet^ ist mit dem jener Städ^ 
gac niobt zu vei^Ielcfaen. Statt den Bogen ^ Gängen täit 
Koppelfenstem von Aleppo sieht man in Damaskus deif 
Basar h&ufig nur mit einem gan2 ordinären Dieleii^Dadicl 
gedeckt. Als Handels-Platz hlng^e^en ist- der Basar von! 
Damaskus vreit bedeutender ofld iu' vieleir Bezieh'nng der 
bedeotendste, den loh im Oriente sah, so wie ftberfaaoßt'inr 
Damaskus eine industrielle ThStigkelt sich entwichet, wie 
ich [rfe ebenfalls in solchem Maasstabe im* Oriente nirgendiC 
sonst trat 

Damaskus ist hlnsich'tlich des Handels von hokef Wifch-' 
tlgkeit Dorch den Karawanenzug' nach Bagdad, Bässora, 
Mossol 6tc; Ist es einer der flaupt-^Stapelpl&tze fGr den 
Handel mit Indien und Perslen und t^lrd es wohl in so langer 
bleiben, bis ihm Aleppo datth die Dam^fscfaÜffährt anf d^ 
Enphrat den Rang abläuft; was fedocb noch in sehr wel^ 
tem Felde liegt, oder bis Suez, durch die Daknpfsbhtilfahlrt 
auf dem rothen Meere, hhisi^tlicb des indischen' Händeb 
ihm nahe tritt* Durdi den > Karawanenzug nach Arabieit 
und besonders durch die jährtich dahin gehende Rara^anW 
der Pilger naeh Mekka^ geht der Stadt, da sich in ihr dief 
Karawane sammelt und von ihr auszieht, ein sehr bedeuten-* 
derVortheil zu, und sie steht dadmrch in einer fortwähren- 
den Handels^ Verbindung mit Arabien. Die grosse Ka\rawane,' 
weloliejäfafrliekvon Konstaiitlnopel nnehUfekku zieht, braucht 
Ton AM nach Damaskus 30 Tage und von da nafch Mekka* 

♦ Karawanen «eheii von Damaskus nach Bagdad '30 bIs'WTftgfe/ 
äer-^Bafkumer aber- reitet dietaDistamBa Droanedar 'In «It Tag^- 



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734 

46 T«ge, Mglfch fti Ällevi 76 TagcL Sie nteiBt jihriidi 
von Damaskus den neuen Baldachin über das Grab des 
Propheten jnit und zieht meist ans Damaskus nft 30,0M bis 
40,000 Kamelen ab. £ine Eskorte Ton wenigstens 1000 Sol- 
daten unter Anführung eines Generals, (^gentlich sollte der 
Scherif-Pascha Ton Damaskus die Karavane selbst begleiten^ 
geht zur Sicherheit mit, reicht aber doch manchmal nicht hin, 
die räuberischen Angriffe der Beduinen abzuwehren« Was 
daher Indien, Persien und Arabien Kostbares aufzuwrisn 
hat, sidit man auf dem Basar von Damaskus in einem 
Reichthame, der den Fremden mit Recht staunen macht nad 
wobei ich z. B. nur die herrlichen indischen Sdiawls, die 
persischen Teppiche, die indischen und arabischen Gewürze 
und Parfüms, Perlen etc. hervorhebe. Doch auch die innere 
Industrie selbst, welche Damaskus belebt, versieht den Ba- 
sar mit Kunsterzeugnissen, die als Gegenstand des Handels 
in den ganzen Orient und zum Theil auch, obwohl nur in 
geringerer Menge, in europäische Häfen gehen. Dahin ge- 
hören vor Allem die vielen und schonen, zum Theil mit 
Gold und. Silber durchwirkten Arten von Seidenzeugen, 
Binden, Schärpen, Schnuren etc., die, Bestandtheile des 
orientalischen Kostüms, nirgends so schön verfertigt werden; 
ferner gehören dahin die bekiinnten Stahlwaaren, die einst 
ihren Weg durch die ganze Welt nahmen , später aber in 
Europa von gleicher Güte und auch wohlfeiler erzeugt war* 
den. Ebizelne dieser Stahlarbeiten, z. B. Säbelklingen and 
einige Arten Eisenarbeiten, z. B. die ächten Damaszener 
Drahtlänfe, werden besonders seit der lezten und wieder« 
holten Entwaffnung der Nation so selten im Lande erzeugt, 
4aas sie nur äusserst schwer und fiir verhältnissmäsaig hohe 
Freize zu bekommen sind. So forderte ein Türke für einea 
aehönen Säbel, an dem aber doch eigentlich die KÜngo das 
schönste war und den er mir ganz verstohlen im Basar 
zeigte, 300 fl. Konv.-Mze«, und nur durch Zufall kam ich 
iß besitz zweier alter, rostiger, aber vortrefflicher Säbel* 
Klingen für den Preis von 40 fl. Konv.-Mze. Ein Preis, 
der» wie mir die Padres sagten, fast vermuthen Hesse, der 
Araber^ der mir die Klingen hirachte, habe sie geatohlea« 



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735 

Ferner sind nls Damaszener Industrie^Enengnlsse be- 
kannt ihre Leinen- und Baumwollenzeuge, ihre ▼orzfi^Üeben 
Sattlerarbeiten, ihre Schnitzereien in Holz nn4 Elfenbein, 
ihre Gold- und Siiberarbeiten, ihre ätherischen Öle, Parf&ms, 
Ranchereien, Balsame, Toilet-Gegenstände, Konfitüren etc. 

Unter den Bodenerzen^issen des herrlichen Landes, 
das die Stadt umg^ibt, stehen wohl obenan: das herrliche 
Obst, besonders Aprikosen, Pflaumen nnd Tranben; eia 
vortrefflicher Wein, dem edelsten spanischen zur Seite zu 
stellen; das feine Olivenöl, Baumwolle, Hanf, Flachs, Ta* 
bak, Färberpflanzen, verschiedene Cerealien in Fülle, Ricl« 
DOS und andere medizinische Pflanzen etc. Dieser schwel- 
gende Reichthum des Bodens bedingt in Damaskus eine 
^oase Wohlfeilheit und diese, in Verbindung mit der regsten 
Betriebsamkeit, die Erscheinung, dass man in Damaskus nur 
weuig arme, wenigstens wenig nothleideude Menschen sieht. 
Ein Gegenstand von Bedeutung hinsichtlich des Handels 
sind aach die Pferde aus der Umgegend von Damaskus, 
die, wenn auch nicht so edel wie die aus dem Nedschd, aber 
doch immer von den edelsten arabischen Rassen, wegen ihrer 
Schönheit und Dauerhaftigkeit bekannt sind. 

Die öffentlichen Anstalten für Reinlichkeit und Untere 
haltung, nämlich Bäder und Kaffehäuser, sind in Damaskus, 
ivas des Schönen so Vieles hat, wirklich vorziüglich. Erstre 
sind zum Theil Meisterstäcke der arabischen Baukunst, 
weite und lichte Säle mit Marmorsäulen, Märmor-Pflaster, 
Kuppeln, herrlichen Bassins und Springbrannen , alle Loka*» 
litaten von oben beleuchtet, rein und so schön eingerichtet, 
dass wir selbst in Europa wohl wenige, Bäder haben, die 
an Pracht denen in Damaskus zur Seite zu stellen seyft 
durften. Die Kaffehäuser sind eigentlich meist Gartenan« 
lagen, Gruppen dicht belaubter Bäume an fliessenden und 
springenden Wassern, ewiger Schatten, kfihl. Hier sizt denn 
der Christ wie der Muselmann, nimmt sein Gefrornes, seineir 
Scherbet, seinen duftenden Mocha, dampft in langen Zfigen 
den herrlichen Tabak aus vielfach verschlungenem Rohre 
des Nargiläh und hört schmunzelnd dem Medak * zu, dessen 

* el Medak, der BOhrelienersfiiler. 



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73t 

Sns&UnigeB gUB in dem Tone tob TdiuMmd iumI eiaer Sacht 
giehalteB sind, 

Imponyreiid für den Fremden, der diesen Markt, des 
OriMites zom Erstenmale betritt, ist. die Menge der YersoUe« 
denartigsten Kostüme und National - Pliysiognoimen des 
Orientes, die er daselbst zusamniettgedrättgt sieht l)a* sind 
Griechen, Tiirken, Araber, Perser, Inder, Kurden, alles han- 
delt, alles regt sich. Mitten durch das Gedr&iige schliqift 
hie und da ein Europaer in seiner Jacke, unansehnlich in 
Glänze orientalischer Kostüme untergehend und doch.imi 
so hoher Bedeutung nnd von solchem Einflüsse anf jenes 
Thun nnd Treiben« Am meisten fielen mir damals die wH- 
den Sohne der syrischen Wüst^ die Beduinen vom Buphmt, 
auf: hmge, hagere, dnnkelbmune Gestalten, g^rosa nnd ner- 
vige nicht so schmachtig wie die meisten Beduinen der afri« 
kanischen und eigentUdh arabischen Wüsten; regeJutaaUlge,- 
ideal sdione Gesichtszüge, wahre Chr»tuskopfe mit prädn 
tigen rabenschwarzen Barten, liegt jedoch in ihren giutea- 
den schwären Aug^n ein ausserordentlicher Grad von Wild- 
heit, der, ohne, von Furcht zn reden oder daran za denken, 
den civilisirten Menschen unangenehm berlUirt* Bve Uek 
d«ng Ist höchst einfach , ein grosses Tuch ds Hend um 
den Leib gewickelt, ei» zweites, meist blassgelb. oder ge- 
streift, als Oberkleid malerisch über den Kc^f nnd die 
Sekultern geworfen, anf dem Scheitel durch einen «dunalett 
Strdfen Tnch oder durch einige dicke Schnüre von KaflMl^ 
Uaar torbanartig befestigt Auf der Schulter des Beduinen 
hangt eine lange Flinte, meist: LuntenscUoss^ seltner Stete' 
scUoss, stets geladen, die er nie ablegt; seine lange, 
ahne, die er sonst gewöhnlich führt, zu Pferde, mUi 
Fusse, legt er, in der Stadt umhersehlelchend, bei 
Die Weiber dieser Beduinen, wenigstens die, Ae id» in 
Damaskus sah, fand ich alle ausnehmend hStolieiu SeM» 
i«t der Menschenschlag von Damaskus selbst, MuselniüiMr 
sowohl wie Christen, und . Manner so wie Franenw S c h Wi C 
Wyicte und edle Geri^htszüge, bei den Minnem der fM^ 
ateR eber zn zairt und weiMich^ zeichnen beide GesehMilMk 
aus; die lebendigen, sprechenden schw«r«en AngeiL aber, 



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ad^me dniikle H«are apd eio blühender, weiiser Teint 8iii4 
noch vorzugUcbe Eigenschaften, die dem schönen Gescblechte 
¥on Oama^kna besonders zukommen, und, durch die es, so 
vii^ i^ von Kairo, sich einen Ruf im Oriente erworben 
bat» Das lieben in den Häusern ist übrigens ganz das, wie 
in Kairo, einförmig einerseits durch die gleichförmig fort- 
la^ifeifden Handelsgeschäfte, der Männer, still bewegt andrer-» 
seits' durch di§ Poesie, die die Frauen ins Leben bringeii 
und verschönt durch ihre glühende,. südliche Phantasie. 

Das Unansehnliche des Äussern der Häuser steht häutig 
in grossem Widerspruche mit der Pracht^ die inwendig; 
herrseht, und es ist also auch hier, wie in den meisten orlen- 
tall^cben Städtep, schon seit alten Zeiten Grundsatz gewor- 
den, die Ansscnselte im Allgemeinen so unansehnlich ala 
möglich, zu halten, um ja in den Augen der Regierung, odec 
v^elinehr ihrer Beamten, den Verdacht des Wohlstandes 
Bicbt zu erregen* Welch eii^e Regierung nuiss aber daa 
9e;n, die einc^ solche Vorsicht vpn Seiten der Unterthanen 
n«itbig Hiaeht? 

DtQ Wa^^er-Meuge in den Gärte^ von Damaskus zieht 
^ne Mengf von Bf u^tQ*s herbei und begünstigt ihre Existenai 
in ßiaem AI^M^tal^e, der für d^e Menschen höchst lästig ist« 
Da. idh ip e^pff Nascht, meinen rechten Ann im Schlafe nur, 
eine kjurze .2^eit unter, der Decke hervorstreckte, so fielen 
diese . Plf^egeistfur mit einer solchen Wuth darüber her, 
ißß» Arm. i|nd H^nd a^i Morgen bedeotead angeschwoUea 
\varen i|n4 ich. keine gerifp^en Schmerzen auszustehen hatte« 
W^r ^i^h nipht daran gewöhnen kann, mit giinz bedecktem 
Kopfe zu^ schlafen, und also sein Gesicht diesen Plagegei- 
Stern b^oigehent ifuss, der hi^t in Damaskus in den Soiiinier«^ 
und Qc}rb§tii^htea eine wahi:e Höllenqfutl aufzuhalten» 

Wir. hatten u|^ b^. Danniskus während den drei Tagea 
Hn9ers Aufentbaltea so ziemlich umg^ehen, um nun wieder. 
&Bf i^nf^e Ahreioe zud^ken* Am lezten Tage unsere» 
Jicutseywg.ee war. {Sonntag,. hesochten wir die zif^i ersten 
4^r sieben cbri^tUehen Kirchen, die sich in Damwikv« be* 
^»d#«u D^ eine, die der unirtee Grieebeu) Ist ein liehles 
^ fr«i«AlJi^« I^k#l^ niwh grie^bMie» Gesdmaeke sMt 



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t38 

Malerei und Sehnitzwerk, besonders am Hochaltar^, (btwm 
überladen, aber im Ganzen reich gehalten; die andere, die 
Kirche des. frankischen Klosters, ist eine einfache, sebdne 
Kapelle. Das Altarblatt war neu und stellte den Akt der 
Bekehrung des heiligen Paulus dar, jedoch ohne allen Kunst* 
werth. Bei dieser Gelegenheit besahen wir auch noch die 
schöne Platane in der Nähe des Basars. Ihr Stamm bat 
einen Durchmesser von 10 bis 1^ Fuss und ist also als 
Baum-Koloss immerhin sehenswerth. 

S) Rllckr^se von Damaskna ttber den Antilibnnon nmi 
I«i1»anon nach Beirat nnd von dn naclt Alexandria* 

Am Morgen des 28. Oktobers nahmen wir von den 
guten Padres des fränkischen Klosters Abschied und traten 
unsere Rückreise nach Beirut an. Von Knbbet el Nassr 
sagten wir der heiligen Stadt und ihrer paradiesischen Dm- 
gebung das lezte Lebewohl, trennten uns schwer von ^em 
herrlichen Anblicke, der aller Wahrscheinlichkeit nach uns 
nie mehr wieder wird, und verloren uns wieder zwiscbee 
den Bergen des Antilibanon, dem Barrada nach aufivärts 
folgend. Mit nnsern Mauleseln hatten wir heute eine vfähte 
Plage. Durch die wenigen Tage Ruhe in Damaskus waren 
diese Thiere so übermuthig geworden, dass ihre Bosheiten 
wirklich ärgerlich wurden. Sie gingen mit den LadnngMi 
durch, warfen sie ab oder wälzten sich plötzlich sammt den* 
selben in irgend einer Lache, kurz, trieben allen moglidiM 
Unfug. Es regnete Schläge, doch vergebens, wir mussten 
sie anstoben lassen, wobei es bei den zweien, die von 
MoRTscH und meinem Bedienten geritten wurden, an wahr- 
haft komischen Szenen nicht mangelte. Durch diese Boi* 
heiten nnd Tücke, die nun dem Eselgeschlechte einmal ei- 
gen sind, kam es, dass ich mich nie mehr entschliessen 
konnte, ein solches Thier zu reiten, wenn es auch gais 
gewiss Ist, dass sie sanfter tragen und sicherer gehen, als 
Pferde es thnn. Wir passirten wieder dön herrliehen F«i* 
senpass el Suck und lagerten uns mit Anbruch der Ihdii 
auf der Ebene von Sebdänl, in der Nähe des Wasseriril» 
dea Barrada^ bi einer Meereshöhe von 3309 Pariser FiM 



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Frettttile BRAtrsL herzliche Grfisse über das Thal hinuheir 
UDd -wandten uns westlich, dem Meere zu. Der Weg senkte 
sich theils sachte das Gehänge hinab, theils führte er ganz 
frei iiber den Rucken, in welchem Falle vrir die herrlichste 
Aussicht auf die Küste hatten. Wir sahen Beirut mit sei- 
ner Rhede zu unsem Füssen. Besonders herrlich aber nah- 
men sich die nächst liegenden Gehänge des Libanon aus. 
Steil gemauerte Terrassen erhoben sich aus tiefen Schluch» 
ten, bedeckt mit Weinreben und Maulbeerpflanzungen, auf 
den Höhen Klöster und Dörfer, hie und da ein Pfnien- 
Wald, es war ein Anblick zum Entzücken. Wir passirten 
mehrere Chane und gelangten Abends, als von den Maro« 
niten- Klöstern auf den Höhen ringsum der Glöckchen 
sanfter Ton zum Gebete rief, im Ghan Hussein an. Wir 
fanden dort eine Menge Reisende, die das Innere des Chans 
mit einigen Eseln und Schweinen theflten, die zur GesefU 
Schaft zu gehören schienen. Nicht gestimmt, uns derselben 
anzusehliessen, Hess ich unser Zelt im Garten aufschlagen, 
wo wir denn auch die Nacht »sehr gut zubrachten. 

Am 31. Oktober hatte sich die Witterung wieder ge* 
bessert. Es war ein schöner, heiterer, frischer Herbstmor- 
gen, als wir auf einem entsetzlich schlechten Wege das 
westliche Gehänge des Libanon hinabritten. Ich war tief 
in Gedanken versunken und sass nachlässig auf meinem 
Pferde, als dasselbe, nach Gewohnheit aller dieser Thiere, 
die «an oft zum Lasttragen auf schmalen Felsenwegen be<- 
nuzt, ganz am Rande des Weges gehend, plötzlich unter 
mir zusammenstürzte Tind mit mir über 'en Weg hinab in 
das 'SteingeröUe fiel. Ein Schrei des Entsetzens von Seite 
meiner Geföhrten, die hinter mir ritten, drang zu meinen 
Ohr^i. Ich versuchte, noch im Sattel, das Pferd unter mir 
zum Aufstehen zu bewegen. Das arme Thier gab sich alle 
Mfthe, k.onnte aber nicht und schlug mir bei dieser Giel^* 
geaheit mit seinem Kopfe so heftig vor den meiuen , dass 
ieh fBr einen Augenblick betäubt an seine SeSte hinsatik, 
doeii, ausser einer Beule am Kopfe, keine wettern Sblen 
Fo^W davontrug. 

Die Ebene zwischen dem Fusse^ des Libanon und der 



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T4« 

Kaste brütete sich nnn väe ^n herrlicber Garten, eh wdi- 
res Paradies, vor ans aas. Alles stand in friscbeai, iag;end- 
licliem Gran, die ganze Eb^ie bedeckt mit Dattelpalnie«, 
die aber liier keine Fruchte tragen, mit Manlbeerbinmeii, 
Weinreben, Pinien and Feigenbäumen. Zwischen dem pradi* 
tigen Grün dieser Bäume sind eine Menge der allerliebsten 
Landhäuschen zerstreut, deren Anblick dem ganzen BiMe 
ungemein viel Leben gibt Der Nacber el Beirut schlängelt 
nich mitten durch diesen schönen Wald von Fruchtbäumen, 
und am Sädrande der Stadt Beirut dehnt sidi jener Pinion- 
Wald aus, den man ab Damm für das Vordringmi des Duien- 
sandes aus Süden, wie am Rande einer Wüste, hinge- 
pflanzt hat. — Am Mittag kamen wir wieder in Beirut ati, 
wo wir iBRAHiM-Pascha zwar nicht selbst, aber einen Auf- 
trag von ihm fanden, dem zufolge wir uns nach Alexaikbia 
zu begeben hatten, zu welcher Reise auch die Kriegsbrigg 
3cbach baas dschihaad, welche uns von Kasanlielnach Bei- 
rut gebracht hatte, schon beauftragt war. Während die 
Brigg sich ganz segelfertig machte, benüzte idi die Zdt 
zur Ordnung meiner Papiere und zu einer Reihe von phy- 
sikalischen Beobachtungen, deren Detail der näehste Ab- 
schnitt gibt. — Wir erhielten in Beirut Briefe aus Europa 
über Eg^pten, machten daselbst die Bekanntschaft des Ikmn- 
zosischen Konsuls in Damaskus, des Mr. Bodin, eines f<rt«ea 
Orientalen, in, dessen Bildung sein längerer Aufenthalt ia 
EUiropa nicht zu verkennen ist, und begaben uns endlich Om 
4. November Nachmittags an Bord des Schach baas dschi- 
haad, mit der Absicht, am andern Tage nach Egypten sa 
segeln. Doch kaum waren wir an Bord angelangt, so or* 
hob sich ein starker Nordwest, der bis zum Abend nm 
fSmdichen Sturme ward und als solcher seine grosste tUtuB 
gegen Mittemacht erreichte. Da die Rhode von Behrut dfe- 
sem Winde ganz ofien liegt, so war unsere Lage bei 4oa 
furditbaren Andränge der Wogen nicht die angenohoMte» 
und hätten unsere Anker losgerissen, so wäre eine 
terung an der felsigen Küste unabwendbar gewesen, 
ner und Blitz vermehrten den Schrecken der Nadit, 
R^en floss in Strömen ^ die Wellen rissen einen.« 



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t4S 

Mfttroseü'ober Bord, der wie durch ein Wonder beim Leiieii^ 
ten der Blitze sich an einem ausgeworfenen Taue fing und 
wieder g;erettet wurde; wir alle wurden durch die unange^ 
nehmen Bewegungen und Erschvftenmgen des Schiffes see- 
krank. Am Morgen war das Meer wie fAn Schlachtfeld', 
auf dem zwar das Treffen ausgetobt hat , welches jedocli 
noch alle Gränel des traurigen Aktes an sich tragt. t*rot^ 
dem, dass die Wellen sehr hoch gingen, lichteten wir dock 
um 9 Uhr die Anker und liefen ans. Wir mochten uns 
aber wohl kaum ein paar Seemeilen von der Raste entfernt 
haben, so packte nn^i der Sturm mit neuer Gewalt uud trieb uns 
nach Beirat zurück, wo wir vor dem Lazarethe eine Gesell^ 
scbaft von 40 bis 50 Kauffahrern fanden, in deren Habe 
auch wir ankerten. Durch diese ungilnstige Wüterunl^ 
wurden wir nun zwei Tage festgehalten , in denen wir 4tf 
stiirmischen See halber nicht einmal ans Land gehen kdtiit^ 
ten. £tn junger Deutscher, Namens Mühlenrof, deir 8t>ifcit 
Herrn von Schubert als Dollmetscher auf seiner Reise be- 
gleitete, leistete uns in dieser Zeit der langen Weile GeselU 
sdiaft. Br kehrte mit uns ans Syrien nach Egypten zuruekl 
Am 7. November endlich stieg die Sonne wieder klar in 
strahlender Pracht iiber den Libanon empor, dessen gfanacHr 
langer Rücken sich in den lezten Tagen mit Schnee bedeck ' 
hatte. Die Spitzen des Gebirges glfihten im MorgeMrOfh^ 
wie die Eis- und Schnee-Pyramiden nnsrer heimathllchM 
Alpen, Pracht-Obeliske Im Tempil der Natur. Das Mis^V 
lag still und glänzend, wie ein Spiegel vor uns ausgebreii- 
tetj kaum als dasselbe sturmgepeitschte Element zu erkenr- 
nen, das es noch gestern war. Um 7 Uhr Morgens schweHt^ 
ein leichter Landwind die weisseti Segel unsrer Brigg, der 
uns jedoch in einiger Entfernung von der Küste vertiess, so 
dass wir erst in der Nacltt wieder, als er sich neuerdings 
erhob, etwas vorwärts kameVi. Am Morgen des -8. säUen 
wir noch den Libanon deutlich in einer Entfernung von mehr 
als 100 Seemeilen und zwar bis zu einer Meereshohe von 
4000 Pariser Fnss herab. Als er uns im Dunstkreise des 
Horizontes verschwand, tauchten uns die schonen Berge auf 
Cipern auf, die uns auch den ganzen Tag im Gesichte 

RpftsBaoER, Reisen. I.Ud. :f. Tbl. 48 

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744 

UMkep. Am Mittag d^s ^. Bberfiel ihis :pl8tzlieh auf offener 
f^y ,VFie Qi in dieser der Si)blff fahrt iiöphst iiflgänalige« 
Jal»ea9(ett ji9ftfiff geaetiielit, Mn Stnisnu Es deenerte 4iiid 
>U£te f^fvalUg;, kfaum (Lonaten wir die Seg-el iMioii Mitifcfc 
MWg eta^lelieii. Eine Menge Vögel fluehtete ^eti ^nf die 
JKaeten und j^egelstangen, doch In einer lialbea Stunde wsa 
ll^ jinfall ^rjiber und Aw Meer leg wieder, <ibwom becb 
g^h^ady rn^.^ vor une. Eß regnete ^arii. km U. aolltea 
jwlr^ dea j^echaungen unserea gnien H^asAN-Kaptan «aeli^ 
fia 4iß afi^kaniacbe Küate gelangen. Als wir jedocJi am 
illk Abenda 9 Ubr Im Salon saasen und plauderten, «raeboU 
Mui einnial dar Schreclieusruf: »> Licht am Vordertheil!^ 
Wir aprang/en hinauf Aufa Verdeck und aalien zu nnserra 
-oieht gc^ringen Scbreckep das Signalfeuer des X^euchtthurnia 
fo^ Alei^andiüa dicht vor uns« Wir ivaren der vielen aa 
Jer il^cJwii IM^ite aich bin^icfbendep Felsenriffe haUiier i» 
grd^er fiSefabr, schpell und glücklich wurde die Brigg ge- 
brandet and wir sacbtep mit vollen Sege^ das Weite. 

Am 11. November Morgena lag, von d^ MorgenaopMe 
beleuchtet, Alexaodria vor uns. Wir liefen um 9 U^irlm 
Hafen ein, dia. Ankerkette rasselte, das Scbiff atand, und 
•wir waren also wieder nach einer Abwesenb^l: von 4 Mo* 
jiaten und |4 Tagen in Egypten angelangt. ManKiiED^Aua 
ganze Flotte )ag im Hafen, die Linienschiffe jedoch abge- 
takelt. Auf dem Dreidecker Nro. 7 war die Pest ausge* 
•lirochen und das Schiff lag in Quarantaine. iUoser edler 
freund, Herr v, Dümrxicher, kam sogleich an Bord und 
.daa Wiedersehen des uns unvergesslicheu Man^^es wai* die 
fchdaste Einleitung zu unserem neuen Aufenthalte in Ale- 
^Undda, die uns hätte werden können. Am NaehuMttage 
^^rUeaseu wir das Schiff and bezogen wieder, i^pn d^r egyp* 
tiacfaaa Regierung dßiün gewieaen, unsere trüberap Qfuiiti^f ff 
jtai Gaaib^fa zum Ayiila d'oro. 



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IVeunter Abschnitt 

WtBscns ehaftliüh B Bemerkungen ftber Mittel-filyrieii 
oder das Terrain des Libanon und Antilibanon. 



1) Motlaen über Üeleoroloirle und BUtmat olfig f le ite« 

Kjaiftdes« 

Dem gemäss, ivas bereite im fünften Abschnitte diesem 
ersten Bandes S. 400 etc. im Allgemeinen über das Klima 
des nSrdlidien Syrien gesagt wurde, bleibt uns, da hi je»« 
^Untersuchung auch der mittlere Theil von Syrien, n&mllch 
das Terrain des Libanon und Antilibanon, mit aufgeaommen 
wurde, nur die Darstellung der physikalischen Erschelnungeil 
nnd Resultate übrig, die Jiich aus der meines kürzte Auf* 
enthaltes wegen auch nur kurzen Reihe von Beobachtugea 
ergeben und folgern lassen« ^— Vor allem folgt akb Met 
eine tabellarische Übersieht dieser Beobachtungen selbst. 



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ngsortes in Beirut, Lo- 
nda^des Bg.Battista=dO 
tr. Fusa. ; 
Zu den byg^metr. Ver- 
dien wurde destillirtei 
asser angewandt. 
In Dscbuähr am obersten 


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in Mgtflar Biiiliiiii Mkmm^ «^S^ ildi« dsM 4er L eJ M ww k 
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veivreltitra Ketliff(eeelVB vMtetMi^y lAiiHeh ta|{MB swei« 
m1 eis Maxina« um! EwelMil eie MMmimi erreicht Dmm 
«ewiM gaiim, Mch ie« dieee rti»4llcliee OeillUithwge 
im ttaedMilheralBle» je Biber 4eei A^Mler, 4eeU ecUMir 
■■4 klarer bexelcbnel, benrortretes, aM dieeelbee awb bi 
Sjflee eebee be d eeteed wabreebaberer and Mit tmAt Blchei^ 
bell ae beatfauMa, ab faa arfttlera Earepa, ebarebl aecb 
Wi wetteai akbt ia deai Grade rfnelaiiaalg rea Tag aa Ta|t 
skb fblgeod, wie 1« Trepealaade. Beaeadcia biaif i 
Stikaagea dea regebaiaaigea Verlaafea dieaer 
■cbea Ebbe aad Flatb aar Zeit der WbrteraHnM aad dar 
Rcgea, d. k fai dea Moaatea Noreaiber, Deaeaiber, Jaaaer 

Die Blaxlaui dea Laftdvackea tretea rrgelaiiialf an 
If Obr Meri^eaa aad It Uhr Abeada ela, die Mfatea »mim 
«a 4 bia ft Uhr Abeada aad karc lor Seaaeaaafgaaf atatfe 
Die DUIereax der Eztreae iru Tages iat ateta bedeatead 
grdaaer^ ala die der Eitrese der Nacht, d. L die Schwaa^ 
kaagea dea Laftdrackea alad aai Tage weit atirker ala bi 
der Nacbty starker abo aar Zelt, weaa die aber deai Beob* 
achtaagaorte aicb hcfiadeade Maaae voa Laftadiidrtea deai. 
■Maittelbarea Eiollaaae der atrableadea WiriM der Smm 
aaigeaezt ist Dieae Thatsache eaUpricht abrlgeaa der Aa» 
■ihaM, daaa dieae Scbwaakaagea dea Laftdrackea eiae Mth 
wacagfacate Faakdoa der Wiraie aad der Daaataaage 
ia der AtaKiapbare aey ea, voHkeauaea, da wir dod ianMf- 
Ida aaaehaMa kSaaea, daaa die eiae jeaer beidea i criad ea 
Bebea Ciiaata, aiaiRch dte Daastamige, i« WeHfce 
I, aiaiürb der W^iraie, wegea deai 



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4«rii<4ien Wußten biordeufend nftchstehe und datfs» tkd der 
|] mfaiig der Liiftdrockssohwankungeo . rieh mehr Um nach 
der einen GiH>88e, uämiicb naeh der Wärme, riehte. Der 
böjrliGtte nährend 5 Tagen Im Oktober und November sa 
Beirut beobaditete Barometerstand betrug 28,27 , der nie- 
derste 28,10 Pariaer Zolle und zwar 60 Pariser Fusa über 
der Meere3fläche, Die grösste Differens des Barometer- 
standes an ein und demselben Tage war £= 0,10 Pariaer 
ZolL In Damaskus betrHgen während drei Tagen zu Ende 
Oktobers: der böchste Barometerstand 25,90, der niedemte 
25,92 Pariser Zolle. 

'Die Temperatur der Lnft eiTelcht täglich ihr Maximum 
nnd tägfich Ihr Minimum, erstres in den ersten Stunden des 
Nachmittags, von 1 bis 2 üb r, lezteres kurz Tor Sonnen- 
Aufgang. Mit den Etremen der Luftwärme stehen jene der 
Liiftreuchtlgkeit In enger Verbindung, je grösser nämlich 
die * Luftwärme Ist, desto bedeutender ist das Veiipogen der 
Atmosphäre, neue Dnnstmengen In sich aufzunehmen, desto 
grösser Ist aber auch die Expansion der bereits in der Luft 
enthaltenen Dünste, kurz, desto trockner ist die Luft, wenn 
wir vns dieses Ausdruckes bedienen wollen. Mit der ^b^ 
nähme der Luftwärme sinkt das Vermögen der Luft, neue 
Dünste in sich aufzunehmen, die Expansion der bereits vor- 
handenen Dünste nimmt ab, die Luft wird, wie wir gewöhn- 
lich sagen, feucht. So ergibt sich denn auch in Beirut ans 
den dort abgeführten higrometrischen Beobachtungen , dass 
die Penchtigkelt der Luft hinsichtlich Ihrer Extreme ziem- 
ttch genau mit denen der Lnft-Temperatnr zusammenfallt. 
Zur Bestimmung der stralilenden Wärme der Sonne In ihrer 
fSesammtheit mit sämmtlichen Farben-Strahlen des Prisma 
wandte ich ein genaues Centesimal-Thermometer mit voll- 
konnnen geschwärzter Kugel an. Dasselbe zeigte, vor meinem 
Fenster in Beirut an der Sonne aufgehangen: 

Am 11. Oktober um 2 Uhr A. bei Centesimal 27,12<^ 
im Schatten und .19,37<^ an der Sonne, 41,20. 

j Aitt; 1. November 2 ülir A. bei Centesimal 21,75^ 
im Schatten und 35,75 <^ an der Sonne^ 26,8^. . 



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7ait 

Am t* Novfiinber am 2 Uhr'A< bei Ceiifesimal SS^ST^ 
im Sehalteo nnd a4,62<> an der Sonne, S7^5^. 

Woraus wir sehen, dass unter diesen drei Beobachtun- 
gen die Differenz der Thermometer, nämlich der g;ewöhnll* 
cb^i* im Gegonhalte des mit geschwärzter Kugel) nnl 3,. 
November bei Windstille und vollkommen heiterem Himmel 
am gvftssten war, wie es in der Natur der Sache li^gk 

Die «hdchste von mir vom 10. bis 13. Oiitober za Bei«*, 
rnt lieobacbtete Lufttemperatur betrug 22,3^ R^nm,, vom, 
1* bis 4. November 18,6<> Reaum. Die niederste Lufttem- 
peratur im erstem Zeitraum war = 20,0^^, Im leztern =s 
16,8^ Reaum, Diese Beobachtunji^n geschahen um 2 Uhr 
A. und 8 Uhr M* Die Differenz der Beobachtungs-fixireino, 
ijvar im Oktober = 2,3<^, im November = 1,8^. Im Ganzea. 
beobachtete ich in Mittei-jSyrien in den Monaten Oktober 
und November die höchste Luft-Tempei^tur am Idw Ok« 
tober Mittags zu Mar Hanna el Kennise am Libanon in ei- 
ner Meeresböhe von 180«^ Pariser Puss £=£ 27,S^.IMaial. 
Die niederste hingegen am 22. Oktober um 6 Uhr Mof- 
geits unter den Cedern des Libanon in ^eilier Meeteshohe 
von 6000 Pariser Fuss = 7,5® Reaum. Beide Beobadittt»*. 
gen natürlich in vollkommenem Schatten gemacht 

Die Luftfenchtigkeits-Beobachtungen' zu Beirut am IK 
Oktober 8 Uhr M. und 1. November 6 Uhr M. sind wegrni 
dem ganz unverlasslich, weil sie kurze Zett daniach ange* . 
stellt wurden, als ich die eine Kugel des Thermobygrome*. 
ters mit neuem Musselin umwickelt hatte, in welchem Falle, 
wahrscheinlich durch, die rapide Aufnahme von Feuchtigkeit 
aus dem Näpfchen, in welchem sich, wie immer, stets ganz 
reines destillirtes Wasser befand, eine aussergewohnliche 
Herabsetzung der Temperatur statt fand. Im Ganzen war 
die Luft in Beirut während der Beobachtungstage feucht, 
denn die Fähigkeit derselben, neue Dunstmengen in sich 
aufzunehmen, war sehr gering, indem die höchste Differenz 
der beiden Thermometer bei einer Luft-Temperatur von. 
21,7<^Reaura. nur 2,8^ R^aum., die niederste bei einer Luft- 
Temperatur von 17,9^ Reaum«, nur 2,0^ Reaum. betrug. Die 
Schwankung der sich übrigens genau an den Gang dei/ 



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m 

Tliernoiietoni baltenileii LnÄfetfchlfg^kett besd^rrfbl daber 
in der kansen Beobachtaiig82eit0,8* am Hy^o-Thennometer^. 
Unter mehreren b3rpsometrt8cheii Versnchett mit Ther- 
mometern, die ieh mit alter mdg^llchen Senanigfceit und gans 
nach den tor Gintl gegebenen Vorsehrlften** abfiihrti»,^ mte- 
Amgen nrfr ftuit alle nnd braebteit mich schonf damals ssnr 
VernHithnng^, die später, wie wir sehen werten, auf nMdnmi' 
Rdiseil im lianem von Afrll&a mir ganz zur GchieissKeitwnrde^ 
dass das Thermometer als Instmment zu HöhenbesUmmun- 
gen idcttt weniger störenden Einflüssen Ton aussen ange- 
sezt sey, als das Barometer, und das» die' Bestimmung von 
HSbendiifcireiizen dureh die Auswittlmig des Siedepunktes 
des desUnUrten Wiewsers durchaus nicht mehr Genauigkeit 
an dHe Hand- gebe-, als ehte sorgfältig und mit aUen Rfidt- 
Sichten abgeführte Barometer-Beobachtung^, ja in mancher 
Beziehung derselben naclistehe» 



•> jnbysio9HWnia* «nid «fBotogfselM ITerhäStaisse 
mittel. Syjrieift. 

Des aOgemeTne Tipns von Mittel •Sydän, woranter ieh 
dtts KiisiengeUet ton Beirat siidwarts nach Sttide imd nord- 
wärts bis Tripolis^ die Kette des Libano», die Hochebene 
von Baaheck, das untere und obere Beksa, namücb das 
Vlnaagebiet des Nacber Kaaimi^h. oder Litani, die Kette 
dea AntfHbsMm und. die Ebene von Damaricus mit dem snd- 
Hok angfMzenden Thdie des Hauran begreife ^ wmrde 

* Ül»er i,i% Bestimmung der wirlilicbeii Expaotivkraft de« Waa-. 
aerduDstes in der Atmosphäre bei einer geg;ebenen Temperatur, des 
Gewichtes des im Räume enthaltenen Dunstes, der Dichte desselben etc. 
aus den durch positive Beobachtungen in meinen meteorologischen Ta- 
bietlen niedergelegten Daten nnd den dnreh die neuesten ^orsdrangen 
MMtarw Zeit entwickelten nnd festgestellten Gesetzen rerweiae iel»^ auf 
die pajrahroflietriflchen Formeln, welche Hr. Regierungarath BA0iiO|ARiifBH 
in seinem vortrefflichen Werke: „die Naturlehre nach ihrem gegen- 
wärtigen Zustande, mit Rucksicht auf mathematische Begnlndung. Wien 
1843. Supplementband 1831^ an die Hand gibt und mit der ihm eigen- 
thfimlirhen Klarheit anseinanderaezt 

***' Das Hofienmessen mit dem üiennometer, dargestellt roa J;W. 
^u, Wien hSU* 



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TM 

bellte in fuiften AfasebiH«^ dKeses ersten BMits, 8. Ili^ 
ete., bei Darsteliaiig der geologtoebeir VeriialtBtsae im nftnl^ 
liehen l^^rien, kn Ganeen anseinandergeseBt, and dargetlMuty. 
daas in der Rreite von beiläufig S%^ 3fH ein raaditiger Q^ 
Uffgsateek sieh befindet, der glelehsam den Kern des Landes 
bildet vnd den die höchste» Punkte desselb« angiMfeü^ 
BiBser GeUrgssteek ist der schon oft erwahnteJnschritel ef 
Sehedi oder Dschebel ei Teltseh. 

Von ihm ^eht nnnrittdbar i« Nord-Ost dl» Kette» dei^ 
iinttlib»H>n^ ana^ mit deren Bevgew er anmtttelbar^ als im 
ein nnd derselben^ ReHie lieg^end, ansammeiAingt.' Snreli^ 
den Dsehebel Abel und* Dehebet d Drns, welclie MderBergu 
siige durdi das* Thal de» Kasimleh oder dnreh das vn#erv 
Bekaa getvemt werden und welche efgentHeh die westticlew 
Vorberge des Jüechebel el Sdieoh bOden, sehliesst sidh oder^ 
besser gesagt lehnt sich auch der Libanon dttesemifislfitfs- 
»tecke an nnd ersdiehit ab- ei» dorch Ae Venidttlkmgf jener 
beiden Bergziige ebenfalls rovihra In Noi^ anflickender Am. 

Die Torerwihnte Untersuchung im fnnfteii Abschnitte* 
dieses. BiMideeh erstreckt sich verzugKch auf die P el en c b tnng 
der* anssem ¥erhiltirisse der beiden^ Bergketten, des'Libane» 
und< AatHibanon* nnd der sie beidetseits^begranEenden Land« 
stvichfe, berührt hingegen^ weither da» Utelist tttteiiMsnnte» 
Gebirgsterrain im Süden des Dschebel el Schech, duitii dan 
sich derselbe dem Gebirgniande des andUehW' Skptfmm oder 
P a i Hntina ansehliesst. Die ganze 6ebirgs*6m^e, welebe 
sich dem Dschebel el Scbech li> Sfid ansehliesst, dasganae 
Terrahi nm BaniaS5 Bssbeya nnd dem Baohr el- Hule ist: 
unter dem Namen Dschebel el Schech begrüfen nnd bildet 
ein hohes Gebirgsland, welches fast alle seine Wasser süd- 
lich dem Jordan -Thale znsendet. Den ostlichsten Rand 
dieses Gebirgsstockes bilden der Dschebel el Heisch nnd 
der Dschebel Djowalanr oder Djaulan, flache Gebirgsrnekeu^ 
durch die erstrer in die Ebenen von Haoran abfallt , den 
westlichsten Rand hingegen, das Gehänge unmittelbar ober- 
halb der Kusteiiebene, bilden der Dschebel el Dms oberhalb 
Seide und der Dschebel Djowallein oder Djauelin, oberhalb 
Snr« Das awiscbea diesen beiden Haupt- Gehangen den 



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754 

CteUrgssteekM , dem SstHchen im Hanran und dem wesffi*' 
eben an dier Koste, liegenile hohe^ind mit dem alig^emeineB 
Hamen Daeliebel ei Scliecli lielegte Gebirgsland omscfalieaal 
das Thal des Nadier el Hasbeya. Der Jordan ist in sei» 
nem oI>em Laufe, was seine Grösse betrifft, von geringer 
Bedentnng. Der Nacher el Hasbeya entspringt nordwent» 
Iteh der liöclisten, mit ewigem Schnee bedeckten Knppen 
des Dschebel el Schech und durchschneidet aus Nord in 
Sud den ganzen Gebirgsstock , indem- er sich in die sum- 
pfige Ebene Ardt el Hnle ergiesst und sich in dem See 
Baeher el Hule mundet Der Jordan, der sich dicht an 
dem Nachr el Hasbeya ebenfalls in den Bacher el Hule 
nrimdet, ist in jeder Beziehung von geringerer Ausdehnung 
und entspringt bei Banias, dem alten Cäsarea Phillpi^ 
Mehrere Bäehe, ausser den beiden erwähnten, nämlich dem 
Jordan und dem Macher el Hasbeya, ergiessen sieh in den 
Bacher el Hule , seine Entleerung aber geschieht durch* el- 
Qen einzigen Abfluss an seinem südlichen Ende, und das M 
der rigentliche Jordan, der weiterhin den See von Tiberias 
durelistromt und dann südlicher das todte Meer bildet. Dem 
«lordanlauf vom See Tiberias bis zun» todten Meere bezelclH 
n^e ich als den untern Jordan, zum Unterschiede Von dem 
obem Jordan, yom See Tiberias bis zu seinen Quellen bd 
Banias. 

Das; ganze untere Jordan-Thal zwischen dem See Tt» 
hsfias und dem todten Meere ist eine gewaltige Depresitiaa 
des Terrains unter die Meeresfläche, welche in ihrem tirf«» 
aten Punkte meinen soigfältigen Bestimmungen zufolge über 
IJWO 'Pariser Fuss beträgt ^ Da jedoch auch noch der 8m 

, • Daichdererste warj der iflit Zugrundf^Icgun^ po«itiver Bi*» 
obachtung^n bestimint, nicht schats!;UDg5wdsej die Depression dt^s toi£!iea_ 
Meers ang^ab ond sie zu 134t Pariser Fuss bestimmte, so war es natuii^ 
lidi, da«t sieb gegen ein so überraschendes Keaul tat mehrseitig' Zwetf«! 
erhdben. Um so angenehmer ist es ihif, durch das AuJtlaDd Vir^* 44 
vom 13. Febroar 1842 zaNreraehmen, dass in der g;cagra(»h]«chßQ S<K 
zietSt zu London, in der Sitzung vom 24, Januar 1842 1 ein Brief i»i 
Obersten Chbsnet vorgetragen wurde j worin derselbe #a^: du» def 
englische Ingenieirr-Lieateiiant SrnoitDi durch eine xngantiiiftiltinftii^ 
NivcUiraag aosgemitCelt bat, das» der Spiegel de» todtea Bbita 1199 



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T55 

von Tiberias mehr als 600 Pariser Fuas unter der Mee^ 
resfläche liegt, so v/ire es doch von hSchstem Interesse» 
anszomitlelR, wo denn eigentileh diese merkwürdige Depres- 
sion im obern Jordan-Thale beginnt; was am schönsten 
durch ein'vollständiges barometrisches Nivellement vom Nord^ 
ende des Sees von Tiberias an bte zum Bacher ri Hat« 
und bis nach Hasbeya hinauf erforscht werden konnte. Mei^ 
ner Meinung nach durfte die Niveau-Linie des Meers das 
Jordan-Thal ganz nahe am obern Eiide des Sees von Ti- 
berias durchschneiden; denn das Terrain des Dschebel et 
Saffed am Mord-Rande des Tiberias-Sees, und insbesondere 
das Thal des obern Jordan, steigt sehr stark an , so dasa 
die Jakobsbrücke auf der Strasse von Tabarieh nach Da«* 
maskua nach Herrn v. Schub£rt bereits 378 Pariaer Fuss 
und der Jordan daselbst 350 Pariser Fuss über dem Meecf 
li^en, . woraus sich dafür eine Höhe über den See !^qn J!U 
b^ria^ von mehr als 900 Fuss berechnet Der Dschebel* ^ 
Saffed bildet übrigens auf der Westseite des obern Jordan» 
Thala, wie der Dschebel Djaulan auf der O/M^eite desseit 
ben, das südliche Ende des ganzen unter dem Namen Qsehe» 
bei el Schech begriffenen Gebirgstockes , woran sich nun 
östlich des untern Jordans das Gebirgsland von Hauraui 
westlich desselben das. von Palästina anreiht. . . 

Da ich auf dieses, dem Dschebel el Schech sich süd- 
lich anschliessende Gebirgsland, so wie auf jene merkwür- 
dige Depression des untern Jordan-Thaies, so weit sie von 
mir selbst durch barometrisches Nivellement erhoben wurde, 
bei meiner Bereisung von Palästina ohnehin und im Detail 
zurückkomme, so erlaube ich mir hier, besonders um jeder 
Missdeutung meiner S, 416 dieses ersten Bandes anmer« 
kungpsweise ausgesprochenen Meinung zu begegnen, im All- 
gemeinen zu bemerken, dass die hier angegebenen äussern 
Verhältnisse der Landes-Gestaltung sowohl in Berqhaus, als 

eDglische Fags tiefer liege^ als das höchste Haus la Jaffa, und da diese« 
207 Fuss über dem Meere liegty so bereebnet sieh für den Spiegel de« 
todten Meers eine Depression von 1400 englisehen Fnss oder 13i3 Fft- 
rieer Fuss. Man sehe aber meine Beatiiiimuna der 9epre«sion: Poo« 
GBifDQjiFFs Annalen, 1841 , Heilt (»• 



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75« 

la RoBniKom Karte sehr pit anfgefaiafc ataid, daaa aibfr er- 
atere ^arch die bd der Terrain-EinzekhauDg; beobachtete 
Methode efii ktareres und diese Verhaltnisae beaaer aofira- 
faaaeadea BAi ^bt. Olme dem vielen und wirklich sdir 
achätzbaren Detail der Roei^son sehen Karte , beäoitd€ri 
üvaa die Umgegend von Beh nt und das er^enülciie Palästm 
betrifft, nur im mindesten nahe treten jcii wollen, muss ich 
ibelieiinen, daas ich die Biacrfr Ausstelle Karte in Betreff der 
JGebirga-GmppiroDgen des Libanon und Antilibanon, in Be- 
treff der Lage mehrerer Oite iji Mittel-Syrien und der Rkk- 
•tung einiger Flasathaler, so unter andern hinsichtticfa d«fl 
Laafea dea Litani, Leontes oder Nadier el Kasimieh^ «o 
weit ich die Lol^al-Verhättnlsse kenne ^ vorziehe. 

Betrachten wir die In meinen vorher||;egangenen N«rt*- 
feen über den klimatischen Zustand Mittel-Syriens aii^efiihr* 
ten Sarometer-Beobachtnnn;en als Grundlage eines Kalkiil« 
fftr die Meereaiiohe der ßeobaclitun^-Statioiieu, so ergibt 
fldch ans nachstehendes Nivellement meiner Reise-Route iroit 
Beirat Ober den Libanon und Antillbanon nach Damaakits 
und zar&ek! 

Libanon. MeereshdKa 

Par. ff^ss. 
Beirut, Lokanda des ßatttsta. 1. Stock . . U 
Mar Hanna el Kennise, untere Steinkohlen- 
Grube . , . . . SMS 

Dach nah r, Maromten-Dorf ..,..., tM^ 
Maklaain el Bed^ Steinhohlengrnbe . . . f8?3 

Soleima, Emirsbur^ « 18SI 

Sachle, Stadt am östlichen Abhänge » . , 

B 8 eddin, Steinkohlen-Grube 

Chan Hussein, Strasse von Beirut nacli 

Damaskua tpv" 

Budnei, Dorf am östlichen Gehänge «... iti:: 
, Mar Tak hala el Marusch, Kirche nacbit 
den Eisenminen von Mar Hantia el Bchuwihr 

Kor Dell, Gmlväburg 

Ainete, Dorf am fiachebel Makmel , . * 



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797 

Llhäni>n. HetfMk§. 

Pair. Fos«. 

Joch .des liibaHon, StraMc van Belmt äbi^ 

Sf^chle mck Baalbeck » .« 9|85 

Die C.eder.n, oberhalb B'scherre » • . .. ^ 0000 
Spitze des Dsciiebel Mak^fie-l eber ^de« 

Cedern « .. 8400 

Spitze des Dscbebel Arneta»^ ober £dfen. 

Di0 höchste Spitze des Libanon • . ., • 8800 
Spitze des Oschebel Sannin^ Kuppe 4eo 

Libsii€iii •.••••«••;•,,,• 0800 

Antilfbanon. MeereshOtie. 

Far. FaM« 
Spitze des Dsehebel el Bcheeh, f^chajEt 9000 
.Joch des Antilibanon, Strasse zwischw 
Dfimi^kiis und Beirut über .den QschebcJ'M 

Sejbd^ni .» r « 4886 

SebdUni., Porf Un Antilibanon ... • ,. ^' ^ 4024 
Lagerplatz am Falle des Barrada, in der 

Nähe des Felsen-Passes el Suk . • ^ ^ 3340 
Stadt Ba^ilbeck, am westlichen Gehänge . 3498 
Damaskus^ Stadt am östliclien Gehänge . « 2SU4 

Auch Berr t. Schubert nnd dessen Reise-GefUivttn baf> 
ben auf ilirer Route von Tabarieh nach Damaskus und •von 
da «nruck nach Beirut übe^ den Antilibanon und LibaiMMi 
eine Reihe von Höhenbesfimmiingen To^genoinmen. Ihm 
das barometrische Nivellement unsers hier gegebenen Diitrilb» 
tes znrBeurtheilnng der Form des Landes «K^r zu erginmii 
fuge ich hier die in meiner Beobachtnngs-Reiiie nuiDgebideo 
Höheai» Angaben des Herrn v. ScHUssaT bcft, 4n so weit 9im 
nämlich das «ns hier gegebene Terrain betreffen; denn alld 
jene Höhen-Bestimmungen , vvelcbe das Luid südlich .dcv 
Jakobs-Brücke über den Jordan, die Umgebung des Sees 
von Tiberlas etc. anbelangen, fallen bereits In das Bereich 
vom südlichen Syrien und vi^erden mit allen ihren gegenset- 
tigeu Beziehungen Gegenstand meiner Darstellung; der jphy« 
siognomischen Verhältnisse Palästina s seyn. 



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ns 

>Ds€hebeI el Scliech und Äntililiaiion. Bfeeresh<>ii«. 

Par* F»Mh 

Jakobsbrucke über den obern Jordan , . * . IlS 

Der Jordan daselbst .....«.,.. 3i»<^ 

Josepha-Brunnen am obein Jordan . * . . , $1) 
Bergrand dea obern Jordan-Tbals an der Jakobs- 

Brücke , \ S38 

Plateau des Dschcbel el Heisch bei Nonarän , %tH 
» }} iy » n » dem Teil el 

Cbansir ^00 

Rucken des Dschcbel el Heisch bei Kimeitirab SSäO 

Plateau von Damaskus bei Sasa ..<.,. 27SS 

j9 n n «i»! Chan el Scheck • , 2454 

Sarain am westlicbeii Geliänge des Antllibanon ^00 

Libanon. 

Dorf Eden ............. 44S4 

n B'schepre .....•• ^%ti 

yj »bbaiM «Mi 

Im ganzen Umkreise des Libanon und AntiUbauon seTic» 
tvlr ein «^nziges bedeutendes und auf ehie grosse Entfernun* 
fortsetzendes Längen tlial. Es Ist dns von ßnalbeck, das all«} 
Colesyrieh, welches weiter mUllich den Namen oberes 0^4 
unteres Bekaa trägt. Dieses Tbal trennt den Libanon tow 
Antilibänon in 4ei- ganzen Lange beider Gebirgszüge. Jenff 
v&efcenartigen Erbübung, die als Wai^serfbeüer ein paar 
Stunden nönHicfa von Baalbeck quer durch die Thalebene 
sieh hhiziebt und die merk würdige Erf^chetnuug herbeifilrt^ 
dass die Tbalcbene ein do|>peltes Gefalle, da» eine in Kiml 
rias andere in Sod, besizt^ habe ich im Verlaufe meiner RetH' 
•ebilderung bereits erwähnt, sie ist aber für die Stniktiir 
Verbältnisse von Syrien zu wichtig, um nicht hier iiiMA€fa» 

darauf' zurück zu kommen *. 



• Bch beforehte mit Recht von Sdtc meiner verfTirtrn Lfittr dr 
Y^rwuxff dass ich die Ersehe! nn »gen und Beobaelittmgji>IiFjiiiltaltj f 
und dasselbe Land betreffendj im Verlaufe ineiues Wcrkp» %u f^hr t^ ' 
sfreiie und vertheile. Dieser UbebtaDd, denn das ist c« tini 
eine Folge der mir' vna mir selbst gegebeiicD rhrougIdgiMbf-i 



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750 

Der nördlich von Baatbeck^ oier eigetitifch der nSrdlidi 
des cölesyrischen Wassertkefiers liegeode Theil dieses 
grossen Langentfaals g^eliert dem Flassgebiete des Orontea^ 
der südlich desselben lieg^ende Tlieil aber als unteres und 
oberes Bekaa dem Flnssg;ebiete des Litani oder Macher 
el Kasimieh an. Merkwürdige ist es, dass die Erhebung der 
Thalsohle, nördlich von Baalbeek, welche beide Fiussgebiete 
Ton einander trennt, in die Nähe der höchsten Erhebung 
des Libanon fällt, während der tiefste und engste Thaletn» 
schnitt, das obere Bekaa, an der Seite der höchsten Er- 
hebung des Antilibanon zu iiegeu kömmt. Beide Erhebungen 
scheinen also auf das sie umgebende Terrain eine verschie- 
dene Wirkung hervorgebracht zu haben, und namentlieh 
beobachten wir am Gebirgsstocke des Dschebel ei Scheck 
vorherrschend eine tiefe und enge, schluchtenartige Thal^ 
bildung aus Nord in Sud, die sich besonders klar in den 
beiden parallelen Flussthalem, In dem des Litani und in 
dem von Hasbeya ausspricht. Erstres wendet sich in der 
Breiten-Parallele von Sur dem Mittelmeere zu, lezteres aber 
sezt coustant in Süd fort, wird immer tiefer und tiefer, 
tritt endlich am nördlichen Rande des Sees Ton Tiberias 
unter das Niveau des Meers und sezt als die denkwürdigste 
Depression, die die Erde aufzuweisen hat, bis in die Nahe 
des follien Meeres fort, wo sich im südlichen Theile des 
Waddi Araba das Terrain der Thalsohle wieder zu hellen 
beginnt und jen^n Damm bildet, der diese Depression vom 
rothen Meere trennt und das Eindringendes leztern hindert. 
Wir haben vom rothen Meere bei Akaba an, durch das 
Waddi Araba, durch das untere und obere Jordan-Thal, bis 
in das Waddi el Hasbeya ein ununterbrochenes Thal, dessen 

de« Ganzen, Meine Absicht gebt dalun, den Leser ^ wie er sieh ia ir- 
gend einem Terrain lokalisirt hat, sogleich festzuhalten und ihn mit 
den Erscheinungen, die dieses Terrain für sich darbietet, bekauut zu 
machen. Ist der Iieser so, wenn auch in verschiedenen Zeitr&umen, 
durch das ganze Land geführt, dann werde ich bemüht seyn, demselben 
durch eine kurze Resumiruag des Gesagten einen Complexns der Er- 
scheinungen und damit dasj was ich beabsichte, ein klares Bild de.«« 
ganzen Landes zu geben. 

KiiMiifJSCii, Reise«. 1. B4. 2. ThI. 49 



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CtfMt.:giwiiti^itfidk «nkr ii» fVtehf 4m Itohm li^gt nnd 
4iM't¥id ^ne groMie Spalte .V/WiDs«l|fbele|.&die0)iieiHi«get|t 
fmi dttsi ganze eüdlidie Syrien fkuröhgest 
lu Iter Cliarldkter des GcAfirgtkmdes, wdebeiilrifh miiiloM 
item Oebirgastcfeke deaOschebel el Scheck eadiiehüdielilieaiti 
tolgi gant . den TypDus ven P^liatioa an sieb. ■ JHe^BiEirgi 
•rreielieR bei l^eiteai liiebt teeklr jene HShea, w jk n ei 4lß 
fm Libaeoa «od Antilibanoti ansteigen, ilire Firmen sM 
vHnif^t spharf ^ Doodecn mehr genutdet^ die Berge jrjbiktli 
eich Hiebt in Ketten ton gresserer Ausddmung, soitdi^ni 
■iiid iii dicht aneinander stehenden Grappett^ Jiber da» gaite 
tiMd' vertheHt, und wollen wir von einer Emperhebvng iredem 
Mitragen die «ördlich de» Oschebel eiSehech JiegAiideii G0- 
biif^ Qiebr.^tt Chamhter einer spaltenartigeo firkefciwg^ 
dfe eüdlieh liegenden hlngegeii mehr den eitoer massige 
•tockartigea Erhebung an aicfa, die dercA das Jerdan*Tllid 
ans Jliord ie SiM in ihrem Zusaamenbaage getrennt -wMrde^l 

r 

" . • i; . 

«ciitftrinit <ier Jiiiteralur 4e;^elben wohl eioes dir ersten Hälfsmittfl. 

Von diesem Grundsätze ausg^ehend habe ich bereits S. 354 u. a. a. 0. 

dieses ersten Bandes auf einige der wichtigsten Wer'ke aufni6ilLätai''g:^- 

Maehl, die uns fiber Syrien, besonders in natdrtiistbnfteiicr 'Mid' "tifä 

n«il andi in gtschichtlieher «nd (opdgMpiiacber Beziehang iiUtiEiCiUatf 

9^ih lHi4 jch erlMbenirliief jenelf^fer, dtnen f# nm weHf f a |lfail* 

Weitungen in Betreff diesei^ interrssiuiCen han^ zu thim jst^ n^Jkigif^ 

lieh auf eine Reihe von Schriften hinzoweiseni die, mit verschleime 

Tendenz und von verschiedenem Werthe, grosstentheils aus *ira«rVr 

nenesfen Zeit stammen: . ' i** 

Aamoisbao, Yoyage en Syrleet daoas les dtacMti. ^ans ISSa. *J 

Cbrrespfndence et neiaoir^ ^'u^ V^j9ig/t»T m Onev^y f^ ßi9qfit$ 

Bow. % Vol. Pari^ iHq, . , . .» . li i- J : .1 /; ptih , • 

Souvenirs de TOrient, par le Vicomte de Marcbixus. Vol. % 

Paris 1839. 
fit^^KAfMiM, tPAvelg in AEBfrm, Media, F^i^ia, hiclii^ng a jSibMf 
from Bagdad aeross the mannt Zagros. London l8Sf. *■" l^'m 
Desselben Travels in Palistina. 9 Vol. Londo» 18f 1. • *» -* '^ «*" 
Desselben Travels anong tfae Arabtrib^s. LondM 19S5." •'■'^ 
KmrrBL, traveh in Babylonia^ Assyri«, Media, SeytbHL 

e Vo!* ' ..^ ..,. ».11$^ 

dAtLiJiiiDOT, Plaittet v«deaidi|«es de 9fria ete. ■ BulM. 

Geolog. Vol. 9, pag, «73. ■*• *•! »*•■•; 



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9SI 

Wie wir tius^ meliter!<DiiAst«ltutag der j^engitosCkiclien 

VevUalAitee das nördlichen Sjrieils ersahen haben, so idt 

•. . ' • . .' • ' * 

B0TTA9 .Mein. HUT le Libanon. Meiif. de |a Soc. geolog. VoU 1. 

■'p. 135/" 
Caixisr, yofage en Ane mineure, Syrie, Palästina et Aräbie petreel 

hn Awumg in: Xntiätes den Voy«g«s. 1^35. Mars. 
]l|4i»tD>Ej;^ Jotirnpy from Alepp<» tb Jerasalem. Oiäörd'n^^ ' 

Cipro FiyEpmcH v. iUcHTEfs, Wallfabrlcn im Morgenlaiide. B^rljii Ig^ 
SsBT3(BXVs»9e^graphiiiche. Notizen iaZAQfts moaalKcher K^f^esp^pfkiti 
zur BefQrderiiug; der I^rd> und Himqielskuiide. Zerstreut in loelir 
reren Bänden. 
Klödun, Laudeskunde von Palästina. Berlin 1817. 
BiCHABOsavi 5 travels along fhe Mediterenean and parts adjacenf. in 

tbe yiättts 481ß— 1818. . 2 Vol. London 1822. . 
Deseriplion d^s eotes O^V'gypt^ 9 de Sjrria fi de Cf^ripiiislii«! par iM 
ÜEifL, Capt. de Vaisseau. Anuales maritiaies ^i colontales. Annef 
1827. Paris. . 
Browne, travels in Afrika 9 Egypte and Syria, froni tbe year I7d^ 

to 1798; London 1806. 
Report frani the Btleni Comittea od Stcam' NavigatioB. ta India, witi 
tbe iImiites.-of. Svidenee^ Appendix and Ii|dex.< Ordered bf tht 
bouse of Commons to be printed 1834« London. Ist für das nord* 
liebe Syrien von bobem Interesse. 
Travels of Ali Bey in Maroeco, Tiipoli, Ciprns, Egypt, Arabia, Sjrria 

and Tnrkey, between tbe years 1803 and 1807. London 1816. 
Jonmal of a tonr in tbe Levant. By W. Tvrnbr. 3 YoU London 1820. 
Notes dnring a visit to £g;ypt, Nobia, tbe Oasis, mount Sinai and 

Jerusalem. By Fred. Henfkiker. London 1823« 
Ritab menassik el badji, min el Hadji Mohammed Edib ben Mobamoied 
Derwjscb. Traduil par M. Bianchi. Recueil de Voy. et de-Memm. 
publ. par la Soc. Geogr. Paris 1825. (Itiuerar. von JConstantinopel 
nach Mekka^ ein Heisebandbucb für muhammedanische Pilger, mit 
allen Gebeten und Ceremonien der Wallfahrt.) 
l^alästina. Geograpbisk, argaeologisk ocb bistorisk be&krifning af 

W. F. Pajlmblad. Upsala 1829. 
Palestine^ or tbe holy. Land, from tbe earliest period to tbe prea^nt 

time. By Russell. Edinburgh 1832. 
Hadji Cbalfa. Übersezt von B. v. Hammer. Österr. Archiv , Jfthf'' 

gapg 1833. 
CROMB9 historisch-geographische Beschreibung von ^Syrien. Guttiiit 

gen 1834. ■ , . 

Lamartini. Souvenirs de TOrient. Paris 1832. 
Jj^ Cbmte DE FoRBiN. Voyage dans le Levant en 1817 et 181^ 
Paris 1819. 

49* 



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762 

der torrschende Charakter des dortigen Gebirgssystems von 
dem in Mittel-Syrien sehr verschieden, namentlich fenes 
Gebirgszuges, der Syrien von Karamanien, oder eigentlich 
Von Cilicien trennt und der sich einerseits mit der Kette 
des Taurus unmittelbar verbindet, andreraeits sich zwischen 
der Meeresliüste und dem Flussgebiete des Orontes In Süd 
bis zum Waddi ei Hossn hinzieht, welches das Gebirgs- 
System Nord-Syriens scharf von dem des Libanon und Anti- 
iibanon trennt. Wir sehen in Nord-Syrien die Ablagerangen 
der Kreide, besonders der untern, harten, durchbrochen von 
grossen und mächtigen Bergzügen abnormer Gesteine, als 
Serpentin, Hypersthenfels, Augitfels, Wacke, Glimmerschie- 
fer, Gueiss etc. In Mittel-Syrien hingegen, nämlich am Li- 
banon und Antilibanon und in den diesen grossen Bergket- 
ten angränzenden Nebenzugen, bemerken wir dichten Kalk- 
stein, Mergel- und Sandsteine als die allein herrschenden 
Felsgebilde. Wo diese durch abnorme Gesteine durchbro- 
chen erscheinen, sind diese erstens nicht in einer so mäch- 
tigen Entwicklung auftretend wie in Nord-Syrien und zweitens 

Irbt and Manglks. Travels in Egypt and Nubia, Syria and Asia 
minor during (hc years 1817 u. 1818. London 1822. Nicht in 
öffentlichem Buchhandel. 
Bergorbiv, Resor i Europa och Oesterländerne. 3 Delen. Stocl^- 

holm .1826—1828; auch ins Deufsche ubersezt. 
Vere Monro. A. Summer Ramble in Syria. 2 Yol. London 1835. 
Micium) et Poujodlit. Correspondence d'Orient 1830 — 1831. 

Paris 1834. 
Skinner, Major Thom. Adventures on a journey to India throngh 

Egypte, the holy Land and Syria. London. 3 Vol. 1837. 
Daguerreotypen. Aufgenommen während einer Reise in den Orient 
in deii Jahren 1840 u. 1841. Von F. W. Hacklawder, Begleiter 
des Baron Tavbbnhkim. Stuttgart 1842. Noch unter der Presse. 
Syrien im J. 1840, von Dr. Ai.uou. Wien 1842. 
Hicher gehören zum Theil auch mehrere der in meinen Reisenotitsen 
über den Tauru« in Karamanien angeführten Werke, z. B. die von Salle, 
Maoden, Fontanib» etc., ferner die Arbeiten Jakotins und mehrerer an- 
derer aus der Zeit der franzosischen Expedition. Hingegen lies« ich 
die meisten jener Werke, die ausschliesslich von Palästina handeln, 
hier weg, da sie ihre geeignetere Stelle in meinen Reise-Notizen liber 
Palästina selbst finden werden. 



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res 

«ind iie mehr . einer rein vuticmhitfclieii Natiir, sie jg^eliSo 
ten namlkii dorcligehends den* Basalten und' basaltfsclien 
Wackln an. So aelien wir den ganzen Libanon,. den ganzen 
Atttilibanon, den .Geblrgsstöck des Dsdidfol el Schech, die 
Berge der Küste und die der Hochebene von Damaskus ans 
Kallistein be9tehend, so sehen wir die Basaitdnrchbrüche iol 
Jordan-Thale, am See TIberias, bei Tripoiis etc. Welche 
Stellung diesen Basalten angehört, ist kein Zweifel, denn 
aie^Hsind Gebilde, die alle Formationszeiten geschichteter 
Gesteine durchfvandern. Schwieriger ist es al>er, den Sand- 
und Kalksteinen ihre Stellung in der Formationsreih'e allget- 
meiner Felsblldung so anzuweisen, dass sie Schritt für Schritt 
gerechtfertigt werden kann. Ohne weitere Angaben z« 
berücksichtigen, denen wissenschaftlicher Werth in geogno^ 
stiseher Beziehung von Vorne berein mangelt, die z. B. 
vom Urkalke des Antilibanon reden, oder C^ie Dr. Rössel 
In seinem Palästina oder das hellige Land, 2. Theil, Sw 
162. Leipzig 1811$) die Kreide- und Jura* Kalkberge um 
daa todte Meer herum gar für Granit ansehen, wollen wir 
uns nur, ausser bei meinen eigenen Beobaclitungen, bei de- 
nen verweilen, die, Im Geiste der Wissenschaft unternom'- 
men, uns Licht In jenem Dunkel zu geben vermögen. D»» 
bin reelure ich vor Allem die des Herrn Botta, Sohn, der 
seine Erfahrungen In einer eigenen schätzbaren Abhandlnitg 
(in den Memoires de la Soc. Geologlqoe de France, Tom. I, 
Nro. 8. Paris 1834) niedergelegt hat. ' 

Diesen neuesten Ansichten zufolge, die zum Theil, wenn 
ich. nicht irre, auch jsohion von Khrenbsrg Ausgesprochen 
wurden, gehören die Kalkstein*Farmen des' Libanon und Autk> 
iibarion den Ablagerungen der Jura- und Kreidebildung att. 
Erstere ist Im südlichen Syrien, namentlich in Palästina, 
nebst der Kreide, die herrschende Formation, und es scheint 
also, dass dieselbe in Nord fortsezt, den grossen Geblrgs- 
stock des Dsehebel et Scbech und weiterhin den Libanon 
und Antilibanon bildet, über das Waddi el Hössn aber, meiner 
Meinung nach, ßich nicht hinaus erstreckt. Mit was für 
Gliedern der Jura* und Kreide-Reihe man es aber hier ei- 
gentlich zu thun habe, das Ist eine andere Frage, und ihre 



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TM 

SriMchknig lab ilmr0i{'MhOTiMg«r, je laUieralokbeile Poi^ 
Milteiieii flleUen^ was. «eitede bei > Jnra «ihI .KreMe rier FaH 
Bcym durfUtj.mid' tei^mhl sohfrer atyii mAokte, mitBMAmm^ 
Mt an2üg«bfen :( Wer hSren die jin^en JnraUMMgie» auf 
amd^bier lange» die ilteaten KreiddbiUmjfea aa. Ikviadiea 
iMlIddn. Famatioaen henrsebt d»' inniger Übeitgaag^ ivfr liai- 
fcta keine» andern Fliiirei- als organische Reate^ «ad fvteaih 
aieHer.te is^ den Beweis für die Veradiiedanbeit so iahigst 
TtinvAmEter Fel»-€lebilde ans- der Versohiedenlieit der Arte« 
4n f&kren, -n^o bänfig mir Steinkeme an Gebote stehen, 
m^hM jeder vorartheilsfreie 6eo|;no8t. Gleicbwie »an ia 
flfailitfn 4en Fall hatten daas die KalkforoMlkm des loaaa» 
dUe mächtige Gebirge bildet^ zuerst dmtä Jura ' zagereebnei^ 
«pater aber dargetban wurde, dass rgfe grosstentbeUs der 
JEreide angehdi'e: so kann es aach im Libanon und Anti« 
libau^n .der Fall seyn, und ich will durchaus nidit bebanp- 
ien,.4asB dne Schichte jenes Kalksteins, die wir :hente we- 
gan einer Oryphaeavirgula eder einer G. eytohium far Jnra 
ansehen^ nicht ihorgen aus vielen andern Grüinden für Kreide 
«ifkürf; werde, und es kann dalier der gesg;noslilscbeii AuC- 
•iaasiHig des Gsbirgs-Systoihs' von Mittel-Syrien wenigstens 
«ifai Theil «ine ähnliche Metamorphose bevorstehen, wie sie 
-diirch. Hotkmanm's gehaltvolle Forsehuagen über Sialleo e^ 
:giag. Dieni Gesaiamt-Habltas der bisher bekannten. Eraehei- 
jiuageta aufotge durfte aibh aber vor der Hand Folgendes 
feststellen lassen: 

Dias Centrale des Libanon, des s&dllchsten' Thetls des 
Aiitilibaiion «nd des GeUrgsstodLes des Dacbebd el Seheeh, 
^e/sibhtbar ältesten Felaablagemngen genannter LokaJüi- 
ien wni die höchsten Erhebungen-, gehdren wahrscheinlich 
den jüngsten Gliedern der Jura-Reibe an. Darauf folgen 
A3>lagerttngen von dichter, harter, eum Theil chlorMiacher, 
Kreide mit Grünsandstetn, det* sich darch' seine onteirge«^- 
ineted Lagerstatten von Steinfkoblen lind, bttamitiöseni Moloe 
Mszelchnet, und daran ralhen sfcb wieder AUagerung^n der 
elient, wetsseYi. Kreide mit viel Feuerstein. Atlii diese Kalk- 
blldnngen islnd begleitet von den Ihrer Stettong gewöhnlicb 
'MlLo«NMieiid0n iMterffel«. 



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MS 

mUen <BiMto'«ln<l^niii lokal uM ksMiiwiatdmmlijdimä 
Amt tirMaimiril^M^M Mnn bMttnMetidm'EÜrflttssi So sMvm 
«Ht alM lii l^fUtetSycltw JeiMiliMi ^i^oltisciieii 4HnMvi 
ter entwickelt, der sich uns in Palästina zeiget, versei ie dte ü 
tmiHü den nAedltehM Syrien, das In aetnem gnnzeii Ha- 
Mina deib Sytflene dM Tanrus/Biniiredinm. iatit. ' . ^ i. >: 

leh'iicxflfb, daaa wir in nadiMeiiemien D^teUa dasUa« 
gihiss aiilgetii<sin flittgestellte bcstätltgiet acAren. :il6»'dmi Oe^ 
^eiMaad, a<> wieer es vtrdient^ g'^höHg* fcu. wöirilg^eiiy «bd 
in &ffiiii#r Gansltelt «ufaiifassetr, finde- iah 'ea sweckoMUslg^idla 
Beakaehtoagert Bbn^'iBy'SGiiBaEitfns) BvaKffAaDia etd. «ift de* 
nmiaeii' atf verbittdeiL ).•.:.' 

BOTTA g^ibt uns fu aeinen Obaervätiitina aar^ la Libanei 
l'AtitfllbäB foi^ade lehrraicb^, mir hie und Ha aiwaa tm 
illnsorische Durchschnitte: .'....: i 

• Wenn* wir 'den )>liördll€h*inoii Beirut' «Ach «iGndandea 
Kaeher el'KeM^ (Hintda0üsa> vodi Mi^rdan bi» hidanfiiadl 
Ralßln, am OeatraMcken dea Libävon, am lladieliel^aii^t 
Din, verfolgten, so bemerken wir nachstehende Felsg|^bilde{ 
ia' Avar ikifihpliclien La^eningafa%e von aben* iiaah un- 
ten, als: .«•.•<:•. .-. . u •.-•»' j:.i 1. .. ' 

-i") An dar Mündon^ des Fhrisa^ uod den Vnas das Li- 
banon bildend, aeban wir ehi HigfeillMd' an ;beirMbt^ 
fitolte anstei^n, w^lehesganz aiia eitieai dioltan', karten, 
graiflitsh-wefasen «nd im Bruche ftaahmaae!li%ea Malkatditta 
besteht; Deraelbe Kb^t' keine <lei|tä«he: Bdiidifai^gsrnridm 
ii«lliii4nv aeii^f n4 'vafBtatndPoiigsloa wad^hat^äliietadir grosse 
MIeHtiglieit;- '''•' »••.:"■ -- > .- •.:»'- .:< 'n 

t) > Bla w^fiHser ICalhatefa' von* i^erlirgfenk iluaainimaiM 
hang«, thanig (alaö aiargalig^^y' in<däabe Lagea ''g^thetU,* 
die steil in West fallen, sich fola;lich der Haup«ke«te> atil 
lahnöä aint-:den irorliergehaiiUM'KaHtatriiioiüit«rtäufiE^i Er 
ii» 'an> d^ Luft afürk rvam^lttf^e^ ditrah <aalUiifie'tKl&iieMtt 
li ' MiäbilMihil^Matiaeii »ab^oadiertr' uad Vom> ebenem Brueha^ 

^ aiMi Mkotin^iik 9^o|^ititfcfrett Kafftu .Ate Tkuglisi i» Kkraaui- 

"ivil Uud V9»l SIHilll'Syi'«^», : . ... ... ..fr .U,\ 



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700 

3> Eta KalkrTrftmmetgestein.. Geichtebe des harten 
Kalk9ttiii8, verbiiDden durch ein tboniges, zerrelbttche« Ca- 
rneot Für sieh von geriager Mächt%keift, aber «ich oft 
wiederholende Undeutliche Scbicfaiaag;; eib nageUlueartigf» 
Gestein. 

4) Ein gelblich- weisser Kalkstein, init geringer H^fgung 
zur krystallinischen Struktur. Geringe Mächtigkett der efai- 
selaen Schichten, bis zu 8 Fuss betragend, die. Schichtes 
fast senkrecht Aufgestellt, Feuerstein^fuhmnd, theiis In zahl- 
reichen Nieren , theiis in kleinen Straten. Der Katkatrin 
voller Höhlen .und unregelmässig«r ZeUea-Räume, daher an 
der Oberfläche yon wild zerrtsaenem Ansehen. Dieser Kalk? 
stein, wechselnd mit den beiden vorhergehendaii Ablagerun- 
gen, bildet das Terrain we^ich von Antura. Dieser Kalk- 
atein wiederholt sich weiterhin Fluss-aufwärts, nur Wird er 
etwas mergelig. 

5) Eine Art Kalk-Kagelflue. Geschiebe von hartem 
Kalkstein von Kopfgrösse bis zur Grosse einer Mass. Sehr 
tboiUges Bindemittel mit quarzigen Körnern, sehr leicht 
verwitterbar. 

6) Ein. diinn geschichteter Kalkstein mit Feuei«leiii* 
Nieren.« Die Schichten fast senkrecht gestellt. 

>. 7) Ein weisser, fester Kalkstein, der stellenweise in 
ein Kalktfiimmer-Gestelo überzugehen scheint. 

.8) Ein Kalkstein, stellenweise dicht, stellenweise porös 
and wie au%eb|asen. Eine einzige, fast senkrechte. und ge- 
ring mächtigffSdilcht; .partienweise Bittererde^haltig^ 

9) Ein sehr weisser Mj&rgol, in unregelmäsaige Inigcn 
getheilt; enthaltend Quarzku^eln mit unebener Oberflache, 
inwendig hohl und die Höhlung mit^Quai'z-Krystallen beklei- 
det; führt auf klieinen und kurzen Klüften rosenrotheo 
Feuerstein. 

10) Ein gelblicb-weiaser Kalkstein, voth gestreift, mit 
glänzenden Punkten, an der Oberfläche porös und zerfres- 
sen. Einzelne härtei'e Straten desselben enthalten Bitter- 
und Kieselerde. 

11) Eiu fester, graulich-weisser, dolomitischer Kalk. 
Zartes Gefüge, vielfach durch Klüfte abgesondert 



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7«7 

f 

19> Ein MiireiMr? Katk, hohlenreich/zaeki{|; zerffMteii« 
Er enthiit Nieren einer sarten, weissen, thonig^en Materie; 

13) Ein Ifaeils gelbliclier, 4ieils «^räidiclier Kalluteia 
mit Kalkspatb-Krystallen. Er entlialt Ostraea-Arten und an- 
dere Koncliylien, darunter Uipporiten. Eine seiner 
Sdiiefaten bestellt fast gtmz aas Steinkemen von Bivalveu, 
vielieiclit Cardiom^ oft frei im Gesteine liegend, oder amhttlit 
vm einer thonigen grünen Substanz. 

14) Grosse B&nke von dichtem Kalkstein , weissUcli- 
gelb, looberig und sellig. 

lA) Ein fester, gelblidi-branner und schwarz gefleckter 
Kalkat^n. 

16> Kleine, nnr zwei bis drei Fuss mächtige Bänke 
eines gelblichen Kalksteins, der Neigung zur dünnschiefirigea 
Textor hat. 

^17) Von Nro. 16 an wechselt das Terrain in geogno- 
stischer Beziehung seinen ganzen Habitus, die mergeügen 
Kalke verschwinden und der Kalk nlnmit mehr einen quar« 
zig-sandigen dbarakter an. Es beginnt eine deutlich sich 
aassprechende Sandsteinformation, die, da das Mittelglied 
Nro. 16 sehr häuig mangelt, oft unmittelbar unter Nro. 15 
liegend erscheint. Diese Sandsteine sind znm Theil. ganz 
qoarzlg, fein- und grob-körnig, durch Verwitterung zu. Sand 
zerfallend, von verschiedener Festigkeit vom zerrelblichmi 
Zustande bis zu bedeutender Härte. Die Färbung, meist 
eine bunte, ist höchst verschieden «od durchwandert alle 
abglichen Nuancen von Roth, Violett, Gelb und Weiss* Zum 
grossen Thelle sind sie stark eiseMschussig, und in dleMMt 
Falle blasig und voller HöUiingen, wie aufgedunsen. Sehr 
auffallend zeigt sich dieser starke Eisengehalt des Sandsteins 
zwischen dem Chan Hussein . und dem Joche des Libalnon, 
worüber der Weg von Beirut nach Damaskus fiihrt, in der 
Gegend des Chans Murad. Die Oberfläche des Sandsteins 
hat daselbst ganz das Ansehen einer vollendeten Schlacken- 
Kmste und sein Eisengehalt nimmt so zu, dass er fs^t 
einem Eisenerze ahnlich ^ieht . Sollte, mau hier nicht ^ 
einstige lokale Einwirkung sehr eisenhaltiger Thermen 
denken? Die Schichtung dieser Sandsteine entspricht der der 



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mstgdag^^JktAk%^i4Bnn lli»e<8lmtei»MiikM sieh rifeU ans 
airt:>iii Wwt"^. SehrwahrsobitaUch wiireciiiete dMse fluitil* 
•Mm tttit iwisdMB Uegetfden Kulk-^Stratdn Ikrer Foniarion 
M ib dMi felaigeii Termtif, m>rai«f Antafü Atdit Kach 
mteii Y«rliiretf dieeie SM^teliie: toeht ihrm kalkigm CkM 
ivkter^ -bram^n fi«r Wentg^^ mit Ateve», Mkdimiieii elM ikmk- 
ier«) tnetot g^lMl^^kfttttiie FaiM, «nd werten' fistev/Dieae 
Sand8tein*Formation fiilfii; aiMlIf^h des If«oher «1 K«ib>aiM* 
gtidbkirtefLageriiiatMi tini8(ctiik«ik]en5 oder e^nttch Kaao- 
kohlen, mit bituminösem Holze. Dieselben werden wir bd 
ABg«b«*tti€lMr'«ig«iieil g«og^neslisclitiv BeobaMdMong^dn im 
Ubanon näher kennen lernen. Die ganze Mächtigk^ die« 
Mir Saiillst»iRlw*nifttioii düirfte nach AmtA ^eriigsttiisi 600 
Ftias b^migen. ÜhHged« kann leb nidit vanhin, die Be« 
merkung hier beizufügen, dass die Lagerungs-Verhältnisst 
iNeses Satidsteins seht* schwer ausenmittetn sind^ weil der- 
IHükt ' kSiffig dfe wiNten- Sasaina der natera Kreide «rfiillt u»d 
sMn bangendes lindHieg^ndeB Gestein nur selten sti^htlieb ist. 
'' 16) Uiitei^ =dies6nl Siifcdstein er^fdietot sogleich wieder 
Ae^'ltalkst^hi 'intnächittgen und deutlieh geschichteten BSr' 
he», deren Schichten jedoch viel geneigter liegen , als die 
der ' olbem Kalkst^ne. Gr ist Imrt, von • weisslieh^graner 
t*arbe, ^klitigt Inf dttutiOn Plat-teit tHtd hat einen mus^lfget 
Jülich. Er ist vbll votf grossen unregelaiässTgea Hdhien 
bnd (enth&lt sehr grosse Massen von Fenenirtein« 

'• lIT)' IJlifer >dleii«iiif Kalksletn folgt ein andere, dieht und 
fest-, TOtl gelblicher Farbe und in seiner Masse getrMMt 
Mrcib ganz 'dünne {(traten elnea thonfigen flfei^^ela vovk gran* 
Hdier Fai4>e.' ünttfc den vcrsdiiie^ni^tt organfschen Resten, 
wctehe et* erttbUl, fiaden sidi' ttttter andern Gry phaeeki^! Gry- 
fixMh vlrgula, A^rner Art^ von : Bnceinoia, Octtraiea^ Tnittella, 

^ ' -ift«attgFhriiinL!bailon' neben der Hreiikil^tcrung die Jara^ 
fWmatoti; ^UftmlS^ dU^ oberste Ablag«irung derselben, »o 
iatdii^e^ Kalk, anir dem vbHgeiff zaMmiaeA, i^ls^dttb aSgwt^ 
lithe übergaagül^ied aw der uiltern Krc^de^Reihe In die 

* 'DArftedaeb ^UM n« allg;efMhf «itzii^^bMi^R Heyn. •' 

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obere «Nnv-RMM Its LAmhioii m ketmtliletf, km^ Mttgü 
nidit wertem NMbK«f0ubgi^irfimr eine andere ^(ellftti^ g^Aetii 

20). Als tiefste Ablagertitig: eM graabraoner- KAli^ 
ilielit otidjfe«t. ' fn Ibni etit^t)rfiig:t der I)iicNef'«l Reib. Er 
bildet ieitie^liUgis defti We^tgeAälige dei^ £lbanoii^CetftWil^ 
Rückens isidi lifiKKiebendli geneigte Bbene, etnen Absafe der 
Bergkette^ M sa^en. 'Die Feoeinfein-fifnttehMisi^e we^üMI 
selten und hören endlich ganz und gar auf, man bemerkt 
Abdrucke ilnei^kennfDafrer^ wabr^Fcbefnllcb'ol^ttiiiselietr^KSrper. 
Die Oberftche der Schichten ist geforchi^ als wenn man 
inft ^li* Pingehl über' eine noch welche Masse hfngefkhreit 
wäre*. Die ScMcfiten^Neigiin^ wird Immer ^acKer nfid^llli^ 
cbeir, didbei aber auch ungeregelter, sb ^i^s die SeMbhten 
bei Ralfun beh^tn' thefh faorizontat liegen^ tbeite M Sfldi^^l 
einschiessen; Dieser Kalk wechselt imi keiner anderfi Petn^ 
btMung mehr, nondeHi hält bis iur Hanptkiip]^ des Sannln 
als ein wildes, unfruchtbares^, steiniges T^erraM an«, SM isl; 
meiner Ansieht iiaeh ein und diesefte Prfsbildtrtig mit dem 
Kalksteine bei> Mar Hanna et Schuaht, -In weldielti sK!& 
jene grosse^ "Stockartfgen Thoneisenstein-LagerstSifeii fitidetf, 
die Gegenstand des Bergbaues sind ftnk die Vit- ebeilfalts 
später genauer ^jrei'den kennen ierncii.' Dies^ Kälklittfli*- 
BlMung hat eine sehr grosse Mächtigkeit, Vielehe Viell^i^hl 
ein Drittd der gan:^^h Libhmnf-llöhie' beträgt, von ijei"IBb^ 
des Gebirges am- Koiiveirfe JMsummara ^i's auf den SipiegM 
des Naehei^ el Ketb geinesseVi. Oet^ KiClk hat IH 'tietnei- 
dichten Varietät** cfnenf flachihnscftfigen Brüehf,' tel^ >bM*, 
wahrscheinlich durch ungleiche Verwitterliiig seiner lÄeflWt 
niscben ZtrsaihfaienfEigutig^, M Grossen Hf6 und cla '^ne ei- 
ueiA Tratnmfei^estelne ähuffclie Struktur/ " DItl *fconfehyffetf, 
welche dieser Kalk toWscHlfeist, affnf* ftif^lit''ze*trfe«inWt 
und schlecht erhälteir. Man finttet anlaset' ihnen auch Mij- 
d eporen. . • •• . *« . i. . . : 

Aus der Resumjj'ung defs bisher Gesagten efgilrt'iiicll 
meiner Ansieht «ach stAr" Tiöhfig iHt Stihlofcis, dASs die 

* Man ci-innei-c dlA iSÄbei an Prof. SiMtiirfsi iTifeorie' rfei^ ?$tr6- 



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" 770 

ganM im Detai) längs 4eni Nachar el Kelb vom MeeH 
biBAof Ms Raifun nacbgewtesene Lagerungsf^lge in drei 
Hsnptg^oppeu zerfälit und zwar 

a) in das Gebiet der obern Kreide, welche Reihe alle 
Ablagerungen von Nro. \ bis tncL Nro. 13 indch fasst; 

* b) in die Grnppe der untern Kreide und des Giünsaiid- 
Steins, nämiieh die Ablagerungen von Nro, 14 bis incl. 
Nro* IT; 

c) io^ die Groppe der obersten Jura-Glieder, reprasentirt 
dsrch die Felsbildungen Nro. 18, 19 und Nro« 2«. 

\BoTTii reehnet die gesammte Ablagerung der Kalke 
fiber den Sandsteinen Nro« 17 zur untern Kreide« 

Geht man von Raifun den Central-Rückea des Libanon, 
hier die Kuppe des Dscbebel Sannin, hinan, so bemerkt 
■mn^ wie Botta . sagt, ein ganz flaches und mit dem frühero, 
Tom Meere bis Raifun beobachtetes, ganz entgegengeseztes 
Einfallen der Schichten. Man befindet sich den Durcli- 
scbnittsfiguren 2 bis 5 auf Tab« XII des Mem. de la Soo. 
Geolog, etc. Tom. 1. zufolge, wieder in den schon bekann« 
ten Jüngern Auflagerungen, und es ergibt sich daher, dass 
die jurassische Bildung als eigentlicher Kern des Libanon 
erseheint, dass sich an ihrer Westseite die Glieder der un- 
tern und obern Kreidereihe anlehnen, an ihrer Ostseite hin- 
gegen diese jene wieder überlagern, so dass es den Anschein 
hat, als hßtte der Jura*KaIk die Kreide-Reihe durchbrochen 
und den östlich seines Rückens liegenden Theil derselben 
mit emporgehoben, der nun den hdchsten Rücken des Liba- 
non zusammensezt. 

Mit dieser Ansicht bin ich ganz und gar nicht einver- 
standen. Ohne der Emporhebung des Libanon nahe treten 
zu wollen, welche Theorie durch die Schichtenstellung der 
Felsgebilde, am West- und Ost-Gehänge wirklich sehr viel 
für sich hat, kann ich die Ablagerungen, welche den hoben 
^Central-Rücken des >Libanon und somit auch die Kuppe des 
Sannitt bilden, unmöglich für so sehr jünger halten als die 
Felsbildungen Nro. 19 und 20 des vorhin erwähnten Durch- 
schnittes, leh sehe sie vielmehr als ebenfalls der jurassi- 
schen Periode und zwar als der obersten Reihe derselben 



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m 

m^Srend an, ein« Amichl, die, wie Ich g^laiilie, nur dadttrcli 
umgestihrzf werden kann, wenn darg^than wird, daas der 
ganze Centralzng^ des Libanon in das Bereich der Kreide- 
Reihe fallt, was aber bisher, so viel ich weiss, noch nicht 
geschehen ist. Ich sehe daher die Durclischnitte Flg. 2 bis 
5 der Tafel XU des Memoirs von Botta, nicht was die 
Struktur des Terrains betrifft, sondern was die Bezeichnung 
der Felsformationen anbelangt, die die Kuppen des Cen tral- 
Rückens konstituiren, für unrichtig an und glaube, daas 
dieser in seiner ganzen Ausdehnung vom Dschebel Riechan 
bis zum Dschebel Arneto oberhalb Tripolis der Jura-Grnppe 
angehört und dass auf keinen Fall die Gesteine, welche did 
Kuppe des Sannln bilden, einer andern Formations^Gruppe 
augidiören als jener, der die des Terrain von Raifün zttza«^ 
rechnen sind. Die Einlagerung des Grün - Sandsteins im 
Durchschnitte Fig. % des erwähnten Memoirs halte ich fär 
sdieinbar und für eine Täuschung, die durch den Umstand, 
dass der Grünsandstein im Libanon meist als Mulden und 
Becken-Ausfüllung auftritt, leicht herbeigeführt und leicht 
erklärlich i&t. Diesemnach ist die unbedeckt zu den 
höchsten Kuppen ansteigende Centralformatien des ganzen 
Gebirges zusammen mit dem Kalk-Terrain von RalfAn ent« 
weder ein Theil der obersten Jura-Gruppe, oder sie gehören 
beide der Reihe des Griinsandsteins und der untern Kreide 
an. Das folgende Detail, wodurch Botta uns eine Übersicht 
der Lagemngsfolge der Felsgebilde von oben nach unten 
gibt, welche die Kuppe des Sannin zusammensetzen, kann 
meine Ansicht nur bestätigen, und spricht dafür j dass wir 
es hier mit den obersten Gliedern des Jura zu thun haben. 
£r sagt nämlich, die Schichtung am Sannin ist, wie die der 
Felsbildnngen Nro. 10 und 20, bei Raifun fast ganz horli- 
zontal, imd man unterscheidet von der höchsten Kuppe herab 
folgende Ablagerungen: 

1) Straten eines bittererdebaltigen KalkstefaiS. Der--- 
selbe Ist hart, von grau{icher Farbe, löeherig und durdi 
Regen an der Oberfläche zerfressen, ausgespQlt Sebe 
nicht bestimmbaren organischen Einschlüsse schefnen Gry- 
fhktn anzugehören. 



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gaiis« Im Deto« 

blaaQf W» R*' 
Hwptgrappe» 

AbUgerur ^ 0* ' ■- 

b)i 








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ioer AMiihi Mck mUtmä iWi mmm IMküdd JNi«. « 



MiiMa Brifcn mM de» fl i i « B aiit f K Ibtriigtni «fti Thatt 

Kcckea^Attiifiiikii^ nie slÄrkeriti \erllAchtii jüar ^>rv 
»npilfnif *, 

f^gttafewiir« EfitMhlmsi'ii di?r Hrhicfefro, «« nie iibtrhanpt 
hMiliiaitJfr« AitiJttllunsrn Im Jitm aitit I« Dolervr krf<l4« 
rfircb Grctfi-tSamUtriii, hnWi« nir. wie vffr «ctiei fferde»| liB 
Ifatfii lift dei LibAiifiii »ehr ¥iele. Ae n^tiferen Psnliten, 
wl tuv^niilcK auch in der Nältr ytm RjiiUti, bei Mmr* e4n. 
b i t bftd itet man nitirr ilrin (•nmiuifiilM^ifi^ aU olfeT^rn Gür4 
ict Mitetvlro liAlk*Kelli&, rliie Sc hkbfa f oo tb^feiff m Kdh* 
lürii, 4er In einrr Menfre ven Vemteitieruax^iif weklte er 
athilt, mekmMm '}urmmi»ti%m Vhmmkti^r kiarer iuif«|irirbt, bIm 
iie aiidcni bWier f^rvitthnleti StfAlen. üon^ tficlit die*« 
fe dJe Fomiatiuiifl'ßrjirifiittiuuc libcbAl vtUlttlsr Gmlclwi* 
S^icfal ab Betir verbreitet In LtbAH<»ii ait. Üie oi^aniurbe« 
Ir^ wckbe dieser Üalkdl in tinsrhlioMt« •icid viir^ü^lk^Ji 
T0h; »-^^ 

TcrelirattiU fiian« itod e«f&lteta OberÜrheiu v. 
Oftlrara (gelallel«>. 

Ptnnbgena^ ' u ,t1v *• •#*. |»» . .» 

KfeÜea« n* I fSAc^f i«r i*i4» ^^i Kii»> irHtnMl nl 

Turbo. ,1^ ii^(l-i«-iiii in^j l Ml* pftini 

SldlenJcii, Astraea tiitd andeir P<ilypeii. 

u ernalint im Laufe teiner Aiiliaiidlung Moelt mehr 
Puaktc Im Libauaiij dir; darrb Ibre foaallenEliiachliMMie 
lvin«iiftrbaftlJcbed Inieretae habe«. 

In der NA^rbbamcIlifl tom Aiifura^ 

«^1 



Digiti/ 



^ogle 



^erung^ii. Darunter yoi^wglMi' Gp^pdfita und "xmm eine 
df«r 6. 'virgiilfi.^hr:niUli^ «teli^lide' Act; . ffiii^qr Altes wmk 
TriS^vM» Qsbraiea5 Neritiwa, Pl«Biiliii,Tiiriip, Stroisbiis; itleM 
]Ei(diinodcFniei| noÄ.ftpkjp^m . . ; i 

», Ein iivßis^llchTCelbAr KAUu9t«}ii »it iiMg^uläten Feier- 
itei^iKH4^v: upd mU vi^lea JüphfiiedilnMiu ! 

, 4) Eiiie Heihe von festen, KiittuAebiM ohne badenden 
fjunrakteiii^tisclie organi^phe Re.9te. 

< 5)i Ein^^J^k ¥p9 Ki^lMteto.itfiefeiner.auaj^ftrordeBt« 
M'Qh^yi Mapk^ veti Qri^ph^v deM« . von tSileive. ^ehcmalte 
Mtßhßv4', i .-...•• • 

€i>. Piebtei* fester KaHiatfäe mit JÜ^imh BftraiifteD. Ho^ 
i;Uynt«,J ge«c)iicjhtet upd Hut den fMihei*ti üvedi^elUgemd, 
fii^ er pich s^en die (I3|ie derBergi^ mfibrmahi.wiederhelt^ 
. . ; ,7) JHum folgt /Qin .%$t39fli vontKelketeEneiiv saedlgeK 
KalMeuiQ» iiQd.San48teiReii:iiiut;H:obLee9 »welobea #ir fke« 
reits iui. v^hergeheadßn JPfMf^l^cMtte als..jBuiü Gni|»|ie der 
^p^sifn KreMe ¥»d de«. GrUii^Saod^teuis ..gehörend kemtaft 
gej^r^it h^ll«^, Pie^ß g^pze j'o^iiliitteib Mharfidut^JUMi 
Ui^bitiis vQn d^p friMb«ii' .^^'i^^ahetan Geateinett.^eKKnppä 4es 
.Sa«i4oL.getr^ni«t, :Hftgik eiit^cWedeR^ aitfde« Gr^phäen^ilRUitett*- 
^e^i .i9«d anck von mir a)e juraaaiwb aeg^eHpitoicIieiieR Kal- 
ken von ftaifü<i; du jedoch die i^ohlchteo lÄesis Syatemik 
vop Kfffkeq.Mod ^a^dsi^elae« 4^r imtem , Kreidei-Reike in 
]^(pi, fallen und also alle friUter; er>wäii0teir - ficsleind der 
X^jWPC. 4ff# $m»aiA W nntorteafeneobeineii,: 80 nahm 'Boyta 
4it^s A^ wlrkU(;h ^n uadi rechnete, «db^vrobl.ier fi« i43«elhst 
aag^ d^fi ^r ^i^, Auflageriui^, Wahrsoheiidick wegsn Sdiett 
^qd 6^r$l}e, nicht sehei». und. die.tMrniiitbUoheiiiZwiicheii- 
^ri^^^*: $"f >^^A^ ibfd^utendA Strecke jiieht r.iisailMmehiiiea 
j|l^(^i^^<,dQoh'4«ei«%^ fruhdr evinUintea Kalkftimea 

der Sannin-Kuppe als darauf liegend^ iied eise -als) jnger^ 
t^^J so 4iw er i^t> dkeellee; fieUMe, die er Jb Aaifiiik dem 
^lir^ i^fichj^tf^^ <fiiUf der Kuppe des Samin^: als iaiuf Aer 
Ji^tprn KJrffifU. liegend» 4teelih«i. 1X0». ist «1111» dev< Irrthnui, 
4e9^. i^ht.fehoB frähe^ beklfiepfke . und. ^der^i^.mte iid»«gla*be, 
rein auf Täuschung beruht, indem leb' ^^die um fiwis^ 



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»73f 

Ifeinter Ansicht; taaq]b.«ipMil»ieil »iAiuiiMr KiilkM^ JNrp.« 
4en >KAlfc«tctiiii»/van llaifte: lUi, ulid: Jn^^tteder 4l^tficwWm 

miier ^ecken^&iisfiiliMg diit.AtiUkenii. Ve)ifla«h6i} }t$ifß Vm 
einig^ngslinie *. - ; .,- 

g«j9tage8e2;teai£iiiiiekie$feieri der fi«hicktkn, «d^wüß »beriiliiitV 
baafldnsMgfe AuyfliUuiiseii Im Jota itml i« iMrferer KreMe 
durch Griin-Sandstein, haben wir^ md wir «eben iVevden^ Im 
Biai(id!6'd«i.Iiibäntiii «ehr yielk. An ntebferen Puiifcten, 
und namentlich auch in d^ Näke von &aif«it, bei.Sla8r4 ete 
beebaditet tnan unter dem Grönnandatefai, ala eberstefei Glied 
der nntüMten. Kttlk-Reihe, eine Stelvkhtcl Ton tb^jBJgem l&ttt> 
£ieiny4er in eiher Melige vekii VefstcSneriHigen,. ^iNdehe. w. 
enthält keine»; joi*aa8iaiehen Cbanikter klair^ aui9|^cbt^ aJlif 
all^ anderabiaber erwähnten fttralen. BoisA . iriebt d&eM 
für die Fonäatiöna-Bestimmüfig ImShst wichtig^ Qesteina^ 
SchieU ak sehr ..yerbreiM; Im Libailon ao; Die el^aniadtai 
KoriMlr^'iivelche fieser Kalkatcin umücMieast^. sind TOnliigliell 
ArHeuf von: " 

TlarebMtnla <fi^aHe aüd .gefaltete ObeUfMie^.) . 

Ofllraea. (gefaltete). 

Pholadomia. ' 
;i PinaogeHU I-' ..»..''' 

Bncaidia^ i .. 
• Netinaea«." 
/ StBoaifaa«. '. ■'.•■/. .'•■. ^ .•• •' / ' •.,•••/ 

, Turbo. - • ' •: '. • J \ :, r •••■ . 

Stelleriden, Astraea und andere Polypen. 
JBoxT;^ i envähnt im I^aufe.a^iier Abhandlung noch mebT 
rerer Paukte! im libanan,: die durch ihre foa^ilen EiaaehluHife. 
hohes >vvteeiii(eh«flüeh^s 'ibiereaae haben, i .. 
Dahtn gehören z. B.i <. i . 

Eine Mergelscblcht In der Nachbars(^haf||; vöb Antürä^' 

* Man seh« die ^frcffeade Ztkhhang «ntär d«a IHinAsobftitlMii 
xom L Bande. • • ii*»:»^ 



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774 

wfthrflcfaalnlfeh den KuRcen unter dem OrihiMitdiiteine ang;e^ 
hörig und daher ans der Jura-Gruppe. Diese Schiebt ist 
ToU von Echiniden-Stacheln, ähnlich denen von den östlichen 
Kiistenbergen des todten Meers, ausserdem Polypen enthalt 
tend, besonders Caryophylleen, aber ohne bekannte Sparen 
von Unlvalven oder Bivalven. 

Bei dem Konvente Bikerri und an mehrern Punkten im 
Thale des Nacher el Keih enthält die Felsmiisse Feuereteine 
und zahlreiche Nerineen, welch leztere, härter als 4^ Fett- 
nasse selbst, aus ihr hervorragen. 

Ein dritter, sehr interessanter Punkt befindet sich dicht 
«m Konvente von Sach el Aalma*. Die ungefkhr 600 
Fuss über das Meer ansteigende Felsart daselbst ist ein 
zarter , thoniger Kalk , in dünne Lagen getheilt. Meiner An- 
sicht nach ganz einfadt ein weisser, dünnschlefriger Mergel 
Einige Partien dieses Mergels sind dunkeigrau und ähnlich 
einem, verhärteten plastischen Thone, Zwischen den Ab- 
losnngsflächen dieser Mergeiscfaichten und in der Masse der- 
selben selbst zerstreut findet sich eine Menge fossiler Fische. 
Sie scheinen vielen Arten anzugehören; doch, wie Botta 
glaubt, sind sie vorherrschend Selacier und aus dem Ge- 
schlechte Squalus, was, wie ich glanbe, noch allerdings 
fernerer Nachweisungen sehr bedarf. Zugleich findet man in 
diesen Mergeln Abdrücke verschiedener Arten von Crustaceen. 

Sowohl das Gestein von Sach el Aalma an und far 
sich, als die Natur der erwähnten fossilen Fische insbeson- 
dere, sind sehr verschieden von dem Vorkommen in der 
Nähe des Dorfes Dschebel, wovon später gehandelt wird. 
Im Ganzen fand ich bei meiner Untersuchung desselben Ter- 
rains m J. 1839 dieselben Verhältnisse *V 

^ Das kleine maronitische Konvent hcisst eif^entüch Mar Gjorgios 
Aalma (h. Gborg ▼. Aaimä). Ich besuchte diese Stelle bei meinem lez- 
f^n Aufentbaite in Syrien im J. 1839 und werde daher bei meiner Be- 
sebreibung von 'Palästina wieder auf diesen Punkt zurückkommen. 

** Ich brachte eine g^rosse Suite der fossilen Fische von Steh el 
Aalma mit, welche sich gegenwärtig in der Mineralien-Sammlung der 
inontanistischen Hoficammer im Haupt-Munzamts-Gebäude dahier befindet 
und der Bearbeitung hinsichtlich der Bestimmung der Gesehlecbter und 
Arten entgegensiebt. 



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Die fossilen Ftscfie i^tAen Sieli' in tlem tetsig-eit Terrnhi) 
tvomuf dfts KlosteV selbst steht, iiiid man sieht hüiifig StucliLe 
daTen auf den mit Maulbeerbäumen bepflanzten Terrasseh 
des steilen Abhanges herum liegen. Mar Gjoergios Aalma 
liegt 4 Stunden, 6^t Käste /»ach in N.^ von Beirut entfernt 
und zwar ^ Stunde gerade oberhalb eines einssein am Meere 
stehenden Chans am (behänge des- Libanon. 1 Stunde davon 
in SW. liegt das grosse Klostejr Kiiriied, der Sitz des ma- 
ronitischen Patriarclien. 

Da die Mergel von Sacb el Jlalma oder Mar GjoergioB 
Aalma jenen Kallien angeboren, die entschieden die Kalke 
der untern Kreide-Reibe uiid den Grünsaodstein bedecken, 
wie auch hier selbst die jurassiseben Bildungen des Liba- 
non erst in einer Entfernung von fast 1 Stunde das stelle 
Gehänge hinan beginnen und zwar mit einem Kalksteine, 
der sehr reich an Eciiiniten-Sfachein ist, denen am todten 
Meere ganz ähnlich: so finde ich meine Meinung hinläng- 
lich begründet, um sie oifen aussprechen zu dürfen, nämlich 
die, dass ich glaube, die Mergel von Sach el Aalma mit 
ihren fossilen Fischen gehören derobern Kreide- Reibe 
an, und von jurassischer Zeitfolge kann bei ihnen gar keine 
Rede seyn. 

Wegen der starken Kultivirung der Terrain-Oberfläche 
konnte auch ich die Position der Mergel-Schichten nicht mit 
Sicherheit entnehmen. Ausser den fossilen Fischen, unter 
denen ich vier Arten vorziiglich unterscheiden zu können 
glaubte, fand ich In diesen Mergelschiefern noch zahlreiche 
Abdriicke von Seepflanzen, m^ist Algen und den Kern einer 
tfnivalve, wahrscheinlich eine Natiea. Von den Fischen 
findet man tbeils nur Flossen und andere einzelne Theile, 
besonders Rückenstücke und Kopte, theils aber auch ganze 
und zum Theil sehr wohlerhaltene Exemplare, die vollkom- 
men zur genauen Bestimmung geeignet sind. 

Das Fleisch der Fische ist theils ganz verschwunden, 
und es liegt nur das Gerippe en Relief zwischen den Ab- 
losungsflächen des Gesteins, theils ist dasselbe in eine 

RifRxettnRR, Rehen. I. Uii« 2. Tbl. 50 



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JMiiMt4biilieb^«chwMrz^|[liuiMttdeMaa9e, mit nqttdifligein 
Bmche^ In t^J^ thiemdie, aehrbitomiiidieKiAtoiiViSewaiidelt, 
ffind in ilie^ein FnUe liabeii di^ gMZ l^reitg^driidLtfii. ($vper 
^r Fische ^iw Dicke bis zu 2 LMpieii., Vo^ d/en FI09W1 
z^ige» mebrffre noch .etelleim^eise ifarea jpit^piiMig^lyi^.j^ 
berglai^ Die meisten Fische Ji^en gerade . -auf .d?r. iMte 
»iidnnr wenige lassen gabrununte {«sgep wabrpelmmr, ... 

In mehreren der bedeutenden B3hlen des Libanon, M 
in jener, die die Quellen des Nachetr el Kelb umschtMkf; 
hl jener, in welcher der Macher Elias entspringt; iv einer 
dHtten bei Tripolis etc; fanden Boita nnd mein Terehfter 
Frennd, der schwedische Dr. Hedenborg, nicht nur Knochen 
In dem schlammigen Boden derselben, sondern eine tsH- 
koQimeite Knoclienbreccie. Die Knochen geboren Wiede^ 
kauern, Ziegen o. dgL an, und ausser flut^ finden sich such 
(darin Meeres*, Land- und Sfisswaisiserschnecken, Arten ton 
Torbo, Helix etc. 

Im Verfolg der Käste nordwärts von Beirut, vom Na- 
^her el Kelb bis nach Tripolis, machte Botta folgende 1^- 
obachtungen': 

Das Gestein der Küste ist durchaus dasseltic^^ yf\ß m 
der Gegend der Mündung des Nacher el Kelb und wie ob 
Beirut, folglich der obern Kreide-ßefbe angehörend , die iv 
ihren untersten Bänken Uippuriten fuhrt, durchaus Kalkstet«. 
Dieser zeigt sich in der Nähe des Nacher Ibrahim ^h 
dünne geschichtet und zwischen den Kalkschicliten i\hnpe 
Lagen von Feuerstein. An der Miindung des Nacher I)»a- 
HiM selbst fiber scheint das jurassische Gebiet der Üentrll- 
Kette des Libanon bis ans Meer vorzudringen ; denn ^d 
beobachtet daselbst ein Gestein, deM ganz ähnlich', weldÜies 
die obersten Theile der Kuppe des Sannin zufit^mni^nseil. 
Weiter nördlich ziehf sich die jurassische Bildung Wieder 
mehr ins Innere, gegen das Centrale, zütück, und das herr- 
schende Gestein der KäAe i^t wieder, 4iet: KMMe^. ii» in 
die Nabe, von DsthebeL |in4«iHii Da^eMi*.s«lb«U. . , 

' . "i t - . , f.* f- •> ' ; '" 
* B0TT4 «cb reibt Dschibail. 

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TT7 

' Wenli iiwiir\«m*4lerai||oRfe*:Dbohebd:'iti'<O.NlO::8f^ 
Ms sKbe» StoiidAn lan^wclas: «Mle Gebiiii^e'Mflss Libanon 
in deflsen tiefe* fioMiiUiteii *UbaiMc%t:^ cto^elangt vAän äh 
dos Dorf lUlife^ «Di'tn >JseÜ»er'Nähe zu itm tmMwn mid i« 
geof^Nwtfsfeher tfeMielHMg« «aeiir . wicUigen Ifeuptfittilorte 
fbssiler Fisdie am LibdnDib Mm vedAsst' agf der ItonHa 
V0B Ssebehel iiäehflalüel Uiia Terrähi der Kveidä >s^r haU 
niid gelangt vvleder tti daii Gebiet Jener Felsarü, Iweldie die 
Kuppe- de» 'SaanMi konslituirt, also liieiner Awdcht nacb i« 
das Gebiet' der jiirassiscb<(ii. Ablegfirniigeii des Centitalssiig^ 
Das Gesteitt, in. weieheai sicb.die fesaMeo Fisebe ven . Aalsel 
finden, scheint denoberstenLageiidesjealgeu anzugeböreil, wel- 
ches zunädist unter dem dureh adneaReidithuni aa^cbibiMka- 
men-Resten sieh auszeichnendefi KjiULsteiiien Ihbgk. Der Qti 
selbst, wo diese Slsohe vorkionunen, liegt in einer eelir tiefM 
Selilucht «nd «ekr hoch ebei! deaiiMeere, am Gehäüge zur lUehh 
ten, nnterhaib des Dorfes. Die Schichten des (aesteinssiiid dft- 
selbst i« grossier Unordnung und m einer seiir mSMigifalt^ 
gen Steltong, die, Gehinge des Gebicges siud niil^ Sehutt 
mulTritiiiuleFn bedeckt und iaieatern findet.. man vorsiig^lieh 
die FlschOi. Das. .Gestein ist sehr dünnsehlefrig und ent- 
wickelt beim Zerschlagen eiienstatken Gerueh aach'fiiehwet* 
fehva9serstoff. JEs enthalt unregelmassige Lagj^^ von einer 
kieseligen Kalkiyi^a^e, die fast in^ Feuerstein iU>er^ebt und 
weiche die Fische iimschliesstr Gesfein und Ftoche selbst 
sind durchaus vei'schieden .von jenen. ^u Sach el ^alma, es 
ist etile ältere jBildii^) dj? allen bisher erhobenen Da^eii ;^ufoJgfs 
in das Bereich der Jura-Grup);)^ de^ Libanon fällt. Ausser 
den .^binq<|^ripen zeige;!! mh in den Gemeinen um Hakel 
auch Spiu'e^ von Oryjphäen und ^monite^. 

Verfolgt man vqm pscbehel ^us die Ku3t^ in Nord Wf 
nach TrippliS) so vc^rl^^f^t man da^ Terrrain der Kreide nicht 
mehr, sondern dieselbe h&U, den Fw^s des hohen )[^j^npf 
und das aussclifiessende Gestein der Käste bildend, unun- 
terbrochen dabin an. 

Aus dem f chon piehrmals erwalinten FeblschlM^e, dafui 
die Kuppe des Sannin und mit' ihr der Central-Ruckeu des 
Libanon aus Gliedern der Kreide -Reihe und nicht der 

50* 

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T78 

Jum-Reihe bestehe, und 'ans dem Uiastande^ dass diese 
€entl*alforBitition des Libanon sieh ^r Küste mn Naclier 
flbrahim g;anz und am Dorfe Dsehebel so weit nähert, das« 
nie, landeinwärts g^ehend, sogidch getroffen wlffd^ kam Borri 
zn einer, meiner Ansicht nach, unrichtigen, .Anscbanang 
des Lagerungs- Verhältnisses am Libanon und legte dieselbe 
nuch In einem mit der Natur nieht übereinstimmenden BiUe* 
nieder, welches zn sonderbar gestaltet ist, als das» es nicht auf 
den ersten BHck auffallen sollte. Das wirkliehe Verbältulss ist 
sehr einfach dieses: Die JurarGruppe, in einigen wenigen ihrer 
-obersten Glieder ani^esproehen, bildet den Central-RücLeti 
des Libanon, und die Glieder der Kreide4leihe begleiten 
dieselbe parallel aus Sud in Nord längs der Küste. An 
ein paar Punkten jedoch dringt erstre, Vorgebirg-artigy seilet 
bis zum Meere vor, wodurch der Kreidezng lokal unter- 
brochen wird. Als Becken- Ansfiillung und In weiten Bassins 
sehen wir dem Jura des Libanon auf seinen Rücken und 
die Kreide-Formation der Küste untertenfend, die untersten 
Kalke der Kreide mit Grünsandstein anfgelagert , deren 
'Sehiciiten hinsichtlich ihrer Stellung durchaus kein . allge- 
meines System befolgen , sondern sieh ganz naeh den be- 
stehenden Lokal Verhältnissen* richten* 

Aus denselben Gründen gibt uns auch Botta*8 Durch- 
schnitt des Libanon von Tripolis über die Cedeni und dem 
Dsehebel Makmel nach Baalbeck (Mem. etc. Tab. XII, Fig. 
4) ein unrichtiges Bild des Gegenstandes, iiidem wir 
auf dem höchsten Centralrücken deS Gebii'ges wieder die 
jurassische Zeitfolge mit der Kreide-Reihe verwechselt sehen. 
Das Lagerungs-Verliältniss ist übrigens ganz einfach folgen- 
des: das ganze Terrain von Tripolis in Ost und Südost bis 
in die Gegend von Sibbail und noch etwas darüber ' hinaus 
gehört der obern Kreidereihe an, wohin ich aTIejene Kalke des 
Libanon, von dem jüngsten an der Mündung des Nacher el 

*" Mcmoires de Ja Societe geologique de France, Tome I, Taf. KIT, 
Fig^. 5. Man verg^leiche damit die geo^nostiscbe Karle von Mittrl- 
Syrien. 



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TW 

KcAb an bis hemb zu den Hipporlten^ fahrenden Straten, 
rechne. Daranf folgt das fieUet der untern Kreide mit 
Orunaändstehi, weicher Fornation die ^anae Umgebung von 
£den und Deir Kamioblli angehört. Die Orunaaüidatein^ 
BilAing reicht^ avf. den Höhen derBer|re, Mulden und Bek-* 
ken a^afvttend, bis Bisoherre oder Bseherre in das Centrale 
des LibaiNMi^ w&farend In den .Tiefen der dortigen Sdihiditen 
bereits die oberste AUagermig der Jura^Grupfie z« Tage 
geht Leziere 4st auch hter dasselbe Gestein, welches die 
Kuppe des Sannln zusammeiisezt, auch .hier das herrschende 
FebigebiMe des ganzen Central* Rndiens des Libanon, das 
herrschende Gestein an den Cedern, das des Makmel, das 
des Arneto, und als 'solches am östlichen Gehänge hinab 
anhaltend, Ms In die Reihe der Verberge zwischen Ainete 
und Deir el Achmav Im Hanptthäle Cölesyriens. 

• Nachdem wir duheh vonstehende Untersuchung von Boi«< 
TA^'b verdienstvoller Arbeit über die LagerungSf^Verh^ltuisse 
des Lflianon, die einzige geognostische Beschreibung dieses 
Termins, die wir bisher besassen, uns ein beiläufiges und 
allgemeines Bild des ganesen höchst einfachen Banes dieser 
Gebirgskette eigen gemacht haben, erlaiibe ich mir dle.De^ 
tails meiner eigenen Beobaehtnngen hier folgen zu lassen, 
um zum Schlüsse zu einer genauen und naturgetreuen An-^ 
Behauung des Ganzen auch in seinen £lnzeltiheiten, so weit 
die Erforschung In der gegebenen Zeit möglich war, zu 
gelangen. 

Die geognostische Beschaffenheit des Terrains von Bei^ 
ru^, gei'^de das Gebirge hinan , bis zu den Kohlen-^Minen' 
nn Korneil, Im Süden des Nächer el Kelb, ist aus den^ 
Durchschnitts* Tafeln klar zu ersehend Wie am Nacber 
el Kelb sehen wir auch hier die obersten Gheder der 
Jor»« Reihe als Central blldüng des Gebirges ' auftretend, 
theils önbedeckt zu'-deo grössten Höhen sieh erhebiendj 
theiis, aber meist In der Form von Becken-AusfUttnng, he^ 
dedct durch Or&nsandstein mit Kaiken der untersten Krelde- 



*' Man vergleiche (Ion Durchschnitt des Libanon von Beirut bis cum' 
Centrale' des Ducheß'ef K^niiise und i^annin. 



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neibe^ ^enaii sieh soiimtitt ^\t luMI ere GlteMr dar Kreifa^ 
BUduii|r hl r ogeh a ft sslgter A«fltfg^eniiig Bbrii (dbrnanscMie»« 
aeiK De^'firuhaovdbteltt fährt «ifi »itttir|poTdttOlcliMl^gcff' 
sÜtttnkiKvblr \ind lituitm^seii Hofa^ hMoMelv hbhr erattye 
iii> tffaiör naniHaffen Enlfvldbluiigti Ika idaiii.stoiüind«» tSm 
gdbiln^ voaKorMil an Ire! PuahMi) U SÜklai jteiet'JMy' 
kl Mali HHima «liKeimiseiinidilii lliediliii>!Geo;mate*d! M 
b^rflnäania^en Ahbaue» g^ewavdkiifJat; Dte-Köhleides^iMM 
8äb(l8teiii)si> auf >dMi Libailon j^hätt diHr(jUte^te».€bnifpe)dhe 
BIraadkohle' an^ jeiiiftr nänllehy- iüiwaleher der laiigtai»fv«w 
wakta sehreitfetidct VerkobUn^p^r^^eis 4ef9it8ikuv:iiiBlnMI 
VoUenduD^^ !4ie ihm, tden.JLage eraichtlkiiy'^^^i»^ «ioMt 
IM bis xargiaiizlioHeii VeraehwiiMüiig UterHolziexAtt^ M 
hitc^rendfe» Tfaeile TÖrgtfscMitteti «t. i^Sa sehfea furbirihNi 
grössten TheilAfMor Kohle: Di jeUeorArt bdstibhta^i.'VtUd» 
«ri«; <Mrj»ktggnosti9cb.als Puhkohb» vhidifGlitezkQblelfaaifeich- 
aoa^ dfe^ obMcobI se^r^selteny ditttoli Mowl^ Äandähamg im 
Ttx4lir-Ver«äitrii8e$0 In did sogenannte iBfaHltohie^^} r-Ai^fa^ 
Kahlem odev l>y^odfl übergekeo,; eiiie ItHdAng^ di^UiwmlmcKä 
Twraän aigtffends. tiaei erwähütnswenthe-Ukalfe.AasJ ld b iai i^ 
Z0%tw^ Hiaifiger «fad' die Ühei^äilge -d^itiP^fch^ nnd^fiteW; 
Kohle iana Utninhidsäiti Holae^ Iwdksb^ moh^ kiicbtfn'nar -^tät 
jenkr . flsnsammea auf denselkea liagetfstätten y ■ riabd^ni • -siMii 
61r sieh, aber ebenfalls jiii^idi m.«iuier beträchllieheB .!»• 
hftleu Aasdditnihg, finiletu' JB^tdßy^ sroikoUl dt^iiK,obte)i ak 
das bituminöse Holz, besonders aber erstre, zerseteaattfllBh 
id' Berähmriir mit dei^ Lnffctslikr* aehbelll aiadlrSQerfalküiedl^ 
lieh gaaz au Akakerde. Die. KohAe hjOt sdii^ Häu% Sch«M< 
jMkiesriindewät In; grasaait Qitfantilat^ eingBspuen^.TraAnMb 
aief sinn teebnl6chiC^ Gebrauche ugptoss^iillheilsiaiitaii^tlilH 
friM. , Valer die safcwerä Btkhfengnngen gebort > BaHifcii| 
dkr anal ThetlJa^ ^etoächtUcbfeh gUAeken <4ad Jü^lfraMifc 
EMdMl der Pechkohle eingeaprengt ist^vIoU v^ny^keÜiali 
aam Jj'feülde^JIfcAnsi/ttin paaradiön^ Studie dieser. AHM' 
Vritar» dfeifatere^aiitestMtgpaogftKiatiai^wir JEk'adraitaaii^ 
des Terrains des Kohlen-fiihrenden Griinsandsteins gdiiMa 
^)e Gänge von Grünstein und Wacke, wel^h^ fn yem^fda* 
nen Richtungen sowohl die Saadjitein-AhtogefaagaBy. i i lt i wiijpi 



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TM' 

die Angraiizi^iideii Kalke dnrehsMzeii ifndr besonders f» Mar 
Ikmntt' nmiliilgfaltig^e Versefaf ebotige» tttid Verwerfiingen her^ 
beif&brea. ' ^ 

Eine ionstotrte, Iierfzeelale VerflaehuDg, i?le Botya »ie 
al%enieit] "mArnnkm^ konnte lek an dem Kalksteine, der 
uMter dem KoUen-föhrenden Sandsteine Hegft, bei Kerndl 
weArigslens^« io allgemein gerade nieht ansfindtg maehen. 
Tbetl» "konnte Icb'gar keihe Sbbieiitung; erkennen, theil^ 
fand >4eii die ^obkliten eenkvfecbl anfgestelU und. steil lir 
N^. fallend. Die Seklc6t<$ii des Gr&nsandstdns hingegen 
liegfenisebr hanfig boifs^ntal, nelnneB aber aneh alle andern 
md^iloken V^OAcbmgen, je nach derfiestalt der BeekeniAnd 
Molden^ die tAe erfillleii, an. Die Auflagerung des GriU'*»' 
Sandsteins anf dem Oentralbalke des Libanon 'konnte ieh' 
am ftaride der Mulde von Korneil an fünf Punkten gänn^ 
entseUeUe»' t^abmebmen. Der gewöhnUehe Begleiter der 
Kohle» im' Siuidstein^ isft.Köblenlebm nnd, v?o die- Flötae» 
besonders troeken stehen, erhärteter Thon^ Die mächtigstem 
KohlMagevslätten sind jene Ton Malcia ain el Bed,' am*' 
F^n^se des» Berges, worauf Komeü steht, und die vdn Mar' 
Hoiina, 3 Stunden sud westlich von Konieil. An beiden^ 
Orten bestand, wie ich schon im vorigen Abschnitte erslblt 
babe», seit* dem Jahre' 1834 ein regelmässiger Bergbau unter 
der Leftimg des engiisehen'dngemeurs BaATrEW -^ 

In Makla ain ei Bed ist das Lager vm Köhleriehmf^ 
wefcher «die Kohle limsdiliesst^ wn eitief sehr bedeatended 
Mä^tigUeit.- Er ist<'i4n,grMlich^ und hUMHch^sohWai^ser 
Parbe^ sieUiEniwBlse aMf 'ftsty verhürteti, and lisst, so weM 
ieh »Ihn- sah, keine 'Versteinerungen wahrsei^knee^ Das Koh^ 
lenflöt^-'sdHist^ welches Inmttten dieses Kjablenlehms anf^ 
seety^g^ht am itnteni Stolle» in einer Mäcbtigkeit ton 4* 
bfs5Filss«n Tage, streicht aus Nordwest iii Südost und Mit 
flasfa In Nordost. Wo das Flö4a mit* i^f attnosphäris<$h0ir 
Liife ' in« Berihtttttg steht, bemerkt man starke fifflorescena 
vmr'AliMi^ iind> der Kohlenlehm ist durch Eisenoxyd stark', 
gefärbte Ittr der üntem Zecbe^ wo der Betrieb nur erst sei« 
sehr kurzer Zeil umging, war das Flöt^ noch wenig iir An- 
spmriifenommett. Be|> der grossen Festigkeit desKoblenlehma 



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7B2 

liess i»au Dach und Sohle der Ko|ile unaogegriffen, ued es 
genügten noch immer eituehie BlatUitempel i^ur YervlGberiing, 
übrigens wurden bereits alle Anstalten zu einem geregelten 
Pfeilerabbau getroffen, leider uinsonat, .nvle ich bereits er- 
zahlt habe. Die Wetter waren noch vortrefflich, der Waa- 
serandraiig begann aber bereits sehr fühlbar zu werden. 
Ein Blatt, d. h ein Gang ohne Mächtigkeit, durcbsezt das 
Flötz in der untern Zeche beinahe rechtwinklioh und ver- 
wirft es ganz gesetzlich, so dass seine Wleder^nsriehtmig ^ 
jenseits des Yerwerfers keine Schwierigkeit machte. Die 
Ausdehnnog des Flötzes war nicht bekannt, schien mir aber 
im Ganzen, aus der Taggegend entnommen, nicht unbeträcht* 
lieh, obwohl ich im Allgemeinen, bei all den Kohlenilötzen, 
die ich am Libanon sah, nirgends Hoffnung auf langes An- 
halten lind grosse Ausdehnung dieser Lagerstiitte habe, und 
zwar aus dem Grunde, weil der Umfang aller dieser Bassins 
und Mulden, die der Kohlen-fuhrende Grunsaadstein erfällt, 
vei'haltnjssmasslg nar klein ist, die Mächtigkeit der ganzen 
Formation nur einige hundert Fuss betragen kann, und der 
Kalk, der diese Becken und Mulden umgibt und von einander 
trennt, auch die Kohlenflötze nach kurzen Erstreckungeu 
wieder abschneidet. 

Dem Verflachen des Kolileiiflötzes nach aufwärts in 
Mordwest war die obere Zeche. Jiu Betliebe, die im Gegen- 
hftlte der kurzen Zeit und .der etwas saumseligen arabisclien 
Arbeiter eine wirklich bewundernswiirdige Ausdehnung er-- 
reicht hatte und sehr regelmässig . betrieben wurde. Auf 
dieser obern Zeche waren zwei' Stollen eingetrieben, von 
denen der eine hebere zur Förderung und Fahrt, der andere 
tiefere, mit einer sehr tiefen Wasserrosche versehene^ zur 
Qewältigutig der Grubenwasser diente. Das KoMenflöte- 
geht an der obern Zeche In «iner Mächtigkeit von 1 Fuaa 
zu Tage. Die Kohlen brechen hier in einem, festen, schwär-, 
z^n Schieifer; ein verhärteter, Kohlenstoff-reicher Thon oder. 
Kofaleiilehm. Die Kohlen sind von ilim. zwar wohl meist 
anhaif getrennt, haben aber .selten ein Saalband von schmie- 
rigem, grauem Thon. An einigen Stellen hingegen sind sie 
mit dem Schiefei* stark verwachsen und geben förniiich in 



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78* 

denscIbeM über, woduFch allerdings die Trennung der Kohle 
von dem unbrtuehbaren Nebengesteine sehr erschwert wird^ 
Die Mächtigkeit des Flottes Ist in der. qbern Zeche 
sehr venschieden und wechseH von wenigen« Zollen bis zn 5. 
Fttss,. daher auch Verdriickungen desselben häufig vorkom- 
uien. Besonders interessant ist das häufige Stürzen des 
Flötzes, indem dasselbe sich oft ohne eigentliche Verwer- 
fung, weil keine Trennung des Zusammenhanges durch ein 
Blatt oder «ine Kluft ersichtlich Ist, beinahe unter eineip. 
seiikre<^iten Winkd in die Teufe senkt oder in die Höhe 
richtet. Die Mächtigkeit des Flötzes bei diesen Hebungen 
und Senkungen ist sehr, verachieden. Dasselbe schneidet 
sich plötzlich auf eine blosse Schmierkluft zusammen und 
thut sieh wieder eben so plötzlich zu einer Mächtigkeit von 
einigen Fuss auf. In untenstehender Zeichnung ersieht man 
ein Paar dieser Senkungen und Hebungen des Flötzßs, von 
mir an Ort und Stelle aufgenommen. 




.r^ 't 




Die' Höhe der Senkungen und Hebungen ^e^ Flotte« 
ist s«i>r verschieden, und beträgt von eitiigen Zditen' Ms- zn 
12'Fuss, der gewöhnliche Wevth derselbeii Ist jedoch 4 bis 



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784 

S'l^M. IMterfctr&iiAg lirt, das» Ae €l08teliiftlag;en M»' K^ 
IcitMdifefbra meisrf: dhne ünttM^clhud^ Aese Bfegfimgeti des 
FKtiJ^ fiteh unti^n <inS' obM bedienten, ildA iAiito al^'Wuch 
i^hWef W hei*rusetütod«n Kluflien d^t^Ghrttnd dlesiirl&ttehi^ 
iiMfg^ g^itcUt weMe^ kanrn. I^ aehUut 'vtelmehr 'Itf^ -^^eAi 
Akt sttfttf^fiftideti 2a haben, ähntteh dem, d^ dtef WeHeft* 
KMAt^^tk, l^hog^fi^ ttiitf gebrvdieitetf Schiditeiilagc^ %er 
attde^ Felsgcfbildeii and vorz&^'dr ift d^n Atht kliem Zett* 
PKModenr herbeigef&bH hat nnd rief tAeht" lauf efln^' ' jg<eaete- 
Itehe'^Aiiordtiiing dieser Schtbht^ntäg^efri ^it eifrer tiä^ mA 
giM iHihtkÜLtinien -"l^etse, ats a(ttf eine blosse mebhanfsAe' 
St^fdd^ von Aüsseh^ hindeutet Da dÜäie'Sturrzangen '^hkt- 
iritess In älfen Ricbtcmgen des Flfttlfes TOfkonhnen, ^'«vvM 

' iHe Arbeit fn d^ Gruben ' gfeschieht tüit Flegel ^iilid 
K'dibtfue, mailfiässt, In ördentliebe KohlenfiHder' yerHieilt^ 
Kohlen-Pfeiler stehen und komnit der SröCrei^heit ' J^rt, w« 
sde durch grosse, das Flotz verwerfende, Schmierkliifte be- 
sonders gefährdet wurde, auch noefa: dnrct|pennmei^e^PfiBiler 
zu Hülfe. Die Pechkohle und Glanzkohle shnt der Svpt- 
Gegenstand der Gewinnung, die Brattel doch fnrdem 9fa2»e 
vorwärts gebracht hatte, dass er auf jeden Gmben-^fiH^ter 
des Tages 2 bis 3 Zentner eroberte Kohle rechneir4i:ilbBte 
und Tag für Tag ungefähr 100 Zentner zu Tage forderte; 
was bei der Trl^heit und Unbeholfenheit seiner Araber niekt 
80 wenig war, als es scheint. 

Die Qualität der Kohle leidet durch das häufige Vor* 
kommen von Schwefelkies sehr. Er Ist zwar häufig in der 
Mächtigkeit des Flötzes In eigenen Lagen bis zu einige« | 
Zollen Mächtigkeit ausgeschieden und in diesem Falle von 
der Kohle leicht zu trennen, doch ist er eben so liaofig 
wieder der leztem durch und durch und gtaa^ fe m e li ^[e- 
sprmg^ in welchem Falle eine reine Ausscheidung desiM* 
ben unmöglich Ist, und er eine solche KoUe zu vielen toek« 
nisehen Zwecken ganz unbrauchbar macht. Die Fördeniag 
ia.dM iGmkien M.Bfakia ak el Bed. e^escbah aitf.tElaMbab- 
neo,. wd auf des ebeni Zedie bortasd, den iiettea FiUleaa 
dag IKiawJuiilier^ ^ae adir nladltchei aistvae OMdCordcnist^ 



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iH^Us stork zu kiaiifoik ..i* *^ • > 

Bti:i^ Qtlilm 9su/ilUr Hanna al Kaaatoe^^.iS ^Maadea. 
sidwastikb ^aiMidlla> ala d Bed ad^vnvoa Koraatt^ fiadal« 
in daaiLageraagsrYeiiriUtaisaen derKoUa «laiMdiea Jtigeart 
thinrilolle riatatli 9bti aeUxil; Jisl «wary^oryMagaattiscb'ba- 
tracbtef^ van/deraalfrm Art), ft^ie/^fe ani^ersteMi 'OfMi mmti 
ist aie nadi meiiv durch. Steh't^^lbiWfs^eirttiHrfinigt^' $o imm 
sie zaia 'gvoaseiK Xh^U itAlwaiisbbN* ist/ . . ; i . 

Dar der IMil» utaa Mar HaiiM batgeaiMgta SabwelfAi*. 
kieaj apialltJn 0b)9«ui9cbei* B^^ifthaiif; leifia sabv lataraiamt« 
Rotte, iad^la m >ai4er Bfi^A^e.'d^rt JK^bAe iaIr. a^gmaantaa« 
Yerstfnnerang^iiiitM.YagefabiUachM^ RaaterAaftiflttwS'Sii yßUt, 
w4r aai«li|ii Iii>lz94ficfce, anidQpen4i|»i|Hi|9gafBQiQbpel«M IM^* 
tentiiv ui^htverkaant .iveFd^n luinii^ Jh. Kobfe aingaw^elt. 
seilen.) .sa.^Hi^^.ivir :sia)|i?ir ancb iti.ftchwiefeUiiea.ipipgfH 
waodelti: .und loan . fia^et. Stucke diß«ear .Arti toH Magaaiaiai 
seb6iiein Aaaefiea^.lJ&s acbaint alao, ds^aai dar Pj^paN«*i 4^ 
einerseitp die langsam y^rw^ftris a^hN#eia4^ VarkoUuiPi;/dM> 
Holzmasse herbeiführte, andrerseits tiatar/gea^is^afldBjldinf. 
gttngal^,^a^ gaw .i^n4pi|^, Ei^chejonag znr. Folga» .Vatte, 
nämlich^ aiae ,A«viaaii|ili|iigr dfs ^|irai<aabr3<lbfvefQb^eaa-oAir^ 
da« rSpb wafeUriiefs^ik um* pina^ae wgatabif ia^bfe- Jidifiiir, Hvfov 
sHi(^,..viQl)aifii<] jq.de»*! A^ft aa4 W^ia^^ /wia mb K»aaki<^> 
tioneii. aupaqheMMi.nuri'dAJps Mar aiqhftaufe Alt Matlko^^fn 
pka^a danil^ TerJ^ai^d^. jadam da» SehwieMotataU diai of^aairf 
sebei Mm^f^ YiQiYdi4j»gti^.itnd JlH*envRl«l^<«iaiiabai^ . Odaviiat' 
daa. Skohwaf^lepwn aiui^ dtr.iUoiwaadlnilgMd^r .avgfiaiMhain 
Mms^ sßlbstbervorgeganigaa? Mi^jMat^tiMk^e^ «#di 
aiavMuag.iai l^bireifalkieB, nur sdia ^llheil; MSt im lakkgbiK» 
und/^uia. Tibfa mchr.4M^bitoiii«P#^ -Mi\ -- i» 

D#K GraWnba«! M an lMar\Ilgaaa wiMbtiafehtimmlM 
and . aiMitteUlar' . wt ; ^aia Flötsie eiagateiabaaer Stallea ^artlT^ 
net nnd wuirdcsi wiaf<|iMM#ls4a «lia^rt Bad^ii^feit^ 
Yialer Ri«foa^:98fiMwt. t. Dar dm flotm AbsabniiidaadaflLalk- 
stein liegt hier in der Richtung des Verflächens sehr nahe, 
aad «ma bat dah^^r in darBalbaa.waaigCelA.aar siab« i»ehr 
in der Ri€h<iing des Stfeidiam, l^ock irtiail daniehlwa 



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786 

sehr gfrosser Bedeutung. JOai^ ¥VUz fallt dem von Mitlila 
ain el Bed g^erade entgeg^eiigesezt , näihlleh in Nordwest; 
es steigt also gegen den tiefern Kalkstein hinan, während 
es an jenem Orte und In der ^lelehen Riehtong sieh senkt. 
Grünstein-Gänge von tiedentender Mächtigkeft dnrdhsetzeii 
zn Mar Haiina den Grlümsandisteln isowohl, als den darunter 
liegenden Kalk. Sie verweifen das Flötz, verandern es 
aber nicht. Mitten durch die Masse des Griinsandsteins, 
der die Mulde von Mar Haiina erfallt, sezt ein Streifen, 
oder eine Schicht von Kalkstein, iet offenbar derselben 
Periode angehört und durch den der Sandstein In zwei Eta- 
gen getheilt übereinander liegend erscheint. Die Fortsetzung 
des H<6hlettflotzes aus der nntern Sandstein-Etage in die 
obere lasst sich nachweisen, und überdiess enthält leztere, 
in der Nahe des Kalksteins, der die ganze Sandstelnnb- 
higemng bedeckt, ein Lager von bituminösem Holze, aber von 
geringer lokaler Ausdehnung. Der Thon, In welchem die 
sehr breit gedrückten Stämme dieses Holzes liegen, Ist be- 
deutend weicher nnd Itchter gefärbt, ftls jener es ist, der 
die Kohlen umschliesst. 

Wenn man von Korneil sich In Nordost wendet, so 
verlässt man bald wieder das Gebiet des Kalksteins, des- 
selben, der die' -Kuppe des Sannin bildet, und betritt an dem 
entgegengesezten Gehänge von Makia ain el Bed eine neue, 
zwfeohen dem Kennise und Sannin muldenfSrnrig einge- 
lagerte' und ziemlich ausgedehnte Ablagerung des Grfinsand- 
flfteins Und der denselben zunächst bedeckenden nntern har- 
ten' 'Kreide**, filn durch spätere Revolutionen abgesessener 
Thetl dieser Snndstein-AMagerung bildet tiefer im Thale 
dieHfigel am Dorfe ä*seddin, und man fand in der Nähe 
desselben mehrere in diesem Sandsteiiie etngelagerte Köh- 
lenflotze^' von! denen auch zwei in fernere bergmännische 
Untersnchung genommen wurden^ jedoch damals noch keine 
Besonders<ierfretilichen Resultate geliefert hatten. 

Das sädllche Gehänge des tiefen und engen l^aleis von 

. et ■ • -.'-^ ■' t • .•••:•.••. 

* ' Man ver||^Iei<^e den Durdiscifhitf des Liblinou iron Koriteil liber den 
Sannid Ms nach Sacfale im Tlii^ie rpn Baulbeclc. 



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B'sdidia^ wdi^hes 4er ^ine- Hmiptann des Kacbei* el Beiort, 
der zwischen dem Keimike und Sanniii ejf^tBpv'mgt, durelir 
fliesst, gehört gaue de» K^k^i-fuhi^ttdett .Griinwidstoiiie 
an, das> nfirdRche Gehänge aber bildet der diUngeschichtete 
JMraasfistche lUlli des Samiiii und erst auf einer bedeutenden 
Höhe deaaelben, am Oorfe Alitein, betritt man. wieder das 
Gebiet. des 6rünaan4stei»9 nnd gelangt endlifsh,. immerfiH^ 
ansteigend, auf das hodiliegende Sandstein* Plateau van 
Mar Taiihfila el Maruseb, welches jden, breiten Rucken «eincp 
mächtigen Yorsprunges des Sannin bildeti der das Jhal des 
Naeher el Beirat von dem lies Nacher el Kelb trennt. 
Wahrseheialich gehört, der Sandstein dieses Plateaus un4 
der am sädlichen Gehänge des Nadier el Beirut, oberhalb 
dem Dorfe B'seddin, eta nnd derselben Ablagerung an, upd 
die Trennung geschah erst später durch die. fortschreitende 
Thalbildung des Nacher el Beirut. 

Das obere der beiden Kohlenflötze zu B'seddin, ^Stunde 
nordöstlich von KorneÜ^ die zur Zeit meiner Anwesenheit 
bearbeitet wurden, liegt in mehr als 30 Fuss mächtigen 
Kohlenletten und geht selbst 1 Fuss mächtig zu Tage. Das 
Streichen des Flötzes Ist Nordost bis Siidwest, mit einem Ver- 
flachen von 15®. gegen Südost, ins Gebirge« Die Kohlen, 
die. 4as Flötz schüttet, sind von vorzüglicher Qualität und 
frei von Schwefelkies. Der Kohlenletten führt mehrere 
kleinere Flötzchen in unabbauwiirdiger Mächtigkeit, welche 
das grössere Flötz begleiten. Der Letten hat eine blaulich- 
seh Warze Farbe und ist in^ der Nähe der. Kohlen bedeutend 
weicher, als, in einiger Entfernung di^von, wo er an Festig- 
keit sehr gewinnt. Oas untere FJötz geht in einer Mäch- 
tigkeit von 4. Fuss zu Tage, streicht wie das obere, ver- 
flacht, aber unter 26^ theils in Südwest, t theils in Südost, 
weil. es durch einen Rucken gebo^ben wird,. ohne durchbrsr 
eben zu wcarden* £s. enthält eine vortreffliche, kiesfreie 
Kohle, tbeilt aber leider uiit dem obern Flötze ein und dem- 
selben grossen Übelstand, es. hat nämlich eiue äusserst ge- 
ringe lokale. Ausdchnniiig, theils dadurch,. dass. es eigentlich 
einem abgesessenen Stiicke der gauzeu Sandstein- Ablagerung 
angehört, theils noch überdiess durch den Umstand, i^sß 



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VS6 

MAüktonf^Mvii WioMgW al«}dlie>4i»lii>itidtmg'^(Mertiiii^ 

A^üMMito^ im efgentlMibiy 'StaAj|i48lft^'4m^i^^ 

man zwar^nMit pm\ak vwltheini 'fcriirt}^ w0WiM'*i5tt i^vUMt 
Idj aber ^ audlr keinenr^ Ctt^ood • tor mir» 'sMmi. ^iW^iftr 
Mar fakhaAa d Mavfisdi «kit ii«lMlltcli>4b^ das «aafaMMi'' 
Plafeau Jiss^ breiten' fiMMi^is^Rftekeria^enaet^ s«ig(ilm^ 
tit ^liie' SdlteüBchloeM^^de» NiTcbcNr' eA^I/Mh^ 4if' das. 
Thftl v(Mi Btefd5chfitoli/'wel€liei»i4>«i dem Htosler Map 
es Sftiafi^br in jeiiem Thale iHüiNfet. Wfe man dtelSdili 
veti Hierddctiibalh j 'f Stunde nordtoittdi' rem >lklar Taikl 
el Mavuteh' eder i^ Stuiuten' nbndo^ch ven iC«rn^^ b< 
vertäsat' man a^eh ^rviederdaa GeUef de« Sa94«Ma8, 
gelangt in das des Kalk^tteftts, der den Oetatralatock- 
9äüMn biMetf «iid dessen t«r# bereMi, alatfem «ritorst€^ 
^hörend, metmnate ^aehl haben. •'•. : •'> 

^> in diesem Kalksi^ne sehen« mit aai> i^eebteii -Gell 
der Tbiilschluc^l ^on^ Üerdsditbah • mückl^ei ateekii 
LagersflMen von TÜMeiMlbMetii iliA^9^en«k^e)r 
Wi^kfie Ef2-M4^fi^*>\^fledei*''<'Wkr klebten,, «die St 
allen 'ftMitttngeh'ttoi^^fsehwärfiiieitdeii^ Ölungen * i^on Kfl^^ 
sptttb and 8^athefseiiatei(i duri^hsezt «Kiretid^ni' •^tese'Sti 
Vöii Eis^life^ deten matieelH^vlMe 'beinet4D€>5 stehen 
ütitbr üidh Iti %i$ifem )^mei4ibat«H 2iiiisataiinefofcafMg«, 
'td>«¥ doeh >eiti^fm mftditfgen Zuge^ad^i i^^^^^patMi 
üalkschfehlen aiis Word weit fn fiMUfo^^mtrerkt ^ikid^lil 
eheihi Zöge etcH> 4dte ^l»^ Hielt nidJen^abder II 
^dssen«, tonse^TdiwigeN fiMkörperlaMetimiidtsr^relfaeiij 
Miä^mng 4iikeB itegfMr sülielk' 4riehr beMdfttkdiisu 
dennüMin <cam ikittelat ^e^^idten 8iMdett iittidtfuiidcr 
gebei^ BleMmig>idea Er^^.u^* über i<tU\vtidmm 
kirgcf MnMr verfolgen. Der 6|^hef(ieitikteiay> litt*^!' 
m^j 4m^ -T^iMeiaeniflelti y der die ><igiMk4ieh« 
Mdkb UMe^ aef (äefneii' OtM^n idmehaMi^ M 
»er SiMiHiett' «nd'MMftg: amgeMlehnet 1ir;r«täll 
ufelchefi'FiM^ dM Oongmaeee «M^stfelnecdra^ 



H 



^ 



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780 

wii|iriie|i0ieii lipat. {Dia IBlTfliidft dieser Drpifipii-Raoiii^ sind 
bekleidet mit $|iAljbef9^|i«taift imd IUU(Apatti>Kry3taUeii. |>if 
Riijowj^eder de9 Kalkapf^fh^, do^b Eiaeno^^d J^jnnprotb. gt- 
firiit, err^idiem ipitwiter. f^pc» eoornie Grpsi^e. Jijp der ,K»(ie 
dieser Lagerot^ef eigt sieb der Ki^lk stet» sehr eisipii^icfeiNf- 
sig und ipin £^^ea .^^fuge nivunt eiiie^, mehr kry,i|t^Ui^)i. 
scben Cbaraj^ter «n, , i>ie SBatbeisepsteinkflajfle dfiogen aps 
der Maflfe der £rz8td^ke in dip des KAlkeSf selbst, eiq^. bell- 
ten aber picht lange in ihm an« Die Oberfläche d^r Xisger- 
ststtf; ist bäp^g; Trellenformig gebogen, Saalband miscihe)^ 
Erzmasse . und Kalkateiif konnte ich nirgends nAchweisen^ 
pod es 8c;beint Tielmehr ein inniges Yeri?iichsen beider gsr 
wohnlich zu seyn. In der Nähe das i^rxfSHges . sah ich die 
Schiebten des l^alfcsteina ans N.-W« in S,->0, streichen un.^ 
unter flachen Winkeln von beiläufig 10<^ in Südwest frei^ 
flächen. So wie ick mich überzeugte, finden höher den 
Sannin hinaji Wiederholungen dieser Ersiforniation stati^ 
indem mehrere splcber Züge voa^ £isenste,in-Linsen parallell 
hinter ejluwder zu liegen scheinen» was bei der GJieicbartig^ 
keit j4er .gSJi»ep Gebirgsmasse sehr natiirUefi ist« Def 
Haj»ptet)g dieser {iisenerze stand U» Thsie von Merdscjiir 
bsb (Ziur ^}t meiner A^i^üjesenhett uocb im Abb^ Xieztrer 
gebt:.ins hoh^ Altsrthum zurück :und man. sdirpibt den Be- 
gip.a.. dfss^elbep bereits den: Römern zu. ]ch habe keine 9e- 
lege..d<Hr, Jp^r dpess ka^n ich dem Geaebe^sfi .zu« P9)lgf 
versi(cbern.» d^uss er in allen Zejt-Period^n, deren Wirkfif 
man überl^Jicken kann, gleich schlecht gefuhrt ]Kvi|rde. Stets 
p4egte nfftP au dfn ed^lien Pupi|i^tc»| . eii^es solcheu^Erz- 
stoickf^Sj in vielerlei Rjph^ing^n, . s(4»)^n -^ wd sch^Gjktmässig, 
wie <es>|gprsdß. k^^ eio^rec^ea ^fu^ ipi bpfi^rn ^Ja^^e 
in »]i|ea i^io^^^. lUcbto^geohepuiii^/OiWÜhle^^ bis^'^ 
(ahr . dfs. yi^iqlwc^s 4^' scb^ssljcb^u Arbeit. ebi £»4^ 
omclit^ ^^^ 1^^ ^. elfimr ain4ifruj.^ile jdie Sac^he wl^dßf 
yon y^nne ^Ug^ Jenejpa^i, 4ie. die jl$i;CAbrt^ 9h db> 
leichtfljis^jig^i) k^Wiä^^^e^ ,mf4^, ^\^Af^&ibMi^^p ^M4 
andfm futwdpr {g»ri »Wit :t»WQWßn pfler «i^if/^ 4»« ^»^^ 
gewi)r4«n,;. l^eine der.z^tlM'weu ^i^en^ die f'W SWrt*'^ 
TheM» g^usp wnAfwkm ifinAf bat^ ihren jüeiPP^ i Qf)^«« 



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KiifoIg;e, eine bedeutende Ausdehnung, aber doch, Vrenu mau 
den über eine Stunde langen Haldenzug; berücksichtig;!, muss 
man staunen, ivas in diesem wilden, von Veg;etät7on ent- 
blössten nnd wasserarmen Tliftle geleistet wiii'de. Der 
Eisenstein von Merdschlbah gehört sn'den reichsten; denn 
mehreren zu Kairo von Brattel vorgenommenen Proben ^• 
m&sB föllt sein Durchschnitts-Gehalt aii Roheisen zwisclien 
50 und 60$. Die Qualität des daraus erzeugten Eisens ist 
tadellos üiid was den bergmännischen Kachhalt der Lager- 
stätte betriflft, so ist die Andaner für die Zukunft bedeu- 
tend. Leider aber stellen sich andere Hindernisse entgegen, 
die einen ordentlichen Betrieb fast iinmoglich machen. Wo 
finden sich nämlich in Syrien die zum Betriebe einer Eiseih 
hütte nöthigen Quanten an Holz oder an brauchbaren 
Kohlen? und, müssen die Erze autsser Land dahin gebracht 
werden, wo sich jene finden oder wohin man sie bringen 
kann'^ wo ist dann der Ort, wohin diese Eisenerze, bei 
ihrem geringen Geldwerthe, auch als ökonomisch zubringbar 
betrachtet werden können? Der Plan des Vizekönigs, die 
Erze nach Egypten zu transportiren und sie dort mit Kohlen 
aus England zu venschinelzen, ist ein Absurdum. Die weni- 
gen Zentner Erze, welche die Eingebomen hier jährlich 
gewinnen, verschmelzen sie ganz nach Alt der Turkomaneu 
am Taurns in einer Art katatonischer Stücköfen mit Hob. 
Eine Methode, die Ich bereits beschiieben habe und die im 
Orossen gewiss keine Nachahmung finden wird und des 
Holzmangels wegen auch gewiss keine finden kann. 

Von dem Sandstein-Plateau bei Mar Takhala el Maniseb 
zieht sich der Gninsandstein , mit Unterbrechungen , in den 
Miederungen des Terrains und längs dem steilen Kalkge- 
hänge des Sannln einerseits und andrerseits längs den Kalk« 
fi^teinmassen des Kennise, bis hinauf auf dfin ROeken des 
Libanon, und an dem höchsten Punkte der von* Betrut nach 
Baalbeck führenden Strasse, in ehier Meeresb&he von 5485 
Pariser ^uss, findet man ihn als anstehendes Gestein. 

Bevor man jedoch den höehsteu Riieken des Libauou, 
wor&ber die erwähnte Strasse fährt, erreicht^ triflfifc man un- 
gefähr 1^ Stunden unterhalb dem Joche einen sehr mächtigen 



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tot 

Grunfltein-Gftng^, der in West verfliieht nnd an dessen 
Hangendem eine selir bedeutende Gebtrgs-Absitznng^ statt- 
^fttndev zo haben seheint. Die Mächtigkeit dieses Ganges 
nimmt von unteit naeh oben zu und betragt an seinem 
Änsgehenden .10 bis 40 Klafter. Im Hangenden des Ganges 
steht derselbe Kali(stein an, der das Terrain im Thale von 
Merdschibah bildet, nnd anch hier fuhrt er dieselben Elsen- 
erze und unter denselben Verhältnissen, nur In bedeutend 
geringerer Entwicklnng. 

Vom Rücken des Libanon zieht sieh der Grünsandstein 
eine bedentende Strecke das östliche Gebirgs-Gehänge gegen 
die Thalebene von Baalbeck hinab. £r wird jedoch mehr 
und mehr von dem obern Kalksteine bedeckt , bis er endlich 
ganz verschwindet und gegen den Fuss des Gebirges zu 
die Ablagerungen der obern, weissen, Feuerstein - reichen 
Kreide mit ihren Mergeln die allein herrschenden FelsbiU 
dnngen werden. Am Rande der Ebene endlich und in der 
Gegend von Saclile treffen wir wieder Sandstein, der ein 
hügeliges Terrain zusammensezt, aber einer weit jungem 
Zeit-Periode angehört^ denn er bedeckt die obere Kreide 
und Ihre Mergel und scheint seinem ganzen Habitus nach 
der Molasse und dem Braunkohlensandsteine anzugehören. 
Das schöne Thal von Kaalbeck ist grösstentheils Kulturland, 
und ein tiefer Kulturboden bedeckt fast durchgehends die 
Felsabiagerungen , wo jedoch welche zu Tage gehen, so 
sind es Hervorragnngen der obern, weissen, Feuerstein- 
reichen Kreide, ihrer Mergel und zum Theil anch, wiewohl 
selten, jener jüngsten Sandsteine des Libanon, die wir bei 
Sachle beobachteten. 

Die geogttostischen Verlialtnisse des Libanon an seinem 
östlichen Gehänge^ in der Linie von Baalbeck zur höchsten 
Spitze des Dschebel Makmel oberhalb der CedeiH) sind bis 
zur Ermüdung einfach*. Wie man das Kulturland der 

* 'Man seile den Durclisdmitt des Libanon von BaalberJc bis zur 
obsten Spitze des Dscbebel MakmH. 

K«MB0I»CR,R«|»«1I. I.IM.2^.7». 51 



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res 

ThaMiene Cölesyiieiis an Kloster Oeir el AcinQiu' F«rliMt, 
b#trii|;t man das Gebi^ der obera, weissen uii4 sebr fsoer* 
Sieiarejcheu Kreide, diie, weobselod mit weissen, danasehiefe- 
rigen, tlionigen Mergeln, das HügeUaad am Fasse des Li- 
banon zttsammensezt, Nacli Ubersteiping der efaten Hagel- 
reihe trifft man auf einen grauen , dichten Kalkstein , der 
die zweite, über {^000 Fuss Meereshofae ansteigende Berg* 
reihe Eusammeo^ezt Derselbe ist dem Kalksteine ganz 
ähnlich, der weiter siidlich in der Libanon-Kette den Grün- 
Sandstein unmittelbar bedeckt, und von der weissen, Feuer- 
stein-reichen Kreide überlagert wird, daher ich vermuthe, 
dass er der untern, harten Kreide angehören dürfte. Am 
Dorfe Ainete, in einer Meereshöhe von 4989 Paiiser Fuss, 
trifft man eine ganz lokale Bildung eines nagelflueartigen 
Kalk-Trümmergesteins, welches als Beckenausfüllung den 
früher erwähnten Kalkstein bedeckt. Unn^ittelbar hinter 
dem Dorfe beginnt das hohe und steile Gehänge des Ceii- 
tralrückens des Libanon, hier der Rücken des Dschebel 
Makmel, der aus denselben schiefrigen Kalksteinen besteht, 
welche den Sannin bilden und von welchen wir dargethan 
haben, dass sie mit aller Wahrscheinlichkeit der obersten 
Gruppe des Jura zuzurechnen seyn dürften. Merkwürdig ist 
das gänzliche Verschwinden des Kohlen «führenden Grüu- 
sandsteins iu diesem Distrikte, während dqch derselbe süd- 
licher am Sannin und Kennise eine so bedeutende Rolle 
spielt. Dagegen lässt die Färbung der Dammerde und des 
Schiittlandes, welche stellenweise das Ausgehende der Fels- 
bildung und die Gehänge bedecken, sowohl zwischen Aioete 
und Deir elAchmar, als am Makmel selbst, auf das Vorkom- 
men nicht unbeträchtlicher £isenerzlagerstätten schllessen. 
Der stufenartige Absatz, der sich in der Höhe von Ainete 
längs dem steilen östlichen Gehänge des Makmel biazieht 
and durch das erwähnte nagelflueartige Kalktrümmergesteiu 
charakterisirt wird, scheint durch eine kolossale Gebirgsab- 
rutschung am Makmel gebildet worden zu seyn« Die durch 
diesen Akt entstandene ungeheure Längenspalte wurde 
später durch das erwähnte Trummergestein wieder ausge- 
füllt und ausgeglichen. Die Schichten des abgerutschten 



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f09 

Gebirges streiciieii, wie iclbiiiMw^iitiidi von Aifielebeolittcli* 
tete, ans NordMl ia SAdweat und fallen selir flach, notei* 
Winkel» Ton 9 Im 10<> In Nordwest. Die Scbiehteo des 
steliengebliebeiien GeUfg/es hingegen, des Centralriiciisas 
ni^alicb, stmichen ebenfalls ass Nordost in Sädwest, falles 
aber sehr steil in Südost, erstem folgiich gerade entgegem 
Diese Rutsch«iig soiielnl «mmittelbar an der Graue der 
Jura- und der Kreidebildohg stattgefunden su haben. 

Der Kalkstein des Maktnel ist voll von Versteinerungen^ 
und besonders sind es einzelne Schichten, die sich durah 
ihren Reichthnm an Grypliäen auszeichnen. Ich hatte eine 
grosse Anzahl derselben eingesammelt, leider aber kam ich 
lim diesen Besitz, da ich das Tuch, in weiches ich sie ei n^ 
gebunden hatte, um mir das Aufwärtssteigen zu erleiehtem, 
in einer Felsenspalte verbarg und als ich es beim Herab- 
steigen wieder in Empfang nehmen wollte, trotz des eifiig^ 
steil Nachsuchens ntclit mehr finden konnte. Ausser den 
Gryphäen finden sich Arten von Ostraea, Pecten, £xogyra, 
Ammonites etc. je höher hinauf, desto schiefriger wird der 
Kalkstein, und auf der Spitze erscheint derselbe als ein 
formlicher Kalliscliiefer, in dünnen Platten wie Gloeken 
tönend. Auch dieser Kalkschiefer fuhrt Versteinerungen. 
Der östliche Abfall des Libanon ist hier viel steiler als der 
westliche, der dui-ch lange und tiefe Schluchten zerrissen ist, 
während erstrer fast gerade in das Thal von Baalbeek abfällt. 

Der Charakter des Aiittlibanon ist durch die vor- 
herrschende Entwicklung der obern, weissen, feuersteinrei- 
chen Kreide ^ ein ganz anderer, als der des Libanon. Auch 
der Kalkstein , der sein Centrale bildet und derselben Zeit- 
Periode angehören dfiifte, der der Centi-alkalk des Libanon 
angeliört, nämlich der Jura-Zeit, trägt, vielleicht durch das 
häufigere Vorkommen von Lagei-stätten abnormer Gesteine, 
als GHinstein, Wackis, Basalt etc. hiezu bestimmt, andere 
nnd viel interessantere, ausdrucksvollere Formen an sich* 
Die Gellänge des Libanon sind nur durch tiefe und enge, 

"* Man »ehe den BnfHiflichmtt de» Antilibanon von Bialbeek bis 
I>aiMifikii«. 

51 * 

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794 ^ 

Sichlnchteti-ähitliche Thäler zerscliiiitteH , deren meist senk 
reichte Gehänge den Charakter ausserordetitlieher Wildheit 
an sich tragen, der Antilibanon hingegen hat sowohl aof 
idehiem breiten Rücken, als besonders in seinen östliclieii 
Vorbergen, grosse, weite, wasser- und weidereiche, berr- 
lidie Thäler. 

Die Formation der obern, weissen, Feuerstein-reichen 
Kreide mit Ihren Mergeln, welche in der Ebene von Baal- 
beck KU Tai^e geht und den östlichen Fuss des Libanon 
bei Deir el Achuiar bildet, ist auch die Formation, welche 
die . Vorbei'ge des Antilibanon an seinem westlichen Rande 
bei Baaibeck konstiiiirt, und der jenes gerundete Hiigelland 
angehört, das sich längs dem Fusse des Gebirges hinzieht. 
Die obere weisse Kreide spricht sich daselbst In grosser 
Mächtigkeit aus und ist so voll von Feuerstein-Knollen der 
mannigfaltigsten Farben-Nuancen, dass die angräiizenden 
Felder In einem Maase damit besäet sind, wie es mir noch 
nie voi*gekommen war. Zwischen den Kreldehügeln bei 
Baalbeck und dem eigentlichen Rücken des Antilibanon be- 
findet sich ein grosses, weites Thal, durch welches der Weg 
nach Damaskus hinführt. Dieses Thal, eine Hochebene 
darstellend, Ist erfüllt von einem Nagelflue-artigen Kalk- 
trümmergesteln und von jenem Sandsteine, den wir bereits 
aus der Umgebung von Sachie kennen und von dein ich die 
Vermutbung aussprach, dass er der Molasse oder überhaupt 
der altern Gruppe der Diluvialzeit angehören möge. Dieser 
Sandstein und die Nagelflue scheinen hier unter sich ganz 
parallel zu stehen und einer Zeitfolge anzugehören. Beide 
bestellen aus den Trümmern der umliegenden Fels-Gebilde, 
die im Sandsteine durch ein kalkiges Cäment lose verbunden 
sind, daher er auch häufig zu Sand zerfallt, so wie das 
gi'öbere Konglomerat sich häufig zu Gerolle und Sdintt 
auflöst« Beide Gebilde sind durch tiefe und enge Schluch- 
ten in mannigfaltigen Richtungen zernaseu* Jenseits dieses 
mit Sandstein und Konglomeraten errullten Thals intd iai 
eigentlichen Ansteigen des Haupt-Rückens des AntillbaiH^n 
bildet die Berge um Sorclieia ein dichter, harter, graiiör 
Kalkstein, feuersteitFlas nnd, so viel ich sah, djesellieti 




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7»5 

Verstefiieniiigen führend, die den früher erfvähnten RDeideab«* 
Iagerang;en eigen sind, daher ich auch g^lanbe, diesen' Kelk- 
stein der Kreide zurechnen zn dürfen. Ihm gehören auch 
meiner Ansicht nach die tiefer liegenden Bänke irt den Stein* 
brüchen bei Baa)beck an, aus denen igs Materiiil zu den 
Denkmälern der dortigen Akropolis, wenigstens grosste»- 
thells, entnommen ist. Nur ist daselbst der Kalkstein kor«« 
niger, marmorartiger und reiner. In dem tiefen Thaleln^ 
schnitte vor Soroheia zeigt diesei^ feste, grane Kalkstein* 
eine regelmässige Schichtung, und zwar streichen die Sehietv* 
ten parallel der Gebirgskette aus Nordost in Südwest lind 
fallen in Nordwest, sich dem Haupt-Rücken des Gebirges 
anlehnend. Die Berge, die dieser Kalkstein bildet, torftiiren 
den westlichen Rand des breiten Rückens des Antilibanon, 
über den man auf die Hochebene von Sorcheia hinauf gef- 
langt, deren heiTschendes Gestein wieder unser Kalkkon« 
glomerat mit seinem Sandsteine ist Verfolgt ihan das Thal 
von Sorcheia in Südost, so gelangt man, fortwährend aus- 
steigend, in das Thal des Barrada, in das grosse Thal von 
Sebdäni, welches sich fast bis zum Fnsse des Dscbebel el 
Scbech in Süd ersti*eckt. Das Gestein des Thals ist immer 
der Sandstein und das Kalk-Kenglomerat, zu beiden Seiten 
jedoch erheben sich die hohen Berge des eigentlichen Cen-* 
tral-Rücken des Antilibanon, und man hat zur Rechten und 
vor sich die höchsten Kuppen desselben, den Dscbebel es 
Sebdäni und den Dschebel el Scbech, erstrer zu 7090'' und 
lezterer bis zu 9500 Pariser Fnss Meereshöhe ansteigend» 
Diese Berge bestehen aus Kalkstein, der mir derselbe zu 
seyn scheint, welcher den Centralrücken des Libanon, den 
Kemiise, Sannin und Makmel bildet und der also ebenfalls, 
^ie dieser, der Juragi*uppe zuzurechnen seyn dürfte, worüber 
uns natürlich erst sorgfältigere Untersuchungen volle Ge« 
>vissheit verschaffen können. 

Eine merkwürdige geognostische Eigenthumlichkelt die- 
ses Kalksteins, die man am Libanon nicht, in dem Maase 
wenigstens, beobachtet, sind die vielen Gänge von Grünstein 
lind Basalt, die ihn durchsetzen und derein Trümmer die 
Felder um Sorcheia in solcher Mengre bedecken, dasa ich 



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timiiillicijHei belti4eii'ilcll Im oiJili«;|i6iide* 'Terrsi» ihmM 
bi^&eiie dieser €^teine in grossen Masste, YieUeMit f;mnM 
Klippen MlfleiKli Her Kalkstein des Centnde Ist von fielrtef) 
gvltttKGlrvireisstr'«nd'9elbliGliiveiS8(*r Vkrbey dielit- niid Itcb- 
IMSchflig im Brudie. 0er fiviinstein ist sckfürzItehgriHi 
Ins 8cliwaf3Ee, sehr liart und ^hne b^soddere Einschlftsss^ 
der Basalt hi«geg;enf enthält häuig und aus^feseiehnet Oii- 
¥ln eing^spfenigt. Dasselbe geognosttaebe Verhalten des 
Tbalbodens sowohl, als der anliegeiideB Berge, hak, «o weit 
Ich es emdtteln konnte, längs dein ganiteti Thale mm 
Hebdäni Ms zum Dnrchbrueha des Barrada durch die dstb- 
dien Randberge des ÄntiltbaHon an. ^ 

In der tiefen Schlucht des Bärrada, durch die stek der- 
selbe vom Hanptricken des Gebirges, von der Hochebene 
Ardt es Sebdäni, hinab hi die sebonen Thäier der ostliiAei 
Vorberge stftrzt, sehen wir als das in der Tiefe herrschende 
Gestein das Kalkkonglomerat mit dem Sandstein , wähfend 
die hohen, senkrechten Felswände des Baitptgebirges tm 
beiden Seiten noch immer dem Kalkstein des Centralröckens 
angehören. Der Sandstein, der die Tiefe der Schlucht er- 
fiMt, ist geschichtet, und seilte Straten streichen ans NO. Ii 
SW., ftillen in NW. und sind dem Kalksteine an meh- 
reren Punkten deutlich anfgelagett. Das Nagelflue-ert^ 
Konglomerat, nngeheure Geschiebe In sidi schliessend, nimmt 
die »ntern, altern Lagen ein und darauf folgt der feinkörnige 
änd häufig zu Sand zerfollende Sandstein. Beide Bildnngei 
sprechen sich hier deutlich als lokale Dtluvionen aus. 

In der Nähe von el Snk gelangt man wieder in das 
Gebiet der obem, weissen und Feuerstein-reichen Kreide^ 
deren gerundetes Hngelland den östlichen Abfall des Anti- 
Ubanon ebenso begleitet, wie sie es am westlichen thut, nor 
treten am östlichen Rande die Mergel der Kreide in weit 
grösserer Entwicklung auf, wodurch steh auch die daselbst 
weit beträchtBchere Vegetation und der viel bedeutendere 
Wasserreichthum erklären diirflen. Die Hochebene von d 
ie&tAlB gehört dem Kalkkonglomerate mit seinem Sandsteine 
an, bei Dnmar hingegen sind die Kreide-Mergel wieder die 
herrschende dormation des Thals« und dicht an der Strasse 



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fVJ 

irtehl man Lafen vo« ivctmetti'Blei^l mtt Lagen von pech- 
BchwanBem Feuerstein, in Straten von 1 Zoll Ms 1 Foan 
Miifchllgkeit oftmals wecbsellagern. In diesen Mergeln fand 
ieb.sur k&ehst n^enige, den fritieil Aoge ersichtliche, erga- 
nlsehe Reftte. Die hehern Aerge tut Seite sekeinen- de« 
graueb) harten, fenersteinlosen Kreidekalke aiaugehöreny 
aa der Dsehebel Djnsche, 

Vea Duinar aa bis \n die Ebene von Damankits bildet 
die obere Kreide, ivechselnd mit Mergeln, iaä Hugellandl 
am Rande de» Antilibanon, während die Thalebenen und 
iiberhaupt die tiefer Uegenden Punkte mit den erwähnten 
Diluvieu erfiillt sind. Am lezten totiiefaen Abfalle des Anti* 
libanon, an dem Abfalle des Dsehebel Salehieh in die 
Ebene von Damaskus, verflachen die Schichten der Kreide^ 
und zwar der grauen, harten, welche die höhern Kuppen 
daselbM bildet, ganz sachte ins Thal. Die Schichten des 
Dikiyiums aber, das die Schluchten nml das gegen Saleliieh 
sich niederziehende Thal erfüllt, liegen In den höhern Punk« 
ten fast horizontal, wie sie sich aber dem Rande des Ab« 
falls bei Kubbet el Nassr nähern, biegen sie sich plötzlich 
wie ein zu iStein erstarrter Strom und fallen unter Winkeln 
von 70<^ bis 80^ in die mit Kulturland bedeckte £bene ab, 
eine steile, fast sepkrechte Wand bildend. 

Die Bergformen des Antilibanon unterscheiden sich nach 
der Natur des Gesteins, dem sie angehören, sehr scharf 
von einander. Der Kalk des Centrale bildet steile, schroffe 
Wände, zerrissene, phantastische Felsformen, die Kreide 
mit ihren Mergeln runde, wellenförmig sich aneinander rei- 
hende Hügel mit stellen Seitenentblöasuugen , der Diluvial* 
Sandstein mit dem Kalkkonglomerate Plateaus mit bedeu- 
tendem Ansteigen und sehr tiefen, engen Schluchten mit 
senkrechten Wänden. 

Ausser den Beobachtungen von Botta und meinen eige- 
nen ist mir keine zusammenhängende Reihe geognostischer 
Forschungen über Mittel-Syrien bekannt, jedoch finden sich 
in den schätzbaren Reisewerken v. Schobert, Burrhardt 
etc. aphoristisch hingestellte Bemerkungen aus cHesem Fache, 
von denen ich mir,' zur möglichsten Ergänzung des Details 



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799 

unsei« T^rraiiMs; fiMge der wicbtig^ieii bier fitdiliettilicU aa- 
zurühren erlaube. ^ 

Nach BuRKRARD'r gehört die nächste UmgelHing; von 
Hasbeya, im Süden des Dschebelel Sebeeh'^) ^nem rtark 
eisensehüssigen Sandsteine 'Von^ dunli«lroiher Farbe an. In 
dem Waddi llasl>eya, eine Stunde nnler dem Dorfe und 
nestlich von der Brüclie Dschessr Mojet Uasbeya, findet 
sich am Abhänge eines Kreide» Hügels Asphalt in beträcht- 
Hcfaen Schichten, ungefähr zwanzig Fnss unter der Ober- 
fläche. Man betiieb zu Burrhardts Zeit in einer Grnbe 
noch Bergbau darauf. In früherer Zeit' muss derselbe je- 
doch in stärkerm Umgange gevreseu seyn, denn in Allem 
zählte BuRKHARDT** fünfundzwanzig solcher, obwohl grössten- 
tbeils verfallener, Gruben. Die Gegend, wo diese Gruben 
sich befinden, beisst Bir el Homar oder ^^der Erdpeehbrun- 
nen^^. Diesen, obwohl, etwas unvolll&ommenen, Daten zufolge 
acheint die Gegend um Hasbeya unserm Kohlen-führenden 
und stark eisenschüssigen Grüusandsteine anzugehören, der 
im Waddi Hasbeya wieder von Kreide bedeckt wird, welche 
Lagerstätten von Asphalt enthalt 

Die Gegend am Nordwestrande des Dschebel Hanran, 
bei Schohba und besonders am Tel Sehfechan und Tel es 
Szeib ist mit Trümmern von porösem vulkanischem Tuff und 
Bimsstein bedeckt, und namentlich scheint die Westseite 
des aus vulkanischen Gesteinen bestehenden Tel Schiechan 
ein Krater gewesen zu seyn***. Dieses Terrain fallt ausser 
den Bereich meiner geognostischen Karte von Mittel-Syrien. 
Der ganze Dschebel Szaffed **♦* besteht aus Kalkstein mit 
sehr wenig. Basalt und Wacke. Unter dem Vorkommen der 
(beiden ieztern Gesteine wird wohl das gewöhnliche Vorkom- 
men derselben auf Gängen, wie am Antilibanon, zu ver- 
stehen seyn. So ist auch das Gehänge des Dchebel Szaffed 

'^ L. J. BuBKHARDT Reisen in Syrien und Palästina. 1. Bd., S. 83. 
Weimar 1823. 

-* Ini Jahre 1810, 
'^** BuRKHABDT etc. I. Bd., S. 151.. 
*'?** BüRKHARDT etc. II. Bd., S. 555. 



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709 

am JöÄcpiMhBnioilett, iiaeh BinäiiujuiT, Kaikst^Hi liiit Basalfc» 
Durehbrucbeu; 

Etwas sahlreicher sind die geog^oosttscheA Dalen/welche 
wir, Mittel'*SyrMii betreffend, in v. Schcbei(ts Reisewerli 
^berslrent finden^ So stugt derselbe S. Bd. S^ 260 : die HänpU 
GeUrgsart der ilngebttug der JakobsbrficlLe am obern Jor* 
daii ist Kalk (Kreidekalk ?)^ an vielen Stellen aber, wie na» 
meatttcli hier am Jordan, sseigt sich Basalt. Diese An^be 
betrtflH; also das Terrain am S&dgebinge 'des Dkcbebel-el 
Scbecb , S. 371« Dicht vor Sasa,' also am Nordoiitgehaiige 
des DsehjriMl el Heisch und Südlich jener* Stadt, findet sich 
ein starker Dnrchbrtieh von Basalt, zwischen dessen Felsett 
sich der Weg hinzieht, S. 308. >^Dc^r Weg geht dort steil 
hinauf an den Felswänden, deren Gebirgsart Jurakalk \^V^ 
Der Autor meint hier die Felswän Je am Rabuä^-Passe, !dUrch. 
den man aus der Hochebene von Damaskus in das Thal deti 
Barrada hioansteigt Dass der Jurakalk des Antllibanon 
80 weit an dea östlichen Rand desselben vortritt, das ist 
nun allerdings nicht meine Ansicht. 

S. :165. Zwischen Bischerre nnd £den, am Westgehänge 
des Libanon, links der Strasse und über dem Abgrurtdeder 
tiefen Schlucht des KodMscha, ist Basalt, rechts der Strasse 
Kalkstein mit einer Menge Konchylien, meist Gaateropoden. 
Diese Bestimmung ist zu allgemein, als dass sich daraus 
folgern Hesse, ob map es hier mit Jura oder mit Kreide zn 
tliun habe. 

S. 307. Drei Stunden nördlich von Eden ein Berg von 
ärcbiefrigem Kalkstein voll von versteinerten Fischen. 

S. 371. Zwischen Eden und SIbbail nnd nahe an lex- 
term Orte Kalkstein mit viel Pettrefakten, darunter fosstte 
Fisclie. 

Aus dem Summarlum aller hier bisher zusanunengestell- 
ten fremden und eigenen geognostischen Beobachtungen er- 
gibt sich als End-Resultat, dass die Central-Formation des 
Libanon und des Antilibanon, welche die höchsten R&eken 
beider Gebirgszüge sowohl, als ihre tiefsten siehtbaren AIh 
lagerungen bildet, ein Kalkstein ist, der allen seinen iunern 
und Husseni, bisher bekannten, Kennzeichen zufolge den 



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dknten Glleikrn dir JumiRelhe Msurtehnea Mgr» dirfte. 
Ablagerungen der obem und untern Kreide mit Or i Mfl nd* 
ilUn, der • Kohlen ffthrt^ bedeofcen den iUtern Kalkstein, so- 
Uroiil In regelmlMiger Reihenfolge, als in mannigfaltigen 
Combrnationen als Becken-Ansfüllnng. Die Entwieklnog 
der 'Untern Kreide nnd des Grimsandsteins ist in JBezng ihrer 
Masse besonders eharakteristiscb für den Libanon, wUiresd 
belde^ besonders, der Gränsandstein, im Antiiibanon zurick« 
feeleirf lind die obere Kreide mit Feuerstein-reichen Mergeln 
vorhelrrselit« Jura sowidil ab Kreide und ihre Sandsteine 
sind in bdden Gebirgszügen^ besonders häufig und mächtig 
aber im Anttlibanon, von vulksaischen FelsgebUden) ab: 
CMmstein, Waeke und Basalt dm!«hbrocben. Lokale Dilu- 
TialbiMungen, nafelflneartige Kalkkonglomerate nnd Molaue* 
äholioher Sandstein bedecken am Rande des Libanon die 
Kreide, treten aber in besondrer Ausdehnung und Mäohtig- 
keity Plateaus und Thal-Ausfäilungen bildend, Im Antiliba- 
non auf. Der Jura beider Gebirgszuge, besonders aber der 
des Libanon, ist Eisenerz-f&brend. 



9> Weber die WmaMm uma Wlowm vea HMel«8]rrlen vni 
JSevd-SyrieM« 

In der Dantellung* der physiognemischen Verhältnisse 
jenes Theils von Karamanien, der von den Alten unter dem 
Namen CHlden begriffen wurde und beut zu Tage als Pa- 
schalik von Adana bekannt ist, wurden in Betreff der Flora 
eed Fauna fcn 7. Abschnitte dieses 1. Bandes auch jene 
Theile des nördlichen Syrien mit einbezogen, die das Ter- 
rain des früheren Pascbalikes von Aleppo umfassen, d. h. 
der DfsMkt von der Nordgränze Syriens, vom Gianr Dag^b, 
bis zum nördlichen End^ des Libanon und AntiUbanou« In 
dem allgemeinen Bilde, weiches von den Verhältnissen der 
organtsehen Natur dieses Landes daselbst entworfen wurde, 
wurden grösstentheils die schätzbaren Beobachtungen Ains- 
WORTHS zu Grunde gelegt und knrzaoseinandesgesezt; dabei 
wurde jedoch aof den Anhang hingewiesen, der am Schlüsse 
dieses Bandes folgt und der die neuesten Entdeckungen 
im Bereiche der Fauna und Flora dieses Landes zam 



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99P 

Geg^enstaiide bat, die Ikells aas den elgcoeii ArbeHes 
Exfledltioii, d. h. Mb deitEfnsendttiigen meiifos RelsegisflUirteii 
Kotschi, theils aus den Forschungen anderer neuerer Rei* 
senden Iiervorgelieu. Es bleibt uns also hier eigentlleh 
nur jener Theil von Syrien zu behandeln übrig, den ich un- 
ter dem Mamen Mittel-Syrlett begreife und der das fieblel 
des Libanon und Antilibanon, von der Parallele von Tripo- 
lis bis zu der des Dschebel el Schech, in sich fasst fitt 
nun aber die organische Natur dieses Theils von Syrien in 
dem ganzen Komplexe ihrer einzelnen Erscheinungen mit 
der des südlichen Syrien , des eigentlichen Palastina s , voll- 
kommen übereinstimmt und als ein und dieselbe betrachtet 
werden kann, so glaube ich um so mehr eine genauere 
Darlegung dieser Verhältnisse hier umgehen zu kdmienp da 
ich ohnehin im S. Bande dieses Werkes, am Sehlas«^ met- 
ner Bereisung des sndlicihen Syrien, in dem Maasstabe, Vfie 
es bisher bei Unteregypten und Karamanien geschah^ eine 
Skizze der organischen Natur dieses Landes zur Auffassung 
seiner physioguomischen Verhältnisse vorlegen iierde. Über- 
diess begreift der diesem' Abschnitte folgende Anhang in 
Betreff der Botanik und einiger Zweige der Zoologie auch 
jetie Forsshangeii in sieh, die in diesem Fache «od in Üasei» 
Bezirke von Syrien Aireh trasers EipeditlM sowohl, als 
Aflirolr die Bemühungen anderer neuerer Reisenden^ vorge- 
nommen wai^eii. *-* im Ganzen haben wir, ausser einlgeif 
«iteren Werken, ans der neuemZeit sehr wenig wisstnschafl« 
liehe Untersnchungen über Fauna und Flora von Nord« nnd 
MitteUSyrien, und ich erlaobo mir fdr jene Leser, die weitab 
in diesen Theil der Naturwissenschaft, so weit er sieh auf 
den erwähnteki Th^l von Syrien beziehl, eindringen weiten^ 
liebst der Berufung auf nachstehenden Asiuing, auf fisigendd 
Werke- aufmerksam zu machen* 

LABiLLAADitaBy Ic»nas ^aatttviiiD SifMit üMiMninw DeeaSt^S. Psim 
vott 1791 bU 1812. 

Alkx. Kusskll, Naturgeschichte von Aleppo. Ans dem Enj^liHcheu von 
Fr. Gmeun. 2 Bde. tiöttingen 1797 und 1798. 

Hasselquist, Flora Palaestinensc. 

~* — Tier PalaiiaHnum: eller reaa til helif^ Lsndet. Stockholm lt&7. 
Deuladi; RMtocIc 1762; Biigliadt, iAndoa 1946»; firanjE., fmU 176». 



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I 4k4lwS9 tr«v<l§ iu vMiou« pwrt» of Etiroi»«, S^ «imI Afrik«. to«. 
doa. IBJie. 
AiNSWORTHS Researches in Assyria, Babylonia and Chaldaca etc. Lon- 

don 1838. 
Moseum Senkenbergianam. 

liBBMif, CoBNMixB, voyage au LevMt, en Egypte etenSyrie. Ansle^ 
. dam 17U. 
.. liuCAf, Paüju, voyagc dan» la Tarquie, TAsie, la'Taurie, la Palaestioc 
etc. Paris 1719. 

' Ausserdem finden wir, Syrien betreffend, viele uatarg^ 
schichtÜcbe Gegenstände dieses Landes mit andern zttsa»- 
men aufgezahlt und beschrieben in: 

* Verzeichnis^ der Doublctten des geologischen Miiscfums za Berlin. Ym 
Dr. LicHTBNSTBiif. Bcrliti 1823. 
Erpetelogie generale o« histoire oaturelle completc de« Reptile«. Pii 

BiMr. DuMBRU. et Bibron. Paris 1834, wird noch fortgesezt. 
FoRSKAL, flora egyptiaco arabica. 1776, 
— — Descriptioncs animalium, quac in itinere orientali obsenrarit. 

Kopenhagen 1775. 
Plantae Ancherianac orientales enumeratac cum novarum «pedenwide- 
scripttone, Aactorc E. Boissibr. In den Annales de« sdences ai- 
tur<aic8. Pari« 1841. Dezemberheft. (Wird fortgesezt und iit 
sehr interessant.) 

41) Bttr^erlfeüe maOL poUtlaelte Veritttltnirae dl<M ftiamde^ 
Vlllber te Mord- wad ]|Iit«el-«yriem 

Es ist kein zweites Land auf der£rde, das^ durch eise 
folgenreiche Geschichte bewegt, einen so entschiedenen £it- 
fluss auf die ganze übrige Welt genommen hat, als Syrlei. 
Die zwei grössten Momente der Geschichte der Religio, 
die fintwIckluDg des Christenthums und die des Islam, gii- 
-geii theils unmittelbar von Syrien aus, theils stammen sie 
aus dem zunächst Hegenden Nachbai-laude. Sie verbreite- 
ten sieh wie mächtige Fluthen iiber die ganze £rde. Fe»4- 
seiig einander gegenüberstehend, ging die göttliche Lehre 
des Christenthums atts tausend Kämpfen endlich siegreich 
hervor, stieg tausendmal, ein verjüngter Phönix, ans Biot 
und rauchenden Trümmern empor, und das Kreuz erliob 
sich über den Halbmond, seine beseligenden Strahlen zn 
allen Völkern und in alte Zonen sendend. Durch seine 
milde Lehre wurde der Mensch zum Menselteu, es war die 



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Revolution ^ die die Erde je erlebte, dem sie geaUAtete 
das moraliscbe Seyn der Weit utn. Syrien ist der heilige 
Boden, von dem dieses Alles ausging, Syrien ist das lielUge 
Land, das fSr uns als Ciiristen nnd Mensclien die beiligsten, 
die grossten Erinnerungen In sich faast Welcher gebildete 
Mensch Kird also nicht die Geschichte dieses Landes, wer 
nigstens in ihrer religiösen Bedeutung, kennen? 

Hier, wo es sich um eine einfache Darstellung der Ver* 
baltnisse handelt, die uns die Gegenwart und die jüngste 
Vergangenheit wahrnehmen lassen, können wir daher die 
frühere Geschichte : Syriens Schicksale unter der Herrschaft 
der Phönizier, unter der des hel^räischen Volkes, unter dem 
Andränge der Perser, als Erpberung der Griechen, nutfr 
der Herrschaft der Seleuciden, als Eroberung der Römer, 
als Besitz der Araber und der Sarazenen, in der Pe« 
riode der Kreuzzüge und als Wiedereroberung durch 
die Sarazenen, um so mehr übergehen, als wir dieser Mo«- 
mente bereits in unserer Betrachti^ng aber die Geschichte 
Ciliciens, die mit der des nördlichen Syriens aufs engste 
verbunden ist, ausfuhrlicher gedacht haben. Die neuere 
Geschichte Syriens beginnt mit der Eroberung dieses Landes 
durch Sultan Selim L, der es im J. 1516 zugleich mit Egyp- 
ten der Herrschaft der Türken unter den osmanischen Sul- 
tanen unteiwarf, unter denen es auch, obwohl mit mannig<r 
faltigen Modificationen, bis auf den heutigen Tag verblieb. 
Sultan Selim eroberte das Land und betrachtete diese Er- 
oberung im türkischen Simie des Wortes, d. h. das Land 
wurde der ausschliessliche Besitz, das Elgenthum der Sul- 
tane. Er theilte es in fünf Paschalike: Aleppo, Tripolis^ 
Damaskus, Seide (später Akre) und Palästina, dessen Sitz 
bald zu Gasa bald zu Jerusalem war. Die beiden leztem 
Paschalike, welche, nebst einem Theil des von Seide, das 
südliche Syrien bilden, gehören nicht in das Bereich unsrer 
gegenwärtigen Abhandlung. Wir werden auf dieselbe im 
3. Bande unsers vorliegenden Werkes zurückkommen, und 
ich beschäftige mich hier, nur mit den Paschallken von 
Aleppo, Tripolis, Damaskus und einem Tbeile des von Seide, 
als jene, welche Nord- und Mittel-Syrien in sich fassen. 



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bedeotendeh Orte sich einer befand und die, ganz nnablianpv 
vom Pascha und unmittelbar dem Sultan, oder eigentlich 
dem Diwan Ih Konstantlnopel , untergeordnet, alle Rechte- 
Rfindel zn schlichten hatten. Eine Elnrichtnng, die in der 
ganzen Tflrkei statt hat, und die nnstreftig viel Gutes für 
sich gehabt haben würde, wenn die Kadi*s nicht zugleich 
die oberste Instanz dargestellt Ifätten, von deren Ausspruche 
den Parteien nur eine sehr schwierige Appellation offen 
stand. Dadurch waren die Kadi*s In ihrer Macht tu wenig 
bescliränkt, was um so gefahrlicher war, da sie, wie allge- 
mein im Oriente der Fall ist, der Bestechung Iiöchst zugäng- 
lich waren, und das Recht, im eigentlichen Sinne des Wor- 
tes, an den Meistbietenden verkauften. Die Entscheidungen 
^es Kadi gründeten sich stets auf den Koran, der als eine 
mystische, unbestimmt hingestellte, fanatische Geburt einer 
aufgeregten Phantasie, ohne alle Praxis, eine Menge Ans- 
legungen zulässt, folglich der Willkür die Schranken offen 
erhält. 

Mit bestimmten direkten Abgaben waren unter der Re- 
gierung der Pforte die Dnterthanen wenig geplagt; denn 
sie bezahlten eigentlich nur die Grundsteuer, den sogenann- 
ten Miri, Indem das Kopfgeld, der Charadsch, von den Rajas 
ausschliesslich entrichtet wurde. Desto schrecklicher aber 
war für -die Dnterthanen die schonungslose, . barbarische Art, 
mit der diese Steuern eingetrieben wurden und vorzüglich 
jene Masse indirekter Abgaben, Zölle, Erpressungen, ausser- 
ordentliche Auflagen etc., die der Pascha seinen Untertlia- 
nen ganz nach Willkür, ohne alle Einschränkung, auferlegen 
konnte, und deren Betrag den der direkten Auflagen vieifacb 
überstieg. Dabei waren körperliche Misshandlungen der 
grausamsten Art, wobei nicht selten Pascha's und Kadl's als 
Privat-Vergnügen die Henkers-Dienste verrichteten, an der 
Tages-Ordnung und trafen besonders die Andersdenkenden, 
namllch die Christen. In polizeilicher Beziehung erstreckte 
sich die Sorge dieser Machthaber eigentlich selten weiter, 
als sie sahen, d. h. nur auf ihre nächste Umgebung, aaf das 
Gewerbewesen in den Städten, selten auf die öfTentlielie 
Sicherheit im Lande, theils aus Mangel an Kraft, theils 



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60t 

AUS Mangel an Willen, thdh Wefl die HeUeü its f^i^iä 
selbst eigentlich i\6 Rolle von Strassenfädbern ,' nut^ in etnem 
grossartigen Maasstabe , spielten. Daher "war d^r Verk'l&far 
schwer, Unsicherheit erstreckte sieh über das ganze tialld| 
der Handel lag darnieder. Die Ausfuhr beschiAnkte sieh 
auf Baumwolle und Banmwollenzettge und etwas 8ede, d0- 
ren Ausfuhr auf die Rhede von Tripolis besehrankt war. 
Dagegen brachten meist französisehe fichifFe, In dferen'Htti^ 
den vorziiglfch der Handel war, Tucher, Farb^Waareiiy 
Kaffe und Zucker aus Aroerika, Metalle, Seife, Gialantierle* 
Waaren. Der Handel ging zum grössten Thell durch dt^ 
Hände der Marseilier Hauser. Der Einfall der Franzosen 
in Syiien im J. 1799 war eine Torübergehende ErscheiiHiüg. 
Sie konnten sich nicht halten, und nach ihrem Abzüge kehr- 
ten die früheren Verhaltnisse zuriick. So standen noch die 
Verhältnisse in Sytien, als Mehemsd-Ali in Verfolgung sel^ 
ner weit aussehenden £roberungs- und Unabhangigkelts^ 
Plane die Erlangung dieses Lmides ins Auge fasste; Die 
Motive hiezu waren , wie wir im 3. Bande dieses Werkes 
aas der kurzen Geschichte dieses historisch-merkwärdigeM 
Mannes entnehmen werden, zusammengesezt; Der Besits . 
von Syrien war für Mehemed-Ali an und für sich nötblgf 
zur Vermehrung seiner Einkünfte, die durch die un^erh&l«« 
nissmassigen Anstrengungen der Pforte gegenüber- ilmr zu 
sehr in Anspruch genommen wurden 5 Syrien war der Weg 
zur Besitznahme der Länder am Taurus und am Giaur Digb^ 
<lie ihm theils als eine feste natürliche Gr&nze gegen die 
Besitzungen der Pforte in Klein- Asien ^ theils Antth ihr 
Schiifsbauholz für seine Flotte von hödhster Wichtigkeit 
waren. Durch den Besitz von Syrien ulid Karamanieu kam. 
der ganze Küstenstrich des mittelländischen Meers vom 
Thurm der Araber bis nach Kasanlie, folglich auch der 
Handel aller längs dieser Küste liegenden Seeplätze, in selM 
6ewalt, ein Vortheil, den der kluge Mehsmed nickt veri 
kannte. Durch Syrien und Karamanieil führte ettdlleh deff 
gerade Weg nach Konstantinopel auf den Thron der Sul- 
tane, eine Idee, die stets im Hintergründe tag und die M 
Mehemed-Au, im Bewusstseyn seiner Kraft; der Sdiwiohtf 

RvsunocR, RciNen. 1. Bd. 1. Tbl. $2 

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60S 

fkX' ff^ß^^ gvg^fiher^ liatbw€nidiB[ei:w9l86 iiullodeni ««flütei 
K«ch 4er iK^jfMUiqii J^RAHia-PMchaV ia GHeehenland und 
4ler l^^B^tp^i^-d^c täi^kiiiqli-egyptlscbw Flotte su Nit^rin 
/Mpp 2|0« Oktober ]«27 dufch. die Flotte der AUürten strahlte 
je^xUiob dß» Kreuz- in Siegeagl^nz ühev dem frei g^ewordeoen 
JI^UaiT, upd im^fMV^TAu's S^Mationeii auf GriecheaUnd 
ifTt^cea »I liiebte gewogen«. Er wapr jedoch aicht der Maaoi 
4w ^en Vqrtbeii, der sich ihm darbot, so leicht wieder 
fß^im Hws» Ph9; Pforte bot ihm Syrien an,^ gab ihm ab^ 
i^ti^tt. diQse« Landes die Insel Kandiai die er ohnedem sehon 
^e9|t b«itt^ 9egierig ergriff er daher die Gelegenh^t» die 
Mw ein Streit mit ABD^AxiA-Pascba) dem Goaverneur von 
^iirO) darbo^ nni un^er dem Vorwande, den aufrahrerische« 
Pas^a zu z&c^tigeii) .bjrach sein Stiefsohn iBRAHiM-^Pascha 
imi I^ovember 1S^1< mit einer egyptlschen Armee in Syrien 
eiUft JKaeb seqhsino^natlicli^em Widerstaade fiel endlich Acre 
am . S7; Mal. 1.83^ dureli Sturm in die Hände iBRAHiüSy 
im e^^ all Wasser jind am Limda hart bedrängt hatte und 
dajf«b diese m Ufig verzögerte £innahme einen Beweis gab, 
ivicf ieleml a^ifie atarl^e FUtte bedient war, und wie wenig er 
frtine earo^äii^che Hülfe gegen ein Häuflein muthiger Solda- 
tan, IMS Wirren, ^äifiUch mit AspAUiA-Pascba nur lliOO Alba« 
nesfSQ in dec Festung, ausrichten konnte. Die Pforte, die 
BbHpMaD-Au. sich gegenüber stets bloss zu stellen pflegte, 
begteg' den Fehler und erklärte in diesem Momente des 
Sic^errausch^S/cleii Vizekötnig für einen Rebellen, ohne die 
Btacbt zu besitzcin, ihjn in seine Schranken zurückzuweisen. 
WtUkomliin^r hättß ihm njchts entgegen kommen können, 
balHiii diirch^og nun mit seiner Macht rasch ganz Syrien, 
jagte das ihm v#ii der Pforte unter dem Titel Armee ent- 
gegengeschickte GfBliidel bei Homs auseinander, nahm die 
Dulden von Beibin. am Giaar Dägh, drang in Klein-Aslen 
aiii, nahm die D^lean deir Taur^is und schlag am 22« De« 
cembef 18$3^r die ScUachl bei Koniah, wo er mit seinen 
8O|0QO Aüab^rp. dl^ wck ^mal sp starke türkische Armee 
niickt aUcIii Sii^blu^) s^tudern vielmehr zeratäubte, Kun zit» 
tertfi der Jhrmi 4nv ^ti^nf^ a«. Bpq^orvs, abfir die enro- 
pal^k«. MäcfctQ :lMW«t«n einet Bqkh» Störmig des Staa^a« 



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61eleh|g;ewidites illinniensehr xii^btn* hüABiif wmili» tk 
«ofoem 8ieg;erlaafe aofj^eiialten , nachdem seine fliegfreichcm 
Waffen berelta bis Kiitajeh, 50 Meilen von KoüfttanCInofcl^ 
Torge4rnn(^n waren« Der errung^ene Preis war der Besite vos 
g^anz Syrien nnd des Paschalikes Adaoa und Msraüeb mXk 
allen Engpässen des Taurtis von Gusill törreh bis zfini*'Dmw 
dun Dagh, welcher Besitz dem Viaekönig gegen Bntrlchtmif 
des Tiibntes, wie iiui die friiheren Pascha's zahlte», dorril 
den Traktat von Kutajeh am 14, Mal 1833 9 von Seite dmf 
Pforte, als Landes-Oberherrn, zugesichert wurde. 

So war also Syrien in den Händen MaHBiiia«4iini^ 
der seinem Stiefsohne Ibrahim die Regierung des gaasm» 
Landes, gleichsam als seinem Stellvertreter, übertrug. Die 
frühere Eintheilung des Landes in Paschaliice, deren Pa* 
scha's zugleich die Pächter des Landes waren, hörte auf» 
Mehbmed-Ali war selbst der Pächter, und als solcher zu 
klug, durch die frühere Einrichtung einen Thell des Vortheils, 
der ihm aus dem Besitze des Landes erwuchs, hintan zu 
geben. Es wurden Gouverneure ernannt und das Land iti 
Distrikte getheilt. Zwei von diesen Gouverneurs aliein hat« 
ten Pascha-Rang, nämlich der Gouverneur von Adana, weU 
ches Paschalik als eine von Syrien abgesonderte Provinz 
betrachtet wurde, und der Gouverneur von Damaskus, der 
als Scherif-Pascha in^^^igiöser Beziehung, als Patron der 
Mekka-Karäwane, ni^m -beseitigt werden konnte. Den übri- 
gen Distrikten, z. B. Aleppo, Tripolis, Beirut, Seide etc. 
waren Beys (Generäle oder Oberste) als höchste politische 
und Militär-Behörden vorgesezt, welche aber als wirklich 
besoldete Beamte keineswegs, wie iVüher, auf die Einkünfte 
des Landes hingewiesen waren, die vielmehr sämmtlich au 
die Landesverwaitung abgeführt werden mussten. 

Die Jnstizpflege blieb, wie früher, in deii Händen der 
Rechts- Verständigen, der Kadffii, nur wurde die Fornr der 
Justizverwaltung ebenfalls modifizirt und die früher zu u»* 
umschrAnkte Macht dieser Kadt's sehr weislich efngesehränkt. 
In jeder Stadt befand sieh ein solcher Kadi ah Friedeoü« 
richter, dessen Hauptauigabe es wai', SIreMgketten d^r 
Untertlftoefi za seMicht^n, Kaufkontrakt*« Sehetihung»« 

52* 

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819 

ITrktftiden, Handelsyertr«ge etc. »n errichten «itid überhaupt 
in Rechtefallen im Sinne des Korans^und sdUier Kommenta- 
rien ein Urtheil zu schöpfen. Waren diese Rechtsfälle 
»chwieriger ond von bedeutender Wichtigkeit, so miisste 
der Kadi mehrere Rechtsverständige zu seiner Amtshandlung 
beiziehen, und sein Sekretär trug die^ Rechtaerkenntnisse 
und Vrtheile in die Register ein. Meist tolgte diesem Dr- 
theii' auch sogleich die Exekution ; dodi v^ ar die Appellation 
in besonder!] Fällen der Partei nicht gehindert. Dieselbe 
fand an den Gross^Kadi statt , der in einer der bedeutendem 
Städte- seinen Sitz hatte, oder auch unmittelbar an den Lan- 
des-Oberherrn in Syrien, also an iBRAuiM-Pascha. 

So wie jeder Distrikt seinen Gouverneur, Pascha oder 
Bey hatte, so besass auch jede Stadt ihren üntergonveraeur 
öder Miisselim. Sein ihm eigentlich zugewiesenes Geschäft 
war die Äufrechterhaltung der Polizei, die Administration in 
allem ihrem Detail, und überhaupt war ihm fast dieselbe Dienst- 
sphäre angewiesen, die unsern Kreisämtern, Magistraten und 
Pfleggerichten zusteht. Sehr häufig versahen diese Müsselims 
die Amtsfunktionen der Kadi's und vereinten also mit ihrer ei- 
gentlich administrativen Stellung auch die desCivilrichteramtes. 
Der Miisselim unterstand unmittelbar dem Gouverneur der 
Provinz, und unter ihm stand derSaräf oder Steuereinnehmer, 
zugleich Kassier und Zahlmeister. ^^ diesen gingen alle 
Steuern und Abgaben ein, für deren richtige Einholung und 
Abführung er persönlich verantwortlich war. Die Ablieferung 
dieser Geld-Beträge geschah von Seite des Sarafs an die 
oberste Finanz-Behörde, die in Damaskus durch den Arme- 
nier BACHRi-Bey, in Aleppo durch dessen Bruder Germanos 
Bachri vertreten wurde, beide ausgezeichnete Leute, fein 
und gewandt, wie es ihrem Volke eigen ist. 

Das Amts-Personal dieser Justiz-, Finanz- und Admi- 
nistrations-Behörden, die sogenannten Mallems oder Schrei- 
ber, sind durchaus Kopten aus £gypten, bei denen die ße- 
i^orgung der Schreibgeschäfte Stammeigen thum geworden 
ist, wie z. fi« die Murmelthier-Dressur bei. den Sawojar- 
den. Sie sind ein durch sklavischen Druck hei;abgewürdigtes, 



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811 

entartetes desefalecht^ das die ehevalereske Unwliisenhc^ft 
seiner IMc^iüdiemi nach Kräften benuzt und Verwaltung' wte 
Volk betri«:t.^ 

Der Central-Pimkt der Civil-Verwaltung sind die für 
die verschiedeijen DepaHements derselben zusaiumengesezten 
KonseÜÄ, die iBRAHiM-Paselia, der sich die oberste Leitung 
der Civil* Verwaltung als Gouverneur von Syrien vorbehält 
ten hat, ^unäciist umgeben, und die allen Beschliissen und 
VerordniingeVf die Kraft geben, die ihnen als oberste Staats^ 
Behörde zukommt. Die Militär- Verwaltung stand unter dem 
Avackern Soliman - Pascha (Selves), dem kommandirenden 
Genertal Von Syrien. 

t3m die Maclfit d^r Miisselime in den gi*össern Städten 
nicht zu unumschränkt sich entwickeln zu lassen, bestand 
eine merkwürdige Einrichtung, die wirklich einen Beweis 
gibt, wie seiir es dem Vizekönige daran gelegen war, sei- 
ner Verwaltung eine humanere Form zu geben, und sie 
mehr und mehr cfuropaischen Prinzipien zu nähern. Eine 
Einrichtung, die ihm und seinem Stiefsohne iBRAmM * zur 
höchsten Ehre gereicht und die darin bestand, dass in jeder 
Stadt von mehr als 2000 Seelen ein Gemeinde-Rathaus den 
angesehensten Einwohnern^ zusammengesezt war, den man 
den Diwan Schori 'nannte, dessen Präsident ' durch die Ein- 
wohner selbst gewählt wurde und welcher Rath durch den 
Musselin! nicht aufgelöst werden konnte. In diesem Rathe 
hatten die chilstliehen, wie die muhamedanischen Untertha- 
neu ihre Vertreter. Die Stellung dieser Diwans war dem 
Müsselim gegenüber eigentlich eine berathende, indem in 

* Ci-üT-Bey in seinem Aperyu general sur i'Egypte j Tome I, pag. 
64 sagt: dass IBBAHIM-Pascha der wirkliche Sohn Mehembd-Ali's sey^ 
indem er 1789 zu Kavalloj zwei Jahre nach der Heirath seines Yaters, 
geboren warde. Dagegen thcilt RtrpPBix in seiner Reise in Abessymen, 
I. Band S. 81 eine ihm von einem hohen egyptischen Staatsbeamten ent- 
worfene Stammtafel mit, der zufolge iBBAUiv-Pascba der Sohn erster 
Ehe von Amina Hanupi ist, die Mehemkd-Ali als Wittwe heirathete, deroy 
gemäss iBitAHiM-Pascba nicht der Adoptiv-Sohn, wie Viele sagetf,. fiondern 
^er Sticfs9hi^ in EH^MBD-Au's. ist, .welcher Ansicht beismstimnica' a«ch 
ich meine Gründe habe. • . . . . ; ». 



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S12 

wiHitm f%mm Filkn, lii denen der Mi'tss^Iitn die Entstheldmigj 
•foht «llei« auf sieh nehmen konnte, er die Meinmip^ dkm 
IMwan« einzuholen hatte. Man konnte aber auch an tmt 
JMwana su DamaaluiH und Acre appelliren, wodurch «te die 
Stellung von Appellattons^e richten einnahmen, und ab lezti 
Instanz war der Diwan vna Kairo 20 betrachten. Da wm 
aber, wie bei allen Einrichtungen der eg^'ptischen Verwal« 
tiiag, aber der Form die Sache ans dem Äu^ verlor, sij 
blieb auch diese Institution, wie wir iiehen werden, nicm 
als eine sehöne Komödie und war für die Unterthatten oMj 
lOlea Erfolg. j 

Die Emire der Bergbewohner, der Drusen und M«^ 
piteu, blieben zwar in dem Besitze ihrer Länderelen vjdj 
der Ausübung der Geiiehtäbarkeit in denselben, wurden «M 
in dem Augenbliclie, als der Vizekönig^ als Eroberer in Syrie« 
auftrat, nicht bloss in ihrer friiheren tributaren Stellung der 
neuen Regierung unterwoifen^ sondern auch in vieler iid^ 
rf^r Beziehung in der Ausiibung ihrer früheren Unabbälif(^ 
keit beschränkt. Die in Hau ran oder Huran wobaeojei^ 
Drusen und Christen, meist nicht iiiiirte Gi-iecheii, b&b« 
zwar ihre eigenen Uiiuptling;e^ unterstehen jedoch mit die«» 
unmittelbar dem Pascha ihrer Provinz, nämlich dem im 
Damaskus. Wenn ich daher von den Drusen und Msrooi- 
ten spreche, die unter ihren eigenen Emiren einen eigenes 
Körper im syrischen Staate bilden, so sind nur jene dam»- 
ier zu verstehen, welche den slidlichen Theil des Llbui<» 
und des Antilibanon bewülint^n. 

Der Libanon ist in m innere Distrikte getheÜt^ z. ß> 
Schuf, Schahar, Dschebel, Mctn, Hrassdu, Scbiiifa etc, wel- 
che von eigenen Emiren beben seht werden, die, als GSt^r: 
der uralten f&rstlicheu Familie Schaab, Verwandte des Km 
Bzsquia sind und als solche In ilim so zu sagen ihren fi* 
melnsefaafillehen Vereinignng^spunkt haben*. 

^ Sc4ir interesiiaiite Mitlbrilimgcn über die Ytrimtmtm^ämmi 
vollirr i» iie«f«tpr Zeit finden nkh in: 
La S^iJe toii8 le Ufonvernement dp Meheihkd-Ao* ptrP*»»füi:i^ ^^ *' 
Voyage dans fAme minevre, enSjrrie, e u E'jp^pt« ek^; itm • 
S Tom. Bruxelleo 1S41« 



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613 

Jefer befleut«ii4b i^oti Dtimto nder lUroriiteti fceWo^tfte 
Ort bot «einen Scheeh, der alle «dminisIrfttiTen, justittelleti. 
tmd finandeilM Clttacb&fte in seiner Persdn vereftit Er lefc 
Frledeneriebter uhd sammelt die Abgaben für Reehming^ dds 
Emirs ein, die dessen Einkänfte bilden niid wofftr elr^dei^ 
Regierung den auferfegten Tribut eatrfebtet. Eih grosse)^ 
TheH der CivilVerivaUnng liegt bei den Maiüniten ftberdless 
bi den Binden der Geistltcblieit, die durch ihre ansgedehni 
ten Besltzongeti sich in jeder Besiehung die böobste Bedefr^ 
tnag erworben haben. 

Aiese Mücht der £mire, gegenüber ihren tJntert1ianen]|[ 
ivar unter der Pforte ganz uneingeschränkt, die von itlEHSMKD«' 
Ali ^Ihgesezte Landesverwaltnng nimmt aber darauf in vie- 
ler Beziehung unmittelbaren Slinflüss. 

Als Oberbehorden in gerichtlicher Beziehnng sind fw^ 
alle Fälle, ivejche Religion und Moral betreifen, bei deil 
Maroniten die Patriarchen zu betrachten, fnr die Fälle ab^r» 
%velche im engem Sinne des Wortes Gegenstand dqs Ciyj^ 
Gerichtes sind, bestanden drei Richter ^ einer zu Oeir el 
Kamar für die Drusen,, einer, ein maronitischer Bischof^ 
zu Suky und einer, ein maronitischer Diakonus, ze Sgorta^ 
Von den Entscheidungen dieser Richter konnte an die. Vpc^ 
son des Emir Beschir appeliii-t wejrden« Die Entsch^ldupg^n^ 
selbst geschahen nach den türkischen Gesetzen und beson^ 
ders für die nicht mubamedanischen Unterthfinen, die Ma- 
roniten z.B., nach den für dieScbaafie, eine Sekt?,, vorgisf 
schriebenen Normalitäten. 

Absolates Grondeigenthnm fiand in den BesttaEnngen der» 
Emire nur von ihrer Srite und von der der Kldster statty 

Aperen g^^n^al Bur l'Eg^ypte, par CuoT-Bej, 2 Tom. BitueUes .1840« i 

£d. Blondbl, deux ann^es en 8yrie et en Palestine. Paris 1841. . 

Acht Wochen in Syrien. Beitrag* xur Geschichte des Feldzuges t840. 

Stuttgart 18ll. ' 

Deux annies ^e KhistoSre d'Orient, par Caoalvj^ns et BarraÜIt. Tom. 2.' 

Paris 184» «tc; 

Altere N^richten in YoMr% BimiHunoTV, Pocookb's ele. Rcifw^ 

wierltea, ^ 



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814 

4it Ui^l^baiieii sind nur die Pichier ihrer UMereie«; da 
jedodi 4)6se Pa4:bton|^Q sehr haofig erblich nod der Familie 
des Pachters 9 in so lauere sie besteht , aaveranderlieh zuge- 
eicAiert sind,. so entstdit dadurch eine Art Feudal • Systeoi, 
wohin adich seibat der Landesbesitz von Seite des £iDin 
1^. rechnen ist, der als ein erbliches Lehen betrachtet wer- 
den hasp. Fiir diesen Grotidg^ennss haben die Dntertlianeo 
der £niii:€ die Oblieg^enheit, ihren Fürsten im FaUe does 
ai^lli|Q^erg;eheu.dcn Aufrufes zu. umgeben und ihm den ttei« 
stand der Waffen zu Scl^utz und Trutz angedeihen zn las* 
sen, so wie der Emir die Obliegenheit hat, der Landes- 
Regierung den nöthigen Beistand zu leisten. 

Auf diese Weise war die Verwaltung in den Distriktes 
der £mire organisirt. Sie war nicht weniger mangelhafi 
und nicht weniger Missbräuche zulassend, als die der Goa- 
Vernenrs in den übrigen Theflen von Syrien ; und wurde der 
Dhick äer Verwaltung auch 'den Bergbewohnern von Seite 
der Emire, und zum Thell vielleicht sogar in einem erhöhten 
Maässtabe , zu Theil ; so war doch andrerseits für dieselben 
In' ihrer Verfassung der grosse Vortheil nicht zu verkennen,« 
da^ ihre Furzten aus ihrer Mitte waren, dass sie ihre eigene .1 
Tüito der Laudes-Verwaltuiig separirte Gerichtsbarkeit hatten 
nnd dass die Aufrechterhaltung ihrer Rechte von den Emiren 
schon Ihrt^r eigenen Existenz halb» eifrigst bewacht werden 
musste. 

' Htnisiehtlieh des Grandeigenthnms lebte das turkiscke 
PMiizi^,-. das seit Sultan Selim*s Eroberung in Syrien heimisdi 
geworden war, auch unter der egyptischen Regierung fort 
ttrnndeigenf]iümer konnte n&mlich im Geiste der Verfassung; 
i^ttr.der L»andesh^rr, 4\e Kirche oder eine milde Stlftoag 
seyn. Die Unterthanen waren nur die Pächter, die nach 
Gutd&hken der Regierung von ihrem zeitlichen Besitze ent- 
fernt werden k(Ninten uihI nach deren Tod derselbe ohnebfit 
wieder in die Hände der Verwaltung oder viehuehr in die 
des Landes heiin zurück (ieJ. Im Laufe der Zeit jedoch ge- 
schah es, dasf« die türkischen Paschas vielen Familien den 
Kut/«genuss ihres Fachthesitz.es nicht nur lebeus\kng\k\^, 
sondern sogar erblich für Ihre gau2e Kaehkommejidchatt 




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815 

canicherten Diid ihnen dariiber eig^ene Urkunden, sof^hannte 
BiijvnH, eine Art Firman oder Lehensbrief, ansfertigten* 
Auch die Moseheen und milden Stiftnngen. verliehen den 
Paobtbesitz Ihres Grundeigenthums erblich an gan2e Fami- 
lien nnd ihre Nachkommen. Ein merkwürdiges Vorrecht 
g:ibt das Gesetz auch den Franen, demgemass diese nnge« 
stört im Nutzgenusäe von Grundstücken bleiben • sobald sie 
dieselben erworben haben. Viele Syrier besitzen daher in die- 
sem Sinne Landereien auf den. Namen ihrer Frauen. Alle 
diese Verleihungen . wurden von . der egyptisehen Regierung 
in Syrien, aus gsten Granden stets respectirt,. und nie tral 
in diesem Lande jene willkürliche Auf bebu hg dieser 'eiUI« 
dien Pachtungen und des Grundbesitzes der Moscheen «ni 
milden Stiftungen ein, die Mehemsd^Ali in £gypten Tomafam* 
üemuageachtet aber fand ein Grundbesitz von Seite der 
Uuterthanen im engern Sinne des Wortes dadurch nie statt, 
>veii der Landiesberr, den bestehenden Prinzipien nach, doch 
immer der Herr alles unbeweglichen Besitzthnms blieb« 
Eine wichtige Änderung ging mit Beginn der egyptisehen 
Herrschaft in Syrien hinsichtlich des früher daselbst statt 
gefundenen Abgaben-Systems vor. .Die direkten Aufiageii 
wurden erhöht, jedoch hörten dagegen, der Verfassung nach, 
aiie jene willkürlichen Erpressungen der Pascba*s, jene 
Reihe von Auflagen auf, die die Gouverneurs unter gar kei^ 
»em andern Titel , als weil sie plötzlich Geld brauchten, 
so oft den Uuterthanen auferlegten und mit barbarischer 
Strenge eintrieben, . als sie nur woUteh. Die egyptlsche 
Verwaltung sezte folgende direkte Abgaben fest, als: . 

1) Den bereits von Sultan Selim eingeführten Miri oder 
die Grundsteuer. Diese Steuer wird von den Unterthanen 
für den Nutzgenuss ihrer Ländereien im Maasstabe der Qua- 
btät derselben entiichtet und zwar für den. Feddan*.von 
5 a bis 2 fl. Konv.-Mze. Die Moscheen und milden Stif- 
tungen Vikaren von der Entrichtung dieser Abgabe nicht ans~ 
genomm^i. Wäre dieser Steuer eine genaue Verntössung 
des kultivirbären Landes, eine genaue Abschätzung seiner 

♦ 'Ein .Fe^d«^ ^' 40,8r53 ären =i: 408J,33 DlÄrter m^d^n^äM 
36,800 Pariser Q Fu»«. 



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810 



V^odiiktliNis-FUilgkelt und ein« orientlfehe fertbelloiig und | 
Ordssenbestiminoiig; der efnzelneti Chrond*Parxelleii zu Grande | 
gelegt worden, so wäre sie trotz ihrer bedeutenden Hohe | 
f&r den IJntertlianeo niclit so drückend g^ewesen, als sie es | 
dadwrfi wurde, dass jene^Bestimmang^eii nur höchst wMIkiir« 
•lieh TorgeaomnMn wurden, die Abschätzungen der Prodok« 
tionsfiUifg^keit unwalnr, folglich die Zoreehnungen der Steuer- 
Betribge ulibilUg waren. Noch drudLender, schon dorch Ihre 
Natur von Vorne herein, war eine späterhin von der cgyp- 
tischen Regierung eingeföhrte zweite Art des M f ri , der so« 
genannte Miri aohdar, oder grüne Miri^ der darin bestand, 
daiS'Von allen fruch'ttri^enden Bäumen, als: Oliven, Maui« 
heerbäumen, Feigenbäumen etc., ein gewisser Betrag gezahlt 
werden mnsste. Ffinfzig Stöcke oder Bäume bildeten einen 
Deram und jeder solche Deräm war mit 2^ Piastern oder 
Ift kr. Konv.->Mze. jährlich hestenert, indem man annahm, 
dass dieser Betrag so ziemlich 5^ des in mittelmässigen 
Jahren aus den Früchten dieser Bäume zu boifettden Ge- 
winns ausmachen möge. In einem Lande, das auf grone 
Strecken, wie am Libanon, keineswegs zu den fruchtbareD 
gehört, wo der Mensdi mit unsäglicher Miihe dem Felsen- 
terrain durch Terrassenban einen Fleck abringen muss, anf 
welchen ein paar Bäume hinasusetzen er im Stande ist, ßr 
deren Ertrag er in jeglicher Beziehung, bis anf den Besen 
herab 9 den er aus dem Reisig derselben, oder aus ihrem 
Baste, verfertigt, wieder eigena besteuert wird, ist eine sol* 
che Abgabe höchst druckend, und um so mehr, da sie gerade 
am schmerzlichsten den ärmsten Theil des Volkes trlflft, der 
reüi mit seinem Ldbensnnterhalte auf diese Kateg^orie der 
Boden-Produktion hingewiesen ist Daher kam es, dass die 
Unterthanen ihre Baumpflanzungen vernaoblässigten, sie dort, 
wo sie nicht gerade von ihrem Ertrage abhängig waren, so- 
gar vertilgten nnd oftmals um die Gnade baten, sie von ei- 
Bern Besitze zu entfernen, bd dem ihre Existenz unmöglich 
war« B^ Entrichtung dieser Abgabe fanden aach ausserdem 
von Seite der Gouverneurs Missbräiiobe SMUioherlei Art statt; 
fo ist ^ faktisch I dass diese Baumsteuer oft lange vorher 



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817 

sehon eriioben wurde, bevor die BSiitne so weit geiHeheil 
waren, ifkm sie als ertragsfilhtg^ betrachtet werden koaiiten* 

t) ' Der Cbaradsch , die ebenfalls schon seit alten Zeiten 
bestehende Kopfsteaer der Rajas. Diese wnrde vom 19. 
Lebens^hre an von fedetoi ehristllehen Unterthanen der Re* 
glerasg^ In einem ffthrlichen Betrag;e von 43 bis 54 kr. KonV.^ 
Mze. enIrlehM;. Da sie in Piastern bemessen war ntid de^ 
ren WerMi frtlier angleich hdber stand als spater, so war 
bei gleicher Piasterzahl der eigentliche Betrag diesem 9Stt 
die Christen niebt sehr ehrenvolle« Stener Mher am^h ein 
weit bedeutenderer. 

8) Die Personal-Stener, der sogenannte Fcrdet el Rnss, 
die ohne Unterschied der Religion von allen Unterthanen, 
nur Civil- nnd 'Militär-ßedienstete ausgenommen, erhoben 
wnrde. Diese Stener ward so berechnet, dass sie den zwölf- 
ten Theil des jährlichen Einkommens l^etragen sollte, war 
also schon in Ihrem Prinzipe eine sehr drückende Maasregel, 
^vnrde es aber noch mehr dadurch, dass das Minimum ihres 
Betrages 9 der voni 15. Lebensjahre an entrichtet werden 
musste, 1 fl. 30 kr. Konv.-Mze., das Maximum aber 5Ö fl« 
Konv.-Mze. betrug, denn anf diese Weise traf diese Abgabe 
nm schhierzitchsten wieder nur die ai^me Klasse des Volkes^ 
bei der der Ferdet häufig den Verdienst eines ganzen Mo- 
nats In Anspruch nahm*, während die Reichen bei dem ffir 
liölieres Einkommen sehr beschränkten Maximum von 50 fl, 
Konv.-Mnnz verhältnissmässfg nur unbedeutend besteuert 
waren. Dl'eset Übelstand wurde noch vermehrt durch die 
Willkürliche Schätzung des jährlichen Einkommens der be- 
steuerten Individuen, die von dem Diwan Schori oft otine 
alle Kenntniss der individuellen Verhältnisse, ohne Eindrin- 
g;en in das Detail derselben, ohne Sinn f5r Recht und Bil- 
ligkeit vorgenommen wnrden, und bei denen der bekannten 
Kestechlichkelt der türkischen und egyptischen Beamten 
alle Schranken geölfnet waren. Dabei wnrde das ganzä 
Stenerwesea mit namenloser Nachlässigkeit und Strafbarer 

* £fn arabIftHier Bedienter Ist z B. mit eln^n Löhn voa IS Maitem 
oder I JL 10 kr> lUfi^JiB«. kMoattieb «dKm gv* beMhk. 



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818 

Gleicbgiiltipkeit gegen efngeschlioiieiie Fehler geführt, und 
Fället, dass ein und dieselbe Person unter verschiedenen NAQuen 
ihren Ferdet zweimal zahlen musste y oder doss die Beträge 
solcher Individuen , die durch Tod oder auf andeve- Weise 
aiui der Gemeinde gekommen waren, nicht aafgeh^be», aou- 
dem unter den Rest der Bevölkerung repHrtlrt [wuifde«,. wa- 
r«9 y wie Perribr sehr wahr sagt , gar nicht :so 'selten. 

Als indirekte Abgaben sehen wir im egyptit^^ben'Ver- 
waltungs^ysteme : ;: • ,• f. :- 

i 1) pie Zölle sowohl für die Einfuhr anslän^iseher Waaren 
als den Handel und die Konsumtion derselben iih Lande Selbst 
Das «ganze Zollwesen war an inländische Nego^nten verpach- 
tet, die mit der bekannten Habsucht, Geldgier undji dem ihnen 
bäu6g eigenen, schmutzigem Eigen nutze i^ich zahllose Vexatio- 
nen erlaubten, die vorzüglich die inländischen Parteien trafen; 
denn die europäischen und unter einem europäischeiii ^chntze 
stehenden Handelsleute waren meist durch die Bandeistraktate 
pder sonstigen Übereinkünfte ihrer Nationen geschiizt, theils 
schuzte sie an und für sich vof solchen Willkürlichkeiten, 
denen die Landeskinder ansgesezt waren , die anf Furcht 
gegründete Achtung, die der Europäer im Oriente geniesst 
So kam es, dass die europäischen Handelsleute? bei der £in- 
JFuhr tarifmässiger Waaren in einem syrischen Haien \ bis 
i\%, von nicht im Tarif enthaltenen 3§ des. Wei'thea ent- 
richteten, während die inländischen durchaus 4§ bezahlen 
mussten, und durch höchst willkürliche Änderungen unc^ Er- 
pressnngen dieser Betrag für leztere oft sogar ^if 10 und 
1^^ stieg. Alle Thiere waren an den Thoreii def. iStädte 
einer Abgabe untei-worfen ; so wurde für Qdisen und Kühe 
beim blossen Transport per Stück 1 fl. 18 kr, bis2fl.T6kr. 
Konv.-Mze. bezahlt, waren sie jedoch s^ur. Konsumtion be- 
stimmt, so stieg die Abgabe auf 6 fl. und 7 4. Kpnv«-Mze. 
Ähnliche Taxen waren für Pferde, Scliafe, Ziegen und Ka- 
inele zu bezahlen, so auch für alles Getreide, Futtergegen- 
i;«tände, für Ess- und Trinkwaaien, für Brennmatejriiillen^ 
in so ferne sie zur Konsumtion bestimmt waren oder auch 
l[»lo9. ti;^)sportirt wurden. . Von diesen Ahgabeif w^ren die 
Europäer iu^px^iti iibfie« eigenfinJBedai*£^/>gdii^(i>e£L'ait4 r> > 



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«19 

ty <Stt Abg;abeii an die Mag^a^ine der Regterong; In lia«^ 
tnrai 'ZMi^^Bedarfe der Armee iiämKch massteti alle, dM 
mit^'detn Kutagenttsae von Ländereieo betheilt waren, Im* 
VechafltnliSde ihrer Produktion und auf ihre Kosten an die be* 
natthbartenSehunen (Magazine der Regierung) gewisse Qnan«« 
titäton Getreide, Butter, Oel, Stroh etc. liefern. Die f&P 
die UnteHhanen fixirten Natural-Kontributionen reichten nie 
hiD, diesen Bedaif der Magazine zu decken, sondern lezte« 
rer betrug oft das Dreifache der erstem. Dieses Superplu« 
der IfateraUAbgabe sollte zwar den ünterthanen im Gelde 
vergütet werden; da jedoch sowohl das Ansmaas der Na- 
turaieinlieferungen, als die Bestimmung ihres OeldwertheS 
den Beamten dieser Magazine überlassen wurde, so fieleif 
dabei wieder zahllose fiekurzungen und die schamlosesten, 
gewaltithätigsten Betrügereien vor, unter denen natnrltek 
Miemaffd litt, als wieder der Unterthan. 

Psfttiifiii, der als Adjutant SoLiMikN«Pascha*s die Verhalt«' 
nisse sab und kannte, und der mit edler Freimiithigkeit sieh 
über diese G»egenstände ausspricht, erwähnt des doppelten 
Maases , das'bei diesen Magazinen bestand, nämlich eines 
für den Empfafig und ein anderes, kleineres natürlich , Btv 
die Abgabe. Der Gewinn , der durch diesen offenbaren Be« 
trug^'difen} Beamten zuging, belief sich bis zu 17 § des Ge« 
sammt^Werthes und wurde von ihnen, Muselmännern sowohl 
wieOhrii^ten, als ein Theil ihres Einkommens betrachtet, 
zu dem die Oberbehörden schlecht genug waren, die AugeH 
zu schliessen, »der sie des eigenen Interesses halber schlies- 
sen mussten. • Ich habe des Abscheulichsten dieser Art int 
Oriente so viel gesehen, dass ich gar keinen Grund habe, 
in die buchstäbliche Wahrheit dieser Angabe' Perricrs auch 
nur den mindesten Zweifel zu setzen, und um so weniger, 
da er an d^r ganzen Verwaltung noch bei weitem zu viel 
Lobenswertkes findet und sich durchaus nicht feindlich gegen 
fiAe ausspricht. ^• 

. 3) Die Monopole. Sie bestanden im Ganzen in Syrien* 
untev. der egyptfechen Verwaltung in derselben Form «nd 
der ' Hiuiplsaohie« nach wohl auch in demselben Umfange, 
wie 8i^'4n Egyptea Aur Zeit meiner Anwesenheit bestände« 



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9» 

Jmkm, »M teh bedehe orich daher UtifiiMidl 4lisf9 6e- 
yM9taii4f8 auf das, was ich & d27 dieses e<B(M Bandes 
darüber ^asag^ hsbe. Gaitis jedoch hatte das MottoflMUy«* 
Stern In Syrien nicht jene eaerme Aa^dehnang; wie io: £gyp* 
te% wo es fast die ^anze ISoden-Produktion umfosste tanl 
im. biichstabUchen Siaiie des Wortes, iti Verbindung mit dem 
abrigen Ikacke, dem armen FeUah sieht das Hemdaaf denk 
Lelb0 liess, denn in evsterm Lande bftftte der DntertliaK 
doeb einige Gegenstände, unter den Badenefseugnisaen und 
die weniges Produkte seiner industriellen Bemühuagen zur 
Verwerthuag im öf{entlieheu Handel frei. . Dahin geborten 
I. B« Wein, Tabak, Oel» Fr&chte, rohe uifd verarbeitete 
Seide eta. 

Für die Entriclitung und riolitige £inbringting der dy- 
Steiaisirten Steuern und Abgaben, der direkten sowohl, als 
indirekten,, haben die damit beauftragten Beamten peraonli- 
ehe Veraatwortung; für einige der direkten Abgaben aber, 
YVie fsr die beiden Miris und far den Fordet, haben die Uii- 
terthanen einer Stadt oder eines Doiifesy nach der in £gyp- 
te« eingefahrteu und wirklidh rafflnirt despotisch^ii Verfall* 
ruagsweisey solidarisch, d. b. Alle für fiiaen an haften, wo- 
durch bei eintretender Zahlaagsiunf&hlgkät mehrerer Gti- 
melndeglieder auch deu<^ ihrigen , die für siob im Stande 
Iv&ren^ ihre Zahlungen abzutragen, nicbta bleibt ah die. Au8^ 
ahbt, dem entsetzliehen Fatum, das über ihren. Kdpfeä wal* 
tet^ nicht entgehen zu köauen. 

Da die Bergbewohner des Libanon unter ihren £mi<*eit 
tiaen für sich abgeschlossenen Körper bildea und die egy|>- 
tisebe VerwaUung auf das demselben festgesbsite Abgabetn 
System nur durch den Tribut £inflsss ausübte, den sie den 
Jßmirea für ihren Besitz abforderte und der ia lezter Zeit 
diefestgesezte Summe von 6782 Börsen oder 3i&9,l00 fl. Konv.- 
Mae«^ jabriieb betrug, so hatten die obeastagefübiften Steuer^ 
Regulative auf sie keinen unmittelbaren Einfliie6. .fiie Art' 
and Zahi dar Auflagen, die jedoch die £mire thren Unter- 
ikmen auferlegten, waren zieallieh dieselbea^ vrie in: jenen' 
Tbfdlrä.Syrieiiay die unmittelbar. der egy|»«isobea Rfmicnisg 
interstaadea; liur sahien :mir, dass die Art uqd Wei^e^.diaie 



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8Sl 

Abgäben ekiKiitrdibfi«, wealger barWittaeli, wMfgfr fcretrf^ 
Hod überhaupt eine billigere war. Ware ea bei ebeaerwÜM^ 
ter TribQt£(NrdeniQg geblieben, so halte jene Snviniey i« 
Vergleiehe mit der Volka«ahl und der Be»cbaffenMt den 
Landes y nur eine sehr billige genannt werden köeneui aber 
auch die Emire waren nach Umatandea und besonder» 6mi^ 
die Revolte, die sie, wenn sie sich aneh nicht selbst an di« 
SpiisMi stellten, doch unter ihren Angen geschehen liespenf 
einer B|enge ansserordentlielier Abgaben, Kontribatlonea and 
Vexalionen von Seite der Militär- und Civll»-Beh»rden aiin» 
gesezty deren Betrag sie wieder Uiren Daterthanen au Last 
sezten, deren Schicksal folglich dadaroh keineswegs ein 
gunstigeres war, als das der äbrig^m Bewohnpr Syriens. 

Betrachten wir diese Summe von Abgaben, 4ie die 
egypiisehe Verwaltung dem syrischen Volke aufiMrlegte^ nn4 
die Summen, die ihr daduM^h zuflössen, so kann man sieb 
allerdings nicht genug wundern, dass der Viaekonig nicht 
nnr eben höchst geringen jahrlichen Ertrag von Syrien hatten 
sondern häufig noch Zuscbiisse nmchen musste. Nimmt oaan 
aber dageg;en die Kosten der Erhaltung einer Annee von 
fast 70,onu Mann, die dieses Land und das Paschalik Adani^ 
in lezterer Zeit besent hielt, die fast ununterbrochene Reihe' 
von Kevolten im Lande selbst, die fortwährend kriegerisch» 
Stellung der Pforte gegen&ber, die hohen Beaahlnagen dee 
obern Militär- und Civilbehorden, die der Vizekönig dadurch 
an seine Person fesseln musste, so diirfto sich die Sache 
sehr natürlich erklareik 

Wenn wir zwischen der Verwaltung Syri^is unter der 
Herrschaft der Pforte und der unter der egyptiscben Regie« 
ruQg eine Parallele ziehen und dabei auch noch den a» 
gleicher Zelt stattfindenden Zustand von Egypten beruefa-» 
sichtigen, so ergibt sich folgendes Resnltat: 

Unter der Oberberrscliaft der Pforte Utt Syrien dnvek 
die WiUkiir der Pascha's, die das getheilte Land gepaeht«t 
l^ttea. Die Abgaben waren nicht geregelt und es erreich« 
^en die Erpressungen manchmal eine Bohe nnd waren mftt. 
^«waltthatigkeitea TOrfaiüpft, dKe ihnen den Charakter b^r^ 
^^ütr Beranbnngea der Unterthanen geben. 



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822 

iMeire ^emdem wf(1kilA*11cheti Erpressiingett * dttt^h die 
Pascba^, als Liindespächtel'n, fanden unter c^ypttecher 
Herrseharft zwar in dem Sinne nicht statt, dass derlei Ge- 
walttbaten, wie es unter der Pforte der Fall war, im 
6eiste der Verfussnng von Vorne berein lag^en, da diese 
Paselia*s als die besoldeten Gouverneurs des Landes , niclit 
als dfe Pftehter desselben in betrachten waren; andrerselüi 
aber wafen Missbräuche- derselben Art, oder wenigstens ei- 
ner fth'nllchen, auch unter e^ptischer Regierung hän6g; 
denn es genügte nicht allein, irgend eine Staatseinriebtnng 
zu treffen, sondern es war durchaus nöthig, was man im 
Oriente nicht einsehen wollte, mit Kraft und Umsicht jene 
Verhältnisse herbeizurufen, unter denen allein eine solclie 
In ihrer Idee vielleicht sehr weise ElnHchtong bestehen 
k5nne. Das neuere Gesetz von G&l Hanne z. B. Ist in sei- 
ner Idee menschlich, erhaben, und macht dem Herrscher 
Ehre. In seiner Ausführung stellt es sich als Illusorisch dar; 
denn eä behandelt einen darauf nicht vorbereiteten Stoff; das 
VoMl versteht mit Einem Worte den Geist dieses Gesetzes 
nicht, ond. Was trauilg ist, auch nicht die Beamten, denen 
es zur AriSfibung obliegt. Sie stehen ihm vielmehr feind- 
selig entgegen, weil es eine Religlöns- Partei begünstigt, dfe 
sie hassen. Widerspenstigen, rohen, fanatischen Beamten 
gegetiübfer mangelt der Regiemng die moralische und phy- 
sis<$he Kraft, dieselben kategorisch zu zwingen. In Ihrem 
Geiste zu handeln, und durch solche Aufsehen erregende 
Institutionen, denen sie kein Ansehen verschaffen kann, scha- 
det sie sich nur In dei* öffentlichen Meinung. Unter solche 
verunglückte Spekulationen ist z. B. die Eiiichtung des Dr- 
wan Schori in detr grossem syrischen Städten zu zählen. 
Der anfangliche Plan' war, durch eine Art von Volksvertre- 
tung der im Geiste des Gesetzes begründeten zu unbeschränk- 
ten Gewalt der Behörden dadurch einen Damm entgegen- 
itoetzen, dass die Interessen des Volkes zum Gegenstand 
der Berathung gemacht wurden und von den Gouverneurs 
nicht gerade hin entschieden werden sollten. Es lag eine 
europäische , aber missvet*standene Idee zu Grunde. - Ohne 
darauf eingehen z« wollet^, ob der geistige und sittliche 



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8S8 

HaUAu dei Volkte Aiieh wfrkiteh ein Micher ^tfir, «4«p w 
geeignet machte, durich iDdtvidven aiis seiner Mitte |m Weg» 
iet Berathimg vertreten zu werden-, war dfie StcUting der 
Behörden zu den (Jnlertiianea bereits eine aokhe , diefedeü 
EloflnM eines Körpers der Art, wie der Diwnn Sebori war, 
anftob, folpilidi den Körper selbst htkhst überflüssig jaschte» 
Hsa begnügte sieb, dia Form desGaasien.aafeiifsssea, iresi* 
wechselte sie mit ^leia Wesen selbst, glaubte dnftJi die 
einmal- ansgyesproehene Einrichtung Alles gethaa t» habeot 
and beliümnierte sich nun nicht weiter darum and ging ia 
die Frage nicht ein, ob die £lemente, aus denen das Gaaza 
aEasammengeseet war, wolil von der Art seyen, dass aloli. 
vernünftiger Weise ein Erlelg vorasssetzen liesse« Diese 
war aan aber geimd» nicht der Fall , denn die den B^ftrdea 
untergeordnete Stellung der Diwans- Mitglieder war eioa 
aolche, dass sie, wolltea sie nicht ihre peisdnliehe bürgier» 
licha £xistenä aufii Spiel setzen, es nicht wagen konnten, sich 
den fintscheidnngen eines Kadi, Müsselims oder Pasoha*a 
entgegenzustellen; daher auch alle Appellationen aa sokba 
Gariditshöfe, alle Rückfragen in administrativen SegenstiUH 
den an den von oben ansgegaugenen fiatscheiduagen nichts 
mehr änderten. Dazu kam der im Oriente eine so grosse 
RaUe spielende Eigennutz bei Eröffnung irgend einer AuSf 
sieht auf pekuniären Gewinn, der die Erkenntnisse solcher 
Diwans käuflich machte und, besonders ^in Steueiisadien, 
dieselben häufig gegen Recht uinl Billigkeit aassprechea 
Hess. Merkwürdigerweise wa^en es gerade in Egyptea und 
Syrien die Eingebornen, Chdstea sowohl als Mnhamedanar, 
die in öffentlichen Stellungen gegen ihre Landaleute Meh 
weit mehr UngesetzUchkeiten erlaubten, als die Türken 
selbst, und leztere auch in batrbaiischen Gewaltthatigkelten 
noch weit übertrafen« War es aaeh nicht zu verkeaaea^ 
•dass unter der egyptischen Regierling die ganze Verfassung 
besser und fester organisirt war, als unter der Hervachafl 
der Pforte es der Fall gewesen ist, so leuchtete doch dar 
Mangel eines klaren, positiv iihar alle Fälle steh ausq^re^ 
f^aaden humanen Gesetzes nur zu sehr hervor« Man häuxt» 
auf iUesem »ngeaagenden, di^r Willkür unbeicbränlubaa ttaMt 

SMNtiMHiii, Kei««« f I. B4. t. TkL 5S 

Digitizecf by LjOOQIC 



gtbenien Grand« fort. .Die Relig^ion verbietet 4en Mtaiak 
mäBDern , diesen Weg zu verlassen ^ and die Behauptwig 
dörfte daher nicht zu kühn seyn, daas die Länder, In denen 
der Islain gebietet, nie sich des Segens humaner Verfassun- 
gen in der Idee und in der Ausführung erfreuen werden 
ktouen , so lange sich die Iierrsebende Partei nicht est- 
schHesst, ihr unpraktisches Grundgesetz zu veriassen oder 
an modifiziren, so lange alle Änderungen in ihrer bestehen- 
den Verfassung nur kenntnisslose Nachahmungen der Insti- 
tutionen fremder Völker sind, die man dem eigenen Volke 
mit Gewalt anpassen will, ohne die Nothwendigkeit einu- 
aehen, es erst so denken zu lehi*en, i^'iejene Völker denken. 
Daher sehen wir lauter Missgriffe, und sehen unter laater 
Sllssgrlffen ein Volk tiefer und tiefer »Inken, das unter an« 
dem Zeitverhaltnissen eine glänzende Periode durchlebt. hat, 
und dem ein inneliegender edler, jeder Aiisbildung fähiger 
Stoff nicht abzuläugnen ist. Ich nannte den Kciran, d. L 
das Grundgesetz der türkischen wie der egyptisohen Verwal- 
tung, unpraktisch. Das Ist er auch in den gegenwärtigen 
Verhältnissen. Gehen wir in jene Zeit zurück, als der Islam 
Mine Fahne im fanatischen Kampfe gegen das Chilstenthum 
entfaltete; als die Sultane noch im Schlachtgewühle an 
der Spitze Ihrer durch den Glauben begeisterten Horden 
fochten; als, wie schon einmal erwähnt, der Araber noeb) 
durch den Koran entflammt, vor sich das Paradies, hhiter 
rieh Tod und Teufel sah : da war das Gesetz des Islams an 
Ort und Stelle , da war es praktisch und Ist es noch ftf 
den wilden Beduinen, der durch Jahrtausende derselbe ge- 
blieben ist, und der keinen Drang in sich fühlt, seine Wänte 
zu verlassen und in die Reiben knltivi^ter Völker einzutreten. 
Bei den mit den Europäern in direktem Vermehr stehenden 
orientalischen Völkern ist es anders; die Zeiten, haben sich 
geändert Der Orientale fühlt, wie sehr er im Vorschrettsn 
der Civiiisation zurück geblieben ist; er kennt seine Schwach^ 
dem kräftigen, unternehmenden Europäer gegenüber, und sucht 
dorQh Sprünge das Versäumte einzuholen, was ihm mn^so 
wen^er gelingen kann^ i\ii ilun die Füsse durch seine alten, 
sich gleicbgebliebeiien Gesetze gebunden älnd, die nun ni&ht 




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835 

nehr pndLtheh sinff nnd die einer radikden Reform Bed8K> 
fen, sollen sie ikn in seinen Bewegungen nicht huidem. Bte 
Bedürfnisse des Staates sind andere geworden , die Interes- 
sen des Volkes halten sich mit der Stellung, die das osma- 
nische Reich und seine Zweige gegenwärtig im Systeme der 
Staaten einoeBmen, geandeil. Der Orientale f&hlt das und 
snclit von Ansäen Hülfe, während, dajs Übel in seinem In- 
nern, in seiner religiösen, moralischen, geistigen und politi- 
schen Beföhigung liegt« Nicht ein kindisches Haschen naütk 
Civllisation, nicht ein freches Anftreten im Bewussiseyn in« 
nerer Schwäche, werden den gesunkenen Orient beben; der 
Orientale muss Europäer werden , von vorne hereiii , vom 
Grunde aus, nicht stockweise, wenn er anders dem Europäer 
zur Seife sich stellen will Das ist die Anforderung der 
Zeit, und ihr z» widerstreben ist Untergang; das. iebrtr die 
Geschichte aller Zeiten und silier Völker. 

Der Orientale war von jeher gewohnt, seine Sultane 
in seiner Mitte zu sehen. Sie haben fi^ch in ihren neu 'Ein- 
genommenen Verhältnissen vom Volke getrennt, sie haben 
sich mit Formen umgeben, die der Untertfaan nur schwer 
durchdringt, um zu seinem Herrscher zu gelangen« Der 
arme, misshandelte Fellah wagt es nicht:, gegen den Aue^ 
sprnch seines MQsselim höhern Ortes Klage zu stellen; denn 
bis er dahin kommt, siebt er nur neue.Misshandlungen vor 
sich« Daher bleiben die Einrichtungen zur Appellation voq 
den Entscheidungen der Lokalbehörden an den Land^sberrv 
ohne Erfolg für den Unterthanen. Gelingt es diesem dennocli, 
bis zu seinem obersten Gebieter zu gelangen, so. wird ihngi 
auch meist sein Recht, wie billig, zuerkannt, worüber T09 
Seite Mshem£D-Ali's sowohl als baAHiM-Pascha's glän^nde 
Beispiele anzuführen wären. 

Ein grosser Nachtheil der tiirkischen Verwaltung war 
die Vereinigung der Ausübung der Justiz mit der Admini* 
stration und der Besorgung des Finanzwesens in ein und 
derselben Person, nämlich in der des Pascha. Diesem ÜbeU 
Stande wurde von Seite der egyptisdien Regierung dordi 
ihre Verwaltungs-Organis|Bttion keineswegs begegnet; i^jm- 
fand auch eine Trennung dieser so sehr verschiedenen 

63 ♦ 

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«30 

•GMchaHtsaiveige den damit lietheiltea Peraonen mch stitt, 
tM. hUehm isle doch in ein nnd dersdben Behdide gewisKf^ 
• massen rärelBf, da der Kadi 'sowoii} als der Saraf «ater 
dem mimittelbareii Einflüsse des Mnsseiüns standen, der 
alsa.so za sagen die ganze Regierung seines Distriktes in 
seinen' Händen hatte, ^as tn zahllosen Missbranehea seiner 
Amtsgewalt Anlass gab. Die Last der Abgaben, die ik 
«gy|vtisdie Regierung vom sjnrisdien Vollte erhob, virair aUe^ 
dings bedeutend. Wären sie jedoch im Geiste des SyslOM 
rsgiehBässig erhoben -worden, wäre bei der Beortheilnng der 
Bbsteuernngsfähigkeit jedes einzelnen Unterthaneo, bei der 
Austheflung der 8tener*€luoten mit Gewissenhaftigkeit wid 
Sachkenntttlss zn Werk gegangen worden, kurz, hätte nuoi 
das Steuersystem so ausgefährt, wie es auf dem Papiere 
entitorfin wurde, so wäre seine Last für den UnterthaneD 
bei weitem nicht se druckend gewesen, ah fie ganz wiH- 
iLärftcben Erpressungen es waren, die unter d^ liemchaft 
-der Pforte statt gefunden habclki. 

Läder aber war es gerade der entgegengesezte Falt Die 
d^'r Erhebung des Miri zn Grnnde gelegten KafastralbestiiD- 
tonngeti, %etin wir die Sache so benennen ivallcin, waren 
das Produkt eines höchst nachlässigen und nur beilänfig 
gemachten Anselilages; die Schätzungen der Produktioi»- 
Tähig^keit waren einerseits häufig bedingt dtnrch fiestedhong, 
andi^erseits auf das unbilligste nbertrieben. In einer ähnli- 
chen f^eise waren auch die dem Ferdet el Russ zn Grunde 
gde^en Bestimmungen des jährlichen Einkommens. An «nd 
für sieh eine sehr i>edeutende Last, wurde der Ferdet imr 
dtickendsteti Karde durch die Willkür, mit der der Dhm 
Schon die Beträge diese» jährlichen Einkommens ermittcltej 
wobei einerseits die stiafliarsten TlachläasigkeJten, andrer^eJO 
ffie schamlosesten Betrüg^ereien stattfanden« Nehmen wlmon 
noch die Abgaben an die öffentlichen Magazine der Armee, dl* 
Kopfsteuer der Rajas, die Zdile, Taxen und Moitopole dif 
Regierung j die wahllosen Betrügereien ond Vtxatlooe«| Mt 
Beamte und Pächter ungestraft sich dabei gtgcn die Üaftn^ 
fhaneu eHaubteß| 6o «lelicü \\i%\ dass dM i^ritdie Volk tnl^ 



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«rr 

dem oirg:AtirflSrleii S lw g ft q f B te mc der epfj^tisdita Y«iiifiAltii|;f 
»iebt viel wetd^ Htfe, aU anter den willkftrltohen Erpipeeh* 
amgen der t&rktocbefi PascW«) iiDd das« es eigendich de» 
Drmk durch diese nur gegen eiaen systeoiatiscbeii Druck' 
tertauscbt hatte. Am meiste« tritfen die scbädllchett Folgea 
dieser Verwakuag die Ackerbau - und nberfaattpiLandwirtii* 
sdiaft- treibende Klasse, weidg^r deii Oewerbestand , der, 
meist In grosseren Städten lebend, efaie Menge Wege hütte,' 
sich ehier ungesetxlicben Anwendung dbs Steuersystems tn 
entziehen; am wenigsten wurde der Handelstand dadurch- 
betreffisn, denn theils war er als Pächter der ZMe selbBt 
aktiver Tbellnehmer, theils hatte er in seinem grUsebi* 
Rdchthtnn das beste Mittel, sich unbilligen Anfordenuigfai 
^1 esMefaen. Der acht türkische Grumdsatz^ dkss man den 
Laadsiaiin um so höher besteuern müsse ^ je mehr er seinem; 
Boden abgewinnt, ein Grundsatz, der audi In Sgyf<en t«. 
voller Aasäbung stand, bewirkte eine totale VernaehiääBigdng' 
des Ackerbaues, Indem der Landmann sehr richtig sagte:/ 
»wozu soll ich mehr Fleiss anwenden? Erzeuge loh mehr^ 
so nimmt man mir nvehr^<, ein Üb^Istand, ier^ noch mehiK 
auf die Knltur der Frachtbäume zurück 'wirkte. , • 

Andrerseits hatte jedoch das kräftige ReglmMÜ Mxhe- 
BiED-Atrs und seines Sohnes Ii^rahik dem Lander "Vorthdllei^' 
gebracht, die es unter der Herrschaft der Pfofte total ver« 
misste« Dahin gehört vor Allem der Schute, den die egyp«- 
tische Regierung den nicht mahamedanischen Unterthanen, 
besondera den Christen, gewährte* Der Fanatismus, dar 
^ch vorher bei jeder Gelegenheit gegen die christiichev 
Untertitanen aussprach^ wurde durch ihn wenigstens in so» 
weit gehemmt, dass ^r es nicht mehr wagen durfte, in oA»' 
neu Misshandhingen und Schmähungen anfipttr^en^ die de«* 
Christen heiligen Orte erhielten viele Vorthetle iind erfMu«< 
ten sich eines kräftigen Schutzes; den Christen wurde."!» 
Streitsachen^ selbst Muselmännern gegenüber^ Reeii^ anmu 
kannt, was Mher fast unerhört war; die Christen evhWlmrf 
die Kswilliguiig^ WaflPen tragen zu därfen, und da sie InuU 
niv-Poseba bei Bekämpfang der Rev^slte der nniliamedaiti«« 
z(hea Unterthanen Im sikdliehen Syrien trevzur Sdlte st 



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899 

l9lMlMr4A dMse^BMrfHigiinfir #»6«ir hi }eMr PniMe M> 
ia der die allf^^emcüoe fintwaüfftiiiDg^ der nuhaniedaiiisdieii 
Bevolkeniog statt fand, die isicb erst apiter, in Folge der 
Revolte der Bergbewohner, auch auf die Christen ivieder 
attsdehnte. Den christliclien Kirchen und Klöstern wurden 
verschiedene kleine Rechte eingeräumt, auf die sie einen 
l^esönd^n Werth legten, z. & die Bewilligung, Glodiea 
besitzen zu dürfen, um die Genieinden zum Gebete zu ver* 
aammeld. Christen konnten ungestört Gewerbe und Bändel 
trWben, wlirden sogar s^u hohen Ämtern Im Staate befördert;. 
NaShareien^ wie z. B. das Verbot, auf Pferden zu reit^ v. 
dgl^ bdrtea aaf, indem Ibrahim es sehr gut verstand, die Ms« 
aalnAttiier aiitf das Lächerliche solcher Vorzüge aufmerksam 
SM machen, kurz, die Christen traten, so weit es nar die 
numgeUiafte Verfassung zuliess, in ein rechtliches Verhält- 
niss eiDw So hörte auch der Unterschied der Kleidung aa^ 
und bei meiner Anwesenheit in Syrien konnten sich die 
Christen ganz desselben Kost&m« bedienen, wie die Mnba- 
medaner, nur mit Ausnahme der griinen Turbane, die aus« 
sehliesalicb von den Schedfs, d. h. von den Verwandten des 
Propheten, getragen werden« 

Unter der Herrschaft der Pforte waren die von den 
Büerthanett alle Augenblicke geforderten Frohnarbeite% 
wefar, ausser Schlägen für den Saumseligen, keine Vergii« 
tufig erfolgte^ zwar nicht zu der Entsetzen erregenden Höhe 
gestiegen, die ich in £gypten fand, wo die Frofanarbeitea 
smAi Theil den tandmann ganz in Anspruch nahmen und wo 
er darüber sogar das Land brach liegeii lassen musste, far 
dessen Bebauung er doch so enorm besteuert war; aber sie 
waren doch immer von einem selchen Umfange, dass sie 
entern weirigstens nahe kamen. Auch diese Last wurde 
rater ägyptischer Regierung, mehr organisirt, traf den Chil- 
fltett' wie den Muselmann, während sie unter der Pfarte «m 
stam vorzüglich in Ätispruch nahm, und war so, dasa deut 
iiatdsiiiiw wenigstens Winter- Vor rath für seine Pfenlej 
lÜMsele etc* blieb und er sie auch für seinen Dienst be^ 
»fttsen kehmte; nur bei der Zunahme der Dienste für die 
in. den lezten Jahren der egyptischen Regieruitg 



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8«» 

wufdie die Frohne aiieh für den ^yrbcken UnMrUiatten um do 
nnerträglieher, als man endlich so weit ging^, ihin aekie znnl 
Landbaa und Verkehr dringend nothigen Thiere ganz weg^ 
zunehmen. Diess fand jedoch im Drange der Kriegsverhalt* 
nisse statt und kann nicht als Maasstab aar Benrthettang 
der Verwaltung dienen. 

Unstreitig der grosste Vovtheil , den die egyptische Re^ 
giemng für die biu^erliche Existenz d^r Syrier . mit sieh 
brachte, war die gprosse öffentliche Sicherhett, der sich un* 
ter Mrhbmed*Au und seinem Sohne Ibrahim das ganze Land 
bis weit in die benachbarten Wüsten zu erfreuen hatten 
Rinbereien auf Heerstrassen bis in die entlegensten Thi* 
1er, Diebstähle in Dörfern nnd Städten, waren seltner, ab 
in manchen. Ländern von Europa. Ungehindert konnten 
fromme Pilger alle helligen Orte besuehen, ohne- mehr den 
Raubanfällen eines Abu Gösch zwischen Jaffa und Jenisa-* 
lern ausgesezt zu seyn; unangefochten durchkreoztm die 
Handels-Karavanen, oft die werthToiisten Guiter transportirend 
nnd nur von ein paar Menschen begleitet, das Land in alfeü 
Richtungen. Während man es unter der Herrschaft der 
Pforte kaum wagen durfte, ohne zahlreiche Begleiter in 
der Nähe der syrischen Kustenstädte z« reisen, durchzog 
icli allein mit vier Beduinen und meinem schwarzen BeiHenten 
im J. IS38 das ganze peträlsche Arabien nnd das ganz« 
siidliche Syrien, rdste aliein mit meinem Diener im Liba« 
non und Anlillhanon kreuz nnd quer. Während unter der 
Herrschaft der Pforte die Kurden nnd die Beduinen vom 
Stamme Anesi die Ebenen von Nord-Syrien und* Karamanien 
in Alasse durchstreiften nud die grössten Karavanen auf» 
hoben, glichen meine Reisen daselbst mit meinen europäischen 
Geehrten und ohne alle Bedeckung wahren Lnstrelsen, und 
wir waren, ohne Irgend eine Gefahr zu treffen, einzig und 
allein nur jenen Strapazen ausgesezt, die das Klima und 
das unhalteode Reiten mit sich briagen und gegen die keine 
Macht der Erde schützen kann. Während unter der Herr« 
Schaft der Pforte keiu Enfoopäer es; wagen konnte,, ohnedea 
^Mtigen orientalischen Kostüms sich zu bedienen, in irgend, 
«mer syrifcheu. Stadt sich sehen zu lassen, traf ich. I« 



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J^nnalei» ittehrilre deirfsche RanctwörUbaraMie, die •fant 
BeghUong^ und oliiie nur ein Wort der Laodesspraclle m 
•Yeretefaeit, in ihren eurc^päDiohen Rleidera gB.nz P^MMoml^ 
obna die nindesie Unbiide zn er&hreii^ durchreist kalten. 
Jiixi&g begegn'eten m^ir auf abgefaagenen Gehirgsip^e^en eiih 
zeln reisende, unbewaffnete Europäer^ die auch nicht im ent- 
ferntesten daran dachten, daas ihnän von Seite der Landes- 
Bewohner. etwas Übles begegnen liönne. Rabig, wiemitttn 
In Europa^ lebten die Europäer auf ihren ofb ¥on de« Stict- 
ten aetiv entfernten. Landsitzen, und wenn irgend einem Rei- 
senden ein UngKiGlLsfall durch böse Hahd begegnete, sd 
d&rfie devselbe entweder die Folge einer Pi1?atraeh^ oder 
politischem Uartriebe, oder, besonders bei Freindt», des ei- 
genen untorsiclitigen Benehmens gewesen seyn. 

Als Syrien in die Hände der egyptischen Regienrag 
kam, wimmelte das Land von Raubgesindel aller Art) und 
«8 wai^ ein eiserner Ai^m nöttiig, um Ordnung hi das 6e«> 
Wirf 6 KU bringen, fiel einem rohen, ungebiMeten Volke 
kann man nicht durch leere Formen wirken,- es ist ein ener-i 
giacfaes Einschreiten der Gewalt das einsige Mittel; daher 
viele Fälle 9 die uupraktisehe Reisende alsBewdse von Gran* 
samkeit der egyptischen Regierung anfahren, nichts warea 
als nothgedrungene Mittel zur Einführung eines rechtUchen 
Zttstandesy zur Begründung öffentlicher Sicherheit. 

So sehr gedruckt die niedere Volksklasse in Syrien 
durch Abgäben, durch die Art und Weise ihrer Repartitiofl 
und ihrer Erhebung , durch Frohnarbeiten, durch Monopole 
etö. war, so sehr wurde die Gew^erbe-treibende Klasse und 
noch mehr die Handeltreibende der Ausländer begfinstigt, Be« 
sonders war es der Europaer, der sich mehrerer und grdsserei^ 
¥ortheUe zu et freuen hatt^ alä er je im' Lande genoss^ nad 
tnehr ab ihm Yielleicht in.jodem andern Lande geworden wäreDi 
Daher die Kkgen dei' earopiUschen Handelslente über die 
egjrptische Yeriiakung in. Syrien im Allgemeinen gerade 
nicht innner- aw den bescheidensten gehörten, besonders' wenn 
mAn di^ Lajge derselben unter der Herrsehaft der f forM^ 
flamit in. Parallele sezt. Während unter leattttfer der fiaadel 
iberbaupt. fa§t ganat darnieder lag, eriiob' sich wmiigstenü 



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B3t 

fler aiüw&vtlg^ unter der e^^ptfewlieif Regierung mebr qb4 
OMbr« finropaJsehe Haoaer etablirten sieh in Beirut, Aleppo^ 
DlMittAli^, and besonders war Befrut, w^yon ich mieh selbst 
toehr als eHmal nberzeugte, in raschem Aufblühen begriffen« 
Da die ülkterbtutziing , welche den Europäern in Bezng den 
Bandeli m Theil wurde, gleiebsam auf Kosten der einhefr' 
mlsdien Ifegraiaiiten ging, wie wir bei Darstellung der 
iiUtcben Zolle gesehen haben, so fiel sie dem iulandischeii 
Verkehr niofat unbedeutend aar Last und gab, da der grössta 
Thdl des Gewinns in die Hände auswärtiger Kanfleute ging^ 
Stoff KU nidit ganz ungerechten Klagen von Seite der in* 
Ibdiseben Kaufleute, Syrien wurde dadurch ül^erscbwemiat 
mit earopÜBohen Waaren, rohe Produilite gingen ansser 
Laiidy und dasselbe kaufte seine eigenen Erzeugnisse wiedet 
im Ttratfbeiteteil Zustande« Die Regierung that gar niehtsk» 
ms diesiui offenbaren Übelstand dadurch zu beseitigen^ dasa 
sie die fnlandlsehe Industrie zur Verarbeitung der eigenen 
Rohprodukte ermuthlgt hätte ; sie that nichts zu ihrer Be* 
fördleruftg^ und daher kam die Passivität des syrischen 
Handels^ dadurch entgangen dem Lande grosse Summen und 
daruftiter litt der inländische Handel ansserordentlicb« Syrien 
wardureh seine Seidenzucht ganz darauf liingewiesen , hl 
diesem Zweige grosse Geschäfte zu machen, aber es geschah 
nichts, um inländische Manufakturen in gi*ossem Maasstaba 
ins Leben zu- rufen, und Frankreich gewann durch seine 
Seklenwaaren ein für Syiien drückendes Übergewicht, das 
Bo sehr zunahm, dass in den lezien Jahren der egyptisohen 
Regierung mehrere Häuser in Aleppo und ^Damaskus ihre 
Gescbfäfte einstellen mussten, worunter in ei-strer Stadt sogar 
auch einige europäische sich befanden. Übrigens musste 
man noch stauneu aber das, was die Syrier zu Stande brachs- 
ten, wenn man die geringen Mittel in Anschlag bringt, mi^ 
denen sie arbeiteten, und wenn man berücksichtigt^ dass 
Niemand war, dei^ ihnen unter die Arme griff; denn einige 
europaische Häuser, die diess versuchten, gaben ihre Pläne 
bald wteder auf, als sie sahen^ dass die Sache bei der Re^ 
glemiig^ keinen Anklang findet nnd dass sich far sie keM 
Gewinn ergebe. Unter ^de« Seidenwaareii zeichneten* stcM 



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832 

l^ondeni die mit Gold lind Silber darclmtrkten schweren 
und sehr schönen Stoflfe von Aleppo aus, die in ganz Syrien 
tmd in den benachbarten Landern zn Kleidongs-Stüciien sehr 
gesucht werden; so sind auch dnreb Ihre innere 6&te and 
ihre lebendige Farbenpracht die Binden und Sbawls von 
Tripolis berühmt, und mehrere Waaren dieser Art, z. B. 
Teppiche, die den persischen gleichstehen, zeigen, was die 
liidustile in Syrien leisten könnte, wenn man sie befördern 
wfirde. Statt aber dieses zu thiin, statt uneigennützig das 
Wohl der Nation vor Augen zu haben uud auf dieses Eine 
grosse Ziel hinzuwirken, was jedoch selbst ntcHEMSD-Ait, 
den wir doch mit Napier für den gescheidtesten Türken hal- 
ten müssen, nicht begriff, legten die obersten Staatsbeam« 
ten selbst und darunter vor Allem IsRAUiM-Pascha , der in 
diesen Angelegenheiten eine kleinliche Schmntzigkeit des 
Charakters nicht verbergen konnte, der Industrie und Boden- 
Knltnr direkte Uindeinisse dadurch entgegen, dass sie selbst 
als die Iiedentendsten Negozianten auftraten und durch* ihre SteU 
lung als die obersten Beamten jeden Unterthanen erdrückten, 
der es gewagt haben würde, mit ihnen concurriren zu wollen. 
Dahin gehören die Aufkaufe der Cerealien und anderer 
Bodenerzengnisse vor geschehener Ernte , im Wege der An- 
tizipation, konnte der Landmann sein bedungenes Quantum 
nicht inne halten, so entschädigte man sich an seinen Pfer- 
den, Kamelen etc. An diesem Handel, der enorme Pro- 
zente trug, den Landmann aber von seiner verletzbarsten Seite 
ergriff und Ihn rein zu Grunde richtete, nahmen Europäer 
sowohl als inlätfdische Negozianten und die höchsten Staats- 
Beamten, IsRAHiM-Pascha nicht ausgenommen, Theil*. 

Nach den Erhebungen der französischen Konsulate in 
den Jahren ISaö bis 1840 gibt Perrier für den syrisciien 
Handel folgende Daten: 

* IBRIHIM-Pasclia, der sehr schone und grosse Gärten auf der Insel 
fthoda bei Kairo besizt, verbot im Jahre t838 den d£Fentiicben Verkauf 
dM Weintraaben auf den Märkten >on Kairo in so langt von Amtswegen» 
bis er «eine eigenen verkaoft halte. Dieaa als Beiefj^ för •eino.DfskireiM 
in socialer und komnierzieUer Besiehung. 



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833 

Der jithriiclie Durchschnitt der verzOglicbsfeD Pr«dak« 
tion des Landes an Rob-Erzeugoissen betrug: 
As BaamwoUe 3600 Qulntaux* oder 6444 Zenlnsr^ 

f, Seide 1700 „ » 3043 n 

n Tabak 10700 , „ 291»S » 

» Alizart 250 . ^ 447^ » 

,» Schwänunen 60 ^ ^ 1074 ;» 

etc. Von den 3043 Zeutuern Seide wurden 2148 Im Laude 
verbraucht« Ausserdem erzengte Syrien eine bedeutend« 
Quantität an Wein, Öl, Seife etc., welche Gegenstande ahet 
auch meist im Lande l^onsumirt wurden. 

Der Werth der jährlichen Einfuhr betmg 4,436,067 fl^ 
Konv.*M£e», der der jährttchen Ausfuhr 2,087,427 ft. Konv^ 
Mze., woraus sich eine Summe von 1,748,640 fl. KoBT.-Mse. 
ergribt, die Im DurchsehnUte jähriich durch die Passivität 
des Handels dem Lande enteogen wurde. 

Den Durchschnitt der jährlich auf der Rhede in Beirut 
einlaufenden Schiffe, meist nur ganz lilelne Fahrzeuge, gibt 
PsRRiER zu 1340 mit einer Last von 7848 Tonnen, die Zahl 
der auslaufenden Schiffe zu 805 mit einer Last von 3605 
Tonnen an, Angaben, die ich mir nicht zu verbürgen getraue« 
Wenn wir obenerwähnte Ein- und Ausfuhr nach den 
Staaten betrachten, in die sie ging oder woher sie kam, 
80 sehen wir liei der Einfuhr, dass dieselbe am bedeutend« 
sten von Egypten war; diesem folgten im Range des Betra- 
ges der Waaren, die sie jährlich nach Syrien brachten: 
Türkei, England, Frankreich, Toskana, Österreich, Griechen« 
land, Sardinien. Bei der Ausfuhr hingegen stellte sich 
diese Reihe nach dem Geldbetrage der jährlich ausgeführ- 
ten Artikel so: Egypten, Frankreich, Toskana, Österreich, 
England, Griechenland. 

Aus dem bisher Gesagten erklärt sich das verschiedene 
Urtheil und die verschiedene Stimmung, die der Reisende 
in Syrien faiid und die ihn nothwendigerweise zu ein^m 

* Es Ist XU v«niiathen, dass bei diesen Angaben das neu-fraiizMstihe 
MuM zu Oroiide liegt and daiis wir also 1 Quintalss 100 KUosraiNnaa 
179 Wiener Pfände anaebmen kSoaen. 



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834 

ftfais^^n l^nii^c» TeiMleit moMtefi, WMn er nMit die 
Sotnine der Fdkta iberblk^te» Der LaRdMaim beklagte siek 
Vmetj die chrhtHcbeii UnterihtoeB, tou ihrem frülierii fkreh- 
terllchen Druck liefreit und wenigstens zum gröeeten* Theil 
in ein recbtRches Verhältnias versezt, klagten weefger, k>b- 
ten sogar die egyptische Regierung und besdudevs die Per- 
sönlichkeit btiAHiii-PaBcha*8w Inliindische Gewerbeleute ood 
Negozianten, nicht beOhtgt, den elenden Zmtattdl ihres In- 
Amtlrie* Wesens zu dnrehblicfcen, klagten, im Falle sie kdiie 
Zdll^ftehter waren, freuten sich aber, werni irie es waren, der 
öffentlichen Sicherheit und der Gewinnste, die ihnen Me nad 
da ohne weitere deflUirdung zuflosseo. Die fiurepaer lob- 
ten oder scUmpfien, je nachdem es ihr Vortheil . erbeiscbe, 
knrs, nma mnsste die ganze WIrthseiMift selbst sdicn niil 
jpenaii sehen, um der langen Reden kurzen Sinii zu erfah- 
ren, und der war „Elend der untern Volksklasse'^. Jedoek 
nicht der Druck der Abgaben, nicht der der Frobnea, nicht 
der der Monopole, die mehr und mehr si^b awdebnteo, 
•lebt der war es, der die zahllosen Jäevolten der Syrier her- 
beifahrte , nicht der^ der später den Aufstand der Beiigbe' 
wobner in Masse zur Folge hatte« Der schrecklichste der 
Schrecken für dieselbe war die Rekrutirung, ein ihneo bis 
dahin gänzlich unbekannter Akt, der sie mit Entsetzen und 
Erbitterung erfüllte. Sehr oft gestanden mir Maroniten so- 
wohl als Drusen, „sie wollten gerne noch mehr Abgaben 
zahlen, sie wollten gerne für den Vizekönig streiten, nur solle 
man sie nicht zu Soldaten zwingen, und den Regimentern 
etnrelben^^, ein für rohe und in ihrer Art freie Bergbewohner, 
die das Mothwendige einer stehenden Armee nicht einsahen) 
naturliches Raisonnement. Diese drohende Stellung des kri^ 
gerischsten Theils der Bevölkerung gegenüber der Regie- 
rung war die Ursache, dass man in Syrien die egyptische 
Verwaltung nicht in dem Maftöstabe einführte, wie sie in 
Egypten statt fand, daher in Syrien das Elend zwi^r immer- 
hin eine bedeutende Stufe, aber nie jenen namenlosen Grad 
enreiobte, der den egyptischen Fellali zum ärmsten Sklaven 



Die Rekmtimng war hbisiehtlich Ihrer filaf&hnwg i» 

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Sfi\ew¥lm m dtoMkater^egienfttAhd, dM» deiMÜM^ie Michite 

Urosielit, Hb f römrte Klngheit erfopdert ti&Ue. Man ginl; 

dabei m rasch und n wlidi^lfeii vor sicti. Man be^tm 

Mit der Entwaffnaag der Bnmein und Maroniten, und c^|i- 

^aehe Regimeafer beaezten daa Gebirgaland. . Schon ta 

J. I8M zirigten sich zemtreute Rerditen zu Na^iaa oad 8« 

Hribroa; doch die £ntaciiio88enfaeit hiuviM^Paadui'a uMei^- 

druckte sie sogleich unter den Trümmern der Stldte aad 

Dörfer. Ernster mar der allgemeine Anfstand der Drtiae» 

in Bknran im J. 1836*. Die egypUschen Tmppen «riillea 

grosse Verlaste, einzelne Massen mnirden sogar fSmilicib 

anfgerieben, doch auch aus diesem Kampfe ging laEanii»- 

PaschA als 'Sieger liervor. Fnr die Gbristeo^ die der itgfjh 

tiacbtfi Arm^e Beistand geleistet hatten, war dieser Sii^; 

von dea besten Folgen, denn sie wurden nun allfi;eni«iaiba- 

walimt, w&hrend die UMhamedaniscben Untertbanea nnd 

Drttsen entwafihet wurden. Allen diesen Revolten maag^elte 

fedocli Elnhcftt Und Kraft, d. h« es fehlte dem Körper an 

Einern brauebbaren Kopfe. Die Maroaiten, begeistert lar 

MsnBM8i>-Au dutich die erhaltenen Yorreohte, Uldetea eiaea 

«ieiieim Rücken, als der Fcldang im nördlichen Syrien, gtgtn 

die Armee der Pforte im J. 18ä9 begann. Am 34^ Jaitt 

•deasatten Jahrs schlag iBaAHiM-Pascba die ScUaebt von 

NfasÜi-und zersprengte die ottomanische Armee. Der Statua 

quo etCordeita in Beibehaltung der drohenden Stollnng^ dar 

Pforte gegenfiber die Erhaltung; einer grossen Armee ^ dte 

fSr daa Land Betastungen zur Folge hatte, die es nidit 

»ehr eraehwingen konnte. Die Gemötker waren anfgeregl, 

und im Anfange des Jahres 1840 herrschte bereite allgemaiM 

'CSihrnni; im Libanon. Neue Rekrotimngen, jene verhaaate Mass« 

regei , ealflamnitea die (vernnther volleoda. Um sie durdi»«- 

«etzea, begann man die Christen au entwaflfnea. Da.verda- 

-tan iüch die Maroiiiten mit den Drusen za Ddr ei KaoMMT 

-zur^meinschaftiichen Vertheidigung; ihrer Interessen» Fnamde 

EinUtoso thsten das ihrige, fremde Versprechnn|^en ateigMea 

* Mm sehe über- das ]>ctail dmer Bfgebeahriteo üp oibsä fa8#» 



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83« 

WOL den extravagfiiiitesten' HcrfliiQiigen , Agenten aller Far- 
ben wai*en tliätig;, besonders aber suchte die Pforte anf in- 
direkten nnd direkten Wcg^en diese Gelegenheit zu benntzen, 
•Syrien tvieder an sich zn relssen nnd den furchtbar gevvor- 
<denen Vasallen zu demiithlgen. Der IndirQkte Weg ivar 
4le Revoilirung der Bergbewohner. Sie gelang, denn im 
•Mai 1840 stand bereits der gan^e Libanon im ToHen Anf- 
Tohr. Der direkte Weg war der, dass die Pfbite sich den 
talliirten Grossmächten in die Arme warf. Bereits im varber^- 
gangenen Jahre geschab der schändliche nnd in der Geschiciite 
fast beispiellose Verrath des Übergangs des torklschen Gross- 
admirals mit 4er ganzen Flotte zu Meiamkd-Ali. Leztrer 
-nahm unklug das danaidische Geschenk an uird widersezte 
Yieh der Anforderung der Alliirten , die Tur die Pforte aof- 
traten, die Herausgabe dt^r ottomaniscben Flotte betreifeRd; 
er widersezte sich der Anfforderung, Sj^rien und Karamanien 
'Zn ränmen, und forderte so kiihn, in zn grossem Vertrauen 
atnf sein Glück und seine Macht, das Schicksal heraus. Der 
Schlag geschah, schnell räumten englische und öat^rreiclii- 
sehe Kanonenkugeln , in Verbindung mit den allgemein b^ 
waiFneten Bergbewohnern, das Land, Syrien und ^as Pascha- 
lik Adana waren für Mehemed-Ali verloren, sie wurden der 
Herrschaft der Pforte wieder unterworfen. Eil acheint je- 
doch, dass die Lehren der Geschichte spurlos an lezterer 
vorübergegangen sind, oder es mangelt ihr die Kraft, den 
einmal herauf besciiwornen Geist wieder zu bannen ; denn 
Unordnung uud Anarchie behaupten wieder ihr früheres 
Feld, wie vor der egyptischen Regierung, und was weiter 
geschieht, muss die Zukunft lehren. 

Wie wir gesehen haben, so war Syrien, als es unter 
egyptische Herrschaft gelangte, in die Pasebalike Aleppo, 
Tripolis, Da^iaskns, Seide und Palästina getheilt. PalästiM 
und das Paschalik von Seide, später St. Jean d'Acre^ liegen 
ausserhalb der Gränzen, die ich mir bei gegenwärtiger Be- 
trachtung von Syrien gesezt habe, und werden bei meiner 
Bereisung des südlichen Syrien in Betracht gezogen werden. 
Von den drei Paschaliken, mit denen es wir also hier ztt 
thuo haben 9 ist das von Aleppo das nördlichste, welches 



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•ar 



•cWik« A4m«9 lUrMeh ud OrCt griMt 1« dmi eliew> 
lig» PMckdlke YM Alef^ »iiid MSMr der Uavptyudl 
i\e wkhtigatM Plitse: AinUb, 8auia#nui oder Alei«Mlff«lt% 
AitfMUa wd Utakia. Dm PMchaUk vm TripelU dcluUe 
ädk Mmlackem der Meereskiete omI der UndiebeM ve« 
BMibeek liogs de» Ubmmom ft&dUck bis ze« Nacber el 
Kdb AM ud heetind ehe dnrchaee am eiKe«liiciie«i Hoch« 
{eUigslaiid. Vm bede«tendeii PUUxen eulbUt dieeer DWrikt 
»ir: Tortoee «nd Decbebel, oder Dscbebaili wie Andere 
ickrdbeii. 

Von dem Umfai^^e des Paftchallkes von Seide , epAfer 
TOB Acre, könneo wir oor den nördlichsten Tbeil denselben 
»ock xn MlUel-Syrien recbneo^ wohin die Ungebong vo« 
Bdnit, Mit der wicbti|;en Seestadt dieses NsMens , nnd die 
{Ute L'ngebung des Dschebel el Schech mit de« Gebiete 
it$ obern Jordan eh rechnen sind. Unter die wichtigem 
P&tu dieses Distriktes g;eh5reo, ansser Reimt^ Sschle, Delr 
d lUauBary Mar Hanna el ScbuwAhr, Baalbeck etc. Das 
griechische Kloster zn Mar Hanna el Schuwahr ist berühmt 
iMtfük seine arabische Druckerei, die erste in Syrien und nächst 
itr kleinen in Jahr 1801 zn Kascheya errichteten anch die 
tlntift. Lestere liefert nur arabische Gebetbficher in syri« 
scher Schrift ; was jedoch erstere betrifft , so ist ebenfalls 
der genauen Beschreibung, welche uns Volkit in seinem 
Werke: Reise nach Egypten und Syrien, Jena 1788. Band 
«) Seite 141 etc. davon macht, zn folge und gem&ss dem 
Verzeichnisse der zu seiner Zeit* daselbst aufgelegten Bu* 
<^her, der Werth dieser Anstalt in literarischer Beziehung 
»ur nnbedentend und ohne einen besonders intellektuellen 
Erfolg f&r das Volk. Das Paschalik von Damaskus war das 
grösBte in seiner Ausdehnung und das eintraglichste In Be- 
ziehnng des fruchtbaren Landes, welches es in sich schloss. 
^ erstreckte sich nach seiner alten Begranzuug vom Anti- 
libtQon bis weit in die syrische Wiiste, nämlich aber Tad- 
»<^.(PahB]m) hhuMis, «nd von den Ebenen bd Marra bis 
^m «ebifse CbaUl im Süden von Syrien. Die Ebenen des 

*- Ja 4im Uknm Usa-lTas. 



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SM 

Oreiitefl, Ae bei Hoim und Ihnniiw, mid die sdiotteii^ttege» 
ileo dtfl Haamn waereii s^t Beginn der tfinrkischeirfleiriMiMift 
im ITerhaitntese ibrer Auedehmiiig^ rnid f'rucfatbarkett «iech 
mir weiiig; bevölkert nnd bebaut, und der Mafif^el einer fafiifaera 
Knltnr, die der herrtiehe fieden zuliese^ wnnl* In dem imMt 
krieg^erischen Jahren Immer bedcntender ^nd softailender« 
Die irorsiigKislisteii Städte -dieses »DbMkte» innerhalb der 
uns hier gesezten Oränze aikid, anaser Damaakoa^ Hamma, 
fioma, Bosara, Düraas^ Famiah etc. 

Syrien ist, /was seine Bevölkerung betrifft, von vielerlei 
Kationen bewohnt, verschieden durch Ihre Abstammung, ver- 
acliieden znm Theil durch Sprache , vorzuglich aber, idiurcb 
ihre Religion. In lezterer ist das Prinzip der nation^leq 
Trennung der Völker in Syrien vielleicht schärfer begründet| 
als In jedem andern Lande, nnd nirgends stellt sie vielleicht 
der Sektengeist so schroff einander entgegen. D^r Grund 
id^eaer Erscheinung mag wohl darin liegen, dass dieselbe 
eigentlich von der Stärke des Impulses iabhangt, den ein 
Volk äiirch die Ereignisse seiner Religionsgeschichte erhält, 
und wo hätte dieser Impuls stärker se.yn können^ als dorl, 
wo der Hanptschauplatz der beiden grössten religiösen Re- 
Tolntionen, die die Erde je erlebte, der des Christentums 
und zum Thelie auch der des Islams waren? Wenn wir 
die Abstammung der. Völker,' die Syrien bewohnen, betrach- 
ten, so können wir sie ganz einfach in fremde und einheit 
mische theilen« Unter den erstem, unter den fremden, yer- 
at^e ich zum Theil jene, die in das Land kommen und 
gehen ^ wie es ihr Vortheil erheischt; Wandervölker, die 
keine festen, bleibenden Wohnsitze haben. Zum Theil ver- 
atehe Ich die lezten Eroberer des Landes darunter. Solche 
fremde Völker sind theils mubamedanische, nämlich : Tnrkoma- 
nen; Kurden; Araber (Beduinen, E^ypter als die heuern Er- 
oberer des Landes) ; Türken (als die fi'ähem und neuesten 
JSi;o)>erer); oder nicht*muhamedanische, nämlich: Europäer. 

Unter die dtobelmisehen BeWcfkner -zIMte tA jenei, die 
Ms In die ältesten Zeilen mrOiek, wenn auch noter andera 
Formeoj aber doch dem Wesen «oeh dteeelbeB, im Lande 



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tinJ, feste Hnd Ueibendte W#litirifee hftbn ndi 4eM« 
EinmiidmNii: Miweder ins Bereick dM AitortlunM fiM 
oder {^r nicht genchichtlich nachgewtesen werden kann. 
Anek nie kennen wir der Religion neck eintheilen in neicke) 
die der mukamedanlsehen Lehre oder einKelnen Sditen des 
Inlamn angehören, als: 
Araber, rein und mit Tärken Annarie oder Naaaairier; 

gemiseht; InmaeÜten; 

Drusen ; JesUea ; 

Mntualia; Ketames; 

und in solche, die nicht dem Islam angehören. Diese sind: 

a) Christen. 

M aroniten ; Griechen ; 

Katholiken ; Armenier ; 

Protestanten ; Kopten. 

b) Juden. 

Eigentliche Juden; Samaritaner. 

Nach Peurisrs sehr wahrscheinlicher Angabe iietaig 
Syriens Bevölkerung in der lezten Zeit der eg y | i<iwlw 
Herrschaft beiläufig 2,828,000 Seelen, so weit sich nam» 
lieb dieselbe in einem Lande angeben lässt, in dem keine 
eigentliche Volkszählung stattfindet. 

Hinsichtlich der ihrer Zahl nach bedeutendsten Natio- 
nen Ycrtheilt sich die von Perrubr angegebene Snaime wie 
folgt: 

Araber, einheimische Muhamedaner • • • • 1,3M,0M 

Tfirken MO,OM 

Christen 870,Ma 

Dmsen • • • 83^091^ 

Mntualis S8,00ll 

Jaden K/Ii^ 

Tnrkomanen, Kurden, Ansaries, Kedames, 

bmaeliten, Jesidei etc. • 1M,000 

2,828,C|00. 

Wenn wir die Bevölkeniiig des LHbanon für si<^ i» 

Betraeht ziehen, so sehen wir, dass siok in die Jahren .|8M, 

und 1840 ^i ^^W? QftUiä^ aUein 110,U3stenerpl^ditVEf| 

avMMMcft, RciM«. 1. B4. t. TU. M 



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MobMIiot mm IS Üb i# Jafirm befanden, uni wmop. iteeh 
teil lU g Mw r i i ieB fimir Biscma, Uer vetÜMlirlMteii «bnUet 
lff,5«» Mimmiten,^ 
t tBj9ä\ Orasen^ 
. :.8^Mft erieckeai^ 

2,917 aiisäsftige MuselaiaaBer^ 
«,311 Miitoalia, 
579 Jedea, 

211 Seitta^ fldbismatiacbe Dmaaii, 
360 Avalier- uod Zigeoner-Momadmi* 

^ ^10,313. 

Rechnen wir bei den Mai^attea ^och 7000 bis SOOO 
Priester und Häuptlinge, dann die Individnen antet 15 mi 
die aber 60 Jahren, welebe alle nicht steuerpflidbtig sind, 
80 ergabt sich uns eln<^ To^lsumme für die Mai^onite» ve» 
beiläufig 120,000 Seelen am Libanoü «frd von 210,000 bis 
220,000 Seelen im ^atizen Lande. Da felpaer M J* 1180 
vadh WnAEVtn v. Ttrüs die Zähl der Maroniten am Libanon 
MT M^OM,' in J. 1784 naeh Volnby 115,000 Seeleli betrugt, 
so sehen wir, dasa im emim Zeitraum von 604 Jahren «ne 
Belrfilkeraiigszunahnle der MaroiHten von 75,000$ im aweiten 
Zeitraum hingegen sich eilie solthe von 5000 Saeleif lii SO Jah** 
rea iSfgab, ein Vet'hAitaiss, das dem Zuaehmea der Bevöl- 
ketirng ip neuester Zeit keineswegs das Wort redet; 
denn die Znnahme vom J. 1180 bis 1784 verhält steh Ed 
der rm 1794 .bis 1$40 wie 125: 90. Paaaiaas Kalkül & 294 
iai tfitnl fal.scb ; denn erstens legt er dem Volney eiae An- 
{(abe p^ter ^ die ^r picfit pachte C^m sehe YoLMav , Reise 
•te.^ % Baqd^ S.. 1$), zweitens bezieh^ sich die Angaben 
wn It80 und .I7ß4 nur apfflen, Libanon^ und drittenaer- 
aehtlffl Perriei^s Angabe d^r 91 ar on it 1 seh en G es amaitbe- 
völkerun^ diea Lljba.iioa auf den erateii Blick nnrii^tig:. 

V#p diesep Völkern treffen w)r, mit Ausnabana i)er ihrer 
Zaht nai4r;'ganz unbedeutenden Samaritaner, die, nngefahr 
25 t^amiUen bildend ^ am Dschebel Samir bei Naplus Im s&d- 
ftch^ht^ytl^n'Wobnei^uhdseli' den tlt^st^ti Z^eto difti* He- 
irUt ^\ti^ f&AMbe Sektie btIdM, ÜHe fn l^oM«^ and Mlttei^ 
ilyrfen'tiBd zwar viele 'sögai^alkssdill^sislfeh daselbst. 



1 1. . 



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Mt 

DI» kl 83FriM» einen kleinen Tbefl iler nSrHiebüen mn Kn» 

raamnfen grünenden Distrikte AMgenomnMn , ketvedenllA 

llftuptepmche iet die arabiedie, oder vielmekr ein Dialekt 

der arabischen Sprache. Sie ist mit Yielen Weiten Aen alten 

Syrisdien gemengt nnd von andtem araUscken DlaMiLten, 

E. B. von dem sehr. reinen von Kairo, so aekr verseiiieden^ 

dass sich ein Bewohner dieser Stadt und ein Syffer ont 

schwer verständigen. Die arabische Sprache ist^ mit 4us^ 

nähme der Tiirken, Karden und Europäer, weldie ¥tlker 

sie nar 4es Gebranebes halber erieitien, so su nagen dRe 

Matterspracfae aller syrischen Nationen ohne Cntersdiied 

der Re^on« Die Kurden , welche in den nördiich^en The!« 

Jen den Landen wandern , reden ausser ihrer, d« t. der knr« 

disehen {Sprache, ancfa durchgebends türkisch, welch lentere 

Sprache ansschlieaalich von allen Tfirken nnd Tnrkemanen, 

so wie im nördlichen Syrien, in den Bezirken von Anifocklai 

Beibw^ Skandernn, Aintab etc. gesprodien wird. In den 

grönnem Städten S^yH&M^ insbesondere in den Seestädten^ 

hoi't man alle Sprachen von Europa reden, vemi^;iicta 

italienlscb; welch leztere Sprache die Orientalen „die 

Frankesi-'Sprache oder lingua Franca<< nennen, von der 

sieb ebiige eingebildet haben, dass sie eine eigene Spm^ 

ehe ney. Die griediischen und armenischen Christen 

reden hanfig, zum Theil schon ihres kirchlichen Diensten 

halber, gtiecbisch und armenisch^ so wie die Juden ^ deren 

viele ana den Zeiten abstammen, - äis die armen, hetmatb^ 

Ionen Kinder Iseaels barbarisch aus Spanüen vertrieben #nr^ 

den^ fast dmrcbgehenda die spanische Sprache reden, Jedsüßh 

in dem YeHbältnisse, wie man gemeine Juden bilttfig denincli 

spreehen hört, namlicfa mit einem so eigenthümitcben Ae^ 

eentOi diasa Kaatiliens schone Sprache in ihrem Munde kkivw 

an eÄevnen ist. 

leb wwde nmi, besendem in reügiöser Bezfeiiung, die 
hemmtechendsten Charaktomiige der anfges&hlten Völker 
Syaima «anä kam erwähnen und berufe -mich, wai die 0e^% 
tails ihrer SittM< und fiebränebe betrHTt, anf die mdiatsbareB 
MMtteiknig^r. landen Rdsewerken von NiKnena, BumcHiRne^ 
YoLNBT, PsRRnsR etc. Ob CLOiuBnfr^.der riid» dem Vimielinien 

64* 

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849 

m^ viel mit 4eni StnAu» der ReI%ion der Drtsm hrimi 
kabw «oU, aeiae gewiss liödist werttivoUee Erfaimmgea 
darulier öflEentlick liekannt gemaelit bat, ist nlr gegfsamixtif 
iradL mbekannt. 

J^endere MiUlieilQDgen über einselne Seilten, sowohl 
fles.Islans, ftls des Cbrlstenthuns , finden wir ancli in eini- 
gen der im 7. Alisehnitte dieses Bandes angefabrlen Werke, 
a, B. in denen von HiLMiiER, Roosseau, in den Ammles des 
YoyageSy in den Werken von PoujoctAT, von EtioaiiE Bou 
ete. Die altern Werke trifft, banfig nicbt mit Unrecht, der 
Vorwurf, dass sie aus unreinen Qtielien seböpften, was um 
SO leiebter erlclärlich ist, da der Orient den Reisenden fra« 
lier so schwer. -sogilnglieh war und die meisten daher nicht 
00 sehr ans eigener Anschauung sprachen, als vielnehr 
Biittheilnngen von Efngebornen benutzen mussten, die anderer 
Meinung waren und in denen sieh daher aller Verfeigung»- 
geist der Sekten in einer Masse von onbegrund^en Anscbsi* 
digungen, Verdachten, positiven Veriaiimdungen und Unrich- 
tigkeiten aussprach« 

Die Turkomanen, Dasselbe Wander- Volk , welches 
wir durch den 7. Abschnitt dieses Werkes schon aus Kara- 
manien kennen. Sie dehnen ihre Wanderungen vorangBeh 
nur auf das nördliche Syrien aus und aiehen awischen fie- 
sem Lande und dem Paschalike Adana nach dem Bedürf- 
nisse der Jahreszeit und der Weideplatze hin und her. Die 
am Chalaka bei Aleppo, am Affrin und in den Ebenen von 
Anttochia herumziehenden und in Zeiten lebenden Turko- 
manen bezeichnet Borkhardt mit dem Mamen Rihanhl-Tu^ 
komanen nnd gibt über dieselben im 2. Bande seiner Reise 
nach Syrien, Weimar 1824, S. 995 etc. ansfiibrUche Nach- 
lieht Er theUt* die Rihanlu's in 13 Stamme und sehiat 
die Anzahl ihrer Zelte auf 3000, die ihrer waffei^higen 
Mlnner auf 5000 bis' 6000« Sie haben ihre eigenen 
Hanptfinge, stehen aber insgesammt unter der Oberhecr* 
Schaft der Landesregierung. Einige der tnrkemanischen 
Sümtne beziehen feste Winlerarobnwlgen und wohnen also 
im Wiiiter in Dörfern, Im Sonmier aber in Zeltern JDlese 
' * indsa Jshrsn 1810 bis 1113. 



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MS 

terfassen nelhier aaf tknen Z8g;en die Granzen de« Landes, 
wenden slcli aber hfiufig s&dlich, längs den Oronten In dfe 
fracbttMtren Ebenen Ton Baalbeck, oder über Hama In die 
Ebenen bei Damaskus und bis zürn Dschebel Heisch, wo 
man mehrere turkomanische NIederlassnngen indet. 

Die Kurden, die wir ebenfalls schon ans dem 7. 
Abschnitte dieses Bandes kennen, gehören in neaester Zeit 
aassi^hliessKch.dem nördlichsten Theile von Syrien an. Der 
e^Dtllche Wandergeist nomadischer Völker ist In ihnen 
weit reger, als In den Turkomanen, und obwohl sie In ihrem 
eigenen Lande sehr häufig nicht nur feste, sondern befe- 
stigte Wohnsitze haben, so sind sie in Syrien doch nur schwer 
tn beständigen Niederlassungen zn bewegen, was sich aus 
ihrer Liebe zur unumschränkten Freiheit leicht erklärt. Sie 
thellen sieh In mehrere Stämme, die in der Umgebung Toii 
Belas und am Issus, am OoiHk Dägh, bei Killis und am 
Euphrat von Rom Kal^h bis zum Sedsch-sn nomadisiren'. 
Sie reden, wie gesagt, ausser ihrer eignen Sprache die tär^ 
kische und sind Mnhamedaner. Die Lehre des Islams ist 
jedoch in ihrer Mitte nicht rein erhalten, sondern gemischt 
mit den Dogmen anderer Religionen, mit denen sie in Be* 
rnlimng kommen. Über ihre Verfassung und Sitten habe 
ich schon gesprochen. 

Die Araber, als ein fremdes und in Syrien wan*- 
derndes Volk betrachtet, sind die Beduinen, die die 
Wfisten zwischen dem Euphrat und dem Kniturlande von 
Syrien, to« den Hochgebirgen am obem Euphrat nnd 
Tigrfe bis zu dem Felsen- und Sand-Distrikte des peträl- 
sehen Arabiens durchstreifen, ihre Wanderungen In das 
eigentliehe Syrien, in die Gegenden von Aleppo, Hama, 
Höms nnd Damaskus, bis in die Ebene von Baalbeck aus« 
ddinen, nnd Hauran bis zum obern nnd untern Jordan in 
allen Richtungen durchziehen. Diese Söhne der Wüste sind 
Anhänger des reinen Islams, nur, im gänzlichen Mangel 
von Priestern und Moseheen, nehmen isie es mit vielen Ge- 
bräneben ihrer Religion, besonders mit den Gebeten und 
Waschungen) nicht so genau als ihre Glaubensbruder. 
Der ewig klare Sternenhimmel iiber ihren Häuptern, das 



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844 

ftMteeklwm SandfeM Ihrer WKiten, dl6 rngwAfdlUm Frrihett^ 
io der 9ie leben, haben ihren Sinn, ihre Denkweise md so* 
mit i(ireB CUauben , wenn aneh niehl Im Wenen , deeh der 
Form nach anders gestaltet, E$ ist hier keineswegs neiii 
Zweck, die nationelle IndividnalilSt der Beduinen ins Ange 
am fassen; 4enn tlidls habe ich darüber schon in dKesem 
jßand^ gesprochen, theils werden wir afe näher bei meteeh 
Helsen in Egypten, Nnbien and Arabien kennen iemeB, 
theils bestehen schon so viele nnd znm Theilaneh vor- 
(refiltcbe Abbandlungen nber diesen Gegenstand, dass teh, 
ohne in meiner Reise vorzugreifen, vor der Hand wlriKlich 
^chte Neues über dieses merkwürdige Volk zu sagen weiss« 
£ine der besten Abhandlungen iiber den Beduinen , ausser 
den Arbeiten des vortrefflichen BunKHAanT , ist die von Hrn. 
y. Prokesch"^, hinsichtiich der Ich nur sagen kann: ^Se isi 
er, der S,qbn der Wfiste^. Gerade der Beduine Ist einer 
von jenen gegenständen ^ aber die man die versehiedensten 
nnd widersprediendsten Urtbelle h6rt. Der eine sagt: der 
Beduine ist ein Master von ritterlichem Edelmuth , keüseb, 
tapfer, massig, klug, und mancher Philosoph, der nie In das 
Zelt des Arabers eingetreten war, macht ihn geradezu su 
einer Perle des menschlichen Geschieehtes. l>as ist «der Be- 
duine nicht! Ein anderer nennt ihn grausam, tückisch, treu« 
1^ etc., er macht ihn zum Auswurf der Menschheit. Das 
ißt dm: Beduine auch nl<^ht ! •«— Er ist in mancher Beübung 
^e^es, wie es ^er Augenblick gerade mit si^ bringt. Als 
foher N^nr-Mensch, unter eine^ gläbetide» 'Sonne geb^Npeo, 
i|i seinem Innern Ginth, Ist er rein Sklave des M^imentes. 
>Yte ^ der Augenblick mit siich bringt, üo bändelt er, bald 
^t nnd bald schlecht Ich war viel unter ^l^ntn Volke 
iui4 9ih In Aesem Augenblicke den Einen eine Handlasg 
gegeben j 4®ren mtoralisehe H^hhcät mieb ^ntzikkte. Im 
Halsten Angenblick beging dasselbe Indlvidunm eine Hand- 
lung, die mich durch den Eigennutz, durch das NiederMioh- 
^S) was dfiiiaiis hervorleuehtete, empSrte^ Ebie feste, na- 
lt(^jüldecUcl^ lUindlnngswetoe, mögen sieb die VerbältnisM 

1 firinncriniren *«• Esy|»ten und Klelhasien, Ban4 S, S. 3äO etc. 



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MS 

g«Mtellto^ ivie aie wöHvn; efai Bamtfth Bteh fMrtabtiiflM 
BniadbatMii, ita vmsm maa bol ihm uiclit 8uoh6n4 Eis b^ 
itimiBies Drtheil aber seintn Charakter m faltei, iai iahea 
schaler, andl das Bild int cur getroffen zu nenaeli^ wen« 
VMui alle dieae Widerapräohe io dasselbe aafiilmmt. Dar 
fiedatne ist Nalar-Measah ond muss als solcher behandelt 
iv«rdaii. Diaaes' sehefaiaD die naefaebiander sieh fo1gi»Dtai 
Eroberer aad Ueirscber ?ou Syrie» nie jreeht au%efasatr.a9i 
haben , daher die. Beduinen der Waste stets die gefarcbtatafi 
Feinde jenes Landes bliebea und es noch aiod^ Sie afnd 
kiie|;eriachei^^ entsehlassmier, wilder als. die Beduineii Egj^i»- 
teas^ und ihre Bändigung^ durfte vielleicht doch MswicaD* 
Au ttiehr SehMterigkeitea gemacht haben , als die geweaept 
sind,. welche ihm die B&niKgung jener machte , die deMMM^t 
geariktet immer ein. glanaendea Meisteratöek seines dareh« 
dfiogeaden Geistes bleibt Die Anaahl der Beduiaeo» wi^l- 
ebe die ayrische Wüste bewohnen^ ist, hesondefs im. sadU* 
eben Theile, ia Hauitin und gegen Arabien hin^ sehr be* 
deoiend ; denn sonst kdaaten sie kaum Raub^age untarn^ 
men, die & B* die Anfbebnng einer gansen,.oft.fu4 mdbr 
als %QyOM waffenfähigen Menschen besteheodea, Mekka« 
Karatiai^ zam Reanltate haben, wie es doch öfter d(er. Fall 
war. Wer aählt aber die Kiöple des Volkoa, das in einer 
waaserarmen^ Wiiste ?»a MO bis «00 Meiten LAnge and.21MI 
Ids SOO Meilen Breite aof flüciitigea Oromedliraa and her««, 
liehen Pferden heromaieht? Sie erscheinen., aad man Wai4i 
sioht, woher nie kommen.; sie geben, und oifui wiejss niehty 
waUa ale aiehen. 

Die «venigen ia Syrien nomadislrendea Zi^geuiKeir« 
FamlUeii haben Ihrer geringen Zahl wegen kfs^bia Ba4«il^^ 
lang, aa iateraaaaiKt rie auch an nad für steh ahid> 

Die T«vrkea, die Eroberer des lindes «ad ^ A^ 
iilicr deaseibmi ran Sokaii Sum L bis auf «naara Ja^^ 
haben aadi theils mit den Arabern an efaaem. Volke v^* 
mischl^ thaib afairf sie vonihAon gatxennt gebUebea» Obwohl 
aa imzahl faadealMd geringer .ala die Araber, aiad ifi^ dl» 
Tniktt das gaUttende Volk and aehsnoB die meisten der 
hohem Stellen, sowohl in der Armee als im Civiltfmmte^ 



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«ta^ wm fei|m«drt% «n so mehr vmi In ««igedebilereii 
MMifttabe der Fall tot, ila seit der Okknpetiott wm Syrien 
dorefa die Amee der Pforte eise neue Hi^se tob Tirken 
Ibs Land kanu Die ansässigen, Bändel- und 6e«rerbe*4rei«t 
kenden Tarken sind In den grossem Städten ¥on Syrien, 
kl Aleppo, Damaskns, Antiociiia, Jerusalem ete. zefstsent, 
ml es Ist wlrklicli bei der geringes Maeht^ die sie Insge- 
snmnit den Arabern gegoifiber bttd^i, die ansserdeni noch 
geist% höher stehen, gesdiichtlieh nmrkwSrfig, dass diese 
lentem durch Jahrhunderte hindurch in Syvien sowoU als 
kl figypten und in Arabien, und hei dem Dmeke, den f&Mi 
ab Ev<Äerer ausüben, noch nicht dahin gekommen sind, 
sieh derselben zu entledigen und als selbsfislandiges Volk, 
mitmr Herrschern aus ihrer Mitte, in ihrem Lande, anCEu^ 
treten. Die Verschiedenheit des Interesse der eiazeinan 
Stimme nnd Klassen der arabischen Bevdikerang, Htfe ge- 
genseitige Cäfersucht und Uneinigkeit, der Eigennnts ihrer 
Bäuptllnge, stets benüzt von den Eroberem, dürfte efaier- 
nelts efai Hani^tgrand dieser Erscheinung seyn, andrerseits 
nmsehlingt ein nnd dieselbe Religion beide Volker ab ein 
fartes Basd, das Tielleicht nur dann zerreisis»n wnrde* wenn 
sie sieh, ohne Freund und Feind you Aussen, rniiig seihst 
iberiassen blieben. Überdiess haben die Türken durch 
Ihr mifiUlgliolies und unter egyptischer Herrsehalit mit höch- 
ster Energie fortgesestes, entschiedenes Auftreten neeh im- 
mer den ersten Eindmck ßr sich. Eki Beweis fär die mo- 
■atoehe Üheriegenh^ des Arabers durfte schon ^ eHge- 
mein zu machende Beobachtung seyn, dsss überall, wo ^e 
Verekdgong beider Volker, der Araber und Türken,, statt 
Iml, stets die leztern ihren individnellett CSbarekier in ^nem 
weit ausgedehnteren Maasstabe mit dem des Arabers Ter- 
tusdieo, als es umgekehrt der Fall ist, nnd wir aAem also 
hier das erobernde Volk in dem eroberten nach und aaeh 
Tmpscbwlnden, and nur stürmische Impulse von Anssmi, wie 
dtte Eridmffungdes Landes dusch die egyptisdie Armee, dte 
IMiknpatien >on Syiien durch die osmsnisehe Annee kn J. 
M41 ete. hhidem das hmgsame FortscbrtftoD des Assisdli^ 
Cinigs-Prosesses beider Volker. 



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847 

In Ührff^M riol Ute Türken in Syrien JNeni tben TfMien, 
die wir bereftft ecken kennen gelernt haben, nnd die jetnK 
l^n Ereifttim« in Syrien werden Niemanden wnndera^ der 
die Tnrken von heute kennt. 

£nropäer von allen Farben und Völkern Üiree Weli- 
tbeHs sind In den Städten Syrienn und namentlich in deü 
Setfitidten zerstrent. Ihre Anzahl imt sich, beg^nstig^ dnroh 
den Sehutz und die Verrechte, die ihnen MnnKMnn-Au n# 
kräftig^ anfi^edeihen Uean, nnter seiner Hemchaft sehr ver-» 
nehrt^ nnd benendera rind es Griechen , Franzoaen nnd Itn* 
liener, die slok daselbst tli^s ansässige machten, theila anf 
gnt Glfick Syriens Boden betratet. In neuerer Zeit, ab 
Syrlai des Enpbrats wegen als ein Verbind ungsmfttel mH 
Indien «ine gewisse politlache Bedeutung erhielt und nber-^ 
hanpt das Land, als schönes Land, als heiliges Land nn< 
als w&nschenswerthes Mittelglied zwischen Eurnpa nmf Ilü-* 
dien, nieht nngelegen, dem Srhacli und seiner Dmgebn«;^ 
Sdiadi zu bieten, die Anfmerksanlkelt Europa's mehr nnd 
mehr anf sich zog; als, begfinstigt dnrch Mshkmbd-Ali, der 
answürtige Handel nach Europa ganz in die Hftnde der En« 
ropaer kam imd sie nnmHteibar auch auf den inlündischeB 
^wiriiten; als in dem alten, heiKgen Damnskns mhig der 
FrMsk neben dem Kaftan auf stolzem Araber zn sehen war^ 
als der einzelne Europäer ungehindert allein das "Land 
dnnchzielien konnte, da war das Aneinanderschliessen des 
syrisefaen Volkes mit den Fremdlingen im besten Zunehmen« 
Waren leztere auch hSnfig nicht geeignet, dem erstem eine 
bebe Idee von dem geist%en und sittliclien Wertbe der 
Völker Enropa*s beizubringen, so lernte es doch dnrch tM 
einsehen, wie weit es noch zurückstehe, lernte den Math 
und den Unternehmungsgeist der Europäer wiirdigen nn<l 
erUete einen Eindruck, der immerhin als ein Schritt vor- 
wärts am betraebten Ist nnd sich in der neuem Knltnrge» 
neUcMe des syrischen Volkes dotii nicht mehr ganz verwi^ 
sehen dMte. Das war Mshbhso - Au's Werk! War aneh 
sein R^finwnt despodseh, barbarisch sogar, es war doeh 
kräfitfg; das Regiment der Pforte klagten ist ersteres, ohne 
lezterea zn seyn. 



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848 

Die im B^en e^entüeh efnhelnisclieiiy mM'itn Utesten 
ZeMen dort rassbafteii YMker sind hfnsichllicb Ihrer Refigbn 
Mahaniedaiier, ChriiileB uad Juden. Sektei>-GeM hat die 
Stamnivölker in viele Zweige getbeilt und sie zerfallen, 
fldMifff unter sich getrennt, so zu sagen In eben so viele 
Nationen, als mannigfaltig der Glaube ist, dem sie ange- 
lidren. Sektengeist hat ihre Volkseinheit aufgelöst, hat 
Ihre Kraft zersplittert und sie feindselig einander gegonaber 
gestellt. In dem Streite um Dogmen, die sie nicht verstan- 
dkm, Ist das Palladium ihrer Freiheit untergegiingen. Daher 
lAkb eine Masse von beinahe 900,000 Christen, trotz der 
einzelnen, unzahl^en Versuche sieli zu befreien, imter dem 
doehe der an Anzahl viel geringern Eroberer. 

Die elngebornen Muhamedaner, Anhänger des 
hetaen Islam, sind theils Araber, theils ein fiemiaehe tob 
Arabern und Tui^en. Sie sind das bei weitem zahlrdehste 
¥olk in Syrien, indem sie fast die Hälfte der gwizen Be- 
Mlkerung bilden. Zerstreut über das ganze Land, sind ei- 
gBtttUch nnr der Libanon mid Antilibanon jene Dästrikte, 
h denen man deren nnr ganz wenige trifft. Am zahlreich« 
sften hingegen sind sie in Palästina, längs der gaasea Kiiste, 
kl Colesyrien, in Hauran nnd in den Gegendon, welche öst- 
lieh nnd närdlich den Antilibanon imd Libanon bc^-äozen« 
Sie sind theils Bauern, theils Uandelsleote, ^dtells bilden sie 
die Hauptzahl der Oewerbe-treibenden Klasse. Das arabi* 
•ehe Prkiaip ist In ihnen das vörhen'schende, Ihre Speeche 
Ist arabfaMsh, wie Ihre Denkweise. Sfe sind die Abkämm- 
Knge-'deT Saranc^enen, die Sprösslinge eines ritterliciien Voi- 
kes, Ihre Geschichte ist voll grosser Erinnerungen, die 
Aiaiiz-Periode Ihres Auftretens Hegt jedoeb sehe» lang» weit 
kiuter Ihnen. 

ihre Sitten und Gebräuche sind die der Muhamedaaer 
äherhaapt, vrie wir sie bereits in Egypten nnd aum TheM 
In KaitmmmAen kennen gelernt haben, und wie de heffelt» 
iebeii seit langer Zeit In versohiedenen Werken besdirieben 
nnd beleuchtet wurden, so dass ich in ihrer Beziehmg nichts 
Meues belznfigen Im Stande bin. 

Interessant und zum Theile noch keioesjrega hkiUuigHcb 



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840 

«rfaraobt rioil Unsehie SeklM des Main, die Mit den itteüeii 
SMten in SyHen leben. Sie sind mrter sidi sdiarf getrennt nnd 
Mianpten, einzeln betrachtet, eine geif laae nati^ieile indivi» 
doalitat« Unter den wichtigsten Sekten dieser Art spielen 
die Bauplroile, sowohl Ihrer Zahl, als ihrer politischen Bed«nH 
tnog halber: 

Die Drusen. Dieses merkwilpdige Volk, weiehea 
seit seinean ersten Aaftreten in Syri^i zn den Zeiten de# 
üremBsöge bis anf den heutigen Tag eine so bedentendtf 
Rdle in der Geschiebte dieses Landes spielt, bewolmt dto 
siidliche Partie des Libanon ntid Antih'hanon nnd die üm^ 
gebong des D8«Aebel ei Schech. Sie besitzen nach PfeRausa*') 
Ton dem wir die neuesten und schätzbare Beobachinngen 
ttber dieses Volk haben, am Libanon ausscbllesslidi ST 
kiehie Sl&dte und Dörfer nnd wohnen in 211 Dörfern, mit 
Christen gemengt In Antiiibanon geboren ihnen allein 6# 
Dörfer, und viele andere besitzen sie daselbst mit Christen 
zusammen. Die bedeiitendBten Plätze, die man als die 
BÜttelpBokte ihrer verschiedenen Stämme hetraebten karnij 
deren £intheilung meist anf politischen Gründen beruht^ 
sind Amnatmr, Bachlin, Nicha, Endara, Hasbeya, Radieya, 
Battnn und Deir el Kammar. Im Jahre 1757, in der Zelt 
der Bäi^gerkriege, unter dem Schech Omar el Daeher, flnch* 
teten sieb 500 bis 600 Familien nach Hanran, wo sie seil 
jener Zelt eine ansehnitehe Bevölherung bilden, die in dem 
grossen Aufstände der Drusen in den Jahnen 1837 und I6M 
der egyptiachen Regierung viel zu schaffen machte. Am 
der Zeit dieser lezten Kriege, in deren Verlaufe man aieli 
der religiösen Bücher der Drusen beniächtigte nnd ilnrO 
Methinner oder Mosclieen zu sdien bcliam, an deren Vor* 
handenseyn so lange gezweifelt wurde, stammt eiim geMumrd 
Keimtniss der sondei'baren Religion dieses Volkes. Ai|ch 
schon in früherer Zeit war man auf ähnliche Weise in den 
BsaM» der reli||;iOsen Bneber gekommen nnd mehrere ^er 
altern Schriftsteller "«^ nnd Reisenden, als Nikbuhr, Volnrt, 

* ' JjtL Syrit sous le gouvernemenft de BIsHSMEn-ALi, S. IM ete^ 
*** Adler, muiieiun caficiim BargiaRum. 
EicBHoaif, Repertonam, XII. 



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SSO 

/ 

BnMMAMww ete. gAm «m unnlfaidll^e ' tmi zm 
TlMÜe Mhr riebtige Naehrickten von der ReHgioa 4teMS 
Volkesy doch bestand fiber diesen Ce g e n gt mnd za fMdMi 
Z^ eine solche Masse too Irrthamern and portüven Ubgat^ 
Am» die wahreo and ricbtigen Ansichten nar schwer dank 
dringfea konntea. Ausserdem warden die Drosen ndt andeii 
a tn i Mt a ie danischen Sekten, mit den Mutnalis, IsaiaeKtea ete. 
Ua% verwechselt, ja man ^ing so weit, dass sMin sie ge» 
mdeliitt zu Christen und Franzosen awclite, indem man ii«i 
Ahstammang' voa einem Hanflein Kreazfahrer mler AafiUh 
Wfm^ des Grafen v. Drsüx (dalier Drasen) heri^eie* He 
Sache verhielt sich der Sage nach so: dieser Graf Dam^ 
der 1M9 Godefrot db Bouillon nach Palastina begtdtete^ 
•eil mit den Seinen am Dschebel ei Franki, zwiscliea BeCfc* 
Meik aad Ain-Djeddi am todten Meere, eine befestigte Siel» 
fcmg genommen haben und in dieser darch efaie lange Betti 
i^ea Jahren von den Sarazenen eingeschlossen worden sojra. 
Getrennt von dem Haopttrosse der Armee, gelang* es ifaacs, 
demangaachtet sich za erhalten, nnd dht de bei ihrmiAm» 
fttten eine Anzahl sarazenischer Franen and Mädehea la 
fiefangenen machten, mit denen sie sich verbaade^ so kil* 
deten sie nach und nach ein kleines Völkch^i, dem waltf>- 
aabfinlich der Ranm za enge wurde; denn belläafig^ um du 
Jahr 1187, ab Jemsale« von den Kreuzfahrern verkmi 
wurde, sollen sie von den Sarazenen die Eriaabniss eriiaU« 
haben, aieh an dea Libanon zurückzuziehen. Bort vavtaies 
nie sich mit den Drusen, dfe den verlässlidistea Aaetlcai 
den aiabisehen SchHftstellem zufolge, sich damals aehea 
am Libanon befanden« 

Sie können didier keineswegs als JÜe B^rimderdieHB 
Valkaa a ng e se l ic n arerden. Wenn auch dioes Ereigaissia 

tfoABy Geschichte irad Beschreibung des Landes der Drusen. ' GMfat 

17ff. 
• TsifWftB, BsHriia *ur Gemhidile der Drusen, aaeh dem risiariühii 

in BfALTSBBiJir Amiales des Vojrages. 
Brun, kirchenhistorisches Archiv, II. 
Da Sagt, commeat. de notiooe Tocnm Tearil et Tawil ia Khris, ^ 

ad Drusorum religionem pertiaeat ; ia ConnM&t soe. ref . Säea- 

ÜanuB QMng. XYI. 



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S31 

der Farm, wie es die Sage gttt, vor der Kritik der Cte* 
■cliiGhte flickt besteht, da Graf Dasmc, der erste ▼om hokea 
fraasöriscken Adel, der das Rreus nahm, im J. 1145 Back 
Fraakreieh bereits a^arfickgekehrt war, doch aber das eirakl^ 
Faktum. nicht aus der Lnft geg^nffen seyn wird, itnd Tfellrtcht 
Drsux s<^e Ritterschaar TCriassen hat, überhaupt wir am 
nehmen können, daos ein wahres Faktam za Grunde ttegt, 
se dmrfte dieses Ereig^iss anf jeden Fall auf die dUentifeh^ 
Mdnnng^, die man damals von dem sittlichen und reHgidseil 
Znstande der Drusen hegte, die, wie es scheint, die merallselH 
und religiös^entarfete Kreuzfahrer -Scliaar in ihrer Mitte 
aufnahmen, nicht ohne EInflnss gewesen seyn, und ohne eC^ 
was an den Glanbeos-Prinzipien dieses Volkes zu andern^ 
doch das Urtbeil darüber von Seite Andersdenkender sehf^ 
modlfizirt haben. Der Umstand, dass wir in der Reihe der 
Propheten und Heiligen der Drusen so viele Namen aui 
unserer Heligionsgescfaichte, z. B. die der Evangelisten J^ 
HANims, Markus, Matthäus etc., jedoch in einer durch Aber^ 
glauben entstellten Bedeutung sehen, bedarf zu seiner Er« 
klami^ nicht der Annahme einer Vennischong mit den 
Kreuzfakreni, denn das Christenthnm war zur Zelt der 
Bildung der Drusen schon so im ganzen Oriente verbreifet| 
dass d^sen Lehren theilwelse und abf einem natfirMciiea 
Weg bei ihnen Eingang finden^ konnten, ohne dabei die sik* 
gelloaen Kreuzfahrerhorden zn Hälfe nehmen zu mAssen» 
Viel SU der Meinung, dass die Drusen Christen seyen, haben 
YieUeicht die Zoge^ändnisse des bekannten Fakir el Dm 
eines drosischen Häuptlings, beigetragen, der zu Anfange 
des 17. Jahrhunderts nach Italien kam und mehrere Jahre 
sich, seiner politischen Verbindungen wegen, dort aufhielt 
und der diese Zugestandnisse machte, wie es sein Vorthett 
erforderte. Der Ursprung der Drusen fallt nadi den An» 
gaben der arabischen Schriftsteller, als den verlässlichsteif 
bellen, in die Zeit des egyptischen Kalifen Hakim Bi Amr 
Allah, im Jahre 996, der unter vielen, in der Geschichte 
nur wenige Beispiele findenden Narrheiten äiicli die begingt 
dasa er sich für einen Gott hielt und als solchen erklärtCb 
Durch die Bemühungen seines Propheten^ des Mohammsh 



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wmMem mrf %iAewk in der Petwii dtt KMttn Aaiüm Bi 
Ann Allah. Die Seelenwandcruiig biUel eineli ihrer Hmipti 
Mhrmlze, dalier fnieh der Prophet Habisi nach ihrer Mei^ 
»mng hereits mehrmals anf der Erde war und awar ab 
StmxT, als PTTHAGenAs, als David ete. die ganze Masse Ten 
PropIieteR, die ihre Geschlehte aaÜEahlt und worunter, nehaft 
den Namea Cwusirs, viele Nrnnen unserer Apostel and 
Evangelisten nod alle die Propheten des islam, mit beaan^ 
derer Rucluiicht auf Mohammbd, vortLommen, alle diese aiad 
abo anr Formen des einen Geistes, der sie darchtraadeit 
und der in versehiedenen Zeiten in ihnen lebte nnd wirktai 
Darch diese Aufnahime der Propheten nnd Apostel des Chri^ 
•tenthona sowohl als der des Islam zu gleicher Zeit^ «ot 
darch auch die Lehrsatae derselben Eingang in die ReligiomH 
lielire der Drusen fanden, stellten sich diese eigentlich %tnh 
echen Christen nnd Muhamedaner mitten inoe, und aa« 
könnte sie ebenso gut eine chiistliche Sekte, als auch eia4 
Sekte des Zend-a*vesra nennen, wenn nicht ihr Ursprang 
sie doch mehr als eine mniiamedanische Sekte bezeiehnea 
mMite, Ae aber so viel Eig^nthiimliches in slcii anfaakai| 

i aie sich fast als eine eigene Religion hervorstellt. Dureli 
Hinneigen der Lehre der Drusen zu den Lebren dea 
Christenthitnis einerseits nnd des Islam andrerseits, darf et 
naa nidit wundem, wenn wir Drusen bald in cbristlicheQ 
Ktrcken, baM fai Moscheen beten, sie bald an der Seite der 
TikriLen gegen Christen, bald in nmgekehrter Stellung fecln 
teo sehen. Ihnen ist das Wesen jeder dieser beiden tMii 
g;ionen heilig und sie zählen Christen und Türken nur ihret 
ßiaubensformen wegen, und zugleich mit den Juden, Mut 
tnalis etci, zu den Ungläubigen. 

So vrie die Drusen, durch politische Grande bewogeni 
sich iu mehrere Pai-teien getbeilt haben, so trennen aie aiall 
auch hinslcbtlich der Religion in zwei Uauptklassen un4 
sdKir in Akals und Djabds; erstere sind die Eing;ev\'dMeiljL 
die Weisen, leztere die Uneingeweihten, die Unwissendeiu 
Erstere allein sind in Kenntniss der »geheimstiTM Mj^steri^it 
ihrer ReligUin , sie allein glauben die heiligen Bacher za 
wratehaa. Man kennt biahar achtjdieaer.reUgiaaen Bfielli% 



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854 

von denen die merkwürdigsten, das der Kinder, daii der 
Mysterien und Oeiieininisse und vor Allem das rothe oder 
heilige Bncb sind; da jedoch lea&teres so mit Punkten be- 
deckt, mit kaballstischen Zeichen erfüllt und voll g&ns 
Yerschraubter Phrasen ist, so blieb es bisher noeh rein nn- 
versfändlich. Der Schleier des Geheimnisses, der sich da- 
dnrch über ihre Religion verbreitet, der Umstand, dass die 
Dmsen " durchaus keine Prosely ten annehmen , dass das 
Wesen ihres Glaubens nur von Wenigen gekannt und tief 
bewahrt wird, und andrerseits die Liebe zum Bizarren, die 
man l>ei allen Menschen, besonders aber auch bei den Orien* 
talen trifTt, mögen die wunderbaren Erzählungen veranlasst 
haben, mit denen man die Lehre der Drusen verunstaltete, 
vnd mit denen zu verunstalten das absichtliche Streben ihrer 
Feinde, der andern Sekten, war. Sie erweisen eine gewisse, 
mysteriöse Verehrung verschiedenen Pflanzen; gewisse Thier- 
formen, dnrch Knust nachgeahmt, haben fiir sie eine ge- 
heimnissvolle Bedeutung ; die Akiats oder die Frauen, wel- 
che gleich den Akals in die Geheimnisse der Religion ein- 
geweiht sind, haben allein unter den Drusinnen das Recht, 
den Mysterien der Akals verschleiert im Innern der Bethäu- 
aer beizuwohnen. Derlei Umstände waren für die übrigen 
Menschen, besonders für jene Klasse^ auf die das Sprich- 
wort „dem Unreinen ist Alles unrein^ anwendbar ist, ein 
20 gelegenes Feld für ihre Phantasie. Die Drusen worden 
daher zn Götzendienern gemacht, und ihnen bei ihren got- 
tesdjenstlichen Gebräuchen Handlungen zugemutbet, die 
liaeh onsern Ansichten höchst nnmoralisch wären. £s ist 
möglich, dass es geschieht; denn kein fremdes Auge hat 
noch das Thun und Treiben dieser Versammlungen gesehen 
«nd wir haben ja In der Religionsgeschichte der Völker 
den Dienst des Priaps, die dionysischen Mysterien etc. Wir 
tehen aber auch andererseits, dass Völker, die einen solchen 
Knitiis haben, auch ihre ganze Denkweise darnach einrieb« 
ten und dass besonders ihre Phantasie eine extravagante Rich- 
tung bekömmt, was wir bei den Drusen gerade nicht sehen. 
Überhaupt glanbe ich, soll man, um über diese Sache 
•bsusprechen, sehr zwischen dem Faktum selbst nnd dem 



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855 

Prinzipe^ worauf es berulit, unterscheiden. Wo ist das Land 
und W6 das Volk, bei dessen religiösen Festen, die mit Ver- 
sammlung; einer groissen Mensclienzalil sich verbinden, nicht 
unanständige, unsittliche, verbrecherische Handlungen häufig 
vorfallen? Das ist das Faktum* Ob aber dieses Faktum in 
der Religion des Volkes "begründet, folglich selbst eine religiöse 
Handlung, oder nur eine zufallige ist, das ist eine ganz an- 
dere Frage und deren Beantwortuug erfordert die genaueste 
Sachkehntniss und ein ruhiges, besonnenes Urtheil. 

Ihre Bethäuser oder Moscheen, die sie Chalie nennen, 
und deren Existenz man so lange abläugnete, sind äusserst 
einfach ; denn sie haben ausser einer Binsen-Matte uud ei- 
nem beweglichen Wasserbecken keine andere Einrichtung. 
Sie sind zugleicb der Aufbewahrungsort ihrer heiligen Bü- 
eher. Die Wände sind ohne scheinbaren Zusammenhang 
mit verschiedenen Zeichen bemalt und häufig trifft man die 
Sairdscheh, eiiie an die Wand gemalte niistische Darstellung 
der göttlichen Kraft, in hundert verschiedenfarbigen Vier- 
ecken mit Zahlen und Sprüchen. In Bezug ihrer übrigen 
moralischen Gebräuche unterscheiden sich die Drusen be- 
deutend von den Muhamedanern und nähern sich in mancher 
Beziehung mehr den Christeil, so halten sie die Beschnei* 
düng, die periodischen Gebete und Waschungen, die der 
Islam seineu Gläubigen auferlegt, als nicht im Gesetze be- 
gründet, und machen es also damit, wie sie wollen. Als 
nicht Anhänger des reinen Islam wallfahrten sie nicht nach 
Mekka, trinken Wein, essen das, was ihnen schmeckt, kurz 
sind in dieser Beziehung vernünftiger als Mahomed's Jünger. 
Was die Drusen aber besonders befähigt, in die Reihe kul- 
tivlrter Nationen einzutreten und sie moralisch hoch über 
die Türken erhebt, ist, dass sie merkwürdiger Weise sich 
der Vielweiberei entsehlagen haben und nur eine Frau hei* 
rathen, ein Beweis,^ dass ihr Hakim el Farsi doch ein grös- 
serer Philosoph war, als der wöthende Prophet von Mekka. 
Die Blutschande, deren man die Drusen bezüchtigt, kann 
sich in einzelnen Fällen ereignet haben, und eine Folge ih- 
rer Verbindung mit den entarteten Kreuzfahrern vom Dsche- 
bei el Franki gewesen seyn, aber in ihrer Lehre ist sie 

RvsKRoeKH , Reifttn. I. Bd. 7. Tltl. 55 

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830 

durchaus nicht begründet und findet, wenigstens in neuerer 
Zeit, unter diesem herrlichen Volke nie statt. Merkwürdiger 
Weise schreiben die Drusen ihren Hakims alles Grosse za, 
was die Alten in Egypten ins Leben riefen. Ihrer Ansicht 
nach sind sie die Erbauer der Pyramiden und Tempel, die 
der Kanäle etc. Noch interessanter ist der bei den Drusen 
allgemeine Glaube, dass ihre Sekte in Europa in voller 
Reinheit existire, sehr wahrscheiulich eine Idee, die ihnen 
die Europäer selbst eingeimpft haben und wozu ebenfalls 
Fakir £l Dm viel beigetragen haben mag, wenigstens scheint 
diese Idee schon ihre politische Anwendung gefunden zji 
haben. Eine schismatische Sekte der Drusen bilden die 
Seüts, die aber nur aus wenigen Familien bestehen und 
dem Hauptstamme untergeordnet sind. Auch sie leben am 
Libanon. 

Die Drusen sind ein herrliches Volk. Schön, tapfer, 
voll Poesie und Heldensinn, gastfrei, aber, wie alle ungebil- 
deten Völker, nach Umständen wild, grausam, treulos, Ihrer 
Verfassung, die mit der der Maroniten zusammenfallt, habe 
ich bereits erwähnt und dass sie über leztere eine gewisse 
Oberherrschaft ausüben, ist natürlich; denn sie sind ihnen 
durch Einigkeit im Momente der allgemeinen Gefahr weit 
überlegen und so weit ich diese Völker kennen lernte, kann 
ich nur gestehen, dass die Maroniten und überhaupt diesy- 
rischen Christen wohl viele Laster mit den Drusen tbeilen, 
aber wenige ihrer Tugenden. 

Die Mutnalis wohnen mit Christen zusammen im 
südlicheu Theile des Libanon, in der Umgebung von Baal- 
heck und in einigen der schönsten Gegenden des Antiliba- 
non. Ihre Geschichte fallt mehr passiv mit der Syriens zu- 
sammeil ; denn sie haben nie selbstthätig und bestimmend 
in den Gang der Begebenheiten dieses Landes, wenigstens 
nicht mit dem Erfolg, eingegriffen, wie die Drusen. Sie 
sind ihrer Religion nach Schiiten, oder Anhänger des 
Ali, während die eigentlichen Muhamedaner Sunniten, 
oder die orthodoxen Anhänger des Omar sind. Zu erstem 
gehören die Perser, zu leztern die Türken und der grösste 
Theil der. Arfiber. Die Absonderung der . Mutnalis toh der 



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857 

Stiiiiinii*elfgion des Islams fällt daher mit der GründHitg^ der 
Schuten ^usamnden in das J. 658, oder J. 36 der Hedjira. 
Der et*ste Apostel der Mutualis und der dei* die Sekte dei^ 
Schiiten eigenttidi in Syrien efnf&hrte, war Abu Abdallah 
Mohammed el Cheidblewel , <ler in Folge seiner Lehre von 
den Sunniten za Dlimdskns in ein getheertes Tnch (»;euickelt 
und gebraten wurde. Von den Persern unterscheiden sich 
die Mutualis hinsichtlich der Religion in einigen Lehren, 
besonders aber in einigen eigenthümlichen Gebräuchen, z. B. 
dass all ihr Eigenthnm, das ein Andersglaubender beriihrt 
oder das ein solcher betritt, unrein wird, daher sie In ihren 
Dörfern die Mensuls haben, das sind Hänser, zur Bewirthnng 
von Fremden bestimmt, mit den eigenen hiezu bestimmten 
Geschirren und Gerätlischaften. Sie haben die Viehvelberef 
in dem Maase, wie alle Muselmänner, doch sind sie in ihrer 
sittlichen Stellung zu dem schönen Geschlechte weniger 
difficil gegen Fremde und haben manche Gebräuche, welche die 
Türken verabscheuen. So haben sie unter andern, wie die 
Kopten, die temporären Heirathen in Folge eines Kontrak- 
tes, demgemäss einer ein Mädchen oder eine Wlttwe zu 
sich nehmen kann, w*enn er die durch den Kontrakt be* 
stimmte Summe entrichtet. Ist die Zeit der Übereinkunft 
ans, so haben beide Theile, unter der Voraussetzung, dasA 
richtig gezahJt wurde, keine Ansprüche mehr aneinander, 
nnd Kindei* ans solchen Ehen fallen den ai*men Frauen zur 
Last. Die Mutualis erwarten eine Art Messias, unter den 
Namen 'Mohammed el Muhdi oder Sahab Seman, der sie 
durch seine Ankunft und an ihrer Spitze zu Ruhm und 
Glückseligkeit führen wird. Einige aus ihnen, wie PfiaiuER, 
berldhtet, halten daher ^fesättelte Pferde und Geld bereit 
tat diesen glöi^elchen Moment*. — Bei aBe» cnientaHschcn 
Völkerri Öfehen itfp, 'als ^in!e*i Rest der alten patriarchalischen 
Verft^isning d^rsel^Hen, deW grossen Eiiifluss, ded die Altern, 
auf die Jüngern; Ä!e V»ter äiif ihre Kinder aosubeii. Bei 
den Mutualis jedoch erreicht dieser an sich sehr löbliche 

* Dieser Umstand erinaert mich an Herrn v. Lamartine, der etwa» 
Äbnliche» von der Lady Esther Stanhopb erzählt und worübei* die ^uto 
Fran snch Kpäterhin, als sie es erfuhr, nicht wenig g^eärgert hat. 

55 * 

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858 

. Gebraueh einen forchtbaren Grad, indem bei ihnen die Väter 
durcli ihr Religions-Gesetz das Recht haben, ihre eigenen 
Kinder als Sklaven zu verkaufen , doch haben sie auch zu- 
gleich das Recht, ihre verkauften Kinder nach einiger Zeit 
gegen Wiedererleg der erhaltenen Summe zuiiickzufordern. 
Solche Kinder- Verkaufe geschahen z. B. noch im Jahre 1839, 
in weicher Zeit die Mutualis aus der Umgebung von Baal- 
beck nicht mehr im Stande waren, die ihnen von der Re- 
gierung aufgelegten Lasten zu entrichten. 

In der neuesten Zeit haben sich die Mutualis, die ihres 
persönlichen hohen Muthes wegen in ganz Syrien bekannt sind, 
durch zwei Unternehmungen ausgezeichnet. Die eine ist 
die Revolte oder besser gesagt der Raubzug des Hussein 
EL ScHiHiB, vulgo MoALLEM EL Chaos uud sclue verwegeoc 
Vei*theidigung auf den Felsen bei Makura. Er flüchtete sicli 
von da nach Hauran, wo er von den Christen gastfreundlich 
aufgenommen, verrathen, nach Damaskus geliefert und ent- 
hauptet wurde. Die zweite Unternehmung ist die Revolte 
des Emir Kandjar 1840, der, schwere Unbilden blutig rä- 
chend, sich der Revolte der Drusen und Maroniten anschloss 
und sich mit ausserordentlichem Muthe bis zu dem Augen- 
blicke herumschlug, als das energische Einschreiten der 
Aliiirten der egyptischen Herrschaft in Syrien ein Ende 
machte und der Emir jeder Verfolgung dadurch frei war. 
Die Emire der Mutualis sind zwar, wie die der Drusen und 
Maroniten, vom ältesten Adel, haben aber weder dieselbe 
Macht noch dasselbe Ansehen und waren zur Zeit der 
egyptischen Herrschaft, derselben in jeder Beziehung unter- 
geordnet. 

Die Anserie, Mossairie, Nassairie, welche 
Namen alle ein und dieselbe Sekte bezeichnen, wohnen am 
Dschebel Nassairie in der Gegend von Latakia, im Pascha- 
like von A|eppo und am Dschebel il Ala in der Gegend 
von Killis im nordlichsten Theile von Syrien*. 

* Ausser den schon vielmals erwfilinfen Werken besitzen wir über 
diese Sekte: 
Barhbbraus, Chronica syriaca. 
PococKB, Spec. bist. Arabum. 



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859 

Die g;anze Ronstruktioti der Religion der Massäfrie oder 
^Anserie ist, so weit wir sie liennen, ron der Art, dass wir 
sie für eine Sekte der Religion der Drasen Iialten müssen. 
VoLNEY sezt die Entstehung dieser Sekte in das Jalir 891 
und sagt, dass die Kreuzfahrer, den Erzählungen Wilhelms 
T. Ttrus zufolge, auf ihrem Zuge von Marah längs dem 
Orontes nach dem Libanon auf die Nassalrier gestossen 
wären. Diese Angabe seheint mir in jeder Beziehung un- 
richtig; denn erstens spricht Wilhelm t. Tyrvs daselbst nicht 
von den Nassairiern, sondern er spiicht von den Assasslnen, 
und dieser Name Ist In seiner gewöhnlichen Bedeutung des 
Wortes so allgemein*, und auf jede Bande von Meuchelmör- 
dern anwendbar, dass sich daraus durchaus keine Folgerung 
auf diese Sekte ziehen lässt * , In seiner besondern Bedeu- 
tung aber bezeichnet dieser Name einen geheimen, furcht- 
baren Bund, der theils auf politischen, thells auf religiösen 
Grundsätzen basirt, alle Schrecken der Yehme im Oriente 
verbreitete, der von jeher sich mehr den Ismaeliten anschloss 
und von dem wir gar nicht wissen, ob er je mit den Nas- 
salrlern etwas gemein hatte, oder nicht. 

Zweitens waren zur Zelt der Eröffnung der Kreuzziige 
auch schon die Drusen in Syrien, und die Nassalrier können 
daher immerhin als eine Sekte derselben zu damaliger Zeit 

Bernstein, de initiis et orig. religionum in Oriente dispersarnm. 
Ttchsen im deutschen Museum. 1784. 
WiLKBCf in Staijduns Magazin I. 

Unter den arabischen Schriftstellern vorzüglich MAKnisi. 
iu98Enui«N, orientalische Bibliothek, 
RiCAUT, history of the Ottoman Empire, etc. 

*** Sehr rationell ist die Ableitung des Wortes Assassin oder Assas- 
slnen von dem Plural und Dual „Haschaschin*^ Haschisch heisst nämlich 
im Arabischen eine Mischung von berauschenden Substanzen , als Mohn- 
saamen^ Hanfsaamen -etc.', ein Haschisch ist der, der Haschisch isst, um 
«ich KU begeistern. Diess geschieht *im Oriente hänfig in Verbindung 
g^it Kaffe. Der Pkiral und Dual von HaschAsch ist aber Haseliaschin. 
Wie leicht entstand ^daraus durch europäische Verstümmelung, durch 
schlechte Aussprache, durch absichtlichen Umtausch, das Wort Assassin. 
Die Assasslnen begeisterten sich durch Haschisch zu ihren Morden, wie 
wir wissen» ' 



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MO 

Auch «icfaifii besiiiud^n Imben^ ha» tiot «o fewirV^u' ht, du 
4ie «rsten, hestiminteB Nacbricbten toii dem yortianden^yn 
der Nassniri^r in Syrien in die exste Hälfte des 12. Jalirliuii* 
derts fallen^ als die Drusen scbon ein maclitiges Volk waren. 
IHIUeas entstand die Sekte der Oniaen in Cgypten aus 
dem religiösen Materiale, das ihnen iaj^ Cliriateiithuia , der 
Islam ^ Zeiid-a-vesta etc. darboten und der .K^ilife HAmif 
war die personifizirte Gottheit dieser Sekte; Die Nassaider 
nahmen diesen Gott niclit an , sagt VoiiKET^ soi^rn behiel« 
ten als den ihrigen den Au Ibm Abu Thjo^ep, d. i. den 
Schwiegersohn Au des Propheten Mohammsi^. Wer wollte 
sie denn zwingen, den Kalifen Ha&im als Gott zu erkt^onen ! 
frage ich, wahracheinlich doch nicht die entfernten Drusen, 
die erst mit £iide des 10. Jahrhunderts entstanden und an- 
fänglich kaum ihre eigene Existenz erhalten konnten« Bessei* 
ist es daher doch wohl, den religiösen Biichern der Drusen 
zu glauben, denen zufolge die Religion der JNassairier aus 
der ihrigen hervorging, und also die Gr^ndu^g jener Sekte 
wohl an 200 bis 300 Jahre später sich ergeben haben dürfte, 
als VoLNEY meint, der hier eine Verwechslung mit der alten 
Sekte der Karmathes zu macheu scheint, dieim J. 891 exh- 
tirte und von denen die nachmaligen Drusen viele mistische 
Dogmen entlehnt haben mögen. Auch die Erzählung Asut- 
FEDDAS von der Hinrichtnng des Schalmagani im J. 044 und 
die des Makrisi von der weissen Taube des Mohammed Ben 
Hassan im J. 717 scheinen sich auf Propheten der alten 
Sekte der Karmathes zu bezieben; denn damats existirten 
noch meiner Ansicht nach weder Nassairier noch Ismaeliteu. 
Vom 8. bis zum 12. Jahrhundeit war überhaiipt für den 
Islam eine Periode der Spaltung, aus deren Gewirre man 
sich nur schwer herausfindet. 

Der Stifter der Nassairie ist n^di Einigen der al« 
Prophet aufgestandene Massaier *, nach Andern ein aJter 
'' P«r iii^ht^ wie PsAtiim aa^t, «« Zeiten dea Au Utt Abu Xhais^ 
f^ielebl ii^b^n kann, wenn, wie er wieder «agto 4ie Religio« der NaMüincr 
aU «ipie soeUttge des döctritie« de$ Drmui et des «neiennea superstitioii« 
de« paiens gemacht wurde; denn Au Ibn Thalkp ist ja ideotiadi mit Au 
dem Scliwiegersolme Mqhammbds, des Stifters der Schuten; der im 7. Jafar< 
hunderte lebte, lange vorher, als es Dnisen ((ab. 



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801 

ATann aus dem Dorfe Nasar oder Ifassreya oder Nas0« ' 
rana im Lande Kufa, von welchem der Name nicht ange- 
geben ist, der aber in jedem Falle bei Begründang der neuen 
Lehre offenbar einen. Mittelwege zwischen den Dogmen der 
Drusen und denen der Mutualis oder Sehnten feinschlug. 
Vor Allem stiegen ihm Zweifel auf über die Göttlichlieit des 
Deus ex machina, des verrücliten Kalifen Hakim, und er 
sehlug sich in dieser Beziehung auf die Seite der Schiiten 
und predigte die Göttliclilieit des^Au Ibn Abu Thalep und 
seiner Frau der Fatime, der Tochter Mohammeds. Dadurcii 
kann man die Nassairier allerdings auch als eine Sekte der 
Schiiten betrachten. Im Übrigen behielt er die Lehre der 
Drusen bei, nur mit vielen Modifilcationen. 

Die Nassairier glauben an die Seelenwanderung und 
dehnen sie auch auf die Thiere aus. Nach ihnen ist Gott 
sieben Mal in der Welt erschienen, jederzeit unter mancherlei 
Formen. Da unter diesen nebst den meisten unserer Evan- 
gelisten und Apostel auch Jesus Christus erscheint, dessen 
Göttlichkeit überhaupt in der Lehre der Nassairie eine hohe 
Bedeutung hat und in dem Buche des Propheten INassaier 
die Worte vorkommen sollen ;>ich habe Christum gesehen'*',, 
der das Wort Gottes und Achmed ist, aus dem Geschlechte 
des Ali<< etc., so kann ich mich heimlich des Gedankens 
nicht enthalten, dass der Name Nassairie von Nasara iu 
Syrien und von Nasarie (Nazareth und Nazarener) und nicht 
vom Stifter der Sekte oder von Nassreia im Lande Kufa 
hennihrt, da jener Prophet auch ganz anders geheissen ha- 
ben kann; denn wir haben für seinen Namen Nassaier keine 
sichere Quelle: die Nassairier nennen sich .selbst »Mumen^^ 
und wenn möglich so überbieten ihre religiösen Biicher, die 
man zum Theil schon durch Niebuhr keiinf, die der Drusen 
noch an mystischem Unsinn; so muss i^ach denselben die 
Seele v^andern, um in dÜs Paradies zu kommen, bei guten' 
Menschen, Nassairiern versteht sich, nur wenige Mal, bei 
Bösen bis SO Mal, und wir Ungläubige bleiben zulezt gar 
Schafe, bis uns die schöne Fatime erlöst Was die An- 
vvendung ihrer Lehren auf die Moral betiifFt, so neigen sie 

* AU Gesicht, versteht sich. 



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8*3 

*8ich eiiienieUs xtark zum Purkaiiismiui, andverscita bezich- 
tigt man sie uoch bei weitem mehr als die Drüsen grober 
Unsittlichkeit bei ihren relig^iösen Yersammlongeo, die ganz 
denen der gnostiscben Selüen gleichen sollen. 

Seit dem göttlichen Ali Ibn Abu Thalep, den sie auch 
Saheb EL Kaimit EL Sarg^ (deo HeiTn des aznnien Daches) 
nennen, und dem Propheten Nassaieh sind unter ihnen noch 
zwei andere grosse Propheten aufgestanden, nämlich Diafar 
EL Tajah und Schecb Halil, von denen der erste die seltene 
Kunst besass, in der Luft herum zu fliegen. -Die Lehren 
ihrer Sekte halten sie, wie die Drusen, ungemein geheim und 
zu den Versammlungen in ihren^ denen der Drusen ähnlichen^ 
Bethäusern, Chalies, haben nur die Eingeweihten Zutritt, 
unter denen sich mehr Frauen befinden, als bei den Drusen« 
In wie ferne die den Nassairiern zugeschriebenen Misterien, 
im Sinne der Dyoqisischen, sich als wahr bestattigen, wage 
ich bei den noch geringen Kenntnissen, die wir von ihrem 
Kultus haben, und bei der Masse von Lügen, die darüber 
existirt*, nicht zu entscheiden, ebenso wenig, als ich über 
den Znsammenhang der Nassairier mit dem geheimnissvollen 
und furchtbaren Bunde der Assassinen, mit denen man sie 
häufig verwechselt und über die Verbindung, die zwischen 
ihrer Geschichte und der des Alten vom Berge (Sckech kl 
Dschebel) bestehen mag, ein UrthejI zu fallen mir erlaube. 
So wie die altern Schriftsteller die Nassairier häufig mit 
den Karmathen und mit der Sekte des Hakim Burka ver- 
wechselten, die allerdings den ersten Impuls zu dem drusi- 
schen Religionssystem gegeben haben mögen, so verwech- 
selt man in neuerer Zeit auch häufig die Nassairier mit den 
Jsmaelitcn, von denen man, wo möglich, noch abscheulichere' 
Dinge erzählen hört, als von erstern. Beide jedoch haben 
gegenwärtig als Völker keine politische Bedeutung, tmd 

* Worunter auch die geliört, duss sie die Vequs, Socbra genanDl, 
anbrteii. Soclira heisst allerding;« der Planet Venus, ist aber aucb der 
^iame der Faliine. Wie leicht können solche Missverstäodnisse zn Irrtlii- 
mern führen, wie leicht l(önnen einseitige Auschauungen diehöc|iste«Alr 
siiiditäten erzeugen. 



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863 

I 

unterstanden in lezter Zeit ganz und gar der hemchendeh 
Landes-Reg;iernng^. 

Die Iftmaeliten. Diese ilirer Zaiil nacli ulibedeiitende 
Selite wohnt ungefähr 500 bis 600 Familien stark am Dsclie- 
bel el Kadmus nnd am Dscliebel Iraschut in der Nihe von 
Latakia, unterhalb Merkeb. An welchen Orten sie aller« 
dings die nächsten Nachbarn der Nassairie sind, aber wel* 
ter in keiner Verbindung mit ihnen stellen. Die Begriaii^ 
düng ihrer Sekte fällt in das Jahr lOSO. 

Einige geben als Stifter dieser Sekte den Mohammso 
BEN IsMAEL an , der ein berüchtigter W&stling gewesen seyn 
soll und den seine Anhänger als einen zweiten Herkulks 
darstellten. Nach andern hingegen brachte Hassan ben 
Sabbach el Homairi^ die Lehren dieser Sekte aus Persien 
nach Egypten im Jahre 1093. In diesem Lande hatten sich 
zu jener Zeit unter der Herrschaft der Fatimiten bereits 
mehrere mistische Sekten gebildet und Hassan Ben Sabbach 
fand daher schon vorbereitetes Feld. Beide Ansichten lassen 
sich mit einander vereinen und ohne Zweifel war auch diese 
Sekte zugleich mit den Drusen und Nassairieiti ein Spröss- 
liiig jener Karmathen und persischen Mistiker, deren wir 
schon mehrmals erwähnten und sie durfte zu jener Zeit, In 
der die Sekten -Wuth, wie eine Hydra, in stets erneuerter 
Kraft um sich giiff, ihren ersten Impuls wohl ebenfalls dar 
Bildung der Lehre der Drusen verdanken, mit der sie, so 
ivie auch mit der der Nassairler, so Manches gemein hat. 
Ob der Name Ismaeliten, von Mohammed ben Ismael, 
oder von Ismael, dem Enkel des Kalifen Au, herrührt, von 
dessen Nachkommen diese Sekte behauptet, dass sie die 
rechtmässigen Erben des Kalifats seyen, das las^e ich da- 
hin gestellt. Im Jahre 1105 kehrte Hassa'n ben Sabbach 
wieder nach Persien zurück und eroberte das Schloss Alamut 

* Makbim erzählt die Traiisiiguration eine« Scliwäriuers in die 
Pei'HOii des Mohammbd bbn Hassan, eiues Häuptlings der Ismaeliten im 
J. 717, was den ajideru Angaben zufolge auf jeden Fall eine andere 
Person als Hassan ben Sabbach ist und wobei abermals eine Verweclis- 
iuiig der Ismaeliten mit andern damals schon bestanden habenden Sekten 
^lall KU linden scheint. 



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SM 

im Lande Rudbar, welker Plats der Hanphiitz der lanaeKtea 
wurde. Es scheint, dass die Sekte der IsmaeHten Yon Yome 
äisrets nicht n«r Mos eine religiöse, sondern auch eine po- 
litisebe war, die unter dem Namen Assassinen oder Mola- 
hides, Ruchlose, wie ihre Zeit-Genossen sie nannten, ehie 
Art geheimer Brüderschaft bildete, welche im Oriente did 
Wirksamkeit einer geheimen Vehme übernahm, vor der 
hochgestellte Personen mit Recht zitterten. Sie hatten ihre 
eigenen Fedawis, oder „sich Aufopfernde^^, die durch Haschisdi, 
das Surrogat des Opiums, begeistert, Morde an Fürsten 
«nd andern Personen im Auftrage ihrer Oberhäupter begin- 
gen, Morde, die durch das Entsetzliche und Geheimnissvolle, 
ja Unerklärliche der Umstände, welche dieselbe begleiteten, 
Furcht und Schrecken ringsumher Yerbreiteten. Das Ober- 
haupt der Sekte, welches auf dem Berge Alamut banste, 
sollte eben der Alte vom Berge, Schech el Dschebel, gewe- 
sien seyn, jener unsichtbare, furchtbare Richter, von dem so 
viel erzählt und so viel gefabelt wurde ^ Zur Zeit derKreuz- 
afige, im zwölften Jährhunderte, fand sich diese Sekte be- 
reits in Syrien, wo sie durch ihre Umtriebe eine bedeutende 
Rolle spielte. Unter dem Schech el Dschebel Alamut, dem 
RoKA KD DIN CiioRscBAH, wurdo im J. 1276 das Reich der 
IsmaeHten in Persien durch die Mongolen zertrümmert und 
das gleiche geschah mit den Burgen und befestigten Plätzen 
•derselben in Syrien im J. 1292 durch den Snihin Bibak. 
Von diesem Momente an scheint die Sekte ihre politische 
Bedeutung verloren zu haben und es ist ihr nur ihre re- 
ligiöse geblieben, denn ein wiederholtes Auftreten der 

* Die besten Nachrichten in: 
3* V. Hammbhs Creschiehte der Assassinen. Stuttgart 1818. 
RoussBA0, Memoires sur les Ismaelis et Nosairis cn Syrie^ 
JouRDAiN, Notices et Extraits de la Biblioth. du Roi. IX. Persisch nM 

französisch, Mirchonds Nachrichten enthaltend. 
Kadi Bedaui und Makrisi in de Sacy Chrestom. arab. I. 
AfiULFEDDA. Annales ed. Reiskc-Adler III. 
Quatrem^re, Notice historique sur les Ismaeliens. In den Fandgnnihfa 

des Orients lY, mit Zusätzen von B. v. Hammer. 
WiLKBns Geschichte der Kreuzzüg:i*, II. 



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8«» 

AnAHMiiucii in Syrien im J^ 134)2 war vocäliergi^heiij .npd vielr. 
leicht auch in kehier Berübrang mehr mit 4eu laaiäeliten 
stellend, (legeawärtig sind sie ia Persien sowohl als uk 
Syrien ohne besondere Bedeutung. Qass vop einer so son- 
derbaren Sekte die sonderbarsten Sagen bestehen, ist wohl 
liatürlieh und um so mehr, da sie Ihre Gtaubenslelir^n aus- 
serordentlich geheim hält, und es bisher noch nicht gelang, 
sich ganz genaue Kenntniss davon, zu verschaifen. Vielleicht 
gab man sich auch zu wenig Mühe und, wie mir scheint, sehr 
mit Unrecht; denn die Geschichte der menschlichen Verir- 
ruiigen zu allen Zeiten und bei allen Yolkern dorfte fiir 
Ulis Menschen sehr belehrend, sehr wichtig, und besonders 
jenen Eiferern zu empfehlen seyn, die in unserer Zeit des 
«VorwärtssGJireiten.H eine Zunalime des Sitten-Verfalles seben. 
Die Ismaeliten in der Bedeutung der alten Assassinen haben 
auch durchaus nichts gemein mit den Thugs oder Thags in Ost- 
hidien. Diese schreckliche Raubmörder- Verbrüderung ist 
Kwar allem Ansehen nach ebenfalls eine i*eRg)5se Sekte, 
ihre Konstitution ist jedoch eine ganz andei*e , sie sind Fe«^ 
fisfhanbeter und die Tendenz ihi'er Morde ist der Raub, 
während er bei iien Assassinen, wenn aireb nieht immer,* 
doch meist mit einem politfscben Zwecke Terbunden war. 
Man sehe iiber diese merkwDrdige Sekte die philosophisch 
und juridisch höchst interessante, von der engllsclien Re~ 
{>:ierung herausgegebene Schrift: Ramaseeana, or a voeabiH 
hiy of the pecullar language used by the Thags efc. Ca!-' 
eutta 18S0 und €onTersations>Lexikon der Gegenwart. 4.Bd; 
2. Till., S. M. Leipzig 1841. 

Dem zufolge; was wir von d^n Ismaeliten durch dK: 
Mittheiiungeit'andei^er wissen , sind sie Sdiiften, oder Alt^ 
Mtiger des Aü,' dessen Lehre jedoeh dui*eh ihi*e Zttsftt^e 
j!:anz TerunStältet ist. Sie glatfbc^iraii die Seele« Wanderung,' 
lind wie die Lehre der Drusen und Massairie, ist auch die 
lUre voll mistfschen OnsliViis. Fatime, Aii's Frau, wird von 
ihnen göttltc^i vierehrt, und diese Verehrung kann, je nach- 
dem sie in einer Form vorgenommen wird, zu vielen der 
Gerüchte Anlass gegeben haben, über deren Wahrheit oder 
Unwahrheit ich nicht abzusprechen wage. Dahin gehöil 



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866 

e. B. die ,g5ttllche Verehrung des Padendum muliebre irgend 
einer Eingeweihten bei ihren Versammlungen, der Gebrauch 
einiger Frauen, einen kleinen q>akkoQ * als Sehmuck am Halse 
zu tragen, ihre gnostischen Feste selbst etc. 

Kurz folgen wir dem Sprichworte vox populi vox Del, 
so sind die Ismaeliten eine der abscheulichsten Sekten. Ob 
ihre religiösen Bücher, die bei der Zerstörnng von Alamut 
In die Hände der Mongolen geriethen, mit jenen, die spä- 
terhin, im 15. Jahrhunderte, mittelbar in die Hände Mir- 
CHOMDS. gelangten, desselben Inhaltes gewesen sind, möchte 
ich wohl bezweifeln , denn erstens ist es mir nicht wahr- 
scheinlich, dass die wilden Mongolen diese Bucher der Zer- 
störung ent^gen haben und zweitens ist es mir noch un- 
wahrscheinlicher, dass diese Quelle bei dem wilden Sekten- 
geiste damaliger Zeit durch zweihundert Jahre rein und ohne 
Zuthat geblieben wäre. 

Die Ketames. Diese kleine Sekte wohnt in wenigen 
Familien vereint am Ostgehänge des Dschebel el Kadmus 
und in dem kleinen Thale Waddi el Kandll. Sie bilden ein 
ruhiges, harmloses Völkchen, dem man nichts Bösiis* nach- 
sagt. Ihre Religion ist wenig bekannt, doch dem zufolge 
was man davon weiss, scheint sie ebenfalls persischen Ur- 
sprunges zu seyn; denn wir treffen bei ihnen, wie in der 
Lehre des Zoroaster, ein gutes und ein böses Prinzip. Sie 
opfern beiden, besonders aber leztern, Schafe und Ziegen. 
Ihrer Ansicht nach ist das böse Prinzip das vorwaltende, 
daher schenken sie ihm auch mehr Rücksicht als dem gmten. 
Sie verehren sehr eine Art kleiner, schwarzer Schlangen 
und pflegen sie in ihren Häusern, indem sIq in dem Wahne 
stehen, dieselben seyen die Günstlinge des bösen Prinzipes, 
die demselben alles erzählen, was sie sehen und hören. 

* War denn der Priapus-Dienst in 4ien Tempeln xu Theben nichr 
ein ähnlicher Umstand, und fanden wir nicht in der alten Römerstadt 
Pompeji die unwiderlegbarsten Beweise, dass diese extravagante Toilette 
auch zu jener Zeit stattfand? und überhaupt ist ja dieser Kultus oft und 
unter mannigfaltigen Formen, selbst bei den erleuchtetsten Völkern, ge- 
übt worden. 



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8G7 

Die Jesides. Bereits im 7. Abschnitte dieses Bandes 
habe ich über diese Sekte gesprochen. Die Jesides wohnen 
vorzüglich, wie wir schon wissen, in Kurdistan und zwar am 
Sindschar Dägh, südlich von Mardin in der Provinz Dsclie- 
slrah, ein kriegerisches Volk von beiläufig 200,000 Seelen^ 
mit dem ÜAFis-Pascha in lezter Zeit Krieg führte. Einzelne 
Familien derselben finden sich auch im Paschalike von Adana 
und einige wenige im nordlichsten Theile von Syrien bei 
Killis und am Dalük Baba bei Aintab. Demnach, was wir 
von ihrer Religion wissen, hat sie zwar einige Ähnlichkeit 
mit der der Nassairie, mit denep man sie auch häu6g ver- 
wechselte, unterscheidet sich jedoch schon in ihren Haupt- 
Grundsätzen scharf von derselben, und noch ferner stehen 
sie den Ismaeliten, mit denen man sie ebenfalls häufig ver- 
wechselt sfeht; so vde auch einige Schriftsteller und, wie 
ich glaube mit Unrecht, sie als einen Theil der alten Assas- 
sinen bezeichnen, mit denen sie ebenfalls vielleicht nie et- 
was gemein gehabt haben. Ihr heutiger Name Jesides 
stammt, wie man glaubt, von dem arabischen Generale Je- 
siD ab, der den Enkel des Mohammed, den Hussein, tödtete 
und die Familie des Au mit Erbitterung verfolgte. Diesen 
Jesid betrachten die Jesides selbst als ihren Religionsstifter 
und sind daher nicht, wie die Nassairie, Schiiten; sondern 
stehen in dieser Beziehung den Sunniten näher. Demunge- 
achtet herrscht zwischen ihnen und den Türken tödtlicher 
Hass and leztere benüzten seit je jegliche Gelegenheit, die 
blutigsten Verfolgungen gegen sie auszuüben. In diesem. 
Hasse und in der bekannten Stupidität, mit der die Türken 
über derlei Gegenstände urt^eilen und absprechen, gründen 
sich gresstentheils die abenteuerlicheu iind garstigen Dinge» 
die man dieser Sekte iiadigesagt hat und die. sich durch 
kenntnisslose Nacherzählungen bis auf unsere Tage verbrei- 
^ten. Die Religion der Jesides trägt den Tipus persischer 
Abkunft unläugbar an skh, hat. sich jedoch später durch 
die Aufnahme vieler Lehrsätze der Nassairie, der Drusen 
etc. bereichert, oder vielmehr noch mehr verunstaltet. 

Sie verehren nach Zend-a-vesta ein gutes und ein böses 
Prinzip, welch lezterm sie nicht minder gottliche Ehren 



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86S 

erweteen, als ersterm, daher sie d)e Türken geradehin zu 
Tenfelsanbetern itiaehen *. Gesezt aber auch, sie waren das, 
ivas äie wirklich nicht sind, so uinss nnan ihnen doch die 
Ehre lassen, dass sie in dieser Beziehung mehr Ästhetilc 
besitzen, als Christen und T&rken ; denn sie stellen sich das 
böse PrluÄip vei-körpert, als ein schönes, majestätisches 
Wesen vor, voll Geist und Leben, wie der Präsident in 
MiLi^oNS Dämonen-Senat übrigens verkörpern sich die Je- 
sides das böse Piinzip auch in der Gestalt einer Schlangle, 
v^as sehi*' an die Bibel erinnert und welches Dogma, nur in 
anderer Form, wie wir gesehen haben, auch bei den Keta- 
mes Anklang zu finden scheint. Am 10. Tage des Neu- 
mondes,' im Monate August, feiern die Jesides in Kurdistan, 
denli bösen Prinzipe zu Ehren, in einer grossen Höhle am 
DsChebel Abdul Asiss, 15 Meilen südlich von Merdin, ein 
Hauptfest, zu dem sich die Gläubigen aus gi-osser Ferne 
versammeln. Opfer werden gebracht, es wird bei Packel- 
schein getanzt und wie wir jezt zu hören schon gewohnt 
sind, so sollen sich auch diese Feste mit erotischen Scenen 
in der tiefsten Tiefe der Höfale enden. Die Jesides glauben 
ferner an die Seelenwanderung und zwar in der Bedeutung, 
wie die Drusen, Mutualls und Nassairie. Sie haben unter 
ihren Transfigtrrationen der Gottheit, in verschiedenen Pe- 
rloden, CuRistuM, MoSfis, Mohammed, die Apostel und Evan- 
gelisten etc. Überhaupt haben sie für das Christenthnm 
€^ne hohe Achtung mid sehr häufig unteratiitzen «ie die 
christlfcheh Klöster in ihrer lHihe nach allen Kräften. In 
de^ii äussferlichen Gebräuchen des üslüihs aber, Weintrtnken, 
Waschung^en etfc. betreffferid^ haben sie ihre eigenen Änsich- 
f^nf, die sehr' vocldtufen der Muhamediinef abweichen. Ihr 
$chebh,' 'der dks ' Gi-ab des ReRg!ohsst!fters Jesiö bewaclit, 
Whd wie eih fleriig'er betlraöbtet iTiid sein Adjnnkt ist es, 
der ätü Grabb lleis iE*rbpfaeten die fortdäucfriiden göttlichen 
öffeiibairung^en empifen^: Die Jesides hind nicht beschnitten. 
' Der Häss ' zülSchen Türken und Jesides ist, wie ges^igt, 
glühend und 'So' stark, dass jeder von be'iden eS' für eine 

•'/• •*' j. » • I..: .. _ .,:•*..'., 

, *, Vova^e dans TAsie niineiir etc., par B. Poitjöül^t., Tora. 3. Bru- 
xel'les 184l'. '* ' ' * * '" ' ■■ " ' • ' 



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M9 

Gott höchAt gefällige Handlung betrachtet, den ander» %n 
ermorden. Merkwürdigerweise erwürgen die Jeaidea ihre 
Rache-Opfer und zwar, mit fanatischer Wuth *. Die Tiirlieii 
und ihnen nach auch die Araber thellen die Jesides In drei 
Kasten^ in Schamsie, Scheitanie und Kathelis, d. I. in Son« 
uenanbeter, Teufelsanbeter und Erwiirger. Diese Einthei«'. 
luDg ist Erfindung der Türken; denn die Jesides selbst wis^ 
sen nichts von diesen Kasten. Den Grund der Benennungen 
^Teufelsanbeter und Erwüj*ger'< können wir aus dem Vor* 
hergehenden uns entziifern und dass der Name Sonnenan* 
beter in einer ähnlichen Absurdität seinen Grund hat, bbi 
icli, so weit ich die Urtlieile der Türken als Quellen kenne, 
fest übei*zeugt. Hingegen thellen sich die Jesides selbst in 
schwarze und weisse. Jene sind die eingeweihten, die Prie*? 
ster, die Fakirs, die Akals der Drusen, diese die Laien, die 
Unwissenden, die Djabels der Drusen. Beide unterscheiden, 
sich durch die Kleidung, bei erstem Ist sie immer dunkel^ 
farbig mit hohen, schwarz und gelben Mützen. Stirbt ein 
Jeside, so versammeln sich alle, schwarz und weiss. Feste, 
feiernd durch die ganze Nacht, der Wanderschaft ihi^es 
Bruders nach Jenseits zu Ehren. Die Seele des Dahinge-^ 
Bcbiedenen durchwandert alle Sterne, die sie auf dem Wege 
trifft, wird auf jedem derselben mehr veredelt und kömmt 
endlich rein und der irdischen Sdilacke frei Im ätherischen 
Lichtkreise der Gottheit an. Eine herrliche und hAolist 
poetische Idee! So gibt uns auch PEaaisa C'c^ Sjrie aons le 
Gouvernement de MBU£MEi>-ALi S. 276) eine höchst lotereB-« 
sante Sclillderung ihrer nächtlichen Feste dem bösen Pria^. 
zipe zu Ehrjen, .deren volist&ndige Richtigkeit. ick ndr zwai^> 
nicht zu verbürgen.. getnaue^ sind, aber alle Umstiünde ao,. 
»0 muss der Schall der TaoibttHnenJn tiefer, dttaklerNaeftt^> 
das gellende. Rufe». des bösen Geistes V4»n dei».fi4fci^n; be^. 
rab, das Miederstürzen der ganzen Versammlung «aiif.'dali 
Angesicht, die auf künstliche Art. faerirorgebnachtemagischai 

* Die häufigen Türken-Morde von Seite der Jesjdes liaben nur 
Hache zum Zweck, und kommen, wie sie der Aug^enbTick bringet, sie sind, 
daher weder mit den systematischen Morden di>r Assatisdilen, noch lAif 
(ien R«abmfllrd«ir d«r -Tlii(ts m t«r|^l«fieb«nv *!} > 



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870 

Belenchtnog; des Ober-Priesters (el Dscheil), dessen phan- 
tastische Kleidung etc. einen erschütternden, die Sinne ver- 
wh*renden Eindruck machen. 

Die eingebornen Christen bilden, in einer Seelen- 
zahl von ungefähr 650,000, ausser den Maroniten, die allein 
an 320,000 Seelen zählen, nach den Arabern bei weitem 
den grössten und mächtigsten Theil der syrischen Bevölke- 
fung. Ein Körper von ausserordentlicher Kraft, wenn seine 
Theile zu einem .Ganzen vereint wären, aber so in Sekten 
zertrümmert, schwach, unterjocht und unmächtig. Nicht 
minder als die mnhamedanischen Sekten verfolgen sich die 
der Christen untereinander und von der Liebe und Duldung, 
die unser göttlicher Lehrer predigte, sind wenig Spuren 
vorhanden. Kommt es auch selten zu offener, blutiger Fehde 
unter diesen Parteien, so mangelt es doch nicht an wirklich 
skandalösen Auftntten. Dahin gehören die sich fast jähr- 
lich wiederholenden ärgerlichen Scenen am Osterfeste zu 
Jerusalem, bei denen die Türken in der Grabeskirche unsers 
Heilandes häufig durch Schläge Ordnung machen müssen, 
um Mord und Todschlag zu verhindern, dahin geiiören die 
zahllosen Intriguen, Verläumdungen -und Bevortheilnngen, 
die eine Sekte gegen die andere verübt, und durch die die eine 
gegen die andere die Türken, als herrschende Partei, aufzu- 
hetzen bemüht ist, wodurch sich die Christen selbst in den 
Augen der Türken, wie mich diese oft versicherten, entwür- 
digen und herabsetzen« Die meisten Uintriebe solcher Art 
fallen anerkannt den schismatischen Griechen zur Last, wie 
wir bei meiner Reise in Palästina umständlicher sehen wer- 
den. Sie bedienen sich, um sich zu bereichern, gegen die 
Pilger des gröbadsn Aberglaubens als Mittel, und verfolgen 
dabei die andern Parteien, besonders die Katholiken, wo 
sie nur können. Da sie und die Armenier auch in der That 
die wohlhabendsten dieser Parteien sind und mit Geld, wie 
bekannt, bei den Türken und allen orientalischen Völkern Alles 
zu erlangen ist, die Katholiken aber, durch die, vermöge den 
p\)Iltischen Stürmen in einigen - katholischen Ländern, dem 
Vorwalten des Protestantismus in vielen, früher katholischen, 
europäischen Reichen und vermöge der herrschenden Meinung 



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Ikb in grosser A^'P^th stein bc^ndeo, wie icb m\cb ß^hßit 
überzeugtet, so ist es natürlich^ ^asß die Ka^boUk^a diu 
Uttterdrucliten siii4 und bereit» viele c|6r von ihaeii fruliAf 
besessenen heiligen Orte verioren haben. Wir ^elieii natef 
4den Christen in Syrien unirte und nichtuiiJr'fe ßrie- 
eben, katholische und akatbo|iacbe Ari><fnior 
und Katholiken, die säpiintlich unter dem Nansen Let 
V an t in er begrilfen werden und tbeils de^i Prif^ratande 
angeboren, in Klostern vertheilt leben, theila al^ Handels- 
leate in ganz Syrien zerstreut sind. Die Sitten und 6e* 
brauche dieser orientalischen Christen sind bekanut* Der 
grösste Theii derselben, di^ Seestädte und übrigen Handels? 
Städte ausgenommen, wo sie zum Theil efnen grossen Wohl* 
stand erlangt haben, dürfte wohl in dem südlichen &yrien| 
in Palästina, leben, wo ihre Existenz eigentlich sich reio 
nur auf die vorhandenen Klöster und auf die jäbrliel^ 
Iiinwandernden Pilger gründet und wo sie d|iber meis| 
in bitterer Armuth schmachten. Eine weniger zahlreiche 
Sekte sind die Kopten aus Egypten, die meist im pitnste 
der Regierung sich befinden, nur zum kleinern Tlieile Ach 
mit Handel beschäftigen und eigentlich zu den fremden Völ^ 
kern Syriens, nicht zu den Eingebornen geboren^ Noch 
geringer an Zahl sind die Protestanten. S}e g/^örei| 
ebenfalls fast durchaus fremde^ Familien an uffi ibf Er* 
scheinen in Syrien fällt in die qeueste Zeit Welc^ie Folr 
gen die Dahinsendung des Bischofs A^kxandsii yeip Seit^ 
Englands haben wird, muss die Zukunft lehrepp 8p weit 
Ich das syrische Volk kenne, so glaube ich, dass er W^^ 
den übrigen orientalischen Christen vor der Hand wenig 
od^r ((cipieQ Anhang finden wird und dass die AiKsabl aeiner 
Ijiemelodeglleder sich noch lange auf ihn pnd seine jfapili^ 
auf einige Missionäre und auf durchziehende Freifi^e her 
Bchr4nk«n dürfte. Aller Anfang ist schwer, daliejr ^wf mm 

*, Vor Kurzem wurden in Österreich^ in edler Anerkennoog der 
traurig;en Lage unserer Glaubensbrüder ^ allgemeine Sammlungen bc- 
^villigt 

Kkmkgoca, Rciftca. 1. BU. 'i. Tbl. 55 



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672 

ftoch in dieser Beziehung an einen seiner Zeit aieli er- 
gebenden günstigen Erfolg, meiner Ansieht naeh, von yome 
herein wohl zweifeln, aber nicht verzagen. Die mächtigste 
Partei der syrischen Christen und die, welche unter ihnen 
die höchste politische Bedeutung hat, sind die 

Maroniten. Sie wohnen als Yolksmasse theils in 
Distrikten für sich in dem*Theile des Libanon von Tripolis 
bis zum Nacher el Kelb, theils mit den Drusen zusammen, 
in den Gebirgen vom Nacher el Kelb bis zum Nacher el 
Auly. Mit den Drusen theilen sie, wie schon erwähnt, 
ihre Verfassung und ihre Stellung zu der Landes*Reglerun^. 
Ausserdem bewohnen sie mehrere Distrikte am AntiÜbanon, 
in Colesyrieu zwischen Baalbeck und Hama, bei Damaskus, 
in Hauran etc., und sind als Handelsleute und Gewerbetrei- 
befide in den Städten Syriens zerstreut. Die Maroniten, von 
ihrem Stifter Marun so genannt, sind ein Rest der byzanti- 
nischen Monotheieten., Bereits im 6. Jahrhunderte erschei- 
nen sie als Mönchsorden am Libanon, verbreiteten sich wei- 
ter, wurden aber durch die Melchiten im 7. Jahrhunderte 
an den Libanon zurfickgeworfen , wo ihre Verfolger durch 
nnausgesezte Neckereien sie endlich zu einem freien, tapfern 
Bergvolke heranzogen, das sich seinen Feinden furchtbar 
zu machen verstand. Ob der Priester Maro oder Marum, 
der im 7. Jahrhunderte am Libanon eine bedeutende Rolle 
spielte, identisch mit dem Stifter dieser Sekte oder ein An- 
derer war, wage ich nicht zu entscheiden; ich halte ihil 
wenigstens für den eigentlichen Stifter selbst, der als solcher 
die heutigen Maroniten aus den Monotheleten formte. Die 
Maroniten unterwarfen sich mehrmals dem Papste, behielten 
aber immer ihre Eigenthümlichkeiten bei, bis sie endlich im 
Jahre 1736 zu Mar Hanna in einer grossen Synode die 
Beschlüsse des tridentinischen Konsiliums annahmen, seit 
welcher Zeit sie denn den Katholiken einverleibt blieben, 
es blieb ihnen jedoch, mit Ausnahme der Mönchsorden und 
der höhern Geistlichkeit, die Priesterehe nach griechischen 
Normen, der Gebrauch der arabischen Sprache beim Gottes- 
dienste iiberhaupt und der der altsyrischen bei der Messe ins- 
besondere, und es gelang dem römischen Hofe bis zum heutigen 



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873 

Tft^e noch nicht, ihre eig;eiithuml!che Liturgie ganz anfeii« 
bebeil. Ihre Dogmen sind bekannt, so auch ihre Sitten, 
als ein wahrhaft oiientalisches Volk und ausfiihrlich ge* 
schildert von vielen Reisenden, als Niebdhr, Burkhardt, 
VoLNEY, Perrier ctc. Im Jahre 154S entstand zu Rom ein 
maronltisclies Kollegium zur Ausbildung ihrer hohem Geist- 
lichkeit. ^— Der zahlreiche Klerus der Maroniten, ihre in 
mehr als 200 Klostern blos am Libanon vertheilten Mönchs- 
orden, üben auf die Volksmasse einen um so grossem Ein- 
flnss aus, da sich der Verfassung zufolge in ihren Händen 
der grösste Theil der Administration und der Ausübung der 
polizeilichen Aufsicht befindet. In der Reihe ihrer Klöster 
findet man auch welche europäischer Orden, z. B. das Kon- 
vent der Lazaristen zu Antura und ein Nonnenkloster da- 
selbst. Das zu Kürked bestandene Nonnenkloster erhielt 
durch die abscheulichen Umtriebe der Äbtissin Hindib im J. 
1770, Vielehe Geschichte uns Volnet ausführlich erzählt und 
die vor dem päpstlichen Hofe zur Verhandlung gelangte^ 
einen Ruf, der den Maroniten in den Augen der Ungläubi- 
gen nicht wenig schadete, im Übrigen jedoch führen die 
maronitischen Mönche und Nonnen ein Leben der strengsten 
Entsagung, der härtesten Arbeit und stiller Betrachtung, 
ein Leben, das ihnen die Achtung aller Menschen erwirbt^ 
die sie kennen lernen. Auch die Franziskaner der terra 
Santa, die Jesuiten, die Griechen beider Confesslonen ete. 
besitzen Klöster am Libanon. 

Der Patriarch der katholischen Griechen residirt bald 
za Ain Dress bei Deir el Kammar, bald zu Suk Michael, 
der der syrischen Katholiken in einem Konvente im Distrikte 
Kessruan, der der katholischen Armenier zu Deir-Om-Scho- 
mer in Kessruan, In diesem schönen Konvente, so wie in 
Deir Hakbe bei Gasir befinden sich gut eingerichtete Prie- 
sterschulen der Armenier. 

Di6 schismatischen Griechen, die Melchiten, Jakobiten 
etc. besitzen ebenfalls am Libanon bei Tripolis 17 bis 20 
Klöster und ihre Patriarchen residiren meist zu Damaskus. 

Der am Libanon bei den Maroniten sich befindende Le- 
gat des römischen Hofes wohnte früher in Kannobia, später 

56 * 



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874 

bMog er Bed el HawHwa oder Haq^ (Haps de* Wradea) 
bei Bed el Din und wohol; im Winter ia Kiirked , obf»rliai|) 
Suk MiGliael. 

Die Bfaroniten des Libanon sind gegenwärtig im Stande, 
90|000 bewaffnete Männer ins Feld zu stellen, eine für den 
fiuertUas-Krieg in den Schluchten des Libanon höchst be- 
deutende Macht, und doch von wenig Wirkung durch Un- 
Ainigkeit in ihrer Mitte und durch den Eigennutz ihrer 
Häuptlinge, durch welche Stammubel blzantinischer Erbschaft 
08 kömmt, dass sie von den an Zahl weit geringem Drusen 
unterjocht bleiben. 

Die Juden, das nnglücliliche, heimathlos in die Welt 
hinausgestossene Volk, mit seiner Geschichte voll glorreicher 
Erinnerungen, mit seinem alten Ruhm der Wissenschaft und 
Kunst, sucht irrend auf der weiten Erde sein verlornes Ka- 
naan und betrat wieder Syrien, das gelobte, das ihm ver- 
lieissene Land, das Land seines alten Glanzes. Seit der blu- 
tigen Vertreibung aus Spanien durch Feuer und Schwert im 
J. 1492 haben sich viele Jud^n wieder nach Syrien gewendet, 
«ro sie, besonders in Palästina, leben und in der bittersten Ar- 
muth schmachten. Sie treiben theils Handel in den syrischen 
Städten, theils bauen sie das Land, und wir werden auf sie 
in Palästina wieder zurück kommen. 



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Nachtrag zu Seite 821. 



Verzeicfaniss der Abgabe» in Syrien und dem Paschalike 
von Adana im Jahr 1835 und 1836. 

CDto Qoldbftr^e iir Guldeti Konventions-MuHXOk) 



Disttikte M Syrien. 


1 




•i 

1 


Sil 




1 

i ■ 
1 


Akre totä «lüffa . . 
Jerusalem . « . . 
Sur und Seide . . 

Britta . • « « . 

Damaskus » . • . 
Tripolis .... 
Latakirf , . . . > 
Aatiochia .... 

Ä : : : : : 

Emir der Pmsen . 


aeoooo 

45600 
39400 
17400 
302250 
12000 
•WfOO 
113500 

ärsooo 

140000 

65000 


78000 
22500 
48750 
70000 
lOOOO 
21550 

;r8500^ 

9000 
104000 


2400 
46550 
40^0 
^00 
18400 
2350 
2550 

8000 

• 


104000 
72750 
59150 
67550 

182900 
48400 

240000 
50000 

160000 

179000 


156000 
39000 
14500 
21 000 
60B0 
37900 
48900 

73500 
175009 


693300 
22640Q 
165850 
183550 
618600 
122200 
S37450 

82500 

^ 620500 

603000 

65009 


Summe 


1806250 


397300 


86300 


1254650 


573850 


3618350 


pMchaltk V. Aiana. 
JMML . . . V . 
Ansarische Gebirge . 
Tarsus 


90000- 

125000 

35600 


18860 
26250 


« 
• 


14360 

228300 

24000 


237*500 


82904 

590800 

85850 


Summe i. Karamanien 


180600 


44800 


, 


266650 


237500 


729550 


Hauptsumme . . T 


1 1486850 


442100 


86300 


1521300 


811350 


4347900 



Erst nach Vollendung; des 1. Bandes meines Reisewerkes 
finde ich unter meinen Reise-Notizen vorstehendes Verzeich- 
niss der von der egyptisohen Verwaltung; in den Jahren 1835 
und 1836 in Syrien und Karamanien (PaschalilL Adana) jahr- 
lich erhobenen Abgaben. 



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87ß 

Mir wurde dieses Verzeichniss von Jemanden mitgetheilt, 
von dem ich die vollliommeue Einsieht dieses Gegenstandes aller- 
dings voraussetzen muss, ohne dass ich jedoch die vollstän- 
dige Genauigkeit der Ziffer geradehin verbürgen will. Die 
Beträge der gesammten Abgaben von Syrien pr. 3,618,350 fl. 
Konv.-Mze. und von Karamanien mit 729,550 S. Konv.-Mze^ 
also zusammen mit dem Betrage von 4,347,900 fl., haben 
meiner Ansieht nach den Charakter der höchsten Wahrschein- 
lichkeit für sich, doch ergeben sich gegen die nicht minder 
verlässlichen Angaben Perriers in den Einzelnbeträgen einige 
nicht unbedeutende Differenzen , die offenbar in andern Kom- 
binationen der Abgabejiquoten ihren Grund haben mögen. 
So beziffert Perrier die Abgaben der Emire des Libanon 
auf 339,100 fl. Konv.-Mze., während in nnserm Verzeichnisse 
der Emir der Drusen nur mit 65,000 fl. Kon,-Mze. vorge- 
tragen ist Offenbar ist in lezterm Falle die ganze Stener- 
masse der Maroniten, Mutualis und eines grossen Theils 
der Drusen mit in den Steuerquoten von Beirut, Tripolis, 
Seide und Naplns eingerechnet, und die Summe von 65,000 fl. 
bezieht sich ohne Zweifel nur auf die Besitzungen des Emir 
Bbschir im engsten Sinne des Worts. Auch ist es auffallend, 
dass der Charadsch von Aleppo im Gegenhalte des von Jeru- 
salem und Damaskus so sehr gering ist, und dass Antiochia, 
Adana, Naplus und Tarsus gar keinen zahlen sollten, dass 
Antiochia, Adana und Tarsus frei von verschiedenen Auf- 
lagen sind etc. Es scheinen auch in diesem Falle Ver- 
mengungen der Steuerbeträge die Ursache dieser auffallen- 
den Angaben zu seyn. Da jedoch die Summen , wie gesagt, 
richtig seyn därften, so ist dieses Verzeichniss immerhin wich- 
tig genug, um hier nachträglich angeschlossen zu werden. 



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Verbesnenmgeii. 



Seite Zene 

119 8 V. o. lies Allee statt Alee. 

181 17 V. Q. 1. 244 Sanlen st S4 Sanlen. 

211 ^Tabelle, L Thermometer an der Sonne st. Thermometer im freien 
Schatten 9 nnd umgekekrt 1. Thermometer im freien 
Schatten st Thermometer an der Sonne. 

308 17 V. n. 1. Hyskos st. Hyksos. 

315 15 V. n. L georgische st gnoriscbe. 

335 8 V. o. 1. erholt st. erhellt 

340 5 V. O. 1. 1836 st. 1837. 

445 13 T. o. 1. obem st. nntem. 

447 11 T. o. I. FaTOsites st Tavosites. 

502 11 ▼. o. 1. Meiler st. Weiler. 

690 Anmerkung 1 1. Weltall st Metall. 

592 15» 17, 19, 21, 23, 25, 27, 29, 31 sind die Worte: ,»Kammhohen 
des Tanms nnd Antitanms*' xn oft wiederholt; essoll heissen: 
„Nach AiNSWORTHs Messungen in engt Fnss. 
Kammhohen des Tanms und Antitanms : 

bei M4den Gomnsch • 5053 
bei Diwah Boini . • . 4453 
bei Khntel ..... 3379 
am Gnl Digh .... 4808 
an den Bergen bei AJeli 5660 

bdSeliski 4250 

am Kara Bei ... . 5790 
am Chamin Bei . . • 5260 
am Aklo Bi^ . . . 2900.^ 

598 14 T. o. 1. mantelförmig st. mandelförmig. ^ 

037 9 V. n. L untere Kreide st Grauwacken-Periode. 

045 3 ▼. n. 1. arab. Nbbimr st. Nbmmba. 



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MMinSTORISGHER AlANG. 



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S<l>VASr2Ql 



von 



Med. Dr., CnftM «■ k. k. Haf-Natanilienk«biBeto Ui Wienj ■thiiffcr gelehrten 
Qetelbckaftcn MitgUede. 



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Torbericlil« 



Die Ausbeute an Pflanzen aus den vom IL*n. Bei^rath 
RusAegger auf seiner Reise berührten Paukten Syriens 
und des Taurus verdankt, gleich jener an zoologischen 
Gegenständen, das k. k. Hof-Naturalienkabinet dem ubsp- 
nudliehen Sammeleifer seines Begleiters, Hm. Theodor 
Ketsch y. -^ Die grosste PflauKenmenge lieferten Ae 
Umgegenden Gülek's mit seinen benachbarten Alptm im 
westlichen Taurus, und die Svedie's am Orontes 
liebst dem Mons Cassius (^Diehebei-Ockrajy eine weft 
geringere Beirut und Kasan lie in Karamanian, die ua- 
-bedeutendste der Libanon. Eine zweite kaum 3 Cent«* 
den starke Sammlung syiischer Pflanzen aus den Umgeban- 
gen Aleppo's erhielt das Moseum von demselben erst im 
Laufe dieses Jahi*es und erwartet geg^iwärtig wieder neue 
Folgen aus jenen Diarbekir*s «nd den Gebirgen Kurdi- 
stans« Die erstere der beiden Sammlungen begrdft 719 
Arten, von welchen nur 12 für die von ihm minder beaek- 
teten Zell-, 098 dagegen für die Gefasspflanzen entflillen. 
Leztere zerfallen in 7 Arten Filices, 77 Monocotyle- 
donen und 614 Dieotyledonen. Ueberwieg^d stallt 



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884 

sich bei den lesteren die Zahl der Oamopetalen — mit 
Einrechnung der wenigen Apetalen — 322 Arien stark, 
gegen die Diaiype taten mit 292 Arten heraus. Vorherr- 
schend sind ihrer Artenmenge nach dieCompositeen, La- 
biaten, Leguminosen und Umbelliferen, ziemlich zahl« 
reich, sich beinahe die Wage haltend, erscheinen Caryo^ 
phyllaceen, Crnciferen und Scrophularineen. Ein 
beinahe gleiches Verhältniss der Familien zn einander zeigt in 
der Beziehung anch die zweite Sammlung ans den Umgegen- 
den von Aleppo. Bei dem grossen Missverhältniss in der 
Menge der gesammelten Arten aus dem Taurus einer-, 
und dem sndlicheren Syrien, besonders des Libanon's 
andererseits, lässt sich fuglich kein Vergleich zwischen der 
jeder dieser -beiden Regionen eigenen Flora anstellen, und 
nur so viel im Allgemeinen sagen, dass in beiden durch- 
gebends der Charakter der Mediterrau-Flora, beson- 
ders Spaniens und 6i*iecbenlands am meisten in Sy- 
rien, mit einer nicht anmerklichen Beimischung der taa- 
risch-kaukasischen Flora im Taurns vorwaltet. Selbst 
die meisten neuen Gattungen und Arten tragen das Gepräge 
mehr complimentarer als selbstständiger, elgenthumlicher 
Formen, obgleich nicht in Abrede zn steilen ist, dass einige 
derselben, wie z. B. Pelargonium Endlicherianum, 
Heldreichia Kotschyi, Silene pbarnacefolia uid 
stentoria, Viola pentädactyla, Actinolema eryo- 
gioides nnd Elacfochytris meifolia in mehrfacher Hin- 
sieht einzig in ihrer Art dastehen. Wie viel oder wie we- 
nig hiebei auf Rechnung des Sammlers, der Jahreszeit und 
der zufällig besuchten Lokalitäten zn setzen kommt, und in 
wie weit dieser Anspruch bei näherer Kenntniss der Flora 
des östliebien Taurus und der sich an ihn auschliesseo- 
•den Länderstrecke sich wird geltend behaupten können, 
dariiber lässt sich zur Zeit Nichts und am wenigsten aus der 
Efaisicbt einer im Verhältniss zum Pflanzen -«Reichthnme je- 
Gegwden kleinen Sammlung Etwas mit Zuverlässigkeit 



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868 

beBtimneB. Noch' bleibt«! immer unentschtedeti, ob der Lt» 
banon und- Antilibanon die westHcbe Grenzmarke doa 
syrisch- mesopotamischen Florengebfetes ^gen das desMit> 
telroeeres, der Taurus die nördliche g^egen das des arme- 
nisch-kaukasischen — wenn sich anders eine solche Zwischen« 
Fiorenregion herausstellen sollte — bilden werde. 

Schon darum wäre eine systematische Zmammenstelw 
lung aller bisher aus Syrien und Mesopotamien stam- 
menden bekannten Pflanzen ein erwünschter und* um so mehr 
dankenswerther Beitrag, als dadurch die zwischen den he* 
reits bekannteren Floren Epypteuß, des Kaukasus, AI« 
tai's und Cachemir^s bestehende Lücke zum grtosieren 
Theile ausgefüllt, und das über die Vegetationsverhältnisse 
Vorderasiens nachtende Dunkel aufgehellt werden würde. 
Dass ich eine solche Zusammenstellung mit zu Grundelegung 
der Arbeiten Tourneforts, Russeis, Hasselqiiists^ 
Labillardiers, Oliviers und Brnguiers, Clarks, 
Siebers, Ainsworths und Anderer gegenwärtig nicht 
Tersucht, daran sind bloss zwei der Ausfuhrung vor der 
Hand absolut hinderlich im Wege stehende Umstände Schuld. 
Fürs Erste Hrn. Boi ssiers in den Annales des seienees 
naturelles C1841 et 1842J begonnene Aufzählung der in 
Hrn. Aucher-Eloys (gegen die unsers Kotschy bei-- 
läufig dreimal reichern) Pflanzen-Sammlungen ans dem Oriente 
enthaltenen syrischen Arten. Fürs Zweite der vom Hrn. 
Verieger dieser Reise dem naturhistorischen Anhange znge* 
messene Raum. Die Vollendung der ersteren hätte ohne- 
diess abgewartet werden müssen, und den Gründen, dem 
Anhange eine grossere Ausdehnung, als gegenwärtige, zu 
geben, konnte billigerweise nicht entgegen getreten wer- 
den. So musste ich mich, abweichend von meinen Herren 
Kollegen, welchen der geringere Umfang des bereits bekann- 
ren Materials in ihrem Gebiete — der Zoologie — eine 
lolehe Aufzählung gestattete, blos auf Beschreibung der 



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jpflueQ ChUtoiHpMi ^nA Art^o, i»it AnsachlpM all^ aih 
dern mehr oder XBioder bekannten beschrän)(ei|. Dem an- 
j;eae|itet blieb die Zahl des Neuen doch immer noch so 
bedeutend , dass bloss die bereits^ vorläufig in meinem Pw 
giUus phntarmm twvarum Syriae et Tauri ocddenttUU mit 
Diagnosen publicirten Dialypetaien in dem. yoriiegenden 
Bande aufgenommen werden konnten, die übrigen dagegen 
fix den folgenden versfuirt bleiben mossten. 

Wien, den ]. Juli 1842, 

JDer Verfasser. 



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Illiii§lrationesi 



et 



descriptiones plantarum novanim 
8yriae et Tauri occidentali«« 



PAPILIONACEAE. 

HAMMATOLOBIUM. — Cor&iüUearvm genus novum. 

Calyx campanulatus, semiquinqnefidus, lacinlis aeqaall« 
bus. CoroUae petala unguibns liberis, calyce brevioribiia; 
vexiUum magnnm, seiniorbiculare, in unguem abrupte con« 
strictiim; alae snpra unguiculum plica obliqua carinae maf» 
gines excipientes, antice lobnlis cohaerentes, denmin liberae| 
earina naTicuIari-compressa, acuta, alis snbaequilonga. 5/0- 
wina 10, filamento vexillari libero diadelpha, v. phalange 
enneaodro usque ad basim 2 — 3partito pleioadelpha; /J/a- 
menta apice Gyathiforme dilatata. Ovarium sesaile, arcuatum, 
muItioTulatnm ; sfyhs snbrectang^lo - inclinatns , elongatns^ 
glaber; stigma dilatato-conipressuni, imberbe. Legumen ar« 
cuatum, auceps, articulis pluribus, turgidis, monospennis, 
indhicentibns, reticulato-veiiosfs, ad genicula constricta de* 
muoi secedentibus, abortu plurium quandoqne 1 — 2articiilataai, 
rostro steril! tune superatum. Semina subrotnnda, comprea* 
siasenia, nmbiiico ventral!, punctiforme. — Genus Ornitkopo 
prasimum. 

!• Hammatoloblnin lotoldes: perenne, prostra- 
tarn ramosissimum, villosum; foliis trifoliolatis, foliolls ob- 
ovatls et ellipticis, stipulis foliaceis unilateral ibus, homomor- 
phis; doribus aureis, 1—3 apice peduncnlorum axillarium 
nmbellatis; bractea trifoliata umbellam aubtendente. (tab. i.) 

ABftftegg«r, Rei*e«. 1. Bd. 2, TW. 57 

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888 

Hammatolobittin lotoides Fenzl Pugill. pl. n. 1. 

Hab. in regUme uumimM Tami oeddmialU eirea Oülek, — Kotichy 
«oü. fi. 161. 

Gaules plures, digitales ac pedales, fili emporetici mediocris 
crassitie, teretes, humifusi, diiFaricato-ramosi, cum ramis inaequilon- 
gis subflexuosi, supeme adscendentes, pube albicante simplici, molli, 
f" fere longa, patentissima , subrecta cum reliquis partibus yillosi. 
Folia plurima, internodüs admodum inaequalibus, ^ — 2pollicaribu8 
ab iDTicem sejiticia, trUaliala» esoedeirte «l^tia imilaterali, foliolis 
homomorpba ast subminore, petiölo 2— ^5'^'longo, süpra canaliculato, 
lineaii supra basim adnata plerutnque quadrifoliolata , foliolis nunc 
«Iternis, nunc suboppositis y. ternatis, terminal! majore late oboyato, 
t^^iiptieo-obotato, semipetlicari aclongiace, latetallbiis eüipie^ 
subminoribus, acutiusculis y. obtusis, utiinque pilosis. Flore s per 
caulen^^mm^que spaffsi, apiee poduncuJorum axiflaiiam ylerUmque 
^ — 1 J pollicarium, summorum subinde breyissimorum solitarii, bini — 
quateml umbellati, pedicellis ^ — V*' longis suffulti, umbellola brac- 
tea trifoliata foliis tameis si:i)ratndre aübteiisa. Calyx tubulosus, 
subturbinatus , 3 — i"^ longus, semiquinquefidus , lacinil^ subaequa- 
libus sttbulatis, dense yillosus, pletumque puipura^cens. GoroMa 
g^bem|na» <^yce dimidio longior, yexillo patenti^slmo« semiorbi- 
culari, lamina basi 3 — S^'" lata, abrupte in unguem subbreyiorem, 
lihea angusliorem contfaCta, apice integerrima, aurea, subtus pur- 
purafscente, stipra lineolis purpureis flabeUatis {Hota; «la« contsolo* 
les, :obOTat(M»btonga6, yexülo quadrante breviores, plica:lei^;itudi* 
»all ^Uqiia wrinae margines axej^iente iostructae, basi Jbobulis «üb- 
rotundis ante carinaro conniyentibus coalitae, denique . (anthesi loi\ge 
peracta) liberae, unguiculis lamlnam aequaniibus; carina bipes, 
nayiculari^compressa, acuta, antrorsum subrectangulo-inclinala, alis 
panim 'superata, purptirasceBs. B tarnt na 10 ferfiHa, SlameAte 
fiesiflari Utero clladelpfaa, flonmqttonmdani in phalanges •daos tr«sye, 
a — iaadras, cum liberis intesjeeiis alternantes, ultra ae^äua y. im« 
hasi solum eoalita mihi yisa; filamenta apiee cyathifonne dila- 
tato, oblique truncato, antheram oblongam, minimam excipientia. 
Stylus glaberrhnus, elongatus, sti'gmate lamelfifermi, spathuldto- 
Kneari, tmberbi. Legatnina erecta, 'artieulorum nüm^ro suimne- 
pere yariabili (1— 10), nunc ealjK^e i»m«talK^ inckisa farorioaa, rostta 
viUoso Sterin «iserto aoota, Mmc sanuundalia y. «ndalia,>caFyitts- 
cula, l^^'^Jata, ancipitia, yenos^-rugoaa^pubescentia, ad ajüculoa tur- 
gidos demum secedentes oyales utrinque truncatos yalde constricta. 
Semina articulis inclusa, solitaria, globulosa, nitida, dÜute flata^ 
i**" lata. 

^KtPUCATlO TAB. I.Tig. 1. Coroflacunrtjälyceflssoexpanso. 
Fig. '2. Veidflam. Fig, B. Alae cobacrchtes aWtcreyisae. FiS/4. 
Alae «xplanaftaB a fade hitcnia *viftie. J^iig. 5. Gatina. *lg. ^ 
iMaittitia. Fig. 7. Vilgtaa staiülitabra 'Oonm nonnüUorom tu 



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669 

phahnges fiiimtf - sohila. Hig, 8. Pifementi apes osiini Mi|i^4). 
Fig. 9. Stigma. Fig. iO. Lomenti «rti^U to», 8)^ro ^etUf 
tarn semine. Fig. 11. Foliam cum aüpula, — Qm^^ ieq^bIU»> 
diae aiKtae. . 

2. Onobryclils KotscIiyUna : emlibM «nperM 
flexktosis, glabriascalls; foIioHs äblongis t. lineaHbaft, ttittcrc^ 
natls, primnm sericeo-niTefs, demnm suprä ^abris «ifbtusqiie 
adpressö-pubeniiis viridi-canis; spieis demum longfsoknifl^ 
vexflio obovato y. snbrotando, carina stibtHente bteviorcu, 
Galycis lacinfas sobsnperante , alis lineari-öblongis , obtu«M^ 
calyce dimidio breviorlbus ; leguminibus ealyce brevioribtü öb^ 
lique obovatU^ erista obsoletä apice truncato 9. einar^n^f^ 
spinescentibus angulia bicomi^ faciebus laeunosa^rugosikj ^-—4^ 
spinüy adpresso-pubescentibus. 

Onabrycliis Kotschyana JF*6ii2/ Pugill. .pl. ,q. j^. 
Hab. im Syria eirea Aieppo. ^ Kotiiehy pi, al^ffp. l^-ßiQ. 

Radix crassitie fili emporetici fortiori» y. ealanii stnptoHl, 

perpendicularis, tenax, cortice nigoso folvescente, polycephUA. Cai]^ 

leg tarionesque emergentes pauci y. plurimi, .flortgeri digjHalei, 

spithamaei y. 1^ — Spedales ac facile attiores , fififormes, lonj^onb 

crassitie pennae corvinae, erecti vel e basi pamm dedinata adse^nf^ 

deotes, simplicissimi y. abbreviato-subramosi, circa y. infra mediaiii 

florigeri, abhinc flexuosi, clegantissime albo striati , «triis proinf nulis 

cum Yiridibus y. purpurascentibus aequilati^ alternis, pttbe sip^iplid 

modo rariore, modo copiosi<>re laxiusoule adpres^a ajd^ersi» .^ter- 

Aodös plerumque 1 — ^^oliicaribus ; turiones subacaulc^s, ^oligo* 

phyllL Folia turionum ac caulina inferiora 2-^4poni(5ej» ionga, 

reüqua.sensijn breviora, petiolo tenue filiformi, folidrum rsidicaliuiii 

a basi usque ad pcimum.par foliolorum plerumqiae 1 — iupciah 

erecta, superiora patula, juyenca cum petiolis pube siiiiplici a(t- 

pressa ni^eo-sericea, demum yiridia, glabrata, 3 — 7juga\oaoi ind^ 

pari, foliolis sqbsesailibu» ^—1*" longis, oblongis, caneato- y. tf- 

neari-oblQDgis , \—*'^**' latis, ejusdem speciminis plerumc^e ^tarii^, 

acutis Y. obtusis, rarius subretusis, dist'inctissime mücrona^i^, fntä- 

gerrimig, lineolatis, liibtus praeseriim adpresse pubescentibui. 'Stf- 

pulae.l^ — 3'"longae, scariosae, connatae, oppositifoliae, 8em!bj;äda^, 

sinu obtuso, laciniis 9ubulato-9etaceis , nervo femigifteo excurentld 

percursis, zpna circülari concolori basi cinctae, caeteriun cailescen^ 

tes, glabrae. Pedunculi axiHares, patentes, fittformea, cMlis in- 

-teroodio 6iiil»|ecto dimidia tenuiores eiqne conforme«, long^tudine 

(raehi^ys non eomputata) >8\ib anthesi ac fmctificaüonis periodo aeque 

yariabiles, ^-*2unciale8 , cam rachide adpresse pubescentes, sonsim 

cahescentes» Spicae per caulem dis^itae, .2— 10, multiflorae, oy- 

Jindricae, .aiäe,aMllifiBiin Aimfertiflorae, poUicares ac bceviorefl, ealy- 

/cam< lacinUf rporvecUi Jetoaae, «entai •eipngatae, «ubremoiiflof^ef 

57* 

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6fM> 

fcttetifera^ 8— SpoUiGaret ac facile longiore«, plentmque mödice 
Incurrae, in canle infima reiiquis sensim decrescentibas longiore. 
'Flore« in rachide angulala sutMeiailes, scarioso-tribracteati, brae- 
tea infima pedicellum superante majore, oirata, longo attennata, 
nervo donali fraarugineo excurrenie picta, | — 2^'" longa, superio- 
jribut gemini» pedicelli medio inseriis, .subulatis, ^— |"' longis. 
fCalycis ad duas trientes' quinquefidi, 2^ — 3^'^' long! tubus cam- 
l^niUatna, glaber y. subpubescens, laciniis. inaequilongis, setaceis, 
reotia, marginibtta sinubusque ciliatis. Corollae yexillum obova- 
^IttBi y. oboyato-subrotundnm, subretusum, carina ^ y. ^ breyios, 
imlyeii lacinias subsuperans, purpurascens, demum (in sicco) album'; 
1*1 ae lineari-oblongae, obtusae, calycis tubo sesqui- y. duplo Ion- 
^rea^ ^*** m latae, albae; carina a calyce triente y. subdimi-^ 
dio exaerta, inferne flayescens, supeme purpurea, cuneata, rect- 
angulo-trancata, obtusissima, dorso marginibusque rectilineis. Sta- 
mina, oyarium, Stylus cum stigmate generis. Legumen 
(semimaturuiif) ealyce dimidio breyius, 1^ — 2*'* longuni ae 1 — 1^''^ 
.latoni, oblique oboyatum, compressiusculum , crista obsoleta apice 
.Ifuncata y* emarginata angulis spii^escentibus breyissimis bicorauta, 
dono incrassatum, faciebus utrinque costis transyersis arcuaüs an- 
^onam subanastomosantibus, summis pone dor^um antrorsumque 
.timul interdum in spinulas 1 — 2 productis, inferioribus inermibus, 
.areolas 2 — 3 includentibus rugosum, pube adpressa canescens. 

OBSERV. Species inter congeneres confertiflora^ O. gracili ac 
alba« alfinior reiiquis; floribus lon^^e majoribuH, malto minus conferfi«, 
vcxillo carina breviore et alis calycis tubo longioribus ä priore, legumi- 
'nis forma ab utrisque et omnibus di versa. . 

8. liathyms amoeiius : glaberrlmns, caulibus diSii- 
jBiB^ tetragono-bialatis; foliis snbsessilibns unijugU v. C<^!iTho 
in foUoIuin m^ntato) tiifoliolatis, foliolis cnnetis oblongo'-lan^ 
€eolatiSj septemnerviis, mucronatis, cirrhis tiifidis; stipulü 
ßernUagütato^ovatit^ acumtnatü, inferionbus latissimis^ peliolo 
,longioribus^ superioribus angustioribus ipsum ^aequantibus; pe- 
dunculis axillaribus nnifloris, yexillo 2 — 4plo longioribus, 
bracteola minima setacea; calycis laciniisVtii(^ 2pto longioribui^ 
trian^lari-subulatis; vexillo amplo ealyce plus 2plo exeerte) 
etamikum vagina calyce Iriente longiore; legumine ensiformi 
.5 — Sspermo, exalato. Sect. Evlathyrüs DC. (tab. u.) 

Latbyrus amoenus Fensd Pugill. pl. n. 3. 

Hab. tfi HyHm ffrope Beirut — Kotachy eoU. n« 176, 

Gaules incertae altitudinis, describendaram suminitatum bipe- 
dales, difi^si^ compressi, tetragono-bialati, cum alis dimidio angnstio- 
^ribus sesquilineam lati ac graciliores, cum partibus reiiquis glaber- 
rimi, laete yirides. Folia intemodiis 1^ — 3pollicaribU8 dissita, 
petioHs 2 — 6''' loiigis, canle dimidio augustiorilms , semiteretibos, 
subalatis, patentibus, demiun reflexis iälta, unijnga,. cotoplun 



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801 

^riioran melaiaorpliiMi tittDlkAta, onmia homooioi^; falioU 
1 — 2|polIicaria, 2^ — 6''' lata» oblongo-lanceolata, obtiuiiMeiilay ua^ 
eronata,. 5— 7nenia, nervia cooYergentibas , Yenolia adscendentibiia 
anastomosantibus percursa, sessilia y. petiolo semilinea longiore 8iift> 
falta. Girrhi trifidi, elongati, parte indiyiaa petiolo 3 — 5plo longiore. 
Stipttlae semiaa^ttato - ovatae, inferiores majores, 2 — 3'^' latae» 
petiolo saepe duplo longiores, saperiores ipsam sensim aeqoantea^ 
1^ — 2'" latae, lamina margine libero conTOxlore, altero petiolo 
contigao minus arcuato, Interdum subrecto inaeqnilatera, acmtiinat« 
i. cuspidato, lobo lineari-subalato , lamina dimidio breviore. Fe* 
dunculi axillares, uniflori, patnli, cum flore 1^ — 3 poUices loiigl, 
bracteola sobulata semilinea band longiore muniti; pedicellas 
calycem aequans, sub anthesi eemnns. Galyx 3 — V longus, campa» 
nolatüs, ad daas trientes quinqaefidns, laciniis subaeqaalibns, triangn» 
lari subulatis, acuminatis, basi ^ — i'" latis, nninerdis, margine angu- 
stissime scarioso nitidulis, in fructa reflexis (?). Corollae yeiii- 
Inm carinam subsuperans, amplum, calyce 2 — 2^plo longins, obo* 
vatum, 6 — 8'" latam, retasnm, in angaem basi triplo angusUorem 
sensim attenuatum, in sicco e purpureo margines yersas flaynm 
▼. aurantiacum; alae oblongo-lineares, 1^ — 2'^' latae, carinam sab^ 
aequantißs, lobulo lineari, nngae param breyiore; carina ntgna^ 
obliqae oboyata, obtasissima, bipes, nnguicnlis calycis tobo yix ex- 
sortis, dorsö circa medium sub angulo obtuso antrorsam incünato^ 
deorsum recto, sursum modice conyexo, marginibus concayis, obli* 
quis. Staminum yagina enneandra, longitudinaliter binc fissa, corolla 
delapsa calyce quadrante y. triente exserta. Oy ari um linearis 
lanceolatum, plurioyulatum ; Stylus basi geniculatus, antrorsam 
inclinatus, arcuatus, ultra carinam band productus, teres, glaber, ad 
apicem obtnsum subclayatus, facie inferiore planiuscula stigmatoso* 
papillosus. Legumina (immatura) yisa ensiformia, linearia, cuspir 
data, yenosa, exalata, matura facile 2uncialia, V et ultra lata» 
5 — Ssperma, glabra. 

OBSERV. Species distinctissima, habitu L. sativo, florom aclegn- 
minam indole L. annuo proxima; a priore stafninnm vagina ealyee 
longe exserta ac legamine exaiato enmfomii, ab altero foKis conctis lio- 
■loiiiorphis latioribus, stipnlarnm forma ac loogitndine petioliim aoperante^ 
floribaa longe majoribos et calycis laciniis tubo duplo loiig:ioribiia (nee 
aeqoiloDgis ' facile distinguenda. 

EXPLICATIO TAB. II« Fig. 1. FIos a latere yisus. Fig. 9. 
Calyx cum tubo stamineo. Fig. 3. Analysis corollae. Fig. 4. 
Stigma. — Omnes magnitudine parum auctae. 

4. VIcIa sericocarpa : anuna, caulibns adscendenti- 
diffusis, simplieibus; foHU S-SjugU, foliölis Uneari-kmeeo^ 
iaiis ac cuneato-linearibuB, oftftcsis relicalare, macronaüs, aa« 
pra glabriuecttlia, sobtos sabadpreasiHpubesceottbus; floribns 
axilluibus soiitariis, luteis, calyctM Atraiill iuio pßdtmculmm 
viUommi aeqmaUe, laciniis subalalia^ inlimo longfisisiBlo tabmii 



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iBS^'^iente longiore, fiahro; leg^mine pendalo, eUnigo^ 
#— ^etpernio, targido, sericeo-^illow , pili9 reelU, boMi Iih 
berculo mdlo imiderdibus. 

Vicia sericocarpa Fenzl Pugill. pI. n. 4. 
Hab. ttt regiane iuferiore Tauri oecUentalU circa Qülek, — Kotacby 
^. ». ist. 

Caales plores, plerumque simplices y. inferne ano alterore 
raiflo auoti, a hasi arcuatim adsoendentes , filiformes, angolati, ad- 
j^PMSO-piib^niliy demnm glabrati, spithamaei ac bipedales wi. Fo- 
lia intemodüs 1 — äuncialibua dissita, cirrbo tenninali plenimqne 
bt' T. trifido nQn computato, 1 — 2pollicaria, patula, 5 — 8juga» petiolo 
aemiteretii angulato; foliola longitudine valde yariabilia, 2 — 8"' 
longa, % — 1^'" plerumque, 2'^^ ad summum lata yisa, pleraque 11- 
nearia y^ eoneato-Mnearia, pauciora länceolata, infimoram paaciasima 
aloliilqQe breyiMima qoandoque obcordato-oyata y. oblonga, obton 
V. retasa, aetaceo-mucronata, primum utrinque demom lubtua aoloin 
inbad^reMO-pübesGentia, laete yiridia, jugi primi a petioli baai haud 
magit f|Bani a subsequo pari remota. Stipulae triangalari-oyatae, 
^elllBiBatae, inferiores plerumque basi denticulis 1 — Ssobhastatae, 
anperieres integrae, immaculatae y. fusco-maculatae, 1 — ^'" longae, 
Fl eres aiiUarea solitarü, pedunculo basi articulato, i\ — 3'^^ longo, 
Ihidifefo c^muo» yilloso instructi. Galyx campanulatns, hirsiito% 
Inbo ore yalde obliquo , margine inferiore subdünidio fere prodne- 
ÜOFO, 2j — Z'^' longo, pedunculum aequante y. subsuperante , lad- 
BUS subulatis, snperioribus minoribus tubum aequantibus» infimo 
l«ngissimo ipsum subsuperante, sinubus obtusis. CoroUae yexil- 
Ittm fere polMcare, semiunciam latum, oboyato-oblongum, in ungoeiii 
iMioacultlffl aensim angustatum, retusum, lateribus reflexum, dorso 
gtaberrimam» lamina in peripheria maculae magnae centralis flavat^ 
praesertim dorso, fuliginoso-lutea , yersus margines eiq^allesceii^ 
yenis purpurascentibus lineolata; alae oblonge- oyatae» rotundatae^ 
yexilk) quinta parte breyiores, cum carina obtussissima sulphureae. 
Legümen pendulum, oblongum, 1 — l^pollicare, 3^ — 4|>"' latm^ 
tnrgidHfli, fascescens, pube adpressa basi tebereulo non insideala 
sericeüm, 4 — 6spermum. Semina subglobosa, laeyia, casfanea^ 
nacuUs pqnctiformibus nigro-yaricgata, umbilico lineari, sextam po^ 
npüeriae partem occupante. 

OBSERY. Proxima V. lateae, foli&Jis retnsis v« erarargmati% p^ 
donculis cum calydbas dense villosis (nee gLnT>riitiä) leg^umlnibns spHceb* 
'tt' jnibe dnmflifti parthitti molto^ breriore] fsttbtilior« ma^^qae adpressat 
iNMi tiAeroal^ bqHo insideiite diyerm. AV. bybrida et f randiflort 
.«ttnibaa itadon fere eharacteribii» reeedit. 

i^ CM^ 0OVil»im€iini $ gkndnlnso - pubescais: 
MMäie mllAj^litt ^recte; fölÜM omiübus hnpari-pimmtUf 4--€* 



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V. Sttbicirrhlfero ; stipulis ovatis. v. cordatia, bi-miiitidentetis ; 
raeemis awUlariku$ ac terminalHm$ i—6floris, folia sub« 
aequaatibus v. snbsuperantibus, braeteia mborbictdaribuM 
grosse dentßtis; calycis hiantis iaoimis linearl-subulatls, tubo 
basi saocalorgibho duplo longioribus, vexillo ampUasimo di* 
midio breviodbtis. (tab. ix.> 

Gicer floribUDduin I^tm;^ PUgill. pl. n. 5. 

Hdb. tfi rernfmek infevmre^ Tauni amdfiniaU* frap^. 04leh -*- Kol« 
»thf> eslL n« Ißf, 

Dislinguimus Iiisom foliolis plurimiis oblongis et altenim foficv 
fid ovalibus y. 8emiort)icalaribas , yarietatom significationem niihim<^ 
merenjtes. 

Ho^^rba annua (?)i caulet^nulus crassiusye filiform!^ angqlatOf 
e basi. dedinata arecto ,, strictOj simplicissimo y. subcaioosa^» 4igitaii 
ac pedali, cum caeteris partibus herbaceis pube aimplici glanduloam 
patentisfima^ concolori yestito. Folia 1 — 2^ uncialia, apecixninum 
digitallum approxitnata, internodiis 3 — 6"' longis dissita, procerio;- 
rom remotiora, patentia, laete yiridia , petiolo tenui filiformi , stric- 
tiusculo, recto y. recuryo; foliola sessilia, 2 — 10'^' longa, ac 
1 — 5'" lata, föliorum singulorum subaequalia, impari subinde sub* 
majore, rigidula, utrinque parallele multi-striata, margine argute, saepo 
dupllcato-serrata , serraturis utrinque 5 — 15, spinuloso-mucronatisi 
terminali saepe productiore cuspidato quandoque in cirrbum unci* 
natum lanüna breviorem elongato. Stipulae foUolis analogae, 
semi-ovatae , ovato-triangulares y. cordatae, minimae linea yix Ion- 
giores, basi plerumque dente utrinque anctae, maximae 3 — 4^'Mongae^ 
inaequaliter serratae y. incijsae. Racemi 1 — 5fljori, in axilUs fo-r 
liorum superiorum nascentes y. (lusus 1.) subsolitarii terminales, fo- 
lia subaequantes, supremi interdum subsnperantes, foliaceo-bracteatl 
foücloi lin^ad filiformi, apicem yersua dQatato, pedieello sublongioro 
quaadoqw terminali; bractoae ilipularam magmtttdina, orbicula- 
res, dentibus inaequalilms oyatis, mueronatis ad Diedium fere hh 
eisaiv inferiores 2 — 3, flopes rudimentarios y. nullos in axittii foyen* 
tes^ oaeteri» majores; pedioelli submitantea, calycis tabum aequan^ 
tes y» parrnn. snpecantes. Calyx ^r^7*'' longus., campanulatos^ 
hians^ pastice in gtbberem defleium, subglobosma, 1'^' ac ultra la-* 
tom dUatatos, plerumque puKpurasceiu^ ladnii« Imeari-sabttlatis, an« 
stato-imieronati», basi ^-^V" latis, neryoso-marginatia, venosis, hN 
aequaiäms, intemMdüs lateraiibvs sublongioribus tobum dnplo ma« 
giaque raperantibus. Corolla speciosa, ealyce dimidia ac< uttrai 
exieita« e aücca pocputaa, yexillo glabro» oboyato-oiMcnlMi coro«« 
plieato, semiunoiam fiKile lata, ungue basi taccale,. lamina ulüm 
medittm nayicalari exsculpata ibiqm incraasato margino yiridi-picta? 
alao. obffivato^blQiigaOf caly^ia lacinüs sublongiore»» eariaa» an^ 
lice noQ adbaerentea, ungaieuilis aupra baaim siamiBaHor 



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894 

phalaofi Mdnatae;' carinä longiiudihe fere alanim, Ifliwa; 
oblique oirata, navicularis, compressa, bipes, in ünguicuios abrnpCie 
eonstricta, obtusa. Filamenta rersus apicem yalde dilatata. Sty- 
lus elongatus, glaber, genicülato^adscendens, stigmate imberbi can 
pitato. Ovarium pubescens, paucioYulatum. Leguinina haud viaa* 

OBSERV. G. Boongarico Stej^h. (00. Mem. Leg, t, S4) proxi- 
muiD, foliis Omnibus imparipinnatis, foliolis oblongis v. orbicalaribafl, mi- 
niine obovatis, praesertim vero racemis plurifloris, foliaceo-bracteatis dif- 
fert FoTtasse nibilomiDas ejus varictas. — Ad Ciceris geuus (iater 
eontribnli« älarom unguiculis staminum phalangi basi adna- 
tis insignitnni), Ononis ervoides Sieb, (ex Spr. syst» 8, p. 16t, — ^ 
^ek, Fl. erei. e:isiee,J, aeque in Tauri regionibus subalpinis montis Maa- 
den-Tepessi provenieus C^otsehy coli. n. ITOJy Ciceris ervoidis 
nomine revocanda. 

EXPLICATIO TAB. IX. Fig. 1. u. 2. FIos a latere et facie 
Tbu8. * Fig- 3. Calyx. Fig. 4. Analysis CoroUae. Fig. 5. Tubus 
itamineus cum alis adhaerentibus. Fig. 6. Oyarium. — Omnes 
raagniludine parum auctae. 

6. . AsArayaltts andrachnaefollns : foliolis 8 — 
ISjugisCi — 6''Mongis) subsessilibus, ovalibus, ellipticis oblon- 
gisve, mucronatis, cai-nosulis, glaberrimis v. mbtus puberuUs, 
petiolis pilosulis, demum glabris; stipnlis triangulari-ovatis, 
attennatiSy villosls; floribus capitato "Verticillatia , capitulo 
globoao^ compaclo, multifloro; calyeibus mveo-%illosissiau9y 
i^emiquinquefidis, laciniis subulato-setaceis, corolla (9 — 12'" 
lg.) i*"? brcvioribus; vexillo glaberrimo oblongo, lamina 
basi fxurictüato-hastataf convolufa, nngue cuneato-lineaii sub- 
aequilongo, alis linearibus vexillo subbrevioribus, -unguiculis 
liliformibus calycem snbaeqnantibus; iegumine oblongo, ca- 
lyce breviore, niveo-villosissimo. — Sect. Tragacanthbab D€. 

(TAB. VI.) 

Astragalus andracbnaefolius Fenzl. Pugill. pl. n. 6. 

Hab. in regiot^ inferiore Tauri oceidentalU prape Gülek ae drtu 
Äleppo (Kotscbjr coli. n. 199; ej. pl. alepp. n. Z68). 

Frutex decumbens, distortus, ramosissimus , ramis tortuosis 
Tectisque, digitalibus et sesquipedalibus , digitum minimum crassis 
ac tenuioribus, tota longitudine folionim consumtorum basibus pe- 
tiolisque emortuoram lignosis, subspihescentibus , griseis squanoao- 
patentibus remotiuscule imbrlcato-tunicatis, apice capituliferis, serius 
oltraillum elongatis. Folia digitalia ac palmaria, 8 — 18 plerumque 
10 — 14juga, patentia, recta v. subincurva, emortua quandoque re- 
«nrra, petiolo senütereti subulato, longissimorum basi saepe 1^"'^ 
intermediorum ^*'* lato, rigido, apice spinula V*' cureiter longa, saepe 
purpurascente, demum fugaci annato, pube laxiuscula modo rariore, 
modo eoposiore piloso, demum glabrato; foliola petiolo ^ — V" 
longo suffudia, 2—6'^' longa, ac 1—2^^'^ lata, ejusdem rami saepe 
varia, ovalia, elliptica y. oblonga, mucromilata, camosula, sq^a laetar 



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805 

tiiri^a, gtaberrim», s^bfas plermnqoe glaaca, glabra'?. pabe toinutä 

«df^ressa, ad nenniin medium praesertim, adspersa. Stipulae pe- 

tiolo adnatae, 4 — 10^'' longae, laminis oyato-triangularibns, producta 

acuminatis, parte yaginante tomentosae, libera fuscescente y« pur- 

purascente TiDosae ▼. subnudae, margine apiceque ciliato-barbatae. 

Plorum capitulum foliosum, apice foliomm coma coronatum, g^o* 

bosum, compactum, magnitndine nncis Juglandis regiae imoqae 

capituli Echinopis sphaerocephcUL Calyx bractea subolalot 

Jineari breTiore TÜlosissima suffultus, sub anthesi 4 — S"\ fructife^ 

ms 6—9'" longus, tenue membranaceus, ultra medium y. ad duaa 

trientes quinquefidus, dcfloratus facillime usque ad basim fere 

partibilis, villo niTCO, recto y. subflexuoso, simplicisslmo , eglandtt* 

loso, 2 — 3'" longo, densissimo, rigidulo, patulo hirsutissimus; lad- 

niae angustissimae, subulatae, apice plerumque purpurascentes. Co* 

rolla calyce triente y. dimidio exserta, (e sicco) camea y. dilut» 

purpurea, infeme flayesceos; yexillum rectum, 9 — 12'" longuro» 

lamina lineari-oblonga, retusa, 2 — 3"' lata, medio subconstricta, in- 

ferins, alas cum carina amplectens, conyoluta , basi auriculis oyatif 

patentibus V" fere longis hastata, utrinque e sinu rotundato in uo« 

guem subaequilongum y. quadrante breyiorem cuneato - linearem 

abruptim angustata; alae lineares, obtusae, V" latae y, parum an« 

gastiere», unguiculis filiformibus lamina sesquUongioribus , calyce 

exsettis y. parum breyioribus, carinam obtusam, aequilatam y. 

ßublatiorem, curviusculam subsuperantes, yexillo parum breyioresl 

Stamina cuiq stylo et stigmate generis glaberrima. Legu- 

men (immaturum) oblongum, cunriusculum, calyce inclusum, 2 — 3- 

spermum , niyeo-birsutissimum. 

OBSERV. Species A. oleaefolio DG. (Prodr. IL 997, n- JW 
et longifolio Lam. fL r. n. 163J affinis, ab utrisque — verositnilliina 
iinius ejosdemque Rpeciei varietatibus — rainis eloiigatis ac foliolis carno- 
saliii (miuiine coriaceis) mocronatis, nee spinoso-cuspidatia, com partibaa 
reliquis dnplo triplove minoribus diversa. 

EXPLICATIO TAB. VI. Fig. 1. FIos a latere yüus cum 
bractea. Fig. 2. Calyx. Fig. 3. Analysis corollae. Fig. 4. Sta- 
mina. Flg. 5. Ovarium. Fig. 6. Stipula. Fig. 7. Foliolum. - 
Oinnes magnitudine auctae. 

7' Astraff alns amoenus: acanlis, sericeo-incanus ; 
candicibns caespitantibus, squarroso-ramosissimis, abbreviar 
tis, imbrieato-«quamatis ; foliolis C^—8'" lg.) 4—Tjugi9, ob^ 
oTato^rohrndatis, plurtmii cwnpllcatis; pedunculis follis Ion- 
grioribns; spica moltiflora capitulifbrmf ovata; calyclbus 
sabsesaiiibus , (nfnüaso-^infundibtUiformihus, frucHferU haud 
ßBsU; vexillo calyce duplo langiore, obovalo^oblongoy reiwfo, 
plabrOf alis lineaiibus quadrante longiore; leguminibus aub- 
iuflaUs. oUongis acatis, hirsutis, calyce duplo longioribmi. -^ 
Scct. RADtciwiota D€. (tab« vn.) 



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so« 

A»tr«gftltt*ft amoenn9 j^mxi Pugilh pl. n. 7. 

Hab. in Vauri oeeidentaii» aifritus ealeareU Maaden-Vap&tti ei 
Mltth-Tepeesi, mli. 8000-10009'. — Kotschy eoU. it./». 

Gaespites palmares ac minores, densi, plam, aerieeo-incaBi, 
oaudicibas ramosissimi» lortuosi», crassitie. calami scriptorii ae 
tenuiaribii% foUorum consumtorum basibua stipaligeris fusois squar- 
ffoso-imbricaUa, turienea aißavles foiüferos ianomeros^ cauliculösque 
pauetoret florigeros agenübus. Falia longltudine summe Taria, 2— 
15''' longa, coAfbrtissima, rosulata, cum reliquis partibus pube sericea 
hirtella adpressa vesttta, imparipinnata, 4: — 7juga; foliola 1— S'^', 
plurima 1^ — 2''' longn, obovata, obtusissima, mutica, subinde mu- 
eronulata„ pleraque complicata« indeque prima fronte oblonga t. 
sublinfiaiia. Stipulae petiola adnatae, triangulär! > ovatae ▼• ob* 
longae, acutae, primum cillato-barbatae, demum glabrae, üiscae, la- 
nünis überls 1^ — 2'^' longis. Scapi erecU. v. asturgentes, filifor- 
nes, cum spica capitnliformi 3 — 15flora» ofata ▼. oyato-oblongai 
1 — äpollicares. Flore s e sicco purpureo * caerulei » subsetsües, 
eonfertissimi; calyces bracteola membranacea, ferruginea, aubulata, 
ciliata, 1 — 2^*" longa, pedicellum duplo v. subtriplo superante sjif- 
füUi, tubuloso-infundibuliformes, 2^ — 4'" longi ac i^"' lati, pur* 
puraacentes, laciniis subulatis, tubo triente brevtoribui^ e^ viridi fos- 
cescentibus, pube foliorum similari cinerea subpatula yelath Co* 
roUae rexillum calyce subduplo exsertum, obovato - oblongum, 
in unguem canalieulatum lamina subbreviorem sensim alteDuatum, 
2 — 3"' laUim, subrectum, lateribus reflexum,. dorso glabrum ; alae 
lineares, obtusissimae, V" latae y. parum angustiores, semiaagittato* 
auriculatae, yexillo quadrante breyiores, laminis unguibus aequilon* 
^; carina nayiculari-compressa, oblonga, obtusiuscula, aus parum 
breyior. Stamina et Stylus generis. Legumina calyce 
duplo ac parum ultra f orsan longiora , oblonga, subinfiata, 2 — 2^''* 
lata, acuta, pnrpurascentia, membranacea, pube capa hirsuta. 

OBSERV. Inter contribules A. nigrescenti, pygmaeo ac Po- 
milioni Fall. CÄBtrag. t. S3—66-, DC, Prodr, L fi, 80ß) afünior, fo« 
Holorum forma, indumento, npica multiflora) calyce miuime campanolatcv 
ac carina oblonga nee subaemiorbiculari diversua. 

EXPLICATIO TAB. VU. Fig. 1. Flos a latere yisus. Pig 3. 
Caljz. Fig. 3. Analysis corollae. Fig. 4. Stamina cum oyario. 
Fig. 5, Oyarium. Fig. 6—8. Legumen integrum, longitudinali- 
ter ac transyersim sectum. Fig. 9. Stipula. Fig. 10. Foliola. — 
Omnes praeter ultimam magnitudine parum auctae. 

S* Amtwagmlum peiM^er i Berice4M>iUö$i§ainm9, wb- 
'aeauH§; caudiculia eaespit&iitibus , flageltlfomdbus , apico 
^raginatis; aiipuHf tenerrhne membranaeeU , vUi&ßi$simit, 
Une eoneretiM, marffinibus ÜbtrU latU hnbricAt^^^faffhumti" 
*wa; folioHs f i^— Ä'" IgJ S-^SjugiM, iate ovaHbuB v. eUip- 
iicO'Obovatia , obtusis v. acitfjti#ctc^ta^ p/tirmi« complicaiis; 



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pedncoli» felito ae s^iM globoM^ TiUo0Q*hlriiiti8sfiBfty k»BTio* 
ribim; bracleis infiinis latiaBimis otfaiis, ealyee dimidio brevio^ 
tfbas ; vexillo oblongo-ellipüco acuto^ dorsü cum €Ui$, calycem 
aeqiumiihus, carina ac leguminihus^ villoso - hirmtissima. — 
Sect. Synochreati DC. (tab. v.) 

Astragaluff pell iget FensA PiigilL pL n. 8. 

Hab. cum praeeedmte in tAfdwn nt^aäletmrum eaemuMimM T^mH 
^ eMmi tOU. ^ Kotttthy eoU. n. IMS. 

Gaespes lattts; plänug v. pohrhtaria, diametro palmae* manag 

ac tliitiDr, radice -valida digitali terrae infinis, candiisuliff pluri- 

Ulis glmpicibas «c polycephalUy Jongitadlne et erasaüie yariia, Iftr 

geUiformibns; teataeeit t. luscia, yeraug apicem atipolaiam relktuili 

•erioela, nigris, fäliginosia albidisre adpreaso-yaginflCisv parte reliqna 

nodia, apioe foliarum roaalaa eaulesqne obsoletoa aeminncialef ac 

breTfofea, foliomm confertfaaimamni sfipdia imbricatiaBiBim omnino 

occidtatosy floriger<M protnidenüboa oompositaa. Folia ^^^Ir^poUi^ 

tem longa, primum erecta, serlna rectirvo-patentissioia, com reli« 

qoia partibu^ lana craas» , sericea, foliolöram subadpreasa breriore) 

petidlorum, pedafieuknun ao partima floralkim patieotfr loBflploro 

(1 — 1^'^' lg.)» sobflayescente« demum. niTea yestitai translnceBte sa 

perfide yiridi elegantissiine e dilute yiridiflaYO in canum micantia; 

foliola sessilia, 2 — 6juga cum impari, foliorum infimoram bteyia^ 

aimotam subinde terna» 1^ — 3''^ longa, 8ubrotaiido-oyalia«^8iTa 

eUiptica, acuta v. radus obtusa, pleraque complicata, Yomationo 

imbricata, orasaa. Stipulae tenerrimae, icariosae, binc connatae, 

apice acuto bifidae^ eppoaitifoliae, latissime oyatae, spathaceae, mar* 

ginibua HberlB imbricatis petiolum foUoruraque subsequorom basea 

cum alipttlig siraul arctissime amplectentea. Pedunculi aub an- 

theai plefunKpie in rosula foliorum absconditi, poatea parum elon- 

gati, semtpoUicarea y. pollioarea, apica globoaa pollicari y. submi- 

jiore, fumnie lanata, basi bractei» tenerriaia, oyatis, 3— 5<'' latia^ 

ventricosia, aUio^flayescentlboa, nitidu, caljcea plus dimidio superan- 

libua, reUqoia anguatioribtta, breyioribus , demum oblongis ezomata 

tioronati. Plorea sessües, ocbroleuei» ejuadem capituli, inferiorca 

pauci (in unieo apeclmine inter yigiiiti) sordide purpurascentes yiii. 

Calyi infuDdibulifbrmlsY ultra medium quinquefidua» 4 — 6''^ Ion* 

^us, lacinüa aubulatis» Ifixa patuUs, pateatinYiUosisflimla» yexiUo qua- 

dranle breyior y« aubaeqialongiM. Gofollae yexiMum er«ctum, 

subeompHealiim, aemipeläeare y. fanim loogiua aut breviuSf 11^—* 

&^^^' iMum^ lamina oblongo^Hiftica, acuta, in unguem aobdimidio 

breyiorem aenaina angustata« dors^ dense yitlosa; alaa Mnearea ob- 

luaaie leapfeiidine calyeia lacinianim, unguiculia tubuna aeq^antea, 

eunk i^ariafl rectiuacula, linear! , parum latiore ast breyiore extua 

Till^aae; JUegumen (vix aemimatuium) aUipsoideum, utdnqua aeu- 

tufla» tiHoto-biraulisaimum» 



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O^Sßk^.inter Synochreatos natK prö|iiiisaliiiifl;iuiiiBiL««iav« 
l^liiafam in gjrsteinate callocandus; cam Gapriuis ftfipnlis fenerrMt 
»embranaceis , calycibu« profunde Sfidis ac corolla TÜlosa, minime v«n 
atipuliR liberifl concretis ac foliis paucijalps, cum Alopecuroideis tferi- 
bus arctissime f^lommeratiH^pitatis^ habitu denique cum Radiciflorit 
pluribus conveniens. 

EXPLICATIO TAB. V. Fig. 1. Flos a laiere yisus. Fig. 2. 
Ctifi cum bractea. Fig. 3. Analysis corollae. Fig. 4. Stamina 
cum ovario. Fig. 5. Oyarium. Fig. 6. Folium cum aUpuliL 
Fig. 7. Foliolum. — Omnes magnitudine auctae. 

9. Astrafpala» acmonotvlehiui : suhaeaidU; ea«r 
dlienlls deblHbus, hnmifusis, Dn<|lis; stipalis conerelis, oppo* 
iitifoliis, laxe imbricatis, Aerftaceo - fii6in6ratuicm; fotiolis 
(1^—0"' Ig.) 9 — 16jugis, ovali-v. liDeari-obioogis, obtuais?. 
rejtnsis, maticis, puhe medifixa strigoaU, subcanescentibui; 
pednnenlis adscendentibus, foiiis subbrevioribus ; spicis eapi- 
tatis maltlfloris, bracteis ohlongo-lanceolatis, calycis tubo di^ 
nUdio öreviorilms ; calycibus tubolosis pobe incudiformi D%ni 
strigosis; vexillo obovato-obtuso , glahroy calyce duiplo loi^ 
flore; ovarlo tIIIoso. — - Sect. Hyfoglotidei DC. Ctab. vm.) 

Astragalos acmonotrichus Fenzl Pagill. pl. n. 9. 

Hab. in eaeumine alpis Jffaaden-Tejfessi Tauri oceidentaiiSt mlU 
$000* — Kotscby eoU. n. 1Z1. 

^adix non visa. Gaadiculi plures, pollicares, digitales ae 
longiores, simplicissimi, in orbem digesti» subiignescentes , debile«» 
crassitie fili emporetici mediocris, stipularam ac foHorum eonsimi« 
lorum reliquiis apice tantum tunicati, caeteram nudi, in c au lern 
semipollicarem y. pollicarem foliorum stipulis yaginantibus inelnfQm^ 
persistentem, anno subsequo ulterius increscentem, pedunculmn 9aMr 
larem unum alterumye emittentem elongati. Stipulae h^iiaeeo* 
membranaceae , concretae, oppositifoliae, ad medium fere bifidM^ 
sabyentricosae , laxiusculae, inferius albidae, laciniis yiridibm, «Iri- 
goso-pubescentes, semiunciam quandoque longae, plenimqtie bratf»- 
res. Folia pauea, 5—8, infima breyiora poliicaria ac sesgoiprii 
caria, summa longissima 4 — 5pollicaria, flaccida; foliola 9 — 16" 
juga, pare primo a petioli basi plerumque 1 — 2 pollices remolo, 
longionim foliorum 4-— 6'", breyiorum lj^-'4'" longa, 1 — 2^''Mi^ 
oyalia' y. oblonga, yematione solum complicata, serius plana« 
alssima y. retusa, utrinque cum reliquis partibus pube ad 
incudis ad instar bicuspidata, medifixa, nitidula, plus mhrasye t 
mriore strigosa , subcanescentia. P e d u n c u 1 i subradieäk»« 
Ipica 2 — 4pollicares, folüs subbreyiore«, fiructiferi lacile 
arcuatim adscendentes, axillares, plerumque soütarü, dem 
centes. Spica globosa, diametri pollicaris, 10-— 20flora« ^^iM^ 
subsessüibtts confertis, minime yero glomeratis, patentisstatia; kaj^ 
teae oblongae y. oyato-lanceolatae, acutae» 3'^' ad i 
ac 1^"' latae, pleraeque dilnidio minores, calycis tobwi 



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aequaaleB v. subaequantos, membranaceae, albida« pube nigra simql 
fu8catae; Calyx iubuiosus, 3^ — 5''' longus ac 1^—2'" latus, aü 
trientem y. parum ultra quinquefidus^ laclniis triaDgulari-^subuIatig, 
purpurens y, yiridi - variegatus , pube folioram homomorpha fusco- 
nigra, inlaciniis praeaertim congesta, atratus. Corollae, in sicco 
profunde coeruleae, verosimillime purpureo-^iolaceae yexillum ca- 
lyee duplo, nonnunquam parum ultra longius, ereotum, marginibus 
replicatum, obovatum, rotnndatum, nee emarginatum, 4 — 5^'' latum, 
eirca medium in unguem cuneatum, albicantem sensim attenuatum» 
gkberrimum; alae ei albo y. flayo purpureo-yariegaftaet lineares, 
obtusissimae , lineamlatae, yexilio quadrante breyiores, carinam 
oblongam, fere sesqui-latiorem, auriculatam, obtusam parum supe- 
rantaa. Reliqua generis. Oyarium pubescens. 

OBSERV. A. bicolori Lam. CDC, L e, p. 9S2) ex descrip- 
tione certe proximus, nisi idem, pube omuium partinm bicuspidata — aao 
toribus circa ejus indolem in A. bicolori silrntibus — foliorum paribus 
pluribus, bracteis oblongo-lanceolatis, calyce longe brevioribas* (nee ut 
in illo subaequilongis, setdceis) ac vexillo obovato obtasissimo (nee ob- 
longo, angDStoj acuto) differre videtur. Habitus omnino Oxytropi» mon- 
tanae v. Phaccae astrap^aiinae. Ab A. leontino, pobescentia pa- 
riter aflfini^ floruui dnplo majorum indole aliisque notis long^ diversus. 

EXPUCATIO TAB. VIII. Fig. 1. Flos a latere yisus. 

Fig. 2. Calyx cum bractea. Fig. 3. Analysis corollae. Fig. 4. Sta- 

mina cum oyario. Fig. 5. Oyarium. Fig. 6 Stipula. Fig. 7. 

Foliolorum par. Fig. 8. Pilus incudiformls. — Omnes magnitudine 

' auctae. 

lO. Trifollant xerocephalam: annaum, glabr%- 
tum, mnltlcaule; stipulis longe acuminatis, membranaceis; 
foHotis obovatis, late ellipticis v. oblongis, argute serruiatis, 
XDultistriatiS) firmis; c*apitulis subsessiiibus, bracteis cuneatis, 
Cifspidafis} calycibus turbinato inflatiSy glabris, utrinqne iinea 
.decurrente villomlis, aveniis^ rmiUistriatis , laciniis tubo di- 
midio brevioribus, subulcUis; legumme ispermo. — Sect. 
• VsBicASTRüM Ser. 

Trifolium xerocephalum Fenzl Pugill. pl. n. 10. 

Hab. tit JSwia prope Suedie ad OMtia Orontis. — Kotschy eoU, 
n. 139. 

Radix annua, simpllciusculay crassitie fili imporetici mediocrU, 
tenax. Caules 3 — 12, in orbem diflusi, adscendentes , inaeqoi- 
longi, digitales bipedalesque yisi, radice parum tenuiores y. crassi- 
tie eam aequanies, meduUa tenera farcti, simplicissimi, y. ramis al- 
temis pollicaribus paimaribusye remotis monocephalis aucti, solcati, 
glabri ac pilosuli. Stipulae semipollice parum longiores y. bre- 
•Tiorea, in ochream arcte yaginantem, hinc serius fissam, membra- 
naceam, albidam, nervis plurimis subyenosis, parallelis, purpurascen- 
tibua y. yiridnlis striatam, glaberrimam connatae, iaciniis libeiis ^ 
parum y. sesquilongioribuS; subulatis, ultra medium herbaißeis, aetaeeik 



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PolU patula, inferiontiii peüolifl plenhnqae 1>— Spollieäribiis, 
moram 3—6''' longis, striatis, glabris; foliola 8 — S'^' longa at 
1^ — J^*ft lata, yaria, obovata, late elliptfoa et oblonga, .finna, argute 
semdata, breye aristata, utrinqne parallele costato-yenosa , veaulii 
subtus praesertim promiiralis, plurimis, drca medium pleramqtte W 
furcatis nitida, concoloria, Immaculata. Capitula in eaulibos ra- 
misque terminalia, solitaria, primum aessUia, tlenamn pedttnonfis ipsii 
brevioribus T. aequilongis suffulta, globosa, 5 — 8'^' diametro lata, mtd- 
tiflora, laete purpurea, demum dQute spadicea, basi 6 braeleala, toto- 
teis 1^—2'" longifl, adpressis, oyatis, cuspidato-mucrenatia, ^faart»- 
ceis, integemmis, multinemis , glaberrimis, albidis; flor^s deste 
aggregati, post anthesim scariosi, persistentes, bracteolia «earie- 
sis, cuneatis, apice, ^ — ^*" lato, cuspide lamina Iriente bTOyiere »- 
taceo mucronatis , glabris, supeme ad oras aub lente obsolelissime 
clUatis, calyds tubum aequantibus interstincti. Galycis 2^ — ^^ 
demum kmgi tubus in fructu vesicubsus, turbinato-iofiatus, ore con- 
iitrictiM, 80 — B5-0triatm, yenolia iransrersls minime costaiua, ntrimpn 
Hnea decurrente pubeseens, caeterum glaberrimus, jMub ; denie^tiÄo 
aubdimidio breyiores, primum erecti, demum snbrecurvo^patentissmii, 
setaceo-subulati, rigiduli, subtus albo-trinerrii, nervis lateraUbus mar- 
ginantibus, yirides, glaberrimi. Corollae glaberrimae Texillum 
«ib antbesi calycis tubo plus duplo longius, lamina complanata, 
unguem cuneatum aequante, oblonga, 1 — :l^'''1ata, integerrima, ob- 
tusa, cum alis parum brevioribus, lanceolatis, cumque carina 
acutiuscula, bis subaequilonga, parallele multistriata. Orarf mb 
inoyulatum. Legamen oboctu conaianti.moiio^eniaiti, Btatiun. 

OBSERT. Trifolium vescicülostiiD^avI., quod nostro prod- 
nram, praeter calycem fnictiferum neryosom, veouUs tnus^F^nü oatf 
•fetievlatitiny gtabrnm v. piUs nuria adspeKsum, dqplo triplona-MAjar«!!, 
vezillo jsiigis lineari) aouto, legmniDibus.dispecmis, bracteojia lane^olatii 
longe aristotis, capitalis ovali-oblongis, nostri multo majoribns^ bracMs 
involucrälibus lanceolatis (nee late ovafin) ac follis peduncaKaqUi» hm^ 
ffbfaa recedit. — Tr. TnvtiKhile'PonensthUtff^ninftqae ^«liltiin— ijil 



Ijce fractifero haod inflato oblonge, oresaepe angras^fifttfy ti^ia |p^ipiijPl|B 

'••'—- "£oiiSa 
nmbij^uum M. Bieb. {Fl- taur.eaue, IL p. JOS ♦ J, a Cand^tj^ MUJfßi 



nunc obialete nimc dtstiacte nenmso, vix reticulato diflPert. — Tri! 



cam Tr. r«curvü JKf.-et turgvdo i^'#A. inter>83i^mMn^!maEff rw- 
losi 8avi, receptum, fide speciminnm Siewnii ac S*ovihsH ff 
,€i9L iL in, t48}. iMga alta ert^eoi»f, eap»UJia»exiiiv44ii 
.InNDÜferis caflexis, nee Tr. .yeaiculesi more.aolam] 
cibus 10 -, nee 20— 25nervii8, tubo transversim corrijj 
venuloso, laciniis bain mentbranaceo ^ nee nervosNM 
niqne nmrceseeDte, yatae «torragala, nee 4)erBtstente 

9rifoiMim entbr»a»en^ mmad fBn^ i fl fi^m. 
IHM iooBibua Tri£oUi apeciosi WilU. in Sikii.^' 
Reichenb, Iconogr, bot, exot /. 7 ac descriptioiiibns 
dieri ac Ouasonei bujus esse vartetatem: fbliolis on 
obovato-oblengD (nee aabevbiealari) vmn «li« maarginc 
;^nlicnlalia)iMMic peranaans snm , ^r.ieom •#•»«!' 
ä. i. Wjktv. ai»aeioaom UC .Prod. ». M04i ^fef:%^ 
credens« P^oatnun at: Tr. apecSoanm Tar. 'Z^. e^ 



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00t 

Ovrsi dem Kot&chy an a n^ Fat«! CP^i^^pL n, HJn^nnid 0«>% 
giaalia varietatem v. lusum esae parvulum, folüa ^omnibus peliolatia, 
tiifoliolatis floribusque minoribus insignitum nunc certus sum. 

11. Iieofeopdea g^mfttetolde«: mffTucäco$a proi* 
strata, snbsericeo-'eancasGens; foliis petiolatis trifoliakUU^ 
foliolis oblongis lanceolatis; eorolla flava, sericeo-pilosai 
calyce exserta, vexillo amplo, ovato-orbieulari^ reflexo, eaf 
rwamsiibaequaate; legomiue cuneato-obovato^oalyee sub- 
longlore. (tab. iv.) 

Leobordea genistoides Fen%/ Pugill. pl. n. 13, «phal- 
mate riL, lotoides** 1. c. 

Hab. tft regione moMana Tauri occidentaits eirea Gülek, — Kol^ 
schy eoU, n. i69. 

Suffruticulus humifusus, multicaulis, caulibus p^tenti- 

ramosis, foliolatis, palmaribos ac pedalMliui» tenue filifonnibus, tere- 

tibua, .purpureis, cumque ramulis et foliis pube simplici albida, ad- 

prcBSa sericeo-snbcanescentibus, raniis ^ubaequi-, frequ^ntius inaequi- 

dichotomis. Folia trifoliolata, alteriia, ad ramorum .azillaa .¥. alai 

florigeras opposita, patentissima, minima 3 — 4^'\ maxima 8 — 12'^' 

longa; petioli ramulorum intemodils parum tenuiores, Cacie canai' 

Üculati, ioBgitudine varii, foliolo medio 2 — 6plo breviorea; folioU 

plerumque oblong ir. lanceolata, nee nou elliptica ac oboyafta, h^r 

film versus semp^ apice longius attenuaia, i\ — 7*" Jonga a^ 

^ — Z*** lata, gubaequalia, medio plenimque subm^jorQy.integernmfC 

acutiuscula, plana, utrinque sericea. Stipulae unilaterales, monor 

pbyllae, foUaceae, lanceolatae v. oblongae, integerrimae, petiohim sub- 

aequantes v. 1;^— 3pio superantes. Flor es ebiacteolati, plerui»- 

que bkii, quandoque solitarii t. terni, pedicello \-^^**' longo insL- 

dentes, in ramorum dichotoiniis alares v. axillares, 4 — 5'" longL 

Calyx adpiesse-sericeus, e viridi.purpurascens, corollam subaequanii 

Y. aequans, ad duas trientes fissns^ bilabiatus, labio inferiore carinao 

opposito angustissimo , lineari-subulato, integerrimo, superiofe siib^ 

longiore majore semibifido, laciniis ovato -oblongis, latis, apieo 

seinibifidis, dentibus aequalibus triangularibus , acüminatis. £o* 

rollae vexillupfi calycem aequans v. subsuperans, lamina re- 

flexa , otäto-otbiculari , apice rotnndato quandoque mucroaulata, 

8 — ¥** longa, 6ubtus aericea, (sicoa) paflide flava, basi macula 

«aturatiore deHquescente picta, in ungiiem duplo breviorent, -9» 

^aaüfsimum, finearem, «omplicatum , glabnnn abrupte confitricta; 

alae ealycis labium inferias aequantes v. sobaequantes, oblonga<r, 

öbtusissimae, ungnieulo calyeis tubo'haud exserto, siq)ra*aiiriaulaia 

obsoletam rotundatam extus transverse striato^pltcatae , plerumipte 

^laberrimae, bauddliatae; oarina calyce parum exserta, subseim^ 

obovata, obtusissima, dorso coavexo, quandoque subfNirputawente^ 

pubescehs.marginibusiiberis 8iri)cectis glaberrima. Sta>BiiiiomiagsB| 

&UIC lengMiaclinalilerissa, filaiiieaüaglabrif. JStyI«fiinaanaf|^foa( 



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902 

ffiUiMlni daoMM vnein&tO'-flexiu, floitm t^ganinis ftutaM il6* 
riH adTorsa, parte sigmatosa sunum spectante, bad puberote 
Stigma capitellatum. Legumen calyce persi&teiite 1| — Spift 
«isertanii 4 — 6^'' longam, cuneato-obovatnin, 2^ — 3^'' latam, com- 
' pressmn, sutura seminifera longiore modice cenvexa, siertti bremn 
npice lato flexura subsigmoidea obliqua in styluin abennte, ad^rMM> 
Ursutani, 2 — 6spennam. Semina renifomiia, badia. 

OBSERV. Leobordeae Inpinifoliae BaisM. proxima, folSstai» 
nee quinquefoIioUtis prima fVonte diversa. 

EXPUCATIO TAB. IV. Fig. 1. FIos a latere visus. Fig. 1 
Calyx. Fig. 3. Analysis corollae. Fig. 4. Tabus stamine«^ 
Fig. 5. Ovarium. Fig. 6 et 7. Legümen. Fig. 8. Folium em 
•tipula. — Omnes magnitudine auctae. 

ROSACEAE. 

(Äiionto. DRYAEAE. — 7W6i« FRAGARIEAE:^ 

IS. PoAeiitllla Kotechyana: patentim ^ pUoHi, 
eglandulosa; caule elongato erecto, siiperne dichotorae m- 
inoso y pilis paucioribus iuberculo insidenfibus, plurinUs heri 
hmid incrasaath mbhirsuto ; folifs inferionbas ac mediis loi^ 
petiolatis qainato-, superioribus sessilibus temato - painaS- 
sectis, cohcoloiibus, lobis inferiorom obovatis, floraliuiD db- 
iDuin cuneato-oblongis sive lanceolatis, inclso-serratis, Merrm' 
turis omnium porrectis, integerrimis, illorttm 6 — 9 ovaHm «. 
oblongU, hartim lineartbfis simulque longiortbfis ^ summormm 
S media productiore; stipulis mediis semlovatis, plnrimis feh 
aequl- 2— Hfidis; inflorescentia foliosissima, pediceUit fnut^ 

JVrta fiaccide recurtis ; calycfs demnm aucti laciniis exterriB 
anceolatis, integerrknis v. 6t- trifidiSy intemas ovafa$ «•!#- 
sfiperantibus ; corolla calyce sablong^iore flava; styUs apka- 
llbns basi incrassata glandulosis; receptaculo piloso; carpti^ 
Us obsolete rugosis, haud marginatU. — Sect. Potentiulm^ 
enuM Ser. 

Potentillä Kotschyana Fenzl Pugill. pl. n. 14. 

Hab. I» prcHt suMfrinis et mipinis mamfU Maaden-Tepe^H (ßtt' 
»atioms caleareae) Ttmri oeetdeniaUs. — Kottfcfay eoU, n. 182, 

Radix npn Tiaa. C aal es palmares bipedalesque, «impBo» 
T. sapra medium ramis nonnullis, altemis, digitalibus, erecto-j^te- 
tibiis aucti, nunc s^rictissimi y. e basi incllnata erecti» pouia 
ma Vüi crassiores, saepissime tenuiores, teretes, basi stipaHa 
nun radicalium consumtorum residuis, emarcidis, nigris t* 
admipoUicaribus imbricato - raginati , tota longitudine eom 
partibus berbaceis pube eglandulosa, kxa, patentissima, V*^ mit 
maapk iMga, baii Aaad incrassata^ longe rariua inben^ 



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iii8id«Dte.> Ummmi« plus miiiusve den^e pilMi %, hrnmü^ jptuppurQi, 
'^uce in cymam dichotomam, fojiosam, remote 3— 12iloram 3oltti(« 
Folia radicalia ignota, cauUna internodiis 1 — 2polUcaribu8 femota» 
quinato-, suprema ra^aa et floraüa ternato-palmalisecta» peMoliji 
infimorum omnium longissimis, l|- — 2poUicaribus , demuin fiessilia, 
concoloria, subtus quidquam pallidiora, utrinque pilosa, inferioram 
segmenta rotundato-obovata , cuneata, longitudine varid intermedio 
submajore 9 maxima yix pollicaria äc ultra semiunciam vix fatiork 
Visa, floralium demuin oblongo-cuneata v. lanceolata, omnium sub- 
regulariter inclso-serrata, serraturis porrectis, integerrimis, acu* 
tiusculis, inferiorum foliorum plerumque 7, rarius 5 y. % 
4rientem superiorum segmenti solum occupantibus , oyatis, 1 — 2'*' 
longis, termiiiali haud productiore reliquorum sensim duplo Ion- 
gioribus, oblongis v. late linearibus^ infra medium segmenti descen- 
dentibus, frequenter 5 — 7, bractealium suboppositorum (3 — 5''' 
Ig.) persaepe 3, intermedia magis magisque productiore' ac reliquis 
lateralibus subinaequalibus majore. Stipulae petiolo adnatae, 
caulinae inferiores ac superiores longitudine ac latltudine decres- 
centes plerumque semioyatae, 4—8'" longae, nuno integerrimae 
nunc inaequi-bi-trifidae v. apice bilobae, b'erbaceae, foliorum radt* 
calium solum mcmbranaceae, triangulär! - lanceolatae , fuscescentes. 
P edle ein fructiferi poUicäres ac breviores, flaccide recurvi. 
Calycis, post anthesim auctii laciniae externae lanceolatae v. ob 
longae, 4 — 6'" longae, nunc florum ejusdem cymae omnes y. 
quaedam integerrimae aut inaequi - bi-trifidae , foliaceae , interna« 
duplo latiores ovatas, integerrimas subsuperantes. GorpIIae crö- 
ceae (?) y. flayae, calyce ^ y. sesquilongioris petala pboyato-sub- 
rotunda, retusa. Receptaculum pilosum. Styli ova^ii apice 
inserti, conico-subulati , infra medium glandulosi. Garpelja obli« 
qua oyoidea, compressiuscula, haud marginata, obsolete rugösa, fla- 
yescentla, yix J'" diametro majore lata. 

OBSERV. Habitu P. norwegicae (cul tarnen folia tnpalinatisectaj^y 
characteribus autem divisionis »stylo ovarii apice inserto, cönico>8ubulato, 
g^landuloso, receptaculo piloso, inflorescentia valde foliosa ac ealycibu^ 
demuin auctisf^' P. intermediae ac hirtae inter congenereir prepins 
affinis, ab utrisque pedicellis post anthesim pendulis, nee erecti^^ ac c|i- 
lyce heterophyllo, a priore insuper seminibus haud margiaatis, ab al- 
tera foliis infimis quinäto- nee septenato-palmatisectis, foliolisaue nee 
obovato-oblongts, nee utrinqae 5--9patenti-dentatis diversa. Potentil- 
lae salisbnrgensi e foliis inferioribus, minus e supenoHb«^ edrumqae 
pubesoentta simillima, habito yero lon^ge alio, robastiorey erecto> inflores- 
centia foliosiorei calycis ac stylorum indole diYersissima, 

18. PotenttUa pnlvInarUi : villosa, pnlyinatim cae* 
fipitans, nana; caudicibus crassh, clavatis, catUiculia i- tub 
gHfloris, subnullis v. elongatis, oligophyllis; foliis confertissime 
rosnlatia, petiolatis, quinato-jpalinatisectls, cauUnta pupieriorlbus 
sesailibua «ioiplieibus, seffmentU mimUi9 imbricaÜB, wbcmpU" 
caiiß, ßp^ V. wfiroJun4i9, baai breviABime cuneatis,liiAajori]bya 

anttegger, ReUeo. 1. Bd. 2. Thl. * 58 

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004 

5-^7-, mtnoribns 2—3 serratfs, serratarfs porrectts^ ovatts v. 
ofiovatfs, obtnsis, marginibus apiceque villo confluente sericeo" 
hcerbatiai petalis croceis y. subtus purpureo-vaiiegatis, calyce 
duplo longioribns. — Sect. Potentillastrüm Ser. 
Potentilla pulvinaris Fenzl Pugill. pl. n. 15. 

Hab. in Tauri oeeidentalis aljHs „Iflaaden-Tej/essi^ cacuminey 
alt, 9000*. — Kotschy coli, n. 179, 

Radix fusca, tenax, perpendicularis, multiceps, caespitern den- 
sissimum pulyinarem, palmarem v. duplo-triplove minorem, caudi- 
cibus semi- v. poUicaribus, crassitiem digiti infantilis saepe supe- 
rantibus, clayatis, jstipulis persistentibus, imbricatissimis, fuscis occul- 
tatis, apice rosula foliorum coronatis formatum alens. Cauliculi 
terminales, simplicissimi, ^pollicares yisi quandoque subnuUi, filifor- 
mes, erecti, foliolis 1 — 3 obsessi, uni- rarissime biflori, dense glandu- 
loso-pubescentes y. villosi, purpurascentes. Rosularum folia 
quinato-palmatisecta, petiolis plerumque 2 — 4''', rarius 6 — 10''' loii^ 
gis suffulta, circumferentia cordato - orbicularia , segmentis late 
obovatis y. sqbrotundis, breyissime cuneatis, complicatis, medio sub- 
majore 1 J — 4.'" longo, ac 2^'" ad summum lato , infra y. circa 
laminae medium in dentcs utrinque 3 — 4, aequales, obofatos, oya- 
tos y. oblongos, obtusos, imbricatos, ad trientem y. dimidium di- 
yiso, minimis lateralibus solum bi - tridentalis, omnibus yilio sericeo 
albido , adpresso , subtus densiore, supra rariore, ibique demum fu- 
gaci, margines dentiumque superficiem praesertim occupante, apice 
confluente mollibus, subcanescentibus, opacis; foliorum cauli- 
nornm inferiorum unum alterumye tripalmatisectum, segmentis 
minutis bi-trilobis , reliqua simplicissima trifida y. linearia, integer- 
rima. Stipulae oyatae, integerrlmae , petiolo adnatae illumque 
saepissime aequantes, foliorum radicalium membranaceae fuscae, 
caulinorum herbaeeae. Calycis laeiniae exteriores lineares, obtusae, 
interioribus OTato-lanceolatis quadrante y. triente breyiores, cum il- 
11s integerrlmae, yillosae, i\ — 2^'" longae. Corollae croceae, 
calyce duplo longioris, petala late obovata, retusa, subtus glabra, 
saepe medio y. marginibus apiceque purpureo-variegatae. R e c e p- 
iaculum yillosissimum, Stylus fiiiformis, infra oyarii aptcem 
lateraliter insertus , basi band incrassatus , ad insertionis punctum 
. eonstrictus, nudus, deciduus. Carpella immarginata, laeyia. 

OBSERV. Species nimi« forsiin afüiiis P. Nevadensi ß. con* 
4ensAtae BoUs. (Fl, Bsp, /. p, HOSJ füliorum «egmentis apice multo 
latioribus, lateralibus extimis minutis, minime supra argentatis, dentibus 
paucioribus imbriratis petalis majoribus^ plerumque purpureo-variegati« 
distinguenda. Facile P. geranoidis varietas alpina, nana. 

GERANIACEAE. 

14. Pelartronlnm (JEMKINSONIA) Endllche- 
rianamt moiliter pnbescens*, rhizoinate polycephalo, craasö, 
eattßbtn sfmpikibiis erectis; foliis radifalibns renifonnflnis, 



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905 

gr^msB crenatis, snmnits ultra mdHam Sfidfo, lobo meAJ 
majore trapezoideo, cnneato, crenato-indso; ümbella termf*- 
Dali, lon^e pednncolata, 3 — Sflora; petalorum po»ticis duo^ 
bfis maximiSf obovato^cuneatis, 9ubfruncali9, repando^undti^ 
iatis, roneis f purfnareo-övenis, antici» tribus inaegtiolihus^ 
ealyee dimidio breviorilnis, oblongis integris v. 2—8fldUj 
staminibas declinato-adscendentibiis, glabris, basi mooadel- 
phis, fertilibiifli sterilla dimidio soperantibus. (tab. iii.) 

Pelargonium Endlicherianuni Fenzl VujplL pl. n. 16l 

Hab. m m&nfibiu Tauri oecidenfalis eirea Oülek. — Rassegg^r in 
Kotschy eöU. n. 109. 

Rhizoma yetustum crassitie digiü, 1 — 3unciale, carnosaai^ 
oblique descendens, Infeme incraseatum, praemorsum, fibm radica* 
libus flagelliformibufr terrae infixum, ferrugineum, petiolorom ac sti* 
pularum annotinarum residuis dense aquamatum, muiticeps. Caulei 
inde emergentes spithamaei ac bipedales, calamam scriptorium quaiir 
doque crassi, heibacei, erecti, simplicisaimi v. uno alteroye ramo 
erecto-patolo subfastigiato aucti, internodiis 2 — 4, longitudine ver- 
sus apicem subrytbmice ab 1 ad 6 uncias increscentibua absolut^ 
ad genicula modice tumidi, cum reliquis partibus herbaceia pub^ 
simplici, eglandulosa, viridi, horizontali, recta velutini, senesceate^ 
picrumque purpurei. Folia radicalia pauca, plerunoque 1 — 4» 
quorum petioli 2 — 4unclales, subsequomm sensim breviorea, aumr 
morum vix pollicares in speciroinibus siccis ac vivis — in borto 
praestantissimi nostri bortulani Fr, Klier, viri da 
cultura specierum ac hybriditatum splendidissima- 
rum bujus generis optime meriti ac notisa'imi, e se- 
minibus ante biennium primum educatis — yisi, erecti, 
teretes ; 1 a m 1 n a horizontalis, orbiculari-reniformis, subpeitatim pe- 
tioio . inaerta , basi sinu profundissimo obtuso semibiloba, IoIms pa- 
raUelis, sabdiyergentibus, foiiorum infimorum diametro 1 — 9^ 
pollicaris, supra impresso-septemnenria, ambitu grosse ac inaequaliter 
obtuse crenata, reiiqoorum sensim magis magisque proftmdius 
5 — 71oba, lobts rotundatis t. subqaadratis , supremorom kmge 
minonim subpalmatifida, lobis inaequalibus, ejusdem folii variis, 
nunc integerrimis, nunc grosse pauciserratis vel incisis, mino- 
ribus posticis ianceolatis v. oblongis , lateralibus ellipticis v. cunea- 
tis, intermedio majore plenimque trapezoideo, anteriore margine ut 
plurimnm inciso. Stipulae oyato-triangulares , 1 — 3'", foiiorum 
inlimoruin saepe 3 — 5'" longae, patulae, pubescentes, ciüatae, de- 
mum scariosae, ferrugineae. Umbella 3 — 20flora, terminalis, longo 
pedunculata, involucro polypbyllo laxo, bracteolis iubscariosis Ian- 
ceolatis, 1 — 3'" longis, moUiter birsutis, plerumque coloratis con- 
flato basi cincta. Pedicelli fiructiferi demum potticares ac sub- 
longiores, ante anthesim reflexi, postea erecti, strictl, angulatii cras- 
•itie fili einpöretioi tenoioris» pubescentes. Caiycis pent^pbjUi 

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iMstaiae Uaecri-laoeeoiatae, «eqval««, 4--6'^' longae, H^^'^ M^ 
Mutae, dUtincle trinenriae, eitiif pubeMenie«, uidu gtobrae^ pfinuai 
ykideSf demum cum pediceUif totaqne berb« BtUva^ puipor^ae 
aub antbesi divergenii-recurvae, poaiifia sobim aeimer9cta» in caloir 
pedieaUo fere tota longitacUiie adfiatuni producta. Petal-erum i 
4ao poatica aequalia, maxina» calyce fere triplo len^ora, aabr 
JruncatQ-obiyvala, 6— <10''' lala» in unguiculum ioiberbeiii» temir 
lineam latum coneato-attenuaia, margiDe apipeque B^ando-^ndoJala» 
aaiurate rosea, subtus paUidiora» lineis quinque pennuiervüs, biete 
jpurpureis, intermedia breyiore subsimplici, elegantissime picta, re- 
liqua tria minima, fere rudimentaria, pallidiora» coneoloria, a?«- 
nia, plenimque, inaequalia^ oblonga y. elliptica, in unguem distincte 
^tenuata, integerrima y. semibifida y. apice inaequaliter 2 — Sloba, 
ealjce dimidio Y. ultra breriora. Tubi staminei triquetri, 1 — 2"' 
longi filamenta 7 fertilia, cum anantheris 3 setaceis inaequali- 
1ms calyce plus dimidio breyioribus glabra, declinato-adscendentia, 
conniyentia, ealyce parmn exserta, tribus posticis linea una alterave 
^nticis breyioribus. Antberae lineares, erectae, roseao, pol- 
line croceo foetae. Garpidia 5, pube moUi» recta, dense bir- 
«Uta. Stylus cylindricus, ultra medium pubescens. Stigmata 5, 
teeurra, filiformia. Garpella 5, eliipsoidea, birsuta, calyce per- 
sistente ^ breylora, rostris 1 — l^poUicaribus, ^"' latis, stylo per- 
sistente diu coronatis, primum purpureis, demum fuscis, extus ad 
presso-puberulis , intus pilis semipollicaribus , rectis, pallide fulvis, 
copiosissimis usque ad ultimum trientem barbatis, dehinc abrupte 
usqne ad apicem pube breyissima hirtis, in spiram remote subtri- 
cyelam tortis. 

OBSEBV. Species inter congeneres flonim soavitate ac cpaforma- 
lione singolari haod minus, quam patria commemoratu facile dif^nUwima; 
in praeaentiarom prima ac unica generis ditissimi Aaiae civis, Jenkin- 
«•niis e Inbo stamiaeo basi hand fiaao, Chorismis c corellae sonmie 
arregalaria facie ac filameatis imberbibiu!) in iubum de clioato inijqrTitt»- 
culam coni^iventibus affinis. , 

EXPLICATIO TAB. UI. Fig. 1. Analysis floris. Fig. S. 
Tub^s atamineus explanatus. Fig. 3^ Fractus. 

EUPHORBIACEAE. 

15. Eaphorbia Kotoehyanas fruticosa, erectai; 
foHTs breve petiolatis, lanceolatis, obtiisis, chartaceis, supra 
nitidfs, 9ubtu8 cum caule zelutino^famentosU, involucralibus 
similaribus; nmbella multiradiata, iterato-dicbotoma; involu- 
cri5i amplfflsimis, semiorbiadaribuSy rotundatis, möplano-ccnr' 
näfhj sinu commissvrali utringue brevissimo^ jnvolHcelli gUt" 
betrimi lacinifs. rotundatis, glandiilis melleis »emilunari-ex^ 
cisU, blcornihtts; capsulis seminibusque laevissimis. 

Bupborbia Ko tscbjra^ia i7*eu«I Puj^ll. pl. q. 17. 



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ttlh; fo %iH# f^t^p$ 8m0dU «4 Mit» Ot0mi%0k ^ flbtschif 
mIL m. 480. 

Fraticis ineeftae alütüdinis, erectf samniitates floridatf 
Tisae l-^2p6dal6s, Inferne digitam minimiun crassi y. param teniii<M 
res, terete«, fottoratn delapaoram cieatricibna oblongis tranareipnsi 
per spifam polycyclam summe regulärem disponlis, copiosbsfniA 
macttlatae, snpeme coma foMomm confertionini omatae» olteiiiiis in 
partem florigertim, remotlus ae longe minus symmetrice folfatami 
radilB ioriferis alternis subfastfgiatia, mmc paucissimis, nunc pluri^ 
mis aoctam elongatae, pube minima erispata velutinae, 4emttm call 
yescentes. Folia lanoe^tata, quandoque oblonga, obtosa, mteger-^ 
rima, ehartaeea, sQbavenia, aupra nitida, ad lentem.puberola, subVM 
tomento laevi brevissimo yelutino canescenlia, plerumque ^ — Spot* 
licaria, superiora tarnen breyiora, 3—6''' lata, in peti^iml 
1^ — 4'" lenguai attenuata, inferiora ereeto-patula, suprema cttnl 
inTolncralibns 5 similaribus plerumque reflexa. Umbella S^IO'' 
radlala, palula, radiis iterato-dichotomis, digitalibus, pafanaribus kno^ 
que ^tbamaeis ; f ny o 1 u c ra perfoMata, subplano-pehiformia, anb^ir^ 
bicolaria, integerrima, maxima 1^ — 2polliees lata, diameCro breviovA 
sinu brevissimo nlrinque emarginata, aupra subtusque glaberrioiai 
Florum, involucella sessilia, campanulata, majora 1^ — ^^^ 
longa, transversim yenulosa ac subcorrugata, lilacina (?), laciniift 
cum- glandulis mettels, semUunari-excins, bieornibus altemantibusi 
erectis, rotundatis y. subtnmcatis, caiato-barbatis. G a p s u 1 a e laeyis^ 
simae lad lentem punctuiatae, i*" longae, eocois oblongis, sule4 
profundissimo discretis. Semen oblongum, teretiiiBculum, vtvi»«- 
que subtroncatum, laeyissimum, fuscum. 

OBSEliy. Eophorbiae Wolfenii äc Cbaraciae pronma^ 
priori e statora majore, invohieellorom glandvKs aemilanari ^ exciais^ 
melleis, \ont;t oormitis, alterae ex hivalacm vis pelviformibiur , fere 
planis affiois, ab atrisque foliis aupra nitidis ac fere v. omaino glabrii% 
involacrorum sinubus brevissimis ac capsulis laevisaimis diversa. Num 
cum sapradictis et E. yeneta unius ejusdemque speciei yarietas? 

HYPEItiCINEAE. 

16* Triadenla RassegrgeH: fruticosa, prostrata, 
eloDgato*ramosisstma; foliis cunecUo oblongis sive UmceakUUp 
obtuais; cpnUn i^Tfioris peAmcukais, termifuilibiis, alaribns 
V. axiUftribua, pediceUis calycem aequantibus; calycDi lad- 
iiiis oUoD^Sy obtiisis, androphoris denrnm dhniäio, ooroM 
mbtriplo brecioribus) petalia apattiidato-obloBgis^ liiatill» 
snb anthesi calpi:e aubdi»iidio, Hylin ovario dmpU bre^ 
vioribut. (tab. xiii.) 

Triadenia Russeggeri f^mzl PugUl. pL a. 18^ 

Hab. in Syria prope SvtdU ad osHa Orontie. — KotHchy coli. 
n. MI. 



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908 

Pralex himifosiM, ramosissimuf, dislorlus, cdrüd teiti, epi- 
dennide albida solubili obducto, fissili yestitus, ramis ear^nriiB«^ 
spithamaeis ac bipedalibus visis, penna conrina yix crassioribus, 91h 
notinis conferte, hornotlnis florigeris filiformibus 1^ — 2poD^ 
ribus plerumque remotius foliosis. Folia copiosissima, magni^ 
dine varia, 2 — 3"' longa, ac f— 2^'" lata, cnneato - oblonga. t. 
lanceolata, hasi summe angustata, obtusa, muUca v. obsolete roncra- 
pulaia, integerrima, camosula, uninenria, ayenia, glauca, tota super- 
ficie pellucide punctata, patentia, ramulorum florig^uronmi l^ud 
raro fasciculis aiillaribus pseudoverticülata, internodiis 3 — 12**' km- 
gis.remota. Cymae tenninales, ramulorum axillarium 1—2 st^ 
Ham y. florigerorum incremento demum alares v. axillares, pednncjalo 
3 — 10''^ longo sufiPultae, scarioso-bracteolatae, bracteolis sutm- 
ktis, i — 1'" longis, demum ferrugineis, deciduis; pedicelli fili- 
fonnes sub anthesi calycem aequantes y. parum superantes. Calj- 
€is 1^ — 2"' long! laciniae aequales, oblongae y. oblongo^lineaies, 
obtasae, membranaceo-marginatae, e^andulosae, in sicco obso- 
lete parallele-plurinerviae. CoroUae aureae, calyce duplo y. sub- 
triplo exsertae petal'a cuneato-y. spatbulato-oblonga , eglandulosi, 
imgae glandula adnata cuneato-lineari, obtusa, apice marginibuiqie 
Itbera, Hneam longa, aurantiaca munita. Androphora trit ü- 
nearia cum totidem glandulis tereti-conicis alterna, ultra medium in 
filamenta 5 — 15 libera soluta, calyce sub anthesi dimidio t. pamm 
ultra exserta. Oyarium sessile, carpidiis supeme liberis incom- 
plete triloculare, oyuli in loculis geminis, medio angulo ceotrafi 
sap^posite insertis, superiore adscendente, inferiore pendplo. Styli 
sub anthesi ovario duplo ao ultra breyiores, cum illo calycem. di- 
midio aequantes. Stigmata capitata. Capsula (nimis immatoia} 
yesiculis resinosis punctiforipibus oblongisque plurimis longitodna- 
äter seriatis consita^ loculis abortu fröquentissimo monospeiinii. 
Semen (immaturum) fulyum, cylindricum, striis longitudinafibo 
transyersim obsolete rugosis, copiosissimis tectum, cum seminibiB 
ignota. 

OBS£RV. Affinis proxime Tr. thymifoliae Spaeh, folüs vero 
Unif^ majoribos, magis caaeatis, cymis pedunculatis, plernmqQC 3-pl«rh 
florisy pediceilis calycem aequantibas imoqae longioribus et aodropiNiris 
'dimidio ac ultra exsertis di versa. ~ Nam ex ovalonim nomero definto 
ac directione in loculis contraria (in Tr. aegyptiaca, quam ftolaai a- 
aminalre nibi licoit, semper pluribns simulque pendulis) novi i^neris tyfm't 

EXPLICATIO TAB. XIIL Fig. 1. Flos. Fi g. 2. Petahim a tele 
fntema yisum. Fig. 3. Andophora cum calyce et oyaria. Flg. 4. 
-Oyarium sub anthesi. Fig. 5 — 6. Idem loculo aperlo sitma ae 
^irectionem oyulorum exhibens. Fig. 7. Semen immaturum. Pi^ 8. 
Folium. — Omnes magnitudine auctae. 

17. Hypericmn veimstmii : perenne, gUAenir 
mum^ eaule erecto, sfmplicissimo v. superne subraoMaa, 
strictisaimo^ erecto, superne subquadrahgnlo ; folite i 



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909 

semiaiaplexicaulibus, ovatis v. ovalibus, obtufsissimis ;, thyrso 
terminali, oblongo, folioso, cymulis remotis, coarcfafo» 
corymbiformibus 2—7ßori8, pedicellis calyce dimidio bre^ 
f)iorilnis;.c9ly eis laciniis oblongis v. lanceolatki cum brac- 
teis similaribus marg^oe glaiiduloso-ciliatis ; petalis calyce 
subtriplo longiorfbus 9 ovalibus v. oblongis, cum staminibtu 
imfnmctaiii. — (Sect. Adenosepalüm Spach. 

Hypericum Tcnustum Fenzl Pugill. pl. n. 19. 

Hab. tfi montoHt ae suktifrinis Tauri oecukntaiU, fto^ Oüiek^ 
imfra pkmUi fodinas. — Kotschy coli. n. 100, 

Caudices repentes, undlque fibras aurantiacas tenuissimas 
agentes, penna columbina plerumque tcnuiores, in caules simpli- 
cissimos v. ad apicem ramulis yirgatis, florigeris, abbreviatis auetos, 
erectos, strictos, palmares ac tripedales, cum foliis, inflorescentiae 
ramulis et pedicellis glaberrimos, infeme teretes, supeme magis 
quadrangulos, demum purpurascentes elongati. Folia sessifia, se- 
miamplexicaulia , turionum ac caulina inferiora plerumque OTatia, 
basi quandoque magis quam reliqua parte angustiora, media, in- 
primis yero superiora, oyata,. imo subcordata, omnia obtusissima, 
integerrima, penninenia, utrinque pellucide punctata, intemodiis 
subaequilongis, plerumque } — l^pollicaribus remota, stirpium flac- 
cidiorum patentia, rigidiorum magis erecta ac firmiora, supra laete, 
subtus pallide viridia, adulta minima 4"' longa ac 2^''' lata, maxima 
1^'' longa ac 1'' lata visa, axillis omnibus y. plurimis fasciculos 
nullos, superioribus tantum oligophyllos patulos, facile in ramulos 
steriles.^ — Spollicares erectos increscentes foyentibus. Tbyrsus 
terminalis, brachiatus remote-ramosus, foliosus, circumscriptione ob- 
longus, defloratus } — 3uncialis, inferne ramulis florigeris perparia dis- 
pdsitis oligopbyllis quandoque auctus; cymularum 3 — 7floraruro, 
coarctato-corymbiformium pedunculi per paria aequilongi, inferiores 
disseminationis periodo plerumque pollicares y. sublongiores, saepe 
tarnen cum reliquis multo breyiores, summi bibracteati ac uniflori, 
aliquas lineas solum longi ; pedi colli fructiferi calyce dimidio tri- 
ploye breyiores. Foliabractealia inferiora caulinis summis homo- 
roorpha, parumper minora, margine haud ciliata, superiora cum 
bracteolis herbaceis oblonga y. lanceolata, acuta, glandulls sti- 
pitatis atris fimbriata. Calycis laciniae lineari-oblongae y. lan- 
ceolatae, acutiusculae , in fructu sub2 — 2^'" longae ac |— 1'" 
latae, margine glanduloso - fimbriatae. Corollae aureae, subtus 
quandoque purpurascentis, calyce duplo y. subtriplo ezse^e pe- 
tala oblonga, oyalia y. oboyato-oblonga, rotundata, IJ — 2^*" lata, 
inaequilatera, integerrima, impunctata, persistentia, contorta. Sta- 
mina corolla triente y. subdimidio breyiora, cum antheris impunc- 
tata. Styli stamina aequantes, sub anthesi oyario subtriplo Ion- 
giores. Capsula oyoidea, calyce exserta, tota longitudine paral- 
lele muitivittata. S e m i n a cylindrica, utrinque obtusa, |''' circiter 



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910 

ionga äc \**^ lata, te^ta finniter adliaerent«, alutacea, lotigjttiidinali-^ 
ier sübüfisiime scrobiculata. 

OBSERV. .Proximum H. pulchro; caule praesertim 'saperne sub* 
än^tatoj foliis inferioiibas miniroe cordatis, bractealis gkindoloiso ffinbna'^ 
Ü8, calf ein laGiniis acutiusculis lineari-obloDgis v. lanceolati« ae petalis im« 
punctatis majoribus diversum. 

IS. HypeHcutit pul vemlentiitn : fruticulosqnt, 
humile, incano - hirtiasitmim ; caulibus simplicissioiis adscen- 
^entiboa, teretibus } foliis sessilibus, ovalibuu oblongisve ob- 
tuaitaimis, subttis nigro-punctatii , cucillis non gemmiferUf 
thyrao tenninali bracteolato, confertifloro, fastigiato, cymu-^ 
lt$ racemiformibus 2^7flori8; calycis laciuiis linearibus v. 
ianceolatis, acutis cum bractefs similaribus nigro-punctatfs, 
margine glaiiduloso-subciliatis, corolla subtriplo brevioiibus; 
capsulae valvulis dorso bivittatis^ margine vesicularum super- 
positarum oblique seile rugosis. — Sect. Drosocarpjüm Spach. 

Hypericum pulverulentum Fenzl Pugill. pl. n. 20. 
Hab. in moniosis Tauri occidentälis, — Kotschy. (Specimen unicuin). 

Radix lignosa, tortuosa, calamum scriptorlum fere crassa» 
cortice fusco, fissili, nitidulo vestita. Caudex polycephalus, abbre- 
yiatus, caules plurimos, simplicissimos, in orbem dispositos, Ion- 
giores peripbericos e basi declinata ascendentes, breviores plerum- 
que centralem erectos, digitales ac palmares, tenuius crassiusye fili- 
formes, teretes, pube breyissima densa canescenti hirtos, polyphyllos 
emitens. Polia sessilia, ovalia ac oblonga, obtusissima; integerrima, 
minima ä'" longa ac IJ'" lata, maxima 6 — 10'" longa ac 8 — 6'" 
lata, yenoso-unineryia utrinque pube recta incana birtissima, quasi to- 
mentosa, subtus nigro-punctata, patula, demum decidua, intemodiis 
plerumque plus minusve longiora, juniorum fasciculos axillares nuilos 
foventia. Tbyrsus terminalis, ima basi tantum foliaceo-bracteatas, 
reliqua parte bracteolis anguste linearibus , imo subnlatis, 
2 — 3''' longiä ac brevioribüs, basi glanduloso - dliaüs puncta- 
lisque latis munitus, fastigiatus yel corymbiformis, dSssemina- 
fionis periodo \ — 3" longus, ramulis subnudis, abbremtis, in 
cymulas obsoletas, 1 — 3- y. plurifloras racemiformes solutis, pe- 
dicellis subnullis y. calyce triente aut dimidio breyioribus. Ca- 
lycis quinquepartiti laciniae lineares y. lanceolatae, acutae, 2 — 3'^' 
,Tonga6, ac ^ — l^'Matae, glabriusculae, nigro-pvinptatae, margine afiab 
integetrimae, aliae plus minusye nigro - glanduloso - y. eglanduloso- 
ciliatae. Petala calyce fere triplo longiora, oblonga, obtusissima, 
1^— 2'j' lata, nigro-punctata. Stamina corolla qnadrante y. sub- 
triente breylota eglandulosa. Capsula ovoidea, calyce subduplo 
longioT, jBubcoriacea, ferruginea, coccis dorso biyittatis, lateribas 
tesiculis 4 — 7 linearibus y. oblongis, resina turgidis, uniserialibui, 
oblique ^erpoäitis grosse rugosis. Sem Ina cylindiica, subrecta, 
utrinque ootusa, | — i"' longa ac ^"' lata, atra, testa firmiter adi^ 
liaerente «ubtiüssime «erlatim ptmctulata. 



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du 

0HS1ERV. Sp'eeies iJi^tintiti^siina, eo^itiinik httjas iectloijilc nee 
tilli afßnis. — Num H. origanifolinm Wiitd. ? ' 

lO. Hypericuin myrtllloldes: glaberrlnuüin, frii- 
ticosniii, humile, ramis erectis; foliis petiplulatis, ovallbtrs oji« 
longfsve obtasissimis , subtos haud recHculatis, ad marginea 
nigro-punctatls , dermmi deciduta, axillfs plurlmis gemiiiti^rfa| 
floribus sparsii^ terläinalibus aubcrfiUbdiä 1-^3, bracfeia fo^ 
liaceis pedicellis calyce longforibus; calycis laciniia nunc 
aegtialibuSf nunc valde tnäequaliduB, otato-oblongo-v. linearis 
lanceolatiBy nigiro - fnmctatis , aliis integerrimi$ , aliii sub^ 
giäx^dvloHO^cillaÜB, corolla nigro^tmctntu duplo breviorlbus. 

Hypericum myrtillpides Fenzl Pugill. pl. n. 21. 

Hab. Hl rupeBtribu9 circa Svedie ac montis Caisii Ct>sci,ebelr 
OckraJ. — Kotschy coli, n. 108. 

Fruticulus humilis, caudicibus penna corvina haud eras- 
sioribus (simplicissimis multo tenuioribus) , erectis v. ascendentibns, 
digitalibus, spithamaeis ac tacile lohgioribus, cortice laeyi tugalosö 
fusco inferne dissiliente tunicatis , aphyllis, plerufhque brachiato-ramo'» 
sis, ramis foliosis angülatis, simplicidsimis, erectis, glaberrimis. Fpliia 
opposita, petiolulata ac sessilid, interne diis utplurimum semipollica^ 
ribus subaequaliter remota, patüla, ovalia v. oblonga, integerrima; 
apice rotundata, margine quandoque subreyoluta ibidem nee non 
faciebus utrinque ultra medium glandulis nigris rarioribus, saepd 
nuUis adspersa, subcbartacea, laevissima, pallide Tiridia, subtus Mb^ 
glaucescentiä , senescentiä rosea, uninervia, facie subavenia, adulta 
5 — 10"* longa ac 2J — 4"' lata, juniorum dimidio fere tniuoraifi 
fasciculos y. ramulos nunc steriles, nunc florigeros semipöllicares et 
breviores, frequentissimos in ütrisque axillis ^lentia, demum decidua. 
Cyma e termanales sessiles, foliosae, triflorae, ramuionim protime tnfö- 
rlorufh semper abbreyiatorum cumiila quandoque thyrsum simplicissi« 
mum oblt)ngum foirmantlum 1 — 2fIorae; pedicelli elongati, ple« 
rumque longitudine coroUae, glaberrimi. Calycis 5partiti, gtaberrim} 
laciniae ut plurimum yalde inaequales, in aestiyatione exterrores 
plerumqne majores, haud raro 3''^ et ultra longiores ac 1^'" ktiores, 
foliäceae, hnceolatae y. oblongae y. lineares obtusiusculae, integonimae, 
glandulift nigris raris adspersae, minores ac interiores qnadrante y. 
triente breyiores, ovato-lanceolatae, acutae y. acumihatae, cum üiisuni- 
neryiae, miboarinatae, uAo V. utroque margine a basi nsque ad me- 
dium y. parum ultra gianddlis atris obsolete denüeulatae simulque 
dorso adspersae. -P et ata oblonga, obiiqua, obtnsissima, plemm- 
qua 4^->6'^' longa, rarius breVIora, 1^—- 3''' lata, glandulis atris 
circa apicem adspersa. Androphora coroilam subaeqaakitia 7-4- 
12andra, antherae glanduia nigra apice munitae. Styli oyario 
2 — 3plo longioreft, stamina aequantes. Capsula, fmmatnra yisa, 
OYOidea, fusca, multiyittata. Semina, nondüm perfecte matura, 
cyltndrica, rectiaftcttla, obtusa, ^**^ longa ao \*'' lala, fusca, sobtft- 
lisaitoe ac dense scrobiottlato-panetata. 



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r OBSERV. Pro^Biuin forKan.H. nana Poir., eai vero ex avctore 

folia sessilia, subtus eleganter Veticu lata, flores corymbosi ac bracteae 
Unceolatae acutae. — Galvcis iodole g;landulo8a ad Hyperica adeno- 
ffepala, inflorescentia foliosa et magnitudine calycis lariniarnin varia ad 
H. bolosepala vergit, habita vero longe diverso, frutico^o folnsqne 
dkBoiDm articulata baai deciduis com affinibus propriam aectionem eoaati- 
tnere videtur. 

CARYOPHYLLACEAE. 

(^SILENEÄE)^ 
SILENE. — Sectio: SIPHONOMORPHA. 

SO. Sllene Sleberl: perennis, multicaulis v. Sim- 
plex; furionibus hmid elongatis , cAiilfbns erectis simplicissi- 
tois V. Tirg^ato-subramosis; foliis radicalibus longe petiolatis, 
ellipticis v. oblongis, acutis, caiilinis lanceolatis cum canlepnbe 
cana hirautis; cyma longe pedunculata, terminalt i—6ßora, 
ramorum 1— 2flora, püberula, bracteis herbaceis subulatis, 
pedicellis elongatis, erectis; calyce cylindrico-clavato (i — 
ij" lg.)} petalorum ungue exaariciüato , lamina semibiflda, 
Jbasi obsolete bigibbosa; carpophoro glabro, Capsula oblonga 
subsesquilongiore v. subbreviore. 

Silene Sieberi Fenzl VügilL ipl. n. 22. — Silene cae- 
sia Sieb. Fl. cretica eisicc, nee Sibth, et Smith (quae S« i nf la- 
ta e et consanguineis proxime affinis). 

Hab. tfi regiane montana ae Jtubalffina Tauri oceidentalis infra fo- 
dinasffrope Oülek, alt 4000—6000', — Kotscby colL n. 76. — In tu- 
sula Creia frape Sita (Sieber ! ). 

Distinguimus : Lus. 1. Caulibus simplicissimis uni-subbifloris, 
palmaribus ac spithamaeis, foliis radicalibus ^ — Ipollicaribus; 

Lus. 2. caulibus 1 — Spedalibus plerumque ramosis, 2 — 5floris, 
foliis radicalibus cum caulinis inferioribus 1^ — 4pollicaribus. 

Radix perennis, carnosula, subsimplex, ex apice incrassato 
caules 1 — 5 cum totidem turionibus acaulibus foliosis, palmares 
ac 1 — Spadales, strictos v. adscendenti-erectos, pro yaria longitudine 
.nunc tenue filiformes, nunc penna corrina crassiores, pube cana, 
simplici, plus minusye elongata, laxa, densius laxiusye inferne y. us- 
que ad medium hirsutos, supeme eglanduloso- y. yiscido-pubescen- 
tea (in specim. Sieberianis) quandoque purpurascentes , simpUcissi- 
mos y. ramosos «mitens; rami alterni, speciminum minorum circa 
medium y. supeme, majorum a basi totaque longitudine caulis enim- 
:paite8, simplicissimi, yirgati, erecti, infimi longiores haud raro se- 
mipedales ac pedales foliorum paribus 2 — 3 instructi, superiores 
sensim breyiores demumque apbylli pedunculares cum flore 2 — 4- 
.poUicares. Folia radicalia ac turionum majora elliptica y. 
.oblonga (speciminum minimorum lanceolata), in petiolum laaiina 
sesquilongiorem y. aequUongum y. subbreyiorem attenuata, ^ — 4- 
vncialia, ac 1^—10^'^ lata, acuta, laxa; caulina infeiiora 



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9» 

iasas 1. Uaeari-laneeolati v. cum refiqois UMaria/seiirfpdOlcMa 
ac brenora, ad surnmum 2"* lata, plerumque mnlto angostiorat 
per paria 1 3 iotemodiü 1 — 2^pollicaribu8 remota, luaus 2. 
radicalibus homoroorpha v. lanceolata, acuminata, seiMim breviora 
demumque aessilia, summa Insua praecedentis aequalia, anbroajora ; 
omnia Inenria, ayenia, atrinqae cum marginibns pabe memorata 
ciliato-birsuta, laete viridia v. canesccntia. Cyma tenninalis 1 — 5- 
flora, ramo accessorio pedunculari 1 — 2floro, plerumque solitario, 
rarius duobus brachiatim oppositis, internodio 2 — ^unciali inteijecto 
remotis aucta, stricte patula, herbaceo-bracteata ; bracteae llneari- 
siibolatae, a semiuncia ad lineam longitudine saepissime decrescentes, 
quandoqae purpurascentes ; peduncali acpedicelli, post anthe- 
sim increscentes, longitudine absoluta tarn, quam relatira, neu 
aolum utrorumque lusuum sed et ejusdem cymae summe varüi^ ea 
floris alaris infimi inter 3''' — 1^'^ pedunculorum axillarium in- 
tcr ^ — 2^" fluctuante. Flor es semper erecti. Calyx cum pe- 
dicellis puberulus, sub anthesi nee non in fructu clayatus , capsulae 
adstrictus demum 10'" — 1^'^ longus^ infra capsulam constrictus, 
cylindricus, V circiter latus, basi intrusus, apice 5dentatus, dentibus 
in aestivatione extemi late triangularibus, interni oyatis, obtusis, semi- 
scariosis, ciliolatis, 1^ — 2'" longis, decemstriatus, striis primura viri- 
dibus, demum sordide pureis, altemis supra medium dilatatis in caly- 
eis dentes productis eosque omnino colorantibus, venulis concolori- 
bus cum angustioribus, sinus adtingentibus, anastomosantibus pictus. 
Petalorum ungues parum calyce exserti, cuneati, apice sensim 
angustati, exauriculati, cum staminibus glaberrimi', } — V" lati, basi 
summe attenuati, flayescentes; lamina 3 — 4'" longa, basi, V*' ad 
summum lata, comiculis duobus cavis inermibus minutissimis coro- 
nata, configuratione late obcordata, ad duas trientes bifida, laciniis 
i**' circiter laUs, linearibus, obtusis, integerrimis , in sicco fulvis, 
ßubtus venulis obscurioribus reticulatis pictis, post anthesim circin- 
nato-involutis. Capsula semitrilocularis , oblonga, crustacea, ca- 
lyce parum exserta, carpophoro glabro, praelongo subsesqui-brevior, 
aequilonga v. sublongior. S e m i n a fusca, transyersim rugulosa, dorso 
lato cannaliculata, V* fere lata« 

OBSERY. Species inagnis, habita S. flavescentis, ast floribus 
longe divprsa; foliis S. italicae, infloresceatia S. buplcuroidi fab 
uHitme itineraria 1885 WM nomine sub n. 422, « Sehimpero in Ar«- 
hia fBtraeu leeta, dimUgataJ ae chloraefoliae, calydbas S. Ion gif io- 
rae simul acceden«. Num S. cana Otth in DC. Prodr. I. 382? 

91. SUenie laslopetala : perennls, cmicftct6u« |>ro- 
BerperUi'-caespUantibut, turionibuB elongaiis; caulibus atrietis, 
lilrtiSy superne viscidis; foliis cmguBte Uneari-lcaiceolatis, 
acuminafis, in peiiolum attemudin, marginafo-lrinerriis, riffi^ 
didiM, ntrinque hirtis; cyniis l^-äfloris, longe pediinculatis, 
teroatis fastifpatis, v. pluribns per thyranm paniculaeforiueui, 
reoaotissime brachiatum, effusum diapoaitia; floribus fnrimum 

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tu 

w u UeM i Ui, pedfedlts iealyce tvrbioato glabro dimMio dvploT« 
hr^vtoribus; petcdorum taiguibuM mbauriculati» cum stamme 
äu9 et carpöphoro, Capsula duplö br&fiore, vUlonis. 

Silene lasiopetaU Fmzl Piigill. pl. n. 24. 

H«b. tfi tegione montana Tauri aeetdenttUis prope Oüiek M SBO&h 
— Kotschy coli, n, 8S, (In quibusdam coUectiooibas sab naniero citato 
S, arg Uta occurrit) 

Caudices radicantes, laxe caespitantes, crassitie fili empöre- 
lici fortioris, apice fasciculato-ramosi, turiones polllcares ac longio- 
res caulesque 1 — 2pedale8 erectos subsimplices v. brachiato-ramo- 
608 emmittentes ; caules rigidi, filiformes, caodicibus parum tenuio- 
res, saepe purpurascentes , inferne retrorsum hirti, superne cum 
thyrsi ramk et pedicellis passim glutinös! ; rami (infimis' soIitariU 
exceptis, pari foliorum unico instructis) praeter folia bractealia 
aphylü, pedunculares , apice 1— Sflori, stirpium elatiorum infiml 
longissimi semipedales ac longiores, internodiis quandoque 4polli 
caribus ab inyicem remoti stricte patuli, superiores sensim abbre- 
viati minusque remoti, cum cyma terminal! trifiora thyrsum pani- 
culaeformem amplum circumscriptione ovatum, saepe pedalem, stir- 
pium minorum depauperatum Spollicarem, ramulis omnibus Iflo- 
ris, efformantes. Folia infimaac turionum anguste lanceolata 
y. sublinearia, calloso-mucronata, 1 — 2pollicaria, 1 — 2"' lata, basi 
attenuata, subtus marginato-trinervia, nervis marginaUbus distinctis v. 
obsoletis, inter nervös yenulosa, utrinque hirta ; c a ul i n a linearla, 1— 
SpoUicaria, V* saepe angustiora, inferiora junlorum fasciculos axillares 
depauperatos, plerumque 2~4phyllos, solitarios alentia. Bracteae 
«upremae late subulatae, margine membranaceae, ciliatae, patentes, 
1—3'" longae. Pedicelli sub antbesi brevissimi, cum flore nu- 
tantes, fructiferi incrassato-filiformes erecU, calyce fructifere ^^ 2plo 
breyiores. Calyx sub anthesi turbinatus, in fructu obovatus, 3— 
4''' longus, sdbidus y. dilute lilacinus, membranaceus , lOstriatus, 
striis plerumque purpurascentibus, alternis breyioribus infra limbi 
Sinus bifurcatione simplici cum longioribus in calycis dentes ovatos, 
ciliolatos, rotundatos, 1 — 1^''' longos confluentibus. Petalorum 
ungues calycem aequantes, late cuneali, apice utrinque dente ob- 
tuso, erecto, breyissimo auriculati, utrinque cum staminibus dense 
yiUosi; lamina ungue angnstior, basi breyissime ac obtuse bi- 
lamellato-appendiculata, lobis linearibus obtusis, superne parumper 
dOatati«, integerrimis , }'^' latis, flayis. Capsula semitrilocnlaris, 
oyoidea, crustacea, calyce arcte adstricto triente exserta, carpophoro 
Tfilloso, 4plo breyiore, turbinato tfufffltta. Semina immatura yisa 
rugulosa, matura 1"' facile lata. 

OBSERV. Proxima S. longipetalae quae foliis multo latioribas, 
p^icellia longioiibtis, petalorum lamina nn^uem aequante v. süperante ae 
ooronae lameüis bidtodatis reeedit. NthilomiBos fortaasebajus varietas? 

99. (iiiene erassifiess annua, leaule stricto sim- 
ftici V*.virgat(HraiHOSö} faliU iauceolaiU ae ImuearUüa, aeuiU, 



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9Ji 

ctm ^md0 9ifUmdnle$0'9catri$, trinervüs; cyna termtnait 
solitoria v, 2-— 8 eorymbonO'faMttgiatiB, confertifloris, folio^ 
Bis; floribus erectis, subsessilibus ; calyce cylindrico-subclavato, 
angusto, angiilis scaberrimo , eglanduloso; petalis minutia, 
lamina oblons'a y. cuneato-lineari, emarginata, basi coronataj 
Capsula ovoidea, carpophoro puberulo mhlongiore. 
Silene crassipes Fenxl Pugill. pl. n. 23. 

Hab. m^Syria frape Svedie ad 09Ha Orontis ei eirea Al€pp0* 

^- Kotschy (Collect, syr. specimen unicuin); ej. pl, alepp, ». IIS, 

Herba ^ — 2^pedali8, caulc simplici v. a basi virgato-ramoso, 
stricto, pube eglandulosa retrorsum scabro, calamum scriptoriua 
quandoque crasso, pierumque longe tenuiore. Folia radicalia ac 
eaulina inferiora roajora, lanceolata, In petiolum ciliatum atte- 
nuata, ^ — 2pollicaria, ac 2 — 5'" lata, acuta y. obtusa, reliqua ses- 
silia, linearia, sensim breviora, 1 — 3^"Mata, in bracteas similares 
berbaceasy basi magis dilatatas, demum so)um 2 — 3'" lougas ab- 
euntia, erecta v. patula, obsoletius distinctuisve trinervia, utrinque 
birta. Cymae tenninales, pierumque solitariae, y. in caule cardi- 
nali 2—3, confertius remotiusve corymbose - y. tbyrsoideo - Casügia- 
tae, 3 — lOflorae, fascicullformes , bifurcationis solum primae pe- 
dunculis quandoque magis elongatis pollicaribus, reliquaram all 
quas lineas longis y. subnuUis; pedicelli florum infimorum ala 
rium in fructu 1 — 1^^'' longi, reliquorum obsoletissimi, incrassati. 
Calyx sub anthesi cylindrico - subclavatus, fauce panunper con- 
strictus, } — 1^'" latus, fructiferus ovoideus, capsulae adstrietus, 
infra illam cylindraceus , 6 — 7"* longus, lOangulatus, anguüs 
yiridibus praesertim scaberrimus, supra medium transyersim venulo- 
8U8, dentibus minutis ovatis, rotundatis, scarioso-marginatis, pierum- 
que purpureis. Petalorum ungues calycem aequantes cuneato- 
lineares lamina quadrante angustiores, apice angustati, cum staroi- 
nibus glaberrimi; laminae roseae, cuneato-lineares y. cuneato-oblon- 
gae, emarginatae y. retusae, 1^—2'^' longae ac 1 — 1^''' latae, m 
unguem sesquiduplo longiorem sensim attenuaia«» basi Corona pa- 
rum angustiore bilamellata, lamellis oblongo-linearibus acutis inte* 
gerrimis yiridulis ^ appendiculatae. Capsula semitrilocularis, cm- 
fitacea, oyidea, calyce parum exserta, carpophoro yalde incrassatp, 
cylindrico, puberulo, ^ — 2plo longior. Semina, nondum matura 
Visa, reniformia, dorso lato canaliculata, transyersim rugosa, ^"' pa- 
rum laiiora. 

OBSERV. AS. reticulata Deäf., cui proxima, differt canle ff- 
liisque eglanduloso-hirtis (minime viscidis) cymis confertioribos , p«taIo- 
rom nng^bus apice haud denfiforme auricolatia, laminis caneatis (nee 
obcordatis) ac capavla carpophoro longiore. Ab affini S. linicola 
Cfmel, pedicellis breviasiinis aliisque notis recedit. — Num eadeao etnn 
S. echiuata Otih in DC. Prodr, L 380 j Beriol. Fl. UaL IV. öSiff -^ 
Descriptionem accnratiorem dedisse saltem proderit. 

Silene in microspermam FenzI (Puplt, fh n. 99^^ quam 1. e. 
.8. liiMari ßßcmsnß affaeu 4ixi,.nuiie9 viais speeimittibtts k CI. H M mp m 



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0141 

lediti, Biinine dhrerianl piito; dia^^om vero emeiidandae dMcriptionrni 
novaiH, ab auctore amiciMimo in AnmU, de $e, uaL ßer, 9. Hl. f. Z76 

datum locnpletantem, addere liceat. 

SUene linearis Decaisne L c; annua (nee perennis), n- 
ridi-glauca, pubescenti-scabra ; caule erecto ramoso, cum ramia in 
cymam paniculaeformem foliosam sparsifloram solulo; foVm 
infitnis subspathulatts v. lanceolatis, caulinis linearibu$ mucro' 
fuUis, canaliculato^compltcatiH; calycibus pedicellos graciles erec- 
.408 aequantibus v. dimidio superantibus anguste cyiindrico-davatis 
(6— 8''^ lg.)> dentibus subulatis actiminatis; petalorum lamina 
subbipartita laciniis linearibus, basi bilamellato-appendiculata, ungue 
obsolete biauriculato ; Capsula oblonga, carpophorum pubescens 
aequante v. superante; semtnibus tninimis, subiilissime regulom. 

Hab. in Syriae. arenotU^ mariHmU prope Svedie, ad 09Ha Ortm- 
Hs (Kotschyl) ; in Arabiae peireae deserto sinaieo (Bove eoU. h,178,)] 
in regione Wadi Hebran Atabiae peirae (Schimper n. Hin. 1836. 
fi. Z991). 

Herbae tenellae digpltalis ac pedalls visae radix tenoisr, longis- 
sima, caulem erectum, a basi divaricato-v. circa medium patnle ramo- 
sum emittens; raroi« simplicibas virgatis-v. ioaequi-dirbotomis, foliosifl, 
sparsi-v. multifloris, cum caule pube brevissima, retrorsum adpressa, ca- 
nescente birtis V. glabris. Folia radicalia subspathnlata, in petiolom 
longe attenuata, cum caulinis majoribus lineari-lanceoiatis v. cuneato- 
linearibus arutis, basi ciliatis ntiinque scabra v. pubernia, 1^ — l" ac 
parum longiora, f~lV lata visa, reliqua angustiora ac breviora ia 
Diactealia subulata, canaIiculato-complicat|i, mucronata abeuntia, omnia 
patula, crassiiiscula, facie cnervia, internodiis passim giutinosis, seroi-, 
imo sesquipolliearibos remota. Flor es sparsi, alares, axillares ac termi- 
tiftles, subcymose-paniculati, sempcr erecti, pedicellis calyce fructifero 
dimidio v. triente brevioribus, rarins aequilongis suffulti. Calyx clavatus, 
6 — 8"' longus, fructiferus capsulae et carpophoro arcte adstrirtus, 10- 
ang^Iatus, baud reticulutus, ang^ulis purpur^is scabris, dentibus subulatiF, 
acuminatis, alternis parum latioribus, basi vix ^'" latitudine superanti- 
buR. Petalorum ungues cum staminibus glaberrimi, cuneato - lioeareft, 
lamina^— ^ broviores, apioe denticulo obsoleto obtnso erecto utrinqiie 
subauriculati ; laminae circumscriptione cuneatae, ultra medium bifidae, 
laciniis lioearibos obtosis, J—f ' latis, integerrimis, basi j'" lata coroi.a 
longitodine ac latitudine enni aeqnante bil« melluta , lamellis bid^ntatis v. 
trosis albidis, appendieulatae, (in sicco) flavo-virentes. Capsula ob- 
longa, calycem subaequans V. aequans, crustacea, semitrilocularis, carpo- 
phorum cylindrico-turbinatum pubescens sobsuperans v. aequans. Semina 
reniformia, doiso canaliculata , testacea, vix\*^' lata, oculo. nudo laevis* 
alma, ad lentem fortiorem solum obsolete rugulosa. 

Sectio: RÜPIFRAGA, 

93* Sllene argfufa: basi suffrutfcosa, ramosissimii, 
tftrionibus elongafis, caulibus strictis sftnpllcibns, 1 — 5floris 
birtis; foliis rigidulh, anguste lanceolatis v. sublinearibus, 
acuminatis hiriutisaimis ; cyma elomgatay conircuita; calyci" 
hu» cplindriciit (8^10'" lg.), ad anguloa cum pedicellis 
plerumifue elongatis, glanduloso'-hirmtis, scabris; petalorum 
laipina semibifida, basi coroiiata, laciniis liiieaii -> obloiig:i8 ; 
jßüjrfophorqpubeicenie crwt^ Capsula oblonga tripio äretiare. 



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917 

Silene arguta Fenzi Pagfll.pt. n. 25/ ^ 

Hab. m tM^nlpmis ei aiftmis Ttntri oceUentmfU ntjMrm CMldty rntt* 

3600-6000*, ~ Kolscby. (in coüecdonibos pluribns, cum 8. lasi^^pch 

tala casu commutata, sub o. 83. divulgata.) 

Basi suffruticosa, caudicibus humifusis, digitalibos et Ion- 
C^oribus, crassitie variis, iignosis, ramosissimis , tortuosis, cortice 
fissili, yariegato yestitis; turiones plurimi, pollicares, digitale«« 
nee raro palmares, cum caulibus strictis, spithamaeis ac pedalibus» 
inferne epidermide albida y. dilote purpurascente yestiti, conferti« 
remotiusye foliosi, erecti, retrorsum hirti. Folia rigidula, lanceo* 
lata ac linearia, acuroinata, apice subcallosa, ^ — i^" longa ae 
1 — 3"' lata, turionum in petiolom attenuata, caulicalonim aeasilia, 
intemodiis 1 — 2poIIicaribu8 remota, utrorumque recta y. homomallo- 
falcata , subtus yenuloso-trineryia , nenris lateralibus submargihalibiu, 
utrinque hirta , scabra , in paucissimis axiUis juniora fasciculata , an- 
gustissima, quandoque fere subulata, patula foventia. Cyma termi- 
nalis 2 — 5Aora solitaria, y. bi-y. temata, plus minusye elongata, sub 
anthesi ac fructu contracta , bracteis tarn herbaceis , quam scarioso^ 
marginatis, lanceolato-y. lineari- subulatis , ultimis aliquas lineas longis 
inuniUu Flore s semper erecti, pedicellis fnictiferis alarium infimonim 
5#i/ — |ii#^ terminalium 2 — 5"' longis, crasse filiformibus, rigidis, 
eglanduloso-y. subglanduloso-hirtissimis. Calyx sub anthesi cylin- 
dricus y. utrinque parum attenuatus, basi truncatus, fructiferUs 
oblongus, capsulae adstrictus, lOcostatus, subayenius, pube moni- 
liformi erispata, praesertim ad neryos plerumque purpurascentes hirtis- 
simus authirsutus, 7 — 10^" longus, dentibus oyatis, obtusissimus, 1"' 
longis. Corollae petala unguibus cuneato-Iinearibus, calyce sab* 
exsertis, glaberrimis, apice f' lato obsolete dentiforme auricalatia, 
auriculis erectis, obtusis, laminis ochroleucis, circumscriptione 
late obcordatis, unguibus subduplo breyioribus, ultra medium bifidfs, 
laciniis cuneato-linearibus , apice rotundato iineam circiter latis , basi 
ungue acquilata y. sublatiore lamellis duabus minutis, oblongis y. 
linearibus truncatis y. bidentatis, totam latitadinem occupantibai, 
saturatius coloratis coronatis. Capsula calyce parum exserta, semi- 
trilocularis, crustacea, oyoideo-oblonga , carpophoro puberulo triplo 
breyiore, pedicello duplo crassiore, obtuse pentagono suffultä. 
Semina, immatura yisa, reniformia, transyersim rugulosa, dorso 
lato canaliculata , matura facile f'^' lata. 

OBSERV. Affinis S. linifoliae Sibth. petalomm indole, S. tniu 
pettae babitu ac calyce, ab utriitqoe yero eapanla ovato-oblooga» carpo- 
phoro molto lODgiore diversa.- 

94« Silene pliarnaeefolla : Auffroticalosa, cae- 
spitans; caolibiis simplicissimis 1 — Sfioris; foUis camomdi», 
canalimlafo^filiformibUM^ obfuatB, iaeribus, margine mllo90^ 
ciliafis, UnbricaiUy erectis v. apice patulis; pcdicelli« mib 
anthesi bracteis membranaeeo-marginatis breyioribos, eree- 
ttey fruetiferit lon§is9ifmU} fiori^us hemufphrodUo^n^omoi^» 



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1H« 

dioicis} calyce clarato, subimdo , fructtfero ovoideo*(S— 4^* 
IgOl petalorum lamina late biloba, basi bilamellato-appeii- 
^knlata, ungue florttm fertilwm ciliato ; carpophoro gkiJbT0 
brevissimo. (tab. x.) 

Silene pharnacefolia Penzl Pugill. pl. n. 26. 

Hab. in mjribus alfimm summarum Tauri ociidenimlU: Mmmdeit- 
.T#p«#>i ei Aiiah'Tepessi alt. 7000—8600'. ~ Kotscby e^H. •. 7i. 

Suffrutex dense caeapitans, radice yalida, perpendacaUn^ 
digttom quandoque crassa, scopulis infixus; caudicibus plurimii, 
•abbreviaiis, ramosissimis , tortuosis, erectis v. procurabenübus , cras- 
aitie summe variis, turiones copiosoa aubcylindrico - fascicularei^ 
.polyphyllos » polUcares et breyiores caulesque florigeros l^unda- 
les ac palmares, erectos, aimplicissimos t. uno allerove raraulo 
.pedunculari brevissimo circa v. supra medium auetos, filiformes, 
remotissime foliosos, glaberrimos, passim glutinosos emitentibus. 
Folia camosula, canaliculato - filiformia , obtusa, semiliaeam ad 
summum crassa, turionum ac cauliculorum basilaria quadrifariam 
imbricata, recta v. falcata, tota longitudine primum sibi inmoBi 
adpressa, serius apice erecto-patula, infima quandoque Talde i^ 
breviata, IJ — 3'" ejusdem turionis, reliqua 4 — 12"' longa, dorM 
laevia , margine anguste membranaceo dense arachnoideo - cüiiEbiy 
aspectu fere yillosa, glauca, demum laetius viridia, emortua diatins 
persistentia cinerascentia y. nigra, parium caulinorum 1 — S, 
intemodiis qusindoque l^pollicaribus remotorum, bre\iora ac panun 
latiora, caeterum infimis simillima, inbracteas coloratas, lanceoli- 
•tai, semiscariosas, dense ciliatas abeuntia. Fl o res bermapbro^tito- 
jnonoici t. dioici , quandoque ejusdem caespitis , imo ejusdem call' 
licuU sexu masculo y. foemineo v. utroque simul poUentes. Cyma 
depauperata, plerumque 1 — 2flora, solitaria t. infeme ramulis 
peduncularibus 1 — 4, plerumque altemis, rarius bracbiatts, /Oii- 
floris, foliis breyioribus, erectis aucta; pedicelli fl. sterilfan 
semper abbreviati, imo brevissimi, bracteis ac calycibus longa m- 
perati, fertilium serius increscentes , demum calyce 4 — Splo 
longiores, filiformes, glabri t. glutinosi^ nunquam cernui. Galy? 
8ub antbesi cylindrico-clavatus , fructiferus ovoideus y. ellipsoidevii 
3 — 5/'/ longus, prominenti - decemcostatus , ayenius, ^laber t, nl 
lentem totus y. ^uperne tantum tenuissime pulyerulentus, plemoupt^ 
saturate purpureus y. albidus simulque yiridi-costatvis, dentibos loi^^ 
oyati«, Totundatis, ciliatis. Gorollae petala unguibus liaaari-cii- 
BeatiSy fl. masculorum potissimum glabris y. subciliatiSy fa#- 
mineorum dense ciliatis, apice baud constricto, V" lato, k 
tamnam dettquescentibui, Umini» laete puqiurßts, latP X>beor- 
datla, 2 — 2jr'" latis, unguibus snbbreyioribus , triente emaitsteÜP» 
tebis oyatis rotundatis patulis, basi bilamellatis , lameOiB late lioea- 
ittms, P* hmgis, apice truncatis, tridentatis. Stamina 0at» 
-ihaa, petalts opposita ungue ima basi solum adnata fl. foemina»- 
,f4UB «aantoque omnia abortira, 6 radimeotaifiB gtaadvtad^ofnAK 



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f»i8 

{letalis altemis tolmn oyentUlbus» qaandoqne cmct» t. plorinui J^loik^ 
gata, aniherifera, antheris paucioribus poliniferis. Styli 3, filiformeSf 
fl. sterilium estigmatosi , plus minusve elongati, fl. fertiliom in- 
crassati, stigmatoso-barbati. Capsula crustacea, ovoidea, basi 
trilocttlarifl , calyce exserta, carpophoro obsoleto^ ^''' longo» glabro 
auffulta. Seraina nimis immatura Yisa. 

OBSERV. Species elegantissima, nee Ulli cognitamm propios affi- 
nis, foliU Pharnacei incani, lanati et reflexi suniilimis , floribus 
Viscariae vulgaris, habitu S. falcatae Sibth,, corolla, carpophoro 
breviastmo aliisque notis ab ultima tarnen longe recedena. 

EXPLICATIO TAB. X. Fig. 1. Petalum fl. masculi. Fig. 2. 
Petalum fl. foeminei. Fig. 3. Ovarium fl. masculi. Fig. 4. Ovarium 
fl. foeminei. Fig. 5. Foliorum fasciculus auctus. -*-* Folia in 
icone justo latiora depicta. 

Sectio: BEHENANTHA. 

95. SUenestentorla: safFruticosa ; caudicibus elon^ 
gatis y ramosis, turionibns polypliyllis rigfdis ; caulibus strietfa 
iiniflorfs; foliis Iviearibus, subulafis, rigidissimis , saepe 
subfalcatis, trinerviis, pnberulis; calyce fractifero (IJ" Ig.) 
fnrbinato-inflato, infra medium mbcylindrico-aitemuUo, reti- 
culato-venoso, laciniis ovatls acutis; petalorum unguibus} 

flabris, auriculatis, laminis parvis obovatis, subsemibifidis, 
mi margine utrinque unidentatis, facie gibboso-appendicu^ 
latis; carpophoro glabro Capsula sesquilongiore. (tab. xi.) 
Silene stentoria Fenzl Pugill. pl. n. 29. 

Hab. in ruf^iimi alftis Maeden-Tepessi Ttiun aeeiiemitdii, M» 
7000', — Kotschy. (Specimina deflorata tria visa.) 

S uf f r u t e X rigidus, scopulis inhaerens, caadicibua prostra- 
tis, digitalibus, lignosis, crassiüe pennae corvinae ac "vaUdioribus». 
cortice rimoso, incrassato, fuliginoso yestitis, auperae foliorum Gon- 
sumtorum vaginis nervisque medianis adpressis tunicatis» ramosifyr 
t u r i n e 6 solitarios y. fasciculatos, polyphyllos, rigidoa cauleiquo 
digitales ac palmares strictissimos, unifloros, velutinos alentibos. 
Folia 1-— 2polIicaria ac ^ — i^**' lata, linearia, juniora quando- 
que aubulata, acuta, rigida, plerumque homomallo-falcata, parallele 
trinervia, utrinque dense puberula, turionum angusüora, confer« 
tisaima, basi vaginante imbricata, in conuim apice patulam densata« 
caulina internodüs 1 — 2pollicaribus remota, parum breviora, att* 
latiora magisque falcata, juniorum fasciculis axUlaribus nullis aoota,< 
pare ultimo, bractearum yices gereute, quandoque bina cum floa- 
culo rudimentario bibracteolato fovente. Pedicellus circiter pol* 
licaris, ri^dus, ultimo internodio caulino yix tenuior, cum calyce« 
pnbe minutissima crispata yelutinus. Calyx fructiferus yisus, 1^- 
poUicaris, ultra medium turbinato-inflatus, 4 — 6''' latus, infra suS- 
cylindrico-attenuatus, basi truncata 1— ^l^'" latus, lOstdatos» supe- 
riore triente elegantissime yenuloso-reticulatns, dentibaa latissime« 

Rn •> egg er, Reisen. I. Bd. ?.Thl. 59 

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oratts obtusidsdills, dono cum striis venulfsque gördide purpu rt ice iK 
llbus. Coro 11 ae petala unguibus calyce subbrevioribus, cmieilih 
linearibus, glabris, apice i\"* lato dentiforme-anriculatis, aiirH^Uü 
triangularibud porrectis, laminis ex sicco ochroleucis, ungoÜ^ 
Splo brevioribus, calyce dimidio ezsertis, erectiusculis, 2'" sotM 
longis, apice ungue yix latioribus, oboyatis, subsemibifidis, lobis isir 
neato-lineäribtts , rotundatis, margine partis indiyisae circa me^Bm 
utrinque denticulo obsoleto patente auctis, basi bigibbosis, gfwm 
cavis, apice lacinula minima ovata, rotundata, subtruncata t. dbilQ- 
lete bidentata appendiculatis. Stamina petalis opposita, ungiuboi 
Uiente inferiore adnata, glabra. Capsula semitrilocularis, crusfi^ 
cea, OYOtdea» calyce certe parum exserta, carpophoro fere sestple^ 
longiore cylindrico, glaberrimo, pedicellum crassitie aequante» ca]^* 
dimidio breviore, suffulta. Semina nimis immatura yisa. 

OBS ER V. In Pugillo pl, I. c. propter calycetn versus basim claT«ift> 
aHetfBatain et carpophorum longissimum' ad S]phoiiofBorpha3~-^' ioler 
qoas linifoliae ae afrgntae e foliis et habitu quodammodo acecdit*^* 
relatam, melius nunc intellecta petalorum, corrug^atione intra calvceni 9^' 
tractorum mihique primum occuitatorum ac calycis vesiciiloso-inflati fabfifi% 
Beherianthis longe affiniorem credo, 

EXPLICATIO TAB. XL Fig. 1. Petalum magnitudine apih 
tum. Fig. 2. C'apsula seminiatura, calyce resecto. 

36. Sllene odontopetala: dense pubencenM «d 
hirmta, scabrhiscula; radice multicipitl, turionibns abbrefl»^ 
tis, cum cantibus simplicibns, superne glanduloso-Tilkitll) 
erectis; foliis lanceolatis ac lanceolato-Unearlbus a^utis, mA* 
nefvü»; cyma solitaria 3 — lOflora, vel g^nina aut tematai 
lateralibns tune brevioribus pancifloris; floribus erectis, fik 
dfeellis fruütfferis calycem demum aeqnantibus y. 2 — ^^Itfvt 
superantibus; calyce amplo campanulato^ ladniis late trteiM 
gfilaribtid aeaminatUi; petalortnn lamlnn bifida, laciniki$ linün ^ 
vifnuM itlrifHiWß unidentiUiSy basi cönstricta biffibboBa,- 
Mo biemaricutettö. 

Silene odontopetäliä fenzl Pugill. pl. n. 28. 

S. ph*y^ocalyx Ledeb. Fl. ross. 1. 321. 

Hab. in alpe Maaden-Tepessi Tauri oeeidentaHSf aU, 
7Ö00*: — Kotschy eoU. n. 8Z, •• • 

Radix mtüticeps , rnpium fissuris inhaererts. G a u d t c e s ab- 
Kreriati, fäs^iculati, subcamosi, yetustioro!^ dlgitum infaciUIein crasst, 
oörtfce ftiUginoso, rimoso restiti, apice polycephati, turiones caulef^ 
que ben^ nMtOs in caespitem arctatos akutes. T a r i o n e s plerum- 
qu^ bjrevisslitii, fasciculiformes, erecti, polyphylli, C a u 1 e s dtgtüff « 
ac subpedales yisi simpiices r. infeme florigero-subramosi, arcaatfm' 
ffdscendentes v. erecti, filiformes, crassiusculi, cum roHis pube re- 
versa, curvata, fiexuosa y, crispata dense pubescentes v. hirsuti, ad 
nodös superiöre» praesertim irlllosi, stipeme cum reliquis parlibu« 
^andliloso-titddali. > Polia plerumque lanceolala ac lanceolato- 



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921 

liheafia, cäulina quandoqu6 oblonga^ calloso-acuminata , turionum 
semper angusüora, basi yaginante imbricata, in comam erectam, pa •[ 
tulam congesta, illa internodiis a semiuncia ad 2^ uncias loogis 
remota, aiillis quandoque fasciculifera, speciminum yegetiorum in- 
fima ac turionum saepe 2 — Spollicaria ac 3 — 5'" lata, macriorum' 
1 — l^pollicaria ac l^-^S'^'' lata in petiolum longum atteiiuata, 
superiord sessilia, uninervia, attactu Bcabriascula. Gyma terniinalis 
Simplex Y. inferius ramuloram florigerorum pari t. doUtario aucta, 
3 — lOflora, floribus erectis nunc confertis nunc magis remotis, pa-- 
tula; bracteae herbaceae, infimae saepe foliaceae, oyatae, cuspi-. 
dataC; semiuncia pleramque breviores reliquae ac summae complicato- 
lanceolatae y. subulatae, aliquas lineas longae, potissimum purpu- 
rascentes ; p e d i c e 1 1 i longitudine summe Yaril, specimiqum altiorum ; 
fractiferi alares inflmi saepe l^unciales ac longiores, minonim haud, 
raro solum semiunciales. Calyx glanduloso-hirsutus - y. pubescens» 
ante anthesim elliptico - lanceolatus - siye oblongus, sub Hiß^ cla*' 
yatus, in fractu inflatus campanulatus, basi intrusus, 6— 9'^' de- 
mam longus, ac 3—5"' latus, laxus, lOstriatus, Yenulosus, d^ntibus 
late triangularibus acuminatis, 2 — 3'" longis, dorso cum neras 
Yenisque saepe purpurascentibos. Coroliae petala unguibus 
basim Ycrsus filiforme attenuatis, calyce subbreYioribus, glabris, apice 
truncato-cuneato , lineam lato, obtuse auriculatis, auriculis paten« 
tibus, laminis minntis, 2— 2^'^' longis, sub anthesi sordide iuteia 
Y. luridis, serius purpurascentibus , calyce exsertis, unguibuä plus 
duplo, saepe subtriplo breyloribus, late oboyatis, semiblfidis, parte 
iotegra circa y. supra medium margine utrinque dente y. lacinula 
integerrima patente munitis, facie inde quandoque quadrifidis, laci- 
niis lateralibus breyloribus, mediis cuneato-linearibus, rotundiatis, 
basi bigibbosis, gibbis cayis lamella obsoleta, rotundata y. hinc bi- 
dentata coronatis. Stamina petalis opposita unguibus medio adnata. 
Capsula crustacea, OYoidea, iounatura Yisa, calyce demom Yerosimil-* 
lime exserta, carpophorum cylindricum pentagonum, glabrum, pe-- 
dicello subduplo crassius, plus du^o, faoUe subtriplo superans, basi 
solum sensim retractis dissepimentis, circa medium in parietes de- 
liquescentibus , trilocularis. Semina (inmiatura Y^sa) triaagularia, 
faciebus ac dorso complanata, marginis longioris medio hilo instructa, 
acute gnoiulata, ^^'^ Idnga. 

OBSERV. Proxima S. auricalatae SUih. ei 8m, Prodr, t (180$) 
99i <S. länug'iiidsa ßettoi, in Desv. J^mn. 4$ BfU U^Oß^fülW' ^^> 
ej. Fl, Hat IV. p. 634 *)y föliis tarnen margine pube» ntrarnau|ae facie- . 
rum band longiore (minime lanugine flexuosa alba) ciliatis ac petalorum . 
lacirifflis lateralibus integerrimis (nee plicatis, nee crenatis, nee basi den- 
ticuio marginal! ntrinque aoctis) di versa videtur. 

37. Oypsophila vennsta: perennis^ glauca; cau- 
libfis elatis fiexuosis, ramosissimis , glabris, ramis effusis, 
polyphyllis; foIiis pätentibus, majoribus late, minoribus an- 
fi^astiim lanceolatis, acutis, margine snbtusque ad lieftos^ 

59* 

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022 

pnberolte, axillis haad fascicaliferis; cymls di-triehotome p»- 
niGulatis, effusis, bracteolis subulatis, herbaceis, membrana- 
ceo-marginatis , calyce post anihesim duplo brevioribus; pe- 
talis obovato-cuneatis, troncatis, retiisis, maximis, unfftüculis 
purpureia, calyce ttubduplo exsertis, 

Gypsophila Tenusta Fensd PugUl. pl. n. 30. 

Hab. iii 8yria eirea Aleppo, — Kotschy fi. alefp, n, Z91» 

Herbae incertae altitudinis, erectae summitates ac ramos 
Tideo bipedales, inaequi-dichotome ramosissimos , flexuosos, glaber- 
tiinos, epidermide albida Testitos, ad nodos tumidos, crassitie calami 
scriptorii ac tenuiores, ramis 1 — 2 poUices ab inyicem remotis, pa- 
lentibus, vlrgatis, foliosis, Talidioribus inferne ramulis filiforAiibus, 
fiterilibus, 1 — 3pollicaribas , superne florigeris auctis, omnibus in 
thyrsos brachiatos paniculaeformes, remotifloros solutis, cam termi- 
nali paniculam amplissimam , circumferentia hemisphaericam t. late 
OTatam, diametro pedalem ac facile 2plo, Spione majorem efforman- 
tibus. Folia sessilia, patentia, lanceolata, maxima bipollicaria ac 
parum longiora, semipolücem simul lata, ramulonim ac inflorescen- 
tlanim inferiora, bractearum vices nondum gerentia, ^ — |^pollicaria 
ac unam alteramve lineam lata, acuta, camosula, facie uninervia, 
latiora obsolete 3 — Snervia, subtus praesertim glauca, ibidem ad 
nerros marginesque sub lente pubernla, supra laeyia, axillis haud 
fasciculifera. Gymulae, thyrsos componentes, 3 — 7florae, laxae, pa< 
tulae, bracteolis subulatis herbaceis, a 1^'^' ad ^"* longitudine de- 
crescentibus, margine membranaceis, cum pedicellis et calycibus glaber- 
rimis, pedicellis flonim infimonim sab anthesi ^ — 1", ultimorum 
\" yix breyioribus. Calyx turbinatus, post anthesim 2 — 2f'''longus, 
viridi- ▼. purpureo-Sstriatus, striis linearibus, nee cuneatis, dentibus 
tnbo daplo breyioribus oyatis rotundatis. Gorollae petala calyce 
subtriplo longiora, obovato-cuneata, tnincato- emarginata, apice 11^'" 
lata, in ungues late lineares, parte calyce exserta purpureos, nerrls 
saturatioribos tribus simul lineolatos, inferne ac laminam yersus 
expallescentea angustata. Stamina glabra. Capsula et semina 
non "Visa. 

OBSERV. Habita G. Arrostii ac panicnlatae, infloreaeenfia 
G. perfoliatae, ttoribus omnium Bpecierom Sect. Strnthii praeter 
G. tenuifoliae certe maximis ac jacundissimia^ G, (Hetero^roasJ vio- 
laceae aimiliimia snperbit 

SS. Srypsophlla eiunrlfoHa: c'andidbas lig^nosis, 
ramosisahnia, proatratiay cortice fissili; canlibus strictis, sim- 
plicibiis y. inaequi-dichotome florigero-ramosis; foliis sub- 
radicalibus turionumque confertiaatmia , triqitetro^linearibua, 
Tuginia imbricatia, plurimia hamomallo-falcatia, glancia, gla- 
bris V. marg;ine scabriusculis ; caulinorum axillia haud fa»- 
cicuUferia; cymis glanduloso-pubescentibus 3 — 9floris, effiise 
paniculatis, pedicellia infimia calyce iriplo, aummia aenaim 



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023 

mibdupio longiorihuB ; calycis ladniis acuminatis; petalls cii- 
iieatis, calyce duplo longioribus, purpureis. 

Gypsophila curvifolia Fenzl Pugill. pl. n. 31. 

Hab. in Tauri oeeidentalis alpe S/Iaaien-Tepe^fi^ infra fodinaSf 
in regime arborum terminiy alt, 6000—7000*. — Kotschy eott, n, 64, 

Ca ad ic es nunc hypo- nunc epigaei, ramosissimi , prostrati, 
lignosi, tenacissitni, longitudine summe varii, superne fdioram con- 
sumtorum yaginis haud setigeris remanentibus tunicati, turiones 
nunc elongatos remote foliosos, nunc fasciculiformes polyphyDos, 
caulesque digitales bipedalesve erectos y. e basi declinata ad- 
scendentes, strictos, simpiices v. frequentius alternatim ramosos, 
aterilibus t. fasciculiformibus nullis auetos, laeyes emmittentes. 
Folia camosa, triquetro-linearia, latissima vis 1'", pleraque ^"' 
vix latiora, pro varia speciminum altitudine a 2^ — 14'^' longa, tu- 
rionum longiorum caulinis plerumque longiora, brevio- 
rum omnium minima, apice in comam congesta, homomallo - fal« 
cata, caulina yarie remota, internodiis aequicrassa v. angustiora» 
pariter falcata t. omnia subsecunda, axillis nuda. Cymulae 3 — 15- 
florae ramos ac ramulos florigeros pedunculares alternos t. brachia- 
tos^ internodiis \ — SpoUicaribus remotos, paniculam patulam effor« 
mantes terminantes laxe corymbi- t. paniculaeformes, glandoloso- 
▼iscidae; bracteis semiscariosis , recurvis, subulatis, a 3'^' ad V*' 
longitudine sensim diminutis; pedicellis florum alarium infimorum 
post anthesim 4 — 8'", ultimorum 3 — 5'" longis. Calyx turbl- 
natus, 1^ — 2'^' longus, subsemiquinquefidus , laciniis triangularibus 
acuminatis, demum recurviusculis, atro-viridi- t. purpureo-5striatu8, 
strüs lanceolatis, basi attenuatis, caeterum albidns, ad lentem albo- 
punctulatus. Corollae petala calyce duplo longiora, cuneata, re- 
tusa, Tix V*' lata, laete purpurea. Capsula et semina nimis im- 
matura yisa. 

OBSERV. Proxima G. acutiflorae varietati parvifoliae (O. 
jfiaueae Stev.) ac forsau nöira hujus speciei polymorphae varietas, prae- 
Bertini caulibus haud fasciciiliferis, nee folioso-ramosis^ floribus longias 
pedicellatis uiinnsque confertis, laete purpureis» nee albidis, diatincta. 

DIANTHÜS. 

Sectio: ARMERIASTRUM. 

90. Dlantlm« axilllflonu: perennis; caulibus 
sloAplicibus y. dlchotome vir^ato-ramosis, elongatis, erectis^ 
obtusangniLs ; foliis anguste linearibus, superioribus linear!- 
subulatis, 3 — 5nerviis, cum caulibus glabris v. pubescentibus, 
erectis; florilnts longitudine ramorum sessilibus, axillarihu$^ 
soütartia v. binis, terminaltlnu plurihus fasciculalo-aggrega^ 
ii$; squamis calycinis. chartaceis, ad^e^ao^imkrieaHt, onlir 
baS) caspMalo-mucronatls, supra medium pnrpureo-lineola- 
lis; ealycis {^läbri 2 — 3plo longioria iubo longUuäinalUer 



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AU 

m^nguezanqtaf, zonU 9—£siriafi$, dentihus cnspidaüß, niDtth 

striätis ; petaHs calyce dimidio loiigioribus, purpureis, lamina 

late cuneata, apice ineiso- 5 — 7dentata, intus puberula« 

Dianthus axilliflorus Fenzl Pugill. pl. n. 32. 

lia\},inapricUpropeCa9aulie ^aramaniae, •— KoisthyeoÜ. n.STS, 

Herba, yisis nunc speciminibus perfectioribus in herbario ami- 

ci^simi Dr. Köchele perennis, nee annua, apice caadicum pro- 

cumbentium di-tricbotome törtuoso-ramosorum, lignescentium, cras 

sltie pennam corvinam yix exsuperantium saepeque tenuiorum, 1 — 3- 

^pollicarium caules plures, sub- y. 1 — 2pedale8, erectqs y. e baii 

arcuata adscendentes, simplices y. dicbotomß yirgato-ramosos, cras- 

'fiitie Uli emporetici mediocris, obtusangulos, glabros v. pubescentes 

iemittens. Folia basilaria confertissima, yaginis saepa imbricata, 

caulina ac ramea internodiis 1 — 2pollicaribus remota, infima linea- 

ria, i"/ vix latiora, plerumque angusUora, V* ac ultra longiora, 

_distipcte trinervia, ad oras ciliata, utrinque glabra v. pilosula, reli- 

qua angU5tiora, rigidiora, üneari-subulata , longitudine sensim dimi- 

^Buta^ summe 3 — 6'" aequantia. Flor^s longitudine caulis ac 

^ramorum elongatorum simplicissimorumy erecto - patentium sessileSi 

axillares, solitarii y. bini, altemi y« oppositi, inferiores inlerao- 

diis 1 — l^uncialibus remoti, fplia sub anthesi quadrante t. dimidio 

.exsuperantes, Ultimi, bis derepente abbreviatis, 3 — 7, D. Cartbu- 

jlianorum inore, fasciculato-conferti, foliis duplo longiores, in fructu 

7 — lO^Mougi, triente inferiore 8 quam arum eaiycinarum pari- 

bus 3 — 7 adpressis-imbricatis muniti, squamis pergameneis multineryüs, 

ad apicem purpureo-striatis, infimis, pedicellum obsoletum occultan- 

'tibus, subulatis, unam alteramye lineam longis, calycinis proprüs 

sensim majoribus, ultimis 3^4''' longis, late ovalibus y. oboyato-oya- 

JUbu8,in cuspidem ^ — l^'''longum rectum, setaceum, ligidum attenua- 

tis. C alyx sub anthesi conicus, basi 1^ — 2*'^ latus, in fructu cylindri- 

eus simulque pa^um auctus, pergameneus, cum squamis glaberrimus, 

triente quinquefidus, dentibus oblongis^ cuspidato-mucronatis, spines- 

eentibus, rectis, sulcato-multistriatis, tubo longitudinajiter qi^inque- 

zonato, zonis angustis linearibus dentibus alternis 3 — 5sulcato- 

striätis, sulcis purpureis c^pi|laribus, strUs cum reliqua parte dilute 

purpurascentibus y. roseis, infeme yirentibus. Corollae petala 

unguib^us calycem a^quantibus , linearibus, glabris; laminis duplo 

brevioribus, 3—4'" iongis,. late cuneaü^, 2^ — 3^'" {attf. apip^ ineiso- 

*^— 7dentalis, basi pilosulis, siipra ex sicco purpurcis,' sufitu^' flayo- 

yirentibus. Capsula c^lindrica,' calycem aequai^s y. subaequans. 

Semina ^eneriis, atra, laeylssima. 

OBSERV. Afl6nis proxime D. racemoso rtMnt« caudicibwi tamea 
tnag^s eloDgatis, minus torulosis, folijs 3- (nee 6—7-) nerviig, floribus 

3tee sttbcapitafo - faseiculatinr (nee spicatis), calyce sub anthesi squamis 
».daplo ▼• nMvp^o <n«e vix pki^ dünidio') exsert^i^, qvkiqa^soBato- 
jitriato (ofA aea«ab»li^r nml^'slriato)» .deoMiin petalpranp Jamitta inda«- 



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•2S 

Sectio: CARTOPHYLLUM- 
80. Dlanüiii» strlaAellus : perennis ; cmÜNs elo»* 
catifi, simplicibvs v. virgato-ramosis, erectis; foliis radioap 
Isbiis coDgestls, rosulatis, Uiie«i1bu8 y< .lin^ri-Unceo^tiia^ 
€ariQatte> cUiatis, fugacibua, cauUiiis angiifi(tioi1b«s, ßlongt^i^ 
erectis^ trinerviis; fiwihm iemänalikm aoli^m, .büaeteanim 
jpari sttmiiio ^qumm calfßcmU 4^6^, hUe 9t(»lihu9 f. «u^«fv 
Mwkiribus, empidaiis adipresuu remoto v. baaUari^ aeteceof 
cdycis tubi, demum 2 — 3plo exaerti, eMiriaii ä^ßiühm linearis 
oblongis cum Muubus Striae; petalorum lawina pbovata, den- 
ticulata, iotua aubpilosa, exappeQdiculata^ purpni:ea, aubtus 
olivacea. 

Dianthus striatellus Ffsnzl Pogill. pl. n^ 33* 

Hab. in Syria prope Svedie ad osHa Oronti9 0f (in rrffione t»^ 
riore Tauri opeideniali^ eircß Gülek, — Kotscby eoU. n. $8, 

Radix yerosimilius perennia quam.annua, caudiculis (valda 
mutilatis yisis) crassitie pennae corvinae. Gaules omnino glabif 
T. inferne ad lentem aolum pttberuli, magoitudinp ac jramificationa 
praecedentia. Folia inferiora ms^a linearia» hesbacea, demum 
marcescentia , 1 — 2pollicaria ac l^^S"' lata» suhto» 3 — SnervMt 
simulque ut plurimum scabra, supra glabra, cum reliquis angustiar 
libofl, strictioribus, sensim diminutis ad oras 8ubpilo$o-T. aculeolato* 
ciliata. Fl o res in ramis a^c ramulis virgatis terminales, aolitarii 
pedunculis sub anthesi plerumque ^ — 1^ longis, pedicelliß bracteoT 
larum pari caljrcis squamis nunc remoto distinctis, ^-(-8'" ^o^B^^ 
nunc admoto obsoletissimis ; bracteolae lanceolatae* ßhartaceae^ 
in cuspiden) rectum, subulato-setaceum , lamina subbreyiorem atte«* 
nuatae. Calycis squamae 4 t. 6, glabrae, ad ^pic^ striatae^ 
lata ovales y, sqborbiculares, bracteolorum ad iqsti^ cuspidatae^ 
cuspide lamina semper breviore, longitudiae variae; tuJbus duplq^ 
aubtriplo exsertus, cylindrico - conicus , 6 — 8"' longus ac 2-*<-2^''' 
basi latus , estriatus , dense ac sub^ilissime punctulalus , plerumque 
purpurascens, ad trientem quinquefidus, dentibus jyiocaa^oblongif 
inucronatis erectis cum sinubus eleganter purpureQ-Mi^iaAiSf Corol? 
lae petala unguibus calyce subbreyioribus linearibu§, glabcis; lan^i)!»* 
nis unguibus l^brevioribus, patulis, euneatp-obovsitis,. S^^^S'^' latis^ 
apice insicco-serratis, serraturis ^ — V longis, b^isi in imgjuem sensi])| 
att^nuatis, saturate puipureis, subtus olivaceis, supra ^ub^ coniervoir- 
dea a^spersis, basi macula lilacina obovata quioque^^^ IS^^^U*^ 
Stamina glabra. Capsula et semina haud ris^. 

OBSjBRV. Species calycis tubo haud stnato, deimn^if m^vm hmth 
laAiSy üb affiniere D. diffuso ;Siiii. fädle distinguenda,. 

31. Plantlm« «OfUitiis; aqffruti(ci9cmt, «ulticfepa:; 
caudicibus obsoletis v. aJbbretioHs, tortuow^ imkri/Pß^^^^^fU^fr 
maiis, tfirionihus fasciajßiformibtts, caulibus «itrictfa, elonga- 
tiS| aioipUciW V. ^aperp^ «bbr^^^tp-vir^a^f^-r^mq^ia; fo^jf 



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02* 

radicalibas in comas strtctas congestis, elong^ato-Iiiiearibns, 
'^-^-^nervUsj Cum caaUbnä g^Iabris y. subpubescentibos^ 'mor- 
'fine BcahriB} floribiis solitariis, terminalibus ^ squamis ealy^ 
€lnis 4 V., bracteanim pari summo oblongo cuspidato admoto, 
6, tüte ovalibus v, ellipticis, fmicronatis, adpressis, margine 
BCartosis; calycis 2^Splo longioris striaü detUtbus medU 
purpureO'Xonatis ; petalorum lamina ungae subtriplo breviore, 
^bovato-subrotnnda, denticulata, purpurea, hast atropwpvcrto* 
xanaia, barbata, subtus olivacea. 

Dianthus zonatus FenzlVugill, pl. n. 35. 

Hab. in arce supra Qülek regionh montanäe Tauri oeddentoBi aU, 
SOOO'. — Kotschy eoU. n. 87. 

Radix lignosa, digitam saepe crassa, tortuosa, toberculata. 
<>audices palycephali lignosi, humifusi, crassitie digiti infanti- 
lis ac tenuiores, ^— 2^pollicares, longiores tortuosi, dense tubercu- 
lati, foliorum consumtonim yaginis induratis, persistentibus, trunca- 
tis, fuliginosis t. atris, patulis confertissime imbricati, apice comam 
foliorum caulesque emittentes 1^6, strictissimos, spithamaeos ac 
JBesquipedales, filiformes, crassitie fili emporeüci mediocris y. tennio- 
res, simplices y. supra medium ramulis florigeris 1 — 3, simplicissi- 
mis, strictis, 1^ — 3uncialibus, erecto-patulis auetos, infeme sidian- 
cipiti-compressos, superne teretes, glabros y. subtilissime puberolos. 
Folia basilaria erecta, senescentia stellatim patentia y. reflexa, 
irecta y. falcata, rigidula, subulato-linearia, acutissima, 1 — 3poIlicaria, 
tatissima 1^"^ angustissima ^*'' basi lata, pleraque subcanaüculata, 
subtus 5 — 9striata, margine serrulato-scabra, utrinque laeiria y. sob- 
puberula, yiridi-glauca, caulina intemodiis 1 -^ 2^pollicaribus remota, 
inferioribus homomorpha, sensim breviora, erecta. FI eres apice 
eaulis ac ramulorum terminales , solitarii. Calycis squamae 
4 y., pari bractearum oblongarum in cuspidem, lamina nunc breyio- 
rem nunc subsesquilongiorem , i^ectum quandoque purpurascentem, 
elongatarum 2^ — 5"' longarum admoto, 6, late Qyales y. elllpticae, 
chartaceae, mucronatae v. breye cuspidatae, adpressae, margine sca- 
riosae, ad apicem neryosae ac saepe subpuberulae, 3 — 5^"' longae; 
tubus conieo-cylindricus 2 — 3ploye exsertus, pollicaris y. pamm 
brevior, medio 2 — 3'^' latus, longitudinaUter yiridl-multistriatus, gla- 
ber, dentibus OTato-Ianceol^lJs, margine puberulis, medio zona lafa 
purpurea pictis, apice e?[pnl!ßscPTiiiljus. Gorolla^ pelala un- 
guibus calycb dentes subaequantihus, lincaribus, glabris, I a mi- 
ni s unguibus subaequilongis , oboveto -subrotundis, 2^—X'** htü^ 
margine siiperiore inciso-denlnlis, dentibuB jnaequalibus ad sammazn 
1"' longis, supra saturate purpureis, basi zona transversa subfl(?iuo^, 
^'^^ lata, atro-purpurea, barbata ptctiä^ subtus olivaceis. Capsuiam 
^ semina non yidi. 

OBSERV. Habilü D. Cfiry ophyllo ac fi^Ivcfitri acccdit^ petalis 
lonatis^.barbatb fdiisqae margine scabria facillime distinflueadu«. AD. 



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«naveolente Sft. (Refchenb. leonogr, M, eseoi» I. IM), eoi calyei* ae 
.petalis quidem simillimusy caadicis ac tnrionum iiidole^ nee non foliia 
Btrictis, linearibus, muiti-, nee uninerviis, longe recedit. 

89« DlanAlm» aettnopetalmi: mffrxMcemB, eaa- 
dicibus ramosis, ahbreviatis v. flexooso-elongatis, prostratis 
v* adscendentibus , turionibuB fasciculiformibus, catäibuB 
axillaribuSf eiongatis, strictis^ simplicibus y. apice abbre- 
viato-ramosis; foliis radicalibus conferdssimis , praelongis, 
linearibus, erectis, Tnerviis, glabris^ tnargine scabris, glau- 
eis; floribus paucis, subracemose- v, gubfaecictüato * coU'' 
fertis, qaandoque solitariis; squamis calycinis 6 v. 8, ova" 
libus oblongisve adpreasis, breve mucronatis v« cuspidatis, 
margine scariosis, bracteis basilaribus attenuato-subulatis 
plerumque saperatis; calyce longissimo striato; petalornm 
unguibus lange exsertis, lamina obovata, inciso-dentata, biisi 
barbatüy rosea. 

Dianthus actinopetalas Fenxl Pagill. pL n. 36. 

Hab. in regione inferiore Tauri oeeidenialis, — Kotschy eoU. n. 89, 

Caudex lignosus, crassitie calami scriptorii ac tenuior, cortice 
fusco, ragoso, gemmulis hebetatis ^urberculato vestitus, multiceps» 
plus minusre abbreviato- y. elongato-ramosus, ramis 1 — 4pollicari- 
bus, longe tenuioribus, saepe flexuosis, adscendentibus t. erectu, 
caalicaloram emortuorum internodio infimo superstite obsessis, apice 
turiones fasciculiformes sessiles v. parum elongatos caulesque flori* 
geros axillares emittentibus. Gaules teretiusculi t. ancipites, stric- 
ttssimi, digitales simplicissimi uniflori visi, t. spithamaei ac sesqui- 
pedales, ad apicem tunc plerumque racemoso- v. subfasciculato- 
ramosi, 2 — 9flori, ramulis erectis, ^ — 2polIicaribu8 1 — Sfloris, cum 
foliis eximie glauci, senescentes cum illis frequentissime purpuras* 
centes, glaberrimi. Folla basilaria ac turionum copiosa, primunk 
in eomas 2 — 4^ poUicares erectas, demum patulas dcnsata, firma, 
minime tarnen rigida y. pungentia, senescentia flexuosa y. spiraliter 
yarie torta, linearia, ^ — V** lata, attenuata, basi vaginante duplo 
latiora, multineryia, glabra, ad oras serrulato-scabra ; caulina he* 
momorpha, sensim breylora ac angustiora, strieta, minirae yero ri- 
gida, summa floribus saepissime yalde approximata, calycis tubi api- 
cem haud raro attingentia y. dimidio breviora , subulata , in 
bracteolas cuspidatas y. muticas oblongas sensim abenntia. Calycis 
squamae 6 — 8 (fl. duorum quoque 10 yisae) oyales y. oblongae^ 
adpressae, infimae plerumque minores, 1^ — 2'", summae 3 — 4J''' 
longae, acutae, muticae y. mucronatae y. in cuspidem adpressum 
1 — 2''' longum attenuatae, multistriatae, margine scarioso laeyissimae 
y. pubescentes, nee ciliatae; tubus squamis 3 — 4plo exsertus, sub 
anthesi cylindricus, basi parumper attenuatus, fnictiferus 10"14<'' 
plerumque longus ac^''^ latus, tota longitudine multistriatas, §^aber; 
yiiidis v. pufpurascens» dentlbos kiangulari-obiongis acvCis, basi ylt 



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9S6 

^Hi ],t|8, il^i''* loDgis, smobus fadUime, jam posi tnthecinab 
.demumque inter nervös, epidennide pest disseminationem solnta» 
maltifide dehiscens. Corollae petala unguibus linearibns, 
diente calyoe exaertis, glabria; laminis horizontalibua, s^miorbica- 
lariboa, |-r-6'" latis, baai late cun«ata flava pubescentibus, in 
ungaem 3^ longiorem deiiquesceniibua, margine irreguIarHer incis»- 
^lentätis, apice haud raro sobbilobia, saturate roseis, dentibos in- 
^cquilongia, longi^